Nr. 202 Zweiter Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Montag, 5|. August 195(
SJL-tfpoti
Fußball der Gießener Mannschaften.
Die Mannschaften der beiden hiesigen Vereine Spielvereinigung 1900 und VfB machten gestern aus eigenen und fremden Spielfeldern gute Figuren Die DfV.er gewannen auf eigenem Plan daS DerbandSspicl gegen Horas-Fulda mit 3:1. Die zweite und dritte Mannschaft waren spielfrei. Die Schüler spielten gegen die ersten Schüler der Spielvereinigung 1900 0:0.
Die Liga der Spielvereinigung vermochte auf dem heißen Boden in Fronhausen ebenfalls einen Sieg zu erringen. Mit 4:1 muhten sich die Platzbesiher geschlagen bekennen. Die zweite Mannschaft verlor allerdings gegen die zweite von Fronhausen mit 5:2, die Alten Herren dagegen eiferten der Liga nach und gewannen ebenfalls mit 4:1. Die Lehrmannschaft errang gegen Lollar mit 3:1 einen schönen und hoch einzuschähenden Sieg: am Sonntag muhte sich die erste Mannschaft von Watzenborn-Steinberg gegen die gleiche Mannschaft der 1900er mit einem Unentschieden von 2:2 zufrieden geben. Die vierte Mannschaft gewann gegen die erste von Darbenheim mit 4:1. Die erste Äugend muhte sich in Weilburg mit 3:2 knapp geschlagen bekennen.
Punfffämpfe in öer Gruppe Main.
Die Gruppe Main hatte am letzten Augustsonntag einige sehr interessante Spiele auf der Karte. Mit besonderer Aufmerksamkeit blickte man nach Bornheim, wo der Fuhballsportverein gegen den Tabellenführer Offenbacher Kickers vor 8000 Zuschauern nach einem sehr harten Kampf ein Unentschieden von 1:1 erzielte. Die KickerS teilen sich jetzt mit dem Meister Eintracht in die Führung, denn die Eintracht konnte in Hanau einen
— wenn auch knappen — 3:2-(2:0-)Sieg buchen. Rot-Weih Frankfurt verlor in Reu-3senburg die Punkte, die Platzherren blieben mit einem 1:0 (1:0) in Front. Während die genannten Ergebnisse nicht ganz unerwartet kamen, gab eS in den beiden anderen Spielen des Tage- Ueberraschun- gen. Mit einem Sieg von Union Riederrad gegen Germania 94 hatte man zwar gerechnet, aber doch nicht gleich mit einem 10: 0 (4:0). Germania Bieber lieh sich aus eigenem Platz von dem Heuling Heusenstamm mit 2:4 schlagen.
Oie punltelampfe in Heften.
In der Gruppe Hessen konnte am Sonntag der Liganeuling Kastel über Alemannia Worms mit 2:1 seinen dritten Sieg buchen und damit weiter vor Mainz 05, daS auS Lorsch einen überraschend hohen 6:2-Sieg mit nach Hause brachte, die Tabellenführung behalten, 3n den übrigen Spielen gab eS drei Überraschungen. Wormatia gewann nur ganz knapp 1:0 gegen Langen, Wiesbaden verlor an Walldorf unter interessanten Umständen mit 1:1 einen Punkt, und Darmstadt errang mit 42 gegen Urberach den ersten Sieg.
Vier Verbandsspiele in Süddeutschland
3n der süddeutschen Fuhball-Liga kamen am Samstag wieder vier Punktespiele zum Austrag, von denen allein drei unentschieden endeten, im übrigen alle Überraschungen brachten. Jeweils 1:1 spielten Bayern München gegen DSD. München und DfR. Mannheim gegen Sandhofen. Phönix Karlsruhe und Rastatt trennten sich 2:2, während die Dp. Dg. Fürth gegen den ASD. Rümberg nur knapp 3:2 gewann.
Herbst-Regatta in Gießen.
