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Er. 155 (Elftes Blatt

181. Jahrgang

Montag, 6. Juli 1931

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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gwiffnn am Blain 11686.

3n der Flanke des Hooverplans.

Don unserem Londoner D. ^.-Korrespondenten.

London, 3uli 1931.

Wir empsehlen diese vor der Einigung in Paris geschriebene Betrachtung unseres Londoner Korrespondenten der besonderen Aufmerksamkeit unserer Leser, weil sie Ne Aktion Hoovers in eine große weltpolitische Perspektwc rückt, die, mag sie auch m manchem anfechtbar erscheinen, doch unser ungeteiltes Interesse verdient.

ES tfl nun schon mehr als ein Iahrduhend her, da sprach die Welt von der großen Schlacht ,n Frankreich. 3m Donner der Geschütze wurde das Schicksal Europas durch die amerikanischen Tru^ pcn gegen Europa entschieden. Erft hatte sich Amerika damit begnügt, Geld -u senden. dann folgten Munition und Ausrüstung, schließlich dve Truppen. Sie entschieden den Kampf. 5eyte Ul wieder eine große Schlacht in Frankreich ent­brannt, nur wird mit einer Munition geschossen, die Lloyd George die silbernen Kugeln nannte, an die Stelle der Menschenmillioneü sind Gold- Milliarden getreten, aber hinter den Dingen stehen die treibenden Kräfte von damals. Gewiße hat Amerika 1918 den Krieg gegen Europa, gewonnen. Ein Jahrzehnt sonnten sich die Ber­einigten Staaten im Glanze dieses Erfolges. Der Wohlstand wuchs, der Reichtum entwickelt« sich in- Wolkenkratzerhafte. Der Beweis erschien geglückt, die ..Prosperity" erwies ihn: Ame­rika gewann den Krieg.

Da- ist seit einem Jahre anders. An sechs Millionen Arbeitslose in USA. pochen an den Portalen des Reichtums. Die Milliarden sind zerronnen. 3m Börsenkrach und Wirtschafts­niedergang der letzten beiden 3ahre haben die Amerikaner vielleicht schon mehr verloren, als sie im Kriege und in den Rachkriegsjahren ver­dienten. Milliarden und aber Milliarden sind einfach verdampft. Rur in Frankreich herrscht noch ungetrübter Wohlstand. 3n Frank­reich ist die Siegesgöttin wohnen geblieben, ©ie fühlt sich im Schutze französischer Bajonette offen­sichtlich wohl und behaglich. Allenthalben in der übrigen Welt aber stöhnen die Massen, die Reichen und die Armen, unter der Last der Sorge um das tägliche Brot, und zugleich sind die amerikanischen Reserven, die exportierten Kapitalmilliarden in .ihrer Sicherheil bedroht.

Rückt man die Lage unter angelsächsische Be­leuchtung, so war und ist die Zukunft der inter- nationalen Geldwirtschaft und des Wohlergehens der Welt auf falscher Grundlage auf- gebaut. 3n England hat man unter diesem Ge­sichtswinkel die Dawesplanrevision als eine ver­frühte Maßnahme stets kritisiert. Sie war fehler­haft. Run ist an seine Stelle der Doungplan getreten. Beiden Regelungen aber eignet ein Mangel: sie belasten das Deutsche Reich und den deutschen Steuerzahler mit einer untragbaren Last. Das wäre vielleicht an sich kein Anlaß zur Sorge, aber das Deutsche Reich ist d a s schwäch st e Glied in jener Kette, die man als internationale Wirtschastsverpslichkung bezeichnen könnte. Bricht dieses Glied, dann zerbricht mehr, alS irgend jemand in der Welt verantworten kann. 'Dann entsteht eine Erschütterung des inter­nationalen Kredits, die in der heutigen Lage eine Weltwirtschaftskatastrophe herbeifüh- ren könnte.

Run ergibt sich hieraus für England eine be­stimmte Rolle. Da stehen auf der einen Seite die ^Bereinigten Staaten von Amerika, daS heute die unbestrittene Bormacht der trans» atlanttschen Welt sind, dazu das englische Weltreich als die die asiatische Wekt und das ilebrige maritim und finanziell be­herrschende Macht. Gegenüber diesen beiden steht, bis an die Zähne bewaffnet, die französische europäische Macht, die sich durch die deut­schen Tribute langsam, aber sicher soweit mit Geld angereichert hat, daß sie unabhängig und gefährlich zu werden droht. Das wäre nicht so bedrohlich, wäre nicht die französische Geldpolitik wirtschaftlich fehlerhaft. Sie ist nicht ökono­misch. sondern militärisch konstruiert.

