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Nr. 79 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Samstag, 4. April 193|
Am Wendepunkt der Konjunktur?
Interessante Antworten auf die Frage nach der Wiederbelebung der deutschen Wirtschaft.
Das Vertrauen zur Börse als Symptom der Besserung.
Der Äankier sagt:
„Au und für sich ist eS immer gefährlich, Prognosen zu stellen, jedoch kann man ohne leichtsinnigen Optimismus annchmcn, dass in den nächsten Monaten eine leichte, aber doch merkliche Besserung der deutschen Wirtschaftslage zu erwarten ist. Das Jahr 1930 hat boS KurSniveau der Weltb,rse geradezu katastrophal herabsinken lassen, was sich besonders auch auf den deutschen Effektenmärkten fühlbar ausgewirkt hat. Hinzu kamen die schweren innerpolitischen Erschütterungen und die nicht von ollen Leiten günstig aufgenomnzenen Rcichstagswahlen, die zu einem Ansturm des Publikums auf die Bankguthaben und zu einem völligen Zurückziehen jeglicher DörsenorderS ge- fül)rt haben.
Schonzeit Mitte Februar ist jedoch ein U m - schwung in dieser Beziehung cingetreten, und die Kun^chaft. die ja für mich als Effektenhändler ein sehr guter Maßstab ist, hat wieder Vertrauen gewonnen und in größerem Umfange Börsenorders gegeben. Auch das Ausland kauft wieder in erheblichem Umfange deutsche Effekten, und zwar besonder- Holland und die Schweiz.
Obwohl sich im Augenblick die wirtschaftliche wie auch die innerpolitische Lage nicht wesentlich gebessert haben, so zeigt sich doch in vielen BerufSkreisen ein gesunder Optimismus, zumal am Ultimo Februar nach längerer .leit an der Börse keine Bankinsolvenz zu verzeichnen war. Allerdings sind in der letzten -Zeit die Kurse nicht unerheblich gestiegen: jedoch darf man nicht die unerhört starken voraufgegangenen Rückgänge vergessen. Sowohl was den inneren Wert der meisten Gesellschaften als auch die zu erwartende Dividende betraf, war das Kursniveau außerordentlich unterbewertet, so daß die in den letzten Wochen eingetretenen Steigerungen lediglich eine naturgemäße Reaktion darstellen. Eine besondere Gefahr für die Börse besteht meines Erachtens nur in der Baisse- Partei, die zwar im Augenblick zum größten Teil an die Seite gedrängt ist, jedoch die kleinste Gelegenheit wahrnehmen wird, ihren verderblichen Einfluß zurückzugcwinnen.
Zusammenfassend rechne ich mit einer, wenn auch langsamen Besserung der allgemeinen Wirtschaftslage und somit auch mit einer weiteren Belebung des Effektenmarktes, die nur durch innerpolitische Schwierigkeiten unterbrochen werden könnte. Dies zu vermeiden, ist jedoch in erster Linie Aufgabe der Regierung. Das Publikum hat jedenfalls daS Vertrauen für deutsche Effekten zurückgewon- nen, und cs wäre aufs äußerste zu bedauern, wenn verantwortungslose Kreise diese- Vertrauen wieder durch Börscnmanipulationen erschüttern würden."
Der Großhandel am Ausgang eines schwierigen Winters.
Von Generalkonsul Valentin:
„G- ist schwer zu sagen, ob der Tiefpunkt erreicht ist. Die Börse mit ihrem feinen Gefühl zeigte in der Entwicklung der allerletzten Zeit eine Bewegung, die auf Zuversicht schließen läßt. Gewiß sind auch kleine Erleichterungen der Depression sestzustellen: der Winter ist ohne Straßen- kampf und Bürgerkrieg vorübergegangen und die
Oster-Essen, Oster-Feuer.
Von Hans Siemsen.