Die Herbstregatta deS Lahnregatta-DerbandeS, die am Sonntag zur Austragung gelangte, war dem Verein Rudersport 1913 Gießen übertragen. Am SamStagnachmittag und am SonntagvormittSg wurden die bet der grohen Anzahl der eingelaufenen Meldungen notwendigen vielen Dorrennen ausgefahren. Bereits in diesen Dorrennen entwickelten sich außerordentlich scharfe Kämpfe, in denen sich trotz stärkster auswärtiger Konkurrenz die (Siebener Vereine sehr gut zu behaupten vermochten und sich meist bis in die Entscheidung durchrinaen konnten. Am Eonntagnach- mittag Begannen die Hauptrennen, die flott zur Durchführung gelangten. Das umfangreiche Programm von 19 Rennen wurde in der vorgesehenen Zeit durchgeführt. Die Einführung des Zehn- Minulen-Starts wurde von allen Besuchern der Regatta sreudig begrübt. Trotz alledem nahm die Abwicklung der Regatta vier Stunden in Anspruch.
Der erfolgreichste Verein der diesjährigen Herbstregatta war die (Siebener Rudergesellschaft von 1877. Aus nicht weniger denn fünf Rennen (von acht gemeldeten Rennen) gingen die Mannschaften der GRG. als erste Sieger hervor. Der Verein Rudersport muhte sich allerdings mit einigen zweiten Plätzen begnügen. Der (Siebener Ruderklub Hassia vermochte lediglich einen zweiten Platz im 3ungmann-(3iner zu belegen. Die Mannschaften der GRG. erwiesen sich als in ausgezeichneter Form und lieferten ihren Gegnern großartige Kämpfe. Reben der GRG. vermochte auch die Frankfurter Rudergesellschaft einige schöne erste Siege zu erringen; die Mainz-Kasteler blieben in den von ihnen belegten Rennen ebenfalls siegreich. 3n den beiden Damen-Rennen des
TageS blieben die Offenbacher Damen vor den Damen des Vereins Rudersport in Front. Der Große Achter, der die erfolgreiche Mannschaft von Mainz-Kastell im Rennen sah, wurde von Mainz-Kastell in hervorragender Zeit vor der Mannschaft der Donner RG. bravourös gewonnen. Die Regatta war von einigermaßen gutem Wetter begünstigt; obwohl gegen ba$ Ende leichter Regen niederging, wurde die Deranstaltung doch nicht wesentlich beeinträchtigt. Das Publikum, das sich sehr zahlreich eingefunden hatte, nahm lebhaftesten Anteil an den spannenden Kämpfen. Die erzielten Zeiten dürfen als sehr gut bezeichnet werden.
Am Samstagabend fanden sich die Ruderer im Bootshaus des DereinS Rudersport zu einem bunten Abend ein, der einen sehr schönen Verlauf nahm. 3m Anschluß an die Rennen am Sonntag fand die Preisverteilung statt.
Oie Ergebnisse:
Lahn-Iungmann-Vierer: 1. (Siebener 9x(9. 5:58; 2. Verein Rudersport 6:08. Die körperlich kräftigere Mannschaft der (Siebener RG. (Wei» bia, Kuschte, Neuroth, Goetz, St.: Loh) errang einen sicheren Sieg vor Verein Rudersport. Mit nahezu drei Längen Vorsprung gingen die (Siebener RG.er durch das Ziel. Hassia und Marburger RD. schieden bereits im Dorrennen aus.
Herb st-Vierer (1. Rennen): 1. (Siebener RG. 5:47,2; 2. Bonner RG. 5:47,4; 3. Wetzlarer RT. Nach einem scharfen Kampf zwischen (Siebener RG. (Knobeloch, Heß, Schneider, Hochstätter, St.: Loh) und Bonner RG. auf der ganzen Strecke, gingen die Siebener RG.er mit knappem Vorsprung durch das Ziel. Wetzlarer RE. lag weit zurück.
Jugend-Gig-vierer: 1. Rv Rüsselsheim 3:16; 2. Frankfurter RV. Sachsenhausen 3:18. Die Rüsselsheimer gingen sehr frisch mit einer halben Bootslänge Vorsprung durch da» Ziel.
