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rtr. 155 Zweiter Blatt

Zreitag, 3. Juli 1951

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

er in energischer Arbeit, wie

Sie Pflichtspielrunde in der 6-Klasse begann

geleistet wurde, werden auch die anderen Ziele erreicht werden, die sich der Verein geftcdt hat. Mit den besten Hoffnungen tritt der Verein in das zweite Jahrhundert seine- Bestehens ein.

manches zu

sie im Landwirtschaftlichen "VezirkSverein stets

Erst im Jahre 1920 konnte der VezirkSverein I mit einem Spiel des T.- u. Spv. Marburg, der seine Tätigkeit dank der Initiative des Kreüs- ' direktvrS v. Werner wieder aufnehmen. 3m | ausgenommen

aber auch reichen Erfolg brachte. ÄrciÄHreftor Dr. Michel sah feine besonderen Ziele ebenfalls in der Förderung deS Obstbaues. 3m 3ahre 1926 trat der Verein dem Landesverband für Obst­und Gartenbau bei. 3m nächsten 3ahre wurde die Obstbaumschule in Schlitz geschaffen und der schon längere Zeit bestehende Schlitzerländer Obstbauverein trat dem VezirkSverein olS korpo­ratives Mitglied bei. 3m Iahre 1930 konnte mit der LandwirtschastSkarnrner ein Vertrag abge­schlossen werden, der in finanzieller Hinsicht dem Verein zur Förderung seiner Arbeit wertvolle Hilfsmittel an die Hand gab. Heute, in fernem 3ubeljahr. steht der Verein als ein festgefügtes Ganzes da. in dem wahrhafte deutsche Aufbau­arbeit geleistet wird.

1300 Mitglieder richten ihre Bestrebungen darauf ein, den deutschen Verbraucher mit gutem deutschen Obst zu versorgen;

ein Obstbautechniker und vier Vaumwarte stehen den Mitgliedern zur Seite, und so wird dazu bet­getragen. der deutschen Volkswirtschaft ein Ver­mögen zu ersparen, daS sonst höchst unnötigerweise in das Ausland gehen würde. Zwar ist noch

ioo Zahle

LandwiMaftlicher VezirkSverein Lauterbach

I mit einem Spiel de das Wasserballspiel neu in seinem LlebungSbetrieb | ausgenommen hat, gegen Tv. 46 Gießen 2. Mann­

gleichen 3ahre wurde auf die Anregung des da­maligen Dammwärters Kurz und auf den An­trag des Oekonomierates Glaser die Baurn- schulein SchadgeSgegründet und damit ein Weg beschritten, auf dem sich der Verein noch heute mit großem Erfolg vorwärtsbewegt: der Obstbau. Die Hot des Dolles und deS ein­zelnen hatten inzwischen eine intensive Wirt­schaftsweise in der Landwirtschaft zur Rotwendig- keit gemacht, und die neugegründeten Rinder-, Ziegen- und Schweinezuchtvereine entlasteten den VezirkSverein, so daß er sich mehr und mehr dem Gebiet deS Obstbaues und seiner Förderung zuwenden konnte. 3n der Gemarkung Ober - M o o S wurde eine zweiteObstb.a umschule angelegt Die Grundidee, die dem heimischen Obstbau zu neuer (Blüte verhelfen soll, wurde in dem Satz zusammengefaßt:Die jungen Väume sollen bei denselben klimatischen Verhältnissen heranaezogen werden, bei denen sie späterwachsen sollen."

3m 3ahre 1924 übernahm KreiSdirektor Dr. Michel den Vorsitz des Vereins, ein Amt. das seinem 3nhaber stets viel Mühe und Arbeit.

ZRaöfporf imLahngau" des BdR.

Die150-Kilometer-Zuverlässigkettsfahrt" kam am Sonntag in Giehen zum Aus trag und brachte nachstehende Ergebnisse:

^-Klasse: 1. Sieger und Gaumeister: Heinr. Preis (AL. Germania, Giehen) 4:53,05 Std.; 2. Herm. Osbelt (AD. 1887 Wetzlar) 4:53,06 Stunden.

