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Siegerwald über die Aoiverordnung.

Oie Auswirkungen der Vertrauenskrise.

Berlin. 18. 3uni. (WTB.) Auf einer Funk- tionartagung der christlichen Gewerkschaften Ber­lins sprach heute Reichsarbeitsmimster Dr. S t e - gerwald über den Kampf um die Not­verordnung. Daß diese einen gesamtfrontalen Widerstand finden werde, sei vorauszusehen ge­wesen da das deutsche Bolk im Gegensatz zu früher in den letzten Wochen den Ernst der Lage nicht gesehen habe. Bor Erlast der Notverordnung konnte anderseits die Reichsregierung keine klare Sprache darüber führen, da sonst eine Panik­stimmung und restlose Zerschlagung des Kredits eingetreten wäre. 2m weiteren Verlauf seiner Ausführungen gab der Minister dann eine Schil­derung der Wirkungen der Vertrauens­krise der letzten Wochen.

Die ausländischen Kapitalgeber haben nach dem Beschluß der Volkspartei, den Reichstag einzü- berufen, rund eine Milliarde Devisen abgerufen. Darauf seien Kreditkündigungen von etwa 2,5 bis 3 Milliarden Reichsmark erfolgt. Der not­wendige Aeberbrückungskredit, der mit den Danken schon vereinbart war, sei gefährdet ge­wesen, weil die Danken erklärten, nicht mehr imstande zu sein, den in Aussicht gestellten Betrag aufzutreiben.

Angesichts dieser Gefahren habe die Reichs­regierung auf ihrem Gesetzgebungswerke bestehen müssen und die Einberufung des Reichstages oder des Haushaltsausschusses als gleichbedeutend mit

ihrem Rücktritt erklären müssen. Denn der gegenwärtige Reichstag sei zwar fähig, die Notverordnung und damit den <vus- geglicheiren Etat zu beseitigen, aber nicht fähig, an Stelle der Notverordnung etwas Besseres zu setzen. Dieser Kampf, sagte der Reichsarbeitsminister, ist schließlich zugunsten der Reichsregierung entschieden worden.

Daran anschließend beschäftigte er sich mit der Sozialpolitik der letzten Jahre, für die er nicht verantwortlich sei, da er erst im Frühjahr 1929 in die Reichsregierung eingetreten sei. Schon zu jener Zeit habe die Frage für ihn bestanden: Sollen dem Volke für einige Jahre harte Opfer auferlegt werden, um dafür die Grundlagen des demokratischen Staates über die größte deutsche Krisis hinüberzuretten, oder soll der Staat einer Rechtsdiktatur überantwortet werden, die dem Volk noch höhere Opfer auserlegen würde? Das sei die wahre Lage, die es gelte, bei der Be­trachtung der Notverordnung im Auge zu halten.

Die von der Reichsregierung geforderten Opfer seien hart, aber Staat und Wirtschaft in Deutsch­land seien schwer krank, und keine Regierung käme um ein hartes Eingreifen herum. Durch­greifend könne die Notverordnung kaum geändert werden.

Der Minister hoffe und erwarte aber, daß die Stunde wiederkommen werde, wo auf festem Bo­den in Staat und Wirtschaft weitergekämpft wer­den könne.

Die Ausgaben der deutschen Agrarpolitik.

Eine 2Rehe des Reichsernährungsministers.

Slpinem ünde, 18. Juni. (WTB.) Der Reichsverband der Deutschen Landwirtschaftlichen Genossenschasten-Raiffeisen, Berlin, hielt hier seine erste öffentliche Hauptversammlung ab. Der Präsident des Verbandes, Reichsminister a. D. Dr. Hermes, behandelt in seiner Begrüßungs­ansprache ausführlich die Not der Landwirtschaft.