Gegen diese falsche Verwendung seht die ame­rikanische Aktion ein. Der Hooverplan zielt aus Paris, wiewohl er durch die deutsche Krisis ausgelöst worden ist. Diese war jedoch nur An­laß. aber nicht 3ichalt des Hooverschen Vor­stoßes. Der hat sehr viel weitere Ziele als Deutschlands finanzielle Erlösung. Die Ame­rikaner sind wieder nach Europa gekommen um die letzte, die finanzielle Schlacht des Krieges gegen die ehemaligen Verbündeten zu schlagen, weil diese den Sieg gegen ihre ehe­maligen Freunde zu organisieren begonnen haben. Frankreich erscheint den Angelsachsen als bös­williger Zechpreller.

Die Rolle der Angelsachsen ist gemeinsam und geteilt. Riemand kann leugnen, daß England sehr tiefgehende Meinungsverschiedenheiten mit den Amerikanern hat. Sie können jeden Tag auf- brechen. Daneben stehen jedoch Bande des Blutes und der Weltanschauung. Die Gemeinsamkeit der Sprache und vieles andere mehr. 3n London hat man sich schon damit abgefunden, die Welt­herrschaft mit den Amerikanern teilen zu müs­sen Aber man will sie ni ch t dritteln Frank­reich will es.

Die Engländer verfolgen auch diesmal ihre durch Jahrhunderte verfolgte diplomatische Taktik. Sie halten sich zurück. Sie spielen aber mit. Sie sind aus geographischen und historischen Gründen die natürlichen Mittler in diesem Widerstreit europäischer und amerikanisch-angelsächsischer 3n-

Wird heule noch die Entscheidung satten?

Ein neuer Notenwechsel zwischen Paris und Washington.

Oie letzte Besprechung.

Man erwartet am Montag Amerikas Entscheidung.

Paris, 5. Juli. (IDIB.) Am Samstagabend dauerte die Zusammenkunft zwischen den franzö­sischen und amerikanischen Unterhändlern von 21.30 bis 0.45 Uhr. Am Ende der Besprechung wurde fol­gendes (Kommunique herausgegeben:

3m Laufe der Besprechung, die heute abend ffaft- gesunden hat, haben die französischen Unterhändler dem amerikanischen Schahsekretär Mellon und Bot­schafter Ldge den Text der Grundlagen einer Verständigung übergeben, die heute nachmittag vom französischen Mini st er­rat gebilligt worden waren. Dieser Text, der auf Grund der Elemente der französischen Rote aus­gearbeitet worden ist, wird heute nacht nach Washington telegraphiert, und zwar mit den gemeinsam verabredeten Abänderungen. Die Regierung der vereinigten Staaten wird a m Montagoormittag mitteilen, ob sie glaubt, daß dieser Text mit den Grundsätzen des Hoover- Vorschlags überelnslimml. Sollte dies der Fall sein, so wird die endgültige Entscheidung noch am Montag erfolgen. Line neue franjö- sifch-omerikanifche Besprechung wird am Montag- nachmittag stattfinden.

Eine neue Oenkschrist Washingtons.

Alle noch strittigen Fragen sollen durch Sachverständige erledigt werden.

Washington, 5. 3uli. (WTD.) Das Staats­departement veröffentlicht eine neue Denk­schrift, die Staatssekretär Mellon heute in Paris der französischen Regierung übergeben hat. 3n dieser Denkschrift heißt es:

Die amerikanische Regierung erfahre mit Freude, daß die französische Regierung jetzt in allen prinzipiellen Fragen mit ihr über­ein st l m m e. Die Regierung der Vereinigten Staaten nehme zur Kenntnis: Frankreich verzichtet für ein 3ahr auf die Zahlungen von Deutschland. Das Prinzip der Kontinuität der unge­schützten Zahlungen werde anerkannt, da Deutschland gleichzeitg entlastet werde. Rach dem Vorschlag der französischen Regierung sollen die Voung - Plan - Zahlungen der De u t- schen R e i ch s b ahn g e s el l sch a f t an die D3Z. wie bisher geleistet werden. Derjenige Teil der Zahlungen, der zur Verteilung an die verschiedenen daran beteiligten Regierungen bestimmt ist, wird der Deutschen Reichsbahnge- sellschaft als Anleihe wiedergegeben und ihr für jede Verwendung, auch zu An­leihen an die deutsche Regierung verfügbar sein. Die Zahlung der Deutschen Reichs­bahngesellschaft nach dem Voung-Plan schließe aber nicht den Zinsendienst für die deut­sche äußere Dawes - Anleihe von 1924 ein, der von» Deutschland selb st geleistet werden müsse.

