Nr. 150 Sechstes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Dienstag, 30. Juni (931
Geschichten aus aller Welt
du
Q.Jl.-'fport
du
Pwvinziat-Reit- und Mrtumier in Hungen
erster Lime zu danken, daß eine
an
anderen Soldaten, der hinzugetreten war.
„S)m, nicht schlecht!" meinte der. „Was hast denn dafür bezahlt?"
„Drei Franks!"
Die wirtschaftliche Rotlage wirkt sich nicht zuletzt auch in der Bewegung der ländlichen Reitervereine aus. Dem tatkräftigen, unbeirrten Vorgehen des Junglandbundes Oberhessen ist es in
trugen. Auk welche Weise die Behörde das fragwürdige Geschäft liquidieren wird, ist vorläufig ein
amtliche „Entschuldigungsscheine" aus, in denen be- staligl wird, daß die allgemeine Durchduftung im A^nst vor sich gegangen sei. Mit diesem grotesken Akkord endete die Parfüm-Revolution im Wiener Tonfilmatelier...
Ein Elefant wird gepfändet.
(p) Bukarest.
Llniversiiätömeisterschasten 1931.
Wie alljährlich finden die leichtathletischen Uni* versitätsmeisterschasten im Rahmen der Gründungsfeier der Tlniversität am l.Juli statt. In diesem Jahre werden die Meisterschaften mit der Einweihung des Sporthauses der Universität verbunden sein. Me Wettkämpfe beginnen mit einem Faustballspiele der beiden Mannschaften, die in der Faust ballrunde der Universität als Sieger hervorgegangen sind. Es folgen eine unvorbereitete Körperschule von über 200 Gießener Studenten und die Ein» weihungsreden. Dann beginnen die eigentlichen leichtathletischen Wettkämpfe um die Universitätsmeisterschaft. Die Meldungen sind sehr zahlreich eingegangen. Cs wurde die bisher noch nicht dagewesene Fahl von 250 Meldungen erreicht. Die einzelnen Konkurrenzen gewinnen noch dadurch an besonderem Interesse, als eine Mannschaft der Universität Marburg sich an den Wettkämpsen beteiligt. Den Gießener Studenten wird es schwer fallen, den Wan de rp re i s derMedizini- schen Fakultät der Universität Marburg in diesem Jahre gegen die starke Mar- ger Konkurrenz zu gewinnen. Der Wanderpreis fiel vor zwei Jahren an die Universität Gießen, im letzten Jahre an die Universität Marburg.
„Tausend Donner, Menschenskind! Konntest denn nicht handeln? Er hätte es dir sicher auch für
Deutsche Spvrtflieger konnten bet einem internationalen Flugmeeting in Mailand einige schöne Erfolge erzielen. Liefet Bach, die deutsche Meisterin im Kunstslug, wurde erneut auch italienische Meisterin, und im Ballonrammen fiel der Sieg an den deutschen Altflieger Möltgen.
gelegte reiterliche Veranstaltung für die Jungreiter in Oberhessen in diesem Jahre in Hungen zustande kam und mit sichtbarem Erfolg durchgeführt werden konnte. Der ländliche Reit- und Fahrverein Horlofftal-mit seinem tüchtigen Vorsitzenden Robert Schmidt (Hungen) an der Spitze, lieh es sich nicht nehmen, die Rachbarvereine zu Gast zu laden und bot ihnen eine von herrlichstem Wetter begünstigte Veranstaltung großzügigster Art, an der ein großer Teil der Bevölkerung Oberhesscns regen Anteil nahm. Die Stadt Hungen hatte Festschmuck zum Empfana der Jungreiter angelegt, die Häuser waren beflaggt und eine frohe Feststimmung ging durch die Menge. So muß es sein.
