Oer Kurs der Volkspartei.
Don Eynerns Abfthie-sbrief.
Magdeburg, 15.Oft. (Priv.-Tel.) Der bisherige volksparteiliche Landtagsabgeordnete von Eynern, der aus der Volkspartei ausgetreten ist und sein Mandat niedergelegt hat, verösfent- licht in der ,Magdeburger Zeitung" einen Abschiedsbrief an seine Wähler, in dem es heißt: „5He Option f ü r die Rationalsozia- listen, die der Führer der Deutschen Volks- Partei vollzogen hat, ist nicht eine politische Entscheidung. die zu gegebener Zeit auf dem Wege der demokratischen Willensbildung wieder abgeändert werden kann, sondern sie ist e t w a s Endgültiges. Ich habe nicht gewollt, daß mein Rarne — in welcher Form auch immer — mit solchem Tun verknüpft sei. Die Probleme der Wirtschaft und der Währung erfordern Erfahrung und Einsicht, die der gegenwärtigen Außenpolitik bei allem heißen Empfinden Vorsicht und ein fühlenden Takt. Es ist dementiert, daß die Männer der Schwerindustrie, die innerhalb der Deutschen Volkspartei in erster Linie den Rechtskurs betreiben, eine neue Inflation wollen. Daß aber der Stur) des Kabinetts Brüning und sein Ersah durch eine unter nationalsozialistischem Druck stehende Rechtsregierung auch ohne die Industrie eine Gefährdung der deutschen Währung bedeuten kann (Feders Gcldtbeorie), steht für jeden außer Zweifel, dem Währungsfragen nicht nur ein Rechenexempel, sondern ein Reh aus feinen psychologischen Maschen bedeutet. Man mag am Kabinett Vrüning in seiner alten wie in
seiner neuen Form vieles au tadeln haben. Daß jeht vor diesem entsetzlich schweren Winter nicht die Zeit zu gewagten innen- und außenpolitischen Experimenten ist, steht fest 'in meiner lleberzeugung. Das sind die Gründe, die mich veranlaßt haben, mich von der Partei zu trennen, der ich seit ihrer Gründung mit vaterländischem Stolz angehört habe."
Auch in Baden Kritik am neuen Kurs.
Konstanz, 15. Oft. (ENB.) Der badische Finanz- Minister Mattes erklärte der „Konstanzer Zeitung", er habe sowohl auf der Tagung der Südwest. deutschen Arbeitsgemeinschaft der DVP. in Darmstadt wie auch in der Reichsausfchußsitzung der DVP. in Berlin den Standpunkt vertreten, daß die staatspolitischen Aufgaben und vor allem auch die Schwierigkeiten des kommenden Winters die U n - terstätzung der Regierung Brüning notwendig machten. Auch wenn man der Meinung sei. daß die Deutsche Volkspartei als Mittelpartei Koalitionen nach beiden Seiten eingehen könnte und daß deshalb eine Regierung mit der Rechten grundsätzlich nicht abge- lehnt werden könne, so sei doch der jetzige Zeitpunkt für eine Regierungsänderung ver- fehlt. Man müsse jetzt eine Regierung auf möglich st breiter Basis auszubauen suchen und dürfe nicht die Sozialdemokratie, die bereit sei, die schwere Verantwortung mittragen zu helfen, in die Opposition und an die Seite des Kommunismus drängen.
Sin offener Vries Hitlers an den Reichskanzler.
