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Zreitag, 21. August 1951
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Ur. 194 Zweites Blatt
Ziel und Ergebnisse Dc« russischen Fünf) ohre«- I hingen für eine hygienische DolkSvnsorgung onc« (deinen sich allmählich deutlicher heraus- äußerst primitiv und unzureichend ausgebaut unb
der ihn des
au »gestattet sind, Unb in einer solchen rvirtschaft- lichcn und finanziellen Situation findet man nicht nur den Mut, für die wissenschaftliche Forschung derartige, sehr bedeutende Summen auSzuwersen, sondern vertritt auch mit größtem Hochdruck dl e absolute Notwendigkeit solcher Arbeiten, nicht nur trotz, sondern gerade wegen deS allge-
Wissenschaft und Künfjahresplan.
Starke Förderung der wissenschaftlichen Forschung in Rußland im Dienst des Ausbaus der Wirtschaft.
Don Dr. Albrecht.
Physik angeboten worden.
Das durch das Ableben des Professors Spiegelberg an der Universität M ünchen erledigte Dröinariat für Aeghpwlogie und orientalische Altertumskunde ist Professor Dr. Alexander Scharff, Kustos bei den Staatlichen Museen in Berlin und Privatdvzent an der dortige« Universität angeboten worden.
Professor Dr. Johannes Mewaldt in Tübingen ist zum ordentlichen Professor der klassischen Philologie an der Wiener Universität als Rachsvlger von H v. Arnim ernannt worden.
Sochschulnacbnchten.
Professor Dr. Walter Löhlein, Direktor
Ein Tonfilm der großen Debütanten: „Der arme Sünder"
planes scheinen sich allmählich ,—. zukristallisieren. Wan gewinnt den Eindruck, daß viele» Geplante erreicht werden wird vieles aber hinter den sogenannten Kont roll zahlen Zurückbleiben dürfte. Die Dorbereitungen zu dem zwei- ten JünsjahreSplan zeigen deutlich mit Rücksicht hierauf ein Abweichen von der ur- fprünglichen Linie. Im Gegensatz zu früheren Plänen soll weiterhin fr.c Förderung der Produkt! on Sm ittel-Inbustrien unb bcr Kollektivierung ber Land- wirtschaft im Dorbergrunb stehen. Man hatte bie Absicht, Konsum- Inbustrien auSzubauen. Anscheinend ist aber bie DasiS ber ProduktionS-
dos Auto seines Freundes, bes Schriftstellers Walther Harich ein und läßt sich als dessen lieber Gast zu dessen entzückendem Landhaus, mitten im Wald und an einem grohen See fahren, küht der Dame des Hauses die Hand und wird willkommen geheißen. Dann richtet er sich in dem Mansardenzimmer oben notdürftig für einige Ferientage ein, stürzt sich noch vor der Mahlzeit in den See, dessen Wellen er mit erfreuten Armen scheitelt, und legt sich gleich nach Tisch nackend in das Paddelboot, und wenn er abends erscheint, trägt er einen Hauch voll Waldluft um sich. Dem Maler, der seinen Besuch angesagt hat, schreibt die Dame des Hauses, daß das Fremdenzimmer leider besetzt sei. Abends setzt er sich zum Plaudern behaglich in den tiefsten Sessel und schont keineswegs die Zigarren und den Weinkeller seines Freundes, des Schriftstellers. Am Morgen wandelt er aus den Kieswegen des Gartens, riecht an den Rosen und läßt ein wunderbares Gedicht seinem Gehirn entsteigen, und in ber schattigen Laube skizziert er den Gang einer Novelle, bie die Menschen ungern lesen werden. Er genießt alles und scheut nur das Arbeitszimmer seines Freundes wie einen Ort ber Pest unb bes Aussatzes So wohnt der Dichter Walther Harich wie alle Dichter in einer Dachkammer, ohne eigene Wohnung, ohne hübsche junge Frau, aber auf einem berauschenden Landsitz unb mit mehreren hübschen jungen Frauen.
