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Amerika berät.

Es war von vornherein klar, daß der bevor- stehende Besuch des französischen Mini- sterpräsidenten in Washington nicht nur ein Höflichkeitsakt darstellen sollte, sondern daß die Staatsmänner der beiden stärksten Finanzmächte sich sehr eingehend über die allgemeine Weltwirt­schaftskrise und die Möglichkeiten ihrer Behebung unterhalten würden. Die Bedeutung dieser Reise Lavals nach Amerika wird noch dadurch unterstri­chen, daß der englische Außenminister Lord Rea­ding sich entschlossen hat, Paris vor der Abfahrt des französischen Ministerpräsidenten aufzusuchen. Laval, der erst vor ganz kurzem in Berlin Gelegen­heit hatte, den Standpunkt der deutschen Reichs- rcgierung kennenzulernen, wird nun also auch über die englischen Ansichten eingehend unterrichtet wer­den. Er ist damit in die Lage versetzt, bei seinem Aufenthalt in Washington dem amerikanischen Prä­sidenten davon Kenntnis zu geben, welche Pläne zur Ueberwindung der gegenwärtigen Rot Aussicht auf Annahme bei den hauptsächlich in Frage kom­menden europäischen Großmächten haben.

Laval wird sicherlich die rein wirtschaft­lichen Fragen in den Vordergrund zu rücken suchen. Wir wissen heute, daß die Anregung zu seinem amerikanischen Besuch von Paris aus­ging, und wir können darin wohl ein Zeichen dafür erblicken, daß Frankreich sich seiner wirt­schaftlichen Llnerschütterlichkeit nicht mehr so sicher ist, wie es noch vor kurzem der Fall war. Die Dankzusammenbrüche, die jetzt auch Paris erlebt, und die gewaltige Zunahme der Konkurse reden immerhin eine deutliche Sprache. Bei der Erörterung der finanziellen und wirtschaftlichen Probleme wird es aber nicht sein Bewenden haben. Amerikanische Stimmen brin­gen sehr deutlich zum Ausdruck, daß bei dieser Gelegenheit auch die politische LageEu» r o p a s, die ja zum gut Teil Schuld an der Wirtschaftsmisere trägt, $ur Verhandlung kommen soll. Paris gibt sich darüber bereits keinem Zwei­fel mehr hin, und die nationalistische Presse Frank­reichs sorgt sich schon jetzt um den Ausgang der Washingtoner Besprechung. «

Inzwischen finden in den maßgebenden Kreisen Amerikas Beratungen statt, die offensichtlich die Fühlungnahme zwischen den bei­den Staatsmännern vorbereiten sollen. Es ist nicht ganz leicht, aus den vielen Vachrichten positiver und negativer Art ein Bild davon zu gewinnen, was Hoover nun eigentlich beab­sichtigt. Seine Aussprache mit Mellon und dem führenden Finanzmann Baruch legen die An­nahme nahe, daß Maßnahmen finanzpolitischer Vatur zumindest erwogen werden. Die Erkennt­nis, daß das bisherige Sy st em der Kriegsschulden und Veparationen nicht aufrecht zu erhalten ist, hat sich in Amerika doch wohl schon zu weitgehend durch- gesetzt, als daß man nicht von der unbedingten Votwendigkeit einer Veuregelung überzeugt wäre. Wann und in welcher Weise freilich die dadurch bedingten Schritte unternommen werden, bleibt auch heute noch in Dunkel gehüllt.

3n den Gesprächen am letzten Wochenend sollen auch politische Angelegenheiten Europas dis­kutiert worden sein. 3n erster Linie handelte es sich dabei um die Frage des polnischen Kor­ridors. Wir begrüßen es außerordentlich, daß auch jenseits des Ozeans die älnhaltbarkeit des gegenwärtigen Zustandes erkannt wird. Sicherlich kann es für uns von großem Vuhen sein, wenn Amerika seinen Einfluß für eine vernunftgemäße Lösung geltend machen will. Es scheint uns jedoch die Warnung vor übertriebenen Hoffnungen am Platz, denn Erwägungen be­deuten noch keine Lösung. Eine Kompromißlösung kann für Deutschland unter keinen Llmständen in Frage kommen. Der sogenannte Korridor stellt für uns eine absolute Lebensnotwendigkeit dar, und nur mit der völligen Wiederher­stellung der sinnlos gestörten Verbindung zwi­schen Ostpreußen und dem Mutterland kann diese ständige Gefährdung eines dauerhaften Friedens beseitigt werden.

