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Nr. 225 Viertes Blatt

(Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefte»,

Samstag, 20. September 1951

Oie Notlage der hessischen Gemeinden.

Gemeindedefizit. Belastung durch die WohlfahrtSsürsorge.

Darmstadt, 25. Sept. (WSR.) In der heutigen Pressebcsprechung über die Notverord­nung zur Sanierung der Gemeinde-HauShalte gab Innenminister Leuschner einen lieber« blick über die schwere Finanzlage der hessischen Gemeinden, wie sie insbeson­dere durch die Belastung au« der W o h l - faßrts-SrwerbSlosensürsorge verur­sacht ist.

Die Zahl der Wohlfahrtserwerbslofen betrug In Hessen am 31. Dezember 1930 zirka 21 500, am 31. Dull 1931 rund 28 000.

Die Zahl der von der ArPeit«losem»crsicherung betreuten Erwerbslosen in Hessen stieg von rund 48 000 am 31. Dezember 1930 aus rund 54 000 Ende Februar, dann fiel sie ständig und erreichte am 31 Iuli 1931 rund 25 000. Während also von Ende 1930 bis Ende Februar 1931 die Zahl der von der Arbeitslosenversicherung betreuten Erwerb-losen die ZdHl der von den Gemeinden zu betreuenden WchlsahrtSerwerbSlosen weit mehr als um das Doppelte überstieg, hat sich von Ende Februar ab da- Verhältnis z u U n g u n st e n der Gemeinden ständig verschlech­tert, so bat) Ende Iuli 1931 die Zahl der Wohl- sahrtserwerbSlosen diejenige der noch in der Arbeitslosenversicherung befindlichen Personen be­reits überstiegen hat. Dieser Prozeß geht infolge der Fristen in der Arbeitslosenversicherung stän­dig weiter.

Die Zahl der im Durchschnitt de» Datjrc# 1931 von den Gemeinden zu betreuenden wohlsahrls- rrrocrbslofrn ist deshalb auf mindestens 25 000 zu schätzen und liegt weit über dem Reichsdurch- fdinitt.

Die Gesamtbelastung der Gemeinden für die WohlsahrtS-ErwerbSlosenfürsorge wird für 1931 auf mindestens 20 Millionen Mark geschäht, wozu noch der Gemeindebeitrag zur Krisenunterstützung

von mindestens 4 Millionen Mark kommt. Da­nach beträgt die Belastung pro Kops der Bevölkerung über 18 Mark. Ende Iuli 1931 entfielen aus 1000 Einwohner im Reich durchschnittlich 17,6 WohlfahrtSerwerbSlose. in Hessen dagegen 19, in einzelnen Landgemeinden bis über 40 und iq Olfcnbad) sogar 80 Wohl- sahrtserwerbSlose, die Höchstbelastung im ganzen Reich überhaupt Die sinanzielle Situation der Gemeinden wird zudem durch die seit den 3uli- Vorgängen erheblich gesteigerten Zinssätze aufzer- ordentlich verschärst Bielfach sind Zinssätze biS zu 20 und 21 Prozent zu zahlen Gleichzeitig verzeichnen die Einnahmen der Gemeinden wesentlicheRückgänge. Der Rückgang der Reichssteuerüberweisungen beträgt gegenüber dem Iahre 1930, wo die Gemeindemasse 17,5 Millionen Mark hetrug, in diesem Iahre 5 Millionen Mark, wodurch die Gemeindemasse auf 12,5 Millionen Mark sinkt, also ein Rückgang von etwa 30 Pro­zent. Daneben fliehen auch die eigenen Steuer- quellen der Gemeinden viel langsamer: insbe­sondere treten die Rückgänge bei den Betriebs- Überschüssen auS den Gaswerken, Elektrizitäts­werken, Ltrahenbahnen usw. hervor Die Folgen davon sind hohe HaushaltSdesizite in vielen Ge­meinden.

Das geschätzte Gefamtdefizit aus den hessischen Gemeindehaushallen beträgt etwa 20 Millionen Mark und ist gleich der Gesamtbelastung durch die Mohlfahrtserwerbslosenfürforge.

