Nr. J35 Zweites blatt
Siegener Anzeiger (Äener-ai-Anzelger für GderhesseiO
Sieitag, 12. Juni (93t
Das Rote Kreuz bittet:
Helft uns helfen! - Rottreu;tag 1931.
Wer heute hilft, sei es mit Geld oder Geldes- wert, sei es durch Einsetzung seiner Straft und Seit, gibt nicht vom Üebersluß, sondern vom eigenen Notwendigsten. Noch niemals war helfen so nötig wie heute, noch niemals aber auch so schwierig und so verantwortungsvoll. Und doch geht es heute einfach nicht ohne die Hilf« von Mensch zu Mensch unter persönlichen Opfern des einzelnen.
Die Hilfe des Staates kann nur bei vorübergehender Notlage ausreichend sein. Bei längerer Dauer kann die Verelendung durch sie nicht aufgehalten werden, wenn nicht eine freiwillige Hilfe ergänzend und ausgleichend dazukommt. Diese kann aber heute nicht mehr in einer vielfach leicht und gedankenlos betriebenen Wohltätigkeit bestehen, sondern sie muh em
bewußtes, wohldurchdachte» Dohltun sein. Die Not ist zu groß, und die Mittel sind ihr gegenüber zu gering, als daß man sie verschwenden oder falsch verwenden dürfte. Auch die freiwillige Hilfe muß organisiert, auch die privaten Mittel müssen rationiert werden.
Nicht, als ob dem Einzelnen damit der Sm puls zum Helfen in seinem engen Kreis, in seiner Nachbarschaft, bei Verwandten und Freunden genommen werden sollte, dem stillen selbstverständlichen Helsen da. wo uns Notstände unmittelbar entgegentreten, wo wir die Verhältnisse kennen und übersehen können. Wie sollten wir diese Hilfe missen wollen, in der sich am stärksten das Der- antwortungsgefühl des einzelnen dem Mitmenschen gegenüber ausdrückt und betätigt!
Aber das Geldstück, das dem Bettler vor der Tür oder auf der Straße achtlos hingereicht wird, und vielleicht gleich darauf in die Kneipe wandert, das ist nutzlos vertan und geht dem großen allgemeinen Hilfswerk verloren, ja richtet unter Umständen sogar noch Schaden an. Welch eine Summe — zusammengesetzt aus 5- und lv-Pfennigstücken — wird so aus einer Augenblicksregung und ge-
mischl aus falschem Mitleid und aus Bequemlichkeit, täglich unprvdukttv verschleudert: ein Vermögen, das, sinnvoll verwendet, genügen würde, um zahlreiche Existenzen vor dem Untergange zu bewahren, Kranke gesund. Traurige froh, Kinderaugen leuchtend zu machen, Einrichtungen und Anstalten zur Linderung allgemeiner Notstände zu errichten und zu erhalten!
Solcher wohlerwogenen Hilfe, die auch geringe Beträge einer zweckmäßigen Wirkung zuführt und den zwingenden Notwendigkeiten des Heute gerecht wird, will der jährliche Notkreuztag zum Vesten der Einrichtungen des Deutschen Roten Kreuzes dienen, der diesmal auf Sonntag, 14. Sunt, fällt. Er will den Hilfswillen, der auch in dieser Notzeit in allen denen fortleben möge, die sich noch einen Rest von wirtschaftlicher Sicherheit und Selbständigkeit bewahren konnten, zu einer
gemeinsamen Hilfstal aufrufen. Helft uns helfen" ist am Rottreuzt<»ge der Ruf des Deutschen Roten Kreuzes. Di« Spenden und Dcherflein, die zum Rottreuztage in die öffentliche Sammlung des Roten Kreuzes fließen, werden durch die weitverzweigte Organisatton des Roten Kreuzes sorgsam verteilt und den Einrichtungen zugesührt werden, die ihrer zur Erhaltung und zum Ausbau ihrer Hilfeleistungen am dringendsten bedürfen.
Ohne Unterschied der Person, des Bekenntnisses und der Partei wird aus der Sammlung allen, die Hilfe brauchen, in allen Nöten des Lebens durch Tat und Rat Beistand geleistet werden.
Die Sammlung zum Rotkreuztage ist behördlich genehmigt. Dank der ausgebreiteten ehrenamtlichen Tättgkeit in den Rvtkreuzvereinen kommt der Ertrag der Sammlung restlos den Einrichtungen des Roten Kreuzes und damit unmittelbar den Hilfsbedürftigen zugute.