Wenn Hoover die Absicht haben sollte, Frank­reich die Abrüstung durch einen Ausbau des Kellogg-Pattes schmackhafter zu machen, so können von unserer Seite Bedenken kaum er­hoben werden. Angesichts der starken Opposition, die eine Einmischung Amerikas in die politischen europäischen Verhältnisse noch immer in großen Teilen des Repräsentantenhauses findet, ist es indessen verständlich, daß die Regierung sehr vor­sichtig mit derartigen Projekten ist. Da aber die wirtschaftlichen Röten nicht ohne politische Ein­griffe sich beheben lassen, wird Amerika nichts anderes übrig bleiben, als eine Aenderung seiner Doktrin vorzunehmen. Durchaus möglich ist cs, daß Präsident Hoover den Zusammentritt des Kongresses abwartet, ehe er Schritte unternimmt, die für die weitere Entwicklung der ganzen Welt von ausschlaggebender Bedeutung sind.

3m Zusammenhang mit den Erörterungen über die Sanierung der Krise wollen die Gerüchte über eine geplante Einladung Hoovers an Brüning nicht verstummen. Wenn der Direktor des Parteibureaus der amerikanischen Republikaner in einer Rundfunkrede den Besuch des Reichskanzlers als beinahe schon feststehend bezeichnete, so eilt diese Darstellung gelinde ge­sagt den Tatsachen erheblich voraus. Wir wollen nicht verkennen, daß eine direkte Aussprache zwischen Hoover und Brüning sehr w e r t - v o l l für Deutschland sein mühte. 3ft doch die Besorgnis nicht von der Hand zu weisen, daß der amerikanische Präsident durch die Berührung mit Laval allzu einseitig orientiert wird und zu Entschlüssen kommen könnte, die den deutschen Belangen nicht gerecht werden könnten. Vorläufig sehen wir allerdings keine Möglich- kcit, daß der Reichskanzler für längere Zeit die Heimat verläßt, denn die kritische Zuspitzung in der inneren Politik verlangt Unbedingt seine An­wesendes. Darüber wird auch Amerika nicht im Zweifel sein. Ob nach der Reichstagssession eine Amerika-Fahrt Brünings durchführbar ist, kann erst die Zukunft lehren.

DieAuswirlungenderpsundttW

Professor Pruinö über die Zukunft der Mark und des duldens.

Amsterdam, 5. Oft (Xil.) Der von der Bank für Internationale Zahlungen zum Bera­ter der Oesterreichischen Rationalbank berufene Professor Bruins, königlicher Kommissar bei der holländischen Zentralbank, hat sich während eine« kurzen Aufenthaltes im Haag zu dem Ver­treter eines holländischen Rachrichtenbureaus über aktuelle wirtschaftspolitische Fragen geäußert Professor Bruins erklärte. die Aussicht, daß das Pfund wieder seinen alten Wert erhalte, werde

Sieht eine neue Aktion Hoovers vor der Air?

Besprechung mit Parteiführern im Weißen Hause. Wird daö Kriegsschuldenmoratorium verlängert?

Washington, 5. Oft (2DIB. Funkspruch.) Präsident Hoover hat Vertreter beider Parteien aus Senat und Repräsentantenhaus für Dienstag abend zu einer Besprechung ins Weiße Haus geladen. Da derartige Konferenzen sehr selten stattfinden und stets mit größeren politischen Unio­nen zusammen hängen, für die der Präsident sich vorher der Mehrheit der beiden Parteien vergewis­sern will, nimmt die Presse an. daß entweder die Verlängerung des hoovermOrato­riums oder sonst ein Schritt erläutert werden soll, um der schweren Finanzkrise Europas und Latein­amerikas nach Möglichkeit abzuhelfen. Ob tatsächlich ein neuer Schritt geplant sei, darüber wird von allen Stellen jegliche Auskunft abgelehnt. Man hört, daß es sich, obwohl Präsident Hoover den Wunsch gehabt habe, Erwägungen über eine Verlängerung des Kriegsschuldenmoratoriums bis nach der Ratifizierung des hooverplanes durch den Kongreß hinauszuschieben, als not­wendig herausgestellt Hobe, dem Gefühl der Unsicher­heit über das, was nach dem Ablauf des jetzigen hoovermoratoriums geschehen werde, sofort ein Ende zu bereiten. Präsident Hoover sei jetzt bereit, sobald als möglich zu handeln. Die Dringlichkeit zu einer schnellen Entscheidung ergebe sich teilweise aus den erneuten Abzügen bei der Reichsbank und teilweise aus der Tatsache, daß d i e amerikanischen Banken an dem Still­halteabkommen beteiligt seien. Die Ban­kiers wünschten nunmehr zu wissen, was nach dem Ablauf dieser Vereinbarung im Februar geschehen werde.

