Die Winterhilfe für Erwerbslose
und Minderbemittelte.
Aus dem Haushaltsausschuß -es Reichstages.
der Beamtenschaft wieder auf den Stand der unzu- länaltchen Goldgehälter unmittelbar nach der Inflation zurückwerfen, die auch die Regierung wiederholt als ,Hungergehälter" bezeichnet hat. Der Allge- meine Deutsche Beamtenbund warnt die Reichs- rcgierung in letzter Stunde, diesen Weg zu beschreiten?
Oie christlichen Gewerkschaften zur Wirtschaftslage.
Berlin, 27. Rov. (CNB.) Der Vorstand des Gesamtverbandes der Christlichen Gewerkschaften Deutschlands hat sich in einer dringenden Eingabe an die Reichsregierung gewandt, in der ausaeführt wird, es fei ein Irrtum, anzunehmen, daß durch die bloße Senkung der Löhne und Gehälter die Preise in entsprechendem Ausmaße von selbst fielen. Die Preise seien längst nicht dem vor mehr als Jahresfrist ein- letzenden Absinken der Löhne t n hinreichendem Maße gefolgt, hingegen seien in den letzten Tagen und Wochen in vielen Gewerben er- neut erhebliche Lohnherabsetzungen vorgenommen worden. Besonders auf die Senkung der L e - bensmittelpreise und der überhöhten Preisspannen sei stärkster Nachdruck zu legen. Desgleichen sei Preis-, Miet- und Zins- se n tun g im Interesse einer gesunden und produk- tiven Wirtschaft im beschleunigten Verfahren durch- zuführen. Die Frage der Verwaltungs - und Reichsreform müsse jetzt ebenfalls in Angriff genommen werden. Die Eingabe fährt fort: Zur Rcichsregierung haben wir das Vertrauen, daß sie an den Grundrechten der Arbeitnehmer nicht rütteln läßt. Aus sozialen und staatspolitischen Grün- den werden sich die christlichen Gewerkschaften mit aller Schärfe für die Erhaltung des sozialen Schutzes nach wie vor einsetzen. Dabei wird vor allem von der Reichsregierung erwartet, daß sie bei den bevorstehenden Maßnahmen auf die bereits sehr bedrängte Lage der Arbeitnehmer Rücksicht nimmt.
Landesausschußwahlen im Landesteil Birkenfeld.
Ob er st ein 29.Nov. (WTB.) Bei der Heu- tigen Wahl zum Landesausschuh im oldenburgi- schen Landesteil Birkenfeld war das markanteste Ergebnis der Stimmenzuwachs der Nationalsozialisten, die eine Zunahme um rund 100 Prozent zu verzeichnen haben und nur um einen geringen Prozentsatz hinter der absoluten Mehrheit zurück i ben. Die Na iona so ia isten er. rangen von den 25 zu vergebenden Mandaten 12, die Sozialdemokraten der oren die. die Landwirte vier, die verein glen Bürger» l i ch e n vier und das Zentrum ein Mandat. Die S t a a t s p a r t e i ist im Landesausscbuß nicht mehr vert.eten. Gewonnen h^b n außer den Nationalsozialisten noch die Kommun i ft en zwei Mandate.
Sie japanische RüütvarlS- bewegung in der Mandschurei.
London, 30. Nov. (WTD. Funkspruch.) Neu. ter meldet aus Mulden, daß die japanische Bri- gade, die am Freitag in Richtung Tschin- schau vorgedrungen war, ihre Rückwärts b e w e g u n g in Richtung auf Mulden nahezu beendet habe. 200 Eisenbahnwagen mit Truppen und Schießmaterial seien bereits eingetroffen. Auch aus Tsitsikar sei eine starke Abteilung japanischer Truppen angekommen. Alle Truppen, die sich außerhalb der japanischen Zone befinden, sollen zurückgezogen bzw. auf ein Mindestmaß herabgesetzt werden. Nur in Kirin, Tschuliuho und Tsi- s i k a r sowie in Tschuengschiatun oder Taonan sollen japanische Besatzungen verbleiben. 3n Mukden wird der japanische Rückzug mit der Beruhigung der Lage in Tientsin begründet, die den Anlaß zum japanischen Vormarsch auf Tschintschau gegeben haben. „Sunday Times" berichtet aus Tientsin, die Chinesen hätten den Japanern den Vorschlag gemacht, ihre Truppen, die in der Nähe der japanischen Kon- zession liegen, zurückzuziehen. Die Japaner sollen sich mit dem Vorschlag einverstanden er- klärt, jedoch weitere Verhandlungen ge. fordert haben. Nach beiderseitiger Verständigung scheint für die Nacht zum Sonntag eine Art Waffenstillstand zwischen beiden Parteien geschlossen worden zu sein.
