nr. 227 (Mtes Blatt
181. Jahrgang
Dienstag, 20. September (951
Lr|ch e in» > »glich, außer Sonntag» unb Feiertag».
Bella gen: Die 3Qu]triette (Biebener FamiliendlLtter Heimat im Vilb Die Scholle monati Bezugspreis: 2.20 Reichsmar» unb 30 Retch»pfenntg fflr Iräger» lohn, auch bei Richter- Meinen emjelnerJlummern Infolge höherer Gewalt.
HernfprechanfchlSsie ■nter5ammelnummer2251. Anschrift fflr Drahtnachrichten flmelger »letzen, pstsicheckkonto: Frankfurt am Blain 11686.
GWnerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
vnick «nd versag: vrühl'fche UniversilülZ'vuch. nnö Sfetabniderel 8. rangt In Gießen. Schrtftleltnng und Oefchüftrftelle: Schnlitraße 7.
Nnnahmr oo* Anzeige* fflr die Tagconummer vis jum Nachmittag vorher.
Preis für | mm höhe fflr Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8. awsmflrt» 10 Reichspfenmg; für Re« hlameanvigen von 70mra Breite 36 Neichepfennig, Diatzvorfchrift 20'. mehr.
(Tbelrebaktfur:
Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für DolUtb Dr. Ar. Wiih. Lange: fflr Feuilleton Dr f^.Ihgriot, Sr ben übrigen Teil Ernst lumfchein unb fflr ben Anzeigenteil Max filier, sämtlich in Vietze*.
Abschluß des französischen Ministerbesuchs in Berlin.
Besuch bei Hindenburg.
Berlin, 28. Sept. (TAD) DaS heutige Programm beS französischen Besuches begann mit dem Empfang der beiden französischen Minister durch den Reichspräsidenten. An dem Empfang nahmen auch der französische Botschafter Francois Poncet und Staatssekretär Meißner teil. Dor dem Hause des Reich-Präsidenten in der Wilhelrn- straße hatte sich eine große Menschenmenge eingefunden. die bei der Ankunft und bei der Abfahrt der Minister Hochrufe ausbrachte. Staatssekretär Dr. Meißner empsing die sranzösischen Düste am Portal des Reichspräsidentenpalais und geleitete sie zum Arbeitszimmer deS Reichspräsidenten. Reich-Präsident von Hindenburg begrüßte seine Gäste an der Schtvelie seine- Arbeitszimmer». Der sranzösische Botschaft ter Fran^oiS Poncet stellte dem Reichspräsidenten die Herren vor. Die Unterhaltung verlies in sehr sreundschastlicher Form. Der Besuch beim Reichspräsidenten dauerte etwa 20 Minuten.
3m Pergamonmuseum.
3m Anschluß daran besuchte Ministerpräsident Laval in Begleitung de- Generalsekretär- deS französischen Auswärtigen Amtes, Berth - lot. deS Reichskanzler» Brüning, sowie de» Reichs- oußenminister» EurtiuS da» Pergamonmuseum. Außerdem waren der sranzösische Botschafter Fran^oi« Poncet unb Professor MeS- nard von der französischen Botschaft sowie der Ehes de» Protokoll» Gras Tattenbach anwesend Rach einer halben Stunde Ausenthalt im Pergamon- und Kaiser- Friedrich-Museum fuhr ReichSauyenminister Dr. TurtiuS nach dem Hotel Adlon, um Briand abzuholen, um dann gemeinsam eine Fahrt in die Umgebung Berlin- zu unternehmen
Ausflug an die Havelseen.