Herd st-Vierer (2. Rennen): 1. Frankfurter RG. „Germania' 5.51,8; 2. Mainzer RV. 5:55; 3. Essener T. u. F. aufgegeben. In einem scharfen End- kompf gewannen die Frankfurter mit einer halben Länge Vorsprung.
Er st er Lahn-Vierer: 1. Siebener RG. 5:50; 2. Weilburger RV. 6:03. Den Weilburgern war die Revanche für die Iubiläumsregatte nicht gelungen; sie mubten sich vielmehr von der (Siebener RG. (Flimm, Becker, Köhler, Hartmann, St.: Loh) schwer geschlagen bekennen. Nahezu vier Längen lagen die (Säfte zurück. Die Gießener gingen überraschend frisch durch das Ziel.
Iungma^n- Achter (um den Herausforderungspreis de» Vereins „Uferkritik"): 1 Mainzer RA. 1878 5:18; 2. Neuwieder RG. 5:28. Beide Mann- schoflen ruderten das Rennen in schönem Spiel. Die Mainzer errangen mit eineinhalb Bootslängen Vorsprung einen sicheren Sieg.
Iungmann-Einer: 1. K. Altmann (Neuwieder RG.) 6:34; 2. Ludolf Henn (Hassia (Sieben) 6:54. Dem Favoriten Altmann konnte der Sieg nicht streitig gemocht werden.M)er Marburger Bier- mann gab auf. Rübsam (Gießener RG.) schied bereits im Vorrennen aus.
Domen-Gig-Dlerer (1000 Meter): 1. Offenbacher RB. 3:17; 2. Verein Rudersport 3:22. Die Offenbacherinnen waren nicht zu schlagen. Mit zwei Längen Vorsprung gingen sie vor den Gießenerinnen durch das Ziel. Immerhin hielten sich die Domen vom Verein Rudersport sehr tapfer.
Zweiter Vierer: 1. Mainz-Kasteler RG. 5:48; 2. Akad. Ruderoerbinduna „Westfalen' Münster 5:59; 3. Essener T. u. F. 6:15,8. Erwartungs- gemäß ließen die Moinz-Kosteler in der Besetzung Gens, Berg, Paope, Bock, St.: Diefenbach, ihre Gegner weit zurück. Verein Rudersport schied bereits im Vorrennen aus.
Alt-Herren-Vlerer: 1. Frankfurter RG. „Germania" 6:14,4; 2. Mühlheimer RG. 6:14,8. Die ölten Herren lieferten sich einen rassigen Kamps und dielten eine gute Zeit. Ein knapper Sieg der Frankfurter.
Herb st • Achter (Georg - Appel - Gedächtnis - Preis): 1. Frankfurter RG. „Germania" 5:26; 2. Essener I. u. F. 5:30; 3. Neuwieder RG. 5:31,8. Noch dem die Neuwieder eine Zeitlang die Führung halten konnten, holten die Frankfurter Germanen ropid auf und machten das großartige Rennen mit eineinhalb Längen vor den Ruderern des Essener Turn- und Fechtklubs, während die Neuwieder auf den letzten Platz zurückfielen. Leider schied der Achter der Gießener RG. (Heussel, Schneider, Knobe- loch, Fleß, Georgi, Timpe, Schneider W., Hoch- ftätter, St.: Loh) im Vorrennen gegen Frankfurter RG. Germania aus, trotzdem die Mannlchaft die zweitbeste Zeit der Vorrennen fuhr (5:21) und auch die Zeit des Hauptrennens unterboten hatte.
Anfänger-Vierer: 1. Mainzer RV. 5:52,8; 2. Neuwieder RG. 5:55,8; 3. Siegburger RV. 5:59. Die Mainzer rissen den Sieg an sich. In je einer Bootslänge Abstand folgten die beiden anderen Boote.
Junior-Vierer (um den Ehrenpreis be» Rektors der Universität Gießen): 1. Saarbrücker RG. „Undine". „Saar" Saarbrücken und Weilburger RD. gaben bald auf, so daß „Undine" einen leichten Sieg errang.
