Mittwoch, 4. März 1931
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)
Nr. 55 Drittes Blatt
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Aus der Wett des Films
zweifellos die am
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Zudecken,
Uebertrcibung
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übergegangenen (bzw. ihm entlehnten) Hamen für den „nervus rerum“: ,ür das Honorar, das am Abend nach beendeter Arbeit in schlichten Tütchen zur Auszahlung gelangt. —
Außer Ton und Farbe gehört aber zu einem wirklich vollkommenen Film auch noch das räumliche, körperliche Sehen der Bilder, zu dem auch schon allerlei Ansätze vorhanden sind; eS ist aber , i schwierigsten zu lösende Ausgabe. Aber einmal wird ihre Lösung auch ge
lingen, und wenn wir bann den sprechenden, na- tuvsarbigen körperlichen Film haben, bann erst wird er allen Ansprüchen genügen, die wir ei zeitlich an ihn stellen müssen. Der Liebhaber freilich wird noch auf lange Zeit hinter dieser Entwicklung im Hintertreffen bleiben müssen. Es ist aber immerhin schon schön, wenn et für verhältnismäßig wenig Geld stumme Schwarz-Weiß-Bilder ober auch bunte Bilder in seinem Heim auf die Leinwand zaubern kann.
Die großen Apparatebau-Gesellschaften arbeiten ständig daran, um die Wiedcrgaoeapparaturcn völlig betriebssicher auszubauen. Ein weiteres Ziel ist es, den technischen Prozeß bei der Ausnahme und Wie' dergabe der Tonfilme zu vereinfachen und nach Möglichkeit an Stelle der menschlichen Intuition und Gehorkontrolle die automatne^e Selbstrcgulicrung der Apparaturen zu setzen. Doch vorläufig ist eine einwandfreie Wiedergabe ohne einen geschulten und
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Oer Lie-ha-erfilm
Don Max Fischer
Oie „Oreigroschen-Oper" im Tonfilm.
Berlin. Ende Februar.
Mit der „Dreigroschen-Oper" hat vor 3af>r und Tag das Berliner Theater einen großcrn Sieg errungen. Beherzt macht sich die Tobis mit Warner Bros, zusammen ans Werk, die vielge- ruhmte und oft befehdete „Dreigroschen-Oper" zu verfilmen. Das gab nach Abschluß der Auf- nahmen einen hübschen Zank: Bert Brecht, der frei nach Bi Hon gearbeitet hatte, verleugnete sein angenommenes Kind, und Kurt Weill, der Komponist, wollte nichts von der Filmmusik wissen. Gerichtsverhandlung: Ladung zum Offenbarungseid: das verschwundene dilm- band, das der Gerichtsvollzieher gern haben möchte: endlich die Einigung, die wieder die Literaten auf den Kampfplan ruft Das ist schon beinahe ein Film für sich. Laßt uns sehen, was aus der „Dreigroschen-Oper" geworden ist.
Eine Festvorstellung im „Atrium", einem der schönsten Berliner Kinotheater, vermittelte den neuen Tonfilm dem Publikum. Aach einigen Minuten Spieldauer ist man bereits gepackt von dem Stoff, von der Darstellung, vergißt all den Zank und Streit, der um die Ausführung einmal oetobt hat. Denn unter der Regie von G. W. Pabst ist da ein Tonfilm zustande gekommen, der sich sehen lassen kann. Ein leises, vorsichtiges Hineintasten in die dem Dolksstück eigentümliche Atmosphäre von Alt-London; das gelingt durch die herrliche Photographie einiger geeigneten Bauten, einer Straße, eines Hasenplatzes. ganz ausgezeichnet. Dor dem Kai der Strahensänger, der die .Heldentaten" Mackie Messers sorgsam aufzählt und mit den blutrünstig gemalten Bildern jener Zeit herrlich illustriert — die Menschenmenge ist gepackt, ergriffen. Besonders ein junges Mädel. Plötzlich wird sie eines Mannes gewahr, der sie schon längere Zeit beobachte^
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Oer musikalische Steuermann
Hinter den Kulissen des Tonfilms.