teinc Konferenz im engsten Kreise im Lchioti Brüningltnden
Man hatte einen der landschaftlich schönsten Punkte bei Eladow ausgewählt, so daß die Gäste auch einen Eindruck von der Schönheit der Hovelseen bekamen. Da- Schloß Drüning- linden a. d. Havel bei Eladow, da- bi» gestern wohl nur wenigen Berlinern selbst dem Rainen nach bekannt war, ist plötzlich berühmt geworden. Der wunderbar an der Havel gelegene Besitz gehört dem Major a. D. v. Brüning, der aber nicht mit dem Reichskanzler, sondern mit den Dorbesitzern der Höchster Farbwerke (Meister, LuciuS und Brüning) verwandt ist. DaS Schloß ist vor einiger Zeit dem Automobilklub von Deutschland al» Klubheim zur Verfügung gestellt worden, woraus sich die Möglichkeit ergeben hat, dort Gäste zu bewirten. 3n Eladow hatte eS sich natürlich bald herumgesprochen. welchen Besuch Drüninalinden erhalten würde, so daß zu den zahlreichen Pressevertretern und Kameraleuten noch viele Schaulustige auS der Umgebung kamen. Brüning und EurtiuS gingen nach ihrer Ankunst in Brüninglinden zunächst mit ihren Gästen im Garten spazieren und er- klärten ihnen vom User auS, von wo man einen wunderbaren Blick über die Havel Hai, die Landschaft. Dann begab man sich zu Tisch. Alle- in allem nahmen etwa 20 Personen an dem Frühstück teil, an da- sich Besprechungen zwischen den Staat-männern in engstem Kreise anschlossen. Die Rückkehr nach Berlin ersolgte nicht gemeinsam, vielmehr fuhren Reichskanzler Dr. Brüning und Ministerpräsident Laval etwa- früher von Brüninglinden ab. um über PichelSwerder und die Heerstraße direkt zum Hotel Adlon zurückzukehren. während Bri - and unb Dr. Cur 1 iuS über Potsdam nach Berlin fuhren, ohne allerdings die Sehenswürdigkeiten der Havalstadt zu besichtigen. Kurz vor 16 Uhr waren die französischen Staatsmänner wieder in Adlon, um dann eine Stunde später erneut LuDerhandlungenindieReichS- kanzleizu s ahren.
Abschiedseflen in der französischen Botschaft.
Zum Abschluß des Ministerbesuches veranstaltete der Botschafter Francois. Poncet heute abend ein Essen, an dem außer Laval und Briand mit ihren Begleitern und dem Personal der Botschaft von deutscher Seite der Reichskanzler mit einer Anzahl Mitglieder des Reichskabinetts und der preußischen Regierung, ferner Reichsratsmitglieder, Stadtverordnete, deutsche und fremde Diplomaten, bar- unter verschiedene fremde Botschafter, weiter eine Reihe höherer Beamte ui.b Vertreter des öffentlichen Lebens der Hauptstadt aus den verschiedensten Berufskreisen teilnahmcn. Wahrend der Mahlzeit brachte der französische Botschafter einen Trinkspruch auf den Reichspräsidenten unb denPräsidentenberfranzösifchcnRe. publik aus. Rach dem Essen blieben Gaste und Gastgeber noch längere Zeit in angeregter Unter- Haftung vereint, in deren Verlauf die deutschen und
französischen Minister, als sie am offenen Fenster bemerkt wurden, von der vor der Botschaft warten- den Volksmenge lebhaft begrüßt wurden.
Dir Abreise.
Tie französischen ttäste staben heute früh Berlin wieder verlassen.
