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mDenverhältnisse waren sehr ungünstig. Bei ihrer Vernehmung sei ausgefallen, daß sie nicht zwei­mal bte gleiche Aussage gemacht haoe. Eine 3n- tÄligenzprüsung sei auherst schlecht aus­gefallen. 3n Bezug auf Mutterwitz und Schlag­fertigkeit mache die Angeklagte durchaus keinen schwachsinnigen Eindruck, aber es sei ihr unmög­lich, sich zu konzentrieren. Don einem Ausschluß der freien Willensbestimmung im Sinne des §51 oder von der Unfähigkeit zur Einsicht ihrer Handlungen im Sinne des Jugendgesetzes forme keine Rede sein. Obwohl sie enorm viel Mängel der Entwickelung aufweise, so sei doch ihre Ent­wickelung nicht vollkommen ausgeblieben. Es liege sehr nahe, daß sie die Zähigkeit zur lleberlcgung im Sinne des Mordparagraphen nicht besitze.

Sdjwere Lchneeslürme über Schottland und England. . Schottland und der 'Horben von England hatten während des Wochenendes unter schweren Schnee- stürrnen zu leiden, die erhebliche Störun­gen im Verkehr hervorriefen. Der Expreß- zua von Jnverneß noch London hatte eine Der- spatung von 13 Stunden. Die Strecke zwischen Jnverneß und Perth war vollständig ver­schneit, so daß der Zug zunächst stecken blieb uni» später einen llmtoeg von 250 Kilometer machen mußte. Aus fast allen Bezirken des schottischen Hochlandes werden schwere Verkehrs­störungen gemeldet, die ddn Eisenbahn-, Auto­mobil- und Autobusverkehr störten und teil­weise unmöglich machten, so daß vielfach die "Reisenden aussteigen und bis zur nächsten ilntet- kunft durch Schnee und Rebel marschieren mußten. Die Jnscsi Man litt unter schweren äleberschwemmungen. In anderen Gegen­den wurden durch den starken Sturm Erd- vutsche hervorgerufen.

Lynchjustiz in Amerika.

Sin Fall von Lynchjustiz hat sich in Mary» ville (Missouri) ereignet. Ein 19jähriger Reger, der als Lehver in der Gemeinde angestellt war. soll sich angeblich an einer Schülerin vergangen und sie später im Schulzimmer ermordet haben. Auf die Anschuldigung einer anderen Schülerin entriß die Menge den Reger seinen Wächtern, noch bevor die Gerichtsverhandlung begonnen hatte, schleppte ihn zum Schulhaus, band ihn mit dem Kopf abwärts ans Dach, goß Benzin über das Gebäude, zündete es an und wartete dann, bis die Schule bis auf die Grundmauern nieder­gebrannt war.

Oie höhere Schule Hessens im Staats-Voranschlag 1931

Stellungnahme des Phi ologcnvereins.

Der Dor st and des Hessischen Philo- logenvereins hat zu der Behandlung, die der höheren Schule im Staatsvoranschlag 1931 widerfahren soll, in einem einstimmig gefaßten Beschluß Stellung genommen, in dem es u. a. heißt:

Der Finanzausschuß hat die Beratungen des Staatsvoranschlags 1931 mit den Kapiteln be­gonnen, die daS Ministerium für Kultus und Bildungswesen betreffen. Der Ausschuß hat mit seinen Beratungen zu einem Zeitpunkt eingesetzt, in dem der Staatsvoranschlag weder der Oeffentlichkeit noch dem Finanzaus­schuß vorliegt. Die Beratung und entschei­dende Beschlußfassung über den Voranschlag voll­zieht sich demnach in diesem Jahr unter völ­ligem Ausschluß der Oeffentlichkeit ein Vorgang, der sich mit den Formen der Demokratie schwerlich vereinbaren läßt. Heber das Schicksal der höheren Schule, über ihre Leistungsfähigkeit, über das harte Los, das dem akademisch gebildeten Rachwuchs bereitet wird, fällt in großer Eile die Entscheidung. Ein Urteil über die Zweckmäßigkeit und Gerechtigkeit der Maßnahmen ist nur möglich auf Grund einer Prüfung des gesamten Voranschlags. Die Mög­lichkeit dazu hat das diesmal von Regierung und Landtag eingeschlagene Verfahren der Berufs- Vertretung der höheren Schulen entzogen. Sie fühlt sich veranlaßt, sich gegen dieses in ein Ge­heimnis gehüllte und eilige Verfahren der Gesetz­gebung zu verwahren.

