Nr. M Erstes Blatt
18|. Jahrgang
Mittwoch. 13. Mai I93X
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Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Dr. Friede. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Bietzen.
Moskaus Offensive in Spanien.
Der Tragödie zweiter Akt.
Daß die vorläufige republikanischeRe- gier-ung in Spanien die Montagsrevolte in der Hauptstadt bewältigt hat, mag sein, ob sie aber damit aller unterirdischen Kräfte Herr geworden ist, die gegen die dünne Decke der jungen Republik drängen, ist mehr als zweifelhaft. Es ist zu verstehen, daß die vorläufige Regierung mit äußerster Energie danach trachtet, durch eine gesetzgebende Rationarver sammln ng den staatsrechtlichen Boden für die Republik zu schaffen.. Es ist aber wenig wahrscheinlich, daß sie dieses Z'el ohne Hindernisse, ohne Revolten und brennende Kirchen und Klöster erreicht. Richt von den Monarchisten droht der Republik Gefahr, sondern von den unterirdischen Kräften, die die Dritte Internationale überall da in Bewegung seht, wo eine überlieferte Staats- und Gesellschaftsordnung aus den Fugen geht. Mancherlei Gleichnis zu den Ereignissen, die sich seit dem 14. April in Spanien abspielen, läßt sich zu den turbulenten Vorgängen ziehen, aus denen im März 1917 zunächst sich die konstitutionelle Republik in Rußland bildete, um dann durch den Sturmschritt der bolschewistischen Umwälzung über den Haufen geworfen zu werden. Der Duma-Republik gelang es nicht, eine verfassunggebende Versammlung einzuberufen, so daß sie wehrlos zusammenbrach, als Centn mit meuternden Matrosen und bewaffneten Arbeitern die Kerenski-Regierung auseinanderjagen konnte. Inzwischen hat der Bolschewismus vieles hinzugelernt, hat sich eine Organisation geschaffen, die fähig und imstande ist, revolutionäre Kräfte sofort an einer bestimmten Stelle zu sammeln. Daß die Dritte Internationale seit Jahren in Spanien unterirdisch tätig gewesen ist, ist unbestritten, ebenso daß sie über ein Heer von Agenten verfügt, das, tofenn es notwendig ist, jederzeit verstärkt werden kann.
Auffällig ist an dieser Mairevolte nur, daß sie ihren älrsprung in der Haupt st adt selbst gesunden hat, statt in dem syndikalistisch, d. h. kommunistisch verseuchten Barcelona. Hier sind Arbeitermassen zusammengeballt, deren Analphabetentum ein günstiger Nährboden für kommunistische Irrlehren ist, ganz abgesehen davon, daß Barcelona nahe an der Grenze liegt, also von Paris aus leicht erreicht werden kann. Wenn die Dritte Internationale Spanien irgendwie für den Bolschewismus reif machen will, so darf sie es nicht auf R e u w a h l e n zur gesetzgebenden Versammlung ankommcn lassen, sie muß vielmehr versuchen, durch überraschende Angriffe vorher die stärksten Widerstände gegen den Sieg des Bolschewismus zu zertrümmern. Es ist kein Zufall, sondern ein berechneter Zug, daß Kirchen und Klöster gestürmt wurden und in Flammen aufgingen, denn das ist nach bolschewistischer Auffassung ein Anschauungsunterricht für das spanische Volk, daß weder die Macht der katholischen Kirche noch die katholische Religion selbst aus sich heraus Abwehrkräfte gegen die revolutionäre Gewalt der Kommunisten entwickeln können. Daß die republikanische Regierung diesen Kloster- und Kirchensturm durch den kommunistischen Pöbel als ein Verhängnis empfindet, hat der Präsident Zamorra selbst unmißverständlich zugegeben.
Wenn die vorläufige Regierung sich weigert, Schritt für Schritt den Forderungen der Straße nachzugeben, auch wenn sie von den Helden der April-Revolution vorgetragen werden, ist auch ein Beweis dafür, daß sie aus den Vorgängen in Rußland einiges gelernt hat. Jedenfalls werden die brennenden Kirchen und Klöster keine große Werbetraft für die Republik in den spanischen Provinzen entfalten, wo der Klerus und die Kirche doch noch mächtiger sind, -als die Berichterstatter der europäischen Presse demokratischer Observanz dies manchmal aus durchsichtigen Gründen wahrhaben wollen. Auch das weiß die vorläufige Regierung, daß auf das Heer nur dann unbedingt Verlaß sein wird, wenn eine verfassunggebende Versammlung die Offiziere von dem dem König geleisteten Eid entbniben wird. König Alfons hat das noch nicht getan, wobei es »gleichgültig ist, ob er von den Neuwahlen eine starke monarchistische Minderheit erwartet oder nicht.
