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Nr. 23 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
Ein Engländer über die Kriegsschuldlüge.
Ein Vortrag in Gießen.
Am QHoniagabenb veranstalteten die Ortsgruppen Gießen des Hypothetengläubiger- und Sparer-Schutzverbanbes (Sparerbund) unb der Voltsrechtpartei im Katholischen Dereinshaus eine öffentliche Versammlung, die einen außerordentlich starken Besuch aufzuweisen hatte.
Aach kurzen Einführungsworten des Versammlungsleiters. Rentier Reiber befchäf.igie sich der
Hauptmann a. O. des englischen Generalstabs Divian Gtranders
in gut einstündiger, sehr temperamentvoller Rede mit der Kriegsschuldlüge und dem Versailler Diktat. Der Redner betonte einleitend die Rasseverbundenheit der Deutschen und Engländer, aus der er das Recht zu seinem Propagandafeldzug gegen die Lüge von der deutschen Schuld am Weltkriege hcrleite. Er erklärte, daß die Kriegsschuldlüge eine große Barriere zwischen Deutschland und England sei, an deren Beseitigung mitzuarbeiten ihm nicht etwa als Landesverrat ausgelegt werden könne. Der Redner wandte sich in diesem Zusammenhänge mit großer Schärfe gegen 1>ie deutschen Pazifisten, denen er wegen ihres außenpolitischen Verhaltens schwere Verfehlungen gegenüber den berechtigten deutschen Interessen zum Vorwurf machte. Zur Vermeidung künftiger Kriege forderte er die Abrüstung sämtlicher Mächte, andernfalls müsse Deutschland aufrüsten. An dieser Forderung sei fes.zuhalten, zumal die Franzosen ein kriegerisches Volk seien, während die Deutschen immer friedliebend gewesen wären.
Bei der Besprechung der Kriegsschuldfrage hob der Redner hervor, daß man hierbei nicht nur die Ereignisse der wenigen Wochen unmittelbar vor Ausbruch des Weltkrieges betrachten dürfe, sondern die jahrzehntelange Politik Frankreichs, Englands, Rußlands, Belgiens und Serbiens gegenüber Deutschland ins Auae fassen müsse. An Hand von diplomatischen Schriftstücken der ehemaligen Feindbundmächte führte der Redner eingehend und überzeugend den Nachweis der diplomatischen und militärischen Einkreisung Deutsch, l a n d s durch die Entente und ihre Trabanten mit dem Ziele, zur geeigneten Zeit kriegerisch über Deutschland herzufallen. Trotz dieser Uebermacht habe Deutschland den Krieg nicht militärisch, sondern wirtschaftlich verloren. Daß England gegen Deutschland in den Krieg eintrat, sei auf die Machenschaften der „verbrecherischen, französierenden englischen Regierung des Sommers 1914" und die betrügerische Politik des englischen Außenministers Grey gegenüber dem englischen Volke zurückzuführen. Dabei sei für die damalige englische Regierung das Bestreben maßgebend gewesen, dem beutfrfjen Volke bie Kolonien und die Geltung seiner Marine auf den Weltmeeren zu rauben. Die französische und die englische Regierung vom Sommer 1914 hätten unter der scheinheiligen Behauptung, die Neutralität Belgiens sei durch Deutschland verletzt worden, die öffentliche Meinung in ihren Ländern und in der Welt gegen Deutschland aufgehetzt, und sie hätten sich dabei auch des gemeinen Mittels der Lüge bedient. In Wirklichkeit sei Belgien niemals neutral gewesen, denn es habe schon lange vor dem Kriege durch seine militärischen Abmachungen mit Frankreich und England seine Neutralität selbst aufgegeben. Wenn Deutschland 1914 nicht durch Belgien gegangen wäre, hätte Frankreich den
Die kleine Mcolette.
Vornan von Paul Hain
30 Fortsetzung Nachdruck verboten
„Ah — siehst du. daß lch mich wehren kann?" sagte Rorma kalt. „Bedenke es — und füge dich!"