München, 15. Oktober. (TU.) Der „Völkische Beobachter" veröffentlicht einen umfangreichen offenen Brief Adolf Hitlers an den Reichskanzler als Antwort auf dessen Rede im Reichstag. Darin erklärt Hitler u. a. zu der Klage des Reichskanzlers, daß die Parteien in Dsutschlcmd sich nicht zu gemeinsamer Arbeit zu- fammenfänbcn, es sei ihm nicht bekannt, von irgendeinem Schritt des Reichskanzlers, der bewußt eine Heranziehung der nationalsozialistischen Bewegung zur Verantwortung hätte bedeuten können. Was allein eine Zusammenfassung ermöglichen könnte, sei das Herausar- beiten großer allgemein als richtig erkannter Gedanken für die außen-, innen- und wirtschaftspolitische Tätigkeit. Hitler weist dann darauf hin, daß die Versprechungen und Zusicherungen im Zusammenhang mit dem Poungplan durch die Tatsachen widerlegt worden seien. Er selbst und eine Reihe weiterer Parteiführer hätten diese Katastrophe vorausgesagt. Ebenso hab« cs sich als ein Irrtum erwiesen, daß der Kanzler glaubte, erst das Reich finanziell und wirtschaftlich sanieren zu können, um dann in Revisionsverhandlungen einzutreten. Hitler erhebt gegen die Regierung den Vorwurf, daß sie nicht die Initiative ergriffen habe, um die günstige Lage nach dem 14. September 1930 auszunutzen, obwohl damals eine Bereitwilligkeit zu spüren gewesen sei, die Ausgangsbasis aller Re- parationsverpflichtungen selbst einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Zum Scheitern der deutsch- österreichischen Zollunion erklärt Hitler, daß der Plan selbst falsch und seine Fundierung nicht ausreichend gewesen sei. Man könne nicht nach außen hin eine nationale Politik betreiben, wenn man als einzige Kraftreserve Marxisten, Pazifisten und Demokraten hinter sich habe. Die staatspolitische
Aufgabe von heute heiße Gleichberechtigung unseres Volkes mit den anderen Rationen. Die Voraussetzung dazu aber sei die geistige, sittliche und moralische Regeneration unseres Volkes. Es handele sich darum, ob unser Volk endgültig in den Abgrund des Bolschewismus hineintaumeln werde, ober ob es sich noch einmal auf bie Höhe ber ante- ren Kulturnationen erhebe. Gerate in Deutschland werde der Kommunismus entweder seinen Weltsieg erringen, oder er werde gebrochen. Bei ter allerhöchsten Achtung vor der Person des Reichskanzlers Brüning sehe er, Hitler, in der Ucberroinbung seines Systems unb seiner Regierung die Beseitigung des letzten Hindernisses zum Sieg ber Kraft unseres Volkes.
Die Tatsache der Entwaffnung des bürge r (i d) c n Staates werte bie Angriffswucht bes Bolschewismus außerorbentlich fördern. Am allerbedauerlichsten aber sei es, wenn das letzte, weltanschaulich noch nicht angefressene Instrument, auf das ter Kanzler allein sich heute noch zu stützen vermöge, die Reichswehr, nunmehr direkt und indirekt an diesen Kämpfen beteiligt und in ihren Strudel hineingerissen werde. Für die Nationalsozialisten sei die Armee der repräsentative und tatsäch- liche Ausdruck der Kraft einer Nation zur Verteidigung ihrer Interessen nach außen. — Der Kanzler habe in seiner Rete nur in einem Recht, wenn er nämlich erkenne, daß wir uns an der Wende einer Zeit befinden, daß eine Weltkrise ohne Gleichen vor ber Tür steht, eine Krise, die aber nicht in wirtschaftlichen Dingen unb Erscheinungen ihren Ausdruck findet, sondern neue Grundauffassungen des Lebens entstehen sehe. Die Zeit werde später einmal urteilen, wer bie große Frage bes Lebens unseres Volkes richtiger sah: ber Kanzler ober bie Nationalsozialisten.
Die Staatspartei kündigt die Weimarer Koalition in Hessen.
Erregte Aussprache im Landtag. - Oer staatsparteiliche Abg. Schreiber gegen die Regierung.
Darmstadt, 15.Oktober. (WHP.) Präsident Delp eröffnet die Sitzung um 10.30 älhr bei gut besuchtem Hause.
Abg. H a m m a n n (Kom.) richtet in Begründung seines MißtrauenSantragcs heft ge Angriffe gegen die Regierung. Die beiden Rotverordnungen seien ein Raubzug gegen die Bevölkerung und namentlich gegen die unteren Beamten. Dagegen würden dem ehemaligen Großherzog täglich 2000 Mark geschenkt. Die yessischc Regierung treibe die Hungerpolitik Brünings und folge der Politik der Entrechtung, wie sie die nationalsozialistischen Minister in Thüringen und Braunschweig betrieben hätten. (Der Redner erhält zwei Ordnungsrufe.).