Bei diesem Gesamt-Haushaltsdefizit sind die bis­herigen Ersparnisse durch Bcsoldungskür- Aung und Kürzung der Sachausgaben bereits berücksichtigt. Durch die heute erlassene Rot­verordnung kann dieses Defizit bei weitem nicht ausgeglichen werden. Wenn nicht weitgehende Hilfe durch das Reich erfolgt, ist eine Katastrophe in vielen Gemeinden nicht mehr aufzuhalten.

Wirtschaft.

Oie Schweiz

bleibt bei der Goldwährung.

B e r n , 25. Sept. (WTB.) Dei der Aussprache über die schweizerische Finanzpolitik im Ratio­nalrat erklärte der Vorsteher deS Finanzdepar­tement-. DundeSrat Musy. dah angesichts der besonderen Wirtschaftsverhältnisse der Schweiz

r c d) t c r l) a l t u n g der Gold­währung und deS Schweizer Franken aus Goldparität beibehalten werden müsse: die englische Währungskrise könne an dieser Po­litik nicht- ändern.

Sanierung der Oarmstcidter Volks- bank beschlossen.

Darmstadt, 26. Sept. (WSR.) Gestern abend sand die auherordentliche Generalversamm­lung der Darmstädter Dolksbank statt. Die auherordentlich gut besuchte Versammlung wurde von dem Vorsitzenden deS Aufsichtsrates. Rechtsanwalt R e u s ch ä s s e r . geleitet. Dieser erstattete zunächst den Bericht des AufsichtSrats seit der letzten Gläubigerversammlung und er­läuterte nochmals den Status der Ban/. Weiter wiederholte er die bekannten Vorschläge zur Sanierung der Bank. Rach einer lebhaften Dis­kussion, in der einzelne Gegenvorschläge erörtert wurden, legte der Vertreter des Deutschen ©c- nossenschastsverbandes, Dr. Lang» Berlin, noch­mals die Lage dar und riet dringend, dem Vor­schlag des Aussichtsrates zuzuslimmen. In der Abstimmung wurde mit überwältigender Stim­menmehrheit dem Vorschlag der Verwaltung zu­gestimmt und somit die Sanierung der Vvlk-bank beschlossen. ES kommt jetzt noch auf die Stellung der Gläubiger an. die 15 Prozent ihres Guthabens nachlassen sollen. Der provisorische Aufsichtsrat wurde ergänzt und in seinen Aemtern bestätigt, so dah nunmehr eine gedeihliche Weiterarbeit durch den neuen Auf­sichtsrat gewährleistet ilt.

Frankfurter Börsenstimmungsbild.

Frankfurt a. M.. 25. Sept. In der heu­tigen Börsenversammlung herrschte auhervr- dentlich gedrückte Stimmung, die in der Hauptsache auf die bekanntgewordenen Zah­lungseinstellungen deutscher Bankfirmen zurückzu­führen war. Man befürchtet, dah noch weitere Bankinsolvenzen folgen werden und sieht deshalb den nächsten Tagen mit grober Skepsis entgegen. Der Umstand, dah die Reichsmark eine Be­se st i g u n g erfahren haben soll, lieh die 3n- slation-psychosc, die sich unter dem Eindruck der Londoner Ereignisse verschiedener Börsenbesucher bemächtigt zu haben schien, heute so gut wie ganz verschwinden, wodurch naturgemäß die Tendenz zum Ankauf von Sachwerten wieder in den Hin­tergrund trat. Insolgedessen erfuhr das gestern sicher alS überhöht zu betrachtende Kursniveau eine Korrektur paeß unten, und die führenden 3n- dustriewerte wurden im Vergleich zu den gestri­gen Schätzungen um 57 Prozent schwächer ge­nannt. Die Unklarheit hinsichtlich der künftigen Gestaltung der Dinge prägte sich besonders darin aus, dah man den Psandbriefen immer noch kein gröhereS Vertrauen entgegenbringt, sondern im Gegenteil in diesen Werten weitere Ver­käufe vornimmt. So waren heute bei den Pa­pieren dieser Gruppe abermals Kurseinbußen um etwa 2 Prozent zu bemerken. Reichsschuldbuch­forderungen folgten der rückläufigen Bewegung auf dem Aktienmärkte und mußten die gestrigen Kursgewinne wieder hergeben.

