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Nr. 2 viertes Blatt
Das Gteuerdtttat
-es Graatskommiffars.
Es war eine schmerzliche Aeberraschung, die der Staatskommissar für Dietzen am Iahresschlußtage, nur wenige Stunden vor Ablauf der Frist, einem Teil der Giehener Steuerzahler — wohlgemerkt nur dem zahlenmähig Heineren Teile — mit seinem Steuerdiktat bereitete. Was man in kommunalpolitischen Kreisen befürchtet hatte, wurde leider zur Tatsachen der Steuerdiktator begnügte sich nicht mit dem, was die Stadtverwaltung dem Stadtrat vor- aeschlagen hatte, sondern er ging noch darüber hinaus, und er folgte auch dem Vorgehen der Stadtverwaltung nicht im geringsten, das eine Heranziehung aller Steuerzahler au den vermehrten Lasten des Haushaltes erstrebte, son- dcrn bürdete die Last nur nach einer Seite hin auf. Vei der Gewerbe st euer vom Ertrag hatte die Stadtverwaltung die Erhöhung * des Satzes von 2,20 Work auf 2,80 Mark vorgesehen, der Staatskommissar setzte aber 3 Mark fest: die Gewerbesteuer vom Kapital wollte die Stadtverwaltung von 55 auf 60 Ps. erhöht wissen, der Slaatskommissar schraubte die Mehrbelastung auf 65 Pf. herauf: die Grundsteuer von Gebäuden und Bauplätzen sollte nach dem Vorschläge der Stadtverwaltung von 27 auf 33 Ps. gesteigert werden, der Staatskommissar machte daraus 35 Pf.; dec Steuersatz der Grundsteuer von land - und for st wirtschaftlich, oder gärtnerisch genutztem Grundbesitz verblieb, wie seither, auf 35 Pf. Außerdem verfügte der Staatskommissar die Einführung der Getränkeverzehr- st e u e r für die Zeit vom 1. Januar bis 31. März 1931. Die von der Stadtverwaltung vorgeschlagene Erhöhung der gesetzlichen Miete um 2 Prozent und die Heraufsetzung des Wassergeldes von 25 auf 28 Ps. je Kubikmeter, fand dagegen nicht den Beifall des Staatskommissars, er lieh diese beiden Punkte gänzlich nutzer Betracht. Und alle diese Belastungen für das ganze Rechnungsjahr 1930, d. h. also ab 1. April 1 930!
Wenn man das Steuerdiktat kritisch unter die Lupe nimmt, muh man offen sagen, dah es völlig den von der Linken des Stadtrats seit wahren erhobenen Forderungen entspricht. Man kann vielleicht sogar behaupten, dah das Stadtrotsmitglied Mann von dieser Großzügigkeit des Staatskommisfars einigermaßen überrascht gewesen sein wird, denn allgemein herrschte die Annahme vor. der Staatskommissar werde über die von der Stadtverwaltung beantragten Sähe nicht hinausgehen. Bei der bekannten Einstellung in gewissen Darmstädter Degierungskreisen gegenüber der Realsteuerbelastung in Gietzen braucht man sich allerdings nicht zu wundern, dah sich in dem Steuerdiktat des Ooerregierungsrats Habe r f o r n eine Tendenz offenbart, die in Gietzen selbst bei allen einsichtigen Wirtschaftskreisen keinem Verständnis begegnet. Verwunderlich ist nur, dah man in Darmstadt erst kurz vor Toresschluh die Ernennung des Staatskommissars vollzog, anstatt nach dem Ausgang der entscheidenden Stadt- rats-Sihung vom Samstag, dem 27. Dezember, beschleunigt zu handeln und den Beauftragten der Regierung schon am Montag zu bestimmen, um ihm die Möglichkeit zu schaffen, sich in Dietzen wenigstens auch mit den Führern des Stadtrats besprechen zu können, ehe er eine Entscheidung von so großer Tragweite schuf, wie es die jetzt vorliegende ist. die nach wenigen Deratungsstunden in Darmstadt das Licht der Welt erblickte. Inwieweit die von dem Staatskommissar verfügten, sehr erheblich über das Verlangen der Stadtverwaltung hinauSgehenden Steuersätze von den
Die kleine Molelle.
Zftoman von Paul Ham
9. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Sie fühlte ein Prickeln in sich. Diese Leidenschaft — sie begann sie zu verwirren. Unb es war doch alles nur — Spiel!
