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Kapitel 57 (SJolts. JQttt aus Donnerstag

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Aus der Pwvinzialhauptstadt.

Gießen, den 23. April 1931.

Erleichterungen

bei der Sondergebäudesteuer.

Der hessische Finanzmini st er hat den Fi­nanzämtern folgende Anweisung erteilt:

Auf Grund des Artikels 12 des Sondcrgebäude- steuergesetzes wird bestimmt:

1. Die staatliche Sondergebä ude» steuer ist auf Antrag um zwei Drittel des Betrages zu ermäßigen, den der Steuer­pflichtige nachweisbar als jährliche Verzinsung und Tilgung solcher Hypotheken aufwendet, die für notwendig gewordene laufende, oder große Instandsetzung ausgenommen sind (Repara­turhypotheken). Die Ermäßigung erfolgt erstmals für das Rj. 1931 und bis auf weiteres. Anträge sind bis zum Ablauf der Einspruchsfrist gegen den Steuerbescheid für das betreffende Rechnungsjahr an das Finanzamt zu richten.

2. Ist die gegenwärtig tatsächlich per- einbarte Miete eines bebauten Grundstückes geringer als die auf der Grundlage der Frie­densmiete sich errechnende gesehlicheMiete. so ist auf Antrag die staatliche Sondcrgebäude- steuer auf der Grundlage einer fiktiven Friedens­miete zu berechnen, die aus der gegenwärtig tat­sächlich vereinbarten Miete abzuleiten ist: eine aus anderen, auch gesetzlichen Gründen etwa zu­gebilligte Steuerermäßigung ist jedoch auszurech­nen. Antragstellung wie bei Ziffer 1.

3. Betragen die von einem Steuerpflichtigen für ein Gebäude aufgewendeten und nicht schon nach Ziffer 1 zu berücksichtigenden Kosten für laufende oder große Instandsetzun­gen in der Zeit vom 1. April 1929 bis 31. März 1932 nachweisbar zusammen mehr als 75 Prozent der einjährigen Friedensmiete dieses Gebäudes, so ist die staatliche Sondergebäudesteuer für 1931 aus Antrag zu ermäßigen: die Ermäßigung für 1931 beträgt zwei Drittel des nachgcwiesenen Mehraufwandes aus den genannten drei Rech­nungsjahren, jedoch nicht mehr als die aus Ar­tikel 13a des Sondersteuergebäudegesehes sich für 1931 ergebende Erhöhung der Staatssteuer. Diese Ermäßigung ist zunächst für das Rechnungsjahr 1931 zu bewilligen, für 1932 bleibt weitere Rege­lung Vorbehalten. Antragsstellung wie bei Ziff. 1.

Die Anordnung zu Ziffer 1 deckt sich mit der Regelung in Preußen und ist als D a u er­reg e l u n g gedacht. Auch Ziff. 2 soll dauernd gelten. Die Anordnung zu Ziffer 3 hat noch kein Vorbild und ist deshalb zeitlich und dem Umfange nach etwas eingeschränkt insofern, als die Rege­lung zunächst nur für das Rechnungs­jahr 19 31 gelten soll und die Höhe des er­lassenen Betrages begrenzt ist auf die Summe der für Häuser mit einer Friedensmiete von mehr als 5 Prozent neuerdings eingetretenen Sonder- gebäudersteuer-Erhöhung. Wenn in Ziffer 1 u. 3 nur eine Ermäßigung um zwei Drittel zugebilligt ist, so liegt der Grund dafür darin, daß der Staat nur mit etwa zwxi Drittel des Gesamt­aufkommens an der Sondergebäudesteuer betei­ligt ist.

Bornotizen.

Tageskalender für Donnerstag. Verkehrs- und Verschönerungsverein Gießen: Haupt­versammlung, 20.30 Uhr, Restaurant Boller, Bahn­