Auch in diesem Jahre handelt es sich wieder zum vierten Male innerhalb von 7 Jahren um Sparmaßnahmen im höheren Schulwesen Hessens. Ja, es scheint, als erstreckten sich die unmittelbaren schweren Ein­griffe innerhalb des Kultusministeriums vor­wiegend und fast ausschließlich allein auf die höheren Schulen. Ein Grund dafür ist nicht er- lichtlich. Ist doch das höhere Schulwesen Hessens besonders sparsam aufgebaut im Unterschied zu anderen Verwaltungen, auch zu Verwaltungen innerhalb des Kultusministeriums. Rach den Berechnungen des Statistischen Reichs­amtes liegt der Zuschuhbedarf für die höheren Schulen Hessens für Staat und Gemeinden zusam­men mit 6,68 Mk. pro Kopf der Bevölkerung u n = t c r dem Zuschußbedarf anderer Länder, nament­lich unter dem Bedarf Badens und Württembergs und unter dem DurchschnittSsah (7,20 Mk.) aller deutschen Länder.

Gleichwohl hat die hessische Philologenschaft positive Mitarbeit zur Ersparnis zweckloser Aus­gaben geleistet. Dcr einzig sinnvolle Weg dazu stellt die Verpflichtung zur Leistung, die Aus­lese der begabten Schüler dar. Dafür ober müssen die Philologen verlangen, daß ihnen die Ar. eitsbedingungen zur Erfüllung dieser ver­antwortungsvollen Aufgabe wieder zurückgegeben und nicht durch einen vierten Eingriff auf Jahre hinaus weiter verschlechtert werden. Auslese durch überlastete, überalterte Lehrerkollegien ist un­möglich! Auslese in vollgepfropften, unter einem ständigen Wechsel der Lehrkräfte, der Arbeits­methoden unb Stundenzahlen in den einzelnen Fächern leidenden Klassen ist unmöglich! Aus­lese in einem durch sechs Jahre hindurch un­ablässig hin und her geworfenen Schulwesen ist unmöglich! Dringend bedarf die hessische hö­here Schule end.ich der Ruhe, der Sammlung und Besinnung auf ihre Aufgaben, Ziele und Gren­zen. Seit Jahren unterrichtet sie nach einem Lehrplanentwurf, der b is heute ein Ent­wurf geblieben ist. Sie bedarf dringend einer Leitung, die sich der Aufgabe der Festi­gung und Klärung der inneren Angelegenheiten des Unterrichts und der Erziehung der Jugend, die der Schule anvertraut ist, widmen kann. Dar­um verwirft die Phllologenscha'r Hessens die mechanischen Sparmaßnahmen, die einen so kom­plizierten Organismus, wie ihn die höhere Schule darstellt, zerrütten und schließlich aushöhlen müssen.

Ans -er Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 3. Februar 1931.

Tyrann Sekunde.

Der Zug braust über die Gleise, saust durch das Spalier der Telegraphenstangen, fegt klirrend durch Kurven und über Weichen, und jagt, jagt auf feiner stählernen Bahn, nur vorwärts, vor­wärts. Der Tyrann Sekunde keucht hinter ihm her und schwingt die Peitsche über ihn, die Peitsche des Fahrplanes, dieses unerbittliche Muh, das letzte Möglichkeiten aus Mensch und Maschine herausprcht.