„Dein, lassen Sie mich reden, Frau Dorma. Sie haben kein Glück gefunden. Man hört doch — und sieht
„Dun — und wenn es so wäre —T Darnowsky kniete vor ihr.
„Ich liebe Sie, Dorma — Sie müssen es doch fühlen. Sie sind mein Schicksal. Meine Zukunft. Ich will Sterne für Sie vorn Himmel reißen. Dorma — ich bin verloren — in Ihrer Schönheit
Langsam legte sie die Hände auf seine Schultern. Wilde Freude erfüllte sie plötzlich. Sie hatte gesiegt! Ein Mann kniete wieder vor ihr — ein Willenloser! 'Ah — wenn sie erst wieder Hubert so weit besiegt hätte —“
„Ich dürste ihnen nicht gestatten, so zu sprechen, Herr Darnowsky —“
Er blickte zu ihr auf.
»Aber ich liebe Sie doch —“ Eie lächelte ihm zu.
„Ich bin — eine Frau, ich habe kein Recht, Sie anzuhören —“
„Was fragt die Liebe danach, Frau Dorma! Ich will nichts, als dah — Sie mir gestatten. Sie lieben zu dürfen, Unb einmal, einmal werden Eie frei sein —*
„Einmal frei sein?"
Das Wort fiel in ihre Seele.
„Vielleicht", murmelte sie, „vielleicht — wenn Sie ein gröberer Mann sind als heute —"
Seine Hände umspannten ihren Arm.
„Dorma — werden Sie's nicht vergessen? Die geben mir Hoffnung?"
Da schüttelte sie den Kopf. Wie eine Sphinx sah sie aus.
„Vielleicht — sagte ich. Dichts weiter. Aber — verlangen Sie nicht zuviel. Man muß sich gedulden können —“
Er blickte sie ratlos an.
Heihe Leidenschaft flammte aus seinem Blick. „Dorma — lassen Sie mich hoffen!"
Er zog sie fast gewaltsam zu sich. Flüsterte heiser:
„Ein Kutz — gibt Hoffnung--“
Ihr Gesicht schimmerte dicht vor ihm. Ein Kuh? In seinem Griff war Wildheit. Ah — wie er sinnlos war! Ein Kuh?
Aber die Lust am Spiel war stärker in ihr.
Unb sie schüttelte den Kopf und antwortete W:
Samstag, 5. Januar 1931
Gießener Anzeiger IGeneral-Anzeiger für Gderhessen)
Steuerpflichtigen in die Wirklichkeit umgesetzt werden können, muß natürlich noch dahingestellt bleiben. Cs würde uns nicht überraschen, wenn sich bei sehr vielen Steuerzahlern die Anmöglich- feit zur ilebernaßme dieser Last schon in aller Kürze aktenmäßig ergeben würde. Besonders anfechtbar erscheint auch die Einführung der Getränkeverzehrsteuer, die bisher in den meisten Städten glatt abgelehnt wurde, da man sie allgemein als eine der ärgerlichsten, schwierigsten und im Ertrag unzulänglichsten Steuern betrachtet, bei der die Kosten und Scherereien der Erhebung in keinem Verhältnis zu dem finanziellen Ergebnis stehen werden. Schon heute möchten wir der bestimmtesten Erwartung Ausdruck geben, daß der Sta>trat, sobald das Derfügungs- recht wieder auf ihn übergegangen ist, diese Steuer unter feinen Umständen verlängert, da sie nur allzusehr geeignet ist, dem Gasthausgewerbe steuerlich das Dasein noch schwerer zu machen und da sie sich auch für die breiten Devölkerungsschichten noch schärfer auswirken wird als die Biersteuer. Vom Standpunkte der steuerlichen Gerechtigkeit aus, die erheischt, daß zu den Lasten des Gemeinwesens alle Teile der Bürgergesamtheit nach Maßgabe ihrer Kräfte beizutragen haben, ist cs auch bedauerlich — so sehr wir die wirtschaftlichen Schwierigkeiten weiter Kreise der Mieterschaft zu würdigen wissen —, die Deusestsetzung eines an sich durchaus vertretbaren Mietsahes in diesem Zusammenhang fehlen zu sehen. Dabei denken wir nicht etwa daran, dem Hausbesitz ein Geschäft zuführen zu wollen, sondern uns leiten nur Erwägungen, deren Ziel die Kräftigung und baid- möglichste Befreiung des Wohnungsmarktes von seinen heutigen Fesseln zum Wohle der Dolks- gesamtheit ist.
