Nr. 252 Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Mittwoch, 28. Oktober 1931
Aus Natur und Technik.
Straßen bauen!
Don Dr. Franz Ritder.
Sollte es der Zufall wollen, daß uns irgendwo noch eine der jetzt so selten gewordenen alten Postkutschen begegnet, so würden wir den Kopf schütteln und uns fragen, ob ein derartiges überholtes Verkehrsmittel heutzutage überhaupt noch möglich ist. Dabei bedenken wir nicht, daß sich an dem Postverkehr von heute nur das Fahrzeug geändert hat. Die Straße ist die gleiche geblieben wie einst. Sie paßt ebenso wenig mehr zu unserem Verkehr wie die alte Kutsche. Sie ist zu schmal, ist für die gegenwärtig in Betracht kommenden Geschwindigkeiten zu unübersichtlich, hat zu viele Kurven, und ihre Oberfläche ist zu leicht für die auf ihr bewegten Lasten. Deshalb verbraucht sie sich zu rasch, bedarf sie zu vieler (krneuerungsarbeiten. Die bittere Pille muß geschluckt werden. Wir werden nicht darum hcrumkommen, die alten Straßen durch neue zu ersetzen.
Das kann aber nur sehr langsam und allmählich geschehen, verfügt doch kein Staat in der Welt über die ungeheuren,' in ihrer Größe gar nicht auszu- dcnkenden Summen, die ein neues Straßennetz kosten würde. Sie wären auf einmal oder im Verlauf weniger Jahre auch nirgends aufzubringen. — Nicht aus technischen, sondern aus rein wirtschaftlichen Gründen befinden wir uns deshalb gegenwärtig in einem Uebergangszustand. Er ist dadurch gekennzeichnet, daß wir hier und dort einmal eine neue, vollkommen geradlinig verlaufende Autostraße von verhältnismäßig großer Breite bauen, daß wir aber im übrigen an unseren alten Straßen Herumflicken und ausbessern, solange es eben geht. Wir beschottern sie neu, wir teeren sic, verbreitern sie, wo das angeht, auch etwas und gehen bereits mit dem Gedanken um, sie im Interesse des Autoverkehrs nicht mehr durch die Ortschaften hindurch, sondern außen herum zu führen. Dabei stoßen wir aber bereits wieder auf wirtschaftliche Schwierigkeiten.
Der gegenwärtige Uebergangszustand dürste voraussichtlich lange währen und wird nur allmählich dem dereinstigen Dauerzustand mit seinem Netz guter Autostraßen weichen. Diesem U,..stanb trägt die Technik gegenwärtig Rechnung. Sie richtet sich auf den Uebergangszustand ein, baut Maschinen und arbeitet Verfahren aus, von denen viele verschwinden werden müssen, sobald die Uebergangszeit vorüber ist.
Während dieser Uebergangszeit machen vor allem die Schlaglöcher den Kraftfahrern viel zu schaffen. Vielen, die über eine mit solchen Schlaglöchern reichlich versehene Straße fuhren, mögen die „Stöß und Schleudern" des Hamlet-Monologs eingefallen sein. Die Ausbesserung derartiger Schlaglöcher macht deshalb manchmal Schwierigkeiten, weil sie nicht immer leicht zu erkennen sind. Die Straße kann eben aussehen und doch so nachgiebig sein, daß der mit größerer Geschwindigkeit darüber fahrende Wagen einen Stoß erhält. Das Loch kann sich auch unter einer nachgiebigen Straßendecke verbergen. Deshalb wurde eine besondere Einrichtung geschaffen, die die Schlaglöcher aufsucht und sie kennzeichnet. Ein Auto fährt mit mäßiger Geschwindigkeit über die zu untersuchende Straße dahin. An ihm ist hinten oder seitwärts ein leichtes Gestell befestigt. Es besteht aus zwei Paar Fahrradrädern, die durch je eine Achse verbunden sind. Die beiden Achsen sitzen an den Enden einer langen Stange. Von der Mitte dieser Stange geht ein Stab herab, der unten ein kleines Rädchen trägt. Das Rädchen ist federnd angeordnet, so daß es bei Erhöhungen in der Straßendecke etwas gehoben, bei Vertiefungen etwas gesenkt wird. Wo sich also Unebenheiten finden, da ändert das Rädchen seine Stellung. Jede Stellungsänderung wird auf mechanischem Wege auf eine Einrichtung übertrag-n, durch die die schlechte Stelle mit Farbe bespritzt wird. Außerdem wird die Lage der Stelle noch besonders aus einem mitgeführten Straßenplan ausgezeichnet, so daß man aus dieser Aufzeichnung erkennen kann, wieviele Stellen auf der betreffenden Straße auszubessern sind und
Volt und Ampere.