Ostern. Frühling. Kleine Lämmer Hüpfen aus den Wiesen. Anfangs Hüpfen sie gar nicht, stehen mit steifen kleinen Beinen hinter ihren Müttern und wissen noch nicht, wie man eS anstellt, Gras zu fressen. Sie saugen an ihren Müttern, dabei wackelt ihr kleines Lämmerschwänzchen wie der Klöppel eines elektrischen Läutewerks. Erst wenn die Sonne viele Tage lang warm auf sie geschienen hat, machen sie plötzlich ihr erstes Hüpser- chen und fallen erstaunt aus ihre vier ungeschickten Beinchen zurück. Dann dauert es nicht mehr lange und sie können selber anfangen, die ersten kleinen Grashalme zu fressen und den bittersüßen Klee.
Die Menschen lieben die Ratur, pflücken, weil Frühling ist, Frühlingsblumen. Osterblumen, Schneeglöckchen, Primeln und Schlüsselblumen, sehen mit Rührung die kleinen Lämmer an und offen, weil Ostern ist. ihr Osterlamm.
Osterlamm, Opferlamm. „O Lamm Gottes, unschuldig am Stamm des Kreuzes geschlachtet", sangen wir in der weißgctünchten kleinen Dorfkirche. in der mein Vater auf der Kanzel stand, in einem schwarzen Talar, mit weißen Däsfchen. so daß ich ihn gar nicht recht wicdererkannte und viel Respekt vor ihm haben mußte, wenn er so ganz allein und feierlich vom Altar zur Kanzel schritt und von der Kanzel wieder zum Altar.
Einmal hatte ich gerade zu Ostern Geburtstag. Da stand ein lebendiges kleines Lamm unter meinem Geburtstagstisch. So klein, so wnß. so zart, rosa schimmerte die Haut durch das weiße Fell. Aber das Lamin wuchs schneller als ich, und als eS Sommer wurde, war es ein großes Schaf geworden, das mich in die Brennesseln stieß, wenn wir miteinander spielten, und meinen neuen Etrohhut auffraß.
Der Osterkuchen wurde in doppelter Form gebacken. Für uns Kinder durste er nicht ganz gar gebacken sein. „Ungarcr Kuchen" hieß er deshalb und daraus wurde allmählich .Ungarischer Kuchen". Schwer zu vertragen! Aber Kinder vertragen ja alles.
Die Ostereier wurden blau. rot. grün und braun gefärbt und mit einer Speckschwarte abgerieben, damit sie glanzten, als waren sie lackiert. Dann mußte jedes Jahr von neuem Mutter die Geschichte erzählen von dem Knecht in ihrem väterlichen Hause, der die Wette einging: Hundert hartgekochte Eier wollte er zu Ostern essen und das letzte mit der Schale. Run
einheitlich feste poetische Führung de- Reichschafft wieder Vertrauen. Von besonderer Wichtigkeit für die Wirtschastsentwicklung der kommenden Monate wird sein, ob es gelingt, die Bautätigkeit in Gang zu bringen. Die Entwicklung des Baugewerbes einer Stadt ist an sich entscheidend für die wirtschaftliche Gestaltung, denn die Dauwirtschast beschäftigt alle möglichen Gewerbe. Darüber hinausgehend aber auch ist die Bauwirtschaft so ziemlich für die gesamte Industrie des Londes der größere Abnehmer, so daß man wohl sagen kann, daß das Bauwesen wesentlich und gesetzmäßig mitbestimmend für alle Zweige von Industrie. Handel und Wirtschaft ist.
Gewiß fällt der augenblickliche Zusammenbruch der Dauwirtschaft in die allgemeine Weltkrise. Dieser Zusammenbruch wäre aber nicht in dem Ausmaße erfolgt, wenn nicht das freie Spiel der Kräfte und das gegenseitige Befruchten in erheblichem Umfange gestört worden wäre durch die künstliche Beeinflussung der Dauwirtschaft, die in der Einwirkung der öffentlichen Hand zu erblicken ist. So ist der Rückschlag nach der Periode einer starken Bautätigkeit doppelt schwer, ein Rückschlag, der zweifellos nicht in diesem Umfange hätte eintreten brauchen und dürfen, eine einsichtsvollere Führung hätte ihn wesentlich mildern können.