Don A. K. von Hübbenet.
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sie weicht ihm aus, er folgt ihr und stellt sie. Bald weiß sie, an wen sie geraten ist, an Mackie Messer selbst, von dem alle Londoner Einwohner mit leichtem Gruseln erzählen. Und sie ist die Tochter seines Todfeindes, des Bettlerkönigs von London, Peachum, der sich gern „der ärmsten Mann von London" nennt. Liebe? Die Bande Mackie Messers stiehlt in London zusammen, was gut und teuer ist und was man zu einet Hochzeit notwendig braucht — und schon wird zu mitternächtlicher Stunde die Hochzeit in einem verfallenen Gemäuer gefeiert. —
Bloß daß diese Geschichte dem Peachum nicht gefällt. Seinem Todfeinde die Tochter — das kann er nicht ertragen. Stracks führt sein Weg zum Polizeibirektor Tiger-Brown, Mackie Messers Freund und Beschützer. Mit einer kleinen, hübschen Drohung schließt die Unterrebung: läßt Tiger-Drown nicht endlich Mackie Messer hängen, so wie er es schon lange verdient hat, bann wird der Bettlerkönig beim Einzug der Königin eine Demonstration von tausenden Bettlern aufmar» schieren lassen, was vermutlich die Veranlassung zur Verabschiedung des Polizeidirektors wäre. Was bleibt dem s^hr ehrenwerten Tiger-Drown übrig? Steckbrief gegen Mackie Messer, der durch seine Frau rechtzeitig gewarnt wird, Verfolgung und beinah Verhaftung in seinem Hause. Liebesstunde mit einer Zufallsbegegnung, nachdem die Flucht geglückt zu sein scheint. Hnb dann doch die Verhaftung. Aber davon erfährt der Gegner Peachum nichts.
Polly, die Frau Mackie Mesiers, führt inzwischen das .Geschäft" weiter, nachdem sie sich durch ein paar wohlgezielte Ohrfeigen des ergebenen Dienstwillercs der Genossen ihres Mackies versichert hat. Es gelingt ihr auch, im Verein mit einer anderen Liebschaft des vielbegehrten Mackie Messer, diesen aus der Haft und bannt vom Galgen zu befreien. Alles wäre gut, wenn nicht Peachum seine Bettlerhorden hätte marschieren lassen. Das führt zu gewaltigen Demon- ftrationen während des KronungszugeS, der Bettlerkönig ist seiner Macht beraubt, weil man ferne Heerscharen niederkartätscht, der Polizeidirektor wird seines Amtes enthoben. Aber sie finden schließlich, daß es für sie am besten sei, wenn sie vereint ihre .Geschäfte" machten und schließen
feinfühligen Steuermann nicht denkbar.