Der Gedanke der vaterländischen Bewegung der ländlichen Reitervereine hat in ganz Hessen Fuß gefaßt und wurzelt nicht zuletzt im Herzen der Väter aller Jungreiter, die seine Bedeutung in allen Teilen richtig erfaßt haben und die gesunde Bewegung nach Kräften fördern Das ist eine große Hauptsache, die nicht genug hervorgehoben werden kann. Die Turnierleitung lag in bewährten Händen. Reben Herrn Schmidt hatte sich Herr Kleeberger (Melbach), ein bekannter oberhessisscher Sportsmann in uneigennützigster Weise in den Dienst der guten Sache gestellt. Was dazu gehört, eine turniersportliche Veranstaltung in allen Teilen zu einem Erfolg zu gestalten, kann nur der Fachmann ermessen. Alle Vorbereitungen waren gewissenhaft getroffen, so daß man von vornherein an einen Erfolg glauben mußte. Der Besuch war außerordentlich gut. Versuchen wir einen kurzen Ueberblick über die einzelnen Prüfungen zu geben.
Die Dielseiligkeilsprüfung.
Sie begann bereits am Samstag, 27. Juni, mit einem reizvollen Geländeritt über etwa 7 Kilometer, der durch Wald und Feld mit zahlreichen natürlichen Hindernissen führte und nicht unerhebliche Anforderungen an Reiter und Pferd stellte. Man hatte ihn richtigerweise bereits am Vortag des Turniers zur Austragung gebracht, die übrigen Teilprüfungen der Vielseitigkeitsprüfung, eine Fahrerprüfung, sowie eine Reiterprüfung Klasse A wurden am Sonntag zur Entscheidung gebracht. ganze Prüfung war in Unterabteilungen geteilt, die ländlichen Reiter, Unteroffiziere und Mannschaften der Reichswehr, sowie Offiziere und städtische Reiter konkurrierten unter sich. Diese Teilung wurde allen Wünschen gerecht. Die Vielseitigkeitsprüfung der ländlichen Reiter konnte Hch. S ch u d t (Londorf) einwandfrei für sich entscheiden. Dieser Reiter nimmt unter allen oberhessischen Reitern heute eine Vorzugsstellung ein und war im Gelände-, der Dressur- und Fahrerprüfung gleich hervorragend. An zweiter und dritter Stelle kamen Willy Mann (Ridda) und Robert Schneider (Ridda), die ebenfalls mit reellen Leistungen aufwarteten. Drei recht gut reitende Reichswehrreiter aus Hofgeismar,Unteroffizier Dick mann, Llnterwachtmeister Wil-
Der königlich rumänischen Steuerbehörde gebührt der Ruhm für eine geradezu epochemaa-ende Pfändung: sie hat den Haus-Elefanten des Zirkus Ille- ncb beschlagnahmt und somit dem Finanzministerium keine kleine Sorge aufgebrummt. Die Direktion war außerstande, die rückständigen Steuern zu bezahlen, da der Geschäftsgang äußerst mäßig war. Die Bevölkerung von Klausenburg halte weder Lust noch Geld, Zirkusvorstellungen zu besuchen, und so mußte das Gastspiel abgebrochen werden. Die Gesellschaft packte ihre sieben Zelte zusammen, um in anderen Städten ihr Glück zu versuchen, die „Primadonna" jedoch wurde von der gestrengen Behörde abgeführt. Im Eilzugstempo bauten die Leute für das riesengroße Pfandobjekt eine Stallung und geben sich alle Mühe, den wertvollen „Star^ zufriedenzustellen. Das ist bei dem gesegneten Appetit des ausgewachsenen Rüsscltiercs kein Kinder- spiel. Bisher verschlangen die Unterhaltungskosten des Elefanten etwa 40 000 Leu, wohingegen die Steuerrückstände der Direktion nur 30 000 Leu be-
helm und Obergefreiter S ch a b e r i ch machten das Ende in ihrer Abteilung in dieser Reihenfolge unter sich aus, während der Eskadronschef der 5. Eskadron Reiter-Regts. 16, Rittmeister von Bennigsen (Hofgeismar) die dritte Abteilung der Vielseitigkeitsprüfung vor H. Klingel- Höfer (Hanau) und Frl. Funk gewinnen konnte.
Die Fahrerprüfung und die Gespannprüfungen.