Am Geldmarkt war TageSgeld zwar leich­ter, doch wurde der Satz auf unverändert 7,5 Prozent belassen. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Reuyork 3.48, gegen Paris 87,25. gegen Mailand 68,75. gegen Madrid 40,00, gegen Schweiz 17,50, gegen Holland 8,62.

Wochenbericht

vom Frankfurter Effektenmarkt.

Zu Beginn der Berichtswoche hegte man noch die Hoffnung, daß es in Kürze möglich sein würde, den Börsenverkehr auch von den letzten

Schranken zu befreien. Zwar war ein weitere- Abgleiten der Kurse zu beobachten, doch schien der Börsenapparat wieder in natürlicher Weise zu funktionieren. Allerdings machte sich bereit- in stärkerem Maße der Einfluß des Auslandes, der vorher so gut wie ausgeschaltet war, fühl­bar. Die anhaltende Schwache an den auswär­tigen Plätzen konnte nicht ohne Wirkung blei­ben. Gegen das Wochenende gab die auffallende Schwäche des Pfandkurses wohl schon zu Beden­ken Anlaß, daß sich die Ereignisse aber derart überstürzen würden, hatte man nicht erwartet. So kam es. daß man sich zu Beginn der laufenden Woche vor eine völlig geänderte Sachlage ge­stellt sah. Die Schließung der Lon­doner Börse im Zusammenhang mit der Aufhebung des Goldstandards und mit der Diskonterhöhung bildete den Austakt dafür, dah nahezu alle europäischen Börsen mit einem Verbot des Handelsverkehrs nachfolgten. Während aber London nach zweitägiger Pause das Geschäst wieder ausnahm und an den an­deren Börsenplätzen der Handel, wenn auch ver­schiedentlich unter Einschränkungen, wieder in Gang kam, wurde die außergewöhnliche Situation in Deutschland wieder zur Ursache einer länge­ren Börsenschliehung. Darüber, ob eine Stille­gung des Börsenverkehrs in Deutschland als Vor­über Rachteil zu betrachten ist, sind die Meinun­gen sehr geteilt.

An den sog. Sprechbörsen trat zunächst aus Grund der Londoner Vorgänge ein schar­fer Rückschlag der Kurse ein. Außer­ordentlich rasch setzte sich aber dann eine Er­holung durch, von der insbesondere die führen­den Industriepapicre profitierten, die man all­gemein als die sichersten Werte ansah. Dage­gen brachte man den Pfandbriefen kein besonde­res Vertrauen entgegen. Die Aktien konnten ihre Kursverluste nicht nur voll und ganz wieder Äurüdcrobern, sie erzielten sogar, im Vergleich zu den letzten offiziellen Notierungen vorn vergan­genen Freitag. Kurssteigerungen um 10 biS 15 Prozent. Del den Pfandbriefen war eine solche kräftige Erholung nirgend- festzustel­len, im Gegenteil, sie gaben gegenüber dem ohne­dies schon sehr niedrigen Stand um etwa wei­tere 23 Prozent nach. Bei Schuldbuchforderun­gen war die Situation etwas gebessert: sie wur­den rund 23 Prozent höher bewertet.

Wochenbericht

vom Frankfurter Scbtacbtviebmarkt

Der Frankfurter Schlachtviehmarkt stand in der abgelaufenen Woche im Zeichen starker Preis­verluste, wobei ziemlich einheitlich alle Marktge­biete gleichmäßig betroffen wurden Der Verlauf deS Marktes war in allen Viehgattungen schlep­pend, so daß zum Teil nicht unerhebliche ileber- stände verblieben.