8-Klasse (98 Kilometer): 1. Ernst Dam­mer (AD. 1887 Wetzlar), 3:30,45 Std.: 2. Aob. Wenz (AD. Wetzlar - Rieder-Girmes), 3:33,35 Stunden: 3. Erich Höbe! (AD. Wetzlar - Aieder- Girmes), 3:33,37 Stunden.

Altersfahrer (98 Kilometer): 1. HlldeS- h e i m (AD. Lollar) 4:26.40 Stunden.

Die starke Hitze und zahlreiche Defekte zwangen leider einen Teil der Fahrer, das Rinnen vor­zeitig abzubrechen.

Ein Gießener siegt im 7500-Meter» Lauf der Taubstummen.

Am vergangenen Sonntag fand in Frankfurt am Main ein großes Sportfest der Taubstummen statt. In den Wettbewerben startete auch der Gießener Georg 2. Deck (Mitglied der Spiel- Vereinigung 1900) und errang unter 12 Konkur­renten im 7500-Olleter-2auf den 1. Sieg. Georg 3. Deck hat diesen Sieg auf Grund eines sorg­fältigen und energischen Trainings verdient an sich gerissen.

Wasserball im Gau Hessen OT.

T. u. Spv. Marburg TV. 46 Giehen II 2:2.

' 'Lauterbach. 2.3ult Der Landwirtschaftliche VezirkSverein Lauterbach kann in diesen Sagen auf etn lOOjährigeS (Bestehen -urückblicken. Am kommenden Sonntag wird daS 3ubiläum in fchlichter und der heutigen Aotzeit entsprechenden Form gefeiert.

Die Geschichte des Vereins, der im 3ahre 1831 gegründet wurde, ist eine ununterbrochene Kette voii Demühungen um die Hebung der heimischen L^-ndwirftchaft. Man hat zu jener Zeit, um 1830, wohl erkannt, dah die Entwicklung der Land­wirtschaft mit allen Mitteln gefördert werden mußte, wenn sie mit den Erfolgen der Technik Schritt hallen wollte. Die Anregung zur Gründung eine- Vereins zur Hebung der Land­wirtschaft in Hessen ging allerdings nicht von der Seite der Dauern aus. vielmehr ergriff die Regierung die Initiative und forderte zu Zu­sammenschlüssen auf. Am 10. März erließ die Grvhherzoglich Hessische Regierung ein General- auSschrecken unter dem Titel

Die 'Beförderung der landwirtschaftlichen Industrie im Grvßherzogtum Heften".

In diesem Schreiben wurde zur 'Bildung von landwirtschaftlichen Vereinen aufgefordert. 3m Kreise Lauterbach nahm sich der damalige Land­rat O r t to e i n mit 3nterefte der guten Sache an. so dah bald die Gründung eineS solchen Vereins gesichert war. Die ersten Mitglieder (eS waren Deren 23, fast durchweg prominente Persönlich­keiten) zeichneten sich am 22. Iuni 1831 in die Liste ein. Die eigentlichen Landwirte, zu deren (Nutzen die Gründung überhaupt vorgenommen wurde, standen noch lange abseits und es bedurfte jahrelanger Demühungen, um durch entsprechende Aufklärung die ablehnende Haltung der Dauern zu überwinden. Aber Landrat Ortwein lieh sich feine Mühe verdrießen. Reiche Unterstützung fanden die Kreisbehörden durch daS Provinzial- kommiftariat zu Giehen. Am 29. Dezember 1832 wurde von dort aus ein Schreiben an die Land­räte gerichtet. auS deften Inhalt die Ziele deS Vereins klar hervorgingen. Leider kamen die darin geäußerten vielen wohlgemeinten Ratschläge nicht bis in jedes Dors, weil sich in vielen Ge­meinden niemand entschließen konnte. Mitglied zu werden. Aber all die mannigfachen Wider­stände konnten den Siegeszug der guten 3dice nicht aufhalten. Vergleicht man die ersten 3ahre deS Vereins mit den Verhältnissen der Gegen­wart. so kommt man zu folgender erfreulichen Tatsache: damals waren es einzelne Landwirte, die in richtiger Erkenntnis für den Fortschritt eintraten, heute sind es ebenso wenige, die den Organisationen noch ferne stehen.