Reichsernährungsminister Dr. h. c. Schiele, der im Verlauf der Tagung das Wort ergriff, führte nach einem Hinweis auf die Weltagrar­krise, unter der auch die Genossenschaften zu leiden hätten, u. a. aus: Die Reichsregierung ist bemüht gewesen, die für die landwirtschaftlichen Erzeu­ger katastrophale Preisgestaltung des Weltmark­tes von dem deutschen Markt durch Schutzmaßnah­men fernzuhalten. Das kann nur dann mit Erfolg fortgesetzt werden, wenn es der deutschen Land- wirftchaft gelingt,

die deutsche Agrarerzeugung dem deutschen Be­darf anzupassen und die inländischen Produk- tiousmöglichkeilen voll auszunuhen.

Ohne die entscheidende Mitarbeit der landwirtschaft­lichen Genossenschaften kann dieses für die Zukunft der deutschen Landwirtschaft ausschlaggebenden Po­stulat nicht erfüllt werden. Die deutsche Landwirt­schaft wird Absatzgebiete nur Gewinnen und behaupten können, wenn sie dem Bedarf ein konzentriertes Angebot entgegenzustellen vermag. Hier liegen entscheidende Aufgaben für eine den Ausgleich zwischen Erzeugung und Bedarf zu vermittelnde Tätigkeit der landwirtschaftlichen Ge- , nossenschaften. Das Handelsklassengesetz eröffnet den Weg, für die standardisierten landwirtschaftlichen t Erzeugnisse den Absatz zu erleichtern und zu ver­stärken. Ein anderer bedeutsamer Aufgabenkreis, T der der Reichsregierung am Herzen liegt, ist die landwirtschaftliche Kreditoersorgung.

Den landwirtschaftlichen Kreditorganisationen erwächst die verantwortungsvolle Aufgabe, ihre Geschäftsunkosten dem verminderten Geschäfts­umfang anzupassen und in Wechselwirkung mit den Hilfsleistungen des Reiches ihrerseits dahin zu wirken, daß die Kreditmittel dem letzten Dar­lehnsnehmer zu einem Zinsfuß zugeleitet wer­den, der den Kredit nicht von vornherein unwirt­schaftlich macht.

Klassisches Kochbuch.

Von Or. Anton Mayer.

Vor mir liegt ein in rote Pappe gebundenes, mit einem schmalen Lederriemen zum Zubinden versehenes Büchlein, ein Manuskript, das den TitelKoch-Buch von Anno 1780 und von späterer Hand den ZusatzDies Büchlein schrieb eigenhändig Karl Friedrich von Rumohr" trägt. Nun es stammt aus dem Besitz der Rumohrschen Familie, in der sich merkwürdiger­weise eine fromme Sage als Tradition fortgesetzt haben muß: denn da der große Gastrosoph, Schriftsteller und Vater der Kunstgeschichte erst im Jahre 1785 geboren wurde, so dürfte die Angabe der Eigenhändigkeit für das ganze Merk­chen unzutreffend sein. Mir scheint eine An­nahme wahrscheinlicher, zumal sich eine Rokoko- Porträt-Silhouette auf der Innenseite des Ein­bandes findet, die einen vornehmen Herrn mit Zopf und Spitzenjabot zeigt: das Kochbuch stammt vermutlich von Karl Friedrichs Vater, dem ßanö- rat Henning von Rumohr, der das in Sachsen liegende Gut Reinhardsgrimma, den Geburtsort Karl Friedrichs, gekauft hatte. Die Familie der Rumohrs stammte aus Schleswig-Holstein, einem Lande, in dem immer, früher so wie heute, auf gutes Essen gehalten worden ist: es scheint also ein nicht sehr gewagter Schluß, wenn wir dem Landrat ein Verständnis und Interesse für die Küche zubilligen, das ihn veranlaßte, ein hand­schriftliches Kochbuch anzulegen, um gute, ihm gelegentlich auf Reisen vorkommende Rezepte aller Art hineinzuschreiben oder aufzeichnen zu lassen. Das wichttge und prakttsche Elaborat kam dann vermutlich in den Besitz des Sohnes, der die väterliche Vorliebe für gepflegte Küche geerbt und bis zur genialen Konzeption und Intuition ausgebildet hatte: er führte die Eintragungen in der Weise des Vaters fort, und gab somit Ursache für die irrtümliche Familien-Tradition, daß er die Anweisungen allein und eigenhändig gesammelt habe.