3a — so war es gewesen.
Lind seitdem waren die vielen Wochen vergangen. Wördehosf fühlte seine Hände gebunden. Er konnte — er durfte nichts unternehmen. Was hatte es für Zweck. Rorma beobachten zu lassen! 3etzt — nein!
Eine dumpfe Wut sammelt« sich in ihm. Lind aus dieser Wut heraus lehnte er jede neue Verhandlung mit Direktor Hollmann über die nunmehrige Aufführung seines Stückes schroff ab.
»Mag das Manuskript gelb werden in Ihrem Archiv", hatte et geschrien, „ich gebe es nicht frei! Run nicht mehr!"
Draußen fegte der Oktoberwind durch die Straßen und rüttelte an den Bäumen. Ein feiner Regen setzte ein, klirrte gegen die Fenster und trommelte auf das Pflaster.
Wördehoff saß in feinem Zimmer. Es war um die Mittagszeit. Rorma war zur Probe.
„Ich ertrag’ das hier nicht mehr", murmelte er. „Ich ertrag’ diese Luft in den Räumen nicht, in der immer etwas von Rormas Parfüm weht. Ich muß — ausziehen!"
Ja — das war wieder dieser Gedanke: Ausziehen! Diese Räume verlassen! Irgendwo ein möbliertes Zimmer mieten! Sann merkte Rorma, daß er es ernst meinte. Dann m.rrtcn auch andere Leute etwas! Dann — vielleicht — wurde Rorma einmal sehr unvorsichtig! Wer konnte es wissen? Die Lebenslust ihres reifen, sinnlichen Frauentums konnte nicht enthaltsam sein.
Aber — Ricvlette!
Er vergaß Rormas Drohung nicht.
Dennoch — es mußte etwas geschehen! Lind hatte Ricoleite nicht gesagt, daß sie treu zu ihm halten würde, auch in der Rot?
Da fuhr unten ein Auto vor. Wördehoff stand am Fenster und — erkannte Direktor Holtmann, der aus dem Wagen stieg. Er lachte kurz auf.
Ach ja, die Theatersaison schritt ja bereits rüstig t»or. Lind Holtmann muhte feine Premiere haben. Aber was ging ihn das an?
Fünf Minuten später saß ihm Hollmann in seinem Zimmer gegenüber.
»Wenn dec Berg nicht zu Mohammed kommt, muh Mohammed zum Berg kommen! Lieber Herr Wördehoff, nun wollen wir einmal in Ruhe über Die Sache sprechen. Schließlich sind wir doch erwachsene Menschen! Sie schreiben Ihre Stücke am Snbe auch nicht nur für den Zweck, bah sie irgendwo im Schreibtisch liegen, nicht wahr?"
Marsch durch Belgien gegen Deutschland angetreten. Im Hinblick auf diese wahrheitsgetreue Sachlage for- derte der Redner zu nachdrücklichem Kampfe aller Deutschen gegen die Lüge von der deutschen Schuld am Kriege und g_cgen das Diktat von Versailles auf. Selbst Lloyd George, einer der Urheber des Diktates von Versailles, bekämpfe dieses Friedensdiktat heute entschieden. Für das deutsche Volk sei es in diesem Kampfe unbedingt nötig, daß es in einmütiger Abwehr sich s e l b st helfe, nur dann könne es auf Sympathie und vielleicht auch auf Unterstützung vom Auslande rechnen.
Der Redner [teilte sodann den Grundsatz auf, daß Deutschland mit dem gleichen Recht, mit dem England für sich eine starke Flotte in Anspruch nehme, ein genügendes Heer beanspruchen könne, um damit sich schützen un2> seine Neutralität unter allen Umständen aufrechterhalten zu können. Er sprach sich in diesem Zusammenhänge für bie Wiederbewaffnung Deutschlanbs auf ber ®runblage ber allgemeinen Wehrpflicht aus.