Derlin, 29. Sept. (WTD Funkspruch ) Gegen 7.30 Uhr verließen Ministerpräsident La - Dal und Außenminister Briand daS Hotel Adlon, in welchem sie während ihres Berliner AusenthafteS gewohnt hatten Zu ihrem Abschied hatten sich Herren de» Auswärtigen Amtes eingesunden, darunter LegationSsekretar von Mumm, Der die französischen Minister biS zur Grenze begleiten wird. Dor dem Bahnhos Friedrichstraße hatte sich wegen der trüben Zeit kaum Publikum eingesunden. ReichSaußenminister
Dr EurtiuS erschien schon um 7,30 Uhr am Bahnhos. Kurz daraus wurden die französischen Gaste vom Außenminister und dein e ix' de» ProtokoU», Gras Tattenbach. begrüßt. Die Gäste warteten vor dem BahnhosSeingang auf Reichskanzler Dr/Brüning, der nach knappen zehn Minuten ein traf. Um 7.50 Uhr verließen dann die franzöfifchen Minister mit den Herren ihrer Begleitung Berlin. Zum Abschied hatten sich außer dem Reichskanzler und Dr. SurtiuS auch unter Führung deS französischen Botschafters die Herren der französischen Botschaft und zahlreiche Mitglieder der hiesigen sranzösischen Kolonie sowie der deutsche Botschafter in Paris, von Hoesch, die Staatssekretäre Dr Psünder, von Bülow und Wei-mann, Ministerialdirektor Dr. K öp ke, sowie der Ehes deS Protokolls Gras Tattenbach, auf dem Babnfteig ein- gefunden.
Das Ergebnis der Besprechungen.
Eine gemischte Kommission unb ein ständiges gemeinsames Generalsekretariat sollen enge Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiet sichcrstellen.
Berlin, 28. Sept. (IU.) Amtlich, lieber den Besuch Der französischen Staatsmänner In Berlin wurde folgendes amtliches ftommunlqu» vereinbart. Der fran;ösifcl)e Ministerpräsident und der französische Außenminister sind nach Berlin gekommen, um den Besuch z u erwidern, den Ihnen seinerzeit der Reichskanzler und der Reichsminister des Auswärtigen in pari» abgeflotlei haben. Zugleich war es ihre Absicht, ihre früheren Besprechungen zu einem Ergebnis zu führen.
Die Vertreter der beiden Regierungen hoben erneut Ihrer Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß I h r Ziel die pflege vertrauensvoller Beziehungen zwischen den beiden Ländern ist. Sie sind der Ansicht, daß die Wirtschaftskrise, unter der gegenwärtig die ganze Welt leidet, e» ihnen zur gebieterischen pflicht macht, vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet ihre Bemühungen ju vereinigen, um Cöfungen zur Milderung der Rot zu finden. Den deutschen und französischen Ministern scheint es geboten, ein besondere» Organ zu schossen, dessen Arbeitsweise greifbare Ergebnisse zu gewährleisten verspricht. Sie sind dementsprechend ubereingefommen, eine gemischte deutsch- französische Kommission zu bilden, die au» Vertretern der beteiligten Zentralstellen unter Beteiligung von berufenen Vertretern der verschiedenen Zweige der Wirtschaft wie auch der Arbeitnehmer bestehen soll. Die Leitung der Kommission wird Mitgliedern beider Regierungen obliegen. Außer- dem wird ein gemeinsame» ftän'blge» Generalsekretariat eingerichtet. Die Kommission wird ihre Sitzungen je noch Bedors In dem einen ober anderen Lande abhalten und Ihre Arbeiten al»balb ausnehmen.
Die Kommission hat die Ausgabe, alle die beiden Völker berührenden Wlrtschastssragen zu prüfen,
ohne dabei die Interessen anderer Länder und die Rotwendigkeit Internationaler Zusammenarbeit au» dem Auge zu vertieren. Sie wird vor allem die Möglichkeiten prüfen, öle bereit» bestehenden Wlrtfd)afteoerelnbarungen z u verstärken und autjubauen und neue Vereinbarungen abzufchließen, und zwar ge- gcbencnfaU» in neuen Organisationsformen. Sie wird den gegenwärtigen Stand de» Handelsverkehrs zwifä)en beiden Ländern unterfuchen, um die feit dem Inkrafttreten des Handelsverträge» von 1927 gesammelten Lrsahrungen nutzbar zu machen. Sie wird weiter gemeinsam nach neuen Absatz Möglichkeiten suä)en. Rach übereinstimmender Ansicht ist diese Auszählung nicht erschöpfend.