Die Regierung der Vereinigten Staaten nehme weiter zur Kenntnis, daß 2 5 Millionen Dol- I a r von der ungeschützten Annuität, die an die D3Z. eingezahlt worden seien, für Anleihe­zwecke an die mitteleuropäischen Staaten zur Verfügung gestellt werden sollen. Die amerikanische Regierung halte eine Annahme dieses Vorschlages durch die Vereinigten Staaten nicht für gerechtfertigt, nehme aber zur Kenntnis, daß die französische Regierung einen Schritt der Zentralbanken als angemessenen Er­sah für die ursprüngliche französische Anregung ansehe. Die amerikanische Regierung weise jedoch

darauf hin, daß ein Schritt der Zentralbanken nicht zum Gegenstand einer Vereinbarung zwi­schen den Regierungen gemacht werden könne. Die französische Regierung sei jetzt bereit, sämt­liche Rückzahlungen von dem Ende des Moratoriums an gerechnet, auf zwei 3 ab re aufzuschieben. Sie sollen nach dieser Frist in einer Zeit von zehn 3ahren in glei­chen jährlichen oder halbjährlichen Beträgen er­folgen. Die amerikanische Regierung sei mit dieser Tilgungsfrist einverstanden unter der Vor­aussetzung, daß gewisse andere Fragen in be­friedigender Weise erledigt würden.

Was den Garantiefonds anbetreffe, deute die französische Regierung jetzt an, daß sie diese Frage aus der Debatte lassen könne, soweit die amerikanische Regierung in Betracht komme.

Die Frage, was aus den bestehenden, in der Zeil vom 1. 3uTi 1931 bis 30. 3uni 1932 fällig werdenden Sachlieferungsverträgen werden solle, solle späterer Erörterung und Lö­sung durch Sachverständige der verschiedenen in­ternierten Mächte überlassen bleiben. Frank­reich habe sich damit einverstanden erklärt, daß

Washington, 6. 3uti. (WTD. Funkspruch.) Hoover kehrte schon frühzeitig am Sonntagnach- mittag zurück und konferierte mit Mellon per Radiotelephon über den inzwischen eingegan­genen Text des franzö fischen Vorschla­ges über die Regelung der Sachlieserungen wahrend des Aufschubjahres, wie verlautet, ftimrnt Amerika zu, daß die Sachlieserung fortgesetzt werde, daß aber die dafür notwendige Summe von 25 Millionen Dollar der deutschen Regie­rung zurückgeliehen werden müsse. Vie Meinungsverschiedenheiten über diese Frage werden von amtlicher Seite als sehr schwerwiegend bezeichnet und es wird erklärt, daß Amerika ent­schlossen sei, auf dem Geiste des hoooerschen Vor­schlages In allen seinen Einzelheiten zu bestehen.

von amtlicher Seite wurde dem Vertreter des WIB. erklärt: wir sind eben im Begriff, das fran­zösische Memorandum übet die Reparationen in freundschaftlichem Geiste zu studieren. Die haupt- schwierigkeit besteht darin, daß wir in Vorschlag brachten, die verschiedenen Fragen müßten einem Ausschuß von Sachverständigen der verschiedenen Schatzämter übergeben werden, mit der festen Anweisung, daß die ein­zelnen Fragen im Geiste des Vorschlages des Präsidenten geregelt werden müßten. Das ist nun der punkt, dem d i e Franzosen nicht ; ustimmen wollen. Sie wünschen, daß den Sachverständigen vollkom­mene Freiheit in der Entscheidung dieser An­gelegenheit gegeben werde, während wir erflären, daß dies keine befriedigende Lösung ergeben könne, wix wollen die bestehenden Ver­träge über die Reparationen keineswegs zerstören, aber es darf während des vorgeschlagenen Feier- jahres das Budget keines Landes be­lastet werden, wenn die ftanzösische Regierung ;. V-, nachdem sie durch die französischen Käufer der deutschen Sachlieferungen bezahlt wor­den ist, zustimmen würde, daß dieses Geld Deutschland wied'er geliehen würde, dann läge dies im Sinne des Vorschlages des Prä­sidenten, ebenso wie die Rückleihung des Geldes für die Reichsbahn. Dies ist der einzige punkt,

es während des 3ahreS der Zahlungseinstellung auf nichts Anspruch erheben wolle.