Üb man sich in Gießen mit dem Diktat deS Staatskommissars abzufinden haben wird, oder ob — wie Bürgermeister Dr. V ö l s i n g (Alsfeld) in unserer Dummer 304 in einem bemerkenswerten Aufsatz bargelegt hat — die Mög.ich- keit von Rechtsmitteln gegen das Steuerdiktat in Betracht kommt, ist eine Frage, über die sich vielleicht auch der Stadtrat noch unterhalten wird. Wenn nicht al.es trügt, dürfte jedenfalls das Darmstädter Machtwort nicht so ohne weiteres hin genommen werden.
Keine zwingende Rückwirkung.
Don dem Stadtratsmitglied Rechtsanwalt und Notar Schneider erhalten wir folgende Zuschrift:
„In Ihrem Bericht über die Gießener Stadtratssitzung vom 27. Dezember ist Ihnen, wie auch verschiedenen Rednern des Tages, so insbesondere f)errn Stadtratsmitglied Mann, als er den Vermittlungsantrag der Arbeitsgemeinschaft der Mitte als ungesetzlich bezeichnete, insofern ein Irrtum unterlaufen, als Sie schreiben, daß eine neue Notverordnung der Reichsregierung (es handelt sich dabei um die Durchführungsbestimmungen zur Realsteuersenkung im Rechnungsjahre 1931 vom 20. Dezember 1930) die Rückwirkung des Im Jahre 1930 beschlossenen Steuersatzes auf das ganze Rechnungsjahr 1930 zwingend vorschreibe.
Der hierüber handelnde § 6 der Durchführungsbestimmungen besagt jedoch lediglich, daß, falls Nachtragsumlagcn sich nicht rückwirkend auf das ganze Rechnungsjahr, sondern nur auf einen Teil desselben beziehen, die durch derartige bis zum 31. Dezember 1930 rechtswirksam gewordene Beschlüsse eingetretene Erhöhung oder Ermäßigung des Steuersatzes auf das ganze Rechnungsjahr 1930 umzurechnen ist. Was damit verhütet werden soll, ist zu deutlich. Jedenfalls aber würde diese neueste Bestimmung der Annahme auch des Vermittlungsoorschlags der Arbeitsgemein- schäft nicht entgegen gestanden haben, der gerade mit Rücksicht auf die darin erblickte Härte die Rück-
„Sie sind — zu stürmisch, Herr Darnowsky. Seien Sie vernünftig, nehmen Sie die Ruder wieder — seien Eie doch genügsam — — für heute —“
„Dorma!" Sie streifte feine Hände vom Arm.
Da rauschte Ruderschlag ganz in der Dähe. Ein Boot, kaum wenige Meter entfernt, fuhr heran. Eine Stimme klang auf:
„Ah — Dorma? Herr Barnowsky? Ich hörte doch bekannte Stimmen?"
Barnowsky zuckte zusammen und griff nach den Rudern. Dorma warf den Kopf in den Racken. Keineswegs unangenehm überrascht. Also war ihr Hubert auch hier gefolgt? Hatte alles gehört? Ah — er mußte erregt sein! Gut, daß sie sich nicht hatte gehen lassen. Kam nun ein4 Szene? Es mußte wundervoll werden!
„Ich suchte Sie schon wie eine Stecknadel, Herr Barnowsky."
Wördehosss Doot lag Seite an Seite mit dem anderen. Er lächelte freundlich. Keine Spur von Erregung war in seinem Gesicht.
„Dorma — ist es dir nicht zu kühl?"
„Wir wollten gerade zurücksahtcn, Hubert —" „3a — ich hörte. Herr Buchholh sagte, ihr wäret auf dem Teich. Da suchte ich euch."
Er griff in die Fracktafche und holte ein Kuvert heraus, das er dem verdutzten Darnowsky überreichte.
„Ditte, wollen Sie nachzählen? Es ist die Summe, die Sie neulich, liebenswürdigerweise meiner Frau liehen. Ich danke Ihnen noch nachträglich."
Dorma war jetzt nicht minder verblüfft als der Maler, der nur ein „bitte, es wird schon stim- men. Aber das war doch gar nicht nötig", mühsam hervorstieß.
Wördehoss lächelte noch immer.
„Es wird Zeit, daß wir nach Hause fahren, Dorma", meinte er. „Die Schar der Gäste hat sich schon gelichtet."
Dorma hatte sich wieder gefaßt.
Auf diese Szene war sie allerdings nicht vor- "’bereitet gewesen. And sicher hatte Hubert doch ihr Gespräch gehört. Etwas wie Respekt vor Wördehosss tadelloser Doblesse überkam sie.