Die Vertreter der beiden Länder legen Wert darauf, klar zum Ausdruck zu bringen, daß sich ihr Vorgehen nicht gegen d I e Wirtschaft irgendeine» anderen Lande» richtet. Sie erklären, daß sie es abIehnen, die Lösung der der Kommission zugewiesenen fragen etwa In gemeinsamen Vorgehen aus dem Gebiete von Zoll- erhöh ungen zu suchen. Sie werden sich in Einklang mit den allgemeinen Bestrebungen zur Bekämpfung der Wirlfchost»krife halten und werden die Mitarbeit anderer Völker In jedem Jade noch- suchen, wo die Sachlage die» erfordert. So könnte u. a. die Durchführbarkeit Internationaler Abmachungen über Schiffahrt und Luftverkehr geprüft werden.
Die Vertreter der deutschen und der sranzösischen Regierung sind überzeugt, daß sie hiermit den (Drunbfleln zu einem Werk de» Aufbau» legen. Dies Werk soll der e r fl e Schritt zu einer Gemeinschaftsarbeit fein, die ein Gebot der Stunde Ist und an der mllzuwirken alle berufen sind.
Das Auswärtige Amt ist befriedigt.
Möglichkeiten einer Entspannung. - Eine neue Basis für gemeinsame Arbeit.
Ber11n, 28. Sept. (TU.) Don maßgebender amt- | sicher deutscher Seite wird zu den deutsch-sranzösi- schen Besprechungen In Berlin erklärt, daß der Verlaus der Besprechungen beherrscht gewesen sei von der absoluten Notwendigkeit engflcr deut sch-französischer Zusammenar- bell, nicht nur Im Interesse der beiden Lander, sondern zur Rettung Europas und darüber hinaus zu rn Wiederaufbau der Weltwlrtschast. Diese Auffassung fei auch in der Unterredung zwischen dem Reichspräsidenten und den beiden französischen Tlinlftern zum Ausdruck gekommen Die Aussprache war nicht nur auf die nächsten wirtschaftlichen Fragen beschränkt, sondern erstreckte sich auch auf die großen weltpolitischen Vrobleme. Aus diesem weiteren Gebiete sind Beschlüsse allerdings noch nicht gefaßt worden, vielmehr konzentrierten sich die Besprechungen schließlich auf die Einsetzung des deutsch-sran- zös11chen Komitees. Es wird aus hohen Beamten der beiden «Regierungen zusammengesetzt und je nach den aktuellen Ausgaben durch berufene Vertreter der Wirtschaft ergänzt werden. An der Spitze des Komitees steht immer einer der beiden Außenminister, wenn das Komitee in Berlin tagt der deutsche, wenn es in Paris arbeitet, der französische. Außerdem wird ein Generalsekre- tariot unter Leitung eines deutschen und eines französischen Beamten errichtet werden. Es wird bestätigt, daß auch ble Gewerkschaften zu dieser Derständigungsarbelt hlnzuge,zogen werden sollen.
Die Ausgabe des Komitees ist naturgemäß zunächst, die wirtschaftlichen Beziehungen der beiden Länder weiter zu vertiefen unb auf allen möglichen Gebieten, z. B. dem des Kartellwesen », Wege zu suchen, die zueinander fuhren. Der Aufgabenkreis des Komitees ist so elastisch wie möglich gehalten,
weil man hasst, daß das Komitee gerade bei fortschreitender Arbeit erst in viele Probleme hineinwachsen wird, die sich jetzt noch gar nicht bestimmen lassen. Jedenfalls wird hier ein Instrument geschaffen, das dazu dienen soll, die deutsch- franz»fifch.'n Beziehungen auf eine ganz an- b e r e Basis zu stellen.