Die Zufuhren zum Rindermarkt waren mit 1709 Stück gegen die Vorwoche (1629) um rd. 80 Stück größer. Besonders aus den Weide­gebieten waren die Antriebe groß, so daß die Preise für Ochsen, Färsen und Bullen Abschläge von 23 Mk. pro Zentner Lebendgewicht, bei Kühen, die besonders stark beschickt waren, sogar von 24Mt. erfuhren. Rach sehr schleppendem Handel verblieb großer Ueberstand Der Kälber­auftrieb war 1248 Stück um 103 Stück bedeutend geringer. Trotzdem ergaben sich auch an diesem Markt Preiseinbußen von 1 3 Mk. Für Mittelware bestand etwas mehr 3ntcreffe. Der Handel war anfangs gut, später aber auch schleppend, doch konnte geräumt werden. Den stärksten Preisfall hatte der Schafmarkt zu verzeichnen, obwohl der Auftrieb mit 407 Stück (gegen 404 Stuck in der Vorwoche) nur un­wesentlich höher war Die Preisrückgänge betru­gen nicht weniger als 57 Mk. pro Zentner. Einen außerordenttlich hohen Austrieb hatte der Schweinemarkt, wo bei einer Beschickung von 6707 Stück gegenüber der Vorwoche rund 1460Etückmehram Markte waren. 3m Ver­gleich gegen die letzten Preise ergab sich ein Rück­schlag um 4 bi- 5 Mark. Der Handel war wäh­rend der ganzen Woche schleppend, so daß ziem­lich Ueberstand verblieb. Einiges Interesse erhielt

sich aber weiterhin für fette Schweine, die auch Preise über Rotiz erhielten.

Im einzelnen notierten pro Zentner Lebendge­wicht in Mark' Ochsen al) 38-42. a2) 35-37. bl) 30-34. Bullen a) 30-34, b) 26- 29. Kühe a) 30-32. b) 26 29. c) 18-25 Färsen a) 38 bi« 42, b) 35-37, c) 30 34 Kälber a), b) 48 bi« 52. ci 43-47. d) 35 42 Schafe al) 34 - 38. b) 25- 33. Schweine a) b) 52 -56, c) 52- 56, d) 5055, e) 4551, f), g) Sauen 40-49.

Die preußischen Sparkassen im August. Die MonatSstatistik der preußischen Sparkassen weist im August einen Spareinlagen­rückgang von 195,9 Mill. Mk. aus 6 309.4 Mill. Mark aus Der Rückgang der Spareinlagen war im Bericht«monat etwa« größer al« im Iuli (180,9). Insgesamt haben die preußischen Spar­kassen seit Ende Mai. also in den letzten drei Monaten, 478,1 Millionen Mark Spareinla­gen eingebüßt.

Berliner Produktcnmarkt.

Berlin 25. Sept. Rach der gestrigen explo- siven Preisbewegung, die sich im Lause des Rach- mittag« noch übersteigert hatte, war heute eine merkliche Beruhigung zu beobachten. Die halb­amtliche Erklärung, daß zu den InslationSaerüch- ten für die Mark keine Veranlassung besteht, hat in der Hauptsache in dieser Richtung gewirkt, außerdem hat wohl überhaupt eine rußigere Beurteilung der Situation Platz gegriffen, und man ist sich bewußt geworden, daß die Ernte für die Versorgung für die Bevölkerung voll au«- reicht und gegen spekulative Auswüchse mit allen Machtmitteln vorgegangen werden dürste. Da« Weizenangebot aus erster Hand hat sich ziemlich beträchtlich verstärkt, die Abgeber, die gestern nachmittag noch 2 Mark über gestrigem Börsen­niveau liegende Preise gefordert hatten, sind heute bei gegenüber gestern mittag 3 Mark nich­tigeren 'Verkäufen bereit, die Rachfrage ist jedoch immer noch ziemlich zurückhaltend. Roggen blieb dagegen ziemlich knapp offeriert, aber die For­derungen sind gleichsallS um etwa 2 Mark er­mäßigt, auf diesem Riveau findet das Material bei den nur knapp versorgten Mühlen Ausnahme. Der Lieferungsmarkt zeigte für Weizen Preis­abschläge von 3 biS 4 Mark, für Roggen von 2 bis 3 Mark. Mehl wurde zu gestrigen Preisen offeriert, Weizenmehl blieb stark vernachlässigt, von Roggenmehl sanden nur die billigeren Pro­vinzsabrikate einige Beachtung. Hafer wurde von der Abschwäckiung mitgezogen, gute Qualitäten waren weiterhin wenig angeboten, geringere da­gegen reichlich, aber vernachlässigt. Gerste still. Es notierten für je 1000 Kilo: Weizen, märkischer, 216 bis 219, September 232 bis 234,50, Oktober 231 bi« 232, Dezember 233,50 bi« 234,75 (stetig): Roggen, märkischer, 189 bis 191. September 205 bis 206, Oktober 202,50, Dezember 201 (stetig): Futter- und Industriegerste 149 bis 156 (rußig); Haser, märkischer, 137 bis 144, September 149, Oktober 149 (Bries); Dezember 150,50 (stetig); für je 100 Äilcrt Weizenmehl 26,75 bis 32,50 (stetig): Roggenmehl 26,50 bis 29,25 (rußig); Weizenkleie