Die Tätigkeit des Vereins war im Laufe der hundert 3ahre eine überaus mannigfaltige.

Alle Zweige landwirtschaftlicher DetriebS- sührung wurden in Wort und Schrift be­handelt.

schäft in Marburg. Marburg hielt sich trotz der geringeren Spielerfahrung tapfer. Gießen trat er­satzgeschwächt an. Ergebnis unentschieden 22.

Tv. Lauterbach Tv. 46 Giehen II 5:2.

In Lauterbach verlor Tv. 46 Gießen 2. Mann­schaft gegen die Mannschaft des Tv. Lauterbach mit 5:2 Toren (Halbzeit 2:1 für Lauterbach). Lau­terbach ebenfalls noch Aeuling im Wasserball­spiel wurde von der Gießener Mannschaft stark unterschätzt und siegte mit 52 Toren verdient. Tv. Lauterbach dürfte die meisten Aussichten auf den Gaumeistertitel der 8-Klasse haben. (Beide Spiele leitete Gauwasserballobmann Weeg (Gie­ßen) zur Zufriedenheit.

Spiele am kommenden Sonntag.

Am kommenden Sonntag werden im Rahmen des Strandfestes im Dad des MännerbadevercinS Gießen fünf Wasserballspiele in der Pflichtrunde des ersten Gaues Hessen DT. ausgetragen. Vor­mittags kommen die Rückspiele in der 8-Klasse Tv. Lauterbach gegen Tv. 1846 Gießen II. und T.» u. Spv. Marburg gegen Tv. 1846 Giehen II. zum Aus trag. Am Rachmittag spielt Tv. Lauter­bach gegen T.» u. Spv. Marburg das Vorspiel in der B-Klasse und die Tgm. Friedberg gegen Tv. 1846 Gießen I. in der A-Älaffe. Tv. 1846 Gießen i hat seinen langjährigen Gaumeistertttel zu verteidigen. Die Spiele der diesjährigen Pflicht- runde des Gaues Hessen werden zum ersten Male nach den internationalen Regeln ausgetragen.

Zuhball der Schiedsrichter.

Am Sonntagnachmittag findet in Lollar ein Fußballspiel der Schiri-Vereinigung Gießen gegen eine zum Teil ausalten Herren" zusammen­gesetzte Mannschaft der Sportabteilung des Turn­vereins 1883 Lollar statt.

Manche« der Themen steht heute noch im Mittel­punkt deS Interesses und zur Diskussion. Manches aber ist von den inzwischen »erreichten Förb- schritten überholt worden. Durch den Weltkrieg erfuhr das Dereinsleben eine Unterbrechung.

VrandlingdesLebens

Roman von Käte Lindner.

(Copyright 1931 by Verlag Alfred Vcchthold in Braunschweig.)

28 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

DaS lassen Sie meine Sorge sein, gnädigste Gräfin. Ich freue mich. Ihnen diesen kleinen Freundschaftsdienst leisten zu können, ebenso tote ich hoffe. Ihnen nach meiner Rückkehr in Pans weiter helfen zu tonnen. Das Wie ist vorläufig noch ein Rätsel, aber ich habe Hoffnung, durch meine (Beziehungen Sascha irgendeinen Posten verschallen zu tonnen, der Ihnen einigermaßen Lebensmöglichkeiten garantiert."

Wenn wir unS nur wieder haben... unsere Liebe wird uns stark machen, allen Widerwärtig­keiten des Lebens zu trotzen. Was kann uns Schliimneres geschehen, als das, was hinter uns liegt? Roch sind wir jung, MarguiS, auch Sascha ist noch kein alter Mann, und wir haben gelernt, uns zu bescheiden. Irgendeine (Beschäftigung wird sich für uns finden, wenn Sascha seinen Kontrakt gelöst hat in Gardone. Vorläufig gehe ich zu ihm... das Weitere wird sich finden."