Die verschiedenen in dem Buche vorkommenden Handschriften können uns nur in der Lleber- zeugung bestärken, daß diese Theorie richttg ist. Von dem mit kalligraphischen Schnörkeln ver­sehenen Titel an zeigen die ersten etwa vierzig der hundert eng beschriebenen Seiten verschie-

Es entspricht weiter den wachsenden Schwie­rigkeiten Der Wirtschaftslage mit ihren gestei­gerten Anforderungen an die Geschäftsführung, daß die Vertiefung des Revisionswesens eine wachsende Bedeutung erhält. Mit der Errichtung Ves Reichsverbandes landwirtschaftlicher Ge- nos)enfchaf ten-Ra'.ffeisen-E. V. haben sch die land- wrrschastlichen Genossenschaften ihre einheitliche organisatorische Spitze gegeben. Die Rationali­sierung des genossenschaftlichen Mittelbaus ist seitdem kräftig vorangeschritten und ihrem Ab­schluß nahe. Alle ihre genossenschaftliche Arbeit, fuhr der Minister fort, spannt sich ein in den Rahmen unserer allgemeinen Agrar­politik. In ihven Händen liegt zu einem gro­ßen Teil das Werk der Selbsthilfe der deutschen Landwirtschaft, die der Landwirtschaft das Reicht darauf gibt, daß Reich und Staat alles aufbieten, um die ungeheuren Anstrengun­gen, die hier gemacht werden, auch fruchtbar zu machen. Das ist nur möglich, wenn

die begonnene Agrarpolitik im Rahmen der Ge­samtpolitik organisch fortgesetzt wird. Sie wird dazu führen, daß wir im nächsten Jahre nicht mehr, wie in früheren Jahren, 4 Millionen Tonnen Getreide einführen müssen, sondern nur noch etwa 1,5 Millionen Tonnen, d. h. daß wir die Einfuhr von 2,5 Millionen Tonnen Getreide durch Umstellung und Verstärkung unserer eige­nen Produktion ersparen und damit unsere Han­delsbilanz um rund 500 Millionen Reichsmark entlasten, weil wir ebensoviel Mehrwerte im In- lande erzeugen.

Nichts kann schlagender als diese Zahl die Rich- ttgkeit unserer Getreidepolitik beweisen: denn was hier geschehen ist, das bedeutet für unsere gesamte Volkswirtschaft in dieser schweren Zeit der Krise einen Lichtblick, der in die Zukunft weist. Auf diesem Wege allein liegt der Weg zur Rettung aus deutscher Wirt­schaftsnot und nicht zuletzt aus der Tri- butnot, und diesen Weg müssen wir deshalb auch ungesäumt für das Gebiet der DeredelungS- wirtschast beschreiten, für deren Produkte im letzten Jahre noch fast genau eine Milliarde Mark ins Ausland gewandert ist.

bene Handschriften, die augenscheinlich dem achb- zehnten Jahrhundert angehören, während die späteren Eintragungen, ebenfalls von verschie-- denen Händen herrührend, mehr den Charakter der Romanttk oder des Biedermeiertums ver­raten. In einem jedenfalls hat die Familien-« tradition recht: daß sich die kleine Rezeptsamm­lung im Besitze eines der größten Feinschmecker und Lebenskünstler aller Zeiten befunden hat, so daß die in ihr, enthaltenen Vorschriften für die Küche auch heute noch Anspruch auf Beach­tung erheben können.