Spannung und Stromstärke.
Don Karl Ammon.
Nachdruck verboten.
Nicht wahr, sehr verehrter Leser, wenn jemand behaupten wollte, der Eiffelturm sei 300 Liter hoch, der Erzähler habe im letzten Monat 25 Kilogramm Elektrizität verbraucht und 360 Kilometer Wasser bezahlen müssen, so würde wohl jeder Zuhörer merken, daß da irgend etwas nicht stimmt. Nur bei Angaben über elektrische Meßgrößen darf man sich solcher Fehler schuldig machen, ohne daß es jemand merkt, ja, es vergeht kein Tag, an dem wir nicht irgendwo von einer „Stromstärke" von 220 000 Volt lesen, obwohl dies gerade so töricht ist, wie eine Wegstrecke von 17 Grad Celsius. Man mißt eben die Stromstärke nicht nach Volt, sondern nach Alnpere; während man nun den Herrn Ampöre, nach dem das Maß für die Stromstärke benannt ist, mit einem Akzent auf dem vorletzten e sckreibt, wird das Maß Ampere nach dem deutschen Gesetz über die Maße und Gewichte ohne Akzent geschrieben. Auch dagegen wird vielfach verstoßen.
Richtig muß die Angabe heißen: Die Leitung steht unter einer Spannung von 220 000 Volt, denn nach Volt mißt man die Spannung, nicht die Stromstärke. Man ließt auch sehr oft, in der Leitung „flössen" 220 000 Volt; das ist aber auch nicht richtig: die Spannung fließt nicht, c7 e ist ein Zustand, und zwar genau der entsprechende wie der Druck in einer Wasserleitung. Es würden sicher viele Mißverständnisse vermieden, wenn man statt von der elektrischen Spannung von elektrischem Druck spräche, wie dies in vielen anderen Sprachen geschieht.
Welche Stromstärke in einer Leitung fließt, das kann man nie genau wissen, wenn man nicht vor einem Meßgerät steht. Während nämlich die Leitung vom Kraftwerk unter eine bestimmte Spannung gesetzt und immer auf dieser Spannung erhalten wird, wird die Stromstärke nicht vom Kraftwerk sondern von den Verbrauchern bestimmt: Je mehr Lampen und je stärkere Lampen, je mehr Motoren und je stärkere Motoren sie einschalten, desto größer wird die Stromstärke. Es ist also genau wie beim Wasser: das Wasserwerk hält die Leitung unter einem bestimmten Druck, der gewöhnlich durch die Höhe des Wasserturmes gegeben ist. Wenn aber alle Ver-
wo sie sich befinden. Man wird da mit den Ausbesserungen beginnen, wo die meisten derartigen Stellen liegen, wo es sich also am schlechtesten fährt.