Lahn-Achter: 1. Gießener RG. 5:21; 2. Verein Rudersport 5:31,4. Dos Lokalderby endete mit einem sicher errungenen Sieg der Gießener RG.» Mannschaft. Die Zeiten der beiden Mannschaften dürften als ausgezeichnet betrachtet werden. ((Siebener RG: Weidig, Kuschke, Flimm, Hartmann, Köhler, Becker, Neuroth, Goetz, St.: Loh. Verein Rudersport: Münch, Wagenbach, Haas, Seipp, Beck, Steinbach, Fröhlich, Immel, St.: Mühlich.)
Lahn-Einer: 1. Friedel Iödt (Gießener RG.) 6:15,2; 2. Ernst Leitz (Wetzlarer RV.) 6:20.
Heinrich Grünfeld erzählt...
3um Tode des berühmten Eellisten.
Mit Professor Heinrich Grünfeld, der, wie bereits gemeldet, am 26. August im Alter von 76 Jahren gestorben ist, verliert Das musikalische Berlin nicht nur einen Künstler hohen Ranges — seine Abendkonzerte waren 50 Jahre lang Treffpunkt der Gesellschaft —, sondern auch einen sehr amüsanten und schlagfertigen Plauderer. Die Zahl der von ihm und über ihn kursierenden Anekdoten ist Legion. Daß er es trotz seiner gewandten Zunge fertig- brachte, niemand zu verletzen, sondern jeden sich zum Freund zu machen, stellt seiner Menschlichkeit das schönste Zeugnis aus. Jemand jagte von ihm:
Und haßt er auch den Lorbeerplunder, das bleibt sein schönstes Ruhmesblatt: Er ist das Wunder aller Wunder — Der Mann, der ke i n e Feinde hat.
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Man täte einem Mann wie Grünfeld Unrecht, wollte man sich nicht auch bei diesem Anlaß, der viele traurig stimmte, an einige der Geschichten erinnern, mit denen er so vielen Freude machte, und die er zum Teil selbst in seinem Erinnerungsbuch ,Ln Dur und Moll" erzählt.
Reizend ist eine Geschichte, die er von Hellmes. b e r g e r berichtet. Hellmesberger war Kapellmeister und hatte einen Kollegen, den (Seiger Grün, über den er gern spottete. Einmal meinte er: „Grün fehlt immer, Grünfeld nie." Ein andermal aber erzählte er: „Heute nacht träumte mir, daß ich gestorben sei. Das war mir sehr unangenehm, aber was sollte ich machen! Ich ging also oben hinauf und klopfte be- scheiden ans Himmclstor. Petrus machte auf und fragte barsch, was ich hier suche. .Verzeihen Sie, Herr von Petrus', antwortete ich, .mein Name ist Hellmesberger. Ich war ein bescheidener Geiger auf Erden und bin seit heute nacht tot. Ich möchte nun gern hier in den Himmel.' Worauf Petrus höchst ungnädig erwiderte: .Für Geiger haben wir keinen Platz ...' Da sehe ich durch die Türspalte ganz ge- mütlich den Grün in den Wolken herumjpazieren. Ich antwortete also: .Aber verzeihen Sie. Herr von Petrus, da geht ja doch der Grün spazieren!' Doch Petrus meinte aufklärend: /Der Grün? Der Grün war sein Lebtag kein Geiger!'"
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Bei einer Trauerfeier spielte Grünfeld ein sehr gefühlvolles Cellosolo und rührte damit die Anwesen, den bis zu Tränen. Einer schüttelte ihm ergriffen die Hand:
„Versprechen Sie mir", bat er, „daß Sie auch bei meiner Bestattung spielen."
„Aber gern, Herr Kommerzienrat", meinte Grün- feld freundlich, „was möchten Sie gern hören?"
In einem Gespräch mit Richard Strauß fragte Grünfeld angesichts des Riesenhanorars. das Strauß gerade für einen Militärmarsch eingesteckt hatte: „Wie kommen Sie sich eigentlich vor, lieber Strauß, wenn Sie Ihre Honorare mit den Summen Dergleichen, die Ihren seligen Kollegen Mozart, Schubert, Beethoven gezahlt worden sind?"