Abg. Reiber (Rad.-Dem) bedauert, daß die Regierung geglaubt habe, mit Rotverordnungen eine Sanierung vornehmen zu können. Im Interesse des varlamentarischen und demokratischen Gedankens hätte die Reg erungsmehrheit aufpar - lamentarische Crledigungsehen sollen. Diele unsoziale Maßnahmen der Rotverordnung wären dann sicher unterblieben.
Finanzmini ft er Kirnberger erklärt, angesichts ber Eile, mit ter bie notwenblgen großen Summen ber Staatskasse hätten zugeführt werben müssen, sei es technisch unmöglich gewesen, eine parlamentarische Erledigung herbeizuführen. Die Eingriffe in die Beamtcnbesolbung seinen gewiß tiefgreifenb, aber unbedingt notwenbig. Die Leistungsgrenze bes Staates sei gezogen burch bie Steuerkraft ber Bevölkerung Die Regierung wolle am Berufsbeamtentum unbebingt festhalten.
Abg Schreiber (Stp) fragt, warum bie Regierung nicht wenigstens ben Finanzausschuß ein- berufen habe. Die Maßnahmen ter hessischen Regierung seien ungeheuerlich in ihrer Auswirkung, besonbers auf die Beamtenschaft. Sie habe nur von ber Besolbungsseite her Einsparungen vorgenommen. Wo aber bleibe bie Verwaltungsre- form? Warum habe Hessen nicht einfach erklärt: Wir werben Reichslanb? Die Regierung habe vollkommen versagt. Er sei daher nicht in ber Lage, ber Regierung bas Vertrauen auszusvrechen.
Staatspräsident Adelung erklärt u. a., er habe kein Verständnis dafür, was Herr Schreiber tue; denn er habe seit vielen Jahren alle- gebilligt, was die Regierung getan habe. Hassen habe seine Notverordnung erlassen müssen entsprechend den Verfügungen deS Parteifreundes deS Herrn Schreiber, nänllich deS Reichs
finanzministers Dietrich. In Preußen habe der staatsparteiliche Finanzminister Höpker-Aschoff die gleichen Maßnahmen durchführen müssen. In Baden habe es der volksparteiliche Finanzminister getan. Er glaube, daß Herr Schreiber seiner Partei einen schlechten Dienst erwiesen habe.
Abg. Glaser (Bbd.) erklärt, der Bauernbund habe kein Vertrauen zur Regierung und werde sich bei dem kommunistischen Mihtrauensantrag der Stimme enthalten.
Abg.Dr.Wolf (Dnl.) hält es für überflüssig. über das Mißtrauensvotum zu sprechen. Das hessische Volk werde am 15.Rovem- b e t der Regierung uftd ihren Parteien ihr Mißtrauen aussprechen.
Abg. Dr. Keller(DVP-) erklärt, bas Mißtrauen seiner Partei sei burch bie Notverordnung verstärkt worben. Die Argumente ter Kommunisten mache sie sich nicht zu eigen. Sie werbe sich der Stimme enthalten.
Abg. Dr. Wern er (Natf.) hält bas Mißtrauensvotum für überflüssig; tenn am 15. November werbe bas Hessenvolk sein Mißtrauen unzweideutig aus- sprechen.
Abg. Schreiber (Stp.) erklärt, die hessische Koalition sei bereits bei den letzten E t atsderatungen audeinanberge- brochen. Einmal höre jede Koalition auf. Er verwahre sich jedoch dagegen, daß man seiner Partei Motive unterschiebe, die man in der Öffentlichkeit nicht vertreten könne. Man wolle sich ter Verantwortung für das, was man getan habe, draußen nicht entziehen.
Die Abstimmung wird ausgesetzt Vor fast leeren Bänken beginnt die Aussprache über sechs Anträge und 63 Eingaben zur Besoldungsordnung. Im Ausschuß sind die Anträge sämtlich ter Regierung zur Weiterleitung an die Reichsregierung oder als Material überwiesen worden.