Sodann erörterte der Redner eingehend die Frage der Tributlasten und stellte dabei die wirtschaftliche Lage Deutschlands und Frankreichs einander gegenüber. Er kam nach eingehender Betrachtung des Problems zu dem Ergebnis, daß Deutschland nach seinen bisherigen Leistungen und nach der Vollendung des Wiederaufbaues der Kriegsgebiete in Frankreich seinen Kriegsgegnern überhaupt nichts mehr schulde, und er forderte seine Zuhörer müt Rachdruck auf, mit dafür zu sorgen, dah bie Tributzahlungen Deutschlanbs eingestellt würden. Er erinnerte dabei an das Vorgehen Ungarns, der Türkei und Oesterreichs, und gab der Meinung Ausdruck, daß die Ententemächte sich mit der Weigerung Deutschlands, weiterhin Tribute zu leisten, abfinden würden, sobald sie von den Deutschen ein entschiedenes und festes Rein zu hören bekämen. Das deutsche Volk müsse sich nur zu entschiedenem Widerstand aufra'fen und auch bereit fein zu entschlossenem politischen Handeln. (Langanhal- tenber, lebhafter Beifall.)
Zusiizrat Brink, Berlin
sprach als zweiter Redner des Abends über das Thema: Entschuldungslüge, Dawes- Plan, P o u n g d i k t a t". Er polemisierte in außerordentlich scharfer Weise gegen die Aufwer- tungsmaßnahmen und erhob dabei schwere Vorwürfe gegen die damaligen Reichskanzler Cuno und Luther. Bei dieser Kritik, in die er auch die Großindustrie mit einbezog, stellte er den damaligen Reichskanzler und jetzigen Reichsbankpräsidenten Luther besonders in den Mittelpunkt seiner Angriffe. Mit Rücksicht auf gesetzliche Vorschriften sehen wir von der Wiedergabe dieser Teile des Vortrages ab. Er machte allein die deutschen Regierungen für das Ausmaß der Tribute an die ehemaligen Feindbundmächte und für das heutige Elend der Kleinrentner verantwortlich. Scharf kritisierte er weiter die Politik der Sozialdemokratischen Partei, die bewußt auf die Zerstörung des Mittelstandsbesitzes hingearbeitet habe, in der gleichen Richtung bewegte sich auch seine Kritik an der Großindustrie. Zum Scyluß forderte der Redner die Wiederherstellung einer einwandfreien Rechtsordnung, durch die den Kleinrentnern Wiedergutmachung ihrer Schäden und Erfüllung ihrer berechtigten Ansprüche an den Staat
Wördehoff sah zum Fenster hinaus, in den Regen.
„Daß Sie sich immer wieder herbemühen — es ist rührend, Heer Hollmann."
„Bitte — bleiben wir doch sachlich —“
Da fuhr Wördehoff hoch.
„Herrgott — sachlich! Bleiben Sie doch sachlich, Wenns um Ihre Person geht, Hollmann! Um Ihr Lebensglück! Was kümmert mich denn das Stück? Richts — gar nichts! Ich fjabe andere Dinge im Kopf!"
Hollmann war vollkommen überrascht.
„Wie? Das Stück kümmert Sie nicht? Ja — Donnerwetter! — Warum sträuben Sie sich bann gegen einen neuen Vertrag. Eie sind ja köstlich!"
„Weil ich — keine Veranlassung habe, Rorma jetzt noch entgegenzukommen!" stteß Wördehoff erregt hervor. „Ich weih — es liegt ihr was an dem Stück, sofern es nach ihrem Gusto um- gemodelt wirb. Und — mein Rame verbürgt ein hübsches Stück Geld an Tantiemen! Aber gerade darum —“
Er brach ab.
Hollmann zog die Augenbrauen hoch. Sein rundes Gesicht hatte einen fatalen Ausdruck von Humor und Ironie.