Schon beim flüchtigen Durchblättern der nur wenig stockfleckigen und vergilbten Seiten fällt uns die große Menge der Rezepte auf, welch« von süßen Speisen handeln. In früheren Zeiten spielte der Nachtisch eine sehr viel größere Rolle als in unseren Sagen; noch vor dem Kriege wäre ein einigermaßen korrektes Diner ohne eine oder mehrere süße Speisen, wie ein Eis und eine Creme, eine Sorte und ein Gelee, nicht denkbar gewesen, während wir heute nichts mehr dabei finden, eine aus drei oder vier Gängen be­stehende Mahlzeit ohne jeden süßen Abschluß einfach mit Käse und Obst schließen lassen was, nach meinem Empfinden, in den meisten Fällen nur von Vorteil ist und natürlich mit den allgemeinen Bestreben zusammenhängt,dick­machende" Speisen zu vermeiden: vielleicht spielt auch hier die Vermännlichung der Frau eine Rolle, wie es denn nicht uninteressant ist, den sozial bedingten Erscheinungsformen des Lebens in ihre feinsten und fernliegenden Verästelungen nachzugehen. In der Zeit der Wende des 18. und 19. Jahrhunderts erfreuten sich, wie uns auch Rumohrs Büchlein bestätigt, die Zucker­bäckereien und Kombinattonen süßer Ingredien­zien einer ganz außerordentlichen Beliebtheit und durften auf keiner Tafel fehlen, deren Be­steller etwas auf sich hielten. So behandeln denn gleich die ersten Rezepte einen Mandellrudding, einen solchen aus Reis, ein Quittengelee, eins Brotkarte, einensüßen Teich" (Teig), kleine Eier­kuchen,Sprützgebackenes", Rahmtorten, Mandel­schnitten, einen Erbsenkuchen und anderes der­artige; erst auf Seite fünfzehn erscheinen nach all Den Leckereien ehrliche Rindfleischwürste. Das Rezept für den heute wohl gan$ verschollenen Erbsenkuchen" sei hier mitgeteilt.Die Erbsen zu machen: Man nimmt 3 ©ter, rühret et­

2Sv-Mittionen-Kre-it für das Reich.

Berlin, 18. Juni. (WTB.) Die Verhand­lungen über die Gewährung eines Kre­dits von 2 50 Millionen Mark an das Reich sind abgeschlossen. Es handelt sich um einen reinen Kassenkredit, dessen Ab­deckung durch die normalen Einnahmen, sowie durch die auf Grund der Notverordnung zu er­wartenden Ersparnisse und Eingänge sichergestellt ist. Die Auszahlung des Kredits erfolgt teils im Juni, teils im Juli. Lieber den empfangenen Betrag werden Schatzanweisungen mit dreimona­tiger Laufzeit ausgestellt, die bei Fälligkeit bis zum Ablauf des Rechnungsjahres 1931 ver­längert werden können. Für die Zinsfestsetzung bildet der jeweilige Reichsbankdiskont im Zeit­punkt der Auszahlung die Grundlage.

Dingeldey über seine polllil.

Köln, 18. Juni. (Sil.) Der Parteiführer der Deutschen Volkspartei, Abg. Dingeldeh. legt in einem längeren Aufsatz in derKölnischen Zei­tung" die Gründe für das Verhalten seiner Par­teifreunde während der letzten Sage dar. In dem Aufsatz heißt es u. a.:Ohne die gewaltsame Zerstörung eines Nebels, der unseren inneren Zu­stand vielen verborgen hat, ohne den entschlosse­nen Versuch, die erstarrte Lage wieder in Bewegung zu bringen, hätte der Kanzler die Grundlage der Handlungsfreiheit nicht wieder gewinnen können. So rechtfertigt sich der erste Beschluß der Reichstagsfraktion der Deutschen Dolkspartei.

handelt der Kanzler während der nächsten Woche so, daß wir inner- und außenpolitisch in eine neue Bahn einmünden, dann ist auch der zweite Beschluß der Deutschen Volkspartei ge­rechtfertigt. Ich habe auf Grund von Ausein­andersetzungen, die in ernster Stunde für das ganze Volk geführt wurden, die Ueberzeugung, daß die Entschlüsse durch die Handlungen ge­rechtfertigt werden.