SJ.-ipor/
Zeldbergfest.
Für den Mittelrheinkreis der DT. ist das 78. Feldbergsest am kommenden Sonntag die turnerische Großveranstaltung. Die Sahl von 1650 Meldungen ist Beweis dafür, daß das älteste der deutschen Bergfeste auch in diesem Sahire seine alte Anziehungskraft ausübt. Besonderem Snteresse begegnen wieder die Mannschaftskämpfe. Sum traditionellen Kampf um das Völ- sungenhorn haben sich in diesem Sahre neun Mannschaften gemeldet, drei mehr als im Vorjahre. Verteidiger ist Tv. 1860 Frankfurt a. M. Sn der Sahn-Staffel wird Tgm. Fulda ihren Preis gegen fünf Mannschaften zu verteidigen haben. Der Mtv. Gießen, der vorjährige Sieger in der Emanuel-Schmuck-Staffel, sieht in diesem Sahre neben sich am Start die Manw- schäften der Vereine: Tvg. Kirn, Tgm. Rödelheim. Tbd. Wiesbaden. Eintracht Frankfurt a. M., Tv. Hofheim, Tv. 1817 Mainz, Tv. Ober-Ursel, Tv. Weilburg und Tv. Neu-Ssenburg. M t v. Gießen hat auch den Brunhildenschild mit seinen Turnerinnen au verteidigen, und zwar gegen Tv. 1 8 46 Gießen, Tv. 1817 Mainz und Tbd. Wiesbaden.
Handball der Siadimannschast.
Kampf gegen die Vataillonsmannschafl.
Zum Rückspiel tritt die Städteelf am kommenden Montagabend auf dem VfB-Platz gegen die Ba-
taillonsmannschaft an. Das Dorspiel konnte die Stadtmannschaft nach hartem Kampfe 4:3 gewinnen. Auch diesmal ist infolge der ziemlich ausgeglichenen Spielstarke ein interessantes Treffen zu erwarten, das seine Anziehungskraft auf das Gießener Publi- ,kum sicher nicht verfehlen wird. Die Stadtmannschaft bestreitet das Spiel in folgender Aufstellung: Balser; Geismar, Mohr (To. 1846); Geiß, (Spvg. 1900), Malkomesius (Mtv.), Pfeffer (Tv. 1846); Kaiser (Spvg. 1900), Stremmel (Mtv.), Wolf (Spvg. 1900), Rothermel (Mtv.), Schüler (Mtv.).
Regatta des Waffersportverbandeö in Gießen.
Veranstalter: wspv. „Hellas" e. v. 1920.
Der Deutsche Wassersportoerband. Gau Süddeutschland, hält am Sonntag, 14. Juni 1931, unter Leitung des Wassersportvereins „Hellas" 1920 seine Regatta am Felsen ab. Es liegt eine große Zahl Meldungen auswärtiger Vereine vor. Rach den Meldungen beteiligen sich 14 Verbandsvereine (Frank- furta. M., Offenbach, Mannheim, Mainz, Fechenheim, Bürgel, Schierstein bei Wiesbaden ufw.), die mit 2 5 2 Ruderern und 55 Booten zur'Regatta starten. Es ist besonders auf die Süddeutschen Meister im Einer hinzuweisen, die sich einen spannenden Kampf liefern werden. Während der wassersportlichen Darbietungen findet Konzert statt. Die Vorrennen beginnen ab 9 Uhr, die Hauptrennen um 14.30 Uhr.
Spielvereinigung 1900 Gießen.
Spo. 1900 — VfR. Butzbach.
Die Ligamannschaft der Spielvereinigung 1900 benützt den letzten Tag vor der großen Sommer- spielpause dazu, um gegen die 1. Mannschaft des -ÜfR. Bugbach ein Rückspiel auszutragen. Das Vorspiel in Butzbach, das erst vor 14 Tagen ftattfanb, konnten^ die 1900er mit 4:2 gewinnen. S®ar wurde dieser Sieg überzeugend errungen, es bedurfte aber doch des Einsatzes aller Kräfte, wenigstens in der ersten Halbzeit, das Feld zu behaupten. Wenn auch die Butzbacher in der zweiten Hälfte ihrem Tempo zum Opfer fielen, so darf das für die 1900er noch kein Grund sein, den Gegner leicht zu nehmen. Vor allem der Butzbacher Tormann ist seiner Mannschaft ein Rückhalt, der nicht zu unterschätzen ist. Außerdem ist nach der wenig schonen Niederlage gegen Dillenburg wieder ein Sieg fällig.