Aber wenige Tage später, ba der Bauch über die ersten Zeichen des Einsturzes noch nicht hin- ausgediehen ist unb die Haut sich erst toenig gebräunt hat, ruft ihn ein Brief ober ein Telegramm ab. unb er packt seinen Koffer unb läßt sich zur Bahn fahren. Die Dame bes Hauses chauffiert selbst. Schwer ist ber Abschieb. Seine Lippen bleiben lange auf ber Hand ber Dame ruhen, und feucht steigt es in beider Augen auf. »Unvergeßliche Tage!" stammelt er. Und »Oh Meister!" haucht die Dame. Dann steigt et links mit feinem dürftigen Koffer aus unb geht um den Wagen herum. Rechts aber steigt ber gerade von ber Reise zurückkehrende Schriftsteller Harich ein und läßt sich nach Hause fahren, prüft stirnrunzelnd den Wein- und Zigarrenbest and, murmelt einiges von .Unverschämtheit" und betrachtet ziemlich verärgert die Rechnungen, bie sich angehäuft haben.
Eigentlich wohne ich ganz hübsch! Denkt ber Schriftsteller Walther Harich. wenn er über den See und den Garten sieht, und setzt sich hastig an seinen Schreibtisch.
Dichter wohnen . ..
Don Walther Harich.
Zum Beispiel in einer Dachkammer. Und wenn einer nicht in einer Dachkammer wohnt, halten es einem die Menschen vor unb weisen ermahnend auf ba« hehre Beispiel des jungen Schiller, Kleists, Heines Aber mit den Wohnungen ist bas wie mit den Frauen. Jedermann wirb um seine hübsche junge Frau beneidet. Liber wer keine Frau hat. hat Dafür Hunderte, bie er haben könnte. Unb von Zeit zu Zeit hat er auch eine, unb gewöhnlich immer eine anbere. So ist das mit den Wohnungen
Die Dichter, die keine eigene, hübsche Wohnung haben werben von anberen eingeladen. Ueberall stehen Zimmer mit Aussicht auf Wald, See, Berg, Tal für sie bereit, damit sie dichten können. Wo dichtete Schiller Den Don Carlos, he? E-wa in der Dachkammer? Olein, sondern in dem höchst kultivierten Kömerschen Hause. Und Hölderlin bezahlte keine Schneiderrechnungen für D vlima Und Klabund zog mit zwei Koffern durch die Welt unb hatte keine Wohnung, aber er wohnte in vielen, vielen Wohnungen unb dichtete in schattigen Lauben und auf fonnigen Gartenpiätzen. Bleibt mir mit der Dachkammer des Dichters vom Leibe! Der Dichter in der Dachkammer speist bei Frau Kommerzienrat zu Mittag und trinkt abends den Wein des Herrn Bankdirektors. Daher fein Haß auf den »Bürger .
O Dichter in bcr Dachkammer. Haffe nicht Den Herrn Bankdirektor und bie Frau Kommerzienrat! Du hast von ihren Schätzen, die du dem Rost unb den OKottcn auffreffen hilfst, mehr als sie. Der Bankdirektor hat die teure Mietzinsfteuer zu zahlen und die Reparaturen an ber Dachrinne, well du wieder zu viel Zigarettenstummel hineingewor- fen hast. Und die Frau Äommcrftienrat hat den Aerger mit Den Dienstboten. Du aber wandelst morgen« auf den sonnigen Wegen des Parks und ahnst nicht, daß in Der Küche beim Abwaschen gerade wieder eine Tasse zerschlagen wird. Don Dem teuren Service, Das man nicht .nachbekommt".
Aber warte nur, eines Tages klopft Der Gelbbriefträger auch an beine Türe, unb irgendwoher kommt ein Honorar angeflogen, unb bann beginnt bie Rache Deines ungebunDcncn Lebens. Das junge MäDchen, Deren blaue Augen Du besangest (das Gedicht brachte 10 bis 30 Mark) heiratet dich schonungslos, womit Der Uebergang zur Prosa, teils betrachtender Art, wie hier, teils erzählenden Charakters, unb höheren Honoraren gegeben ist.
Zeitschriften.