Haben Eie, wenn Sie sich hindämmernd dieser schwindelnden, vorwärtsreißenden Fahrt über­liehen, schon einmal an das Wunder gedacht, das diesen sausenden Rhythmus in geregelte, mathe­matisch abgewogene, millimeterhast korrekte Bah­nen zwingt"? Dieses technische Wunder, das zehn- tausende von Uhren in über elf tausend Stationen im ganzen Reiche zu einem auf die Minute gleich- bleibenden Schritt und Tritt gedrillt hat? Emp­finden Sie diese Zeitharmonie aller deutschen Dahnhossuhren, die der jagenden Fahrt der Züge erst die Gewähr der Sicherheit gibt, nicht als ein Wunder, weil wir blasierten Gegenwartsmenschen schon größere Dinge zwischen Himmel und Erde haben schaffen und entstehen sehen?

Wunder ist vielleicht zu viel gesagt: aber ein Stück Romantik unseres technischen Zeitalters bleibt es doch: auch wenn man es mit pedan­tischen, ordnenden Fingern auseinanderfaltet und es als eine einfache, technische Mahn ahme enthüllt.

Diese Tatsache, daß in 11 250 Eisenbahnstatio­nen, die über ein Gebiet von 470 000 qkm ver­streut sind, mehrere zehntausend Uhren immer zur gleichen Stunde den gleichen Zeigerschritt machen, hat im Grunde eine so einfache Ursache, die aber gerade dadurch für sich einnimmt. Jeden Morgen um 4 Uhr liest die Sternwarte in Pots­dam-Babelsberg die neue, richtige Zeit für Mitteleuropa aus den Gestirnen ab, deren ur- ewig-unwandelbarer Gang keine Störungen und keine Verspätungen kennt, und meldet diese Zeit sofort der Zeitdienststelle der Reichsbahn in Ber­lin. Don hier aus sehen sich eine Minute vor 8 Uhr morgens viele Morseapparate in Be­wegung, um die genaue Zeit allen Stationen im Reiche mitzuteilen. Das ist die erste Zeit- regulientng. Daneben laufen bei jeder Station, auf jedem Stellwerk, in jedem Wärterhause von morgens bis abends telephonisch und telegraphisch periodische Meldungen über alle möglichen Dienst- Vorkommnisse ein, die so minutiös ecntreffen, daß sie während des ganzen Tages eine ständige Zeitkontrolle bilden.

Eine technische Einrichtung von riesigen Aus­maßen gehört dazu, um dem Tyrannen Sekunde sein Recht zu geben. Die Reichsbahn besitzt etwa 250 000 Kilometer meist doppelte Fernsprech­leitungen, an die rund 135 000 Apparate ange­schlossen sind, und etwa 210 000 Kilometer Tele­graphenleitung mit fast 28 000 Morse- und selbstschreibenden Telegraphenapparaten. Das sino rund 460 000 Kilometer Rachrichtenleitung,. die ausreichen würden, um die Erde an ihrer dicksten Stelle IV/tmal zu umspannen. Hierbei haben die Funkanlagen der Reichsbahn unberücksichtigt blei­ben müssen.

Zahlen von gewaltiger Bedeutung! Und doch nehmen wir sie so selbstverständlich, so kühl, so regungslos hin, wir Menschen eines technischen Zeitalters I

Neues Adreßbuch von Gießen.