Da die 1. Fugend am Sonntagnachmittag die lA«9ugenb von Eintracht Frankfurtzu Gast hat, wurde das Spiel gegen Butzbach auf den Samstagabend verlegt.
Oer erste Segelflug über die Alpen.
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Groenhoff» Segelflug vom Iungfraujoch war höchst gefährlich.
Der erste Segelflug vom Sungfraujoch, den der deutsche Pilot Groenhoff am Mittwoch ausführte, ist, wie er dem Präsidenten des Baseler Aero- Klubs und Redakteur der , National-Zeittmg" Dr. Dietschi erzählte, doch nicht so einfach verlaufen. Groenhoff ist das Höhensteuer abgebrochen und bei starken Winden mußte er aus einer Höhe von etwa 3600 Dieter mit lahmen Segler hinunterfliegen. Snsolge des weichen Schnees tarn das Flugzeug beim Start nicht los. Auf einer Seite wurde *u spät losgelassen, so daß der Segler unregelmäßig hochkam und wieder auf- fchlug, so daß ein leichtes Loch am Rumpf entstand und zugleich das Höhenfteuer abbrach. Das Flugzeug aber segelte sofort weiter und stürzte in die Tiefe. „Mein erster Gedanke war sofortiger Absprung. Es war aber nicht möglich, aus der kleinen Koje herauszukommen. Su meinem Schrek- kon stellte sich mein „Fafnir" auf den Kopf. Nach raschem und steilem Fall 45 Grad nach unten gelang es mir, über der Scheidegg das Augzeug wieder in die richtige Lage zu bringen, aber gleich trudelte die Maschine nochmals ab unb md>t weniger als zehnmal rutfd>te ich noch nacheinander ab. Sn 400 Meter Höhe bekam ich die Maschine wieder etwas besser in die Hand, und als ich zur Landung ansetzen fornite, betrug die
Geschwindigkeit immer noch 100 Meter. Es gelang mir aber, den Apparat gut auf den Rasen des Flugplatzes Snterlaken aufzuseyen. Es war ein sehr schwieriger Flug."
Sportverein 1928 Garbenteich.
Die 1. Fugend des Sportvereins 1928 empfängt am Sonntag die gleiche des Sportklubs 'Nauborn (Kreis Wetzlar) zum fälligen Berbandsspiel. Die Gäste, die einen guten Rus haben, werden alles daransetzen müssen, wenn sie ehrenvoll abschneiden wollen. Die Jugend Garbenteichs spielt in stärkster Ausstellung. Die 1. Mannschaft fährt am Sonntag zum Sportfest nach Oberroßbach (Kreis Dillenburg).
Handball im Lahn-Oünsberg-Gau.
Tv. Lrda I — 1. Komp. 15. Inf.-Regl. Gießen 2:11 (1:7).
Der Platzverein konnte diesmal ein von vielen Zu- schauern mit größtem Interesse verfolgtes Spiel zeigen. Die ersten 12 Minuten verliefen beiderseits ohne Torerfolg, bis es den Gästen gelang, in Führung zu gehen. Die Einheimischen konnten durch einen geschickten Wurf sofort ausgleichen, mußten aber bis zum Torwechsel noch mehrere Male zusehen, wie der Ball ihre Torlinie passierte. Fn der zweiten Halbzeit sah man ebenfalls ein faires und flottes Spiel, das für die Gäste drei weitere Erfolge zeitigte, jedoch auch dem Platzverein ermög- lichte, den Ball zum zweitenmal ein sicheres Ziel zu sehen. Ein letzter Treffer der Gietzener führte zu obigem Ergebnis.
Faustballrunde der Universität.
Die Ausschreibungen für die diessemestrige Faustballrunde zeitigte ein ausgezeichnetes Meldeergebnis. Es beteiligen sich 17 Korporationen mit 19 Mannschaften, so daß eine Einteilung in drei Spielgruppen sich notwendig machte. Die Montaggruppe, die ihre Spiele soweit beendet hat, sieht ATD. Rheinfranken I und eine Mannschaft der Freistudenten auf den besten Plätzen. In der Mittwochgruppe, die ihre Spiele schon abgeschlossen hat, steht Turnerschaft Hasso- Nassovia I in vier Spielen mit acht Punkten an erster Stelle vor der Burschenschaft Frankonia mit sechs Punkten. Die Samstaggruppe, die ihre Spiele noch abwickelt, führen Reformverbindung Adelphia und Nassovia im KV. an. Die zwei ersten Sieger der Montag, und Mittwochgruppe und die drei ersten Sieger der Samstaggruppe werden in besonderen Runden den Universitätsmeister ermitteln. Dieser wird dann die Universität Gießen bei den Südwestdeutschen Hochschulmeisterschaften in Freiburg am 4. und 5. Juli 1931 vertreten.
