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fit. 185 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Montag. 10. August 1951

polen und die deutsche Krisis.

2-s schuldet der Welt nmb 10.3 Milliarden Zloty, darunter 3.7 Milliarden an die Bereinigten Staa­ten. 1,2 Milliarden an Deutschland und nur 1L Milliarden an Frankreich. 3ft diele Schuldenlast

Don unserem Warschauer D. 8.-Korrespondenten.

Warschau. August 1931.

Sollte sich ein deutscher Minister mit einem Kranken über den Absatz von Burgunderin in Deutschland oder mit emcm arntl-.chen »nglan- der über die Heringstischerei m der Bords« un- terhalten so können toir gewth 1cm. daß dte pol­nischen Blätter von einer Bedrohung de» Korridor» sprechen werden. GS gibt sur den Polen keinen Zu'ammenhang, in den der Korridor nicht hineingehörte Der Korridor ist das schlechte Gewissen, aus welche» Polen sein Haupt gebettet hat Polen leidet an unruhigem, von Alpdrücken geplagtem Schlaf. Seitdem nun aber deutsche Minister in Paris und London ge­wesen Unb. ohne daß man sie aus Schritt und Tritt beleidigt und gedemütigt hättze. seitdem englische Staatsmänner Berlin besuchen und französifche ihr Kommen in Aussicht gestellt haben, ist Polen vollend» au» dem Häuschen geraten.

Polen farm überhaupt nicht» tun. wa» nicht schliehlich sür seine Zutun!t gefährlich wird. Ver- hält man sich in Warschau still und friedlich, wird man nicht beachtet dann entsteht in London oder Washington vielleicht der Eindruck. Polen werde mit einer Revision zufrieden sein. Lärmt man, Lässt man in allen Tonarten, so erschrickt die Welt und überzeugt sich immer mehr von der Rotwendigkeit einer Grenzrevisivn.

Inzwischen ist Polen gerade durch die Derbun denheit mit der deutschen Krisi» auch seinerseits bedroht. Oeko- nomisch ist e» ja viel abhängiger von Deutschland als umgekehrt. Das deutsche Boll braucht sein Ge­treide und seine zusätzliche Fleischeinfuhr nicht auS Dolen zu beziehen. Polen muh aber nach Deutsch­land verkaufen. Das liegt an der Verkehrsgeo­graphie. Polen hat erhebliche AuSlandf-chulden.

auch nicht übermäßig doch so muh sie doch, zumal 40 Prozent davon auf den Staat entfallen, verzinst werden. Die Preisentwicklung für Polen» Gr Porte ist aber rückläufig. Zinsen, die früher leicht be­zahlt werden konnten, erweisen sich heut» als Last. Es läßt sich noch gar nicht übersehen, ob Polen seine Getreideüberschüsse, seine Agrarproduktion, überhaupt los werden famt Die Krisi» ist heute erst schleichend. Sie wird wirklich -um AuSdruch kommen, wenn die 6mte eingebracht ist, und wenn e» sich darum handelt, den Ueberschuh Io» zu werden.

Wenn in Warschau verständig regiert würde, so läge auch hier ein Anlah zur Versöhnung mit dem Rachbarn. Solange es aber lohnt. Haß- gefänge vorzutragen, so lange die Welt hohe (Kn- tritt »gelber bezahlt um he zu hören, wird in Warschau kein vernünftiges Wort gesprochen wer­den und kein vernünftige» Wort Gehör finden!

All da» hat seine lustige, aber dazu eine ver­teufelt ernste Seite, und e» ist nicht ganz einfach die Spreu vom Weizen zu trennen. 2m grober Teil der polnischen Oefsentlichkeit ist, wie der Ber­liner lagt au» den Pantinen gekippt. Ste über­schlägt sich .Die deutsche Freiheit ist gren-enlo». Deutschland schreit nach Geld, da e» angeblich sinkt, droht aber mit dem Kolben, den e» auf den Kopf niedersausen läßt so äufoerte sich per .Kurier Poranny". der bi» vor kurzem regte- rungSvfsiziöse Ansichten widerspiegelte. Der .Kurier War»zawlki" wieder rechnet mit einer Hitler-Regierung in Deutschland. Die .©ascia Warszawika" verlangt von der polnischen Diplv- matie, sie solle eineAare, harte und ruMtchts- lofe Sprache führen." Die .Gazeta Polsla Jagt: Deutschland» Gewinn wäre ein Fiasko der Welt- politck. der Trumpf der Erpressung muffe ge- ftvchen werden."