Der Fahrsport besitzt in Oberhessen eine besondere Domäne! Dies ist das alleinige Verdienst des unermüdlichen Cheflehrers des Landesverbandes, Rittmeister Freiherr Roeder von Diersburg (Londorf), der die Bedeutung für sachgemäßes Fahren frühzeitig erkannt hat und mit unermüdlicher Energie für die Verbreitung der Achenbachschen Grundsätze in ganz Hessen erfolgreich eintritt. Die Fahrerprüfung als Teilprüfung der Vielseitigkeitsprüfung lieferte hierfür den besten Beweis. Die Aufgabe war rricht leicht. Man sah keinen Fahrer, der aus dem Rahmen fiel, die Gleichmäßigkeit der Ausbildung beherrschte das Gesamtbild. Ein großer Teil aller Fahrer hat die Achenbachschen Lehren voll erfaßt und wqndte sie nutzbringend an. Dieser Eindruck wirkte überzeugend für die sachgemäße Ausbildung, die der Riesenanzahl der hessischen Fahrer zuteil wurde. — Die Anspannung und die Frisur oer Pferde sirrd noch verbesserungsfähig. Besonders das saubere Frisieren der Pferde kann man ohne Kostenaufwand unbedingt durchführen.
Bei den Einspännern wurden zwei goldene Schleifen vergeben. Ein gängiger Oldenburger Rappe von Richard S ch e p p (Ober-Hörgern) teilte sich den Sieg mit dem eleganten Einspänner des Herrn Schlüter (Gießen). An dritter Stelle kam eine gute Rappstute von Hch. B i n d i n g (Unter-Widdersheim). Bei den Zwei- und Mehrspännern beherrschte Reinhold Eifer (Muschenheim) die Situation. 10 Zweispänner waren im Ring, die den Richtern die Entscheidung nicht leicht machten. Der E i s e r s ch e Zweispänner kam dank der Kunst seines Fahrers hier zum Siege. Sehr gut waren auch die oslfriesischen Füchse von Rudolf Koch (Trais- Münzenberg) an zweiter Stelle vor dem figuranten Zweispänner des Herrn Schlüter. — R. Eifer (Muschenheim) zeigte einen schwungvollen Viererzug, mit dem er vor demjenigen von Herm. Fil- finger (Ridda) die Spitze halten konnte. Auf Grund einer Sonderprüfung konnte er von den Richtern dem Reichsoerband für Zucht und Prüfung deutschen Warmbluts, Berlin, zur Verleihung des silbernen Fahrerabzeichens in Vorschlag gebracht werden.
Die oberhessischen Reiiableilungen.
In festlichem Zuge marschierten sie mit Musik zum Turnierplatz und wurden dort den Richtern und dem Publikum im Abteilungsreiten vorgestellt. Es mögen an hundert Reiter gewesen fein, die in acht Abteilungen ihr Können zeigten und von der Tur« nierleitung mit einem Diplom ausgezeichnet werden konnten. Sehr lebhaft war das Bild, als alle Jung- reifer in großen Schlangenlinien den großen Turnierplatz im Trabe durchritten.
In einer Dressurprüfung der leichten Klasse konnte Rittmeister von Bennigsen zu einem weiteren Erfolge kommen, vor Herrn Klingelhöfer (Hanau) und der passionierten
zwei Franks gemacht?"
Dieses Porträt eines Karabiniers ist dieser Tage In Paris für 5000 Franks versteigert worden. —
Keine Störche im Elsaß.
— Straßburg.
liefe Trauer herrscht im ehemaligen deutschen Reichslande. Die Störche, das frühere Symbol der eljäsfischeHLandschaft, werden mit jedem Jahre weniger, unv auch in diesem Frühjahr ist nur ein geringer Teil von ihnen aus dem Süden zurück- gekehrt.
