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Nr. §5 Erster Matt

181. Jahrgang

Montag, 23. Zebruar 1931

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Die 3Du|trrerte _ Gießener FamütenblLtter

Heimat >m Bill» Die Scholle

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Neheim Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

vnicf und Verlag: vrühl'fche Untverstiüir-Vuch- und Stetnörncferel S. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschästritelle: SchiMraße 7.

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Thefredakteur

Dr Frudr Wilh. Lange. Deranttoortlich für Politik Dr Fr Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, fämtlid) in (Biehen

Ein politischer Propagandasonntag im Reich.

Oie NSDAP.

Hitler spricht über den Ideengehalt dcs Nationalsozialismus.

Braunschweig, 22.Fcbr. (TU.) Auf dem Parteitag des Gaues Siid-Hannooer-Braunschweig der NSDAP, sprach Hitlcram Sonntag über den Ideengehalt des Nationalsozialismus Biele sag­ten von der nationalsozialistischen Idee könne man nicht leben, die Wirklichkeit sei hart, und es sei in ihr kein Platz für ideelles Handeln. Der Gegner aber erringe mit feinem Realismus quch keine Erfolge. Er habe das Volk bewußt von Idealen entfernt, ohne ihm dafür Reales zu geben. Statt des ver­sprochenen Paradieses sei die Hölle gekommen. Da­her gehe durch das Volk eine große Unsicher­heit und Nervosität und selbst die Vertreter der marxistischen Idee seien unsicher. Das Proletariat, steige nicht auf, wie ihm verheißen worden sei, son­dern es sinke mit den anderen Ständen immer tiefer. Die Nationalsozialisten träten für den Idealismus ein, weil der höchste Idealismus zugleich der größte Realismus fei. Die Ursache der Nervosität im Volke sei eben, daß die Menschen materiell und ideell unbefriedigt seien. Infolge dieser Un­sicherheit verstünden sich die Menschen gegenseitig nicht mehr. Das Volk beginne zu fühlen, daß es s o nicht mehr weitergehe. Millionen seien einem ungewissen Schicksal auögeliefert. 40 000 000 Deutsche besäßen das Wahlrecht, wieviele von ihnen wüßten aber wirklich, was notwendig sei Die jetzige poli­tische Leitung habe aber ein Interesse daran, die Dinge zu komplizieren, damit das Volk den einfachen und klaren Weg nicht fehe. Das deutsche Volk verlange einen bestimmten Lebensstandard und einen Anteil an den Kulturgütern, der dem ent­spreche, was es der Welt an Kultur schenke. Unsere Bodcnfläche könne uns nicht das zum Leben geben, was wir brauchten. Die Verkaufsmöglichkeiten in der Welt seien so gesunken, daß auch Deutschland seine Erzeugnisse nicht absetzen könne. Das Prole­tariat hungere dort am meisten, wo cs regiere. Jeder deutsche Nationalist könne jedem Wationaliften eines anderen Landes die Hand reichen, solange dieser nicht Deutschland schädigen wolle Im Kampf um das Leben müsse ein Volk geschlossen seine Kraft als Nation einsetzen. Aber das Feld sei nicht nur zu bestellen, sondern auch zu schützen und wehe dem Volk, das vergesse, daß Pflug und Schwertaus ein und de ms e l b c n 3)1 c t a 11 fei. Nicht im Schwert allein liege die soldatische Kraft, denn über allem schwebe der Geist Die Na­tionalsozialisten seien die Kreuzritter einer Idee, die uralt sei und die Menschen immer beherrscht habe. Je schwerer aber der Kampf fei, um so größer wur­den Sieg und Lohn werden.

Die Deutsche Volkspartei.

Diugeldey spricht über die drängenden Ar­beiten des Kabinetts Brüning.