Reben den sehr zahlreichen Aenderungen in den Adressenverzeichnissen durch Zuzüge, Fort- und Umzüge innerhalb der Zeit von zwei Jahren macht die Um Numerierung einer gan­zen Reihe von Straßenzügen die Her­ausgabe eines neuen Adreßbuches dringend er­forderlich. Zwecks Erzielung genauer Einträge in das neue Buch werden von morgen an die üb­lichen HauS- und Firmenlisten von den Übertre­tern des AdrehbuchverlageS bei den Hausbe­sitzern oder ihren Stellvertretern abgegeben. Es dient dem Dorteil jedes Einzelnen und der All­gemeinheit, daß diese Listen ohne jedenDer- z u g sorgfältig und eigenhändig ausgefüllt und zur Abholung bereitgelegt werden. Auf diese Weise wird den Vertretern des Verlages die müh­same Einhvlearbeit erleichtert, die für das neue Adreßbuch der Stadt und des Kreises Gießen nicht mehr von den Polizeibeamten geleistet wird im Hinblick auf die allgemeine Erwerbsnot wei­ter Kreise.

Keine Waffen in öffentlichen Versammlungen.

Auch Spazierstöcke sind verboten.

Dom Polizeiamt Gießen wird uns mit­geteilt:

In letzter Zeit ist wiederholt beobachtet wor­den. daß Teilnehmer einer öffen 1 ichen Ver­sammlung Spazierst öcke mit sich führten. Wir verweisen auf den § 11 des Reichsvereins- gesehes vom 19. April 1908, wonach niemand in einer öffentlichen Versammlung oder in einem Aufzug, der auf öffentlichen Straßen oder Plätzen stattfindet, bewaffne: erscheinen darf.

Gemäß Verfügung des Herrn Ministers des Innern vom 19. Juli 1927 gelten als Waffen im Sinne § 11 des Dercinsgesehes alle Gegen­stände, die nach ihrer Bestimmung zu eigner Zu­fügung gefährlicher Verletzungen beim Angriff oder der Verteidigung gebraucht werden. Demnach sind Stöcke, Knüppel, Gummiknüppel, Schlagringe, Stahlruten, Spiralfedern und Spaten als Waffen im Sinne des § 11 des Vereins- gesehes anzusehen.

Wir haben unsere Beamten angewiesen, auf die angeführten Bestimmungen genau zu achten."

Gießener Wochcnm(irktpre 1 sc.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 130 bis 140 Pf. (Kochbutter von 110 Pf. an), Matte 30 bis 35. Käse- (10 Stück) 60 bis 140. Wirsing 15 bis 20 (pro Zentner 12 bis 15 Mk ). Weißkraut 12 bis 15 (pro Zentner 8 bis 10 Mk.), Rotkraut 15 bis 20 (pro Zentner 10 bis 12 Mk.), Kartoffeln 3,5 bis 4 (pro Ztr. 2,50 bis 3 Mk.), gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 25 bis 30. Unterkvhlrabi 5 bis 6, Grünkohl 20 bis 25. Rosenkohl 35 bis 40. Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 70 bis SO, Endivien 80 bis 100, Meerrettich 30 bis 60, Zwiebeln 10 bis 15, Schwarzwurzeln 30 bis 50, Aepsel 30 bis 45, Birnen 20 bis 40, Rüsse 50 bis CO, Dörrobst 30 bis 35, Honig 40 bis 50. junge Hähne 90 bis 120. Suppenhühner 90 bis 120 pro Pfuird: Tauben 70 bis 80. Eier 13 bis 14, Blumenkohl 40 bis 80, Salat 25 bis 30.

Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50, , Oberkohlrabi 10 bis 15 Pfennig pro Stück.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag. Stadttheater:Der Widerspenstigen Zähmung", 20 bis 22 Uhr. Frauenvortrag, 20 Uhr, Eafe Leib. Rationalsozialistischer deutscher Stu­dentenbund: Protest-Versammlung, 20,15 Uhr. Turnhalle am OswaldSgarten. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße. .Madame sucht Anschluß. Astoria-Lichtspiele:Razzia undUnter falschem Ramen".