WieTimes" erfährt, wird auf Grund einer i n der Rächt von Sonntag zu Montag zwi­

schen Hoover und einer kleinen Gruppe von Wall- streetbankiers obgehaltenen Konferenz binnen 24 Stunden eine wichtige Erklärung zur Welkwirtschaslslage abgegeben wer­den. Die Konferenz habe nicht Im weihen Hause stattgefunden. Sie sei unter größter Ge­heimhaltung vor sich gegangen und die be­teiligten Bankier hätten jede Erörterung abgelehnt Man nehme jedoch an, daß die Konferenz sich mit denselben Fragen beschäftigt habe, die auch in der Dienstag-Besprechung mit sührenden Kon­greßmitgliedern erörtert werden sollen.

Goldzertifikate der 2533.?

Burgctz schlägt eine Milliardenanleihe der USA. und Frankreichs vor.

Paris, 5. Oft (ERD.) Der Havasvertreter in Derlin will über den sogenanntenRettungs­plan" Einzelheiten erfahren haben, den Ran- dolph D u r g e h von der Federal Reserve Danf Reuyorf, der sich gegenwärtig in London auf­halte und am 12. Oktober in Basel sein werde, der Konferenz der Leiter der Emissionsbanken zu unterbreiten gedenke. Es solle sich um eine Anleihe von 1 Milliarde Dollar an d i e D3Z. handeln, die zu zwei Drittel von den Vereinigten Staaten und zu einem Drittel von Frankreich gegeben werde. Die DIZ. werde auf Grund dieser Anleihe Gold- Zertifikate ausgeben und diese den gegen­wärtig in Schwierigkeiten befindlichen Emissions­banken, wie der Dank von England und der Reichsbank, leihen. Dieser Plan fei in Reuhork reiflich erwogen worden, und er habe die Zustimmung der amerikani­schen Hauptbanken und der Federal Re­serve Dank erhalten.

von Tag zu Tag geringer. Es liege im Interesse Englands, so schnell wie möglich auf dem durch Angebot und Rachfrage bestimmten Preisstand zur Stabilisierung des Pfundes überzu­gehen. In Deutschland werde es sich ver­mutlich auch in Zukunft sowohl wirtschaftlich wie finanziell vermeiden lassen, dem englischen Deispiel zu folgen. Die Aktivität der deut­schen Handelsbilanz in einer Zeit, in der der internationale Kapitalverkehr dermaßen ge­stört fei, fei von doppelter Bedeutung. Außerdem wisse in Deutschland die ganze "Bevölkerung, was Inflation und Entwertung bedeuteten. Das habe zur Folge, daß Lohnkürzungen dort viel leichter in gegenseitigem Liebereinkommen durchzuführen seien und Ersparnisse in Staats- und Gemeindehaushalt e n auf viel weniger Widerstand stießen als anders­wo. Holland habe von ollen Ländern, die keine Inflation durchgemacht hätten, ohne Zweifel das größte Wider st andsvermögen. Don einer augenblicklichen Gefahr für den Gulden könne denn auch keine Rede fein. Rotwendig feien je­doch Vereinfachung und Ersparnisse in den öffent­lichen Haushalten von Staat und Gemeinden, fer­ner Herabsetzung der Erzeugungskosten sowie des. Konsumtionsniveaus. In Holland wie in @ng-' land stehe man einer sehr großen Starrheit des Gehalts - und Lohnniveaus gegen­über, wodurch der natürlichen weiteren Preissen­kung stark entgegengewirkt werde.

Ende Oktober Reuwahlen in England.

Das Kabinett Maedonald wird freie Hand fordern.