Aus dem allem gehe hervor, daß anscheinend in der Hauptfrage die beiden Regierungen im wesentlichen überein ft immen. Die anderen Fragen seien nicht mehr derart schwerwiegenden Charakters, daß sie einen Grund für die weitere Verschiebung einer endgültigen Vereinbarung zwischen den beiden Regierungen darstellen, vor allem, da sie schwierige Fragen im Zusam­menhang mit dem Voung-Plan mit sich bringen würden, an dem die Vereinigten Staaten nicht beteiligt seien. Die ameri­kanische Regierung biete eine positive Form der Beendigung der Verhandlungen an. und zwar so. daß die ftanzösische Regierung den Vorschlag des Präsidenten a n ne hm e und alle tech­nischen Fragen, in denen man sich bisher nicht verständigt habe, an einSachver- ständigenkomitee wie das vorgeschlagen« verweise, diesem aber die Anweisung gebe, daß es die Fragen im Sinne des Hoover-Vorschlags erledigt.

über den gegenwärtig zwischen den beiden Regie­rungen Meinungsverschiedenheiten bestehen. Aber es ist ein sehr heikler Punkt und wir können nicht nachgeben, weil sonst die Gefahr be­stünde, daß der durch die Sachverständigen auszu­arbeitende plan Deutschland nicht die vorgeschlagene Hilfe geben würde. 3n dieser Hinsicht hat daher die französische Regierung den hooverplan nicht im Prinzip angenommen, wir hoffen jedoch, daß dies in den nächsten zwei oder drei Tagen sicherlich geschehen wird.

Gedrückte Stimmung in Paris

Die Auffassung der Pariser Morgenpresse.

Paris, 6. 3uli. (WTB. Funkspruch.) Die Morgenpresse bringt eine Washingtoner Meldung deS Reuterbureaus aus Washington, nach der Mellon beauftragt wurde, die französische Regie­rung davon in Kenntnis zu sehen, daß ihre Stel­lungnahme zum bachlieserungsproblem wenig befriedigend sei. Eine Meldung der Agen­tur Fabria geht jedoch noch weiter und behaup­tet, Präsident Hoover habe nach einer «inständi­gen Konferenz mit Castle und Mills erklärt, di« ftanzösische Antwort sei nicht annehm­bar. Dazu schreibtPetit 3ournal",Hoovers Erklärung wird die offiziellen französischen Kreis« überraschen, in denen man auf eine günstig« Ausnahme unserer Antwort gefaßt war. Di« Richtannahme unserer Antwort schasst au f 6 neueeineKrisenatmosphäre. Man muß mm genauere Einzelheiten über die Maßnahmen abwarten, die die Washingtoner Regierung zu ergreifen gedenkt. Aber bereits jetzt kann man erklären, daß das Vertrauen, das die Welt ge­genwärtig so sehr braucht, von der Wendung, die die Ereignisse nehmen, nichts zu gewinnen hat". Weniger pessimistisch urteilt derMatin", er spricht davon, daß zwar Meinungsverschie- denheiten zwischen Amerika und Frankreich be­stünden, die sich aber in der Hauptsache auf Sach- lieferungsprobleme bezögen. Zweifellos würde di« Aussprache, die Flandin, Mellon und Edg« gestern nachmittag gehabt hätten, Hoover neue Aufklärung geben, es werde zu bedauern sein, wenn an dieser rein technischen Frage trotz ihrer Bedeutung das Gefamtabkommen scheitern sollt«.

Oer letzte Punkt: Oie Sachlieferungen.

Nochmals kritische Zuspitzung der Verhandlungen. Hoover gegen eine Be- lastung des deutschen Budgets durch Bezahlung der Sachlieferungen.

tereHen. England liegt in der Flanke dieser Auseinandersetzung und bedroht gewissermaßen beide Derhandlungsgegner gleicherweise. 3e mehr sich die Lag« zuspiht, um so wichttger und bedeut­samer wird die englische Rolle. Man braucht nur nichts zu tun und alles ist erreicht.

