Nr. M Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Donnerstag, 2l. Mai
SCHWEDE1
5000
EUROP.
7EDER-
RUSS
LAND
1000.000
\BULG*lil£.C-
REICH ywo.cwo
POLEN
1350000
LITAUEN 131.000
UL* iHER*
HOM» kU'XX
TSCHE( .3 500000
ITALIEN
. 300.000
RUMÄNIEN
800000
O>«-AK.
DÄNEMARK:
^OOOOj^ir'
SÜDSLAWIEN
100.000
LETTLAND 75000 <
<h-EiZh ß Cf<'
'fftisnP™6.300000.5 UNGARN
• '■—. / 000.000
?WohD1.
SEE
Zeit, zenes Dtenstes, m Den sich der VDA. mrt voller Bewußtheit hineingestellt hat. Er erkennt die Notwendigkeit der Beschränkung und die Notwendigkeit des tragenden Untergrundes und schasst dem Auslandsdeutschtum die deutsche Schule. Er möchte „den einzelnen Menschen, wo und soweit irgend möglich, in seine Rechte gegenüber der Welt einsehen, möge diese Welt Form eß
Dienst am deutschen Volkstum.
3ur Aachener pfingsttagung des VOA.
Don Dr. Marie Bath.
Am befreiten deutschen Rhein, in der alten Kaiserstadt Aachen, findet in dresem Jahre dre große volksdeutsche Heerschau des Vereins für das Deutschtum im Aus- land statt. Diese Tagung soll eine Kundgebung des Dankes aller Deutschen für das im vergangenen Jahrzehnt so bewährte Grenzvolk des deutschen Westens sein, zugleich ein Bekenntnis zum Gedenken der gesamtdeutschen Schicksalsverbundenheit.
„Trotz der Stammzerrissenheit, trotz aller Biegsamkeit des Nationalcharakters, der so leicht sich fremden Eigentümlichkeiten anschmiegt und unterwirft, hängt kein Bolk so an seinem Dcrterland wie das deutsche. Bergefse ich dein, Deutschland, großes Vaterland, so weroe meiner Rechter) vergessen — der Spruch in aller Herzen, und — das Vaterland ist ewig" — so schrieb Wilhelm Raabe in seinem Erstlingswerk 1854, und es ist, als ob er damit ein Wort aus der Seele der Deutsche^ vor allem gesprochen hat, die nicht innerhalb der Grenzpfähle unseres deutschen Staatsverbandes leben. Wir Jnlanddeutschen vergessen so leicht in der befriedeten Alltäglichkeit unserer Aufgaben die uns so selbstverständlich gewordene Zugehörigkeit zum deutschen Volksganzen, da sie uns nicht täglich oder stündlich vor neu zu lösende, eben aus dieser Zugehörigkeit erwachsende Ausgaben stellt. Wer von uns Jnlanddeutschen denkt in der bis zu einem gewissen Grade doch friedlichen Sicherheit des Lebens im deutschen Daterlande an den Kampf, den die dreißig Millionen in fremden Staats- vcrbänden lebenden Deutschen führen müssen, um die Belange ihrer Stammeskultur? Wem von uns kommt es zum Bewußtsein, daß das deutsche Wort, der deutsche Klub, die deutsche Zeitung, das deutsche Buch, das deutsche Theater, die deutsche Schule eine Auseinandersetzung, eine Aufgabe bedeutet? Unb wie wenigen von uns kommt es zum Bewußtsein, daß auch für uns im Daterlande daraus ein reicher Pflichten- und Aufgabenkreis erwächst, dem wir uns nicht entziehen dürfen. Gerade wir im Vaterlonde, so scheint mir, müssen das Wort Lagardes, daß „die Kraft der Menschen und der Nationen in der Opferfähigkeit liegt", erst zur Wahrheit machen, ein Wort, dessen Richtigkeit uns die Ausländsdeutschen durch Jahrzehnte und Jahrhunderte vorgelebt haben. Wir leisten Dienst am deutschen Volkstum, wenn wir uns Inland- deutsche mit diesem Gedanken erfüllen; wir leisten Dienst am deutschen Volkstum, wenn wir den Ausländsdeutschen aus diesem Gedanken heraus helfen, ihre heiligsten Güter, ihre deutsche Sprache und ihre deutsche Kultur hinüberzutragen in eine glücklichere Zeit; wenn wir dazu beitragen, das aus der Vergangenheit erwachsene und in die Zukunft hineinstrebende Leben der Gegenwart unserer außerhalb unserer Grenzen lebenden deutschen Brüder und Schwestern zu erfüllen mit deutschem Geist.