Wollte man die gefundenen Schlaglöcher einfach mit Schotter oder sonstigen Baustoffen ausfllllen und darüber die Decke erneuern, so würde man nicht immer zu den gewünschten Ergebnissen kommen. Rührt nämlich die Senkung der Straßendecke von einem zu nachgiebigen Untergrund her, so ist es nötig, diesen zu festigen. Das ist nicht immer eine einfache Sache. Um dem Untergrund besser beizukommen und damit das Uebel gründlich aus der Welt zu schaffen, wurde ebenfalls eine eigene Einrichtung gebaut. Sie besteht aus einer Pumpe, die von einem Benzinmotor angetrieben wird. Beide find auf einem Wagen aufgestellt, der in der Nähe der auszubessernden Stelle hält. Von der Pumpe führt ein weiter Schlauch bis an das Schlagloch. Er endigt in einem Mundstück, das unter die Straßendecke gebracht und bis zur richtigen Tiefe eiiv gebohrt wird. Die Pumpe pumpt Zement unter die Decke, hebt diese und schafft unter ihr einen festen Untergrund.
Durch häufiges Aufreißen wird die Straße nicht besser. Wo unter ihr Wasserleitungen liegen, können besondere Gefahren für ihre Beschaffenheit entstehen. Bei Schäden muß, um sie zu finden, oft ziemlich
weit aufgerissen werden. Außerdem werden Schäden und fehlerhafte Stellen oft zu spät bemerkt, um so mehr, da die Rohre bis zu einer gewissen Tiefe in die Erde verlegt werden müssen, um fie gegen Frostgefahr zu schützen und im Sommer das Wasser kühlzuhalten. Entsteht irgendwo ein kleiner Sprung oder Riß, aus dem das Wasser heraussickert, so wird dieses zunächst von der Umgebung, also von den tieferliegenden Erdschichten aufgesogen. Es kann geraume Zeit vergehen, ehe die Sache entdeckt wird. Um die Rohrleitung ständig beobachten und derartige Stellen leicht auffinden zu können, wurde eine besondere Abhorcheinrichtung durchgebildet. Sie besteht aus zwei durch einen Bügel verbundenen Kopfhörern, ähnlich den Doppelkopfhörern, wie man sie im Fernsprechwesen und beim Rundfunk benutzt. Von ihnen aus führen zwei lange Rohre weg, die verstellt werden können, so daß ihre unteren Enden auf dem Boden aufliegen. An jedem dieser beiden Enden befindet sich eine für Geräusche sehr empfindliche Schalldose. Zur Untersuchung der Leitung wird der Bügel über den Kopf genommen, die beiden Schalldosen werden auf den Boden aufgestellt. Aus diese Weise tastet man mit ihnen die ganze Leitung ab. Jede undichte Stelle gibt sich durch eine Aenderung des Tons in den Hörern zu erkennen.
braucher ihre Wasserhähne geschlossen haben dann ist die gesamte Wasserleitung stromlos; es ist zwar Wasser darin, und das Wasser steht unter einem bestimmten Druck, aber das Wasser steht still, denn es kann ja nirgends aussließen. Die Stromstärke ist also gleich Null.