Die englische Oeffentlichkeit verfolgt die Vorgänge in Paris mit außerordentlicher Spannung. Sie rea­giert auf jeden Beleuchtungswechsel. Sie empfindet jede Nuance und steht dabei mit ganzem Herzen hinter Hoovers finanziellen, jedoch nur mit halbem hinter feinen weltpolitischen Plänen, die sich hinter seiner Aktion verbergen. Dennoch ist der auf Frank­reich ausgeübte Druck ungeheuer. Bedenkt man, daß die Engländer nur in ganz seltenen Augenblicken ihrer Geschichte, manchmal aus reiner Torheit her­aus, sonst aber kaum je, offen gedroht haben, daß sie immer mit verdeckten Karten spielen, so liegt in dieser Gewohnheit heute eher eine Verstärkung des Druckes als eine Verminderung. Man schaltet sich nur psychologisch ein. In London will man die Franzosen nicht bis zur Weißglut reizen, da man sie besser kennt als die Amerikaner. Man weiß nicht, was passieren kann. Man traut dem Frieden nicht.

Die Wirtschaft, die Finanz, alles was wirtschaft­lich denkt, ist Feuer und Flamme für Hoover. Aber das ist nicht das ganze England. Jedoch in diesem Augenblick ist es im Ganzen geschlossen. Je mehr sich die Amerikaner engagieren, um so besser für London, um so wertvoller werden alte Erfah­rungen auf dem alten Kontinent. Mit einem Worte

die Aktion Hoovers ist für England wirklich eine ganz große Sache: das größte Unternehmen seit dem Kriege. Wir stehen im Anfang eines finan­ziellen Weltkrieges. Der Deutsche ist zahlender Zu­schauer, aber nicht einflußlos, sofern er die Nerven behält. Er braucht nur stille zu halten. Ist er heute auch noch Marionette auf dem europäischen Thea­ter, so kann man doch nicht wissen, wie schnell die Marionette zu Straften kommt, wenn man sie erst vom ftanzösischen Druck befreit. Deutschland be­findet sich heute von London aus gesehen, so selt­sam es klingt, in der gleichen Lage wie die Fran- zosen bei der großen Schlacht in Frankreich. Die Revision von Versailles hat begonnen.

Pressionen ans London.

Was man Deutschland als Entgelt für den Hoover-Plan zumuten möchte.

ß o n b o n, 5. 3ult (Täl.) Die führenden Sonn­tagszeitungen sind von dem Ergebnis der ameri­kanisch-französischen Verhandlungen durchaus be­friedigt, weil die Hauptsache erreicht sei. daß nämlich die internationalen Zahlungen zunächst auf ein 3ahr eingestellt würden unb formt das Prinzip des Hooverplans durchgedrungen sei. Sie nehmen hierbei di« schweren Bedin­gungen für Deutschland auf die leichte Achsel und wenden sich mehr den bevorstehenden Verhandlungen zwischen England und Frankreich über den Garantiefonds zu. ^Observer"

glaubt, daß Snowden m dieser Frage mehr Nachgiebigkeit zeigen würde, als er es im Haag getan hat und meint, daß die bisherigen Abmachungen hinsichtlich der ungeschützten Re­parationszahlungen ein glückliches Vorspiel für den Besuch deutscher Mmister in Paris seien. England und andere Rationen, so behauptet die ..Sunday Times", stimmten mit der französischen Auffassung darin überein, daß die Durchführung des ^»overplanes sicheinfacher gestalten würde, wenn die Zollunionspläne bis in alle Ewigkeit v er ta g t würden und Deutschland das Recht auf den Ersatz seiner veralteten Linienschiffe auf­geben würde.

Nie Verwendung der gestundeten Schulden.

Eine Erklärung Brünings.

Washington, 5. 3uti. (WTD.) Das Staats­departement veröffentlichte ein Telegramm des amerikanischenBotschafters in Berlin, Sackett in dem es heißt, Reichskanzler Dr. Brüning habe zugesagt, den Betrag der auszusehenden Schuldenzahlungen nicht für Rüstungszwecke sondern in seiner ganzen Höhe zur Aus­gleichung des Reichshaushalts zu ver­wenden. Dr. Brünings Erklärung erweckte in amt­lichen Kreisen große Befriedigung.