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Rr. 278 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Zreitag, 27. November 1931

Wirtschaft.

v. H. = gut, 34,8 = durchschnittlich, 22,7 v. H. = ge=

Oie deutsche Getreideernte 1931.

Die endgültigen, auf Grund von Druschproben vorgenommenen Schätzungen durch die amtlichen Ernte-Berichterstatter haben nach Feststellung des Statistischen Reichsamts folgende Gesamtmen­gen für das Deutsche Reich ergeben: Winterroggen 6 592 000 Tonnen, Sommerroggen 88 000 Tonnen, Winterweizen 3 669 000 Tonnen, Sommerweizen 564 000 Tonnen, Spelz 133 000 Tonnen, Winter­gerste 507 000 Tonnen, Sommergerste 2 511 000 Tonnen, Hafer 6 205 000 Tonnen.

Gegenüber der (vorläufigen) Getreideschätzung zu Anfang September d. I. bleiben die Erträge bei allen Hauptgetreidearten etwas zurück, und zwar an Roggen um rund 300 000 Tonnen (= 4,4 v. H.), an Weizen einschließlich Spelz um 36 000 Tonnen (= 0,8 v. H.), an Sommergerste um rund 1000 Ton­nen (= 0,1 v. H.) und an Hafer um 192 000 Tonnen (- 3 v. H.). An Wintergerste haben sich die Erträge gegenüber der Vorschützung um rund 18 000 Tonnen (= 3,7 o. H.) erhöht.

Im Vergleich zu den Ergebnissen der vorjährigen Getreideernte (1930) sind die diesjährigen Erträge an Roggen um 1 Million Tonnen (= 13 v. H.) ge­ringer. Bei allen übrigen Getreidearten übertrifft die diesjährige Ernte die vorjährigen Ergebnisse, und zwar bei Weizen einschl. Spelz um 440 000 Tonnen (= 11,2 v. H.), an Sommergerste um 127 000 Tonnen (= 5,3 v. H.), an Wintergerste um 31000 Tonnen (= 6,6 v. H.) und an Hafer um 550 000 Tonnen (-- 9,7 v. H.). Gegenüber den Ernteerträg­nissen im Durchschnitt der letzten sieben Jahre ist die neue Getreideernte nur an Roggen und Hafer geringer (um 9 bzw. 1,2 o. H.). An Weizen einschl. Spelz stellt sie sich dagegen um 30 v. H., an Som­mergerste um 3,3 v. H. und an Wintergerste um 37,7 o. H. höher.

In Verbindung mit den endgültigen Schätzungen über die Mengenerträge sind in diesem Jahre erstmals im ganzen Deutschen Reiche durch die amt­lichen Saatenstandsberichterstatter auch Ermittlun­gen über die Beschaffenheit der Ernte­ergebnisse bei den Hauptgetreidearten vor­genommen worden. Rach Mitteilung des Statisti­schen Reichsamtes haben sich dabei folgende Qua­litätsbeurteilungen im Verhältnis zur Gesamternte ergeben: Winterroggen 50 v. H. = gut, 34 v. H. = durchschnittlich, 16 v'H. = gering; Winterweizen 42,5

ring; Sommergerste 40 v.H. = gut, 36,7 o.H. - durch­schnittlich, 23,3 v.H.-gering; Hafer 37,3 o.H.-gut, 36 v. H. = durchschnittlich, 26,7 v. H. = gering. Rach diesen Ergebnissen ist die Qualität der diesjährigen Getreideernte im großen und ganzen be­friedigend ausgefallen. Sie ist nach den Be­urteilungen in Preußen, für das Vergleichszahlen oorliegen, sowohl bei Roggen als auch bei Sommer­gerste und Hafer besser als im Vorjahre. Bei Winter­weizen bleibt jedoch die Qualität der diesjährigen Ernte etwas hinter der der vorjährigen zurück.