Damit ist die beim Aufkommen des Tonfilms gehegte Hoffnung, daß nunmehr auch der aluftischc Teil des Programms im billigsten und kleinsten Kino in gleicher Vollendung geboten würde wie im teuersten Urauffuhrungs.Palast, zuschanden gcwor- den. Schon oft haben Tonfilme, die bei der Premiere einen durchaus günstigen Eindruck hinterlassen hatten, in einem Nachsp.eltheater bei mangel' Hafter Tonwiedergabe zu stürmifchcu Protesten des Publikums geführt. Dabei mußte man feflstellen, daß ein stummer Film auch durch die kläglichste Begleitmusik nicht fo restlos um feine Wirkung ge bracht werden kann wie ein Tonfilm durch schlechte Tonwiedergabe. Es ist Tatsache, daß in weiten Be- sucherkrcisen die Ansicht vorherrscht, daß die Tonfilmtechnik sich noch in einem völlig unzulänglichen Stadium befindet. Man kann ohne Uebertrcibung sagen, daß die meisten der heutigen Tonfilmgegner noch nie einen guten Tonfilm in einwandfreier
In der Technisch-Literarischen Gesellschaft Berlin sprach kürzlich Ingenieur Zipfel über Liebhaberfilmerei. Der Vortragende ist selbst em begeisterter Filmfreund und hat schon im August 1914 Filmaufnahmen von den ausmarschierenben Truppen geniacht, unb zwar auf dem Emloch- Kleinfilm. Bei biesem Film befindet sich immer zwischen zwei Bildern ein Loch zum Weiterschieben des Films, während der Regelfilm bekanntlich zu beiden Seiten des Bildes mehrere Locher hat. Die damals verwendete ausländische kleine Licht- bilbfammer war Aufnahmegerät, diente zum Kopieren des ausgenommenen Films auf den Wie- dergabesilm - auf dem Aufnahmefilm sind ja hell und dunkel vertauscht— unb in Verbindung mit einem Lampenhaus als Bildwerfer bei der Wiedergabe. Die Aotwendigkeit, den ganzen Film zu kopieren unb die Mangelhaftigkeit bet bamaligcn Geräte war die LIrsache, daß die Lieb- Haberfilmerei nicht hochkommen konnte. Vor einigen Iahren aber kamen aus Amerika und Frankreich verbesserte Aufnahmegeräte mit eingebautem Febermotor auf den Markt, unb mit ihnen kam ber Umkehrfilm. Das ist ein Film, den man nicht zu kopieren braucht, bei dem man vielmehr durch Einwirkung chemischer Mittel auf den aufgenommenen Film selbst Schwarz in Weih und Weiß in Schwarz umkehren kann, so baß dieser Film, ohne kopiert zu werden, zur Wiedergabe benutzt werden kann. Aeuerdings hat auch eine Anzahl deutscher Firmen Aufnahme- und Wiedergabegeräte herausgebracht, die gut und verhältnismäßig preiswert sind.
Der Vortragende erörterte dann die Frage, warum der Liebhaber eigentlich den Schmalfllm statt des sogenannten Regelfilms verwendet, den die Lichtspielhäuser benutzen. Er beantwortete diese Frage dahin: Der Regelfilm, der einschließlich der Förderlöcher 35 Millimeter breit ift unb eine Bildgröße von 18 mal 24 Millimeter hat, wirb in unseren großen Lichtspielhäusern auf Dreiten bis zu 10 Meter vergrößert; für ben Liebhaber genügt aber eine Wiedergabeblldbreite von einem, höchstens zwei Meter, ba er ja seine -Silber gewöhnlich in irgendeiner Wohnung, aber nicht in einem großen Lichtspielhaus vorführen will. Dementsprechenb kleiner können auch feine Filmbilder sein. So kam man zu zwei Liebhaber- silmbildgröhen, dem 16-Millimeter-Film, der Schmalfilm genannt wird, unb dem 9,5-Millime- ter-Film. ber Kleinfilm heißt. Sie unterscheiden sich in ber Filmbildgröße nur wenig, denn diese beträgt beim Schmalfilm 7,5 mal 10,5 Millimeter, beim Kleinfilm aber 6,5 mal 9 Millimeter; Heide Filme haben auf dem laufenden Meter 132 Silber gegen 52 beim Regelfilm. 1 Meter Schinal- ober Kleinfilm enthält daher ebensoviel Handlung wie die zweieinhalbfache Länge Regelfilm; bei 16 Bildwechseln in der Sekunde, wie sie der stumme Film bisher hatte, braucht man beim Regelfilm J8 Meter Film in ber Minute, bei den letzt üblichen 24 Bildwechseln in ber Sekunde sogar 27 Meter, beim Klein- unb beim Schmalfilm aber nur 7 Meter bei 16 Bildwechseln in ber Sekunde. Dies äußert sich natürlich stark m den Kosten unb in der Bequemlichkeit ber Mitführung der
dem Aufgabenkreis des Steuermanns, den Vorführer, mit dem er durch eine dire.te Telephonleitung verbunden ist, auf etwa eintretcnde technische Störungen der Lautwicdergabe aufmerksam zu machen. Solche Störungen machen sich durch verschiedenartige 'Nebengeräusche bemerkbar, deren Ursprung ein geübtes Ohr mit ziemlicher Genauigkeit bestimmen kann.