10.50 bi« 10,75 (still); Roggenkleie 9.25 bl« 9.50 (Rillt; Viktoriaerbsen 20 bis 27; Leinkuchen 13.40 bi« 13.60. Trockenschnitzel 6,20 bi« 6.30; Srdnuß- kuchen 11,40; Erdnußkuchenrncßl ab Hamburg 11.50; Etirafojaboßnenschrot ab Hamburg 11,30. ab Stettin 12 Mark. Allgemeine Tendenz unein­heitlich.

Banfnotrn.

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51 74 «10

15 25

16 68 170 34

21.84 100.10

59 22

2.51 112.17 S2.31 36 7 7 73.15

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter vieler Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem

Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung >

In dieser Woche steht die P l o ck st r a ß c im Zeichen des Wassermangels. Am Dienstag, dem 22., beim Aufheben zeigte sich, daß die Wasser­leitung versagte; es stellte sich heraus, daß sie am Abend um 10.30 Uhr abgestellt worden war. Die Sperre dauerte bis nachmittags 2.30 Uhr. Das Was­serwerk hielt es nicht für notwendig, die '.Repara­tur fchon in der Rächt vornehmen zu lassen (in die­sem Falle wäre sie bis morgens behoben gewesen): ja, man ließ sich nicht einmal dazu herbei, sämt­lichen Häusern von der Sperre Mitteilung zu machen, was anderwärts auf den schnellsten Wege geschieht. Am 24. war vormittags plötzlich wieder gesperrt, abermals ohne Benachrichtigung Auch auf eine Erklärung in der Ortspresse wartete man vergeblich. An den Ursachen dieser schon mehrsach vorgekommenen Rohrbrüche an der Ecke Plock- straße-Seitersweg dürste die Oessentlichkeit ein er­hebliches Interesse haben. Sind etwa die immer noch vielfach vollgummibereiften Lastautos schuld, so verbanne man diese endlich aus dem Stadllnnern. Etwas mehr Rücksicht könnten die steuerzahlenden Hausbesitzer und Mieter jedenfalls erwarten. Oder glaubt das Wasserwerk, daß es genüge, wenn man das in Gießen ja so teure Wasser (30 Pf. je cbm) einige Stunden lang gratis aus einem in der Io- hannesstraße geöffneten Hydranten holen darf? (Wie in alten besseren Zeiten vom Brunnen.) -er.

*

Von der Direktion des Gas. und Wasserwerkes, die wir zur Aufklärung dieser Angelegenheit be­fragten wird uns mitgeteilt, daß die Rohrbrüche in der Plockstraße sich beide Male nachts ereigne­ten und eine sofortige Benachrichtigung der Anwoh­ner sich nicht verwirklichen ließ, da die Häuser ver­schlossen waren. Auch die sofortige Inangriffnahme der Reparaturarbeiten sei nid)t möglich gewesen, da für diese Zwecke nachts keine Arbeiter zur Ver­fügung stünden.