Andere Blätter sind in der Form gemäßigter, in der Sache aber ebenso scharf. Sie Gelegenheit zu Erpressungen ihrettett». Je schiech- ter die deutsch-französischen Beziehungen sind, um so besser für Polen. Sie können nach hiesiger Jitet- nung gar nicht schlecht genug sein. Die fmanz.elle Rotlage de» Deutschen Reiche» wird denn auch unverhullt zur Empfehlung eine» Kuhhandels be­nutzt Deutschland solle, da» hofft Polen, ein für alle Mal zum Verzicht auf eineGrenz- änberung im Osten veranlaht werden.

In Polen sühlt man natürlich ganz deutlich daß die Bedeutung Polen» für die Internationale Politik geringer ist, als die de» Deutschen Rei­ches. In Warschau weiß man, daß man bei einer wirklichen europäischen Ver­ständigung hinten herunterfallen wird. Man kann nur, solange man sich mißliebig macht, etwa» im Sinne der heutigen französischen Politik bieten. Darum spielt man die Rolle de» wilden Manne» gerade bei Gelegenheiten, wie sie jetzt vorhanden sind, mit doppeltem Rachdruck. Die Unterschiede in der Haltung der Presse der verschiedenen Grup­pen sind dabei belanglos. Das Ausdrucksmittel der einen ist die Pauke, das der anderen die Flöte, die Melodie ist die gleiche. Und das politische Ziel der Deutschenhetzc ist klar. Als ultima ratio er­strebt man einen Zustand der latenten ober offenen Kriegsgefahr. Man will in Warschau die Weltöffentlichkeit nach Möglich'eit erschrecken. Die Frage ist aber, ob die Kriegsgefahr, die man vor­zutäuschen trach et, auch tatsächlich vorhanden ist. Diese Frage ist zu verneinen. Polen will selbstver­ständlich keinen Krieg. 3m Kriege wären alle Gefahren auf polnischer und alle Hoffnungen aus deutscher Seite. Dann würde nämlich der Korri­dor die Kriegsursache sein, und würde er das. so wäre sein Schicksal, gleichviel wie der Ausgang de» Krieges fein mag, besiegelt: er würde nicht wieder an Polen fallen. Ein anderes ist es aber, wenn Polen ohne ernsthaften Konflikt seine Grün­der nur ängstigt, ferne Gründer, die ebenfalls kei­nen Krieg führen können. ______________

Oie wissenschaftliche Ausbeute der Arktisfahrt des Zeppelin.

Or. Eckener über die geographische Erkundung des Eismeers.

lieber die Fahrt des Luftschiffe»Graf Zep­pelin" in der Arkti» hat Dr. Eckener nunmehr interessante Angaben gemacht, aus denen wir fol­gendes hervorheben: Die Fahrt führte von der Halbinsel Kanin direkt nach Franz-Io- fephs-Land, das vom Kap Flora bis zum Kap Fligely in feiner ganzen Länge überquert wurde, von dort etwa auf dem 82. Breitengrad entlang bis nördlich von dem noch halb sagen­haften Rordland, da» dann in seiner ganzen Länge übersahren wurde, weiter bis zum östlichen Zipfel des Taymir-See» auf der Taymir- Halbinsel und von hier aus ziemlich ge­nauen westlichen Kurs bis Dickson-Hasen, an der Mündung de» Jenissei, endlich von hier bis zur Rordspitze von Rvwaja Semlja und in grö­ßerer Höhe über die Gletscher und Gebirgszüge der Rordinsel bis Matotschkin-Sund, durch diesen und quer über die Südinscl und bann nach bet Halbinsel Kanin zurück. Da» große Viereck zwi­schen Rvwaja Semlja, Franz-Josephs-Land und Rordland wurde also aus seinen Grenzlinien um­fahren.