Ein solches Ideal ist aber nicht über den Dingen, sondern in den Dingen; es muß erwachsen und möglich gemacht werden durch die Dinge des alltäglichen Lebens, Und das ist Dienst am deutschen Volkstum, die Dinge des alltäglichen Lebens so zu bereiten, daß sie ein tragfähiger Grund sind für das Große, das man aus ihnen aufbauen will. Für Inland- und Ausländsdeutsche ist dies gemeinsame Ideal ihre deutsche Kultur; das ist die Arbeit und die Aufgabe, zu der wir alle in gleicher Weise berufen sind, und der wir alle zu dienen haben. Lagarde sagte einmal: „Möge Deutschland nie glauben, daß man in eine neue Periode des Lebens treten könne ohne in neues Ideal" — vielleicht ist dieser Gedanke des Dienstes am deutschen Volkstum das neue Ideal für unsere
das verworrene Geschrei der kämpfenden Parteien nicht empordringt, und auf welchen sich der giftige Meltau der religiösen Streitigkeiten nicht yerabsenkt. Unb es will uns scheinen, als ob auch für die Deutschen im Mutterlande solch ein neutraler Boden erwünscht sei." (Falkenstein 1886.)
Diese ganz klare Einstellung auf den DolkS- gedanken und auf den Dienst am deutschen Volkstum trug auch nach dem Einsturz des Reiches 1918 die Arbeit des Schulvereins durch die Wirren der Revolution in sicherem Streben, das seinen Ausdruck fand in den Worten seines damaligen Vorsitzenden v. Reichenau: „Mit einem Schlage steht unverhüllt und unbedeckt durch die staatlichen Vorhänge der Begriff des deutschen Volkes in neuem, ungewohntem Lichte vor uns. In dem
Unsere Darstellung zeigt, wie sich das Deutschtum auf die verschiedenen europäischen Länder verteilt. Der Verein für das Deutschtum im Ausland, der seine Jahresversammlung diesmal in Aachen abhält, sieht seine Aufgabe darin, die kulturellen Beziehungen zwischen Auslandsdeutschtum und Reichsdeutschen zu pflegen.
haben, welche sie wolle"; und er sieht die Möglichkeit in der DereitsteUung dessen, was den Menschen als einzelnen zur Vollkommenheit bringen kann, d. h. in der subjektiven Aneignung der Kultur, in der Bi ldung. Unb diese Bildung wird am natürlichsten und selbstverständlichsten in der deutschen Schule vermittelt.