Finanzminister Kirnberger erklärt: Wenn das Reich und die großen Länder endgültig auf die Auf rückungSsperre rerz ch et n toü de Hessen seine Maßnahmen nachprüfen. Es sei falsch, von den vielen großen Gehältern in Hessen zu sprechen. Durch die Rotverordnungen und die progressiven Steuerabzüge verloren z. B. der Staatspräsident von seinem Gehalt 11 700 Mark oder 42 Prozent, die Minister 10 000 Mark oder 40.4 Prozent. Abg. Storch habe ja auch die soziale Tendenz der hessischen Rotverordnung anerkannt. Weiterberatung Freitag.
Lavals Abreise nach Amerika.
Paris, 16.Okt. (WTB. Funkspruch.) Ministerpräsident Laval verläßt heute um 9.10 Uhr MEZ. Paris, um mit dem fahrplanmäßigen Zuge nach Le Havre zu fahren. Dort wirb er sich um 12.15 Uhr an Bord bes französischen Passagierbampfers „Ile be France" begeben, der um 12.30 Uhr bie Anker lichtet. Laval hat eine durch Rundfunk verbreitete Ansprache gehalten, in der er u.a. sagte: Die Regierungen bemühen sich, durch Mittel, die sich bisher als unzureichend yerausftellten, der schweren Krise zu steuern, bie immer weiter um sich greift. Am härtesten betroffen würben bie Län- )er Mitteleuropas, bann Deutschland und zuletzt England. Frankreich ist gesund geblieben. Es verdankt diese Vorzugsstellung der Arbeit und dem Sparsinn. Frankreich hat übrigens feine Tradition. Es weiß, wenn nötig, sich durch andere Beweggründe als solche rein egoistischen Interesses bestimmen zu lassen. Di« Reise, die ich unternehmen werde, um eine immer engere Zusam - menarbeit zwischen ben Vereinigten Staaten und Frankreich herzustellen, läßt große Hoffnungen aufkeimen. Hüten wir uns aber vor Illusionen. Wenn persönliche Be- sprechungen unb eine offene Aussprache zwischen den Regierungschefs als die sicherste Methode erscheinen, die es gestattet, die Regeln für eine normale Wirtschaft wiederzufinden, wäre es übertrieben, davon endgültige Lösungen zu erwarten. Eine aus den Fugen geratene Produktion, Währungsstörungen lieber, maß an Vertrauen in bie Spekulation haben Arbeits- losigkeit unb Elenb erzeugt. Das Hebel ist tiefgreifenb, da feine Ursache gerade in ben Fortschritten einer z u schnell entwickelten Zivilisation liegt.
Amerikas Programm.
Erneuerung dcsHerirauens durch Abrüstung
Washington, 15. Okt. (WTB.) Der Leiter der Westeuropa-Abteilung des Staatsdeparte
ments, Boal, hielt einen Vortrag, ter die 3u« fammenfaffung der Hauptpunkte, die die Regierung offenbar mit Laval besprechen möchte, bat- stellte. Dval betonte die finanzielle Verbundenheit aller Rationen und daS ernste Bestreben Amerikas, mit den anderen Mächten für das Gesamtwohl zusammenzuarbciten. Ein Haupthindernis für die Wiederherstellung der Prosperität seien die ungeheuren Rüstungen, bie auch psychologisch einen bedenklichen Wall gegen das Aufkommen von Vertrauen und Verständigung darstellten. Amerika wolle den anderen Regierungen kein starres gleichförmiges Ah. rüstungsprogramm aufdrängen. ES sei sich außerdem klar, daß man von der Konferenz deS nächst, Jahres lediglich einen weiteren Schritt zch dauernden Verminderung der Rüstungen erwarten könne, aber schon das Stattfinten einer von 52 Ländern beschickten Konferenz dieser Art sei ein erfreulicher Fortschritt. Auch ter Vor- schlag eines einjährigen Rüstung«, still st an des vom l.Rovember d. I. ab sei von der amerikanischen Regierung aufrichtig be- ?rüßt worden. Der Redner bezeichnete Deutsch- and als wirtschaftlich gesund. Hoover habe Zustimmung in der ganzen Welt gefunden, als er im Juni ein Moratorium vorschlug, damit das .tüchtige, von energischen und fortschrittliche« Leuten bemannte deutsche Schiff nicht auf Klip. Pen getrieben werte". Frankreich unb Deutschland seien in der Lage, sich wirtschaftlich zu ergänzen. Eine Verständigung zwischen diesen beiden Ländern würde auch dc« Staaten der Kleinen Entente nütze« und -Mitteleuropa gute Aussichten für die Zu- kunft bringen. Amerika hoffe auf die Beilegung der europäischen Streitfragen. Es sei nicht an den Einzelheiten interessiert, wohl aber sehr daran, daß die Regelung auf friedlichem Wege erfolge.