Die Stromstärke hängt von zwei Dingen ab, nämlich erstens von dem Druck, elektrisch also von der Spannung, unter dem die Leitung steht, und zweitens vom Widerstand der Geräte, die der Verbraucher anschließt. Ist der Druck unter sonst gleichen Verhältnissen doppelt so hoch, so ist auch d.e Strorsttark doppelt so groß. Durch einen Hahn von bestimmter Weite fließt z.B. bei doppeltem Druck auch die doppelte Stromstärke aus. Man kann die Stromstärke bei gleichbleibendem Druck aber auch dadurch verdoppeln, daß man den Hahn doppelt so weit aufdreht, so daß das Wasser in ihm also nur den halben Wide^ stand findet. Die doppelte Stromstärke fließt auch dann, wenn man statt eines Hahnes einen Zweiten von gleichem Querschnitt öffnet; verfahrt man fo mit zehn Hähnen, so steigt die Stromstärke ohne Zutun des Wasserwerks auf die Zehnfache Große am Das Wasserwerk muß infolgedessen auch die zehn ache Stromstärke pumpen, weil sonst der Wasserspiegel im Wasserturm und damit der Wasserdruck sinken würde. Damit würde dann auch die Stromstärke kleiner. . . ,
Genau ebenso ist es bei der Elektrizität: Vir be- zahlen dem Elektrizitätswerk nicht den verbrauchten Strom, wie man gewöhnlich sagt, denn mir oer» brauchen überhaupt keinen Strom: Wir haben la zwei Leitungen zum Werk: durch die eine fließt uns die Stromstärke zu, deren Große durch die imNetz herrschende Spannung und durch den Widerstand der in unserer Wohnung angeschlossenen Gerate bestimmt ist Dieselbe Stromstärke fließt aber: durch^den zweiten Draht wieder zum Werk Zurück WirHaven also in der Tat keinen Strom verbraucht: trotzdem müssen wir bezahlen, mit Recht bezahlen, denn das Werk muß nunmehr die Spannung der Strommenge die wir in unseren Geräten um 220 oder 110 Volt gesenkt haben, wieder auf den ursprünglichen Betrag ausspannen. Je höher die Spannung im Netz fein muß, und je mehr Elektrizität wir entspannt haben, desto größer ist die Leistung, die das Werk aufbringen muh. Diese Leistung mißt man nach Watt gleich Volt mal Ampere. Da aber beim Messen nach Watt zu große Zahlen herauskommen, so rechnet
Telephon von Reis.
Links der Sender, rechts der Empfänger.
Schwingungen umsetzen, diese auf Drähten fort’ leiten und sie an einem anderen Ort wieder in Schallschwingungen verwandeln könne. Er hatte also zweifellos den Grundgedanken des Fernsprechers richtig erfaßt. Als Sender baute er einen kleinen Kasten, der an der einen Seitenwand einen Sprech- trirkt»,- trnn • im Tiprfpf mar i" einem runden Aus-
Wer hat den Fernsprecher erfunden?
2Rei$/ Bell, Gray, Siemens oder Edison?
Don Max Fischer. Nachdruck verboten!
Auf die Frage, wer eigentlich das Telephon erfunden hat, hört man die verschiedensten Antworten. Bald wird der Deutsche Philipp Reis, bald Graham Bell oder Elisha Gray, bald Werner Siemens ober Thomas Alva Edison als Erfinder des Fernsprechers gepriesen. Wer war es nun wirklich? Ueber diese Frage einmal zu sprechen, ist gerade jetzt die richtige Zeit, denn jetzt sind es 70 Jahre, seit Philipp Reis am 26. Oktober 1861 im Physikalischen Verein in Frankfurt am Main einen Aufsehen erregenden Vortrag über fein „Telephon" gehalten hat.
Philipp Reis ist am 7. Januar 1834 als Sohn eines Bäckermeisters in Gelnhausen geboren. Schon in der Schule zeigte er lebhaftes Interesse für Mathematik und Naturwissenschaften, konnte jedoch, früh verwaist, die Mittel zum Studium nicht aufbringen. Als Lehrling in einem Farbengeschäft bildete er sich selbst weiter und konnte mit 24 Jahren auch ohne Hochschulstudium die Stelle eines Lehrers an der Garnierschen Privatschule in Friedrichsdorf bei Homburg vor der Höhe annehmen, wo er am 14. Januar 1874 an einer Lungenentzündung starb.