Die Notverordnung selbst konnte in diesem Augenblick, so verhängnisvoll sie ist, in dem, was sie enthält, nicht angetastet werden. Dieses Kabinett in seiner jetzigen Zusammensetzung konnte für ihre Aenderung überhaupt nicht in Frage kommen. Die Parteien aber sind, darüber sind sich wohl alle in Deutschland einig, zu einer Neugestaltung nicht fähig. Die Zerstörung der Notverordnung aber würde die so» fertige Z ah lungs - und Kreditun- fähigkei t des Reiches zur unmittelbaren Folge gehabt haben. Der Beamte hätte statt Gehaltsabzug den Verlust des Gehaltes, der An­gestellte statt der Krisensteuer den Verlust der Arbeitsstätte zu beklagen. Eine Rechtsregierung in Deutschland hat keine Mehrheit. Neuwahlen des Reichstages sind in diesem Augenblick bei ber Kampfmitteln des Bolschewismus geradezu gl cbeutenb mit dem Hineinsteuern in gefähr- liuz... Zerstörung der staatlichen Ordnung, lieber die Tatsache, daß in dem Augenblick, in dem der Reichskanzler im Bewußtsein aller Folgen den Kampf mit den ausländischen Gegnern auf nimmt, die sogenannte nationale Opposition jede Hilfe verweigert, wird man später, wenn die Luft vom Haß gereinigt ist, das Verdammungsurteil fällen.

Vertrauenskundgebung für Dingeldey.

Berlin, 18. Juni. (TU.) Die Reichsgeschäftsstelle der Deutschen Volkspartei teilt mit: In Berlin fand eine Tagung des Parteivorstandes und der Wahlkreisoorsitzenden der Deutschen Dolkspartei statt. Nach einem Bericht des Parteiführers Abg. Dingeldey und einer ein­gehenden Aussprache fand folgende Entschließung e i n st i m m i g e Annahme:

Der Parteivorstand und die Wahlkreisvorsitzenden der Deutschen Dolkspartei stehen in voller Ein» mütigkeit hinter ihrem Führer. Sie weisen darauf hin, daß mit der Ablehnung der Reichstagseinberufung die politische Entscheidung nur verschoben ist.

was Zucker und Kanehl (Zimt) daran, und so viel Mehl, daß der Teig nur eben durch einen Durch­schlag kann gerührt werden, alsdann werden sie in Butter braun gekocht, mit einer Schaumkelle herausgenommen und auf Papier gelegt. Dann nimmt man 12 Eier, wovon man das Weiße ab­laufen läßt, rühret etwas Zucker und Kanehl darin, ein gut halb Pfund Rahm und zwei Hand voll geriebener Semmel, dieses rührt man zu­sammen, und wenn man es in die Form tun will, so wirft man die Erbsen vorher in den Teig und rührt es ein wenig damit um; es muß aidf eine Blechschüssel gemacht werden, denn es wird auch ein Rand von Mehl und heiß Wasser darum: gemacht, welcher am Feuer trocknen muh."

Zu diesem Rezept, das in seiner Art typisch für die Kochvorschriften des Büchleins ist, scheint mir verschiedenes zu sagen zu sein. Erstens ist sein Deutsch genau so katastrophal wie der Stil der meisten Kochbücher bis in unsere Sage hin­ein (eine sehr rühmliche Ausnahme macht, wie ich betonen möchte, das Kochbuch von Frau Elisa­beth Klaes, Bonn). Im übrigen aber ist das Rezept keineswegs schlecht, zeigt gute Kombi­nation und ist wohl wert, einmal wieder pro­biert zu werden. Natürlich würden wir statt des getrockneten Mehlrandes einen eßbaren Teig um das Gericht legen, man könnte vielleicht eine Ver­wendung von Reis zur Diskussion stellen, die sich gerade wegen der Erbsen rechtfertigen ließe, und eine Verbindung zum Risipisi (ein italiensches Ge­richt aus Erbsen und Reis) Herstellen würde.