In der Straßburger und Kolmarer Presse versucht man sich die Ursachen dieser bedauerlichen Erscheinung zu erklären. Man macht im Zusammenhang damit auf die großen Regulierungsarbeiten am Rhein aufmerksam, durch die zahlreiche von Fröschen und anderer lebenden Storchnahrung wimmelnde Uferteiche und dümpel verschwinden. Weiterhin macht man die ägyptische Regierung für das Absterben Adebaras im Elsaß verantwortlich, wegen ihrer systematischen Feldzüge gegen die Heuschreckenplage, wobei ganze Landschaftsgebiete, in denen die nordische Störche überwintern, unter Giftgas gesetzt werden, und schließlich noch eine rätselhafte Erscheinen auf dem Balkon, wo an gewissen Stellen seit Jahren gerade zur Wanderflugzeit der Vögel ein geheimnisvolles Massensterben dieser Tiere beobachtet werden konnte. So wird auf den Bericht eines in einer Balkanresidenz stationierten englischen Militärattaches hingewiesen, der bei einem Spazierritt in der Ufngebung jener Hauptstadt ein kleines Tal entdeckte, das scheinbar mit einem Meer von weißen Federn ausgefüllt war. Als er näher hinzuritt, stellte er fest, daß es sich um wahre Hekatomben von Störchen handelte, die auf geheimnisvolle Weise umgekommen waren.
Die elsässischen Stadtverwaltungen haben sogar Statistiken über das Verschwinden des Storches innerhalb ihres Weichbildes aufgestellt. In 114 Gemeinden des Unterelsaß wurden 1927 noch 230 Storchennester mit einer „Belegschaft" von 386 alten und jungen Störchen gezählt. Von diesen 230 Storchwohnungen stehen heute 146 leer. Die Stadt Mül- hausen zählte deren damals 26 Rester, in denen 62 Storchkinder zur Welt kamen: heute ist nur noch ein einziges Rest besetzt.
Was ein richtiger Seemann ist.
(n) Kopenhagen.
Was ein richtiger, welterfahrener Seemann ist, weiß schon, was er zu tun hat. Sowohl im nüchternen als auch im benebelten Zustande. Dies beweist schlagkrätig der „Fall" des Matrosen Ioso Falcao, eines portugiesischen Seebären. „Fall" im doppelten Sinne des Begriffes. Denn ersten beschäftigte der Vorfall die Polizei und zweitens fiel der wackere Ioso nach einem mehrtägigen Bummel durch sämtliche Hafen- und Nichthafenkneipen der Stadt Helsingör vollkommen bewußtlos auf die Straße. Er erlitt einen Alkohol-Schiffbruch und war nicht mehr imstande, auch nur eine noch so kleine Klippe zu umschiffen. Polizisten sanden die „Leiche", die kein Lebenszeichen von sich gab und keine Anstalten machte, aus ihrem Rauschschlaf zu erwachen. Da untersuchten die Beamten pflichtgemäß, ob nicht vielleicht die Papiere des Mannes eine Spur vermitteln könnten. Und sanden folgenden Brief in der Tasche: „An den ehrlichen Finder meiner Bierleiche! Du lieber, guter, selbstloser Mitmensch, tu mir doch den Gefallen und befördere mich an Bord des portugiesischen Schoners Almeida, auf daß ich nicht die Ausfahrt versäume, mein Brot verliere und also der Verzweiflung preisgegeben werde. Der liebe Himmel wird Dir Deine Menschenfreundlichkeit vergelten! Mi5 heißem Dank Dein ewig dankbarer Ioso Falcao." Die lieben, guten, selbstlosen Polizisten von Helsingör taten dem Scheintoten den erwünfchten Gefallen, um so mehr, als der Brief in einwandfreiem Dänisch abgesckßt war. Der Kapitän Iosos, selbst Portugiese, der kein Sterbenswort dänisch verstand, zerbrach sich nun darüber den Kopf, durch welches Wunder sein Matrose in den Besitz des dänischen „Selbststeckbriefes" gelangte und ließ die Koffer des Senor Falcao öffnen. Da kam ein Briefbündel zum Vorschein — etwa vierzehn Briefe in allen wichtigeren Sprachen der Welt, .aber desselben Inhalts, alle an den ehrlichen Finder der Alkoholleiche gerichtet! Die Briefe waren sorgfältig sortiert, auf daß sie ihr Eigentümer, der auch nur die Muttersprache beherrschte, ja nicht verwechsele. ..
Die Parfümrevolution im Filmatelier.
(o) W i e n.