Immerhin besteht kein Grund, trotz der ungünstigen Lage der Bauwirlschaft von einer Katastrophe zu reden, denn auch in diesem Jahre können immer noch so viele Wohnungen erstellt werden, daß wenigstens im Wohnungsbau keine Stockung Eintritt. Auch muh erwartet werden, daß das private Baugewerbe, wenn überhaupt eine allgemeine Wirtschaftsbelebung sich bemerkbar macht, bei der Modernisierung und Renovierung des Altwohnungsraumes einen Ersah bei mangelnder Reubauauftragserteilung finden toirb.
Was die Preisgestaltung anbelangt, so kann jedenfalls eine weitere Preisermäßigung im Großhandel kaum erwartet werden. Die Senkung der Großhandelspreise geht auch aus dem Großhandelsindex hervor, der jetzt bereits auf 113,8 Punkten angelangt ist, während der allgemeine Index noch bei 140 Punkten steht. Im übrigen ist die Preissenkung bisher nur einseitig von der Wirtschaft getragen worden. Die absoluten Kosten wie Mieten, Steuern, Frachten, Post,, Telephon, Soziallastcn, Elektrizität, Gas usw. sind von der Preissenkung bislang ausgenommen worden. Hier muß vor allem schnellstens eingegrisfen werden."
Schwierigkeiten
-es Wiederaufstiegs.
Or. $. von Poll, von der „Hauplgemcinschaft des Deutschen Einzelhandels":
„Die zweifellos in den letzten Wochen festzu- stellende leichte Besserung der Absatzverhaltnisse gegenüber den letzten Monaten darf nicht überschätzt werden. Die verzweifelte Stimmung deS Jahres 1930 droht in einen „Optimismus aus Nervenschwäche" umzuschlagen. Das wäre aber ebenso gefährlich, wie der bisherige Pessimismus lähmend war. Die Bemühungen der Regierung sowohl wie der ganzen Wirtschaft gehen dahin, dem Moloch Arbeitslosigkeit beizukommen. Es ist Arbeitsstreckung (durch Kurzarbeit) durchgeführt worden, und sie soll je nach betrieblichen Möglichkeiten weiter versucht werden, um das Heer der Arbeitslosen in gewissem Maße zu verringern. Wenn es gelingt, in größerem Umfang durch Arbeitsstreckungsmaßnahmen Arbeitslose wieder ei nzu stellen, so er
warteten wir, was weiter geschähe. Hatte er hundert Eier gegessen und das letzte mit der Schale? War er am Ende daran gestorben? Hatte er wenigstens Leibweh bekommen? Aber daS erfuhren wir nie. Diese Geschichte hörte, wie alle schönen Geschichten, in der Mitte plötzlich auf.
Wie war es nur möglich, daß durch die harte Eierschale immer ein wenig Farbe hindurchdrang bis zu dem Eiweiß? Wenn man die bunte Schale der Ostereier abgeklopft hatte, waren auf dem hartgekochten Eiweiß feine kleine Aedcr- chen zu sehen: blau, rot, grün. Wie die Adern auf der marmorierten Tapete im Flur. War es nicht gefährlich, diese giftgrünen Marmoradern mitzuessen?