Ein sehr merkwürdiges Rezept äst das folgende, das lautet:Soya zu machen. Nimm große Champignons, schneide den Stengel unten nicht weiter ab, als er erdig ist, schäle sie ab, das Rote, so unten ist, muß man nicht abwaschen, sondern nur so viel abwaschen, daß der Sand abgeht. Dann legt man sie auf einen Tisch, daß das Wasser abläuft, als dann füllet man einen Topf dichte damit an, schneidet sie mit einem Messer in die Länge und in die Quere durch" (d. h. man schneidet sie erst und legt sie dann in den Topf),dann hit man 13 Nelken, auch eine gute Handvoll Salz darauf, deckt den Topf wohl zu, setzt ihn aufs Feuer, daß er recht scharf heiß wird, dreht ihn fleißig um, daß die Hitze durch und durch geht, man kann es auch wohl einmal aufkochen lassen, es darf aber nicht öfter geschehen, sonst wird alles zu Mus. Dann nimmt

Der Kampf geht weiter! Im Ziel Ist sich die Deutsche Volkspartei einig. Dieses Ziel ist in den bindenden Abmachungen des Parteiführers mit dem Reichskanzler unzweideutig vorge­zeichnet.

Sie waren die Voraussetzung für die veränderte Stellungnahme der Reichstagsfraktion. Diese Ab­machungen müßten in kürzester Frist durchgeführt werden."

Seeüf über das Wehrproblem.

München, 18. Juni. (END.) Der frühere Chef der Heeresleitung Generaloberst a. D. o. S e e ck t sprach heute abend auf Einladung der Deutschen Studentenschaft in der Universität über das Thema Das Ringen um die deutsche Sicher­heit". Nachdem der Redner das Verhältnis von Wirtschaft und Macht erörtert hatte, führte er w a. aus, daß jeder Staat das Recht habe, seine Sicher­heit aus eigenem Können und eigener Macht aus­zubauen.

Bei der Abrüstungskonferenz im Februar kom­menden Jahres fei für Deutschland nichts ge­fährlicher, als eine Kompromißlösung. Solange der Versailler Vertrag nicht aufgehoben werde, habe Deutschland an der Abrüstungskonferenz kein Interesse.

Der Redner ging sogar so weit, zu erklären, daß Deutschland daran denken müsse, aufzurüsten, und fordert danach, daß eine solche Aufrüstung die allgemeine Wehrpflicht in irgendeiner Form wiederbringen müsse. Wenn Deutschland die Reparationen nicht mehr bezahlen könne, so würde Frankreich wie Seeckt annehmen zu müssen glaubt wieder ins Rheinland einmarschieren, denn Deutschland hätte die Macht nicht, dies zu verhindern. Anderseits sei Deutschland aber auch in seiner jetzigen Verfassung kein genügendes Bollwerk gegen den russischen Bolschewismus.

Frankreichs Aufrüstung.

Zur See

Paris, 18. Juni. (WTB.) Die Kammer hat mit 391 gegen 196 Stimmen einen sozialistischen Antrag, die'Beratung über das Flottenbau­programm 1931/32 bis nach der allgemeinen Abrüstungskonferenz zu vertagen, ab- gelehnt und alsdann die Gesamtvorlage mit 410 gegen 168 Stimmen angenommen. In der Zeit vom 1. 4. 1931 bis 31. 3. 1932 werden somit auf Kiel gelegt werden 1 Linienschiff und 2 Kreuzer zweiter Klasse, für deren Bau 500 Millionen Franks bewilligt worden sind, jedoch mit der Bestimmung, daß die Festsetzung der Tonnage und der Abschluß von Lieferungsverträgen von der Zustimmung des Parlaments abhängig gemacht wird. Ferner werden in der gleichen Zeit gebaut werden ein Aviso für kleine Fahrt, ein Küstentransportschiff und vier Be­gleiter. Die für diese Einheiten bereitgestellten Mit­tel betragen 193521000 Franks.