Braunschweig, 23. Febr. sTÄ.) Auf dem Wahlkreisvertretertag der Deutschen Volkspartci für Süd-Hannovcr°Braunschweig sprach dec volkspartciliche Parteiführer Abg Dingel- d e Y über die politische Lage. Die Bot erfordere es, Hanbanzulcgcn und die Verantwortung zu tragen. Man müsse dabei auf populäre -Der- sammlungserfolge und Massendemonstrationen verzichten, um die bitteren Rotmaßnahmciu die jeden einzelnen zwängen, von seinem Lebens- standard herabzugchen, durchzusühren. Diese Maßnahmen müßten in ein cm noch Di c l schnelleren Tempo a l s bisher durchge­führt werden. Reichskanzler Dr. Brüning habe den Beweis erbracht, daß er in einer Abkehr von sozialistischen Ideen bereit sei, diese Maßnahmen durchzuführen. Die Deutsche Volkspartei habe zum Reichskanzler das Ver­trauen, daß der We h r e t a t nicht angetastet werde. Einsparungen seien möglich, ohne die Rechte der De amt en zu kürzen durch Be­schneidung der Mittel, die heute noch in teilweise recht erheblicher Weise allen Verwaltungsinstan- zen zur Verfügung ständen. 3n der Land­wirtschaft müsse die Preishöhe der Erzeug­nisse in Einklang mit den Produktionskosten ge­bracht werden. Im Osten sei die Rettung der Landwirtschaft von besonderer Wichtigkeit Die Landwirtschaft müsse aber auch an die Selbst­hilfe denken. Die Arbeitslosigkeit sei zu bekämpfen durch freie Vereinbarung zwi­schen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern. fer­ner müßten die Betriebe sehen, ob sie unter Verkürzung der Arbeitszeit verbun­den mit wirtschaftlich gerechtfertigten Lohnen und Gehältern, neue Arbeitskräfte einstellen konnten. Eine Reuregelung der T r i_b u t f r a g e n sei nicht möglich ohne innere Sanierung der Finanzen. Ferner gelte cs, die c t e t - lung des Reichspräsidenten und die Stellung des Reichsfinanzministers zu stärken. Das jetzige W a h l a l t e r müsse hinaus- gesetzt werden.

Das Zentrum.

Wirth fordert prattische Mitarbeit am Rettungswerk.

Breslau, 22. Febr. (WTD.) Die Zen­trumspartei veranstaltete eine Kundgebung, auf der ReichsinnenminiKer Dr. Wirth sprach. Un­sere finanzielle Lage sei schwer, aber nicht so, daß heute von einer Katastrophe gesprochen werden könne. Mit ihrem Auszug aus dem

Reichstage entziehe sich die Rechte der Mit­arbeit und der Verantwortung. Das Zentrum habe in allen Kämpfen niemals die Sorge um den Staat aus den Augen gelassen. 3n der Ost- fr a g e sei die Grenze für die mögliche Hilfe gegeben durch die finanzielle Leistungsfähigkeit. Bei der HUse für die Landwirtschaft müß­ten die Interessen von Produzenten und Kon­sumenten ausgeglichen werden. Man könne auch nicht die gesamte Handelspolitik in Frage stel­len. Ein Vergleich etwa der Gelreidepreise in Deutschland und auf dem Weltmarkt zeige, was für die Landwirtschaft bereits getan worden sei. Dr. Wirth wies auf d i e Welle des Ra­dikalismus hin, die durch das Volk gehe. Der Kapitalismus in seiner heutigen Form sei Gegenstand der Krise. Aber angesichts der augen­blicklichen Probleme Arbeitslosigkeit usw. sei nicht zu wählen zwischen Kommunismus und liberalem Individualismus, sondern es gelte, praktisch Hand an zu legen, um dem Volk das Leben zu sichern. Mit Schlagworten sei unserer Lage nicht beizukommen. Die seit dem 14. September Deutschland entzogenen zwei Milliarden Auslandgelder würden nicht unter der DeviseBrechung der Zinsknechtschaft" zu­rückkehren, sondern nur bei einer vernünftigen Wirtschaftspolitik Vertrauen zu der Arbeit der Regierung sei notwendig. Das Erbe einer neuen Katastrophe würde nicht der Rational­sozialismus. sondern der Kommu­nismus antreten. Daher hätten gerade die bürgerlichen Kreise allen Anlaß, der Regierung wohlwollend gegenüberzustehen. Das große Erbe, das wir übernommen haben, sei die deutsche Ein­heit, das große nationale Ziel, die Freiheit des deutschen Vaterlandes. Rur auf einer kräftigen staatlichen Autorität, einer Willensbildung aus dem Volk heraus könne die Kraft zur Lieber« Windung der Rot kommen.