Neues für den Büchertisch.

Hessische Biographien in Verbindung mit Karl Esselborn und Georg Lehnert herausgegeben von Hermann Haupt. Band 3, Lieferung 3. Darm- stadt 1931. Hessischer Staatsverlag. Preis 2 Mark. (319) Dieses neue Heft der verdienstlichen Samm­lung bringt so viel Interessantes, daß man in Ver­legenheit gerät, wen man bei einer Inhaltsangabe auslassen soll. Gut vertreten ist wieder unsere Uni­versität: diesmal nicht nur durch Lebensbilder von Professoren (der Jurist Kretschmar, der Staats­wissenschaftler Stahl, der Forstmann von Secken- dorss, der Chirurg Wcrnher), sondern auch von anderen, die als Studenten eine Rolle gespielt haben, wie der spätere Psarrer von Hermannstein, Spanier, ein Hauptheld im berühmten Dahen- skandal von 1821, Friedrich Bopp, in die auf­ständische Bewegung von 1848 49 verwickelt, und an den Folgen eines Fluchtversuche« in den Rastat­ter Kasematten verstorben. Ludwig Bogen, al« Student dem Kreise um Wcidig nahestehend, 1848 Abgeordneter der Frankfurter Rationalversamm­lung, und der Theolog August Kröll, der wie Dogen in den Bereinigten Staaten von Amerika zu Ansehen gelangte. Sonst ist von Gießenern noch der Begründer des weithin bekannten Verlags- Hauses Emil Roth zu nennen, weiter der Stum- pertenröder, später Butzbacher Pfarrer Gg. Engel­bach, der gemütvolle Verfasser des PsarrlebenS in einem Gebirgsdorfe. Dann seien angereiht Mi­nister buThil, Christian Zeller, alS ständiger Se­kretär der landwirtschaftlichen Vereine um die hes­sische Landwirtschaft hochverdient, Heinr. Etsen- huth, der Organisator des hessischen Dolksschul- wesens, Ieanbon St. Andre, der verdiente Präfekt Rheinhessens in der napoleonischen Zeit, Prinz Alexander von Bulgarien, der erste Fürst von Bulgarien, der Offenbacher Drucker und Verleger Karl Ludwig Brede, der Historiker Friedbergs, Philipp Dieffenbach. der Begründer der Wormser Lederwerke, 3can Baptist Dörr, Annemarie Lur, bekannt durch ihre unglückliche Reigung zu Iean Paul, Friedrich Lux. der beliebte Mainzer Kom­ponist, der Erbauer des Darmstädter Erbprinzen­palais und Marstalls, Mittermayer, der Lehrer der Chemie und Mineralogie an der Darmstädter höheren Gewerbeschule. Friedrich Moldenhauer, der sich erfolgreich um Verbefserung und Verbilli­gung der Zündhölzer bemüht hat. der Begründer der Friedberger Blindenanstalt, Iohann Peter Schäfer und endlich Wilhelm Zimmermann, der 1848 im Odenwald als Revolutionär auftrat und bann in Frankreich sowie in Bad Homburg al« Arzt segensreich wirkte. So zeigt das Hest, gleich seinen Vorgängern, eine reiche Quelle von Beleh­rung und Anregung, aufs neue, welche Schätze die Beschäftigung mit der Geschichte der Heimat

erschließt. , £, ,

Handbuch der geographischen Wissenschaft. Herausgegeben von Universi- tätsprosellor Dr. F. K l u t e . Gießen. Etwa 4000 größere Textbilder und Kärtchen, gegen 300 Far­benbilder. viele Kartenbeilagen. In Lieferungen au ie 2.40 Mark. Akademische Vetiagsgesellschaft Athenaion m. b H. Wildpark-Potsdam. (Lsg. 21 bis 25). Die neuen Lieferungen handeln über Süd­amerika, Ozeanien und die Antarktis. Die Kühnsche Arbeit über den riesigen Wirtschaftsraum Brasi­liens. dengrößten politischen und kulturellen Ab­legen Europas in den Tropen", setzt Walter Knoche