Zu Lande.

Paris, 18. Juni. (TU.) Heute nahm der Fi­nanzausschuß der Kammer bie Kreditvorlage für bie Grenzbefestigu nge n im Betrage von 2 500 000 000 Franken (rund 400 Millionen Mark) für bas Haushaltsjahr 1931/32 mit allen gegen eine Stimme an. Die sozialistischen Mitglie­der des Ausschusses wohnten der Abstimmung nicht bei.

Der Heeresausschuß hat die Verteidi­gungsanlagen zwischen Straßburg -Lon- guhon besichtigt und eine Entschließung ange­nommen, in der es heißt, daß bie Organisierung der Verteidigung der Nordost - Befe­stigung im Ausschuß als unerläßliche Er­gänzung der Gesetze über die einjährige Dienstzeit erscheine. In diesen Verteidigungsanlagen, die mit besonders ausgebildeten Truppen beseht werden sollen, finde Frankreich bei einem Angriff den möglichen Schutz. Der Ausschuß seht sich dann für schnelle Vollendung der progöammäßig vorgesehenen Befestigungsbauten ein.

Aus aller Wett.

Die Unwetterkatastrophe bei Plettenberg.

Plettenberg, 18. Juni. (WTB.) Der Weg, den der ÜBirbelfturm genommen hat, bietet ein Bild der größten Zerstörungen. Auf den

man wieder frische Champignons, tut sie darauf, auch soviel Nelken und Salz, wie das erste Mal, rührt es brav um, daß die weichen Champi­gnons nach oben kommen, deckt es wieder zu und seht es aufs Feuer. Dies muh man dreimal nach­einander tun und dann schmecken. Wenn es noch nicht so stark ist, wie das Indianische, so legt man ein Tuch in einen Durchschlag, läßt es dadurch laufen und legt wieder frische Champignons, Nel­ken und »Salz in den Saft, wie zuvor, bis es stark genug ist, und so schmeckt, wie das Indiani­sche. Dann läßt man es durch ein Tuch laufen, füllt es in Douteillen, tut nichts wie Papier dar­auf, sticht mit einer großen Nadel etliche Löcher hinein und seht es an einen kühlen Ort."

DasIndianische" soll wahrscheinlich ein Ge­bräu aus echten Soya-Dohnen bedeuten, bie nun zwar nicht, wie wir heute sagen würden, indisch, sondern chinesisch sind; im ganzen aber könnte dieser Champignon-Extrakt ganz pikant sein und sich als Zutat zu Fleischspeisen sehr gut eignen. Vielleicht wäre eine geringe Zutat von Essig zu empfehlen. Wir sehen jedenfalls schon aus den beiden hier mitgeteilten Rezepten, daß es der Küche der Klassikerzeit keineswegs an Phantasie mangelte, und finden diesen Eindruck durchaus be­stätigt, wenn wir weiter in Rumohrs Vademecum blättern, auch in der Orthographie, welche Schaucolate-Eis" undPoutellen" Rheinweins enthält. Immerhin, ich beabsichtige, einige dec Angaben zu befolgen.

Hochschulnachrichten.

Rektor und Senat der Technischen Hochschule D a r in st a d t haben auf einstimmigen Antrag der Abteilung für Maschinenbau dem Geheimen Regie­rungsrat Ludwig Klein, ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule Hannover, in Aner­kennung seiner hervorragenden Verdienste als Lehrer und Forscher die Würde eines Doktor-Inge­nieurs ehrenhalber verliehen.

Der Ordinarius für Psychologie, Pädagogik und Philosophie an der Technischen Hochschule Darm­stadt, Professor Dr. Paul Luchtenberg, hat vom sächsischen Ministerium für Volksbildung einen ehrenvollen Ruf an die Technische Hochschule Dres­den erhalten. Gleichzeitig wurde ihm die Leitung des Pädagogischen Instituts der Dresdner Hochschule angeboten.