Wenn die vorläufige Regierung die kommunistischen Umtriebe nicht rechtzeitig bändigen kann, so muh sie immer wieder mit dem Aufflackern neuer Revolten und Putsche rechnen. Die Moskauer Internationale verfolgt die Vorgänge in Spanien wohl ebenso aufmerksam wie die spanische Regierung selbst, und sie wird alles daran sehen, um Spanien durch innere und äußere Erschütterungen für den bolschewistischen Gewaltstreich reif zu machen. Daß auch äußere Er- schütterungen in Frage kommen können, dafür genügt, auf Spanisch-Marokko zu verweisen, wo die Berberstämme nur darauf warten, Waffen zu erhalten, um die spanischen Truppen aus den Küstenstädten zu vertreiben. Die republikanische Regierung Spaniens wird dann wohl eins der schwierigsten Probleme zu lösen haben, zumal sie sich auf Parteien stützt, die immer das marokkanische Abenteuer der Monarchie bekämpft haben. Wenn die republikanische Regierung, um allen Wirren auszuweichen, die marokkanische Küste räumt, so wird damit eine der gefährlichsten Reibungsflächen Europas in Brand gesetzt. England kann und wird nicht zugeben,
daß gegenüber Gibraltar Frankreich sich im Nordzipfel Marokkos einniftet, wle auch Italien niemals seine Zustimmun dazu geben wird, daß die Straße von Gibraltar innx auch von Frankreich abgesperrt werden tanr. e Moskauer Internationale ist über die Reibungsr ächen der imperialistischen Mächte auch gut unterrichtet, wie sie denn auch ihre TakUk arauf einstellt, diese Mächte untereinander w verfeinden. In Spanisch- Marokko tonn . sich dazu Gelegenheit bieten, mehr sogar, als dem europäischen Frieden von heute und morgen gut ist. Wie aber das neue Spanien dieser inneren und äußeren Erschütterungen Herr werden wird, ist eines der großen Fragezeichen, die in der s'5 attischen Tragödie enthalten sind.
Wieder Ruhe in Madrid.
Verhaftung führender Monarchisten.
Madrid, 12. Mai. (WTD.) Die Stadt hat heute ihr normales Aussehen. Die Arbeit ist überall wieder ausgenommen worden. An den strategischen Punkten steht noch Militär in Bereitschaft; es ist aber bisher alles ruhig ge
blieben. Die meisten Mönche des zuerst in Brand gesteckten Iesuitenklosters konnten in Zivillleidung rechtzeitig flüchten, nur in dem Kloster von Maravilla soll die Menge die flüchtenden Mönche belästigt haben. Der Generalkapitän von Madrid, General Quieto de Clano, erklärte, es gebe in Spanien s 0 viel Klöster, daß die Regierung im Falle neuer Zwischenfälle nicht alle zugleich schützen könne.
Die Vorstandsmitglieder der monarchistischen Vereinigung Eobian und Campo wurden verhaftet, ebenso der Führer der Nationalistenpartei Dr. Albina na; die Minister der Diktatur Galo Ponte und Cornejo sind nach einem Verhör ins Gefängnis abgeführt worden. Der Generalstaatsanwalt erklärte, daß zwischen einem monarchistischen Plan zur Wiederherstellung des alten Regimes und drr Tätigkeit verschiedener in Paris lebender Aristokraten enge Beziehungen bestünden. Schon aus diesem Grunde werde er gegen „Alfonso deD 0 ur- bvn", der nicht mehr als König der Spanier gelten könne, eine Strafverfolgung einleiten.
Anfang Juni die neue Notverordnung.
Zwischen Genf und Chequers.