* E i n Protest der Frankfurter Börse. Der Frankfurter Börsenvorstand hat in seiner gestrigen Sitzung als Protest gegen die Fortdauer der Börsenschließung eine Entschließung gefaßt, die den beteiligten Regierungsstellen und der Reichs­bank übermittelt worden ist. Nachdem in ihr dar­gelegt wird, daß die Tatsache einer Wiedereröffnung der Börse nichts an der Bewertung der deutschen Papiere ändern kann, da der Stand der Kurse durch die Auslandsnotierungen und den Telephonverkehr hinreichend bekannt sei, wird schließlich dringend vor einem weiteren Festhalten an der augenblicklichen Politik gewarnt.

* Aufsichtsratssitzung im Siemens- Konzern. Die gestrige gemeinsame Aussichts- ratssihung der Siemens & Halske AG. und der Siemens-Schuckertwerke AG. beschäftigte sich mit der allgemeinen Geschäftslage. Hierbei wurde ausgeführt, daß die stark rückläufige Kurve der Auftragseingänge noch immer nicht ihren Tief­stand erreicht zu haben scheint, daß vielmehr die Folgen der allgemeinen Weltkrise mit ihren Kre­ditrückziehungen, Absperrungsmahregeln der ein­zelnen Länder gegeneinander, Aufhebung der De­visenfreizügigkeit in vielen Ländern der Erde, die Exportmöglichkeiten in der nächsten Zeit stärker als bisher beeinflussen werden. Es wurde die Er­wartung ausgesprochen, daß es möglich sein wird, bei Siemens & Halske, wenn auch gegenüber dem Vorjahr stark reduzierte Dividende zu verteilen, wozu Einkünfte aus Beteiligungen, insbesondere die Dividende der Siemens-Schuckertwerke aus dem Geschäftsjahr 1929 30 beitragen würden, die erst in diesem Geschäftsjahr zur Verteilung kommen.

Die deutschen Börsen.

Sranffurf schwach.

Frankfurt a. M., 26. Rov. Der heutige telephonische Freiverkehr verkehrte in ausgespro­chen schwacher Haltung. Das aufgedeckte Dokument nationalsozialistischer hessischer Partei­führer löste allgemein starke Beunruhigung aus. Die Kursgestaltung stand in erster Linie unter dem Eindruck des Communiques des Siemens-Kon­zerns, das bei den Siemens-Aktien einen Rück- schlag um 10 Prozent hervorrief. Hiervon aus­gehend griff die Schwäche auch auf die übrigen Papiere des Elektromarktes über, die um 3 bis 5 Prozent nachgaben. Die Kursrückgänge an der gestrigen Reuyorker Börse bildeten ein weiteres Motiv für die flaue Tendenz. Wenig günstig wer­den die Aussichten auf eine baldige Wiedereröff­nung des Börsenverkehrs beurteilt, nachdem die amtlichen Stellen sich zu dieser Frage weiter ab­lehnend verhalten. Auf den übrigen Umsatz- gebieten nannte man Kursabschläge im Ausmaße von 2 bis 4 Prozent. Eine Ausnahmestellung hatten Montanwerke und Bank­

aktien inne, welche verhältnismäßig gut gehalten blieben und ihre Kurse nur um Kleinigkeiten senk­ten. 3m Zusammenhang mit der allgemeinen Lage wurden dagegen Reichsbankanteile stärker betrof­fen und verloren etwa 3 Prozent. Das Geschäft erreichte eine den Verhältnissen entsprechend ziem­lich große Lebhaftigkeit, insbesondere das Pu­blikum zeigte stärkere Abgabeneigung.

Der Rentenmarkt schloß sich der allge­mein e n A b w ä r t s b e w e g u n g derKurse zum größten Teil an, wobei besonders Gerüchte über eine Wiedereinführung der Kapitalertrags­steuer bei der Beurteilung der Situation eine Rolle spielten. Goldpfandbriefe, davon besonders wieder Rheinische, büßten etwa 1 bis 1,5 Prozent ein. Das Angebot war ziemlich groß, dem kaum Auf- nahmeneigung gegenüberstand. Schwächer lagen ferner Reichsschuldbuchforderungen und Altbesih- anleihe. Gut gehalten blieben dagegen Liquida­tionspfandbriefe, nur Rhein. Hyp. Liquidation lagen trotz der morgigen Ziehung schwach. Don kommunalen Werten waren Frankfurter Schätze gesucht, dagegen Dresdner Stadt angeboten. Für

WessenKindbinich?