Strauß meinte: „Das will ich Ihnen gern erklären. Ich muß heute Geld verdienen, denn ich halte mich nicht so lange wie die anbernr
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Als Grünfeld einmal auf einer Tvurnse in Holland auch nad) Leiden kam und dort vor einem halbleeren Saal spielen mußte, meinte er: „Spielet in Leiden, ohne zu klagen."
Ein sehr reicher, aber sehr geiziger Herr ärgerte das Hausmädchen eines Bekannten, bei dem er ein- und ausging, damit, daß er ihm niemals ein Trinkgeld gab. Als es ihn eines Abends wieder zur Haus- tür brachte sagte cs zu ihm: ,Lch habe in der vergangenen Nacht geträumt, daß Sie mir zehn Mark Trinkgeld gegeben haben." Lakonisch antwortete der Gast: „Ein bißchen viel, aber behalten Sie es ruhig!".
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Eine entzückende Geschichte erzählte Grünfeld von einem zartfühlenden Badegast, den er bei der Kur kennengelernt hatte. Diesem Mann starb plötzlich ein Freund, und er übernahm es, die Gattin schonend zu benachrichtigen. Er depeschierte: .Leopold leicht erkrankt — Beerdigung nächsten Donnerstag!".
Besonderen Spaß machte es Professor Grün seid, Sprichwörter umzudrehen. So sagte er: Je schöner der Abend, desto später die (Säfte. Sage mir, mit wem du umgehst, und ich werde dir sagen, wie er heißt. Einmal wurde er gebeten, bei einer Ein- äscherung zu spielen. Die Gattin des Verstorbenen ließ ihn darauf aufmerkam machen, daß der Der- blichene die Opern „Lohengrin" und „Meistersinger" besonders gern gehört habe und ließ ihn fragen, ob er nicht etwas daraus spielen wolle. Er ließ ihr sagen, daß es nicht üblich sei, bei derartigen Gelegenheiten etwas aus Opern zu spielen, er könne doch unmöglich aus .Lohengrin" zum Beispiel „Endlich allein" ober „Nun zieh' dahin, mein lieber Schwan" spielen.
4000 Jahre alte Medizin.
Eins der wichtigsten Zeugnisse zur Geschichte der altäghptischenMedizin, der sog. Edwin» Smith-Papyrus, der eine Art Lehrbuch für den medizinischen Unterricht aus der Pyramidenzeit, also mindestens vor viertausend 3ahren. darstellt, ist von dem amerikanischen Aegyptologen D r e a - sted herausgegeben worden und wird in seiner Bedeutung für die Heilkunde von dem Berliner Medizin-Historiker Professor P. Diepgen gewürdigt. Ein Mann der Praxis hat hier auf Grund lebendiger ärztlicher Erfahrung eine Sammlung von 48 Fällen zusammengestellt; es ist nur ein Fragment des ganzen Lehrbuchs, dessen Fälle vom Lehrer erläutert und vom Schüler nach Art eines Kollegheftes durch Rachträge ergänzt wurden. Die Beobachtungen zeigen große Selbständigkeit und nüchterne Sacht chkeit. „2tm meisten". so urteilt Diepgen in der ,Deutschen Medizinischen Wochenschriftimponieren .die Kenn t- nis vom Herzen als dem wirklichen Zentrum eines Systems im ganzen Körper verteilter blutführender Gesäße und vom Puls als Ausdruck der Herzkraft, ferner Ansätze zur Kenntnis der Stellung des Gehirns und Rückenmarks als Zentrum und Kontrollorgan peripherer Funktionen, zahlreiche feine Einzelheiten über die Folgen von Knochen- und Wirbelverletzungen und ein über das bisher bekannte Herausgehen der induktiven Methode bei der Diagnose. Die fast ausschließliche Beschränkung auf Unfall und Kriegsverletzungen beschränkt natürlich auch die historische Auswertung. die sich nur auf die ägyptische Ehirurgie erstrecken kann." Der Verfasser prüft u. a. die Wundabsvnderungen mit seinem Geruch, wendet die Klopfmethode an und sucht die Art der Krankheit durch die Möglichkeit gewisser Bewegungen zu erkennen, zu denen er den Patienten auffotbert. Es scheint, daß er auch schon den Puls zählte. 3edensalls stellt die bei 13 Fällen gegebene Be- K* ung der Diagnose aus den festgestellten Tat- das älteste Beispiel der induktiven Methode in der Geschichte des mensch- lichen Geistes dar. Stets wird sorgfältig geprüft, ob die Wunde nur die Weichteile oder auch den Knochen in Mitleidenschaft gezogen hat, ob edlere Organe verletzt sind usw.