Berlin, 12. Mai. (TU.) Das Reichskabinett hat am Dienstag feine außenpolitischen Beratungen fortgesetzt. Cs handelt sich hierbei ausschließlich um die Aussprache über die bevorstehenden Genfer Verhandlungen des europäischen Studienkomitees und des Völkerbundsrates, über die Dr. Curtius am Vortrage eingehend berichtet hat.
Die Beratungen der Reichsregierung über die Sanierung des Reichshaushaltsund der Sozialversicherungen werden erst nach Genf ausgenommen werden. Dis dahin sollen die zuständigen Ressorts ihre Vorbereitungen treffen. Es verlautet, daß der Reichskanzler die Absicht hat, zur Verabschiedung der auf diesem Gebiet geplanten Reformmaßnahmen die Zeit zwischen Pfingsten und der Abreise nach Chequers, die auf den 4. Juni angeseht worden ist, zu benutzen. In unterrichteten Kreisen rechnet man mit der Veröffentlichung einer entsprechenden Notverordnung nunmehr für die ersten Tage des Juni, nachdem ursprünglich dafür Mitte Juni in Aussicht genommen war.
Oer Kreislauf.
Der Neichsfinanzminister wird skeptisch.
Oldenburg, 12.Mai. (WTB.) Dienstagabend sprach hier Reichsfinanzminister Dr. Dietrich. Er wandte sich dagegen, daß man jetzt im Auslande und Sparsamkeit predige, denn man berücksichtige dabei nicht, daß Deutschland mit den Ersparnismaßnahmen schon an der Grenze des Tragbaren angekommen sei. Zu der Frage, ob es möglich und nottoenöig sei, durch eine weitereEenkungvon Löhnen, Gehältern und Preisen die heutigen Schwierigkeiten zu bekämpfen, betonte er, daß für den Finanzminister die schwere Sorge entstände, daß eine weitere Drosselung erneut Ausfälle bringe, vor allem in der Lohnsteuer, Umsatzsteuer, aber auch in der Der- kehrssteuer, und daß u. U. dasjenige, was auf der einen Seite gekürzt werde, auf der anderen ©eite wieder verloren ginge. Don diesem Gesichtspunkt aus stehe er weiteren Lohn- und Gehaltssenkungen skeptisch gegenüber.
Ein internationaler Zahlungsaufschub? Was plant die Regierung?
Berlin, 12. 2Hai. (TU.) Die „Berliner B ö r f en 31 g.“ (fonf.) gibt ein sich feit lagen in politischen Kreisen erhallendes Gerücht wieder, wonach die Reichsregierung im Verzicht auf eine R e- visiondesTributplanesin absehbarer Zeit den Vorschlag eines sog. internationalen Kriegsschuldenzahlungsaufschubs zur Diskussion stellen wolle. Man stellt sich darunter offenbar eine Vereinbarung zwischen den ehemals kriegführenden Staaten einschließlich Nordamerikas vor, dahingehend, daß für einen bestimmten Zeitraum, etwa von fünf Jahren, die wechselseitige Abzahlung der aus dem Weltkriege herrührenden Schulden ausgesetzt werden soll mit der Maßgabe, daß die gesamten Schuldentilgungsfristen von einem solchen Moratorium nicht berührt werden, daß also die Tilgungsfristen um die durch das Moratorium vorläufig ausfallenden Zahlungsjahre einfach verlängert werden. Für Deutschland hieße dies, daß im Falle des Zustandekommens einer solchen Vereinbarung Deutschland die nach st en fünf Jahre keine Reparationszahlun. gen ju leisten hätte, der poungplan würde dann aber um fünf weitere Jahre verlängert werden.
Wer wird Präsident?
Rätselraten in Frankreich.
Paris, 13. Mai. (WTD. Funkspruch.) Die Pariser Presse beschäftigt sich fast ausschließlich mit der bevorstehenden Präsidentenwahl. Die ursprüngliche Auffassung, daß der Präsident bereits bei dem ersten Wahlgang bestimmt wird, hat sich im Laufe der letzten 24 Stunden geändert. Die Sozialisten werden wahrscheinlich einen eigenen Kandidaten, und zwar den Abgeordneten D r a ck e, aufstellen. Eine Reihe von Senatoren und Abgeordneten wird ihre Stimme dem Iustizminister Leon Berard sowie anderen Persönlichkeiten geben. Die dadurch hervorgerufene Zersplitterung wird voraussichtlich eine absolute Mehrheit unmöglich machen. Obwohl die meisten Kammerfraktionen sich für keinen bestimmten Präsidentschaftskandidaten ausgesprochen haben, lassen sich aus ihren Beratungen doch einige Anhaltspunkte gewinnen. Die Stimmen der katholischen Demokraten dürften aut Hälfte auf Driand, zur Hälfte auf Dvumer fallen, und erst ein zweiter Wahlgang würde die 18 Mitglieder zählende Fraktion zu einer einheitlichen Stellungnahme oeranlafj^
Schwere Lümchen in der Provinz.