Ah bitte, Wilady, erzählen Sie mir diese interessante (Neuigkeit doch der Reihe nach, ich bin nicht recht im Dilde. Was sagten Sie da soeben? Die Frau des Tänzers erschien hier und brachte alle Gemüter in Aufregung? Und was ist es mit Mademoiselle de Lebrun? Ich verstehe den Zusammenhang nicht."

Renate Liskow und Lady Dalymore faßen auf einer Dank am Quai, wo sie sich soeben getroffen hatten. Die Engländerin hatte alle Reserve heute abgelegt, sprach mit Augen und Mund und gesti­kulierte mit den Händen.

.Die wissen ja, liebe gnädige Frau, die Ereig- niffc hier in den letzten Wochen überstürzten sich beinah. Aber alles Vorhergegangene war nichts gegen die neue Sensation. Rur zu schade ist es, daß Miß Galvestone bereits aogereist ist und nicht mehr Zeuge sein kann von dein, was sich da ereignet hat. Wir hätten ihr diese kleine Heber* raschung von Herzen gegönnt.

Also denken Sie, wir saßen gestern nachmittag beim Fünfuhrtee, Mademoiselle de Lebrun tanzte gerade mit Semjonow, da tritt plötzlich dieser Marquis D^vlgns, der von hier aus doch eine Weltreise anzu treten die Absicht hatte, von der er doch unmöglich schon wieder zurück sein kann, in den Teeraum. Ohne die (Beendigung des Tanzes abzuwarten, geht er auf Semjonow zu, ergreift ihn am Arm und raunt ihm zu: .Kommen Sie sofort hinaus auf die Terrasse, ich muß Sie un­bedingt sprechen, Signore Petrowitsch."

Zu Mademoiselle de Lebrun sagte er:Ent­schuldigen Sie diesen Herrn, Madame, unsere ilnterre&ang muß sofort stattfinden, sie duldet keinen Auftchub." Er machte ihr eine Verbeugung,

nahm Semjonow am Arm und zog ihn mit sich fort. Kaum daß er ihm noch ZÄt ließ, sich bei Mademoiselle de Lebrun zu enllchuldigen. Diese Dame war sehr ungnädig über die Störung, sie ging hinaus in den Palmengarten, um sich abzu- kühlen. Da sah sie aus der Entfernung eine Dame auf der Terrasse auf und abgehen, der Marquis erschien gerade mit Semjonow auf der Treppe, die nach oben hinaufführte. Mademoiselle de Lebrun konnte alles genau beobachten von ihrem Platz aus.

Da plötzlich stürzt diese Dame mit einem lauten Ruf auf Semjonow zu... Der steht wie erstarrt ... dann breitet er die Arme aus, und sie stürzt hinein. Dies alles geschah in einem Zettraum von wenigen Sekunden, sagte Mademoiselle. Sehr dramatisch sei diese Szene gewesen, nur eben schade, daß Miß Galvestone nicht herbeigerufen werden konnte, um Zeuge dieses rührenden Wiedersehens zu sein. Denn denken Sie sich, Frau Liskow, diese so plötzlich hereingeschneite Fremde ist seine Frau, wie uns der Direktor erzählte gestern abend. In den Revolutionstagen in Rußland find sie getrennt worden, Semjonow Lebte in der Gewißheit, daß seine Frau gestorben fei in diesen Schreckenstagen.

Da findet dieser Freund die Frau auf einer Reise in Kairo. Ohne Semjonow eine (Nachricht vorher zu geben, bringt er sie hierher und eben dies war das dramatische Wiedersehen, das Mademoiselle Lebrun beobachten konnte."

Renate Liskow lächelte in das erregte Gesicht der andern hinein.Wie erfreulich", fagte_ sie, daß für diese armen Ausgestoßenen des Glückes wieder einmal die Sonne aufgegangen ist, es ist ihnen von Herzen zu gönnen. Ist es eine schöne Frau? Und wie werden sie sich wohl nun ihr Leben weiter einrichten? Zu zweien trägt sich wohl Glück, auch ilnglüd leichter als allein."