Mozartfeier. Eine Feier von Mozarts 175. Geburtstag veranstaltet die Volkshoch­schule am Samstag. 7. Februar, 20 Uhr. im Singsaal des Realgymnasiums. Rach einleitenden Worten von Musiklehrer Franz Dauer jun. weroen eine Sonate, drei Lieder und ein Klavier­quartett gebracht werden. Räheres siehe heutige Anzeige.

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** Zu Mitgliedern der Historischen Kommission ernannt. Die hessische Staats­regierung hat den Universitätsprosessor Dr. Mayer, Gießen: Oberkirchenrat Zentgraf, Mainz: Regierung-rat Schäfer, Darmstadt, und Geheimen Justizra. R o e m h c l d, R.dda, zu Mit­gliedern der Historischen Kommission für den Volksstaat Hessen ernannt.

* Finanzamts-Personalie. Dberfteuer- Inspektors ühlin g wurde zum Steueramtmann bei dem Finanzamt Mainz III ernannt.

** Der Volkstrauertag wird auch in diesem Jahre am Sonntag Reminiszere (1. März) in unserer Stabt vom Volksbund Deutsche Kriegs- gräberfürforge, Bezirksgruppe Gießen, mit einer

Besucht dasWohitütigkeitSkouzert krWintell)ilse 1930/31" am Donnerstag/ 5. Februar, 20 Llhr, im Caf6 Leib, Walttorstraße.

Ihr unterstützt damit das Hilfswerk: Städtische Nothilfe 1930.

Feier in der Aula der Unidcrfität in der gewohnten eindrucksvollen Weise begangen werden. Wer die Gedenkrede halten wird, ist bis jetzt noch nicht end­gültig festgelegt, diese Entscheidung wird aber in diesen lagen getroffen werden. Frau Dr. Wolf wird in liebenswürdiger Weise durch gesangliche Darbietungen zur Bereicherung der feierlichen Ge> denlstunde beitragen, ferner ist in dankenswerter Weise die Mitwirkung unserer Militärkapelle unter Leitung von Obermusikmeister L ö b e r zugesagt worden.

** Wieder ein Frühlingsbote. Gestern nachmittag wurde uns von Herrn Fersch, Wilhelm- straße 56 wohnhaft, wieder ein Frühlingsbote in Gestalt eines Schmetterlings überbracht. Wir ver­zeichnen hiermit die Anwesenheit dieses Verkünders einer besseren Jahreszeit, betonen aber gleichzeitig, daß unser Bedarf an Schmetterlingen usw. ge­deckt ist.

* Ein Hirsch auf drei Läufen. Im Gemeindewald von Wißmar ergriffen holzsuchende Arbeitslose einen Hirsch, der auf drei Läufen ging. Eie fesselten ihn mit Stricken an einen Daum und holten den zuständigen Förster, der dem Hirsch den Fangschuß gab. Es handelt sich um ein älteres Tier, das infolge eines alten Dorderlaufschusses sich nur mühsam fortbewegen konnte. Das Geweih war infolge der Derletzung nur kümmerlich geschoben.

" Einbruch in Lollar. In der vergan­genen Rächt wurde in der Dilla des Kaufmanns Hofmann zu Lollar ein Einbruch verübt. Den Dieben fielen etwa 200 Mk. Bargeld und Schmuck­sachen in die Hände. Beamte der Kriminal­polizei Gießen begaben sich heute morgen an den Tcttort und nahmen die ersten Ermittelungen auf.

** Kirchengesangvereinsfest des Evangelischen Dekanats Gießen. Im Hotel Hindenburg sand' am Samstag eine Ver­sammlung der Vorsitzenden und Chormeister der evangelischen Kirchengesangvereine des evangeli­schen Dekanats Gießen statt, um über die Ab­haltung des diesjährigen Kirchengesangvereins­festes zu beraten. Es wurde beschlossen, das Fest wie üblich am Sonntag vor Pfingsten, 17. Mai, auf dem Schiffenberg zu begehen. Im Gottesdienst werden zwei Massenchöre und ein Frauenchor mitwirken: in der Rachversammlung werden sich nach einem Massenchor die einzelnen Vereine hören lassen. Die Festpredigt wird Pfarrer Reusch (Leihgestern) halten.