Vornan von Fr. Lehne.

(Urheberschutz durch C. Ackermann, Romanzentrale Stuttgart.)

14. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Eine dunkle Röte stieg bei dieser unvermuteten, aber so natürlichen, selbstverständlichen Frage der Mutter in Angelas Gesicht.

3a, Mutter", sagte sie nach kurzem Zögern, wir waren Drei oder vier 3ahre verheiratet, als ich ein Töchterchen bekam doch ich habe es nicht behalten dürfen."

Die alten Leute schwiegen schonungsvoll, mit Schmerz im Herzen. Liebreich streichelte die alte Frau die Hand der Tochter dachte sie doch nicht anders, als der Tod habe ihr das Kind genommen! An solche Wunden rührt man nicht, weil sie nach 3ahren noch bei der leisesten Be­rührung schmerzen:

Ach, wenn sie wüßten die Tür würden die Eltern ihr noch in diesem Augenblick weisen! Einem tiefen, schmerzlichen Seufzen gleich klang ihr Atem.

Sie sah nach der ilfjrschon zehn vorbei! Gewiß seid ihr doch durch mich um eure übliche Schlafstunde gekommen

Erschrocken rief da die Pfarrerinund ich habe dir noch nicht einmal etwas angeboten sie beeilte sich, trotz des Widerspruchs der Tochter, Tee zu brühen und brachte auch ein Stück Torte herbei und sagtevon Vaters Geburtstags­torte

Vaters Geburtstag! Sein fünfundsiebzigster Geburtstag sagte Angela leise und blickte auf das ehrwürdige silberweiße Haupt des alten Herrn.

Da packte es sie sie konnte sich nicht mehr beherrschen was in ihr kämpfte und bebte, ließ sich nicht unterdrücken sie schlug die Hände vor das Gesicht und weinte bitterlich, wie sie seit ihrer Kindheit nicht mehr geweint hatte. Und diese Tränen der Scham waren zugleich auch Tränen der Befreiung! Ach, was sagten sie nicht alles Pfarrer Sturm konnte in seiner Tochter wie in einem auf geschlagenen Buch lesen, und die heißen Tränen der Reue machten manches gut, wenn sie auch das Geschehene nicht unge­schehen machen tonnten.

Man mußte ja dennoch dem Geschick dankbar fein, das ihnen die Tochter noch in elfter Stunde wieder ins Haus geführt!

Cs wurde Zeit für Angela zum Gehen. Die Pfarrerin war unglücklich, daß die Tochter nicht unter ihrem Dache schliefwir haben ein kleines Zimmerchen für Besuch nur das Bett müßte bezogen werden

Heute würde es euch zu viele Umstände machen, weil es schon so spät ist! Doch wenn ihr mich morgen haben wollt, wohne ich gern bei euch. Drei Tage habe ich Zeit!"

Rur drei Tage ? schmerzlich enttäuscht fragte es Die alte Frau. Als ob man in Drei Tagen Das Versäumte von mehr als zwei 3ahr- zehnten nachholen konnte!

3a, liebe Mutter, Die Arbeit ruft. 3ch habe ein festes Engagement angenommen, und schöne Aufgaben sinD mir gestellt! Nächstens werde ich dieMedea" spielen! Doch ich verspreche euch, jeDen Monat zu euch zu kommen, wie mir Urlaub bewilligt wird. 3ch bin durch die Güte meines verstorbenen Gatten so gestellt, daß ich nicht nötig habe, einen Beruf auszufüllen! Aber ich muß Arbeit haben, die mich ganz in Anspruch nimmt und mir einen Lebenszweck gibt! Und die edelsten Gestalten unserer Dichter zu verkörpern, sie mit Blut und Wärme zu erfüllen, ist mir Lebenszweck!"

Sie stand auf.

Liebe ElternI" Sie nahm die Hand eines jeden und küßte sie ehrfurchtsvoll. Als die Lippen der Mutter ihre Stirn berührten, durchzuckte es sie. Sie mußte die Zähne aufeinanderbeißen, um nicht laut aufzuschreien.