(Santiago) mit einer gründlichen und interessanten Abhandlung über Chile fort. Dieser Staat, wichtig durch Salpeter und Kupfer, mit nur zwei Groß­städten und durch feine Lage von insularem Cha­rakter, hat gleichwohl große ZukunsiSaussichten. - Die reizvolle Welt der Südsee schildert Walter Dehrmann weiter: Polynesien und Melanesien. Reuguinea, Tahiti, die Hawaii-Inseln, die al- hochentwickelte Kulturlandschaft bereits den Han­del der ganzen übrigen Südfee übertreffen. Im Gegensatz zu dieser Tropcnwelt die Antarktis in der Darstellung W v. DrygalskiS, der seinerzeit mit der Gauß-Expedition selbst hervorragend an ihrer Erforschung beteiligt war. 14 000 Quadrat­kilometer unter der Herrschast des Eise«: der ein­heitlichste und einförmigste unter den Erdräumen, von dessen tierischen Bewohnern lediglich die Pin­guine ein geruhsames und philosophische« Dasein führen. Auf den wirtschaftlichen und geopoli­tischen Inhalt der neuen Hefte sei hier nur an» deutend hingewiesen. Die zahlreichen Abbildun­gen. Photographien und Farbta'eln sind der beste Werber für dieses vorbildliche Werk

Handwörterbuch der RechtSwis­se n s ch a s t, herausgegeben von Ftih Stier- Somlo und Alexander Elster, Verlag Walter de GruyterLCo, Berlin. Die eben herausgekom­menen Lieserungen 49 und 50 sichren den Srgän- zungSband des hier ausführlich besprochenen Sammelwerkes zu Ende und schließen damit da« ganze Werk ab. Der ErgänzungSband enthält nicht nur Rachträge zu bereits srüher behandelten Ab­schnitten, sondern bringt das Werk durch Aus­nahme einer Reiße neuer Gegenstände auf den Stand denkbar möglichster Aktualität. So entßält z. D. die letzte Lieferung u. a. eine auSsüßrliche Darstellung des Voung-Plan au« der Feder bi« früßer in Gießen tätigen Professors Friedrich Raab Auch die RotverordnungSgese g'bung de« Reiches ist bereit« weitgehend berücksichtigt.

Margaret Laube: Der Kuckuck aus TinSdal. Roman. 282 Seiten 8°. Leipzig 1931. Koehler & Amelang G. m. b. H. Geh. 3,30, Ganz­leinen 4.80. (336) In der liebenswürdigen Art, in der Margaret Laube schon in ihren früheren Romanen die Gegensätze zwischen Tradition und moderner Lebensführung auszugleichen verstand, zeigt fie sich auch hier als gütige, alles ver­stehende Mittlerin zwilchen stürmischer Iugend und bedachtsam wägender älterer Generation. Ungestümer Freiheitsdrang und das Verlangen, ganz ihrer Kunst zu leben, Pianistin zu werden, lassen Christiane Detlefsen, die Hamburger Pa­trizierstochter, heimlich Tinsdal, das Elternhaus, verlassen. Sie folgt dem berühmten Geiger, der ihr den Weg zum Podium ebnet. Freude an der eigenen Leistung, ein glänzender Aufstieg an seiner Seite Überbrüden Die Abgründe, die diese« nervenaufreibende Leben vor ihr auf reißt; auch dann noch, als sie sich längst von dem Meister gelöst hat. Als bann aber ihr kleiner Sohn, für den in ihrem Wanderleben fein Raum war, ohne daß die Eltern daS nahe Verwandtschafts- Verhältnis ahnen, nach Tinsdal kommt und wie so ein rechter Kuckuck sich dort in da« warme Rest seht, findet sie fehnsuchtskrank wieder den Weg zu der vertrauten Heimat, zu einem weniger glanzvollen, aber ruhigeren und glücklicheren Löben.