Es konnte festgestellt werden, dah Daher und Weyprecht vor nunmehr 60 Jahren unter den schwierigsten Verhältnissen und durchweg zutref­fender und mustergültiger Weise die Hauptum­risse des südlichen Franz-Iosephs-Land festge­legt haben. Das Gebiet im Rorben von Franz- IosephS-Land konnte aus einer Höhe von 1100 Meter photographisch genau festgelegt werden. Auf der Fahrt von Kap Fligely bis nördlich von Rordland ergab sich einwandfrei, daß nörd­lich und südlich dieser Route sich neue, noch un­bekannte Inseln nicht befinden. Mit der Rord- spitze von Rordland scheint die nördlich ste Erstreckung des asiatischen Festlan- des unter etwa 81,5 Grad nördlicher Breite er­reicht zu fein. Rordland besteht aus zwei In­seln, einer kleineren südlichen und einer größeren nördlichen. Die letztere ist in großartiger Weise übergletfchert und von Gebirgen von etwa 1200 Meter Höhe durchzogen. Die Westküste ist buch­tenreich mit steil abfallender Eiswand. Auffal­lend war dasungeheuerfestzusammen- geschobene Eis, das selbst um diese Jahres­zeit zwischen Rordland und dem asiatischen Kon­tinent lag.

Aus der Ta h m i r - H a l b in sel wurde die säst unbekannte östliche Halste besonders ausge- kundschastet. Es ergab sich, dah nördlich und öst­lich deS langgestreckten Taymirsces sich eine große Bergkette mit Höhen bis zu 1400

Meter hinzieht. Die Ausnahmen werden inter­essantes Material von diesen entlegenen Gegenden bringen, die bisher nur ein Forscher durchquert hat. Die Ueberquerung der Rordinsel von R o - waja Semlja ergab eine ungeheuere Vergletscherung dieser Rordinsel in ihrer ganzen Länge, wohingegen die Südinsel kein In­landeis zeigte, abgesehen von Gletschern, die von den GebirgSstöcken herunterkommen.

Heber die meteorologischen Beobach­tungen sagte Dr. Eckener, daß da- Lustschiff in allen Höhen verhältnismäßig hohe Tem­peraturen angetroffen habe, in der normalen Fahrthöhe von 500 Meter 6 bi» 7 Grad Wärme, in Höhen bis 1200 Meter sogar bi» 8,5 Grad Wärme. Im Hochsommer ist also die Atmosphäre auch hier start erwärmt. Die Feuchtigkeit der Atmosphäre war relativ außerordentlich ge­ring, bis zu 10 bis 12 Prozent. Rur in der niedrigen Rebelzone, unmittelbar über dem Was­ser, war e» kühler. Die Fahrt verlies sehr an­genehm, über dem Rebel und den niedrigen Wol­ken erstreckt» sich ununterbrochen blauer Himmel. Das Luftschiff hat erfolgreich eine Schlechtwetterzone an der Barents-See durch­brechen und in ein Schönwettergebiet einfliegen können. Der Ansicht, als ob die Arktis ein be­sonders günstiges Gebiet für die Luftfahrt und als ob Luftfahrzeuge das geeignetste Instrument für die wissenschaftliche Erforschung der Arktis seien, tonne man freilich nur mit gewissen Vorbehalten beipflichten, da das Luftschiff diesmal sehr günstige Vorbedingun­gen getroffen habe. Es wäre twch festzustellen, wie sich die Bedingungen in anderen Jahreszei­ten gestalten. Rebel und Wolken, die bis 80 Meter über den Wasserspiegel herabreichten, können eine ergebnisreiche Forschung mit dem Luftschiff nur allzuleicht ausschließen.

Talen für Dienstag, 11. August.

Sonnenaufgang 5.04 Uhr, Sonnenuntergang 19.56 Uhr. Mondaufgang 1.09 Uhr, Monduntergang 19.05 Uhr.

1778: Turnvater Friedrich Ludwig Jahn in Lanz geboren; 1813: Oesterreich erklärt Frankreich den Krieg; 1904: die Herero am Waterberg entschei­dend geschlagen; 1917: Beginn der 11. (letzten) Zsonzofchlacht; 1919: Verkündigung der Weimarer Verfassung; Andrew Carnegie in Stockbridge ge­worben.