„Sagen Sie mal, Wördehoff. ist Ihr Verhältnis zu Ihrer Gattin wirklich immer noch so gespannt? Man hört ja so mancherlei munkeln, na, ich gebe nicht viel darauf. Künstlerehen sind immer anders zu nehmen als die rein bürgerlicher Art. Aber mir scheint, seitdem Sle beide von Ihrem Sommerurlaub zurück sind — ist bie Geschichte noch schlimmer geworben. — Rorma spricht ja nicht barüber. Sie hat — Ihre Beschäftigung. Aber — ich möchte nicht gerade indiskret sein — Ihre Aeußerungen von vorhin —"
Wördehoff sagte ärgerlich:
„Es stimmt schon! Der Rih ist nun endlich da! Damit Sie’s wissen: Ich will frei fein! Und Rorma aus einer boshaften Laune heraus — gibt mich nicht frei. Details brauchen Sie ja nicht zu wissen —"
Hollmann riß Mund und Augen auf.
„Wa—a—s? Soweit ist es schon?"
„Allerdings! Und da sie mir nicht entgegen* kommt, ich frage Eie — warum soll ich großmütiger sein?"
„Hm — hm —"
„Das Stück, Hollmann — ist mir gleichgültig geworden! Ich bin darüber hinausgewachsen! Mag daraus werden was will! Ich werde vielleicht — keine Stücke mehr schreiben —"
„Wördehoff — sind Sie verrückt?!"
„Gott bewahre. Ich bin sozusagen nur in ein verkehrtes Zimmer geraten — durch meine Verblendung, durch meine Verbindung mit Rorma. Ich bin kein Komödienschreiber — ich bin Ro-
auf Grund des Rechts und nicht der Wohllätig-
teil gewährleistet werde. (Lebhafter Beifall.)
Mit einem kurzen Schlußwort des Derfammlungs- leiters Reiber fand der Abend feinen Abschluß.
Oderheffen.
Gemeinderat in Grünberg.
+ Grünberg, 27. Ian. Der Gemeinde- r a t beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung u. a. mit der Frage der Durchführung von Rotstanbsarbeiten. Der Bürgermeister berichtete, bah er auf Orunb ber ihm erteilten Ermächtigung bem Unternehmer Kühn bie Herstellung eines Waldweges in einer Länge von 100 Meter zum Preise von 740 Mk. übertragen habe. Weiterhin sei für das vorgesehene Drechen von Steinen nur von bem Unternehmer Rahn ein Angebot eingegangen, für Pflastersteine 21 Mark, für Packsteine 3,50 Mk. unb für Klopfsteine 9,40 Mk. pro Kubikmeter. In einer münb- lichen Verhandlung hat der Unternehmer Bock folgende Preise gefordert: Pflastersteine 25 Mk., Packsteine 3,80 Mk. unb Klopfsteine 10 Mk. Aus verschiebenen Grünben wurde die Arbeit der Firma K. Bock übertragen und daran die Bo- bingungen geknüpft, bah bie babei zu beschästi- genben Arbeiter von der Stadt bestimmt werben unb ber an bie Arbeiter zu zahlende Minbest- lohnsatz nicht unter 5 Mk. für den Kubikmeter Klopfsteine liegen soll.
Dem Antrag des Gemeinderats W. Schmidt, der bei der Besetzung der Ko.nmissionen eine bessere Berücksichtigung ber Dollsliste wünschte unb entsprechen!)« Vorschläge machte, wurde zu- geftimmt
Sodann beschäftigte man sich mit der Frage der Einführung der Biersteuer. Aus den Ausführungen des Bürgermeisters ging hervor, dah der Gemeinderat sich in der Zwangslage befindet, auf diese Steuer zurückgreifen zu müssen, da andernfalls ab 1. April ihre zwangsweise Einführung durch die Behörde in ziemlich sicherer Aussicht steht, weil bie Realsteuersätze der Gemeinde weit über bem Landesdurchschnitt liegen, ferner ber Steueraussall gröberen Umfang annimmt als sonst, und endlich der Aufnahme von Anleihen von der Behörde nur bann ftattgegeben wird, wenn durch Ausschöpfung aller Steuerquellen die nötige Sicherheit geboten ist. Eine zwangsweise Einführung kann sogar Sätze in doppelter Höhe bringen, die dann eine Belastung von 10 Mk. pro Hektoliter betragen. Die Erhebung der Steuer ist leicht, da sie von bem Ein- bringet des Bieres (Brauerei) zu erfolgen hat. Bei den vorgesehenen Sähen von 3,75 bzw. 5 Mk. pro Hektoliter je nach Qualität des Bieres ist mit einem Aufkommen von etwa 3500 Mk. zu rechnen. Trotz mancherlei Bedenken, die in der Aussprache zum Ausdruck tarnen, wurde die Annahme der Ortssahung über bie Einführung ber Biersteuer beschlossen.