Da.. .da drüben kommen sie, gnäbige Frau. Ein schönes Paar..., sehr vornehm, sehr distin­guiert. Sie ist eine blendende Erscheinung, trotz des Mantels von vorgestern, den sie trägt. Er stammt wohl noch aus glanzvollen Tagen... und wie sie ihn trägt... Schauen Sie nur diese An­mut, diese Eleganz. 3a, es geht eben doch nichts über den Adel der Geburt, meine Liebe, meinen Sie nicht auch? ..."

Saschenka", sagte soeben Tattana Semjonow und drückte seinen Arm fester gegen ihre (Bruft ,3ch habe vorhin mit dem Direktor gesprochen, er erlaubt mir, zur Teestunde immer einige kleine Vorträge in den Zwischenpausen, wenn nicht ge­tankt wird, einzufügen. Rein... mache nicht ein so zorniges Gesicht, Liebster... was ist babei, wenn Tatiana Semjonow ben Gatten unterstützt, um ihm oerbienen zu helfen? Daran wirst du dich gewöhnen müssen, wir muffen doch leben, Saschenka, wir drei. Wie tonntest du das alles allein aufbringen, was zum Leben gehört? ilnb es ist doch nichts schlimmes dabei. Ich werde zur Dalalaika fingen, ich werde remitieren und tanzen. Im vornehmen Rahmen hier, genau wie ich es

tun mußte, als ich noch Mitglied des(Blauen Vogels" war... Ganz bleich bist du geworden, du Lieber... und doch ist es eine so große Freude für mich, daß wir nun zusammen arbeiten werden. Sich, ein Wunder ist geschehen. Wir haben uns wieder, wir halten uns in den Armen wie einst in glücklicheren Tagen... Sascha, es ist kein Traum... Sollte uns nun bei so viel Glück nicht alles andere gleichgültig fein? Mach kein so finsteres Gesicht, Lieber..."

Ich habe an Miß Galvestone geschrieben", sagte er schwermütig.Als sie abreiste von hier, stellte sie mir eine Anstellung auf einem ihrer großen Werke in Ohio in Aussi^-t. Ich lehnte es ab, wollte nach Rußland zurück, was lag mir an meinem Leben und Weiterkommen. Run aber ist es anders, jetzt, da das Leben wieder einen Zweck und ein Ziel hat. Ich habe also gestern ihr ge- schrieben von unserem Wiederfinden. Habe sie gebeten, mir diese Anstellung zu geben, es zu versuchen mit mir. (Bringe ick ja nichts weiter mit als viel guten Willen, alles noch zu lernen, was nötig ist.

Kommt nun Miß Galvestones zusagende Ant­wort ... und ich zweifle nicht daran, daß sie kommt, dann gehen wir nach Amerika, Tatiana. Miß Galvestone ist großzügig, sie bot mir ein Gehalt, das für meine jetzigen Verhältnisse fürst­lich zu nennen ist. Ich werde mir unter fach­männischer Leitung alle Kenntnisse aneignen kön­nen, die mir für eine leitende Stellung ja voll­ständig fehlen. Aber unsere Zukunft wird nicht mehr so dunkel fein, ich werde meiner Tatiana ein warmes Rest bereiten und die Gewähr für ein dauerhaftes Glück bieten können."

Wcr ist Miß Galvestone?", fragte sie und sah erwartungsvoll in sein Gesicht.

O, eine vornehme Amerikanerin, die ich hier kennen lernte und die viel Interesse für unser schweres Schicksal hatte", sagte er nach einer kleinen Pause. Aber zugleich fiel es ihm wie eine schwere Last auf die "Bruft: Würde wohl jemals diese Antwort auf seinen (Brief kommen .? Das Versprechen war unter anderen Voraussetzungen gegeben worden...

Lisanka macht mir Sorgen, Saschenka. Ihr hat wohl diese Freude über unser Wiederzusam- menfinben die letzten Kräfte geraubt. Sie liegt in dem Quartier, das wir gestern für sie suchten, in ihrem "Bett, ganz teilnahmslos. Ißt nicht und trintt nicht, ist sehr schwach. Aber von einem Arzt will sie nichts wissen. Ich werde aber doch nachher einen holen Iaffen, wenn es nicht besser ist bei unserer Rückkehr."