Nacht im August.

Don 'Oiemar Moering.

Seltsam ist es, des Nachts über Land zu gehen. Im August, wenn die Tage sacht schon zu welken beginnen, das Korn schon zu gelben Garben ge­bunden und in Mandeln gerichtet auf stoppelharlen Aeckern der Einfahrt harrt, wenn in blutrotem Abend die Erntewagen hochgelürmt und mit knarren- den Achsen unter goltmer Last über die Feldmark schwanken, die Fische seltsam stille stehn in den dürstenden Bächen und das Wegekraut schon grau geworden ist unter trockenem Staub.

Dann auszudrechen, nach Dunkelwerden, hinaus- zutreten auf die große Straße, die das Land über­quert, wandernd Schritt vor Schritt zu fegen und einzugehen in die Nacht, die warm dein Antlitz be­rührt und voll wirrer Schwere und süßer Trauer ist.

Denn größer sind keine Nächte, als die des August, wenn die Sonne auf ihrer sinkenden Bahn dem mächtigen Bilde des Löwen begegnet, bie schweifen­den Schwärme der Sternschnuppen in schweigsam jubelndem Spiel ihre blitzenden Spuren über das Firmament jagen und die Horizonte unter ihrem feurigen Regen verzaubern, wenn das Heu warm in den «tadeln duftet und die Nessel mannshoch in den Gräben brennt.

Du schreitest die Alleen entlang, aus deren schwarzen und vollen Bäumen frühe Früchte zu­weilen zur Erde tropfen, ein säumiger Wind fängt den einsamen Schall deiner Schritte und entführt ihn hinter den starrenden Wall der Weißdornhecken, Staub quillt weich unter deinem Fuß, Nachtschatten sendet abenteuerlichen Wohlgeruch. Der Balken eines Ziehbrunnens ragt steil ins Dunkel wie ein Wächter in der weiten Ebene der Felder, der nächtliche Schrei eines Vogels schreckt dich.

Schwermut überfällt dich und Trauer. Denn es fühlt das Herz zuzeiten, wie nah dies alles schon dem Abschied ist, daß die Nächte nun mählich tiefer werden und dunkler, finsterer unter den Gezeiten des Nordens, daß die Zeit der Erfüllung nicht mehr ferne sei und die glückliche Stunde dieses Sommers bald dahin. Immer müssen wir Abschied nehmen, und nichts bleibt unseren späten Tagen, als vielleicht der schmale Glanz der Erinnerung, dem stillen Licht einer Kerze vergleichbar in dunklem Gemach.

Spitz wie eine Nadel sticht der Turm einer Kirche gegen Dan Himmel, und vor dir erwachsen mäßig und breit aus dem Dunkel die niederen Häuser eines Dorfes. Ein Hund schlägt an, da dein Schritt durch

die enge Gasse hallt, ein anderer antwortet, und lautend läuft das Gebell der Tiere von Gehöft zu Gehöft, auf und niederfchwellend in wachsamer (Er­legung, und erst langsam in der Nacht verebbend. Doch geleitet dich ihre heimliche Unruhe, lautlos huschen sic über die Höfe, scharren kratzend am (Be­halt der schweren Tore und ihre spitzen und feuchten Nasen stoßen gierig schnuppernd unter die Spalten der Iirren und saugen den scharfen Geruch deiner Fremdheit ein. Schwarz sind die Höhlungen der jenfter, und hinter ihnen spürst du den Schlaf der Bauern, mächtig lastend über dem ganzen Dorfe gleich dem ausgebreiteten Flügel eines riesigen und dunklen (Engels, verwunschene Sphäre, in die du störend dich drängst. Schwer und tief ist der Schlaf dieser Menschen wie die Arbeit ihrer Tage. Eine Fledermaus geistert in zackigem Fluge oorüber^und eine Kuh schnauft satt und bumpt aus einem «tall.