Ach, diese grenzenlose Güte der Eltern, die kaum gefragt, die keine Vorwürfe, keine Klagen gehabt nur Glück, daß sie wieder da war und Dankbarkeit, daß sie endlich den Weg ins Elternhaus zurückgefunden hatte! Wüßten sie, wie es in ihr aussah, welche-Gewissensbisse sie Tag und Rächt heimsuchten, welche Last sie mit sich Herumtrug, ohne das Glück haben zu dürfen, sich durch eine Beichte oder Aussprache zu er­leichtern, sie würden gewiß Mitleid haben.

Rimmer würde sie zur Ruhe kommen. Darum mute sie arbeiten, unermüdlich arbeiten, um sich von ihren Gedanken und Grübeleien abzulenken sonst wäre ihr das Leben unerträglich ge­worden.

Wahrlich, sie trug ihre Strafe in sich!

9.

Von 3nga!

Doller Freude hatte Ebba dem Briefträger einen Brief abgenommen und schwenkte ihn jubelnd der Mutter entgegen.

Beide waren in der Küche mit dem Herrichten der Mahlzeit beschäftigt, worin die Ankunft des Briefträgers sie unterbrochen. 3eden Dormittag wurde ihm erwartungsvoll entgegengesehen; welche Freude in den Häusern, wenn er etwas brachte! 3m Dorfe war er die Sensation des Tages.

3nga und Ebba standen in fleißigem Brief­wechsel 3nga hatte immer so viele Fragen; alles in Reinshagen interessierte sie, und ausführ- lich schrieb die Freundin zurück.

Ebba ließ alles stehen und liegen Der Brief war so wichtig, daß ec schnell gelesen werden

Weitere Abwärtsbewegung der Kurse in Berlin.

Berlin, 27. Nov. (WTB. Funkspruch.) In den gestrigen Abendstunden waren einige, wenn auch nur unbedeutende Erholungen eingetreten, die haupt­sächlich jedoch nur technischer Natur waren. Im heu­tigen Freioerkehr machte die Abwärtsbewe­gung der Kurse, wenn auch in gemäßigterem Umfange, Fortschritte, da es an Anregungen fehlte und von den Auslandbörsen, soweit sie nicht wie die Neuyorker geschlossen waren, wieder schwächere Mel­dungen Vorlagen. Eine Ausnahme hiervon machte eigentlich nur Wien, wo man die in den letzten Tagen eingetretene Aufwärtsbewegung mit einer Flucht in d i e Sachwerte begründen wollte. Die matte Haltung Der gestrigen Stockholmer Börse hatte stärkeres Angebot in Svenska zur Folge, aber auch sonst verloren die führenden Werte erneut 2 bis 4 v. Sy, wobei die Kurse teilweise nur herunter- gesprochen wurden und die Umsatztätigkeit recht klein war. Angebot von 1000 Mark hatte selbst bei führenden Werten einen Kursrückgang oft um 1 v. H. und mehr zur Folge. Relativ widerstandsfähig lagen Bankaktien, abgesehen von Reichsbankanteilen. Auch am Pfandbriefmarkt zeigte sich weiter r ii ck- gängige Tendenz, da über die neuen Steuer­pläne der Regierung immer noch feine Klarheit herrscht. 8-o. H.-Goldpfandbriefe gaben wiederum um zirka 1 bis 2 v. H. nach, auch 7-v. H.-Goldpfandbriefe waren heute schwächer. Reichsbahnvorzugsaktion gin­gen um etwa 1 v. H. zurück. Ein wichtiges Moment und wahrscheinlich auch Der Hauptgrund für Die wei­tere Abschwächung war Die gestrige Kammerrede Lavals, in der immer noch der starre Standpunkt der Frar^oscn zum Ausdruck kommt, nicht von ihren Reparationsforderungen abzugehen. Diese Auslassun­gen fanden daher in der Morgenpresse, und zum Teil auch in der ausländischen, ziemlich ungünstige Kommentare. Außerdem diskutierte man noch die Beschlüsse der gestrigen Mitgliederversammlung für Liquidationswerte, die im großen und ganzen den

bereits bekannten Plänen entsprachen und sich in die Gesamtaktion Der Banken und des Börsenvorstandes für Bereinigung der- schwebenden Terminengage­ments einfügen. 50 v. Sy Der Garantiesumme wird also nunmehr am 10. Dezember ausgezahlt werben resp. auf Differenzen verrechnet werben.