Kleine politische Nachrichten.
Gerüchte über einen ungünstigen Gesundheits- zustand des Reichspräsidenten tauchen erneut auf. Amtlich werden diese Gerüchte als völlig aus der Luft gegriffen und unzutreffend bezeichnet. Das Befinden des Reichspräsidenten ist nach wie vor sehr gut.
Der Haushaltsausschuß des Reichstages beriet die Frage einer zusätzlichen Winterhilfe. An dieser Beratung beteiligten sich Vertreter der DVP. nicht, weil die Regierung ihrer Meinung nach nicht ausreichende Unterlagen vorgelegt hotte. Reicksfinanzminister Dietrich erklärte, daß er für die Erklärung der DVP. insofern Verständnis habe, als es nicht gut möglich fei, über eine neue Belastung der Finanzen des Reiches, der Länder und Gemeinden sowie der sozialen Versicherungs- träger au verhandeln, solange über die Gestaltung der öffentlichen Finanzen noch Verbandlungen schwebten. Vom Standpunkt seines Ressorts müsse er deshalb den Wunsch aussprechen, daß im gegenwärtigen Moment keine große Belastung der Reichsfinanzen für die Winterhilfe beschlossen werde. Die Ruhrkohlenindustrie habe eine Million Tonnen zu 10 Mark pro Tonne zur Verfügung gestellt, so daß der Zentner 50 Pf. kosten würde. Wenn man davon ausgehe, daß eine Familie 10 Zentner bekomme^ würde diese eine Million Tonnen schon für 2 Millionen Familien ausreichen. Da- zu trete dann die Hilfe der anderen Reviere, die auch bereits zugesagt sei, so daß über 2 Millionen Tonnen verbilligt an Erwerbslose usw. abgegeben werden könnten. Das Reich sei bereit, noch 12 Millionen Mark berettzu- stellen, um die freiwillige Aktion der Kohlensyndi- kate zu verstärken. Auf diese Weise würde cs möglich sein, die zwei Millionen Tonnen, die von den verschiedenen Revieren angeboten werden, noch einmal um 6 Mark pro Tonne zu d e r billigen. Unter Zuzahlung von 6 Mark pro Tonne und unter Herabdrückung der Frachten könnte das Problem der Kohlenveriorgung für die Erwerbslosen einigermaßen erträglich gestaltet werden.
ReichSernährungsmimster Schiele wies darauf hin, das eine Verbilligung der Kartoffeln bisher schon dadurch erreicht worden sei, daß z. B. in Berlin auf Grund einer Abmachung zwischen dem Groß- und Kleinhandel die Minderbemittelten, Erwerbslosen usw., die sich bei den Klein-
Der Reichspräsident führt seine Amtsgeschäfte wie gewohnt in voller Frische.
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Der hessische Innenminister L e u s ch n e r teilt mit: Durch die Presse läuft eine Nachricht, in der es heißt, daß ich angeblich in eine Stellung beim Internationalen Arbeitsamt in Genf berufen werden soll. Mir ist von derartigen Absichten nicht das Geringste bekannt.
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Der Reichsarbeitsminister hat, nachdem die Nachverhandlungen über den Ruhrschiedsspruch, der Öen Loyntarif unverändert verlängert, ergebnislos verlaufen waren, diesen Schiedsspruch nunmehr für verbindlich erklärt. Damit sind die vom Zechenverband ausgesprochenen vorsorglichen Kündigungen der Ein- zelarbeitsverträge gegenstandslos geworden. Der Zechenverband hat indessen den Lohntarif mit der vorgesehenen vierwöchigen Frist zum 31. Dezember 1931 wieder gekündigt.
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Wie der Reichsbund der höheren Beamten mitteilt, treten seine sämtlichen Landesverbände am 2. Dezember 1931 zu einer außerordentlichen Tagung in Berlin zusammen. Der Reichsbund hat in einer Besprechung mit dem Reichsarbeitsminister Steger- wald seine Befürchtungen hinsichtlich einer weiteren Gehaltskürzung dargelegt und eine Eingabe an die Reichsregierung gerichtet, in der u. a. Hilfsmaßnahmen für die mit festen Zahlungsverpflichtungen belasteten Beamten gefordert werden.