Ein Brunnen begegnet dir auf dem Anger mit der heimlich süßen Melodie eines alten Liedes aus dem Volke. Du steigst die Stufe zu ihm empor, du neigst dich über den bemoosten Rand seines Beckens. Aus feiner liefe blicken Sterne dich an, wundersam, verweilst eine kleine Stunde, lauschend dem ein­tönigen lieblichen Singen des Wassers. Sterne rieseln auch aus dem Brunnenrohr, deine gehöhlte Hand fängt ihr Geleucht in irdischer Schale, und deine Lippen trinken ihre kristallene Klarheit.

An Gärten vorbei, aus deren Dickicht verworren der Duft spater Rosen herüberschläat, vorbei an Hecken, in deren' Gezweig noch das Vicbcsgeflüfter abendlicher Paare verwehend flattert, an Zäunen, hinter deren Latten wie silberne Kugeln die «amen- flocken des Löwenzahns auf niederen Stielen schim­mernd sich wiegen vorbei an den eseuumwucherken Trümmern eines verfallenen Gemäuers, und nun wächst Wald vor dir empor, steil, eine finstere und schweigsame Wand, hinter deren Toren Geheimnis­dunkel dir winkt.

Eintrittst du, von leisem Wind bewegte Wipfel schlagen stumm und schwarz über dir zusammen wie die sanfte Woge eines ruhenden Meeres. Unhörbar gleitet dein Schritt über nadelbedeckten Boden, un­hörbar gleich den schleichenden Tritten der liefe, die räubernd das Unterholz durchziehen, auf ungenann­tem Pfad zur Tränke wandern. Fremder bist du nirgend denn in den nächtlichen Wäldern! Welcher Vogel kündet warnend dein Nahen mit heiserem Schrei aus den Kronen der Fichten? Wessen Augen folgen dir lauernd aus dem Gewirr der Sträucher? Westen Schatten gleitet unsichtbar neben dir durch bas Holz? Du gehst, du weißt es nicht; blind wird

dein Blick im Dunkel der Forstung und schlägt hilflos in sich zurück. Aber Tausend wissen von dir, Tausend nahen dir spürend und weichen und fliehen aeschreckt. Groh ist das Geheimnis der Wälder, und ohne Laut lebt sich ihr nächtiges Leben.

Vor dir aber, im Dunkel irgendwo, singt mur- melnd eine Stimme. Du schreitest voran, langsam, kaum daß des Weges breite Spur dich noch führt. Vor dem sinkenden Pfad öffnet eine Mulde sich dir. Ein Bach wirft sich schluchzend über Gestein, du ver­weilst, gelehnt an das knorrige Geländer des Steges: Sterne auch hier, zu deinen Füßen, über deinem Scheitel.

Müde beugt sich dein Knie, der Teppich der Kräu­ter, deren leidenschaftlicher Atem betörend dich um- wirkt, empfängt deinen sinkenden Leib, die zackigen Fächer der Farren schatten flüsternd über deiner Stirn. Schlaf umarmt dich, jäh, traumlos und heftig.

Die Kühle des Morgens macht dich erwachen. Tau sinkt leise, ein grauer Schleier, glänzende Perlen um- säumen die Halme der Gräser. Ein Vogel zwitschert auf. vielhundert mit einemmal. (Ein blutroter Strom durchbricht im Osten den Vorhang der Wälder. Die Sonne steigt.

Oie besten Hausfrauen der Wett.

Welches Volk besitzt die besten Hausfrauen? Diele Frage, die in einer Zeit, in der man den Niedergang der häuslichen Tugenden des Weibes beklagt, besonders aktuell ist, wird von einer weit gereisten Engländerin. Frau James Rodney, in einer Londoner Zeitschrift beantwortet. Sie weiß aus genauer Kenntnis der Lebenshaltung der einzelnen Rationen überall Hausfrauentugenden aufzufinden. .Manche behaupten", fo schreibt sie, .daß Deutschland das einzige Land ist, in dem jemand, der eine tüchtige Lebensgefährtin finden will, die ideale Gattin erlangen kann. Die Deutsche ist in ihrem Heim ebenso vortrefflich wie ihr Mann seinem Büro; sie weiß die größte Menge Behagen und Gemütlichkeit mit dem geringsten Aufwand zu erzielen. Ihre Wäsche ist in glänzender Ord­nung, ihr Silber stets gut geputzt und die Spei len sind mit Sorgfalt ausgewählt und zubereitet. Eie widmet ihr ganzes Leben der Aufgabe, ihre Fa­milie auch in den schwierigsten Zeiten auf einem hohen Lebensstandard zu erhalten. Auch die Französin ist eine Aänzende Wirtschafterin, die nicht mir aut koch., sondern auch stets für geschmackvolle Kleidung bei sich und den Kindern sorgt. Ihrem Gatten siest sie jeden Wunsch vom