Durch fünfzig Jahre hindurch hat der VDA., der alte deutsche Schulverein, diese klare Einstellung gewahrt und diese Linie für feine Arbeit unverrückbar festgelegt: Deutsche vor dem Verlust ihres Deutschtums zu bewahren. Er beschränkt sich auf feine kulturellen Aufgaben, die in überwältigender Fülle vor ihm liegen; er vermeidet jede staatspolitische Stellungnahme; er sondert die Pflege des Volksgedankens von staatspolitischen Forderungen, und er stellt sich auch heute nach einem halben Jahrhundert noch hinter das Wort seines ersten Vorkämpfers, der Berliner Professors Richard B ö ck h, daß in der Anerkennung des Nationalitätenprinzips der Keim zu einem unermeßlichen Fortschritt in der Entwicklung der Völker liege. „Immer ist der Schulverein ein neutraler Boden gewesen, zu welchem
gleichen Augenblick, in dem wir unseren Staat verlieren, wird uns zur lebendigsten Gewißheit und Klarheit, daß neben der Gemeinschaft des Reiches, die uns mit unseren Staatsgenossen verbunden hat, eine Gemeinschaft des Blu - tes und Stammes besteht, die uns mit unseren Volksgenossen vereinigt." Der Dienst, den der VDA. am deutschen Volkstum verrichtet, ist der Weg zum deutschen Volk, den der Deutsche schwerer als die Angehörigen aller anderen Nationen zu finden scheint und den es weniger als alle anderen Nationen bereit zu gehen scheint. Immer wieder sollte er nachdrücklich auf ihn hingewiesen werden mit dem Wort Wilhelm Raabes: „Auf Deine Zugehörigkeit zu dem ehrbaren, tapferen, arbeitsamen, in seiner Grundfeste nimmer zu erschütternden Volke der Deutschen wünsche ich Dich hiermit wohl einmal eindringlichst aufmerksam zu machen. Gedenke zu jeder Zeit, welch eine uralte, erstaunliche Ehre Du auf dieser völkerwimmelnden, völkerschaffenden, völkervernichtenden Erde mit zu bewahren, vermehren und verringern vermagst."
Generaloberst Alexander von Kluck, der Führer der 1. Armee im Weltkrieg, beging am 20. Mai seinen 85. Geburtstag. Er hatte schon die Kriege von 1866 und 1870/71 mitgemacht und wurde 1906, ohtie dem Generalstab angehört zu haben, mit der Führung des 5. Armeekorps betraut. Seine Truppen gelangten im September 1914 bis kurz vor Paris. Kluck wurde 1915 verwundet und lebt feit 1916 im Ruhestand.
Kommerzienrat Langsdorf Ehrenbürger von Friedberg.
WSN. Friedberg, 20. Mai. Kommerzienrat Langsdorf, Präsident der Handelskammer und Beigeordneter der Stadt Friedberg, wurde heute anläßlich seines 7 0. Geburtstages zum Ehrenbürger der Stadt Friedberg ernannt. Bürgermeister Dr. Seyd überbrachte den Ehrenbürgerbrief mit einer Würdigung der Verdienste Langsdorfs um die Stadt Friedberg. Glückwunschtelegramme sandten die benachbarten hessischen Handelskammern und der Deutsche Industrie- und Handelstag. Der Geschichtsverein Friedberg ernannte Kommerzienrat Langsdorf zu feinem Ehrenmitglied. Die Staats- f»artet überbrachte die Ernennung zum Ehrenvor- itjenben.
Tagung der hessischen Waldbesiher.
2$. Bad-Nauheim. 19. Mai. Gestern und heute hielt der Hessische Waldbesitzer- Derband, in dem die privaten Waldbesitzer und di« waldbesitzenden Gemeinden Hessens zusammengeschlossen sind, hier seine Jahrestagung ab, di« besonders aus Oberhesfen guten Besuch aufwies. Die gestrige Hauptversammlung im Teichhaus wurde vom Fürsten von V s e n - burg-Dirstein geleitet. Nach Begrüßung der Mitglieder und Gäste durch den Vorsitzenden wurden die von der Gejchäftsführung erstatteten Berichte mit lebhaftem Interesse verfolgt und einstimmig genehmigt. Sodann hielt Universitäts- professor Dr. D a n s e l o w (Gießen) einen lehrreichen Vortrag, der die Notlage des deutschen Waldes und Waldbaus anschaulich vor Augen führte, mit den wichtigsten Fragen neuzeitlicher Waldwirtschaft vertraut machte und insbesondere auch auf die Ersparnismöglichkeiten in der Waldbewirtschaftung hinwies. Oberforstrat Dr. Zentgraf (Lauterbach) gab in einem Referat beachtenswerte Vorschläge über Selbsthllfemah- nahmen des Waldbesitzes in dieser Notzeit. An die mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Referate schloß sich eine rege Aussprache, an der sich auch der staatliche Vertreter, Landesforstmeister Hesse (Darmstadt), beteiligte. Heute besichtigten die Tagungsteilnehmer nach einer Führung durch das Bad den Park und die städtischen Waldungen.