* Der BundKönigin Luise" hielt, wie man uns berichtet, am 30. Januar die Grün- dungöversammlung der Ortsgruppe Gießen ab. die über alles Erwarten stark besucht war. Als Gäste waren Mitglieder der Ortsgruppen Fried­berg. Bad-Rauheim und Herborn anwesend. Es ist besonders zu begrüßen, daß sich Frauen und Mädchen aus allen Kreisen dem Bund ange­schlossen haben. Rach gemütlichem, anregendem Abend trennten sich die Mitglieder erst in vor­gerückter Stunde.

** Deutscher Rentnerbund, Orts­gruppe Gießen. Im kleinen Saale deS Ka­tholischen VereinshauseS hielt am Freitagnach­mittag die Ortsgruppe Gießen des Deutschen RentnerbundeS eine Versammlung ab, die sehr gut besucht war. Der Vorsitzende Herr Ma des hieß die Mitglieder willkommen. Dr. Kramer, ein Mitarbeiter der Dundesleitung in Kassel, hielt sodann einen Vortrag über das Thema: Wie kann heute ein Rentnergesetz gestaltet wer­den?" Der Redner hob u. a. hervor, daS Rentner­problem sei eine Folge des Krieges und insbe­sondere der Inflation. Alle Gesetze seien bisher sehr unvollkommen gewesen, denn kein Gesetz habe den Rentnern ein Recht, sondern immer nur einen Fürsorgeanspruch zugebilligt. Der Begriff der Fürsorge müsse aber ausgeschaltet und die Llrsache der Rot der Rentner mehr in den Vordergrund der Betrachtung gestellt und berücksichtigt werden. Der Schadensersahanspruch müsse in ähnlichem Sinne, wie er für bte Liqui­dationsgeschädigten bestehe, auch auf die Rentner in bestimmtem Ausmaße übertragen werden. Der Gedanke des Privateigentums müsse Kraft be­halten und die Wiederkehr zu Treu und 0Lauben bringen. Aus dem sozialistischen Wohlfahrtsstaat müsse wieder ein Rechtsstaat werden, der auch den Rentnern gibt, was der Rentner sei. Der Rentnerbund lasse kein Mittel mrversucht, die Rechte der Rentner zu verfechten, die ihm längst zugestanden werden müßten. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Im Anschluß daran gab Herr

Reiber einen kurzen Rückblick auf die Geschieht der Gießener Ortsgruppe des Oientnerbunbc#, die am Tage der Versammlung auf ein zehn jährigeS Bestehen z rückblicke \ konnte. Der Redne. schilderte die Rot der RachkriegSjahre und bk Hilfsmaßnahmen deS RentnerbundeS für feine Mitglieder. Mit besten Wünschen für eine bessere Zukunft der Rentner schloß der Vorsitzende die Versammlung.

LandfriedenSbnich in Michelstadt.

Der Bürgermeister von TNichetstadt wegen Teilnahme am Canbfrlebcnsbrud) zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt.