Devisenmarkt Berlin Frankfurt a. 2R.

Banknoten.

26. November

27. November

Amtliche Notierung r^eld Srltf

Amtliche Notierung

Geld

25riei

Hclsingsor» .

7,79

7,81

7.69

7,71

Wien . .

58,94

59,06

58.94

59,06

Prag . . .

12,468

12.488

12.468

12.488

Budavest . .

73,28

73,42

73,28

73,42

Sofia . . .

3,057

3,063

3.057

3,063

Holland . .

168,98

169,32

168.93

169,27

Oslo ....

81,17

81,33

80,42

80 58

ftopcnbiiflcn.

82,42

82.58

82,42

82,58

Slodholm ..

82 42

82.58

82.67

82.33

London. . .

15.18

15,22

15,07

15.11

Buenos Aires

1,063

1,067

1.053

1,057

Nennorl . .

4.209

4,217

4,209

4.217

Brussel. . .

58,49

58,61

58,49

58.61

Italien. . .

21,68

21,72

21,68

21,72

Paris . . .

16,47

16,51

16,47

16,51

Schweiz . .

81,57

81,73

81,52

81,68

Spanien . .

35,56

35,64

35,56

35.64

Danzig. . .

81,97

82,13

81,97

82,13

Japan . . .

2,058

2,062

2,053

2,062

Rio ve Jan..

0,249

0,251

0,249

0,251

Jugoslawien.

7,433

7,447

7,423

7,437

Lissabon . .

13,84

13,86

13,69

13,71

Berlin, 26.November

Geld

Brief

Ämertkangche 'Noten.......

4 20

4,22

Belgische Noten.........

58,38

58,62

Dänische Noten.........

82,24

82,56

Englische Noten.........

15,14

15,20

Französische Noten........

16,46

16-52

Holländische Noten........

168,61

169,29

Italienische Noten........

21,66

21,74

Norwegische Noten........

80,99

81,33

Deutsch. Oesterreich, 6 1OO Schilling

Numänische Noten........

2,48

2,50

Schwedische Noten........

82,24

82,56

Schweizer Noten.........

81,39

31,71

Spanische Noten.........

35,38

35,52

Ungarische Noten........

Reichsbankdiskont 8 v. h., Lombardzins

10 v. H.

WeitereAbschwächmig des Pfundes

An ben internationalen Devisenmärkten ftanb bas Pfunb auch gestern roieber im Mittelpunkt bes Interesses. Nach ber Befestigung im vorgestrigen Vormittagsverkehr setzte sich nachmittags bereits eine Abschwächung burch, bie sich gestern vor­mittag in starkem Maße fortsetzte. Es werben verschiedene Grünbe für biefen starken Rück­gang angeführt; abgesehen von pessimistischen Be­trachtungen über bie künftige Wirtschaftslage Eng- lanbs unb Deutschland, verstimmten ber ungünstige Verlauf ber Rounb-Table-Konferenz unb möglicher­weise neue Schwierigkeiten Britisch-Jnbiens. Gegen ben Dollar ging bas Pfunb bis auf 3,5875 zurück, nachbem es vorgestern mit 3,65 geschloffen hatte. Gegen Mittag konnte es sich zwar roieber auf 3,60 erholen, boch blieb bie Stimmung weiter außer- o r b e n 11 i rf) neroö s. Gegen ben Gulben stellte sich bas Pfunb auf 8,93 bis 8,96, gegen Paris auf 92, gegen Zürich auf 18,50 bis 18,56 unb gegen bie Reichsmark auf 15.08. Der Dollar lag inter­national gut behauptet, bie Reichsmark war fast unoeränbert; in Amsterbam stellte sie sich auf 59,10, in Zürich auf 122,35 unb in Paris auf 6057 Die Norbbevifen liegen weiter schwach, Buenos unb Rio finb fast ünoeränbert, ber französische Frank war gut gehalten.