Das Reichsbanner.

Hörsing über die neugebildcte Schutz- sormation.

B e r l i n, 22. Febr. (ERB.) Das Reichsbanner veranstaltete aus Anlaß des 7. Gründungstages der Organisation eine Kundgebung. Die neu­gebildete Schuhformation (Schufo) mar­schierte zum erstenmal in der Oessenllichkeit auf. Der Lustgarten war, da mit Störungsversuchen gerechnet werden mußte, schon gegen 14 Llhr von der Polizei ab geriegelt worden. Der erste Vorsitzende des Reichsbanners, Oberpräsi­dent a. D. H ö r s i n g, teilte in einer Ansprache mit, daß bereits 160 000 Mitglieder im Lause der letzten Monate aus den Reihen des Reichs­banners herausgezogen und einer besonderen Ausbildung für die sogenannten Schutz- formationen unterworfen worden seien. Es handele sich nicht um Soldatenspiekerei, sondern um eine Rotwehr- und Abwehrhandlung. Ein Bürgerkriegerfolg der innenpolitischen Gegner sei von heute ab unmöglich. Das Reichsbanner stehe bereit, jedem Rus der legalen Staatsgewalt zu folgen als Helfer der legalen Machtmittel des Staates. Seit Monaten werde er gedrängt, dem Reichsbanner auch ein politisches Pro­gramm zu geben. Rach wie vor lehne er dies strikt ab. Das Reichsbanner könne seine beson­dere Aufgabe nur erfüllen, wenn es die über­parteiliche Schuhorganisation der Re­publik und der Demokratie bleibe. Der Rega- tion der extremistischen Parteien werde das Reichsbanner die Front des Positiven entgegen­stellen. Ein Kriegsplan zur Riederringung der Arbeitslosigkeit müsse das Pro­gramm werden. Hörsing richtete dann an alle verantwortungsbewußten Republikaner die Ditte: Organisiert die geistige Erneuerung der Republik. Gebt uns konstruktive Ziele. Das ist die Forde­rung des Dundes.

Deim Aufmarsch zu der Demonstration im Lust­garten sowie nach deren Deendigung versuchten an verschiedenen Stellen kommuni st ische Störtrupps von 20 bis 150 Mann unter Absingung der Internationale gegen den Lust­garten vorzustoßen. Die Polizei sah sich ge­nötigt, in der Umgebung des Lustgartens mehr­fach Abriegelungen vorzunehmen und mit dem Gummiknüppel vorzugehen.

politische Zusammenstöhe in Braunschweig.

D r a u n s ch w e i g , 22. Febr. (WTD.) Aus Anlaß ibres Gautages für dhanno ver-Draun- schweig, veranstalteten die Rationalsozia- listen am Samstagabend einen Fackelzug. Für andere Verbände bestand Llmzugsver- b o b Dei dem Umzug durch die Stadt kam cs mehrfach zu Zusammenstößen mit poli- tis chen Gegnern, es gab auf beiden Sei­ten Verletzte. In der Innenstadt herrschte bis in die Rachtftundcn Unruhe. Ansammlungen wurden von der Polizei zerstreut. Im Lause der Rächt kam es zu weiteren Zwischenfällen. In einer Gastwirtschaft in der Aähe des Haupt­bahnhofes sollen Leute versucht haben, Möbel­stücke zu zertrümmern und die Wirtin zu miß- handcln. Am Landestheater und an der Gar­nisonkirche waren von unbekannten Tätern, ver­mutlich Kommunisten, rote Fahnen aufge­zogen worden. Wegen verbotenen Waffentragens wurden vier Teilnehmer an den Ausschreitun­

gen verhaftet, zwei von ihnen hatten geladene Pistolen bei sich.

Schwere kommunistische Ausschreitun­gen in Wolfenbüttel.