Er nickte eifrig.Ich werde es besorgen, Ta- tiana, ich sende einen Pagen nach dem Kranken­hause. Vielleicht, daß wir sie später dort unter­bringen, wenn es länger dauern sollte."

Davon wird sie nichts wissen wollen, sie ist eigensinnig wie ein Kind. Schon weil sie meint, daß ein Arzt uns Geld kosten würde, will sie keinen. Schmerzen hat sie wohl nicht, es ist nur eine große Schwäche. Kein Künder bei ihrem hohen Alter. Die Reisestrapazen, die Aufregung

Dem Spiel geht eine DelehrungSstunde voraus, in der der DhiedSrichter-Gruppenleiter Grüne­wald über das ThemaQuer durch die Regeln" sprechen wird.

Leichtathletische Ltniversitätsmeisterschafien.

Die leichtathletischen Meisterschaften der Lan- de-universität, die am 21 iitwochnachmittag im Anschluß an die Sporthausernweihung zum AuS- trag gelangten, nahmen einen reibungslosen Ver­lauf. DaS Wetter ertrte» sich als günstig. Sine große Anzahl von Zuschauern, unter denen sich auch der Staatspräsident Dr. h. c. Adelung, Seine Magnifizenz der Rektor der Llniversilät Pros. Dr. Eger, viele Mitglieder des Lehr­körpers, verschiedene Ehrensenatoren befanden, wohnten den Wettkämpfen bei. Diele Studierende verfolgten die Kämpfe mit großer Aufmerksam­keit. Der StaatSpräfident äußerte fich in loben­dem Ginne über die gesctqtcn Oefflunflen. D e einzelnen Wettbewerbe nahmen einen anregenden Verlauf. In Verbindung mit der Austragung der Llniverfttätsmeifterfchaslen sand auch ein Hock- schulwettkarnpf zwischen den Uniocrfftäten Mar­burg und Gießen statt, zu dem jeweils die beiden Vesten der hiesigen Lliüversität antraten. 2tü| einem knappen Unterschied von 2 Punkten (24: 26) vermochten die Gießener Studenten siegreich auS dem Kampfe hervorzugehen. Die Sportstudenten und Sportstudentinnen zeigten rhythmische Gvm- nastik bzw. Ballspiele. Die Hebungen gelangten sehr exakt zur Durchführung und wurden mit großem Beifall ausgenommen.

Ergebnisse der Einzelkämpse.

Studenten.

IOO Meter: 1. Müller, Freistudent, 11,0; 2. Riemann, Wingolf, 11,4; 3. Kirchner, Freistudent, 11,6 Sek. Der bekannte Müller, der sich schon in Bor- und Zwischenlauf als der Beste erwies, siegte mit großem Vorsprung.

400 Meter: 1. Ploch, Freistudept, 53,7; 2. DerkeS, Hasso-Rhenania, 54,4 Sek. In mittel­mäßig guter Zeit ging Ploch als erster durch das Ziel.

3000 Meter: 1. Krafft, Rheinfranken, 10: 18,1; 2. (Burmefter, ALSO., 10:20,1 Sek. In einem taktisch weniger geschickt angelegten Rennen machte schließlich Krafft verdient den Ersten. Ein Konkurrent, der während der ganzen Strecke energische Anstrengungen machte, fiel zum Schluß sehr ab.

Kugel stoßen: 1. Müller, Germania, 11,92; 2. Grünig, Merovingta, 11,33; 3. Franz, Frei­student, 10,52 Meter.

Speerwerfen: 1. Frey, Rheinsranken, 47,10; 2. Hopfenmüller. Freistudent, 44.05 ; 3. Müller, Germania. 43,20 Meter. Frey wartete mit einer schönen Leistung auf. Hopfenmüller kam leider nicht über die 44 Meter hinaus.

Hochs prung: 1. Pfeffer, Rhein franken, 1,66; 2. Wagner, Freiftudent, 1,61; 3. Heil, Burschen­schafter, 1,56 Meter.