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

Watzenborn-Steinberg. 10. Aug Am Mittwoch, 12. August, feiert die älteste Ein­wohnerin unsere» Orte». Frau Anna Marie Gilbert Witwe geb. Burk, in lörper- ltcher und geistiger Frische ihren 9 0. Geburts- t a g.

3 ÄUenborfo. b Cba., 7. Aug In der vorigen Woche fanb bas Kreisschießcn des Kreises Gießen-Norb, dem zwölf Schünenoereine an­geboren, in Beltershain statt. Der Wintkampf würbe in zwei Klassen ausgetragen. In der Wettkampf­klasse I (Iungschutzen) errang die Mannschaft bes Schutzenvereins Rubbmgshaujen ben 1. Sieg mit 292 Ringen. Bester Schufte in bieser Mannschaft war Wilhelm Scholl mit 72 Ringen. Die Einzelmeister- schäft in ber Wettkampfklasse I errangen bie Jung- schützen Heinrich Becker vom Schugenverein Stein- bad) unb Heinrich Opper vom SHügenverein Geilshausen mit je 73 Ringen. In ber Sonderklasse erschoß bie Iungmannschasi bes Schützenvereins Lauter 263 Ringe. Bester Schütze war hier Otto I r o 11 e r mit 70 Ringen. In ber Wettkampfklasse 11 (Altschüften) errang bie 1 Mannschaft bes Schuften- Vereins Steinbach mit 390 Ringen ben 1. Preis. Bester Schütze in bieser Mannschaft war Ludwig HaasVI. mit 83 Ringen. Die Emzelmeisterschast in ber Wettkampfklasse II errang Hermann Lang vom Schützenveretn Rübbingshausen mit 87 Ringen. Alle Einzelsieger unb Siegermannschaften müssen am 7. September b. I. in Marburg um bie (Bäumet- sterschaft schießen. Wegen beroorragenber Derbienste um den Schießsport im Verbände ber Hessischen Kleinkaliberschüftenvereine wurde dem Schuften Eberhard Loft II. vom Schützenoerein Allendorf a. b. Lba. burch den Areisschießletter F ö r - ft e r bie Derbanbsehrennabel überreicht.

NreiS Friedberg.

I Butzbach, 8. Aug. Das Mathilden stift (Bezirkssparkasse) hat seinen Geschäftsbericht für 1930 (82. Geschäflsiahr) herausgegeben unb bie Bilanz veröffentlicht. Das Institut hat eine recht günstige Weiterentwicklung zu verzeich­nen. Die Bilanzsumme Enbe 1930 beträgt 7294359,57 Mark gegen 6 710 786,11 Mark im Vorjahre. Die Spareinlagen finb ohne Auswertungseinlagen von 5 295 933,45 Mark auf 5 989 417,70 Mark an- gewachsen (bas finb 111.2 v. H. ber Vorkriegsein- lagen). Die Anzahl ber Sparbücher ist von 6212 auf 6739 gestiegen. Auf jeben dritten Einwohner des etwa 19 000 Einwohner zählenden Sparkassen­bezirks ensällt ein Eivlagebuch des Mathildenstists. Die Depositen-, Scheck-, Giro- und Kontokorrent- einlagen betrugen Ende 1930 = 771707,fff Mark. Die hcreingenommenen Gelder finb ben Vorschriften ber Satzungen entsprechend angelegt. Der Umsatz betrug im Jahre 1930 55 393 283 Mark, bas be- beutet gegen 1913 eine Steigerung um 1311 o. H. Der Reservesonbs beträgt nach Zuschreibung bes Reingewinnes von 35 246,61 Mark 211 826,46 Mark. Die Mobilien unb Immobilien stehen nur mit 1 Mk. zu Buch.

Kreis Büdingen.