Wolfenbüttel, 22. Febr. (WTD.) Trotz des Verbotes politischer Demonstrationen hatten sich etwa 1000 Kommuni ft en aus Hannover, Lehrte, Peine und anderen Orten hier eingefunden. Die Polizei, verstärkt durch Landjägerbeamte, versuchte, die auf Lastkraft­wagen Ankommenden abzudrängen. Dabei wurde

sie mit Steinen beworfen, wodurch ein Beamter verletzt wurde. Die Polizei ging darauf mit Gummiknüppeln und.dcm Gewehrkolben vor, wobei acht Personen Verletzungen erlitten. Eine Abteilung von zwölf Polizcibcamten war von den Kommunisten cingeschlossen wor­den. Zwecks ihrer Befreiung war ein Truppen­kommando in einiger Entfernung vom Schauplatz bereitgestellt worden, das aber nicht in Tätigkeit zu treten brauchte, da die Kommunisten die das Anrücken bemerft hatten, alsbald die Flucht er­griffen. Eine Anzahl Demonstranten wurde fcst- genommen.

Set Reich-Präsiden» fordert praltische Marbcil.

Oie Oeutschnationalen und die Ostgesehe.

Berlin, 21.Febr. (WTB.) Der deutschna. tionafe R e i ch s t a g s a b geo r d ne I e Wege (Ludwigsdorf) hat an den Herrn Reichsprä- identen ein in einem Teil der Presse veröffent­lichtes Schreiben gerichtet, in dem er u. a. an den Herrn Reichspräsidenten die dringende Bitte richtet, dafür Sorge zu tragen, daß ungesäumt etwas Durchgreifendes für die Landwirt- chaft, insbesondere des Ostens, ge- chehen möge. Der Herr Reichspräsident hat hierauf dem Abgeordneten Wege folgende Ant­wort erteilt:

Sehr geehrter Herr Abgeordneter?

von Ihrem Schreiben vorn 18. Februar habe ich mit vollem Verständnis für die im Landvolk der Grenzmark herrschende sorgenvolle und ernste Stim­mung Kenntnis genommen. Ich versolge die Lage der deutschen Landwirtschaft mit besonderem Inter- esse und begleite alle brauchbaren Bot- chläge zur Besserung der Rot nament­lich im Osten mit tätiger Mitarbeit. Durch die in den letzten lagen vom Reichskabinett verabschiedeten Gesetzentwürfe soll dem Osten und durch weitere vor der Verabschiedung stehende Maß­nahmen der deutschen Landwirtschaft insgesamt eine durchgreifende und alsbaldige Hilfe gebracht werden. An meiner Mitwirkung hierbei hat es bisher nicht gefehlt und wird es auch künftig nicht fehlen. Leider muh ich aber

zur Zeil Ihre und Ihrer Jraftionsfol- legen praktische Mitarbeit bei der Gesetz­gebung des Reiches vermissen. Ich muh daher ihren Appell an mich»damit erwidern, dah ich an Sie und Ihre Parteifreunde den drin­genden Ruf richte, bei den bevorstehenden, für die deutsche Landwirtschaft lebensroid)tigeii gesetz­geberischen Arbeiten nicht abseits zu stehen, sondern tatkräftig m i t; u h e l f e n.

Mit freundlichen (Brüfjen!

(gez.) von Hindenburg.

OaS ReichSkab.neit berät die Agrarvorlage.

Berlin, 21. Febr. (ERB.) Reichskanzler Dr. Brüning ist von einer leichten Unpäßlichkeit wiederhergestellt. Unter seinem Vorsitz fand die vorgesehene Kabinettssihung statt, an der auch der inzwischen nach Berlin zurückgekehrte Reichsbankpräsident Dr. L u t h c r teilnehmen konnte. Im Vordergründe der Erörterung standen vor allem die genossenschaftlichen Pro­bleme, die mit den, Reichsvcrband der deut­schen landwirtschaftlichen Genossenschaften in der Reichskanzlei ausführlich burchgcsprochen waren. Für Anfang der Woche ist eine eingehende Aus­sprache der zuständigen Stellen mit dem Ziele der Zinsverbilligung in Aussicht ge­nommen. Die agrarpolitischen Beratungen des Reichskabinetts werden Montagvormittag fort- | gesetzt.

Die Schüsse auf den König von Albanien.

Augenzeugenbericht über das Attentat.

Die Borgänge vor ver Wiener Lper.