Weitsprung: 1. (Buß. Rheinfranken. 6.15; 2. Geis, Hasso-Rhenania, 6.12; 3. Lindenstruth. Ehattia. 5,99; 3. Maus, Freistudent, 5,99 Meter.

Schleuderball: 1. Wenzel, Hasso-Rassovia, 43,90; 2. Zigler, Hasso-Rhenania, 43,50 ; 3. Lin­denstruth, Ehattia, 43,40 Meter. Drei nahezu gleichwertige Wettkämpfer rangen um den Sieg.

S tabhochsprung: 1. Schäfer. Rheins ranken, 2.90; 2. Hartmann. Rheinfranken, 2,80; Loh, Rheinsranken, 2,80; Hopfenmüller, Freistudent,

der letzten Tage haben sie so mitgenommen. Arme alte Lisanka, wie sollte sie eine Reise nach Amerika überstehen. Sascha? Lind mitnehmen müßten wir sie auf alle Fälle."

Es ist noch nicht so weit, Tatiana, wir brauchen uns deshalb noch keine Sorgen zu machen. Aber komm, wir müssen umkehren, und wir sehen am besten gleich nach der Kranken, und ich lasse dann einen Arzt kommen."

In einem freundlichen Stübchen des Hafen­viertels lag Lisanka und schaute mit großen, weit- offenen Augen nach der Tür. Die mußte doch nun bald wiederkommen, die Herrin, gar nicht lange hatte sie bleiben wollen.

Lisanka fühlte, daß ihre Stunden gezählt waren, noch einmal wollte sie die beiden D^nschen sehen, die ihr die liebsten auf der Welt waren. So innig war ihr Geschick mit dem ihrer jungen Herrin verknüpft gewesen ihr ganzes Leben lang. Ge­segnet sollte sie sein, ihr wledergefundenes Glück sollte ihr nun das Leben wieder reich und schön machen nach so viel Angst und Qual. Wenn sie doch tarne, daß sie alles dies ihr noch einmal sagen tonnte. Auch wie sehr sie die Herrin geliebt habe und wie gerne sie jetzt eingehen wolle zu der Stätte ewigen Friedens, jetzt, wo sie die weiße Blume nicht hilflos und allein zurücklossen würde.

Da, jetzt erklangen ihre Schritte draußen vor der Tür. Wie gut sie diese Schritte zu unter­scheiden wußte von anderen. Drauchten jetzt nicht mehr allein die steinigen Elendsstraßen zu wan- tem, die armen kleinen Füße da draußen... war er doch wieder bei ihr, er, der sie liebte, der sie schützen würde. Lind wenn sie beide auch arm geworden waren und aus allen Höhen gestürzt, jung waren sie doch, und vielleicht kam das Gluck noch einmal wieder zu ihnen, ach, ein bißchen Glück nur, ein kleines bescheidenes Teil. DaS wollte Lisanka ihnen erflehen von Gott, wenn sie nun ihr müdes Leben ihm in die Hand geben würde. 3a. müde war sie, sterbensmüde und gern wollte sie schlafen gehen. Rur die heiligen Sakra­mente sollten sie ihr noch geben, Zeit war eS, höchste Zeit, sie fühlte, daß der Tod schon feine Hand ausstreckte nach ihr.

Lisanka. da sind wir. 3ft dir besser? Meine arme Alte du. nun gehe ich heute nicht wieder fort von dir. Sieh, mein Saschenka ist auch mit- gekommen, um nach Lisanka zu feßen. Ob sie nun bald wieder aufstehen kann, wir brauchen sie so nötig, unsere treue Lisanka."

Weiche Hände strichen die grauen Haarsträhnen zurück, die in das schon vom Tode gezeichnete Antlitz fielen.

Lisanka öffnete noch einmal weit die Augen, ergriff die weiche Hand, die sie streichelte und legte sie in die Semjonows.

Glücklich..flüsterte sie mit erlöschender Stimme,und gesegnet. Lisanka geht, Herrin ge­segnet ..."

Sie streckte sich, atmete noch einmal tief und

war tot

(Schluß folgt)