London, 6. Olt. (TL1.) Gegen Mitternacht wurde die englische Presse davon verständigt, daß in der Kabinettssihung am Montagabend eine vollständige Einigung zwischen sämtlichen Kabinettsministern über die zu erfol­gende Politik erzielt wurde. Es verlautet, daß der englische Ministerpräsident am Mittwoch im Unterlaufe sich offiziell zu der Frage bal­diger Wahlen äußern wird, die sich auf einen vom Ministerpräsidenten selbst unterzeichneten Aufruf stützen sollen. Man glaubt, daß das Ka­binett sich mit den bisher strittigen Punkten in der Formulierung des Wahlaufrufs nicht mehr weiter befaßt hat und .statt dessen beschloß, sich vom Volk freie Hand geben zu lassen. Es ist wahrscheinlich, daß die Wahlen a m Dienstag, dem 27. Oktober, stattfinden werden.

Gewerkschaftskongreß des Afa-Bnndes

L e i p z i g , 5. Oft. (WTD.) Unter starker Be­teiligung fand der IV. Kongreß des Freigewerk­schaftlichen Afa-Bundes der Angestellten-Organi- sationen der Freien Gewerkschaften statt. Der Bundesvorfitzende Reichstagsabgeordneter A u f - Häuser hob hervor, daß die Gesamtzahl der erwerbslosen Angestellten sich auf rund 500 000 beziffere. Mit besonderer Schärfe wandte sich der Referent gegen den Spruch des Reichs­arbeitsgerichtes, wonach bei Kurzarbeit der An­gestellten ohne Kündigung die Bezüge ebenfalls gekürzt werden dürfen. Wirtschaftsnot und Ar­beitsnot drängten dahin, die heutige kapitalisti­sche Anarchie abzulösen durch planmäßige Gestal­tung der Warenerzeugung und Warenverteilung sowie durch Leitung des Kapitalstromes nach ge­meinwirtschaftlichen Grundsätzen. Es handele sich um die Entscheidung, ob der Staat die Wirt­schaft beherrschen oder ob die Privatwirtschaft den Staat diktieren solle.

Ministerialdirektor Dr. S i tz l e r vom Reichs­arbeitsministerium erklärte, mitteilen zu können, daß die Aufrechterhaltung unseres kollektiven Arbeitsrechtes nach Mei­nung des Reichsarbeitsministeriums unbedingt notwendig ist. Das Tarisrecht. und zwar das un­verfälschte. mit Unabdingbarkeit, müsse in Deutsch­land bestehen bleiben, ebenso das Schlichtungs­wesen mit der Möglichkeit der Derbindlichkeits- crklärung.

Dr. C r o m e r vom Deutschen Werkmeisterver­band beschäftigte sich mit den Angriffen des Unternehmertums auf die Sozialversicherung. Der Asa-Dund lehne jedes Antasten des Rechtsan­spruches der Arbeitnehmer auf die Sicherung feiner Existenz ob. Schroeder vom Zentral­verband der Angestellten wandte sich gegen die Verschlechterung der Arbeitslosenversicherung, die

mit dem Artikel 163 der Reichsverfassung im Widerspruch stehe. Lüdemann (Homburg) vom Verband deutscher Schiffsingenieure begründete die Entschließung zur Regelung der arbeitsrecht­lichen Verhältnisse der seemännischen Angestellten. F o s s i h l von der Internationalen Artistenloge bat um einen Beschluß, die Artisten in die Sozial­versicherung einzureihen.

Kleine politische Nachrichten.

Der Herr Reichspräsident ließ anläßlich seines Geburtstages durch die von ihm geschaffene StiftungH i n d e n b u r g - S p e n d e" rund 2200 schwer notleidenden Kriegsbeschädigten, Kriegshinter­bliebenen und Veteranen insgesamt 425 000 Mark auszahlen.

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Der Finanzminister hat verfügt, daß den preu­ßischen Beamten von der ihnen für den Monat Oktober zustehenden Hälfte ihrer Dienstbezüge die am 10. d. M. fällig ist, nur d i e Hälfte ausgezahlt wird. Das bedeutet praktisch, daß die Beamten am 10. Oktober nur einDiertel ihres Gehalts bekommen werden. Soweit Lieber- Weisungen der Gehälter in Frage kommen, dürfen diese nicht vor dem 8. Oktober erfolgen. Von den Dersorgungsbezügen soll als weitere Ok­toberrate e i n V i e r t e l der für den Monat Sep­tember verausgabten Rettobezüge ausgezahlt werden.