Wien, 21. Febr. (WTD.) Der albanische Le­gationsrat Pascal Saraci, der der Suite des Königs Zogu zugeteilt ist, machte einem Mitarbei­ter derReuen Freien. Presse" über das Atten­tat folgende Mitteilung: Als der König nach der Vorstellung in der Oper mit seinem Adjutan-

König Achmed Zogu von Albanien.

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ten, Major Topollaj, und Hof Minister Ci­ba f) o to a das unmittelbar vor dem Seitenaus­gang stehende Auto bestieg, begab ich mich mit dem Abgeordneten Abduraman und Leib­art Dr. D a s ch o zu bem zweiten Wagen. Ich hatte den Wagen noch nicht erreicht, als ich zwei Schüsse hörte. Ich lief sofort zurück und beim dritten Aufleuchten zog ich meinen Revol­ver und schoß zweimal in die Richtung, aus der der Feuerschein kam. Zur selben Zeit fielen auch aus dem Auto des Königs Schüsse, die von Hofminister Libahowa abge­geben worden waren. Dald darauf sah ich zwei Individuen mit Revolvern in den Händen nach der anderen Seite hin f l ü ch t en. Ich wandte mich um, um zu sehen, ob der König noch im Wagen sei und bemerkte, wie Major Topollaj dem Könige beim Ausstei­

gen helfen wollte. In demselben Augenblick sank der Major tot zusammen. Die Schüsse, die dem König gegolten hatten, hat Major Topollaj dadurch, daß er sich vor den König stellte, aufgefangen und dabei fein Leben eingebüht. Der König wandte sich nun um und ging mit ruhigen Schritten mit dem Minister Libahowa in das Operngebäude zurück, wo Libahowa erst entdeckte, daß er selb st ver­wundet sei. Als ich sah, dah der König heil sei, wollte ich den Schauplatz des Attentats ver­lassen, fiel aber dabei zu Boden.

In dem Augenblick, als ich mich erhob, stürz­ten Passanten und Polizisten mit gezogenen Re­volvern auf mich zu, da sie,mich zweifellos für einen der Attentäter hielten. Aus der Menge wurde gerufen, man möge mich lyn­chen, und ich habe es nur der zahlenmäßig star­ken Wache zu verdanken, dah ich nicht zu Scha­den kam. Man brachte mich zur Polizei, wo ich mich nach einer Viertelstunde, nachdem ich mich legitimiert hatte, entfernen konnte,

Nce Attentäter.

Ausweisung der albanischen Emigrantcu.

Wien, 21. Febr. (WTB.) Noch im Laufe der Nacht wurden mehrere albanische Emigranten ver­haftet und in ihren Wohnungen Haussuchungen vorgenommen. Die beiden verhafteten Täter, frühere albanische Offiziere, erklären, daß sie nur aus politischen Gründen ge­handelt hätten. Der eine der Täter, Gjelossi, behaup­tet, daß er das Attentat ohne Einvernehmen mit anderen Personen begangen habe. Der andere Täter, Aziz Kami, erklärte, daß er gemeinsam mit Gjelossi bereits Tage vorher beschlossen hatte, ein Attentat auf den König auszuüben. Im Besitze Aziz Komis wurde ein Trommelreoolver gefunden, dessen sieben Patronen sämtlich abgeschossen sind, bei Gjelossi eine Mauserpistole, aus der zwei Schüsse abgegeben wor­den sind. Die Untersuchungen ergaben wichtige Ver­dachtsmomente für die Mitschuld des albanischen Kaufmann^ QuiazimMullety. Mullety mußte zugeben, daß er in unmittelbarer Nähe des Tatortes weilte. In dem Schönborn-Park, den Mullety passiert haben mußte, wurde ein ge­ladener Revolver gefunden. Der Journa­list AngielinSuma erscheint ebenfalls verdächtig. Suma hat Gjelossi wiederholt, und zwar erst gestern einen größeren Geldbe­trag üoergeben. Mullety und Suma wurden gleich- falls dem Strafgericht eingeliefert. Die gesamte Kolonie der albanischen Emigranten wird aus Oesterreich ausgewiesen, da sie das der Polizei gegebene Versprechen, nichts gegen König Zogu zu unternehmen, nicht gehalten hat.