Amerika nimmt am Senser Aatstisch Platz.
Oer Konflikt um die Mandschurei vor dem Völkerbund. — Japan widerspricht der Einladung an die Vereinigten Staaten.
Genf, 15.Okt. (TU.) Der Dölkerbundsrat hat am Donnerstagabend in einer vierstündigen, außerordentlich stürmischen Geheimsitzung mit 13 Stimmen gegen die Stimme Japans grundsätzlich beschlossen, die amerikanische Regierung zur offiziellen Teilnahme an ber Regelung des chinesisch-japanischen Konfliktes ein zu laden. Man erwartet, bah bie amerikanische Regierung unverzüglich auf Grunb ber fortgesetzten in ben letzten Tagen zwischen Washington unb Genf geführten Fühlungnahme die Einlabung annehmen unb ihren Beobachter beim Völkerbund beauftragen wirb, a m Ratstisch Platz z u nehmen, um an ber Konfliktsregelung mitzuwirken. Der Abstimmung ging eine äußerst schwierige Debatte voran. In ber Sitzung, in ber hauptsächlich Brianb unb Lord Reabing bas Wort führten, würbe mit allen nur denkbaren Mitteln unb Gründen versucht, bie japanische Regierung zur Aufgabe ihrer adlehnenben Haltung zu bewegen unb iyre Zustimmung zur Hinzuziehung ber amerikanischen Regierung zu erteilen. Die Verhandlungen verliefen in ber Form einer rein geschäftsorbnungs- mäßigen Debatte, ob ein derartiger Beschluß bie Einstimmigkeit des Völkerbunbsrates verlange ober nicht. Der Vertreter Japans beantragte zur Prüfung ber von ihm erhobenen juristischen Ein
wände die Einsetzung eines Sachverständigen- ausschusses
Vor der Abstimmung über diesen Antrag richtete Lord Reading an ben Vertreter Japans di» Frage ob er die Zusicherung geben könne, baß tr bas Gutachten bieses Sachverständigenausschusse» auch bann annehmen werbe, wenn es zu einem ber japanischen Auffassung entgegengesetzten Ergebni« komme. P o s h i z a w a erklärte bnrauf, seine In- ftrultioncn erlaubten es i h m nicht, diese Frage zu bejahen. Darauf war bie Mehrheit bn Rates der Meinung daß bie Einsetzung eines Sach- verständigenausschusses keinen Zweck habe, unb ber japanische Antrag würbe gegen bie Stimmen bes Vertreters Japans unb Deutschlands abgelehnt. Die Einladung an Amerika wurde bann mit allen Stimmen gegen biejenige bes japanischen Vertreters beschlossen. Von amtlicher japanischer Seite würbe erklärt, Japan würde den uneingeschränkten Beitritt der Vereinigten Staaten zum Völkerbund be- Frühen, aber bisher seien die Vereinigten Staate niemalsaufgefordert worden, sichan der Erörterung von Streitfragen zwischen Bundesmitgliedern zubeteiligen Man dürfe daher wohl fragen, ob einem Staate das Rechk der Teilnahme an den öölferbunbsbcratungen zu- gestauten werben solle, ohne daß dieser Staat auch entsprechende Verpflichtungen übernehme.
Die Ausweisung ber Jesuiten aus Spanien.
Der Vatikan wartet ab.