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3n Bad Harzburg findet am Sonntag eine Ta­gung von Vertretern der deutschnationalen und nationalsoziali st isch-en Reichstags- und Preußischen Landtagsfraktionen statt, auf der auch der Stahlhelm vertreten sein wird. Ferner werden diejenigen Abgeordneten der Landvolkpartei teilnehmen, die auf dem Boden der nationalen Opposition stehen. Außerdem sollen Wirt­schaftsverbände vertreten sein. Man erwartet Hugen- berg, Hitler, Seldte, Düsterberg und den früheren Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht.

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Ministerialdirektor Kaestner, der langjährige Leiter der Volksschulabteilung im preu- ßischen Kultusministerium, hat auf ärztliches Anraten einen längeren Urlaub antre­ten müssen. Da er bereits seit längerer Zeit lei­dend ist, hat er gleichzeitig sein Abschiedsgesuch einyereicht.

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Die Industrie- undHandelskammer zu Berlin hat energisch gegen jedweden Inflationsplan Stellung genommen und erklärt, daß eine Wirtschaftswiederbelebung nur eintreten könne durch Ermäßigung der Selbstkosten, Herabsetzung der Steuern, Ab­gaben, Verkehrstarife, Zölle und Preise, der ein Abbau der Lohne zu folgen hätte.

Der Präsident der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat zum Vorsitzenden des auf Grund des Stillhalteabkommens zwi­schen Deutschland und den Gläubigerländern vor­gesehenen Schiedsausschusses Marcus Wallenberg (Stockholms Enskild) ernannt. Außer Wallenberg gehören dem Ausschuß an: T. H. Mc. K i 11 r i ck (Higginson & Co. London) und Franz il r b i g (Deutsche Bank und Dis- conto-Gesellschaft Berlin).

Zum Präsidenten von Chile gewählt wurde der Kandidat der Regierung, Montero, mit großer Mehrheit.

Senator Morrow gestorben.

Reuyor k, 5. Oft. (TL1.) Der frühere ameri­kanische Botschafter in Mexiko und Schwiegervater des bekannten Ozeanfliegers Lindbergh, Swight Morrow, ist am Montag an einem Ge­ht r n s ch l a g e gestorben. Senator Morrow hatte vor einigen Tagen dem Präsidenten den Vorschlag gemacht, dafür einzutreten, daß der durch das Versailler Diktat dem Deutschen Reiche zu Llnrecht entrissene Danziger Korridor an Deutschland zurückgegeben werde.

Morrow war ein Freund von Coolidge, mit dem er zusammen studierte und seit 1914 der Vertreter der juristischen Interessen der Firma 3. Pierpont Morgan. Morrow hat während des Weltkrieges die ganze Deckung deS militärischen Material-Rachschubes organisiert.

In der Mitte der zwanziger Jahre war M. von Coolidge zum Botschafter für Mexiko ausersehen. Diese Ernennung wurde im Senat beanstandet, da

das Haus Morgan, zu dem er noch gehörte, Mexl» kos Außenanleihen verwaltete. M. brachte darauf­hin das Opfer, alle Beziehungen zum Bankhaus Morgan zu lösen und nahm das Dotschafteramt in Mexiko 1927 an. 1930 wurde M. als Botschafter abberufen, um als Mitglied der amerikanischen De­legation an der Londoner Flottenkonferenz teilzu- nehmen. 1930 wurde M. in den Senat gewählt. M. war aussichtsreicher Kandidat für die 1932 statt­findende Präsidentschaftswahl.

Aus aller Wett.

Kommunistenkrawall in Berlin.

Am Montag zwischen 23 und 24 Uhr wurden in verschiedenen Gegenden Groß-Berlins Schau­fensterscheiben von Zeitungsfilialen der Ver­lage Scherl und Ullstein durch Steinwürfe zertrümmert. Mehrere Steine waren eingewickelt tn Handzettel der Kommunistischen Partei, die folgende Aufschrift trugen: .Das Verbot der Roten Fahne" ist sofort aufzuheben! Der Rote Frontkämpferbund." Einer der Täter wurde trotz heftigen Widerstandes festgenommen. Vor dem Corso-Cafö in der Hardenbergstraße hatten sich etwa zehn entlassene Kellner eingefunden, von denen einer eine Ansprache hielt, während andere Zettel verteilten. Dor dem Lokal waren sechs Rad­fahrer erschienen, die die Fensterscheiben cintoarf cn. Die Täter entkamen. Von dem Lieberfallkommando wurde einer der Zettelver­teiler festgenommen.