Oer Sturm auf die Klöster. — Wertvolle Kunstschähe ein Jtaub der Flammen.
Madrid, 12. Mai. (TU.) Nach in den frühen Morgenstunden eingegangenen Meldungen hat das Madrider Beispiel auch in der Provinz Nachahmung gefunden. In Alicante wurden vier Klöster in Brand gesteckt. Dabei kam es zu Schießereien mit dec Polizei, in deren Verlauf ein Arbeiter verwundet wurde. Auch in Malaga wurde ein Kloster eingeäschert und außerdem das arte Bischofspalaisangezündet, das ebenfalls ein Opfer der Flammen geworden ist. In beiden Orten wurden auch die Gebäude der Rechtszeitungen niedergebrannt. In Cordoba griff die Bevölkerung das bischöfliche Palais an und bewarf es mit Steinen. Die Polizei konnte die Brandlegung noch rechtzeitig verhindern. In Granada fielen den Flammen allein sechs Kirchen und zwei ft l ö ff e r zum Opfer. Line ftirche wurde mit Bomben gesprengt. In Malaga dauern die Plünderungen vom Laden an. Es wurde sogar ein Angriff auf eine Polizeikaserne versucht, der jedoch von den Polizisten mit der Waffe abgewehrt werden konnte. Der ftardinalerzbischof von Sevilla hak als Vorsichtsmaßnahmen die Räumung sämtlicher ftlöster ungeordnet.
Die Abendpresse beziffert den Sachschaden, der durch die letzten Unruhen entstanden ist, allein in Madrid auf über 40 Millionen Peseten; für ganz Spanien dürfte die Summe von 100 Millionen nicht übertrieben sein. In einem Madrider Jesuitenkloster fiel eine der wertvoll st en Bibliotheken den Flammen zum Opfer. Auch in Malaga fielen große Kostbarkeiten dem Pöbel zum Opfer. So der berühmte „Christus" von Mena. Die bischöfliche Sommerresiden; bei Murcia wurde von der Menge gleichfalls in Brand gesetzt.
In S e v i 11 a hat sich das Volk bis zur Erklärung des Belagerungszustandes ebenso zügellos benom-
Was plant Brüning?
In 14 Tagen.
Von unserer Berliner Redaktion.
Auch der Regierung ist inzwischen eingegangen, daß die ungeschickte Taktik, die sie m der Bearbeitung ihres Resormprogramms angewandt hat, in der Oeffentlichkeit Mißfallen erregt und einen Teil des Kredits zu verzehren droht, den gerade dieses Kabinett nicht entbehren kann. Der Kanzler hat deshalb in einer Zentrumsoersammlung angekündigt, daß es sich nur um eine Verzögerung um vierzehn Tage handle und gleichzeitig angedeutet, daß stichhaltige Gründe eine solche Verschiebung notwendig machten. Leider hat er über die Gründe selbst keinerlei Auskunft gegeben. Es kann also nicht ausbleiben, daß jeder sich einen Vers daraus zu machen sucht, und zumal die Opposition sich die ihr am besten passende Auslegung heraussucht, indem sie nämlich behauptet, bei der Beratung des Reformprogramms hätten sich innerhalb des Kabinetts so schwerwiegende Gegensätze berausgestellt, daß eine Verständigung nicht möglich sei, und daß infolgedessen nichts anderes als eine Vertagung — die gewöhnliche Verlegenheitslösung — übriggeblieben sei.