Philipp Reis kam durch das Studium der Vorgänge im menschlichen Ohr auf den Gedanken, ob man nicht die Tonschwingungen in elektrische
schnitt eine Haut aus tierischer Blase ausgespannt, auf der ein Blechstreifen lag. Diesen berührte eine von einem Winkel getragene Kontaktschraube. Ueber den Kontakt floß der Strom einer Batterie. Als Empfänger benutzte Reis eine im Jahre 1837 von Page ersonnene Einrichtung, indem er eine Stricknadel in eine Spule steckte. Die Nadel gab die vom Sender aufgenommenen Töne wieder. Wenn man nämlich durch den Sprechtrichter des Senders Töne in den Kasten hineinließ, so geriet die Haut im Deckel in Schwingungen und schloß und unterbrach so abwchselnd den Kontakt und damit den Strom. Auf dies Weise konnte man zunächst nur einfache Töne übermitteln, etwa solche nach Art eines Summertones, wie wir ihn bei den Selbstanschlußfernsprechern als Frei- ober Besetztzeichen zu hören gewöhnt sinb. Durch sorgfältige Einstellung bes Kontaktes konnte es Reis aber erreichen, baß man auch Gesang, ja sogar Sprache übermitteln konnte. Aber bie Sache war boch noch sehr unvollkommen, benn ber Senber, ber nach unseren heutigen Begriffen ein Mikrophon war, auf bas man erst sehr viel später in vollkommenerer Form zurückkam, war eben boch noch sehr mangelhaft. Auch ber Empfänger gab bie Sprache nur sehr leise roieber und mußte beshald auf einen Resonanzkasten aufgebaut werden; er war immerhin geeignet, alle vorkommenden Schwingungen wiederzugeben, während der Empfänger nur ganz bestimmte Schwingungen aufnehmen konnte. Man konnte deshalb auf diesem Wege nicht weiterkommen.
Nun liefen am 14. Februar 1876 beim Patentamt ber Vereinigten Staaten mit nur zwei Stunben Abstand zwei Erfindungen ein, nämlich eine von Alexander Graham Bell aus Salem bei Boston in Massachusetts und bie zweite von Elisha Gray aus Chikaao. Bei Bell beruhten Senber und Empfänger auf demselben Grundgedanken. Bei beiden befand sich nämlich vor einem Elektromagneten eine schwingende Platte ohne Kontakt: beim Sender wurde durch das Schwingen der Platte beim Dagegensprechen der zunächst noch durch eine Batterie erzeugte Magnetismus des Magneten verändert. Diese Aenderungen riefen in der Spule Stromschwankungen hervor, bie dann den Magnetismus im Empfängermagneten veränderten und damit die barüberliegenbe Platte in Schallfchwingungen versetzten. Sehr bald kam Graham Bell dann auf den
man gewöhnlich nach Kilowatt, b. h. nach 1000 Watt. Brennt man also z. B. 10 Glühlampen zu 40 Watt, so beträgt ber Energieverbrauch 400 Watt ober 0,4 Kilowatt, bas macht in 2% Stunben 1000 Watt- ftunben ober gleich 1 Kilowattstunbe. Die Stromstärke beträgt' beim Brennen einer Lampe von 40 Watt nicht ganz 0,2 Ampere, beim Brennen von 10 Lampen also etwas weniger als 2 Ampere.
Man muß sich immer merken, baß man nach Volt den Druck mißt, unter dem die Elektrizität in einer Leitung steht, bann wirb man nie versucht sein, Stromstärke und Spannung. Ampere unb Volt, zu verwechseln.
Amerikanische Rieseribrücken.