Schließlich wirb von amtlicher Seite noch betont, baß es nicht nur gelungen fein bürste, ben französischen Gästen ben Berliner Aufenthalt so angenehm wie nur möglich zu gestalten, sonbern daß von die- fern Besuch auch eine ft arte Entspannung in ben Beziehungen ber belben Volker ausgehen wird. Die französischen und die deutschen Minister haben jedensalls beschlossen, auf diesem Wege weiter iortzuschreiten. Zunächst wird letzt Milt» Oktober das Komitee seine Arbeiten ausnehmen. Von amtlicher Seite wird bestätigt, daß die wirtschaftliche Zusammenarbeit sich auch auf koloniale (Hebt et e ei', recken soll Darüber ist in den Berliner Unterhaltungen bereite sehr eingehend verhandelt worden Die Prüfung im einzelnen wird Ausgabe des Komitee» sein.
Das pariser Echo.
Pari», 29. Sept. (WTB Funkspruch.) Die Po- rtser Presse steht unter dem Eindruck, daß durch die Berliner Verhandlungstage eine für ble Lerstanbi- gungsarbeit günstige Atmosphäre geschaffen würbe. Die Schaffung eines ftänblgen deutsch-französischen Wirtschaftskomitees findet gute Aufnahme Man will die Bedeutung einer derartigen Organisation nicht übertreiben, da die politischen Fragen seinen Aus- gabenfrele übersteigen, aber auch nicht unterschätzen. Der Besuch ber französischen Minister beim Reichs- Präsidenten von Hindenburg wird al» Zeichen ber Entspannung besonbers hervorgehoben.
„Agentur f) a d q •“ erklärt z. B , ble Schaf- fung eine» deutsch sranzösischen Wlrtschastskomitee» beweise materiell den Willen beider Rationen zur Zusammenarbeit Selbstverständlich werde die eingesetzte Kommission nicht ble Reparation»- unb Krebitsragen zu behandeln haben, da diese Probleme nicht nur Frankreich unb Deutschland angingen. Ihre Prüfung werbe weiter Sache ber Regierungen sein. Aus dem gleichen (örunbe seien bei den Berliner Besprechungen a u ch politische Fragen, ble Abriisftmgokonserenz unb Schulbenreparatlon, nicht angeschnitten worben „Petit Parisi» n" betont, bie Berliner Begegnung sei In einer Atmosphäre verlausen, die von otunbe zu Stunde herzlicher geworden sei — „Petit Journal" sagt, ber Besuch ber französischen Minister bei Hindenburg erteile denen ein» Antwort, die behaupten, daß sich seither nicht» geändert habe. „L a 'Jt i p u b 11 q u e“ behauptet die Berliner Begegnung zeige beiden Völkern, daß sie keineswegs durch ein v erhäng nlsvol- l e» Geschick zur gegenseitigen Vernichtung bestimmt seien. Man werde ben Urhebern ble- ler Wendung ber Dinge einigen Kredit schenken mlift jcn. „I a u r n e e 3 n b u ft r l e 11 eM macht Vorbehalte. Damit ble Zusammenarbeit sich voll auswirke, sagt bav Blatt, müssten bie politischen Ag > - tatoren daraus verzichten, die Bemühungen all b»T<t v> stören, bl» m Frieden, In 9tub« unb in der Sicherheit der Vertrage arbeiten mochten. „Figaro" fragt, ob Frankreich nicht etwa z u viel Vertrauen in Berlin bewiesen habe, und nicht etwa z u viel Kredite gewahren werde
„Liberi-" erinnert daran, daß bereit» eine ganze Anzahl von Kartellen besteht, daß aber der wichtigste Faktor nämlich das Geld, fehle. Für Frankreich sei es aber unmöglich, sich in eine internationale Kreditbank zu verwandeln. — „Intran- (io»an I ""II bagegen au» iudiilöffi erfahren haben, daß sich brr deutsch französische Ausschuß außer den genannten Ausgaben unverzüglich mit der Frage der finanziellen Unterstützung Deutsch, land» sowie mit derjenigen ber Reparationen beschäftigen werbe , P ari » S o i r" bestätigt diese Auffassung unb erkürt, baß bl» Minister nur deshalb am Montag nach Eladow gefahren seien, um ungestört über ble politischen Fragen zu verhandeln, bie gelegentlich der ersten Besprechungen gestreift worden seien Es handle sich hierbei um Kredithilfe für Deutschland und um da» Reparation»- Problem.