Die bunten Eier töurden im Garten versteckt und unser Garten war sehr groß. Immer waren ein paar Eier so gut versteckt, daß selbst der, der sie versteckt hatte, sie nicht wiederfinden konnte. Im Juni oder Juli, mitten im Sommer, fand sich dann plötzlich ein buntes Osterei in der Buchsbaumhecke oder im Lebensbaum. Und lange wurde die Frage diskutiert, ob dies Ei wohl noch zu essen sei. Es war nicht mehr zu essen! Aber nun konnte die Geschichte erzählt werden von den Chinesen, die faule Eier essen. Und faule Eier waren für sie eine Delikatesse! China war wohl ein seltsames Land. Und es wurde noch seltsamer dadurch, daß wir nicht wußten, was eine „Delikatesse" war. Faule Eier waren „eine Delikatesse". Und ich habe lange Jahre gebraucht, um zu erfahren, daß „eine Delikatesse" nicht unbedingt etwas Häßliches zu sein braucht.
Wichtiger als alles Essen aber war das Osterfeuer. Es ist ein heidnischer Brauch. Das Feuer vertreibt den Winter und begrüßt die neue Sonne und den Frühling. Mehr als bei allen anderen Festen begegnen sich Ostern heidnische Bräuche mit denen der Kirche.
Anatole France erzählt von dem alten Eremiten, der sich fo einsam fühlt in den noch heidnischen Wäldern Frankreichs in der Osternacht. Christus scheint wirklich gestorben zu fein. Es ist so dunkel. Aber als am Morgen die Sonne aufgeht, faßt der Alte wieder Mut, froh ist ihm zumute und er begrüßt die Sonne und den Wald und die Geschöpfe des Waldes mit seinem Öfter* grüß: „Halleluja, halleluja! Er ist auferstanden! Halleluja!" Und alle antworten ihm. Wenn sie auch nichts von Christus wissen, so ftnb sie doch froh, weil die neue Sonne da ist und der Frühling. Und sogar der nichts als heidnische mutwillige kleine Faun antwortet fromm: »Er ist auferstanden!" Ec meint den Frühling.
geben sich darau- mannigfaltige Wirkungen aus die Kaufkraft.
Jede Lohnkürzung wirkt sich tut Einzelhandel am stärksten und schnellsten in einem Umsahrück- gang derWarcn deS gelegentlichen Bedarfs (wie HauSrat, Möbel, Radio usw.) auS. Dann aber auch beim periodischen Bedarf, wie Bekleidung. Wird von der Industrie zur Kurzarbeit übergegangen, so merkt das auch der Lebensmittelhandel, der ja sonst von den Schwankungen weniger berührt wird. 3c besser aber die BeschäftigungSverhältnisse werden, um so größer ist die Kaufkraft. Die Arbeitslosen, die lange keine Beschäftigung hatten, werben von ihrem Verdienst zunächst einmal ihre Schulden bezahlen müsien, ehe an ein Kaufen gedacht werden kann. Rur wenn den Reueingestellten eine gewisse Sicherheit für die Beschäftigung gegeben werden kann, dann können auch sie daran denken, außer den absolut notwendigen Lebensmitteln Dinge wie Anzüge, Schuhe, Wäsche zu kaufen. Rur wenn der Kunde sein Einkommen für eine gewisse Zeit voraus mit Sicherheit feststellen kann, wird er sich Dinge zulegen. deren Kauf sein Einkommen für längere Zeit belastet. Wichtiger also noch als die Höhe des Einkommens der Reueingestellten ist die Sicherheit. Daraus erst kann dem Einzelhandel eine Besserung erwachsen.
Dann gibt es noch etwas, was den Warenverkehr zum Stocken brachte: Die Preisabbaupsychose. Die Käufer warteten auf ein weiteres Sinken der Preise selbst dort, wo das praktisch nicht mehr möglich war. Die Rohstoffe machen ja nach den Ermittlungen des Instituts für Konjunkturforschung bei Textilien nur 20 Prozent, bei Lebensrnitteln nur 60 Prozent des Ladenpreises aus. Die Erspar- niffe, die der Rückgang der Rohstofspreise brachte, werden zum großen Teil aufgewogen durch die nicht oder kaum ermäßigten Preise der Frachten, der Posttarife, der öffentlichen Lasten und der Mieten. Für den Kleinhändler macht der Mietanteil 25 Prozent seiner Unkosten aus. Man kann es verstehen, daß es ihm außerordentlich erschwert wird, auf der einen Seite die Preise zu senken, wenn er gleichzeitig auf der anderen Seite u. a. für ßaöcnmiete vielleicht 200 Prozent, teilweise sogar bis 400 Prozent Der Friedensmiete bezahlen muß.