Landkreis Gießen.
* Hausen, 27. 3an. Unter Leitung des Vorsitzenden Lehrer Zöller fand die Generalversammlung des hiesigen Lesevereins statt. Eingehend wurde über den Ausbau des Lesevereins gesprochen, ber auch in Abhaltung von Vortragsabenden geistige Rahrung vermitteln will. Eine längere Aussprache rief die Frage der Deitragsleistung unter besonderer Berücksichtigung der Arbeitslosen hervor. Die seitherigen Vorstandsmitglieder wurden wiedergewähtt. Mit besonderem Dank an den Rechner, an den Schriftführer Lehrer Ranft unb an den Dücherwart Karl Buchner schloß der Vorsihenbe bie Versammlung.
mander! Der Zufall trieb mich zur Bühne! Dr. Römer hat schon recht: Mein Stück sollte eigentlich ein Roman fein. Es muh für theatralische Zwecke umgeänbert, wirksamer gefta'tet werden. Das würde Romer besser als ich besorgen können. Römer und — Rorma!"
„3a — aber bann —“
Hollmann rieb sich im stillen die Hände.
„Dann — warum wollen wir denn nun nicht einig werden?"
„Herrgott — können Sie's denn nicht begreifen?“
„Hm, na ja, Sie wollen frei fein. Vielleicht wird Rorma gefügiger, wenn Sie ihr erst mal den Gefallen tun, das Stück zur beliebigen Ausführung freizugeben?"
„Hat sich was!" rief Wördehosf spöttisch lachend aus. „3ch kenne Rorma besser als Sie! Also ich werde Ihnen etwas verraten, Hollmann —"
Der sah ganz eingeduckt im Sessel und glotzte Wördehoff an, der sich aufgeregt vom Stuhl erhoben hatte und nun dicht vor Hollmann stand.
»Ra
„3ch — schenke Rorma das Stuck! Soll sie damit machen was sie will! Soll sie sich eine Reiherrolle Hineinbichten. 3ch unterschreibe jeden neuen Vertrag, hör n Sie? W:nn —"
Hollmann hüpfte förmlich im Sessel auf und ab. Sein Gesicht war puterrot geworden.
„Wenn? Wördehoff — wenn?"
„Wenn ich mich damit loskausen kann!" brach es aus ihm hervor. „Richt einen Pfennig Tantieme verlange ich. Verstehen Sie? Ich lege sogar noch die Tantiemen aus meinen andern Stücken hinzu. Hören Sie? 3ch pfeife auf meinen Ruhm als Komödienschreiber I 3ch will nicht — teilt nicht mehr! So — da haben Sie meine Bedingungen!"
„3a, haben Sie das berat Rorma nicht schon gesagt?" fragte Hollmann verblüfft. „Das sind doch akzeptable Vorschläge!"
Wördehoff lachte auf.
„Seh' ich Rorma überhaupt noch? Wir leben auf zwei Planeten! Obwohl wir noch in einer Wohnung hausen. Uebrigens — bi.se Vorsch äge sind mir erst in dieser Minute gekommen. Wahrscheinlich hat 3hre werte Anwes nheit bie aufgespeicherten Explosivkräfte in mir zur Entzün- bung gebracht. 3ch banke 3hnen also!"