Was sagt man in Bersin?
Derlin. 28. Sept. (ERD.) Da- Kommunique über den deutsch-französischen Gedankenaustausch wird in den meisten Morgenblättern ausführlich besprochen. Der .vorwärts" nennt das Ergebnis der Besprechungen ein Ergebnis der -äßen, unermüdlichen Arbeit der Sozialdemokraten und ber Gewerkschaften beider Länder. Die Sozialdemokratie habe feinen Grund, sich mit einer der
oft.i R 'ii' । hu ,en zu sol bi 1 Im so mehr Grund habe sie, daS festzuhalten, waS an dem Ergebnis des Berliner Besuches ihr Erfolg sei. Aus dem Wege zur Herstellung de« wahren DölkersriedenS, auf dem Wege zum Ausbau einer sozialistischen Wirtschaftsordnung liege bie deutfch-französifche Verständigung, d h Verständigung der arbeitenden Massen ber beiden Länder. Die .Do s s. Z e i t u n g" schreibt, ble Arbeit In StresemannS Geist geht weiter Sie ruht aus dem festen Grund gesicherter Grenzen und gesicherter Währung. Inzwischen hat sich auch über die ganze Erde die Erkenntnis verbreitet, daß kein Volk Grund bat, sich zu ,reuen, wenn ein andere» Volk in Rot und Derzweislung versinkt. Der Geist der gegenseitigen HilsSbereit- schast ist mit der allgemeinen Rot gewachsen. — Die ..Germania" glaubt, daß allzu großer Optimismus ebenso versehlt wäre wie jene Stimmung der Ungläubigfeit, ble sich gegenüber allen deutsch-französischen Angleichung-bestrebunaen äußere Die Wiberstände seien nicht gering, aver baß biesmal ein em st Hafter Wille vorhanden sei, Dafür bürgten ble Ramen unb Persönlichkeiten der Staatsmänner, welche diesen Plan au« der Tause gehoben haben Der „D örsen- Courier" verzeichnet ble Tatsache, baß ber Krei« der Ausgaben deS gemischten Komiiees nicht begrenzt werde, allo ihre Erweiterung jederzeit möglich sei. So hosse man, durch die Wirtschaft-Verständigung der politischen Verständigung wirksam vorzuarbeiten. — Die ..Deutsche Allgemeine Zeitung" verweist auf Locarno unb Thoiry, wo man die gleichen Töne schon vernommen habe Trotzdem sei daS deutsch-sranzösische Verhältnis, mit Ausnahme der Räumung des Rheinlande-, einer wirklichen Befriedung um keinen Schritt nä» bergefommen. Allerdings möge der täglich toellerfrelfenbe Drand der Weltwirtschaftskrise allmählich eine neue Situation schassen, unter deren Druck auch Frankreich endlich ein« sehe, daß aut seinem bisherigen Wege weder seine eigene Wohlsahrt unb Sicherheit, noch ein gutes Verhältnis zu Deutschlanb, noch eine Ge- lunbung der Welt erreicht werden könne — Der ..Lokal- Anze i ger" fragt: DaS ist alle»? Ein Komitee im Sinne Frankreichs, bas sei schlimm. Frankreich sehe, baß eS keine Tribute mehr erhalten werbe. ES wolle sich sichern, (eine Goldmacht und die mit ihr verbundene Hegemonie, also Sa ch l i e f e r u n g e n Deutschlands und sranzösisches Eindringen i n ble deutsche Industrie mtt französischem Gold, das ja verzinst werden müsse.