Dun ja — es war ja auch nichts geschehen.
Aber plötzlich erfüllte sie Zorn. Hubert schien — freundlich und lächelnd, wie er sich da zeigte — nicht die Spur eifersüchttg zu fein. Darnowsky tat ihr mit einemmal leid. And ein heißer Gedanke packte sie: „Wie — wenn ich ihm nun doch — den Kuß geschenkt hätte? Was bann?"
Die Boote glitten nebeneinander über das Wasser.
Wördehofs sagte dem Maler einiges Schmei- chclhaste über seine letzten 'Silber, und dieser hatte sich allbereits wieder in der Gewalt und antwortete höflich und sachlich.
Wirkung des neuen Steuersatzes auf die Zeit vom 1. April 1930 an verneinte. Es wäre vielmehr die im Vorschlag der Stadtverwaltung vorgesehene und nach dem Vermittlungsvorschlag der Arbeitsgemein, schäft lediglich für die letzten vier Monate des Rechnungsjahres zu beschließende Erhöhung von 60 Rps. zur Errechnung des Ausgangssatzes für 1931 auf das ganze Rechnungsjahr 1930 umzurechnen gewesen, so daß als Grundlage für das Rechnungsjahr 1931 nicht der Steuersatz von 280, sondern von nur 240 Rps. in Betracht gekommen wäre. Nicht gedient wäre damit allerdings der Absicht der Stadtverwaltung gewesen, die als Ausgangssatz für 1931 den Steuersatz von 280 Rps. zu erreichen gehofft hatte. Schneider, Stadtratsmitglied.
Anmerkung der Redaktion: Wir geben der vorstehenden Zuschrift gerne Raum und bemerken dazu, daß unsere Mitteilungen aus den Erklärungen der verschiedensten Redner des Stadtrate» fußten. Der gleiche Standpunkt wurde u. a. auch von dem Vorsitzenden der Fraktion der Arbeitsgemeinschaft der Mitte, Stadtratsmitglied Horn, vertreten. Die Mitglieder des Stadtrates und die Ocffcntlichkeit werden von der jetzigen Erklärung des Stadtratsmitglicdes Schneider sicherlich mit Interesse Kenntnis nehmen. Man darf aber wohl sagen, daß diese Aufklärung in der entscheidenden Stadtratssitzung noch größere Aufmerksamkeit gesunden hätte als heute, da sie vielleicht dazu beigetragen hätte, die Entscheidung des Hauses zu beeinflussen.
Mgmneister-E nsührimg in Grimberg.
+ Grünberg, 2. Ian. Begleitet von dem starken Interesse unserer Bürgerschaft fand heute nach einer geheimen Sitzung des Gemeinderats unter dem Vorsitz von Überregierungsrat Ritzel vom Kreisamt Gießen die
Einführung und Verpflichtung de» neuen Vürgermeister» Dr. Mildner statt. Überregierungsrat Ritzel nahm zunächst die Vereidigung des Bürgermeisters vor. In seiner Ansprache zol.te er bann dem Beigeordneten Keller Dank für seine zweijährige Tätigkeit auf dem verwaisten Dürgermeisterposten und daß er die kommunalen Verhältnisse in wesentlicher Weise aus der früheren Verworrenheit herausgeführt habe. Er betonte, daß der Bürgermeister zwar als Vorsitzender im Gemeinderat doch in enger Fühlung mit diesem Hand in Hand arbeiten müsse und daß trotz Meinungsverschiedenheiten bei gutem Willen auf beiden Seiten die Möglichkeit zu fruchtbringender Arbeit bestehe. Der Bürgermeister solle das Panier der Selbstverwaltung hochhalten und Sorge tragen, daß bei der Entwicklung der kommunalen Arbeit kein Raum für den Staatskommissar bleibe. Pflicht des Bürgermeisters fei es auch, in enge Verbindung mit der Bevölkerung zu treten, ein Sachwalter der Armen und ein Förderer der Gemeindewirtschaft zu sein. Mit selbständigem Urteil müsse er den geraden Weg gehen, den ihm sein Gewissen vorschreibe.