Die Erstürmung des AnnabergS.
Am 21 Mai 1921.
Von Arnolt Bronnen.
385 Meter hoch, zwischen Ostsee und Karpathenhang, die höchste Spitze im Ostoderland, erhebt sich über den Strom der Annaberg. Oben steht eine Klosterkirche, deren zwei Türme sichtbar sind von Gleiwitz bis Oppeln, und von der Malap-ane bis zur böhmischen Grenze. Sechs Alleen mit je acht Daumreihen führen zu ihr hinauf aus den Richtungen der Welt. Tausende von Pilgern gehen alljährlich, langsam, betend, diese Wege, die sie zu dem Altar der heiligen Anna führen. Von Stürmen unverweht, vom Alter unzerbröckelt, schwebt um die feste, geruhige Kirche der Glanz, der Glaube von Jahrhunderten, und ver- flärt sie zum Nationalheiligtum des oberschlefi- schen Landes.
Seit siebzehn Tagen schon wehte von hier siegreich die weihrote Fahne Polens. Hier standen die besten und stärksten Truppen der Jnsurgenten- macht. Hier war der Drehbolzen der gefährlichen Zange, die nordwärts über Bahnhof Gogolin- Krappitzer Oder-Brücke, südwärts übet Bahnhof Kandrzin-Coseler Oder Hafen die deutschen Anmarschlinien bedrohte. Der nördliche Flankenstoß wie die Kämpfe um Ratibor konnten weder Erfolg noch Entscheidung bringen, solange der Annaberg in polnischer Hand war...
Das erste Bataillon von Oberland hieß Teja. Es stand demgemäß eifern vor Jeschona und ließ die nach Dallnie vorstürmenden Polen an sich vorbei. Die Jnsurgentenleitung brauchte nicht Mannschaften zu sparen; sie sandte Tausende vor die bayrischen Gewehre, mehrere Bataillone Haller- Soldaten, französische Abteilungen griffen in den Kampf ein. Aber die Bayern scho sen mit der Ruhe menschlicher Maschinen. Die Polen wußten, daß sie in zwanzig», in dreihigfacher Uebermacbt waren; doch das Gefühl, daß jeder Schuß sah, brach sie. Sie merkten, sie liefen nicht wie sonst in einen blinden Hagel hinein, wo Treffer Zufall waren, und der Tod eine Auswahl von Pech und Schicksal; sondern sie stießen auf die kalte, klare Berechnung einer Scharfschühenwand, die dort traf, wo sie wollte, und deren Nerven nicht nachgaben, auch wenn die Stoßtrupps zehn Meter von ihnen schnauften. Plötzlich zerstob die polnische Masse, ebbte zurück, im gleichen Moment
stießen die Oberländer gegen Oleschka vor; um zehn Ähr wurde Oleschka genommen.
Vizefeldwebel Felber, ein Gartenarbeiter aus Saarlouis, dessen Abteilung mit dem 2. Bataillon durch den Wyssoka-Wald vorging, um die Insurgenten auf Höhe 310 zu isolieren, bemerkte 400 Meter hinter Ober-Oleschka, daß die ganze Hügelreihe bei 310 feindfrei war. Er sagte das dem Freiwilligen Härich, und es schwante ihnen beiden, daß die Polen alle ihre Kräfte auf Wyfsoka zu- rücfxogen, so daß die Deutschen statt links zu überraschen. von rechts überrascht werden würden. Er versuchte, die Derbinduirg nach rechts zu kriegen, aber in dem hüglichen, waldigen Gelände war das unmöglich. Die Lage war schwierig und konnte plötzlich verzweifelt werden; der ganze Annaberg- 6türm war bedroht.