Rom, 15. Okt. (TU.) Die Annahme des Artikels 24 ter spanischen Verfassung hat in vatikanischen Kreisen lebhaftes Bedauern hervor- gerufen. Obgleich die Zentralkirchenverwaltung zunächst die übliche Zurückhaltung auch in dieser Angelegenheit beobachtet und nach außen hin keinerlei Stellung genommen hat, ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß e i n Bruch zwischen dem Heiligen Stuhl
Don ManuelAzana, Chef des neuen Kabinetts.
und Spanien nicht erfolgen werde. Die Kurie scheint vielmehr abwarten zu wollen, wie die Durchführung der gegen die katholische Kirche und gegen die Jesuiten gerichteten Bestimmungen in der Praxis auSfällt. Von einem Konkordat zwischen Spanien und dem Heiligen Stuhl kann jetzt natürlich bis auf weiteres nicht mehr die Rede fein. Man hat den Eindruck, daß Zamora dem päpstlichen Runtius in Madrid zugesagt hatte, sich den extremen Strömungen nach Möglichkeit zu widersehen unb daß man in katholischen Kreisen eine gewisse Hoffnung auf seinen mäßigenden Einfluß gesetzt hatte. Sein Rücktritt ist daher eine Enttäuschung für alle diejenigen, die auf seinen mäßigenden Einfluß bauten. Der „Ob- servatore Romano" betont, daß ter Schritt Zamoras ihm zur Ehre gereiche. Die Erklärungen 1 seines RachfolgerS seien wenig flar und daher
könne man noch nicht vorauSsehen, welche Folg« die Mittwoch-Abstimmung haben werte.
Der päpstliche Runtius T e d e s ch i n i soll k» absichtigen, Spanien zu verlassen. De Runtius hat mit drei spanischen Kardinäl« Fühlung genommen, um sich mit ihnen auf btt Persönlichkeit zu einigen, die den Primat ausüben und auch einen gewissen Anteil an de» Beziehungen zwischen ter spanischen Kirche unb dem Vatikan nehmen soll. Der Erzbischof voll Baladolid, Kardinal Gandasegur, soll hierfür ausersehen worden sein. Der RuntiuS hat heute nachmittag mit Mitgliedern der Regierung verhandelt. Die Kirche, sagte der Runtius, könne auf Grund der letzten Geschehnisse sich verletzt fühlen, aber sie nebmi niemals eine feindselige Haltung ein. — Rach einer Erklärung deS spanischen Ministerprä^ denken hat es sich bei dem Besuch des Qluntai um eine reine Förmlichkeit gehandE Der RuntiuS habe als Doyen des Diplomatisch« Korps dem neuen Ministerpräsidenten seine Aufwartung gemacht- — Der Prior des Iesuite«- klosters von Almeria erklärte, daß die Gesellschaft Jesu Spanien nicht verlasse« werde, solange man ihr nicht beweiskräftige Gründe für ihre Ausweisung angebt Er und die Seinen seien entschlossen, in Gemeinschaft mit den Gläubigen ihre Sache biS zu» äußersten zu verteidigen.
Wie hoch ist die deutsche Gesamtbelastung?
Berlin, 15. Okt. (DDZ.) Die deutschnational« Reichstagsfraktion nahm am Donnerstag in einer Prcssebesprechung zu ben Ausführungen Stellung bie Reichsfinanzminister Dietrich am Mittwoch Reichstage gemacht hat. Abg. H c r g l hielt bie Hu» führungen Oberfohrcns aufrecht, daß bie Steuer- aesetzgebung dem deutschen Volke in den letzt» Jahren fünf Mi11tarden Steuern bracht hätte. Abg Oberfohren habe nicht nur n» Reichssteuern, sondern d i e Gesamtbclast >ß an Steuern. Gehaltsabzügen unb ■ 3 I a l e n Mehrlasten i n Reich, Lände r» und Gemeinden gemeint. Die Gesamtlast « heute schon viel höher als fünf Mit' Harden Sie habe schon in der Zeit vom 1 3®* nuar 1930 bis Juli 1931 mehr als fünf Milliarde« betragen. Hergt gab im einzelnen eine zahlen map'-'« Darstelluna und forderte im Jntereste der Dadrhtu und Klarheit, namentlich auch um des E.l"' drucks auf unsere R e p a r a t i o n s g lä »' b l g e r willen, ein zahlenmäßig genaues ® <* |a m t b 11 b all dieser neuen Lasten. (Er richtete ausdrückliche Frage an den Minister, wie es mu dieser Gcsamtmehrbelastuna stehe und sprach die Erwartung aus, daß eine bestimmte Antwort gegebei werde.
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