Bei der Behandlung werden die eigentlichen chirurgischen Maßnahmen von der Anwendung der Arzneimittel unterschieden. Der altägyptische Chirurg verwendet, wie es auch heute noch geschieht, aufsaugende Scharpie, bei Verletzung der Rate und Ohren festere Tampons, Verbände aus Leinen, deren geschickte Anlegung er wohl von dem besten Bandagisten des Altertums,
Leitz konnte diesmal brm talentierten Gießener Iödt nicht ernstlich gefährlich werden. Mit drei Längen Vorsprung siegte Iodt jederzeit sicher. Iödt fuhr da» Rennen in bestechendem Stil
Iungmann • Vierer (HerrmaniHappel-Gedächtnis-Preis): 1. Saarbrücker RG „Undine" 6:33; 2. Verein Rudersport 6:40. Der Iungmann-Vierer unterlag gegen die ausgezeichnete Mannschaft von „Undine" Saarbrücken erst nach einem scharfen Rennen. Die Gießener (Munch. Wagenbach, Fröhlich, Immel. St : Mühlich) gefielen sehr gut.
Damen-Gig-Vierer: 1. Offenbacher RV. 4:02; 2. Verein Rudersport 4:09. Die Gießenerinnen mußten sich auch hier den befferen Offenbacherinnen beugen.
Ermunterungs-Vierer: 1 Akad Ruderverbindung „Westfalen" Münster 5:55,5; 2. Wassersport Oberhausen 6:09.
Großer Achter: 1. Mainz Kastel 5:14,2; 2. Bonner RG. 5:25. Die Mainz-Kasteler hatten sich bereits bei 1000 Meter einen Vorsprung von zwei Längen erarbeitet und lagen im Ziel mit dreiein- falb Längen vor dem Gegner. Ein glänzender End- purt, der die Leistungsfähigkeit der Mannschaft eindrucksvoll unter Beweis stellte, riß das Publikum zu lebhaftem Beifall hin.
Im Staatspräsidenten -Vierer, der nicht ausgefahren wurde, erhielt die Mainz-Kasteler RG. den Preis zugesprochen.
Kurze Sportnotizen.
Die Deutsche Sportbehörde hak setzt wieder eine Reihe von Bestleistungen als deutsche Rekorde anerkannt. So den im Zchnkamps mit 7875,205 Punkten von S i e v e r t - Hamburg. Die übrigen Rekorde wurden von den Frauen aus- gestelft. Zweimal figuriert Ellen Braumüller aruntcr, und zwar im Fünfkampf mit 371 Punkten und im Speerwurf mit 42,28 Meter.
3 ack Dernpsey, der auf seiner Schaukampftournee einen Riesenverbrauch an Sparringspartnern hat, will Ende des 3ahres im Madison Square Garden in Reuyork zum ersten- mal wieder ernsthaft boxen. Dom Ausgang diefe- KampfcS hängt cs ab, ob er sich noch einmal um die Weltmeisterschaft bewirbt oder nicht.
Bei den Europameisterschaften im Schwimmen in Paris siegte Ungarn im Gesamtergebnis der Herren (Europapokal) mit 101 Punkten vor Deutschland (84), Frankreich (34), Italien. Oesterreich, Schweden, Tschechoslowakei und Belgien. Auch im Wasserballturnier belegte Deutschland hinter Ungarn den zweiten Platz.
Beim Bad Homburger Tennisturnier getoarm Roderich Menzel das Endspiel im Herren-Einzel gegen Kuhlmann mit 6:1, 6:1, 4:6, 6:0, während das Damen-Einzel von Aenne Peitz gegen 5tL Horn-Wiesbaden mit 6:3. 7:5 gewonnen wurde.