Felber entschloß sich, gegen seinen Befehl zu handeln, und quer durch den Wald auf Wyssoka vorzuftohen. Dadurch geriet er offensichtlich selbst in die Falle; aber entweder mußte die Falle hinter ihm zuschnappen, und dann konnten die andern die Höhe 330 nehmen; oder die Polen ließen ihn in ihrem Rücken, und dann war es sogar möglich, mit einem Hairdstreich das Dorf Annaberg zu nehmen. Die einzige Frage für ihn war, „obeiner mit voller Absicht in seinen Tod geht". Da er schon kammabwärts auf Wyssoka zustieh, schien ihm alles beantwortet. Da gingen sie halt.
Die Polen schnappten natürlich hinter ihnen zu, obwohl sie nicht gleich schossen. Felber besetzte die Feldweg-Kreuzung oberhalb des Ortes, und hatte auf diese Weise zehn Minuten Zeit. Die Sonne brannte heiß, die Wiesen rochen. Fliegen und CBienen summten schon mittäglich. Von den Westhängen herüber dröhnte Kamps. Wenn man plötzlich hinsah, erblickte man den schwarzen Schatten der Granaten in der Lust. Dor einer Stunde, dachte sich Felber, hatte ich noch alle Chancen, da wieder herauszukommen. „Mein Kopf hat das so gewollt. Mein Leben schreit jetzt, und will sagen, daß es nicht wiederkommt. Manches ist schade, aber das. was der größte Verlust meines Lebens ist, scheint mir, ist grabe das Allgemeinste. Die Lust, di« ich gehabt habe, war nie meine Lust. Unb was ich wirklich bin, interessiert nur mich".
Das Unersetzliche ist bas Allgemeine. „Das Erschütternde an meinem Tod ist die Erschütterung der Gesamtheit. Das. waS ich an meinem Geben wieder haben möchte, immer, ewig haben möchte, werden Millionen wieder, immer, ewig haben. Glur ich sterbe. Aber ich bin nur ein Name von
60 Millionen, aus denen ich mein Geben nahm, Arbeit, Gust, Worte, und 22 Jahre. Jetzt werden die Polen sich langsam rühren müssen. Die Stelle, die wir hier halten, ist ihnen verdammt unangenehm. Härich, der Hauptmann, wird schön fluchen, aber ich denke, es war eine gute Sache von uns."
In Wyfsoka bellten die Hunde. Das Ganze hätte ich nicht machen müssen, dachte Felber. „Die meisten sagen. Vaterland ist Blödsinn. Ich meine, das kann ernsthaft nur jemand glauben, der von feinem eigenen, jämmerlichen Geben keine Ahnung hat. Das Geben eines Menschen ist nicht besser, nicht schlechter, nicht tiefer, nicht gescheiter als das Geben eines Hundes, eines Grases. Das Volk kann es besser, schlechter, tiefer, gescheiter machen. Das war in mir, als ich nach Wyfsoka ging."
Die Polen steckten ihre Flinten über das Gras und knallten. Die Abteilung Felber wehrte sich bis zur letzten Patrone. Das zweite Bataillon hörte das Gefecht an seiner rechten Flanke und besetzte eilends die Höhe 330. Eilends kamen sie nach Wyfsoka herunter. Die Polen warfen Gewehre weg, liehen Batterien, Gepäck. Munition im Stich, flüchteten in Hast den Annaberg hinauf. An der Feldweg-Kreuzung fand das 2. Bataillon die Abteilung Felber, deren rascher Entschluß es gerettet hatte. Unter dreißig Toten lag, gerade noch lebend, mit einem ernsten, nachdenklichen Gesicht, die linke Hand an einem Maulwurfshaufen, er klappte noch einmal mit den blassen Augen, als er die Oberländer kommen hörte, dann trug sein Geben in das größere Vaterland der Gartenarbeiter und Vizeseldwebel Felber...