BezirlSturnfest des 4. Bezirks der OT. in Grebenhain.
Das diesjährige B^irksturnfest des 4. Bezirks fand am Sonntag in Grebenhain statt. Schon am Samstagabend waren viele Teilnehmer cinge- troffen. Um 7 Ufjr versammelten sich über 50 Kampfrichter zu einer kurzen Beratung. AbendS turnte die Dezi rkswerbe liege und die Damen- abteilung von Lauterbach auf dem Festplatz. Nach einem Feldgottesdienst begann das Wetturnen. Dazu waren ungefähr 250 Turner und Turnerinnen angetreten. Der Turnverein Grebenhain hatte unter Leitung seines Turnwarts, Lehrer Gustav Hvf mann, eine glatte Abwicklung der Kämpse ermöglicht. Üm 1 Ähr bewegte sich ein stattlicher Festzug durch die Straßen des Ortes.
Auf dem Festplatz hieß der Vorsitzende die Gäste herzlich willkommen. Weiter sprach noch der 1. Dezirksvertreter, Guntrum, Schlitz, über Sweck und Siele der Deutschen Turnerschaft. Sodann wurden unter Leitung der Bezi.. iurntoarte Dastian und Bücking die allgemeinen Freiübungen ausgeführt, die sehr gut gefielen. Es folgten dann Sonderkämpfe in Speerwerfen und Hochsprung. Leider wurden die Leistungen d»irch die Kälte und heftig« Regenschauer stark beeinträchtigt. Sm Anschluß an die Wettkämpfe wurde zur Preisverteilung geschritten.
Nachstehend einen Auszug aus der Siegerliste:
Oer mutige Seefahrer.
Die beschwerliche Lchiffsreise vor hundert Jahren.
Di« verführerischen Angebot« für Seereisen auf den modernen Luxusdampfern flattern jetzt wieder ins Haus, und man erkennt schon aus den Prospekten die idealen Lebensbedingungen, die uns hier auf hoher See gewährt werden. Viele Reisende, die einmal eine Fahrt auf einem solchen Dampfer gemacht haben, sind der Ansicht, daß der Aufenthalt auf dem Schiff an Bequemlichkeit, Behagen und Eleganz selbst den im besten Landhotel übertrifft. Welch ein Wandel in einem Sahrhundert! Sur See gehen dünkte damals den gewöhnlichen Sterblichen als eine Art Selbstmord; niemals hätte er ein« solche Fahrt zu seinem Vergnügen unternommen, und Schiffsreisen wurden nur von Kaufleuten angetreten, die vorher ihr Testament machten, oder waren das Vorrecht kühner Abenteurer und leichtsinniger Taugenichtse. War man doch viele Wochen, ja Monate unterwegs; so dauerte eine Fahrt von Le Havre nach Reuyorl zum Beispiel sechs Wochen. Erstaunliche und ergötzliche Einzelheiten über die Vorbereitungen und Ausrüstungen für ein« solche Reise werden uns in dem ..Passagier auf der Reise" des Geh. Kriegsrat Reichard, einem seinerzeit weitverbreiteten Reisehandbuch, mitgeteilt, und daß seine Angaben auf Richtigkeit beruhten, hat uns die neuere Forschung bestätigt. Sehr vorsichtig mußte man schon in der Auswahl des Schiffes und des Schiffskapitäns sein. Selbst auf Landseen soll man sich vorher das Fahrzeug gut ansehen. ..Sm Sahre 1817“, schreibt Reichard, „lief ich Gefahr, auf der Fahrt von Kostnih nach Mörsburg (Konstanz nach Meersburg) zu verunglücken, weil ich unterlassen hatte, vorher das Schiff in Augenschein zu nehmen, das für meinen Wagen und Pferde zu eng war. Nach dem Schiffskapitän muß man sich erkundigen.- weil man die ganze Seit der Reise auf seine Gesellschaft beschränkt und seiner Führung anoertraut ist. Wenn es ein vernünftiger, gesellschaftlicher und gutartiger Mann ist, so wird man desto glücklicher reifen. Wenn er aber anders ist, vor allem dem Trunk ergeben, dann wird man eine Hölle bei ihm finden."