Am Nachmittag blieb bas Pfunb unter Schwankungen f chw a ch unb stellte fick gegen ben Dollar auf 3,6013. In Amsterbam schloß es mit 8,9665 zum niebrigften Tageskurs. Gegen Zürich stellte sich bas Pfunb auf 18,65, gegen bie Reichs­mark auf 15,18 unb gegen Paris auf 92. Der Dol -

lar war gut behauptet, bie Reichsmark war unoeränbert, Spanien tenbierte aber schwächer. Die Norbbevifen konnten sich auf ihrem niebrigen Ni­veau behaupten, bie sübamerikanischen Devisen blie­ben unoeränbert.

Schwache Auslandbörsen.

An ber ßonboner Börse ergaben sich gestern bei schleppendem Geschäft keine nennens­werten 23eränberungen. Deutsche Anleihen lagen weiter unter Druck, Dagegen waren britische Staats- papiere auf bem ermäßigten Niveau stetig.

Die PariserBörse war auf Positionslösungen zunächst schwächer, Doch konnte ein Teil Der Werte auf Deckungen Die Anfangsverluste verschieDentlich roieDer einholen.

An Der Amsterdam er Börse ergaben sich im Verlaufe gegen Den Anfang keine wesentlichen BeränDerungen; Das Geschäft war sehr ruhig, Kurs- abschwächungen waren auf fast allen Märkten fest­zustellen.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sinD ohne VerbinDlichkeit der Schnftleitung.)

C. 3-, Gießen. Die Höhe ber Aufwertung ist bei ben einzelnen Gesellschaften verschieben. Diese haben ben Versicherungsnehmern Auskunft zu erteilen. Falls Sie es für erforDerlid) halten, roenben Sie sich in Ihrer Angelegenheit an bas Reichsaufsichts­amt für Privatoersicherungen in Berlin.

mußte! Sie setzte sich auf die Kante des Tisches; heimlich lächelte Frau Lenz, als sie sah, mit welch brennendem 3nteresse 3ngas Zeilen verschlungen wurden. Rch, die glücklichen 3ungmädchenbriefe!

liebste Ebba, so viel Sehnsucht habe ich nach Dir und Reinshagen, daß ich zu Fuß zu Euch laufen könnte!

Hier ist mir alles über, obwohl es so schön wäre, wenn nicht

3m Vertrauen, Ebba bei jeder Gesellschaft, die wir besuchen, ist Baron Brandeck mein Tisch­herr! Ich mag ihn aber nicht; Maina hat kein Glück mit ihren Plänen bei mir! Wird sie aber darauf bestehen, dann setze ich meinen Dickkopf auf und reife einfach ab zu Hanno! Denn ohne Liebe heirate ich nicht! Wäre das nicht mit dem Baron, so würde es mir zur Abwechselung hier sehr gut gefallen! Wir haben eine Loge im Theater, das ich sehr fleißig besuche! Wie freue ich mich, mein Herzensebba, wenn Du erst hier bist' dann können wir zusammen schwelgen!

Wir erwarten Dich schon Anfang Dezember! Gelti Du bittest Deine Eltern recht schön, daß sie Dir Urlaub geben. Denn dann kannst Du mit Hanno reifen, der einige Tage zu uns kommen will, wie er schrieb. Du bist dann in männlichem Schuh, und Deine Eltern können ganz beruhigt um Dich sein

Heiße Röte deckte Ebbas Wangen, als sie diesen Satz las Hanno, ach Hanno, der so zärtlich Geliebte!

Selten nur und ganz verstohlen konnten sie sich noch sehen; seit die Herrschaften abgereift, ging sie nicht mehr nach Dem Schlosse. UnD wenn Hanno jeDen Tag ins Lehrerhaus noch gekommen wäre, so toürDe es schließlich aufgefallen sein. Er machte sich sowieso viel im Dorfe zu tun, unD es gab für ihn unD den jungen Pfarrer, mit dem er sich sehr gut verstand, allerlei zu besprechen. Erfinderisch war er im Aufsuchen von Gelegen­heiten, Ebba zu sehen. Die Sehnsucht nach ihr lag im Blute. Und daß sie die Reise nach Dresden in seiner ^Begleitung machen sollte, war auch ein Gedanke von ihm! 3n seinem Briefe an die Schwester hatte er die Bemerkung hingeworfen, er könne ihr doch die Freundin gleich mitbringen, die, reiseunkundig, vielleicht froh sein würde, die Fahrt nicht allein machen zu müssen! Und er hatte Ebba dann ein paar Stunden ganz für sich.