„Gott — sind Sie schneidenb! Wie ein Rasiermesser", lächelte Hollmann. „Also gut — ich werde mit 3hrer Frau sprechen. Wenn die Dinge so liegen —“
Wördehofs begann im Zimmer auf- unb abzuwandern.
„Hm — nur nichts übers Knie brechen, Hollmann Vorsicht — Vorsicht!"
Der nickte.
„Versteh' schon."
Mittwoch, 28 3amiar 1951
4 Rödaen, 27. Jan. Der M ä n n e r a e sa n g - verein Harmonie hielt am Samstagabend seine Jahres-Hauptversammlung ab. Rach kurzer Begrüßung gab der 1. Vorsitzende einen! Rückblick über das verflossene 3ahr. das als sehr erfolgreich betrachtet werden kann. Der Chor steht seit einigen 3ähren unter der bewährten Leitung des Dirigenten C h o u r t s von Gießern Der vom Rechner erstattete Kassenbericht zeigte ein günstiges Bild. Die seitherigen Vorstandsmitglieder wurden wiederaewählt, neu hinzugewählt wurde Hermann Diehl. Der Gesang einiger Lieder beschloß den Abend.
Ba. G r o ß e n - B u s e ck, 27. Ian. Im Gottes- bienst am vorigen Sonntag nahm Pfarrer K a I b • fjenn von unterer Gemeinde Abschied. Sein vorgeschrittenes Alter hat ibn veranlaßt, sich um die mit einfacheren Verhältnissen verbundene Stelle in K i r d) • ® ö n s zu bewerben. Mit ihm verliert die Gemeinde einen äußerst pflichteifrigen, gewissenhaften Diener der Kird)e. Neben einigen anderen 'Neuerungen wurde während seiner Amtsführung die elektrische Kirchenbeleuchtung geschaffen und der Posaunenchor gegründet. Ein Nachfolger ist noch nicht bestimmt. Bis dahin wird die Stelle von Pfarrer Schmidt in Beuern mitoersehen. — An Stelle des seitherigen, nun in hohem Alter stehenden verdienslvollen Direktors des sog. „Alten Konsumvereins", Heinrich Meier, wurde in der Generalversammlung der frühere Lagerhalter des Vereins, Anton R e u s ch , gewählt.
s. U t p h e , 25. 3an. Der Männergcsang- verein „Loreley" hielt in ber Wirtschaft von Wilh. R e u n v b e l seine Iahreshaupt- versammlung ab. Rach ber Begrüßung gab ber erste Vorsitzen!)«. Wilhelm Tag, einen Rückblick über bas abgelausene Dereinsjahr. Sodann erstattete ber Rechner Karl Sack den Kalsen* bericht, worauf ihm Entlastung erteilt wurde. Das Fest in Fauerbach soll besucht Werbern Ferner wurde einheitliche blaue Mütze bei Vereins- Veranstaltungen besch.'ossen. — Auch hier haben sich einige Landwirte der Viehverwertungsgenossenschaft angeschlvssen. Die meisten stehen jedoch dieser Angelegenheit zurückhaltend gegenüber, ba sie befürchten, ein solches System habe zu hohe Unkosten im Gefolge.
Kreis Friedberg.
x Friedb er g, 27.Ian. Im Hotel Trapp fand eine von Vertretern aus allen Teilen Hessens unb Hessen-Nassaus beschickte Kulturtagung des Iungdeutschen Ordens und der Volks- nationalen Reichs Vereinigung statt. Es wurden als aktuellste Fragen besonders Fragen der Schulreformen behandett und eine Entschließung für grundsätzliche Beibehaltung der bewährten christlichen Gemeinschaftsschule gefaßt. Parallel mit dieser Tagung war eine von Studenten aus Marburg, Gießen, Frankfurt a.M. und Darmstadt beschickte Versammlung jungdeutscher Studentengemeinschaften, die fid) hauptsächlich mit studentischen und mit Fragen der Hochschulreform befaßte. Referendar Becker (Gießen) sprach vor allen Teilnehmern über die notwendige Reichsreform unter besonderer Behandlung unseres rhein-mainischen Stammes- und Wirtschaftsgebietes, Studienrat Hesse (Erfurt) M. d. R. behandelte die Zusammenhänge von Wirtschafts, und Siedlungspolitik. Der Abend sah die Teilnehmer in fröhlicher Gemeinschaft beieinander.