Es gibt zwei Arten von Tonfilmen: 'Jlabclton- filme, wo der Ton wie beim Grammophon auf Schallplatten festgehalten ist, und Lichttonfilme mit photographischer Aufzeichnung des Tones. Bei Nadeltonfilmen kann es unter Umständen passieren, daß der Gleichlauf von Ton unb Bild gestört wird, wenn nämlich der Vorführer die Startmarken auf Film und Platte nicht richtig einstellt, die Platte nicht fest genug an die Unterlage festschraubt, so daß sie verrutscht, ober aber — was allerdings nur selten dop kommt — wenn die Nadel während der Vorführung aus der Plattenrille springt. Beim Lichttonfilm find Störungen des Synchronismus fast ausgeschlossen, weil BÜd und Ton sich auf einem Filmband vereint befinden. Die Tonaufzeichnung läuft als zwei Millimeter breiter Streifen zwischen Bild unb Perfora- tionsranb, wobei die zueinander gehörigen Bild- unb Tonstellen um etwa 30 cm auseinanöerliegen, was bem Abstanb zwischen der Linse des Projektionsapparates und ber sogenannten Photozelle entspricht, bie die photographische Tonaufzeichnung in elektrische Stromimpulse umwandest. Dieser Abstand zwischen Bild und Ton ist übrigens auch der Grund dafür, weshalb man Tonfilme nach Fertigstellung der Positive nicht mehr umarbeiten unb umschnei- ben kann.
Störungen der Klangreinheit des Tones unb Nebengeräusche können von allen Einzelteilen ber ungeheuer komplizierten 9Bicbcrgabeapparaturen ausgehen, angefangen vom eigentlichen Tonabnahmegerät, also ber Photozelle ober — beim Nabeltonfilm — bem sogenannten Pickup, über bie zahlreichen Verstärker bis zu ben Lautsprechern selbst, bie meist neben ober unter ber Projektions- fläche angebracht finb, am besten jedoch hinter ihr, wenn sie tondurchlässig ist, weil in diesem Fall die örtliche Ucbereinftimmung von Bild und Schallquelle den günstigsten Effekt ergibt. Die am häufigsten auftretenben Grünbe ber Tonstörungen finb Defekte der Röhren in den Verstärkern, schlechte Stontatte, Batterien, Photozellen, Tonlampen, oder aber der Film ist im Tonfenster nicht richtig eingesetzt, so daß ber Schatten ber Perforation auf bie Photozelle fällt, der Lautsprecher falsch angebracht ober übersteuert, bie Vorführung erfolgt zu rasch ober zu langsam, so baß eine Klangverfärbung ein- tritt. So entsteht bann bie berühmte „Konserven- musik", die Sprache wirb so undeutlich, daß man kein Wort verstehen kann, der Lautsprecher klirrt, kratzt unb pfeift, — unb der Genuß des Tonfilms ist dahin. ________________________
daher Frieden, nicht ohne einen höchst lehrhaften Song von der Schlechttgkeit der Welt von sich gegeben zu haben.
Diese Geschichte hat die Kamera glänzend ersaßt und wiedergegeben; verwundert fragt man sich, warum Brecht gegen diese Fassung so lange Sturm lief, ©ie ist nicht künstlerischer als die, die er einstmals für das Theater faniftio- nierte, sie ist aber auch nicht geringer zu schätzen. Hub auch die Weillsche Musik findet prägnanten Ausdruck, seht stets im psv-ho^gisch geschicktesten Moment ein, vermag die Handlung vorwärts zu treiben, kommt gut yeraus; was will man noch mehr?