Jrn einzigen Tonfilmatelier von Wien herrschte neulich reges Leben und Treiben: fleißige Hände drehten einen der wenigen einheimischen Filme. Natürlich eine schmalzige, sentimentale „Weaner" Geschichte, in deren Mittelpunkt das sagenhaft süße Wiener Mädel stand. Das süße Wiener Mädel, das in einer der Hauptszenen ihren Kavalier nicht er-
Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.
Horace Bernet und der Soldat.
— Paris.
Horace Bernet, der berühmte französische Schlachtenmaler, saß eines Tages — fo erzählt die Pariser Kunstzeitschrist „Comödia" —, am Rande eines Exerzierplatzes, um an den dort exerzierenden Soldaten Bewegungsstudien zu machen. Ein Soldat, der in der Nähe einige Ofsizierspserde hielt, trat neugierig näher und iah dem berühmten Künstler über die Schulter auf die Staffelei.
„Wie ich sehe, mein Herr", sprach er ben_Tlaler an, den er natürlich nicht kannte, scheinen Sie den Bogen rauszuhaben! Aber könnten Sie auch ein Porträt anfertigen?"
„Warum nicht?" meinte Bernet. „Ader warum fragen Sie danach?"
„Nun, wenn es Ihnen nichts ausmacht, möchte ich mich gleich auf der Stelle von Ihnen 'malen lassen. Da der Dienst doch vor einer Stunde nicht zu Ende ist, habe ich Zeit genug. Aber als armer Soldat kann ich natürlich nicht viel für das Bild anwend^n. Wären Sie mit drei Franks zufrieden?"
Horace Bernet, von diesem. Angebot belustigt, sagte za und fertigte in kurzer Zeit eine sprechende Portratskizze des wackeren Baterlandsverteidigers an. Dieser zeigte das Bild im Beisein Bernets einem
hören wollte und ungeachtet der heißen Liebes- erflärungen vor ihrem Toilettentisch sitzend ihre vollste Aufmerksamkeit dem Parfümzerstäuber wid- mete. Diese' psychologisch höchst gewichtige Szene wollte und wollte nicht klappen: entweder flüsterte der Heldenliebhaber zu laut, oder aber es fünftio- nierte der Zerstäuber zu leise. Das war schlimm, denn der Herr Spielleiter versprach sich sehr viel von dieser phantastisch „originellen" Tonmischung. Er gab sich denn auch redliche Mühe, den männlichen Tenor des Kavaliers und die zwitschernde Sopranstimme des Parfümschlauches auf eine symphonische Ton-Plattform zu bringen und ließ den Auftritt etwa zehnmal wiederholen. Da geschah bas große Unglück: die Parfümrevolution brach elementar aus. Die Atelierarbeiter traten kurzentschlossen in Streik und eine Deputation beschwerte sich bei der Direktion. Mit der Begründung, daß einem von der stundenlangen Verbreitung von Wohlgerüchen übel werden könne. Dies sei aber noch nicht das Aergste. Schlimme Folgen würde die bodenlose Parfümierung erst nach Arbeitsschluß zeitigen, meinten die Angestellten, insbesondere die verheirateten. „Meine Frau ist zwar im allgemeinen friedlich", beteuerte ihr Fürsprecher, „wenn ich jedoch dermaßen durchduftet nach Hause komme, reißt ihr bestimmt die Geduld! ..." Um unliebsamen VZV|„n.,1 Familienszenen und etwaigen Scheidungsprozesien großes Rätsel, vorzubeugen, stellte die Direktion den Hasenfüßen I
Fünf neue OT.-Bestleistungen.
Fünf neue DT.-Bestleistungen wurden bei den westfälischen Dolksturnmeistcrschaften in Dortmund aufgeftclit. Der bekannte DT.-Meister L i g n a u brachte davon allein vier auf s ein Konto, und zwar im beidarmigen Kugelstoßen mit 27,93 Meter, im bestarmigen Kugelstoßen mit 15,30 Meter, im bestarmigen Steinstoßen mit 10,82 Meter und im beidarmigen Steinstohen mit 19,65 Meter. Sein Clubkamerad G r o ß p i tz (Eintracht Dortmund) brachte es im beidarmigen Speerwerfen auf die neue Bestleistung von 104,95 Meter.