So einfach liegen die Dinge nun aber doch nicht. Wahrscheinlich ist freilich, daß innerhalb des Kabinetts ohne scharfe Auseinandersetzungen eine Einigung nicht zu erzielen sein wird, vorläufig besteht sie auch noch nicht. Aber es ist beinahe selbstverständlich, daß bei Eingriffen, die so tief in die Sozialpolitik und in die Finanz- wirtschaft gehen müssen, die Auffassungen über das Notwendige und das Tragbare sich bei den Ministern nach ihrer Ressorteinstellung und nach ihrer polisischen Oeberzeugung nicht decken, daß daher der Kanzler noch Schwierigkeiten genug zu überwinden haben wird, bis er die mittlere
men wie in Madrid. Bereits in den frühen Morgenstunden bildeten sich zahlreiche Gruppen von Hunderten von Personen, die die ftlöster zu stürmen versuchten. Als erstes wurde das Jesuitenkolleg ein Raub der Flammen; dann wurden zwei ftlöster im Arbeiterviertel Triana in Brand gesteckt; sodann überfiel die Menge die St.-Josephs- ft a p e 11 e im Zentrum der Stadt, eines der hervorragendsten Baudenkmäler des 18. Jahrhunderts, das seinerzeit als Nationalmonument erklärt worden war. Die Sl.-Josephs-Kapelle ging vollkommen in Jlammen auf. Ebenso wurde das ftlöster Buen Suceso ein Raub der Flammen. Die Menge warf Heiligenbilder und Gegenstände religiöser Verehrung in die Flammen. Um 10 Uhr wurde der Belagerungszustand erklärt. Die M ö n che und Nonnen haben die ftlöster verlassen und Zuflucht in der Stadt gesucht. Die Tumulte haben die Bevölkerung außerordentlich erregt.
Moskau beglückwünscht die spanischen Kommunisten.
Moskau über Kowno, 12. Mai. (TTl.) Die Vertretung der spanischen Sektion der Komintern hat an das Zentralkomitee der spanischen Kommunistischen Partei ein Telegramm gesandt, in dem den spanischen Kommunisten die Glückwünsche zum ersten Erfolg ausgesprochen werden. Das Telegramm sagt, daß die Arbeiter mit der Waffe in der Hand sich den Sieg erringen mühten. Die Armee Spaniens müßte in die Hand der Arbeiter, gebracht werden. — Ein Vertreter der spanischen kommunistischen Partei wird im Rundfunk der Gewerkschaften eine Rede in spanischer Sprache halten, die fürdie spanischen Arbeiterbe stimmt ist.
Linie findet. Indessen darin ist die Ursache für die Vertagung doch wohl nicht zu suchen, ein Zeitgewinn von wenigen Wochen würde nicht viel ändern. Der Knoten muh einmal durch - hauen werden, und das könnte ebenso gut heute wie in einigen Wochen geschehen.
Aber- die Regierung will offenbar noch gar nicht an die letzten Entscheidungen heran. Sie will der sozialdemokratischen Leitung auf ihrem Parteitag die Stellung der Opposition im eigenen Lager gegenüber nicht unnötig erschweren. Sie soll auch ihre Bewegungsfreiheit in Genf nicht durch die innerpolitischen Kämpfe ein» engen lassen, die aus den neuen Sparmaßnahmen herauskommen müssen. Sie will vor allem ihr Pulver nicht,zu früh verschießen. Auch der Kanzler ist sich darüber klar, daß es jetzt u m d a s Letzte geht, dah er wahrscheinlich sogar in der neuen Notverordnung die Grenze des Erträglichen überschreitet und dah er psychologisch dafür im deutschen Volke Verständnis nur findet, wenn er gleichzeitig wenigstens die Hoffnung auf eine Besserung zeigen kann. Diese Besserung aber ist nur durch die Milde r ung der Kriegsentschädigung zu erreichen, und die neue außenpolitische Aktion wird erst bei dem Besuch in E»h equers in Angriff genommen werden. Wir glauben deshalb annehmen zu dürfen. dah die Taktik, wie sie vom Kabinett jetzt verfolgt wird, darauf hinausgeht, das große Sparprogramm unmittelbar vor der Reise nach Chequers, alfo in den ersten Juni tagen zu veröffentlichen, um dann den Engländern zeigen zu können, daß damit die letzte Reserve bei uns mobil gemacht worden ist und ihnen die Notlage verständlich zu machen, aus der heraus Deutschland eine schleunige Aenderung des Vvung-Plcmes verlangen muß.