Aus aller Well.
Geheimnisvolle Brandstiftungen auf Jütland.
In der Umgegend von Hobro bei Aarhus (Jütland) verbreitet ein Brandstifter seit einigen Wochen eine regelrechte Panik. Nachdem in kurzer Zeit auf geheimnisvolle Weise sieben Dau- erngehöfte a n g e ft e d t worden sind, brannte am Samstag ein achtes Gehöft ab, obwohl man schon seit Wochen wußte, daß der Hof ausbrennen sollte. Der Brandstifter hatte an einem Fernsprechleitungspfahl ein Plakat angenagelt, aus dem er Tag und Stunde des Brandes angekündigt hatte. Auch anderen Hofbesitzern war und zwar durch Brief angekündigt worden, daß auf ihren Gehöften demnächst der Rote Hahn krähen würde.
Händlern in eine Liste eingetragen hätten, Kartoffeln Zu einem um 85 bis 90 Pf. je Zentner o e r billigten Satz erhielten. Dieses Beispiel Berlins habe auch in anderen Städten Schule gemacht. Der B r o t p r e i s sei in fast allen Großstädten für die Erwerbslosen gesenkt. Die Reichsregierung sei be- ftr?bt, eine Kürzung der Spanne im Brotpreis allgemein herbeizuführen. Die Situation am Fleisch- markt sei durch einen um 5 Millionen zu hohen Schweinebestand von 25 Millionen Stück und einem Mehrbestand von einer halben Million Rinder gekennzeichnet. Im Gegensatz zu den überfüllten Ställen sei ein Rückgang des Fleischver - b r a u d) e s In den letzten Monaten zu beobachten. Wenn man für etwa 5 Millionen Unterstützungsempfänger das Pfund Fleisch um 30 Pf. verbillige, und zwar für die Dauer von drei Monaten und dadurch zusätzlichen Konsum für Fleisch beschaffe, so erwachse dadurch dem Reich eine Belastung von etwa 15 Millionen Mark. Damit löse man das bei der Abdrosselung der Gefrierfleischeinfuhr gegebene Wort ein, daß für eine gewisse Zeit durch eine Verbilligungsaktion für einheimisches Frischfleisch ein Ersatz für die Gefrierfleischeinfuhr geschaffen werden solle.
Staatssekretär Heukamp vom Reichsernäh- rungsministerium erklärte: Die Verbilligung von wöchentlich einem Pfund Fleisch oder Speck mit 30 Pf. unter dem Tagespreis soll in allen 23er- faufs ft eilen mit Aushang ermöglicht werden. Der Kreis der Bezugsberechtigten wird die Unterstützten der Arbeitslosenversicherung, der Krisen- fürforge, der Wohlfahrtsfürsorge, der gehobenen Fürsorge und der allgemeinen Fürsorge, umfassen; ihre Feststellung und die Verteilung der Berech- tigungsscheine sowie die Abrechnung mit den Fleischverkäufern wird durch die Gemeinden erfolgen. Die Ausgabe der Berechtigungs- scheine soll so frühzeitig geschehen, daß der Bezug von wöchentlich einem Pfund Fleisch ober Speck Mitte Dezember beginnen kann.
Diele Bewohner haben die Fenster zugemauert, und um die Scheunen Erdwälle aufgeworfen. Am Sonntag wurde ein Knecht verhaftet, in dem man den Brandstifter gefunden zu haben glaubt.
Einbruch ins Reichsversicherungsamt. 40 000 Mark erbeutet.