Der „Dreigroschen-Oper" ist eine fabelhafte, vielleicht einzigartige Besetzung beschieden gewesen. Rudolf Forster als Mackie Messer, das sit ein Kerl von Eisen und Blut und von verschlagener Schläue, kalt, frostig und doch so unheimlich Lebenbig. Polly ist Carola Reher, sie zeigt eine verinnerlichte, sich ständig steigernde Spielweise, die packt unb ergreift. Hnb dazu vermag diese Frau bei fast unbewegter Kamera einen Song vorzutragen, ihn mimisch zu unterstreichen, wie man das bisher noch kaum im Tonfilm erlebt hat, Reinhold Echünzel. der so rar gewordene, kommt als Tiger-Brown, er bewährt sich in dieser charakterisierenden Rolle wieder ausgezeichnet. Welch ein Glück, daß er sich entschlossen von den Liebhaberrollen ajge- wandt hat! Fritz Rasp, den Fritz Lang vor einem guten Jahr für den Film entdeckt hat und den man leider viel zu wenig sieht, stellt einen Bettlerkönig auf die Deine, der sich sehenlassen kann, er er stillt seine Rolle mit tiefer Menschlichkeit unb sehr bissigen Weisheit. Bliebe noch allerlei zu sagen von Lotte Lenja, Valeska Gert. Hermann T h i m i g. Ernst Dusch. Wladimir Sokolow, von den vier Raubgenossen deS Mackie Messers: Paul Kemp, Gustav P ü 11 j e. Oskar Höcker. Kraft Raschig — sie helfen alle zum Erfolg unb haben ihren berechtigten Anteil daran. ,
Ganz kurz sei der Tongestaltung dieses Films gedacht. Die Tobis hat hier eine Wusterteistung vollbracht. Lind wie dankbar wären Die Kinobesucher. würde diese Sonderqualität 211 [gemein* geltung bekommen 1 E.W.
Wiedergabe gesehen haben.
Fast stets liegt ber Grunb eines Mißerfolges nicht in ber Ausnahmetechnik, bie von erfahrenen Epe- zialislen ber Elcktro-Akustik überwacht wirb, sondern in ber unsachgemäßen Steuerung bei ber Wiedergabe ober einer Störung ber Wiebergabe-Appara- tur. In ber ersten Zeit ber Tonfilm-Umstellung verhielt es sich allerbings anders. Die Technik war noch unvollkommen unb kaum jemand verstand sie zu beherrschen. Zudem würben Filme, bie stumm angelegt unb vielleicht sogar fertiggestellt waren, schnell nachträglich mit „Toneinlagen" versehen, um die Konjunktur auszunützen. So ergab es sich, baß bie aus dem Lautsprecher dringenden Worte nicht mit den Mundbewegungen der Darsteller übereinstimmten, die Stimmen klangen schrill und unnatürlich, das Orchester lieferte „Konservenmusjk". Diese erster. Versuche, übereilt unb geschästshastig vorgenommen, ohne genügenbe technische Vorbereitung unb Aus- bilbung. Filme, bie „hundertprozentig" nut im Sinne ihrer Niveaulosigkeit waren, haben den Tonfilm in einer Weise diskreditiert, daß viele Film- freunde für lange Zeit dem Kino entfremdet mürben. Es ist nur zu bebauern, daß solche Filme immer noch nicht restlos von ben Programmen ber Kinothcatcr verschwunden sind.
Es scheint, daß wir jetzt besseren Zeiten entgegengehen. Daß die Tonsilm-Technik noch verbesserungs- fähig ist, wird niemand bestreiten wollen. Aber die Resultate, die der junge deutsche Tonfilm in unverhältnismäßig kurzer Zeit erzielt hat, können sich schon hören unb sehen lassen.
Teckmk
des Tonfilm-Schauspielers.
Don Wttltt Fritsch.
Zu Beginn der Tonfilm-Entwicklung ist so unendlich viel über die Technik dieser neuen Erfindung und ihre Verbesserungen geschrieben worden. Ich kann mich aber gar nicht erinnern, einen Artikel über die rein äußerlichen Veränderungen an unserer schauspielerischen Arbeit für den Tonfilm gelesen zu haben. Und gerade für den Tonsilm-Schauspnler hat sich eine völlig wcscnsverschiedene Spie'auffasfung ergeben.