Kurze Sportnotizen.
Die deutsche Golfmeisterschaft fiel an den Franzosen Golias vor seinem Landsmann Dallemagni und dem Schweden Roberts. Bei den Amateuren siegte der Engländer A. D. Drown.
Frau Dr. Pauly aus Gießen. Zwei pompöse Belgiergespanne von L. Klein (Wohnbach) und Th. Pflüger (Echzell) erschienen bei den Arbeitsge- spannen und wurden in dieser Reihenfolge gewertet.
Die Reichswehrkaoallerie in Hungen.
Das Erscheinen und die Teilnahme eines Zuges der 5. Schwadron Reiter-Rgts. 16 aus Hofgeismar, der Traditionseskadron der alten hessischen Dra- gonerbrigabc wurde in Hungen mit großer Begeisterung begrüßt. Der Gedanke an die herrlichen hessi- schen Dragonerregimenter ist aus den Herzen der hessischen Landbevölkerung nicht zu tilgen. Die ölte- ften ehern. Dragoner, die in Oberhessen ansässig sind, waren herbeigeeilt, um die jungen Reiter der Reichs- wehr zu begrüßen und sie als zur hessischen Heimat gehörig, gebührend zu feiern. Die Quadrille der Reichswehr und eine Fahrschule vom Sattel gefahren, bildeten die Zugnummern des ganzen Turniers und ernteten frenetischen Beifall.
Die Jagdspringen.
Sie dehnten sich wegen der großen Teilnehmerzahl reichlich lange aus, auch der wiederholte Umbau dec Hindernisse kostete viel Zeit. Die Hindernisse müssen in Zukunft namentlich für die ländlichen Reiter noch länger und einladender werden. Reine Gehorsams- spränge gehören nicht in ein Jagdspringen für ländliche Reiter. Von Fängen sollte man ergiebigen Gebrauch machen, dort wo die Länge der Sprünge sie nicht entbehrlich erscheinen läßt. Die Klasse A für ländliche Reiter konnte Ernst Brück mann (Cid)) mit einem fehlerlosen Ritt vor Hch. Schudt (Lon- darf) und August B e r f e r (Griedel) an sich bringen, in der Siegertiaffe langte es für Aug. Mann (Ridda) zu einem Erfolge, während sich hier Erich Hofmann (Rodheim) und Paul Buß (Gambach) an zweiter bzw. dritter Stelle placieren konnten. Die Abteilung für städtische Reiter gewann Ze iß (Hanau), auch den zweiten und dritten Preis erhielten Pferde des Stallks Klingelhöfer. Ein wesentlich schwererer Kurs wurde im Jagdspringen Klasse M verlangt. Hier kam H. Klingelhöfer (Hanau) zu einem wohlverdienten Erfolge, da er mit seinen Pferden den 1. und 3. Preis einheimsen konnte, während L.,Schömbs (Gießen) mit einem gut einge- teilten Ritt Zweiter wurde. Eine flotte, von R. Kleeberger (Melbach) gut geführte Jagd mit Auslauf sah in E. Dietz den Sieger vor Albert Walter (Petterweil), der sich mit dem Sieger ein aufregendes finish lieferte. Im Trabreiten für Kaltblüter erhielt Hermann Singel (Gambach) den 1. Preis.
Das Hungener Reit- und Fahrturnier reihte sich würdig an die Kette erfolgreicher Veranstaltungen in Hessen an, gab den ländlichen Reitern viel Anregung und neuen Impuls und dem Außenstehenden einen guten Ueberblicf von dem Stand der Iung- reiterbeaeaung in Oberhessen, der sich von Jahr zu Jahr gebessert und ausgebaut hat und hoffentlich zum Segen des Landes weiter an Umfang gewinnt.
H.A.
Sport- und Werbefest der Paddlergilde Gießen.
Bei denkbar günstigem Wetter fand am Sonntag auf der Lahn zwischen dem oberen Mühlenwehr und den Bootshallen der Paddlergilde Gießen ein Sportfest der Paddler statt.