A Ridda, 7. Äug. Von den vielen Reisen­den, die die Autobusse deS Zweckverbande» RiddaBad-Salzhausen- Ulfa und der Linie RiddaOber-Lais benutzen, wurde es bisher al» sehr unangenehm empfunden, daß sie auf dem Kreuzung»punkt der Bahnhof-, Schiller- und Reuen Straße oder auf dem Marktplatz ohne jeden Schutz bei ungünstiger Witterung auf den Ab­gang der Auto» warten mußten. Diesem Miß­stand hat nun der Stadtvorstond dadurch Abhilfe geschaffen, daß er in einem städttschen Gebäude. Ecke Bahnhof- und Reue Straße, eine Warte­halle für die Autofahrgäste hat einrichten las­sen, die neben der Bequemlichkeit für da» reisende Publikum auch noch zur Verschönerung de» Vtta- ßenbildes betträgl. Ferner wird vom hiesigen Postamt ein B r i e s k a st e n, ein Briefmar­kenautomat und eine Telephonzelle mit Münzfernsprecher in der Halle angebracht. Weiter sollen Postschließfächer für die hie­sigen Firmen in dem Warteraum eingerichtet wer-

Munde ab. Die Spanierin versteht mit ihrer natürlichen Anmut, mit ihrer sanften Stimme und ihrem ruhigen Wesen ein glückliches Heim zu schaf­fen. Gastfreundschaft ist ihr zur zweiten Ratur ge­worden. unb ein reich gedeckter Tilch erwartet Freunde, die der Mann unerwartet mitbringt. Sie erkermt noch gern in ihrem Gatten den .Herrn und Meiste?' an und ist stolz darauf, wenn er ihr seine Zufriedenheit ausdrückt. .Wähle eine Ita­lienerin, wenn du ein glückliches Leben führen wUlst", so raten andere, denn sie sieht noch immer in dem Hamen der Gattin und Mutter den höch­sten Ruhmestitel; sie ist überaus zänlich zu ihren Kindern, besitzt einen natürlichen Geschmack, der sich in der Einrichtung der Wohnung ausdrückt, und versteht gut zu kochen, wenn sie auch freUich in der Kunst der gefälligen Anrichtung mit der Deutschen oder Französin nicht Schritt halten kann. Sie ist geduldig und nachsich'.ig und wird einige Seitensprünge oder sonderbaren Gewohnheiten des Gatten mit Ruhe ertragen. Sie kennt die Männer und ist zufrieden, wenn sie ihre Stellung als Her­rin des Hauses behaupten tarnt Die Schwedin ist so stark wie ein Marrn und so zärtlich wie ein Kind. Sie weiß, daß die Liebe des Gatten durch den Magen geht, und sie sorgt für vortreffliche Speisen, ist auch immer heiter und gleichmäßig. Die Russin besitzt mehr Seele, und sie ist Wohl unter allen Frauen die anschmiegsamst«, die sich am besten in jede Lage zu schicken weiß und da­her eine ausgezeichnete Ehefrau ist. Wenn sie etwas passiv erscheint, unb nicht immer für Ord­nung und PünkUichteit sorgt, so beweist sie dafür durch Aufopferung und Hingabe die Größr ihr s Herzens. Die Holländerin wird oft als das Muster der Ordentlichkeit unb Sauberkeit hin- gestellt; sie ist infolgebesfen etwas pebantifch, was man von ber Oesterreicherin nicht sagen kann. Tiefe ist ebenso anmutig wie tüchtig, verliert nie ihre gute Laune unb weiß auch Unglück mit Würde zu tragen. Die Amerikanerin macht sich die Haushaltung gern etwas bequem; sie be­sitzt aber ein großes Organ, sattonStalent und fin­det rafch den prakttschsten Weg, um ihre Pflichten zu erfüllen. Dabei ist sie stets elegant im Auftreten und begeistert für jede Art Sport. In dieser Sportliebe wird sie noch von der Englände­rin übertroffen, die die besondere Gabe besitzt, als Gastgeberin in einem wohl geordneten Haus­halt mit Würde zu repräsentieren. Sie ist klug, mutig unb entschlossen, und man hat oft gesagt, daß rn ihr die wahre Stärke England» liegt