— Das Septemberheft der Zeitschrift „D i e 5t u n ft" (Vertag F. Bruckinann 21®., Münchens be- schließt den 32. Jahrgang und gibt in einem umfangreichen Inhaltsverzeichnis den rechten Ueberblid über die Reichhaltigkeit und die tausendfältigen Anregun- gen, die dargeboten wurden. Zum 400. Todesjahr Hans Burgkmairs finden wir eine Kunstbeiloge „Der Künstler und seine Frau", ferner eine 2lnzahl Ab- bildungen aus Burgkmairs größeren Werken, wie sie in der Burgkmair Ausstellung der Staatlichen ©e- mäldegalerie Augsburg zu sehen waren. Der Maler Franz Lenk berichtet uns in einer mit vielen Abbildungen seiner Werke geschmückten kurzen Selbstbio- graphie, wie er den Weg zur Malerei fand. — Aus einem amerikanischen Kunstoermächtnis werden Werke von Hanois Daumier, Edgar Degas und Henri Rousseau gezeigt, ferner findet Benno Elkans plastisches Werk, dos seine letzte Entfaltung in dem Mainzer Befreiungsdenkmal gefunden hat, eine aus- jährliche Würdigung. Die Architektur und Wohnkunst ist in einer Beschreibung eines in Breslau erbauten neuen Eigenheims vertreten Eine besondere Abhand, (ung befaßt sich mit dem festlich gedeckten Tisch. Tüll- ftirfereien, neuzeitliche Einzelmöbel usw. bilden den Beschluß.
Drohbriefe an Wormser Polizisten.
WSR. WvrmS. 20. August. Sine Anzahl Wormser Pollzeibeamte erhielt Dieser Tage Drohbriefe zugefandt. hx Denen Den Beamten erklärt wird, daß jetzt Die Gedullz Der Ar better'chast zu SnDe sei Sie würDen unuxtacrltd) an allen Beamten. Die auf die Arbeitslosen einschlagen würben. Rache nehmen. Unterzeichnet sind d.c Briefe vom »Roten Frontkämpferbund". Als Absender würbe Der .HauSfrauen-Berein" angegeben, ber natürlich mit ber Sache nicht im geringsten etwa» w tun hat. Die Polizeiverwaltung teilt Dazu mit^ baß Die Beamten angewiesen seien, jeben Versuch einer Gewalttätigkeit gegen bie öffentliche Ruhe unb Orbnung ober gegen bie Beamten selbst sofort im Keim zu ersticken.
mittel-3nbuftricn noch nicht breit genug, benn bie Ziele unb Ausgaben be- zweiten Fünf- jahreSplanS enthalten für bie Schlüsselindustrien geradezu phantastische Zahlen. .
Damit will man, wie eS scheint, bie Rückstände au« bcm'crftcn Fünfjahresplan gewissermaßen überbrücken bzw. verbecken. benn unerfüllt blieben wichtigste Abteilungen b'S DauprogrammS für bie Industrie, die nun in den zweiten FünfjahreSplan übernommen werden; nahezu gar nicht in Angriff genommen werden konnte der Wohnbau, tote erft kürzlich bie .Ifwestija", baS amtliche Sowjct- Organ, feftflehen mußte. Rur wenige Gemetn- fchaf tSbau-Erperimcnte in Großstädten find durch- geführt. _ ,
Soweit man alfo heute schon von einem Ergebnis De« ersten FünfjähresplanS sprechen farm, bleibt Die Lebenshaltung auf Da« äußerste geDrüdt, und selbst Dort, wo ziffernmäßig das Ziel des Fünfjechresplanes erreicht wird, bleiben die erhofften Folgen, die das Wichtige sind, aus. Auch mit Den Anstrengungen, in vier Jahren Den Gesamtplan zu erfüllen, scheinen diese Folgen. Die sich auf Die Hebung Der Gesamtwirtsckast beziehen, sich nicht einzustellen, und vielleicht ist geraDc Der innere Antriebsmotor für Den Versuch, in vier statt fünf Jahren Den Plan auszuführen, in diesem Ausbleiben der erhofften Folgen und Ergebnisse zu suchen.
Ob lediglich eine zahlenmäßige Steigerung wei- terfübren kann, scheint trotz der gigantischen Entwürfe deS zweiten Planes auch innerhalb Rußlands zweifelhaft geworden zu fein. Man erkennt die« wohl am besten an einer neuen Einstellung zur Intelligenz. Man scheint die Politik der Industrie-Prozesse, Die vielleicht nur dazu Dienen sollten, Der Regierung vor Der Aenderung ihrer Taktik einen guten Abgang zu sichern, ersehen zu wollen durch eine Politik Der Versöhnung und bcr Mitarbeit. Was hier vorgeht, ist ber Beachtung auch DeS Auslandes wert. Man hat in den letzten Jahren sich eine Sowjet-Organisation ber Wissen- schast geschaffen, deren Großzügigkeit nicht nur in Den Zielen, sondern auch in Organisation und Arbeitsmethoden beachtenswert ist. Es scheint, daß man diese Wissenschaftsorganisation jetzt im Sowjetsinne für stark genug hält, auch politisch nicht ganz hundertprozentige Wissenschaftler sich einzugliedem.