Der Stoßseufzer „Amerika, bu hast es besser", ist ost wieberholt worben, seit Goethe ihn zuerst aus- gestoßen hat. Auch ber Brückenbauingenieur hat alle Ursache, es zu tun, wenn er an bie riesenhaften Aufgaben bentt, bie bort seiner harren. Die Breite ber amerikanischen Ströme, benen nur bie allergrößten europäischen gleichkommen, verlangt ganz ungewöhnliche Maßnahmen. So ist kürzlich zwischen Detroit unb ber kanabischen Nachbarstabt Winbsor über ben Detroitfluh eine Hängebrücke gebaut worben, beren mittlerer aufgehängter Teil bie stattliche Länge von 600 Meter hat. Er wirb freilich noch weit übertroffen werben von einer im Bau befinb- lichen Hängebrücke über ben Hubson-River bei Neu- york, beren aufgehängter Teil fast hoppelt so lang fein wirb, nämlich 1100 Meter. Einstweilen aber ist bie Detroit-Brücke bie größte Hängebrücke ber Welt. Sie bietet auch sonst interessante Züge genug. Eine Anlage, die ihresgleichen in der Welt kaum hat, ist die Zollsperre auf der amerikanischen Seite. 2 6 Reihen Automobile können dort zu gleicher Zeit abgefertigt werden. Der Schmuggel ist bekannt lich an ben Grenzen ber Vereinigten Staaten riesengroß, namentlich ber ber begehrtesten Ware: Alkohol. So ein Auto bietet natürlich allerhanb Möglichkeiten bes Versteckens in unb unter bem Wagen. Um nun bie letztgenannten Verstecke schnell ausfinbig zu machen, müssen bie Autos auf eine Spiegelscheibe auffahren unb werben zu gleicher Zeit von unten her beleuchtet, so baß die Zöllner, ohne sich bücken zu müssen, bie ganze Unterseite bes Wagens über sehen können. Bei bem Bau biefer Brücke hat sich übrigens ein Vorfall abgespielt, ber leicht hätte dra-
Gebanken, statt der Elektromagnete Stabmagnete aus Stahl, also Dauermagnete zu verwenden, die Werner Siemens durch Hufeilenmagnete ersetzte. Die Batterie wurde dadurch überflüssig, Sender unb Empfänger würben gleich. Damit war ber Fernhörer erfunben, ber an Einfachheit nicht zu übertreffen war unb tatsächlich bis heute zwar kleiner geworben, aber grunbfätzlich unoeränbert geblieben ist unb wohl auch noch auf lange Zeit hinaus so bleiben wirb.
Freilich konnte bie Sprache ujw. auf biese Weise nur sehr leise übermittelt werden, benn sie konnte ja nur sehr viel schwächer ankommen, als sie in ben
Telephon von Bell aus bem Jahre 1876. Links ber Senber, rechts ber Empfänger.
Empfänger hineingesprochen würbe, ba natürlich bie Umroanblung bes Schalles in elektrische Schwingun gen, bie Förtleitung unb bie Zurückverwanblung in Schallschwingungen mit Verlusten verknüpft ist. Darin trat erst eine Besserung ein, als Davib Eb- roarb Hughes bas Kohlemikrophon erfunben unb Ebison gezeigt hatte, baß es zweckmäßig ist, bie burch bas Mikrophon erzeugten Schwankungen eines Batteriestromes burch einen kleinen Aufspanner, zwei Spulen auf einem Eisenkern, auf eine höhere Spannung zu bringen. Nun lieferte ja nicht mehr bie Energie ber in ben Senber gelangenben Schallschwingungen bie Kraft für ben Empfänger, biese stammte vielmehr aus ber Batterie, mit ber bas Mikrophon gespeist würbe. Damit konnte ber Empfänger sogar lauter sprechen, als man in ben Senber hineinsprach. Heutzutage, wo wir bie Sprech- ströme außerbem im Verstärker verstärken, ist uns biese Erscheinung ja ganz geläufig; manche Funkhörer werben sich z. B. baran erinnern, wie sie vor einiger Zeit bie an sich kaum hörbaren Herztöne eines Mäuschens wie Maschinengewehrfeuer im Lautsprecher hörten.
Damit gewann ber Fernsprecher bie heutige Gestalt, soweit sie grunbsätzlicher Art ist. Tausenbe von Verbesserungen und Erfindungen mußten allerdings noch hinzukommen, bis er zum Selbstanfchlußfern- sprecher wurde.