Die Sonne floh vom hochgewölbten Himmel. Westwärts über den flimmernden Hügeln, bis zu blauen Meeren, zu blauen Gebirgen, lag wartend das Reich. Geduldig unb gebemütigt, verhaht unb getreten lag es da, in unzähligen Städten, in ruhigen Fabriken, in rasenden Dahnen, in Männern. die unter der Erde dröhnten, in Männern, die über Ackerland schritten, in Frauen, die tippten, in Frauen, die gehörten, in Kindern in Öen Schulen, sichtbar, doch unaussprechbar das Gand, nie geformt, nie bestimmt, mit den fließenden^ umkämpften Grenzen, Deutschland, ein Gefühl des Geistes. Ostwärts über der sich langsam bräunenden Ebene lagen die Städte, hungernd unb abgetrennt, verlassen, und voll Sehnsucht, fühlend dieselben Gefühle sprechend aus demselben Geist, belebt von denselben Menschen, stützend, tragenb dasselbe Gewölbe, gespeist aus denselben Quellen der deutschen Vitalität. Ueber die Annaberg-
Kämpfer hinweg... ging hoch geschwungen der Dogen der Deutschland zusammenfügenden Drücke. Um sie herum erflang, in mittäglichem Summen, der Geisterchor der Geschichte. Sie standen an drei Seiten des steilen Hangs. Um 12 Uhr liehen sie ihre Gungen aus, fünfzig taten es zum letztenmal. Keuchend, zitternd, gierig nach Tod wie nach Geben zugleich, sich selbst unbegreiflich hineintaumelnd in einen letzten Schritt, schrien sie ihr Hurra nach Deutschland hinüber.
Um 12.10 Uhr war der Annaberg in deutscher Hand.
(Aus: Arnolt Dronnens Roman
» „O. 8.", Ernst Rowohlt, Ver
lag Derlin W 50.)
Sochschulnacknchten.
Der Direktor der Botanischen Institute zu Suite n 3 o r g auf Java, Dr. Carl von Faber, ist vom 1. Mai 1931 ab zum ordentlichen Professor der Anatomie und Physiologie der Pflanzen und Direktor des Pflanzenphysiologischen Instituts an der llniver- silät Wien ernannt worden. Die ihm gleichzeitig angeboteneHonorarprofessur für Botanik an der Universität München hat der aus Amsterdam gebürtige Gelehrte abgelehnt.
Der Lehrstuhl für öffentliches Recht an der Frankfurter Universität ist dem Ministerial- direkter Dr. Friedrich Poetzsch-Heffter in Berlin-Schlachtensee, Sächsischem Mitglied des Reichsrates, angeboten worden. Dr. Poetzsch- Heffter hat bereits kürzlich einen Ruf nach Kiel als Nachfolger von Professor G. Holstein erhalten.
Der an der Universität Göttingen neuerrichtete Lehrstuhl für deutsches bürgerliches Recht ist dem ordentlichen Professor Dr. Helmut Rühl an der Handelshochschule Mannheim angeboten worden.
Die Versetzung des ordentlichen Professors Dr. A. E. Brinckmann von der Universität Köln in gleicher Eigenschaft in die philosophische Fakultät der Universität Berlin ist erfolgt. Brinckmann übernimmt bekanntlich den Lehrstuhl der Kunst- geschichte als Nachfolger A. Goldschmidts.
Professor Dr. Erich B e d e r k e in B r e s l a u hat den Ruf auf den Lehrstuhl der Geologie und Paläontologie an der dortigen Universität als Nachfolger von Professor W. Soergel angenommen.
Zum ordentlichen Professor der Geburtshilfe und Gynäkologie an der Universität Innsbruck ist Dr. Hans Zacherl, Privatdozent mit dem Titel eines a. 0. Professors in Graz, ernannt worden.