WSR. Darmstadt. 2. Febr. In einer gum Teil außerordentlich heftigen und erregten Ge­richtssitzung hatten sich heute sieben Michel- städtcr, unter ihnen Bürgermeister Reff, vor dem hiesigen D.-zirksschösfengericht wegen Landfriedensbruchs zu verant- worten. Am zweiten Januarsonntag des vorigen Jahres batten einige Darmstädter Rationalsozia­listen eine Odenwaldwanderung unternommen und wollten von Michelstadt aus die Heimreise antreten. Sie gingen vorher durch das Städtchen. Als sie eines ihrer Kampflieder sangen, kam es auf dem Marktplatz mit politischen Gegnern zu Auseinandersetzungen und zu einer Schlägerei, wobei auch mit Latten auf die Rationalsozialisten eingeschlagen wurde, so daß sie Zuflucht in einem Gasthaus suchen mußten. Von den Angeklagten waren vier wegen Tätlichkeiten angeklagt, der Bürgermeister, der gerade am Tage vor den Zusammenstößen gewählt worden war, wegen Aufforderung zu Tätlichkeiten. Rach der Zeugenvernehmung, die sich sehr lebhaft ge­staltete, kam der Staatsanwalt zu der Auffassung, daß der Tatbestand deS LandsriedensbruchS ge­geben sei. Er beantragte gegen drei Angeklagte je sechs Monate Gefängnis, gegen den Bürger­meister vier Monate Gefängnis, gegen einen weiteren Angeklagten drei Monate Gefängnis. Allen Angeklagten seien mildernde Umstände zu- zubilligen. Bürgermeister Reff hätte sich in Ansehung seines künftigen Amtes mehr zurück- halten müssen. Allerdings hätten die Rational­sozialisten ein provokator.scheS Verhalten an den Tag gelegt. Der Verteidiger bestritt, daß Land- friedenSbruch gegeben sei und beantragte Frei­sprechung für sämtliche Angeklagte. Das Gericht verkündete folgendes Urteil: Zwei Angeklagte erhalten wegen LandfriedenSbruchS sechs Monate Gefängnis, da als er­wiesen angesehen werden müsse, daß fick tätlich vorgegangen seien. Bürgermeister Reff erhält wegen Teilnahme am LandfriedenS- bruch drei Monate Gefängnis. Zwei Angeklagte werden freigesprochen. Gegen zwei weitere Angeklagte wird das Verfahren am Don­nerstag weiterverhandelt, weil zur völligen Klä­rung des Tatbestandes noch einige Zeugen ver­nommen werden sollen.

.Berliner Börse.

Berlin, 3. Febr. (WTB. Funkspruch.) Nachdem es gestern abend im Anschluß an die Auslandbörsen etwas leichter geworden war, lag der heutige Früh- verkehr recht abwartend und völlig geschäftslos. Der heutige Reichstagsbcginn mahnte zur Zurückhaltung, zumal es an sonstigen Anregungen fehlte. Kurse waren noch nicht zu hören.

Die Detterlaae.

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Wettervoraussage.

Der über der Nordsee gelegene tiefe Druck hat seinen Weg nach dem Festlande eingeschlagen und verursachte dadurch in Westdeutschland sowie in unserem Bezirk Niederschlage, meist als Schnee. Gleichzeitig dehnte sich der hohe Druck im Nordosten weiter westwärts nach den britischen Inseln aus, und im Grenzbereich des hohen und tiefen Drucks drängen sich kalte, aus Nordosten kommende Luftmassen vor. Unter ihrem Einfluß wird der Luftdruck anstcigen, und die Temperaturen werden unter den Gefrier^ punkt zurückgehen. Ueber Island ist bereits ein neues kräftiges Fallgebiet erschienen, so daß der hohe Druck und sein Einfluß jedoch von nicht allzulanger Dauer sein dürfte.

A u s s i ch t en f ü r M i t t w o ch : Temperaturen um den Gefrierpunkt und nachts etwas darunter. Sc» wölkt mit 'Aufklaren, vereinzelt leichte Schneefälle.

Aussichten für Donnerstag: Zunächst weiterer Temperaturrückgang, noch vorwiegend trock- nes, leicht wolkiges Wetter wahrscheinlich.

Lufttemperaturen am 2. Februar: mittags 3,8 Grad Celsius, abends 1,5 Grad: am 3. Februar: morgens 1 Grad. Maximum 3,9 Grad, Minimum 0,6 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2. Februar: abends 2,2 Grad: am Z. Februar: mor­gens 1 Grad Celsius. Niederschläge 1 mm.

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