Nachdem am Samstagnachmittag Mitglieder der Paddlergilde Gießen die Kameraden des eingeladenen Kanuklubs Wetzlar, die lahnaufwärts gepaddelt kamen, eingeholt hatten, traf man sich am Abend auf dem Gelände der Pulvermühle zu gemütlichem Beisammensein, das dadurch noch eine besondere Note erhielt, daß die Wetzlarer Freunde mit Hilfe eines kleinen Dorführungsapparates, den sie im Boot mitgeführt hatten, Filmbilder (Leica- Aufnahmen) aus dem Kanu- und Skisport zeigten. Nach schön verlaufenen Stunden zogen sich bann die Wetzlarer Kameraden in das lampiongeschmückte Zeltlager, das die Gießener Paddler errichtet hatten, zurück.
Am Sonntagmorgen traf man sich bei dem Faltboot-Aufbauwettbewerb wieder, der von einer zahlreichen Zuschauermenge mit großem Interesse verfolgt wurde. Sieger im schnellsten und einwandfreien Ausbau eines Wander-Zweiers wurden Georg Schmidt und Lotte Franz, im Ausbau eines Einer-Faltbootes August Kolb.
Am Nachmittag wurden die Dereinsmeisterschaften der Paddlergilde Gießen und Rennen gegen Wetzlar ausgetragen.
1. Renneiner: Sieger und Vereinsmeister der Paddlergilde Gießen Joachim K a p h i n g st.
2. Wandereiner: totes Rennen (Erich Lohr, Poldi Huber).
3. Wanderzweier für Herren (gefahren in zwei Abteilungen): Sieger beide Male Kanuclub Wetzlar.
4. Wanderzweier für Dame und Herr. Sieger und Dereinsmeifter Erich Lohr, Elfe Lohr. Zur Feststellung der Vereinsmeisterschaften werden die Rennen 2 und 3 später nochmals ausgetragen.
Außerdem wurde eine gemischte Stafette aus- getragen zwischen dem Kanuclub Wetzlar und der Paddlergilde Gießen, bei der sich auf jeder Seite Wander-Zweierfaltboote und Schwimmer beteiligten. Obwohl ein Gießener Boot zuerst das Ziel passierte, wurde der Sieg endgültig dem Kanuclub Wetzlar zugesprochen, da ein Gießener Schwimmer die Austragungsbestimmungen nicht beachtet hatte.
Zwischen den Rennen wurde von dem Frankfurter Sportkameraden, Fritz Christian vor einer inzwischen stattlich angewachsenen Zuschauermenge erstmalig in Gießen das sogenannte E s t i m o t i e • ren im Klepper-Einerfaltboot (Vagabund) vorgeführt, wobei die vollendete Paddeltechnik für das schnelle und einwandfreie Wiederaufrichten des Bootes ausschlaggebend ist. Es war erstaunlich, wie Herr Christian in jeder Situation das Boot beherrschte. Er zeigte zuerst Vorübungen zum Kentern und Wiederaufrichten, bann bos ooUenbete Kentern unb bas Wiederaufrichten (im Boote sitzend) nach der gekenterten unb nach ber anberen Seite. Ganz befonberen Beifall fanb auch eine Uebunq, bei der er während des Kenterns aus dem Boote sprang, sich unter Wasser in das gekenterte Boot begab, um dieses sodann wieder aufzurichten. Weiter zeigte er, daß es möglich ist, einen schweren Wanderzweier zum Wiederaufrichten zu bringen, indem er unter das gekenterte Boot schwamm und es herumbrachte.
Es folgten Lanzenstechen, Wurst- unb Brezel- schnappen, wobei sich manche luftige Situationen ergaben, bie bei ben Zuschauern schallenbe Heiterkeit auslösten. Nach Einbruch ber Dunkelheit würbe eine Lampionreigensahrt ausgeführt, bie von vielen Zuschauern auf ber Lahnbrücke und beiden Ufern mit großem Beifall ausgenommen wurde. Diese bildete den Abschluß des Sportfestes ber Gießener Paddler, bas vor allem ben Zweck verfolgte, für den Faltbootsport zu werben.