($« verdient größte Aufmerksamkeit, welche Bedeutung heute in Rußland Der wissenschaftlichen Forschung beigemessen wird und welche Mittel ihr zur Verfügung gestellt werden. Rach zuverlässigen Angaben beträgt der Etat der wissenschaftlichen Institute jährlich etwa 220 Millionen Rubel, Da« sind fast 450 Millionen Mark, und das zu einer Zeit, wo — wie ausdrücklich nochmals betont sei — Der Lebensstandard des russischen Volke- auf einem denkbar tiefen Riveau ruht, die Konsumindustrien noch unentwickelt, Krankenhäuser und sonstige Ginrich-
Und Dann hast du selbst eine Wohnung, und darfst Deine Hauszinssteuer und Die Dachrinnenreparatur selbst bezahlen, einschließlich Der SchneiDerrechnun- gen Diotimas Don Dem Dichter aber spaltet sich ein Schriftsteller ab. Der, nicht gern manchmal, schreibt, was die Menschen gern lesen, unb sich nur von Zeit zu Zeit erlauben Darf, gern zu schreiben. was Die Menschen nicht gern lesen.
UnD Dann wohnst du als Schriftsteller herrlich wie ich z. B: in einem gelben Haus in einem großen Garten, mitten im Wald und an einem großen See Du ziehst deine Spargel und acht Acpscllortcn. von Den ErDbccrcn unD Rosen zu schweigen. Ein Birkenhang führt zum See h.n» unter. 3m Bootshaus liegt Die Flotte, bestehend aus einem unkippbaren Familienboot und einem kipplichcn Paddel, und m Der Garage schnaubt das Auto. Morgens springe ich — aber nur im Sommer. aus dem Bett in den See. Ein großes Arbeitszimmer ist da. rings voller Bücher, mit Drei Fenstern unD einem Ballon. Ein großer Globus auf Dem Schreibtisch schafft eine faustische Atmosphäre. Ein Weinkeller leert und füllt sich ab- wechselnd. Aus Der Wiese kann man in Der Sonne liegen unb sich ben Schnupfen holen. So wohnt Der Schriftsteller Walther Harich Es ist ein paradiesisches Dasein — für seine Gäste.
Denn die wohnen nun oben in Den Dachkammern, lies Gastzimmer, unb werfen Zigarettenstummel in Die Regenrinne. Junge Dichter unD Maler. Sie padDeln unb schwimmen unb spielen mit Dem PuDel. Sie liegen in Liegestühlen unb sonnen sich unb machen weite Waldspazier» gängc unb Autofahrten. Abend« sitzen sie in dem marokkanischen Zimmer, rauchen unb trinken und hassen Den Bürger. Reibvoll sieht der Schrift- steiler Walcher Harich ihnen zu. Don seinem Schreibtisch aus überblickt er Den See, auf Dem seine Flotte wimmelt, unb ben Garten voller Sonne unb Dogelgczwitscher. Braungebrannt kommen sie an Den Mittagstifch unb bringen einen Hauch voll Waldluft mit, Den bcr Schriftsteller wehmütig schnuppert. Denn er selber ist an ben Schreibtisch gebannt, zehn ober zwölf Stunben täglich, unb es langt nur zu einer Stunbe pflicht- mäßigen Spaziergangs. Der wegen Des Bauches, des immer nicht einstürzen wollenden Bauche«, absolviert werden muh.