Ich kann diese Betrachtung von meiner Person aus nicht völlig als eigenen Eindruck meiner Tonfilm-Arbeit wiedergeben. Das hat aber nur den einen Grund: wir, Dita Parlo und ich, waren ja neben Conrad Veidt die ersten deutschen Darsteller, die mit einem großen, abend'üllenden Tonfilm in Deutschland herauskamen. Ich habe also die technische Entwicklung des Tonfilms von Anfang an mitgemacht, die Rottoendigtei en des schauspielerischen Ausdrucks für den Ton-
Kürzlich besuchte uns ein Bekannter, der seinen Lausbildwerfer mitgebracht hatte, und zeigte uns Liebhaberaufnahmen aus Deutschland uno Amerika, die wirklich sehr hübsch waren uno bewiesen wie man sich wertvolle Erinnerungen auf diese Weise besser bewahren kann als tm Gehirn. Insbesondere wer Kinder hat, wird sich und sie immer wieder erfreuen, wenn er Bilder aus ihrer Kindheit vorführt. , . . .
Ingenieur Zipfel zeigte dann noch in feinem Dorttag wie der Liebhaber auch Tonfilme machen kann, nämlich fo, daß er die Handlung wahrend der Aufnahme an gleichzeitig ablaufende gekaufte Schallplatten anpaht. Man kann so z. D. eine Handlung mit Musik untermalen Aber einer Person auf diese Weise eine falsche Stimme unter-
Rotwelsch des Films.
LonI.Tr. George.
Wer durch List oder Gunst einmal ©elcgenljeit Bat die Produktions-Gesilde einer großen Film- Gesellschaft Deutschlands aufzusuchen, tut gut, zuvor eine Llnlerrichttstunde in dem merkwürdigen Idiom zu nehmen, das an den Statten der tönenden Lichtbildkunst gesprochen wird. Sm nachstehenden zeichnen wir ein Vokabular auf, das dem älneingeweihten einigermaßen spanisch Vorkommen wird. .
Schlattenschammes nennt man Den Mann, der für die ständige Bereitschaft von Darsteller und Requisit zu sorgen hat.
Dübel ist die Bezeichnung für die Kurbel der Aufnahmc-Apparate.
Wellblech fressen hecht die QBartetatig- teit der Komparsen. Dem Reuling unter den Statisten pflegt das Warten auf den Beginn der Aufnahmen häufig zu zermürben. Sgm wird zur Erzielung eines fräftigen Rückgrats und als Piwphylaktikum das „Wellblech fressen emp- ^Tier-2Iuge ist das Schmuckwort für die Linse der Kamera.
Z v l l - A m t betitelt sich die Kontrolle am Eingang eines Filmbettiebes, die mitt privat- polizeilicher Machtbefugnis ausgestattet-ist.
Toni ist der Kosename für den Tonpruser beim sprechenden Film. .
Zitteraale nennt man die beiammems- toerten Hilssaufnahmeleiter, auf beten fcpmate Schultern der Aerger der Prominenz abgewälzt wird. _
Rek heißt das Köfferchen der Komparsen nnt Schminkutensilien und Privatgewändern.
B i z e s p i e h ist der militärische Titel des den Regisseur unterstützenden Hilfsregisseurs.
Würstchen nennen sich die Statisten untereinander.
Sehschlange toirb der Kameramann tituliert
Wampe ist die Bezeichnung für Ehargen- Dollen, vermutlich, weil diese Rollen halb wichtig und halb unwichttg M.
Benunse, KnöpPe, Zaster. Pinke. Eier, sind die in den allgemeinen Sprachg^>rauch
zuschieben, das ist doch wenig empfehlenswert, wenn es nicht in scherzhafter Absicht geschieht, wie kürzlich in ber Technisch-Literarischen Gesellschaft, wo man auf diese Weise den Dorsiyen- den mit der Stimme Richard Taubers fingen lieh.