Der Leichtathletik - Länderkampf Schweiz—Deutschland endete am Samstag in Bern zum 11. Male mit dem überlegenen Siege der deutschen Vertretung, die dazu noch nicht einmal unsere erste Garnitur war, mit 79'/, :57V, Punkten. Don den 15 Konkurrenzen fielen allein 11 an die Deutschen. Auch der Länderkampf gegen England konnte von den Deutschen gewonnen werden. Mit 7'/.:4"< Siegen biteben die Vertreter unserer Ration In Front. Der Schauplatz deS Länderkampfes Deutschland—England war das Kölner Stadion.
Taten für Montag, 31. August.
1821: der Raturforscher Hermann v. Helmholtz in Potsdam geboren. — 1864: der Sozialist Zerd. Lassalle in Genf gestorben. — 1920: der Philosoph Wilhelm Wundt in Groh-Dothen bei Leipzig gestorben.
dem Leicheneinbalsamierer, gelernt hatte. Er kannte drei Arten von Schienen, wie sie auch durch Mumienfunde belegt sind, nämlich solche aus leinenumwickeltem Holz, ander« aus mehrfach gelagertem, mit Leim imprägniertem Leinen, die sich den Körperformen besser anfdjmiegcn, und die dritten aus fest gerolltem Leinen, z. B. beim Bruch des Rasenbeins. Bei einem ganz besonders gefährlichen Fall von Schädelverletzung wurde auch eine Stütze aus Ziegeln hergestellt, durch die der Patient unter den Armen gestützt und so im Eitzen aufrecht erhalten wurde. Klaffende Wunden wurden mit Heftpflaster zusammen- gezogen wie auch richtig genäht, wie man eS ähnlich beim Schließen der geöffneten LeibeShöhle nach der Einbalsamierung tat Ein weiterer chirurgischer Eingriff war das Ausbrennen, das mit einem glühenden Stab ober Drillbohrer ausgeführt wurde. Bohrinstrumente, die zur Oeff- nung von Zahngeschwüren dienten, hat es in der Zeit der vierten Dynastie, also um 2900 v. Ehr. sicher gegeben. Unter den andern De Handlungsweisen bevorzugt der alte Arzt daS Auflegen von frischem Fleisch auf die Wunden, das durch einen Verband, aber nur am ersten Tag. festgehalten wird, dann folgt Auflegen von Salben mit Leinenlappen, die mit Fett und Hoiüg bestrichen sind. Bei Wundstarrkrampf werden warme Tlmschläge verordnet. An Heilmitteln finden wir die Der- Uxmbung von Salizyl in Gestalt von Weinblätterabkochung. von 2lmmoni af-Q3erbinbungen in Gestalt von 5hmg, sowie eine zusammenziehende Lösung, die Kupfer und Ratriurn enthielt. Bisweilen wird vor jeder Behandlung gewarnt und ausdrücklich die gewohnte Kost vorgeschrieben. Besonders merkwürdig ist, daß schon in dieser ältesten Zeit der ägyptischen Kultur eine S pez i a- lisierun g eingetreten ist. Das geht aus der scharfen Trennung der chirurgischen Behandlung von der durch Arzneimittel berrmr. Das hochstehende chirurgische Wissen, das sich hier offenbart, konnte ja auch nur auf dem Boden einer speziellen Ausbildung erworben werden. Wir wissen übrigens auch aus anderen Quellen, bah unter den ägyptischen Aerzten schon zu Ende des alten Reiches ein ausgedehntes Spezialistentum bestanden haben muß. So wurde einem Arzt der vierten Dynastie ein Grabmal gewidmet, auf dem der Dahingegangene zahlreiche Titel erhält. Er wird be- -eich7et als .der Arzt des Bauches des Pharao, der Hirte des Afters, der Oberste der Magier, bet geheime Rat, bet Aufseher bet Aerzte des Pharao, ber Arzt bet Augen des Pharao. " Daraus ergibt sich ebenfalls, baß schon bamals Spezialisten für bie Erkrankung der Dauchvtgane, für innere Krankheiten, für die Augen usw. vorhanden waren.