Manchmal aber schüttelt sich Der Schriftsteller Walcher Harich und er packt die wichtigsten Sachen in einen Koffer und läßt sich und Diesen mit Dem Auto an Die Bahn fahren. Dann steigt er rechts mit Dem Koffer au«, geht um den Wagen herum, und links steigt der Dichter Walther Harich in
Links oben: Der neuentdeckte Komponist B r o d f k y, der Die Musik für den Film schrieb. - Links untern Der berühmte Schauspieler Fritz K o r t n e r, der in diesem Film zum erstenmal die Regie übernommen hat - Rechts: Eine Szene aus dem Film: Max P a l l e n b e r g (rechts) in der Titelrolle (gleichfalls in seiner ersten Tonsilmrolle) beim Roulcttespiel. — Der Schriftsteller Alfred Polgar hat fein erfolgreiches Lustspiel „Defraudanten" nun zu seinem ersten Tonfilmmonuskript „Der a r m e u n Der umgearbeitet. Fritz Kortner, der aus vielen Filmen und Bühnenauffuhrungen bekannte Schauspieler versucht sich hier zum erstenmal als Regisseur, während gleichzeitig Max P a II en berg, ber beruhm e Slomiter sein Tonfiimdebüt gibt, und der neuentdeckte Komponist Brodsky zum erstenmal die musikalische Illustration eines Films übernimmt.
der Volkswirtschaft gestellt werden müssen, unb aus dieser Erkenntnis haben die Russen btc notwendige Konsequenz gezogen Darum werden jährlich — selbst wenn Zwang Daxu notwendig sein sollte — Der Forschung 220 Millionen Rubel für ihre Arbeiten zur Verfügung gestellt.
Die Industrieländer de« mittleren und westlichen Europa haben allen Anlaß, Darüber nach- zudenken, was bas bedeutet! Schon heute soll Rußland nach fachmännischen Berichten dank seiner wissenschaftlichen Organifation auf einzelnen Gebieten eine beachtliche Ueberlegenden erreicht haben. Wir werben es un- bei unserer Armut namentlich in Deutschland sehr überlegen müssen, ob wir es un« leisten können, durch schematische Sparzwangsmaßnahmen — die vorübergehend zur Abwendung von Rotständen ihre volle Berechtigung haben — auf die. Dauer wissenschaftliche Forschungsarbeiten au unterbinden: ob wir uns im verarmten Deutschland den Luxu« leisten können, unsere Wissenschaftler und unsere FvrschungSstältcn mit unzulänglichen Geräten und veralteten Arbeitsmethoden Zeit vergeuden zu lassen und hinter den Fortschritten anderer Länder mehr und mehr zurückzubleiben.
Es sollte sehr zu denken geben: 220 Millionen Rubel arbeiten in wissenschaftlichen Instituten Sowjetrußlands für eine Verbesserung bcr zukünftigen Lage: für höhere Ergiebigkeit Der Produktion. für Wcrtcerhaltung und Wertesteigerung, für Pflege der produktiven Kräfte deS Volke«. In Deutschland haben wir nicht nur die Zukunft mit Zinsen und Amortisationszahlungen hx beängstigender Weise vorbelastet, wir sind auch dabei, notwendige Entwicklungen unb Fortschritte durch eine allzu schematische Finanzpolitik zu unterbinden und auch auf diese Weise an Der Zukunft Raubbau zu treiben.
meinen Lebensniveaus
Man hat in letzter Zeit wissenschaftliche Tagungen in Rußland veranstaltet, zu denen auch ausländische Gelehrte eingelaDcn wurden. So nahm kürzlich z D. Professor S ch l ö t • t e r von bcr Technischen Hochschule Eharlotten- burg aus Grund einer russischen Einladung nebst einigen weiteren Fachleuten an einer Tagung über KorrvsionS!vrschung (Aehforschung! teil. In bcr .Ostwirtschaft' berichtet er über die Organisation bcr Arbeiten zur KorrofionSf vrschung in Rußland, für die dreitausend vorgebildete Kräfte zur Verfügung stehen. Da Industrie-Erfahrungen größeren Ausmaßes in Rußland nicht vorliegen, muß die ganze Arbeit zunächst als Laboratoriumsarbeit aufgebaut werden, unb es ist vielfach notwendig, Forschungsarbeiten, bie in anberen Ländern durchgesührt sind, des syste- mattschen Aufbaus wegen zu wiederholen, um auf diese Weise die einzelnen wissenschaftlichen Mitarbeiter zu schulen unb ein lückenloses Erfahrungsmaterial au sammeln. Besonders überrascht war der Besucher über den Geist, ber bei diesen Arbeiten herrscht Ganz besonders auf gefallen ist Professor Schlötter, mit welchem Fleiß und welch großem Interesse namentlich die jüngeren Wissenschaftler sich der Ausführung ihrer Arbeiten widmen. Manche Fragen, die ihm vorgelegt wurden, hätten ihn wegen ihrer weittragenden Bedeutung in Erstaunen gesetzt. Die jungen Wissenschaftler seien über Da« Lernen schon hinauSgewachsen unD wollen selbstänDig unb produktiv mitarbeiten. Dieses Erfülltsein von Der Ausgabe könne für manches anbere Land vorbildlich sein.