Die Warenlager sind allgemein äußerst eingeschränkt worden, teils weil daS Geld fehlte, dann auch, weil man bei sinkenden Preisen nicht auf den Waren sitzen bleiben wollte. Sobald sich die Kaufkraft des Publikums stärkt, werden auch Abnehmer für die Waren da fein und dann wird auch die Industrie vom Einzelhandel wieder Aufträge bekommen können, denn schließlich müssen ja die Lager einmal wieder auf gefüllt werden."
Ausnahme oder Vorläufer?
(Sine leitende Persönlichkeit des Telefunken.
Konzerns sagt:
„Eine Aeußerung zur Wirtschaftslage au- der Radio-Industrie muß im augenblicklichen Zeitpunkt insofern ein besonderes Gepräge haben, als wir uns am Ende der Hauptgeschäftszeit, des Winter, befinden und zur Zeit alle Kräfte am Werke sind, um die neue Saison vorzubereiten. Der vergangene Winter ist für das Radiogeschäft sowohl gegenüber dem Vorjahre wie gegenüber den Erwartungen als ein sehr guter Erfolg zu werten. Die Popularität des Rundfunks schreitet mit der Vervollkommnung von Sende- und Empfangsgerät fort. Das Musik-
Und die Elster singt: „Halleluja, hallelujal Drei kleine Eier liegen in meinem Rest, braun und grün gesprenkelt. Halleluja, er ist auferstanden!" Unser Osterfeuer war das größte im Torf. Tagelang hatten wir dürres Holz, Aeste, Zweige, ganze Gebüsche auf dem leeren Kartoffelacker hinter unserem Garten ^ufammengetragen. Wie loderten die Flammen! Und wenn wir auch nicht sagten: „Halleluja, er ist aus erstanden!" so fühlten wir doch dasselbe wie der Faun und die Elster und der Eremit und dachten dabei, wie die Elster und der Faun an den Frühling, der nun kam, und an den Sommer, der kommen würde. Und vielleicht dachten wir auch gar nichts, waren nur froh.
Und wenn es schon etwas später im Jahr war, so daß die Abende schon milder wurden, dann fangen wir das Lied von Paul Gerhardt, das gar nicht für Ostern und nicht einmal für den Frühling, sondern eigentlich für den Sommer gedacht war. Denn Kinder sind der Jahreszeit immer ein wenig voraus: „Geh' aus, mein Herz, und suche Freud!" Und besonders den DerS:
Die Lerche schwingt sich in die Lust, Das Täublcin fleucht aus seiner Kluft Und macht sich in die Felder.
Die hochbegabte Rachtigall
Singt und erfüllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Tal und Wälder, Berg, Hügel, Tal und Wälder.
Aber das fangen wir, wenn das Feuer schon ausgebrannt war und die Rächt wieder still. Denn die wilden Flammen hätten nicht gepaßt zu diesem milden und friedlichen Lied und seiner fröhlichen Melodie.
,3bre Majestät die Liebe."