Bei einer längeren Reise soll der Passagier nicht vergessen, „sich ein Bett in der Kajüte ausdrücklich auszubedingen, damit er sich, wenn er
seekrank wird,, niederlegen könne;" auch muh et daraus halten, daß sein Gepäck in den Schiffsraum gebracht wird und nicht auf dem Verdeck bleibt, weil es sonst nah wird sowie erbrochen und gestohlen werden kann. Die D e r p.r o v i a n- 1 ie tu n g ist bei kleineren Seereisen nicht so wichtig, denn nach der Erfahrung des Verfassers ist der Reisende doch meist seekrank und dann ..ekelt ihn ohnehin vor aller Speise." Aber wenn die Seefahrt nur einige Tage dauern soll, dann möge er sich Nahrungsmittel für ein paar Wochen mitnehmen, „weil man nie weih, was einem auf der See zustohen und ob man dort nicht einige Wochen oder gar einige Monate zubringen muh." Das Essen auf den Schiffen ist meist sehr schlecht, denn seine Subereitung wird dem schlechtesten der Matrosen überlassen, und so sind die Spesen „für einen Mann von etwas feinerem Geschmack sehr ekelhaft und kaum genießbar“ Wenn man eine eigene und gute Küche führt, hat man auch den Vorteil, den Kapitän bisweilen zu Gast bitten zu können und dadurch sein Wohlwollen zu gewinnen. Da die Matrosen tagen: „Gott gibt Speise, aber der Teufel kocht", muh ein Reisender sein eigner Koch fein. Reichard zitiert die Ratschläge des Amerikaners Franklin, der dem Passagier empfiehlt, sich u. a. mitzunehmen: 1. gutes Wasser, 2. guten Tee, 3. gemahlenen Kaffee, 4. Wein von einer guten Sorte, 5. Rosinen und Mandern. 6. in Fett geschmolzene Eier, 7. geistige Getränke, 8. ■ Sitronen und Suder. 9. Brot, 10. tragoare Suppe oder Suppenkuchen. Auherdem soll er sich aber auch von einer kleinen „Arche Noah“ begleiten lassen. Lebende Hammel und Hühner eignen sich weniger dazu, denn sie werden leicht seekrank, nehmen ein trauriges Wesen an und magern sichtlich ab, i° dah sie beim Schlachten nur einen sehr zähen und harten Braten liefern, besonders die Hühner schmecken „wie gegerbtes Leder". Dagegen sind die Schweine diejenigen Tiere, die die Anstrengungen einer langen Seereise am besten aushalten, und es ist ratsam, sich mit einer hübschen Anzahl dieser Rujfelträger zu versorgen um stets frisches Fleisch auf dem Meer« zu haben. Dazu kommen noch allerlei Küchengeräte, wie: eine Spirituslampe, eine Bratpfanne, einer kleiner blechener Drcttofen. der mit der offenen Seite gegen das Feuer gesetzt wird usw. 2Mes. was der Reisende mitnimmt, muh verschlossen und gut verwahrt fein, sonst wird es gestohlen."
Nun stell« man sich den unerschrockenen Seefahrer vor 100 Safjrcn vor, wie er an Bord
an langt, mit seinem Ofen und Bratpfannen, feinen Säcken voll Mundvorrat, seinen Hänge- matten und Matratzen, seinen Hühnerkäfigen, seinen wehmütigen Hammeln und seinen luftigen Schweinen, und wie er sich mit all diesem Gewimmel um ihn nach Möglichkeit auf dem schwimmenden Haus einzurichten sucht. Und wieviel hat er zu tun, da er selbst für feine Tiere sorgen muh. sich sein Essen zubereitet und sich mit der Mannschaft gut zu stellen sucht, weil sonst das Leben unerträglich wird; er lädt den Kapitän zu Tisch ein und gibt ihm von seinem Tabak, er erzählt den Matrosen luftige Geschichten, damit sie ihm keine schlimmen Streiche spielen. Auherdem soll er nach dem Rat des Reiseführers alle Pfropfen der ausgeleerten Flaschen sorgsam sammeln, um sie für den Fall benutzen zu können, dah das Schiff untergeht, damit er sich mit Hilfe dieser Pfropfen „einige Wochen lang“ über Wasser halten kann. Gegen die Krankheiten, die auf den Schiffen wüten, schützt er sich nach Möglichkeit durch Reinlichkeit, eine gute Diät und ständige Bewegung in frischer Luft, und wenn es Kranke bereits an Bord gibt, dann soll er sich davor hüten, „jemals seinen Speichel zu verschlucken", weil in ihm Krankheitskeime enthalten sein können.