Mit diesem Geist haben sich auch schon Erfolge erzielen lassen. So weist Professor Schlötter für sein Spezialgebiet darauf hin, daß eS anscheuxend in Rußland bereits gelungen sei, nicht nur ausländische KorrosionSschuyversähren fortzubilden, sondern namentlich auf Dem Gebiet Der Leicht- metallc neue, korrosionsbeständigere Legierungen zu finden, und zum Schluß macht er darauf aufmerksam, wie überraschend gut die russischen Forscher über die Arbeiten im Auslände unterrichtet sind. Auch andere Besucher und andere Berichte bestätigen, daß man in Rußland nicht nur über die Arbeiten anderer Länder und ihre ErgebniFe auf dem Laufenden ist, sondern daß auch inbewg auf Die technischen Arbeitsverfahren unb Die Ausrüstung ber Laboratorien Der Sowjetstaat sich durchaus auf Der Höhe befindet. Ständige Beschaffung von Reuheiten unter Den For- schungsinstrumenten und die Veranstaltung von Lehrausstellungen über Meßinstrumente, Laboratoriumsgeräte usw. zeigen deutlich das Bestreben, die technische Seite Der wissenschaftlichen Forschungen von vornherein auf Den neuesten Stand der Entwicklung zu bringen unb Der wissenschaftlichen Forschung alle nur Denkbare Erleichterung zukvmmen zu lassen.
Man bat erkannt, Daß auch bei Der großen Armut des Landes bie Pflege Der Wissenschaft von vordringlicher Wichttgkeit ist, und Atoar zunächst in Den technischen Disziplinen. Aber bex Ausgestaltung Des Inbustrieprogramms wird Die Hygiene. Die Biologie. Die Arbeitsphysiologie unb Die Medizin ebenfalls in Den Dienst De« Aufbaus
Schwerer llnglückssatt bei Bübingen.
• Bübingen, 21. «ug. Gestern, gegen 21 Uhr. ereignete sich auf Der Landstraße zwischen Bübingen und Ranstadt ein schwerer Unglucksfall. Der 39 Jahre alte Fleischmehlsadrikant Herrmann Wunsch von Bübingen befand sich mit seinem Fuhrwerk auf der Fahrt von Bübingen nach Ranstabt. Wöhrenb ber Fahrt loste sich eine Kette am Wagen, die ber Be- sigcr des Fuhrwerke» sofort wieber befestigen wollte. Während dieser Arbeit erhielt er jedoch einen Schlag vom Pferde, stürzte vom Wagen und fiel dabei so unglücklich, daß er eine schwere Verletzung der Wirbelsäule erlitt. Dr. Müller aus Nidda leistete dem Berunglürften die erste Hilfe unb brachte ihn nach Ranstabt. Von bort aus wurde ber bebauernswette Mann von ber Bie- ferner Freiwilligen Sanitätskolonne in bie Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht. Der Zustand des Verletzten ist bedenklich.
Universitätsaugenklinik in Jena, hat ben an ergangenen Ruf auf ben durch bas Ableben Geh. Hofrats Prof. Axenfeld an der Universität Freiburg freigeworbenen Lehrstuhl ber Augen- heilkunbe zum 1. April 1932 angenommen. Prof. Löhlein war Schüler unb Assistent von A. Vassius in Gießen. Berufungen nach Dorpat unb Köln hat ber Gelehrte abgelehnt.
Dem Privatbozenten an ber Universität R v stock Dr. Walter W e i z e l, a. 3t. an ber Universität Chikago, ist ber an Der Technischen Hochschule in Karlsruhe neu zu errichtenbe Lehrstuhl für
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