So heißt ein neuer Tonfilm, der auf dem Ostcr- programm des Lichtspielhauses steht und einen besseren Besuch verdient, als er vorgestern Abend zu bemerken war. Es lohnt sich, diesen Film zu sehen und zu hören, nicht so sehr der Handlung wegen, die nichts Besonderes bietet, motivisch übrigens ein wenig an die kürzlich hier oorgeführte „Privatsekretärin" erinnert; ein Luftspielchen, in dem es beinahe furchtbar ernst wird und das mit Tränen zu enden droht (aber sie kriegen sich am Ende doch: nur keine Angst!) — eine bittersüße Liebesgeschichte also, ziemlich unwahrscheinlich übri» gens, wie man sie ähnlich schon öfters gesehen hat. Was bemerkenswert an diesem Film erscheint, ist die Art, wie ein durchschnittliches Manuskript (in diesem Fall: von Bernauer und O e st e r r e i - tf)er) auf eine, originelle und überdurchschnittlich'
bedürsniS ist gestiegen — Ausdruck unserer Zeit! — und wir sind auch für die weitere Snttvick- lung im gleichen Sinne auf lange Zeit optnmstisch ohne in einen krankhaften OptinnSrnuS zu verfallen. Trotz der wesentlich gesunkenen Preise dürfte der Umsatz in der jetzt zu Ende gehenden Saison die der vorjährigen mindesten- erreichen, ein Beweis für die Ausdehnung des Geschäfte-', für die neue Saison 1931 32 erwarten wir mindestens ein Gleiches.
Der bei Betrachtung der deutschen Volkswirtschaft als Danzes besonder- interessante Export ist an dieser Entwicklung wesentlich beteiligt Deutschland ist nächst den Vereinigten Staaten das größte Radio-Gxport-Land der Welt. Das deutsche AuSlandgefchäft hat stet- auf einer Basis durchgeführt werden können, daß e« brauchbaren Gewinn brachte, während bekannt ist, daß die amerikanische Rundfunk-Industrie tm vorigen Jahre nach Zeiten hemmungsloser Uebcr- produktion die Lager zu Schleuderpreisen abwerfen mußte, bei denen von Kalkulation keine Rede mehr fein konnte. Obwohl im Au-lande der Konkurrenzkampf mit der heimischen Industrie einerseits, den U. S. A. andererseits immer härter wird, erwartet man auch hier für die sorgfältige zuverlässige deutsche WerlmannS-Arbeit weiterhin gute Erfolge.
Das Wettrüsten auf dem R u n dfunk- gebiet bringt der Industrie natürlich belangreiche Aufträge. So find die neuen Großsender Mühlacker und Langenberg allgemein bekannt, es werden im Programm der deutschen Reichspost noch in diesem Jahre eine ganze Anzahl weiterer Großsender entstehen. Bon besonderem Interesse dürfte auch hier das AuSland- geschäst sein, das der deutschen Radio-Industrie z. B. den Dau der Großsender OSlo und der gleichstarken Station Banking brachte, die in diesen Tagen eröffnet wird. Reben diesen Rundfunk-Aufträgen läuft daS Geschäft für den Handelsfunk, auS dem wir die modernsten Strahlenwerfer-Anlagen in Venezuela, in der Tschechoslowakei und in Spanien erwähnen. Hier wird für Telegraphie, Telephonie und Bildsiink noch immer weitere Arbeit erschlossen."
Finanzierung von Tkoiftandsarbeiien.
Die Deutsche Gesellschaft für öffentliche Arbeiten teilt mit:
„Wie bekannt, hatte die Deutsche Gesellschaft für öffentliche Arbeiten zur Gewährung von Darlehen für Rotstandsarbeiten zunächst einen Betrag von 45 Millionen Mark be- reitgeftcllt. Inzwischen ist dieser Betrag durch Darlehenszufagen voll in Anspruch genommen. Darüber hinaus ist es der Gesellschaft möglich gewesen, ihr Kreditprogramm um 20 bis 25 Millionen Mark, also bis auf 70 Millionen Mark zu erhöhen. Im übrigen find die weiteren Mah- nahmcm der Gesellschaft von der Entwicklung der Verhältnisse auf dem Kapitalmarkt abhängig.