Kreis Schotten.
)—( Ruppertsburg, 27.Ian. In den hiesigen Gemeindewaldungen fand die erste Holzoersteigerung statt, zu der sich viele Inter- effenten eingefunden hatten. Die Preise waren dementsprechend hoch. Es kosteten pro Raummeter: Buchenscheiter 11 bis 12 Mark, Buchenknüppel 7 bis 8 Mark, Buchenstöcke 5 Mark, Buchenreisig 2 bis 3 Mark.
„Also gut — helfen Sie mir, Direktor. 3ch habe 3hnen klaren Wein eingeschenkt. Sie sinb nun im Bilde. Wenn Ihnen an der Aufführung des Stückes etwas liegt — handeln Sie für mich. Aber — nuxx, Sie kennen ja RorrnaS Launen — passen Eie einen günstigen Augenblick ab. Dann — könnte es gelingen. Gelb hat bei Rorma immer noch eine große Rolle gespielt. Lind viel Gelb eine noch größere!"
Hollmann lachte diabolisch.
„Einen günfügen Augenblick", murmelte er. „©ott gebe, daß ber bald eintritt."
Damit reichte er Wördehoff bie Hand hin.
„Topp! Ich versuch'-1 ES muh gehen! So vernarrt kann eine Rorma Relson boch nicht fein, daß sie diese Vorschläge nicht akzeptterte!"
„Aber bitte, Hollmann — feien Sie keine Litfaßsäule —"
„Wo denken Sie hin! 3ch verspreche Ihnen —"
„Gut — gut —“
„Unb das andere Überlegen Eie sich hoffentlich noch, Wördehoff."
„Welches andere?"
„Run, daß Sie keine Stücke mehr schreiben wollen?"
„Da ist nichts zu überlegen, Hollmann. Ich tue, was ich tun muß! Uebrigens — ich kann Ihnen auch das verraten. Ich ziehe hier in den nächsten Tagen aus. Meine Adresse werden Sie ja erfahren."
Hollmann schüttelte resigniert den Kopf.
„Muß das sein?"
„Ich denke doch."
„Das wird gaxu bestimmt bekannt werden —“
„Run ja — ich kanns nicht ändern. Es wirb ja sowieso schon allerlei gesprochen. Aber das anbre, Hollmann, meine Vorschläge — bie behalten Sie bitte für sich — unb für Rorma!"
„Wirb treu befo'gt!“
„Dann hätten wir wohl alles besprochen."
„Hm — jedenfalls ist mir persönlich ein bißchen leichter ums Herz, Wördehoff, das kann ich Ihnen ruhig sagen. Heute war doch wenigstens mal mit ihnen zu reden, während Sie sonst gänzlich unzugänglich waren. Jetzt habe ich ja nur mit Rorma zu tun — unb mit Frauen —", er lachte gemütlich auf, „werde ich immer leichter fertig als mit Männern."
„Ich wünsche Ihnen unb mir guten Erfolg."
Hollmann erhob sich etwas umständlich auS dem Sessel.
„Wird schon — wird schon, Wördehoff! Keine Dange! War ganz gut, daß Sie mir Ihr Herz ausgeschüttet haben. Ich glaube, ich bin in solchen Dingen doch ein besserer Diplomat als Sie. Unb — im Vertrauen gesagt: Rormas erste Sche.duag wird das nicht bleiben! Sie ist ein zu selbständiger Charakter unb eine zu starke Künstlerin der Wirklichkeit!"
(Fortsetzung folgt)