Im Anschluß an diese Vorführungen wurden dann auch noch Liebhaberfilme in natürlichen Farben gezeigt, die gegen frühere solche Bilder von einer geradezu erstaunlichen Vollkommenheit, wenn auch noch etwas lichtschwach waren. Immerhin lieh aber die Vorführung die ungeheueren Fortschritte auf diesem Gebiete erkennen, die die Hoffnung auf den farbigen Film im Lichtspielhaus neu beleben. Daß die Bilder im Film nur schwarz-weiß sind, ist ja doch nur-ein elender Rotbehelf, der als solcher in Tonfilmen natürlich noch viel erkennbarer wird als im stummen Film.
9n einer dunklen Ecke des Tonfilm-Theaters, in einer unauffälligen Loge sitzt ein Mann vor einem kleinen, sp..rlich beleuchteten Schaltbrett. Er verfolgt mit Aufmerksamkeit die Vorgänge auf ber Lein- roanb unb breht immerzu am Schalter, ber die Zahlen 1 bis 12 aufwcist. Hin unb wieder spricht er mit gedämpfter Stimme einige Worte in einen Telefonhörer. Es ist der Steuermann des Tonfilms, der hier fein verantwortungsvolles und schwieriges Amt ausübt. Er reguliert die Lautstärke des Tones während der Vorführung. Die Ziffern auf dem Schalter bezeichnen die Gradationen: von 1 = ganz leise, bis zu 12, der Höchstverstärkung.
Ein Tonfilm besteht aus etwa 250 einzelnen Szenenstückchcn, die an verschiedenen Tagen, in verschiedenen Räumen, unter verschiedenen Verhältnissen ausgenommen finb. Es ist regietechnisch unmöglich, in allen biesen Montagebildern eine völlig gleichmäßige Klangstärke zu erzielen. Die gröbsten Ton- schwankungcn werden beim Entwickeln unb Kopieren ber Tonstreifen nach Möglichkeit ausgeglichen, bie endgültige Regulierung der Tonstärke muß jedoch im Theaterraum selbst während der Vorführung erfolgen. So entstand ein neuer Beruf: Tonfilm- Steuermann.
Viele Theater, besonders die kleineren, haben zunächst versucht, den Posten des Steuermanns einzusparen, indem sie die Bedienung der Regulierungs- apparatur dem Vorführer übertrugen. Solche Versuche mußten fehlschlagen, ganz abgesehen davon, daß der Vorführer schon durch die technische Wartung der überaus komplizierten Tonfilm-Apparatur alle Hände voll zu tun hat. Das Rattern der Projektionsmaschinen in der Dorführkabine würde ihm die Möglichkeit nehmen, die Resultate seiner Ton- regelung zu hören, unb es finb öfters Fälle vorgekommen, daß gute Filme nur durch ungeschicktes Steuern um ihre Wirkung gebracht wurden. Bei zu leiser Einstellung etwa sah man zwar die Darsteller Mundbewegungen formen, hörte aber nichts, Kano- nengebrüll klang vielleicht wie das Geräusch einer fallenden Streichholzschachtel, hinwiederum ertönte zartes Liebesgeflüster ohrenbetäubend wie indianisches Kriegsgeheul.
Allmählich ist man in immer größerem Maße dazu übergegangen, für den Posten eines Kino- Steuerrnanns Berufsmusiker heranzuziehen, da diese Arbeit ein außerordentlich feines Gehör erfordert. Selbstverständlich muß der Steuermann den tfilm genau kennen, um bei jeder Szene im voraus zu wissen, auf welche Zahl er seinen Schalter zu stellen hat. damit keine Pointe verlorengeht und keine Tonverzerrung eintritt. Wie schwierig sein Amt ist, geht im übrigen aus dem Umstand hervor, daß die Tonwirkung wesentlich von der Akustik des Theater- raumes abhängt, die zudem keine konstante Große ist, sondern stark variiert, je nach dem, ob das Theater gut oder schlecht besucht, d. h. mit Menschen gefüllt ist. Neben der Tonregulierung gehört es zu
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