Reichslagung für höhere Mädchenbildung.

Die Reichstagung für höhere Mädchcnbilduna hm in Leipzig ihren Anfang. Vor ungefähr 500 Tagungsteilnehmern sprach Kreishauptmann Dr. Marcus-Leipzig Begrüßungswortc namens der sächsischen, der württcmbergischen, der bayerischen und der thüringischen Staatsregierung, otabtrat Professor Dr. Stahl grüßte für das Sächsische Volksbildungsministerium und für die Stadtverwal­tung Leipzig. Der Redner ging namentlich auf die Notwendigkeit des Sparens ein, doch dürfte nicht destruktiv, sondern es müsse konstruktiv gespart wer­den. Der erste Vorsitzende des Reichsverbandes für höhere Mädchenbildung, Professor Dr. Friedrich, entwickelte die Ziele des Verbandes und der Reichs­tagung: Die Not des Volkes und des Vaterlandes durfte nicht der Vorwand werden dafür, der Frau die Bildungsmöglichkeiten zu nehmen und zu ver­kürzen, die ihr notwendig sind, will sie die verfas­sungsmäßig gewährleistete Gleichstellung mit dem Manne zu Recht einnehmcn und behaupten. Uni­versitätsprofessor Dr. Litt- Leipzig sprach dann überLebensnot und Schulerziehung".

Erlrunken.

3n Wolgast (Pommern) fuhren vier Ar­beitslose mit zwei Kähnen die Peene hinaus, um auf den abgeernteten Feldern Kartoffeln zu sammeln. Als die vier Männer nicht wieder nach Hause gekommen waren und auf der Peene ein kieloben treibendes Doot gesunden wurde, wurden Rachforschungen nach den Vermißten angestellt. Die Besatzung des einen Bootes wurde wohl­behalten in Liepe angetroffen. Sie hatte sich aus einem Sturm glücklich an Land retten können. Lieber das Schicksal des zweiten Bootes konnten sie nichts Räheres aussaaen. Das aufgefundene Doot gehörte den beiden Verschol­lenen. Fischer hatten an diesem Abend auch Hilferufe gehört.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Die Ozeanluft ist in größeren Höhen auf das Festland vorgedrungen und bringt allmählich Er­wärmung. In Rord- und Westdeutschland liegen die Temperaturen schon bei 14 Grad, während in unserem Bezirk infolge der Ausstrahlung noch eine kalte Dodenlustschicht erhalten geblieben ist, die aber am Tage kräftig erwärmt wird. Da die Luftdruckgegenfätze über dem Festlande sehr ge­ring sind, geht der Austausch der ßuftmaffen ziemlich langsam vor sich Aber immerhin zeigt das Barometer fallende Tendenz, was einen weiteren Abbau des Hochdrucks bedeutet. Es wird daher wieder zu stärkerer Rebel- und Dunstbildung kommen, auch tagsüber wird der Himmel mehr Bewölkung zeigen. Riederschläge treten in unserem Bezirk vorerst kaum, höchstens in ganz geringem Maße auf.

Bo r hersage für Mittwoch: Dunstig und neblig, bewölkt mit Aufheiterung, mild, feine nennenswerten Riederschläge.

Vorhersage für Donnerstag: Früh­nebel, tagsüber meist wolkiges Wetter, vereinzelt leichte Riederschläge.

Lufttemperaturen. Am 5. Oktober, mit­tags: 16,6 Grad Cels., abends: 7,7 Grad Cels.; am 6. Oktober, morgens: 4,8 Grad Cels. Maxi­mum: 16,6 Grad Cels., Minimum: 4,0 Grad Cels. Sonnenscheindauer: 6 Stunden. Erdtempe- raturen in 10 Zentimeter Tiefe. Am 5-Oktober, abends: 12,6 Grad Cels-, am 6. Oktober, morgens: 9,0 Grad Cels.