Sehr erklärlich und natürlich war alles, und der Gedanke, ihren Liebling nicht allein auf der Eisenbahn zu wissen, nahm der Frau Lenz eine Sorge vom Herzen.

3nga hat recht, wenn Graf Hanno dich mit­nehmen will sagte sie,ich wäre sehr beruhigt du mußt umsteigen, und Dann das Gepäck! 3ch gönne Dir Die Zerstreuung in DresDen! Warum nur 3nga so sehr gegen eine Verlobung ist sie wirb Doch auch zwanzig 3ahre."

Wenn ich Den Grund wüßte oder ahnte.

Mutti? 3ch glaube, 3ngas Sehnsucht nach Reins­hagen zu verstehen soll ich dir einen Ramen nennen? Unser Christel1 Aber strengste Verschwiegenheit, Mutti"

Ebba, was reimst du dir da zusammen!" rief Frau Lenz, aufs höchste überrascht.

Doch, Mutti, ich habe im letzten 3ahre so allerlei beobachte^! 3nga hat Christel gern.

Mutti, gesagt hat mir niemand etwas! Und Christel spricht nicht über das, was ihn bewegt. 3ch habe aber in seinem 3nnem lesen können

Frau Lenz seufzte bekümmertes ist doch ausgeschlossen! Mein Himmel, unser Christel und das Komteßchen

Warum ausgeschlossen, Ebba?" Ebba dachte an ihre heimliche Liebe zu Hanno.Es sind vor­läufig ja nur Mutmaßungen von mir, und du darfst nie merken lassen, Mutti, daß du etwas ahnst! Es muß doch einen tieferen Grund haben, daß 3nga sich so gegen diese geplante Verlobung, die ihr ein glänzendes Leben bieten würde, sträubt"

Ebba hatte mit ihren Worten in die Seele der Mutter einen Funken geworfen, der langsam weiter glomm. 3n kühnen Träumen spann sie aus, was sie bei nüchternem Tageslicht aus Grün­den der Vernunft weit von sich wies. Denn dar­auf konnte man nie hoffen, daß ihr Christel und Komtesse 3nga nein, das durfte man nicht zu Ende denken!

Gegen Abend sprach Hanno Reinshagen im Lehrerhause vor. Es war schon dunkel, und freundlich hatten ihn Die beiden erleuchteten Fen­ster, hinter denen er sein blondes Lieb wußte, schon von weitem gegrüßt.

Der Lehrer korrigierte an seinem bescheidenen Schreibtisch Hefte, und die beiden Frauen saßen am Tisch, mit Ausbessern von Wäsche beschäftigt. Die Buchenscheite im Ofen spendeten behagliche Wärme, und verheißungsvoll zischten Bratäpfel in der Ofenröhre.

Ueberrascht grüßte man den jungen Grasen, überrascht dutch die Ehre seines Besuches. Ebba war rot geworden. Er reichte der Frau Lenz seinen Rucksack.

Mir ist gestern ein Häschen, das durchaus in die Bratpfanne der Frau Lehrer wollte, vor die Flinte gekommen; bitte, nehmen Sie es heraus. 3ch habe für Dresden zwei geschossen! Meine Schwester hat mir vor einigen Tagen geschrieben ich soll ihr Fräulein Ebba gleich mitbringen

Heute habe ich einen Brief von 3nga bekom­men, in Dem sie mir davon schrieb Ebbas Stimme war recht unsicher, als sie das sagte, und sie neigte den Kops auf ihre Arbeit, um nicht in Hannos übermütig funkelnde Blauaugen blicken zu müssen.

(Fortsetzung folgt.)