Die bislang von der Gesellschaft bewilligten Darlehen belaufen sich zur Zeit auf 4 9,8 Millionen Mark, wovon der größte Teil auf umfangreiche wirtschaftliche Objekte entfällt. Finanziert werden Talsperren, Hoch- wasserfchuhbauten, Gassemversorgungsanlagen, eine Reihe von verkehrswirtschaftlich besonders wichtigen Dahnbauten und dergleichen. Die in Betracht kommenden Objekte sind teilweise aus Einzelmitteilungen der Presse bereit- bekannt, so die Odertalsperre bei Osterode im Harz, daS Speicherkraftwerk der Preag bei Bringhausen, die Eaidenbachtalsperre bei Chemnitz, das große Projekt der Wasserversorgung Mittelsachsens. Erweiterungsanlagen der sächsischen Landesgasver- forgung, verschiedene Kanalbauten wie die Fortführung des Mittellandkanals bei Braunschweig, die Staustufe bei Heilbronn, ferner eine weitere Stufe nebst Kraftwerk bei Erlabrunn. Die Ge-
begabte Weise inszeniert und gedreht wurde. Regie führte Joe May, und man spürt allenthalben die sehr sichere Hand dieses erfahrenen Filmschöpfers, der Gefühl für bildmäßige Wirkungen und Möglichkeiten beweist und eine Menge aparter und origineller Einfälle anzubringen versteht. Das Liebespaar spielen diesmal ausnahmsweise nicht Lilian Harvey und Willy Fritsch, sondern die junge Käthe von Nagy, die sich schauspielerisch erstaunlich entwickelt hat, seit wir sie zuletzt gesehen haben, — und der in Berlin als Romeo und Partner tzer Elisabeth Bergner bekanntgewordene Franz L e • derer; er wirkt wie ein jüngerer Bruder von Moissi und spielte bei uns zuerst in der „Wunderbaren Lüge". Aus der Fülle des Ensembles drei sehr gute Komiker: Otto üßal Iburg (früher in Frankfurt bei Hellmer), Ralph Arthur Roberts und Szöke Szakall; ferner: (Brett Theimer; fflerron; Steinbcrf; die Sandrock; Tibor von chalmay. — Musik: Schmidt-Gentner; Jazzband: de Bries. —r—
Wer hat das Rhönrad erfunden?
Es war ein Pfälzer, Otto F e i ck, der schon al- Junge den Gedanken gefaßt hatte: er holt sich aus der großväterlichen Schmiede zwei Reisen, verbindet sie miteinander, um damit zu trudeln, darin herumzurollen — er quetscht sich die Finger. Doch die Idee lebt. Bon den Franzosen gegangen, arbeitet er sie weiter aus. Ausgewiesen ging der Pfälzer in die Heimat seiner Frau, in das arme, hübsche Bergland der Rhön. In Schönau an der Brenz in Unterfranken eröffnete er einen kleinen Betrieb für Metallbearbeitung. Dort entstand fo nebenher das neue Turnrad. Die Schönauer Dorfjugend erprobte es in heller Begeisterung. In feinem Dankgefühl für die neue Heimat, die der vertriebene Mann hier gefunden hatte, taufte er feine Erfindung Rhönrad. Das war vielleicht — fo schreibt Dr. Edwin Huber im Aprilheft von Belhagen & Klasings Monatsheften — nicht sehr vorteilhaft und gar nicht spekulativ gedacht, aber echt deutsch. Otto Feick erkannte bald den Wert seiner Schöpfung und bemühte sich im Glauben daran, die Aufmerksamkeit vor allem an Lehranstalten für Leibesübungen zu erwecken. Umsonst! Dem Erfinderglück folgte das Erfinderleid. Heute ist das Gerät in 26 Staaten außer Deutschland geschützt. Heute ist der Dann gebrochen, das neue Turn- und Sportgerät ist in der ganzen Welt wenigstens bekanntgemacht. Es ist ein rdeales Ausbildungsmittel für den Körper zur Durchbildung aller Muskeln, zur Stählung des Willens und des Mutes.