hofstraße 53. DHD.: LichtbildervortragDer Weltkrieg", 20.30 Uhr, Caf6 Leib. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Seine Freundin Annette". Astoria-Lichtspiele: .Karibou".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am morgigen Freitag ist das Theater geschlossen. Samstag, 25. April, im Freitagabonnement, einmaliges Gast­spiel des Mainzer StadttheatersDie toten Augen", Oper von Eugen d'Albert. Die Auf­führung steht unter der Leitung des Kapell­meisters Adolf Kienzl. Die weibliche Hauptpartie singt Hanna Gorina. Am Sonntag, 26. April, findet die letzte Wiederholung der Hans- Sachs-Spiele statt. Die Morgenveranstaltung be­ginnt um 11.45 älhr. Einführung Dr. Karl Ritter, der auch gleichzeitig die Spielleitung hat. Schüler ermäßigte Preise. 18.30 Llhr wird zum letztenmalFeurio" von Bernhard Blume gespielt. (Regie: Peter Fassott.) In Aus­sicht genommen ist als nächste PremiöreHaus Rotschild" von Hanns Saßmann. SpieUeitung Intendant Prasch. Leytes Gastspiel von Auguste Prasch-Grevenberg. Am 29. April einmaliges Gastspiel von Alfred Abel (mit Ensemble):Hut ab vor Onkel Eddie!".

Die Mitgliederversammlung der Volkshochschule findet am Mittwoch, 29. April, 20 älhr, in der Oberrealschule statt. (Näheres in der gestrigen Anzeige.)

Die Bauwirtbewegung der ge­genseitigen Hilfe". Heber dieses Thema spricht in den nächsten Tagen der Volkswirt B. W i l h e l m i in Klein-Linden, Wieseck und Gießen. Der Redner wird wie man uns mit­teilt in seinem Vortrage den Aufbau, die Ent­wicklung und die Auswirkungen der Bewegung erläutern. Interessenten finden näheres in der heutigen Anzeige.

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Kochbutter Pfund von 1,10 Mark an; Butter 1,30 bis 1,40; Matte 30 bis 35; Wirsing 20 bis 35; Weißkraut 15 bis 20; Rotkraut 25 bis 30; gelbe Rüben 12 bis 15; rote Rüben 12 bis 15; Spinat 25 bis 30; Unter-Kohlrabi 5 bis 6; Feld­salat 1,00 bis 1,20; Tomaten 70 bis 80; Zwie­beln 10 bis 15; Meerrettich 30 bis 60; Schwarz­wurzeln 35 bis 40; Rhabarber 35 bis 40; Kar­toffeln 5 bis 6; Aepfel 40 bis 50; Dörrobst 30 bis 35; Honig 40 bis 50; junge Hähne 90 bis 1,10; Suppenhühner 90 bis 1,10; Rüsse 60 bis 70; Käse (10 Stück) 60 bis 1,40; Tauben (Stück) 70 bis 80; Eier 7 bis 8; Blumenkohl 40 bis 70; Salat 20 bis 30; Salatgurken 60 bis 1,00; En­divien 15 bis 30; Ober-Kohlrabi (neue) 25 bis 35; Lauch 5 bis 15; Sellerie 10 bis 50; Rettich (neue) Bund 25 bis 30; Radieschen 15 bis 20; Kartoffeln Zenter 4,00 bis 5,00; Weißkraut 10,00 bis 12,00; Wirsing 20,00 bis 25,00; Rotkraut 20,00 bis 25,00 Mk.

** Straßensperrungen, mitgeteilt vom Oberhesfischen Automobil-Club (A.v. D.), Gießen: Die Serpentine südlich von Wolfshausen von Kilometer 100 bis 106 im Zuge der Straße Gieße nM a r b u r g ist in der Zeit vom 24. April bis 8. Mai für sämtliche Fahrzeuge ge­sperrt. Umleitung über RiederweimarFron- hausenBellnhausen. Die Strecke Cölbe

Göttingen ün Zuge der Straße CölbeFran­ke n b e r g a. d. E d e r ist vom 10. Mai bis Mitte Iuni für sämtlichen Ver-ehr gesperrt. Umleitung über WehrdaGoßfelden.

** Eine Achtzigjährige. Unsere Mitbür­gerin, Frau Kath. Arnold, wohnhaft Erlen- gasse 11, vollendet morgen ihr 80. Lebensjahr. Die Jubilarin erfreut sich noch aller körperlichen Rüstig­keit und ist im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte. Sie nimmt regen Anteil an allen Begebenheiten des öffentlichen Lebens, besorgt ihre hauswirtschaftlichen Arbeiten selbst und bebaut noch ein Stuck Land.

** Der Verkehrs- und Verschöne­rungsverein Gießen hält heute abend im Gasthaus Boller seine diesjährige Hauptversamm- lung ab. Der Besuch dieser wichtigen Beratung sei insbesondere unseren Geschäftsleuten nochmals drin­gend empfohlen. Die Tagesordnung ist aus der gestrigen Anzeige ersichtlich.