Hochschulnachnchten.
Der Prioaldozent Dr. Hermann Heimpel in Freiburg i. Br. hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der mittelalterlichen Geschichte an der dortigen Universität vom 1. Oktober 1931 als Nachfolger des nach Berlin berufenen Professors E. Caspar angenommen.
Der durch die Emeritierung des Geheimen Hofrats Professor Oltmanns an der Universität Freiburg i. Br. frei gewordene Lehrstuhl der Botanik ist dem ordentlichen Professor Dr. Kurt Noack in Halle angeboten worden.
Ddm Direktor der Universitäts-Augenklinik in Jena. Professor Dr. Walther Löhlein, ist der durch das Ableben des Geheimen Hofrats Professor Axenseld an der Universität Freiburg erledigte Lehrstuhl der Augenheilkunde angeboten worden.
Zur Wiederbesetzung des durch die (Emeritierung des Geh. Kirchenrats Professor Bauer an der Uni- versitat Heidelberg erledigten Lehrstuhls für praktische Theologie ist ein Rus an Professor D. Re- natus Hupseld in Rostock ergangen.
Marburger Elisabeth-Ausstellung.
Die vom M a r b u r g e r Museumsverein aus zlnla^ des Elisabety-Gedächtnisjahres Deranftaltete Ausstellung von seltenen historischen und künstlerischen Dokumenten und Reliquien zum Leben der Heiligen Elisabeth wurde dieser Tage im •Beqcin eines kleinen Kreises geladener Gaste eröffnet. Der Direftor bes kunstgeschichtlichen Seminars an der hiesigen Universität, Professor Hamann ®‘*s *n le"" Eröffnungsansprache u. a. auf die enge Verbundenheit Marburgs mit der großen Heiden hm, deren Spuren man hier überall antreffe. Der Sinn der Ausstellung, die naturgemäß nur einen beschrankten Raum aufweisen kann, sei der, fich tue-
an schonen Dingen zu erfreuen, sondern sich zu tiefer Besmnuna anregen zu lassen. Die Ausstellung zeigt einen großen Teil der Gegenstände und Doku- mente, die aus dem Leben der Heiligen Elisabeth erhalten geblieben sind. Bor allem sind zu ermähnen öer roertDoUe aus öer Elisabethkirche stammende ge- mebte Teppich, auf welchem das Gleichnis vom verlorenen Sohn in acht Bildern dargeftellt ist. Er ent- mln? rumm f?ar?r und fällt durch seine monumentale Gestaltung besonders auf. Daneben der um Ine gleity? Seit entstandene 7 X 4,60 Meter große '.Eblabeth - Teppich aus dem Kloster Wienhausen bei Celle, der in vielen zierlichen und naiven Bildern m seinem oberen. Teil das Leben der Heilten Anna, in seinem unteren Teil das lieben der Heiligen Elisabeth darstcllt. Eine große Zahl
^,{tt£^LtCdSer Handschriften behandeln rcrr ? L e Weiter bemerkt man kostbare WA^ iqmen aus den Domen zu Fritzlar und Halberstadt em Original-Fresko der Heiligen von D- Schwind, eine Almosentafche Elisabeths, hUe QUS Fritzlarer Dorn-
schätz, die Elisabeth angefertigt haben soll, wertvolle ^eidengewebereste aus dem Elisabethschrein, die Totenschilde aus der Rittergruft in der Elisabeth« tirdje, um das Jahr 1250 angefertigte Glasmale- reien aus der Elisabethkirche usw. Eine zweite 2lb- teilung ber Ausstellung gibt schließlich einen lieber- bhd über neuere Elisabethdokumente und Literatur Sr? 1.521f !"s zur Gegenwart. Der kostbare Elisabethschrein selbst ist in der Elisabethkirche zu besichtigen. Den Besuchern der Ausstellung, die bis zum November d. I. täglich geöffnet ist, sei auch eine Besichtigung der übrigen im Museum vorhan- denen wertvollen Kunstgegenstände und Gemälde empfohlen, darunter die erst kürzlich fertiggestellte Abteilung „Das Bürgerhaus innen und außen", das für den Beschauer eine Fülle von Sehenswertem bietet, .