Zweifellos war Philipp Reis der erste, ber Töne auf elektrischem Wege über Drahtleitungen übermittelt hat. Aber es kann boch zweifelhaft sein, ob man ihn mit Recht als eigentlichen Ersinber bes Fernsprechers bezeichnen kann. Die Sache liegt hier burchaus nicht so klar wie etwa bei der Glühlampe, als deren Erfinder auch jetzt wieder in den Nachrufen Edison in fast allen deutschen Zeitungen genannt worden ist: Die Glühlampe hat ganz zweifelsfrei schon 25 Jahre vorher der Deutsche Heinrich Göbel erfunden und öffentlich gezeigt, worüber
Fernhörer von Bell mit Dauermagneten.
eine rechtsgültige amerikanische Gerichtsentscheidung oorliegt. Die Göbelsche Glühlampe war ebenso vollkommen wie bie erste Ebisonsche. Sie hätte sich auch zweifellos burchgesetzt, wenn Werner Siemens bamals schon bie Dynamomaschine erfunben gehabt hätte; so aber mußte bie Göbelsche Erfin- bung ber Glühlampe trotz ihrer Vollkommenheit baran scheitern, baß ber zu ihrem Brennen erfor-
matisch werben können. Bei solchen Hängebrücken ist es üblich, bie riesigen Tragkabel nicht fertig zu beziehen, fonbern an Ort unb Stelle zu spinnen. Dazu war biesmal eine neue Drahtsorte verwenbet worben, ein sog. hitzebehanbelter Stahl, ber aus Englanb bezogen würbe. Er sollte neben seiner Billigkeit ben Vorteil einer um 30 Prozent höheren Festigkeit haben. Als bereits etwa 25 Prozent ber Eisenkonstruktion bes aufgehängten Brückenteiles ftanben, fanb man an ben Verankerungsstellen einzelne gebrochene Drähte. Die Bauleitung orbnete an, sofort bie Eisenkonstruktion bes aufgehängten Teiles unb bie Kabel an beiben Brücken abzunehmen, ein Abbau, ber in ber Geschichte bes Brückenbaues wohl einzig basteht. Alle Versteifungsträger unb Querträger würben abmontiert. Die Kabel würben mit bem Schneibbrenner in kurze Längen zerschnitten unb an ihrer Stelle solche aus bem altbewährten, kalt gezogenen Draht gesponnen. Dieser Umbau kostete bie Bausirmen nicht weniger als 1,2 Millionen Dollar, ein Betrag, ber trotz ber gewaltigen Sau- lumme von 20 Millionen Dollar emp- finblid) ins Gewicht fiel.
Eine anbere Brücke von ebenfalls riesigen Ausmaßen ist über bie innere Bucht von San Franzisko im Bau. Sie soll an bie Stelle einer bisher ben Verkehr zwischen zwei Bahnstrecken vermitteln- ben Fähre treten unb hat eine Gesamtlänge von 1700 Meter. Besonbers interessant baran ist bie Art ber Aufstellung. San Franzisko ist bekanntlich ein geologisches Bruchgebiet, bas furchtbare Erbbeben von 1906, bei bem fast bie ganze Stabt zerstört würbe, hat bas beutlich gezeigt. Deshalb mußte bie Brücke vollkommen erbbebensicher gebaut werben. Zu bem Zwecke würbe ein Blechzylinber von 25 Meter Durchmesser überall ba versenkt, wo ein Brückenpfeiler gebaut werben sollte. Daburch entsteht gewissermaßen eine künstliche Insel, auf ber im Trockenen weiter gearbeitet unb insbefonberc bie Herstellung unb bas Abbinben bes Betons genau überwacht werben kann. Da ber felsige Untergrund erst in 30 bis 40 Meter Tiefe erreicht wirb, bie Fahrbahn aber minbeftens 20 bis 30 Meter über bem Wasserspiegel liegt, haben biese künstlichen Inseln bie Höhe mittlerer Kirchtürme. Der mittlere Teil ber Brücke muß übrigens hochklappbar sein, ba er über die Fahrrinne für Seeschiffe führt.
Dipl.-Ing. Dr. H