3n der Nacht zum Sonntag haben bisher unbekannte Täter einen Einbruch in die fiaffen- täume des Reichsversicherungsamt» in Berlin verübt. Sie erbeuteten 40000 Mark Lohngelder. Das Reichsversicherungsamt liegt in der stillen Königln-Augusta-Straße und grenzt mit seiner Rückfront an große Gärten der Matthäi-Sirch- Strahe. 3m Reichsoersicherungsamt waren am Samstag 60 000 Mark Lohngelder abgehoben und in den Kassenräumen niedergelegt worden. Es war das erste Mal, daß derartige Beträge über Sonntag dort aufbewahrt wurden. Am Samstag- wurden 20 000 Mark ausgezahlt, fo daß noch 40 000 Mark in den Geldschränken blieben. Als der Mächler gegen 23.45 Uhr aus feiner Loge hinausging, um auf den Korridoren die Uhren zu siechen, schlugen plötzlich die Alarmglocken an, und die Schalttafel wies das Schild „Kaffe" auf. Der Wächter konnte jedoch nichts Verdächtiges bemerken. Bis 6 Uhr morgens hielt er sich in feiner Loge auf und ging dann nach Haufe. Sonntag vormittag kam ein Kassierer in die Kafsenräume und entdeckte zwei ältere Schränke aufgebrochen; der 3nhalt der Schatullen, 40 000 Mark, verschwunden. Die Täter hatten nach Verlassen der Kassenräume diese wieder ordnungsmäßig abgeschlossen. Als der Wächter in der Nacht mit drei Angestellten den Kassenraum betrat, wird der Täter höchstwahrscheinlich unter einen Tisch gekrochen fein und sich dort versteckt haben. Als sie das Zimmer wieder verlassen hatten, hat der Täter vermutlich seine Komplicen eingelassen.
3uwelenverkaus de» Hauses Wittelsbach.
Das Haus Wittelsbach hat den berühmten Blauen Diamanten, einen der schönsten Diamanten der Welt, außerdem neun außergewöhnlich große und klare Smaragde sowie eine Diamantentiara und andere Stücke durch die englische Kunsthandlung Christies mit Erlaubnis der bayerischen Regierung znmDerkauf angeboten, die dem Wittelsback)er Ausgleichsfonds bei der Auseinandersetzung zwischen dem bayerischen
Königshaus und dem bayerischen Staat überwiesen wurden. Der Wittelsbacher Ausgleichsfonds ist eine Stiftung des öffentlichen Rechts, deren Vermögen sich zum überwiegenden Teil aus land- und forstwirtschaftlichem Grundbesitz zusammensetzt. Der Rückgang der Erträgnisse — insbesondere in den Waldungen — war derartig katastrophal, daß die Stiftungsverwaltung aus den Erträgnissen dieser Vermögenswerte dem Stiftungszweck nicht mehr gerecht werden könnte. Dies hat zu dem Versuch geführt, durch den Verkauf bisher unrentabler Objekte Kapital z u f chaffen, um damit die Erträgnisse des Fpnds einigermaßen zu ergänzen. Die bayerische Staatsregierung als Aufsichtsbehörde der Stiftung hat unter Würdigung der überaus schlechten Finanzlage des Fonds die Genehmigung zum Vbrkauf der erwähnten Wertobjekte gegeben.
Erweiterungsbau der
Göttinger Universitäts-Frauenklinik.
In Göttingen wurde unter Beteiligung der Spitzen der staatlichen und der städtischen Behörden und der Vertreter der Universität der Erweiterungsbau der Universitäts-Frauenklinik feierlich eingeweiht. Der Direktor der Klinik, Prof. Dr. M a r t i u s , dankte dem preußischen Kultusminister für die Bewilligung der Bau- mittel. Der Kurator der Universität, Geheimrat Valentiner, überbrachte die Prüfte und Glückwünsche des preußischen Kultusministeriums.
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Wettervoraussage.
Durch den hohen Druck im Westen hat sich inzwischen eine Hochdruckbrücke gebildet, die pont Atlantischen Ozean in nordöstlicher Richtung über die britischen Inseln und Deutschland bis nach Polen und Rußland hin ragt. Die schon gestern von Osten her bis nach Norddeutschland vorgedrungene Frostgrenze gewinnt weiter an Raum, so daß bereits unser Gebiet mit hineingelangt. In Norddeutschland hat sich außerdem der Frost noch verstärkt, so daß die heutigen Morgentemperaturen stellenweise mehr als 10 Grad unter Aull lagen. Durch den Hochdruckeinfluh erhalten auch wir zunächst noch weiter sich verschärfendes Frostwetter.
Aussichten für Dienstag: Zunahme des Frostes, neblig und wolkig mit Aufklaren, meist trocken.
Aussichten für Mittwoch: Weiterhin Frostwetter und trocken.
Lusttemperaturen. Am 29. November: mittags 3,1 Grad, abends 1,3 Grad Celsius. Am 30. November: morgens —1,0 Grad Celsius. Maximum 4,0, Minimum — 1,3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe. Am 29. November: abends 4,0 Grad. Am 30. November: morgens 2,4 Grad Celsius.
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