*' Aerztehonorar und Wirtschafts­lage. Die Hessische Aerz^ekammer hat zu der Frage der Aerztegebühren in der Privatpraxis Stellung genommen, nachdem vorher eine Be­sprechung des Kammervorstandes mit der Mini- sterialabteilung für öffentliche Gesundheitspflege stattgeftrnden hatte. In der Aussprache in der Kammersihung ergab sich, daß vielfach bereits in den Honorarsähen der Privatpraxis den Wirt­schaftsverhältnissen Rechnung getragen wird und daß die von den Aerztevereinen ausgestellten Richtsätze es auch erlauben, jeder Wirtschaftslage Rechnung zu tragen. Die Kammer nahm ein­stimmig folgende Stellungnahme ein:Die Hes­sische Aerztekammer verurteilt jede Ueberspan- nung des ärztlichen Honorars in der Privat­praxis. Sie ersucht die ärztlichen Kreisvereine, bei Festsetzung von Honorarrichtsätzen der heuti­gen wirtschaftlichen Ro:lage gerecht zu werden. <ug'e d) bittet die Kammer die gesamte hessische Aerzteschaft, in der Privatpraxis die wirtschaft­liche Le stungssähigkeit ihrer Patienten tunlichst zu berücksichtigen."

** Kurse b-e r Volkshochschule. Man schreibt uns: Die Volkshochschule veranstaltet auch im kommenden Sommer wieder ein Semester mit einer größeren Anzahl von Kursen. Diese be­ginnen in der Woche vom 3. bis 9. Mai. Als neue Lehrkraft hat sich Professor Kinkel zur Verfügung gestellt, der einen Kurs über Lebens- Probleme" halten wird. Professor Messer wird über bedeutendeMenschen unserer Zeit" spre­chen. Professor Hüter behandelt das Thema Diktatur und Volkswille im Wandel der Ge­schichte". Die medizinische Kursreihe wird mit einem Kurs überMagen- und Darmerkrankun­gen und Stosswechselstörungen" von Dr. Ma- lech fortgeführt. Studienrat Heußel behandelt Die Grundlagen der Radiotechnik" undPo­tenzen, Wurzeln, Logarithmen". Außerdem fin­den Kurse in Sprachen, rhythmische Körperschu­lung und Zeichnen, sowie pflanzenkundliche Aus­flüge statt. Besonders hingewiesen fei auch auf die geplanten Ferienkurse, über die das Pro­gramm näheren Aufschluß gibt. Die Eröffnungs­feier findet am Samstag, 2. Mai, im Singsaal des Realgynasiums statt. Räheres ist aus dem Kursverzeichnis zu ersehen, das in den Buch­handlungen und in der Geschäftsstelle, Wolf­str atze 20, kostenlos erhältlich ist. Man beachte die heutige Anzeige.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Durch die Vorherrschaft des hohen Drucks von Südwesten her hat die Rückseite des Tiefs über Polen keinen Einfluß auf unsere Wetterlage ge­wonnen. Die Luftdruckoerteilung hat eine Umge­staltung erfahren, und zwar rücken im Nordwesten vom Atlantischen Ozean neue Störungen heran. In­folgedessen gelangen wir in den Bereich wärmerer ozeanischer Luft, welche allenthalben zu Temperatur- anstiea führen wird, ferner bringt sie Bewölkung und Niederschläge mit sich.

Aussichten für Freitag: Dunstig und be­wölkt, zunächst trocken, später Niederschläge, wärmer.

Aussichten für Samstag: Weitere Er­wärmung und bewölkt oder dunstig, vereinzelte Niederschläge.

Lufttemperaturen am 22. April: mittags 9 Grad Celsius, abends 5,4 Grad; am 23. April: morgens 6 Grad. Maximum 9,4 Grad, Minimum 3,6 Grad. Erdtemperaturen in 10 an Tiefe am 22. April: abends 8,6 Grad; am 23. April: morgens 6 Grad Celsius. Niederschläge 0,5 mm. Sonnenschein­dauer 3% Stunden.

Kirchliche Nachrichten.

Israelitische Gemeinden.

Israelitische Religionsgefellschast. Sabbatfeier den 25. April. Freitag abend 7.10 Uhr; Samstag vor­mittag 8: nachmittags 4; Sabbatausgang 8.25. Wochengottesdienst: morgens 6.30; abends 6.30 Uhr.

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