Beigeordneter Keller dankte hierauf Oberregierungsrat Ritzel für seine anerkennenden Worte. Er hat es als eine selbstverständliche Pflicht betrachtet, die Bürgermeisterei- geschäfte im Interesse der Stadt zu führen. In der jetzigen Notzeit müsse der Bürgermeister einer Stadt ein Führer und ein Mensch mit einem Gewissen sein, der die Gefahren meistern könne. Stecke doch in Grünberg ein guter Kern, denn eine Stadt mit einer 700jährigen Vergangenheit, die schon schwerere Zeiten überwunden habe, werde unter der sicheren Leitung eines Bürgermeisters und im Zusammenwirken mit allen ernstoenkenden Menschen auch jetzt den rechten Weg finden.
Bürgermeister Dr. Blllbner betonte, daß er gute Beziehungen zur Aufsichtsbe- Hörde pflegen wolle, dankte für seine Wahl und sprach die Hoffnung aus, daß er das in ihn gesetzte Vertrauen rechtfertigen werde und dadurch auch das Vertrauen derjenigen Gemeinderäte, die ihre Stimme einem anderen Bewerber gegeben hätten, gewinne. Er lege den allergrößten Wert auf die tätige Mit- arbeit des Gemeinderats, dagegen keinerlei Wert auf unfruchtbare Opposition. Wenn er auch als Bürgermeister der verantwortliche Leiter der Gemeindeverwaltung fei, so liegt ihm daran, alle für die Gemeinde bedeutenden Entschließungen unter
Mitwirkung des Gemeinderats zu treffen. Gegenseitiges Vertrauen gewährleiste ein gedeihliches Zusammenarbeiten.
Nachdem noch das älteste Gemcinderatsmitglied, Schlossermeister
Heinrich Schmidt 11.,
Worte des Dankes an den Beigeordneten und Be- grüßungsworte an den neuen Bürgermeister gerichtet hatte, konnte Oberregicrungsrat Ritzel die denkwürdige Sitzung schließen.
Mittlerweile hatten sich die beiden Gesangvereine und der Musikvercin vor dem Rathaus eingefunden: zahlreich war auch die Bürgerschaft vertreten, es hatten sich etwa 800 Personen auf dem Marktplatz versammelt. Nach dem Chor „O Schutzgeist alles Schönen" von Mozart entbot
Berufsschullehrer (Bengnagel
in einer Ansprache dem neuen Bürgermeister den Willkommengruß der Stadt. Nach einem Musikvov- trag des Musikvereins dankte
Bürgermeister Dr. Mildner
in einer kurzen Ansprache für den Willkommenaruß und versprach, seine ganze Kraft und Persönlichkeit in den Dienst der Stadt zu stellen. In das von ihm ausgebrachte .Hoch" auf die Stadt stimmte die Bürgerschaft kräftig ein. Der Chor „Wo gen Himmel Eichen ragen" und ein Musikvortrag beendeten die für Grünberg bedeutsame Stunde.
Spielplan der Frankfurter Theater.
Opernhaus. Sonntag, 4. Ianuar, von 15 bis 18 Ahr: Zar und Zimmermann: von 19.30 bis 22: DaS Land des Lächelns. Montag, 5.. 19.30 bis gegen 22.30: Simone Doccancgta. Dienstag, 6., 19 bis gegen 22.30: Viktoria und ihr Husar. Mittwoch, 7., 19.30 bis nach 21.15: 3. Opernhaus-Konzert. Donnerstag, 8.. 19 bis 21.45: Cavalleria rusticana. Hierauf: Der Bajazzo. Freitag, 9., 19.30 bis 22.3: Der Dettel- student. Samstag, 10., 19 bis gegen 22.30: Viktoria und ihr Husar. Sonntag, 11., 19 bis gegen 22.30: Tannhäuser.
Schauspielhaus. Soirntag, 4. Ianuar, von 16 bis nach 18 Ahr: Katharine Knie. 20 bis 22: Grand Hotel. Montag, 5., 19.30 bis gegen 23: Geschichte Gottfriedens von Derlichingen mit der eisernen Hand. Dienstag, 6., 20 bis 22: Grand Hotel. Mittwoch, 7., 20 bis gegen 22: Der Mann, den sein Gewissen trieb. Donnerstag, 8., 20 bis gegen 23: Wie werde ich reich und glücklich. Freitag, 9., 20 bis nach 22.30: Diel Lärm um nichts. Samstag, 10., 16 bis gegen 18.30: Kakadu-Kakada. 20 bis 22: Grand Hotel. Sonntag. 11., 16 bis gegen 18: Sturm im Wasserglas. 20 bis nach 22.30: Viel Lärm um nichts.
Sie erreichten das Afer und sttegen aus.
Dorma sagte:
„Es ist wirklich recht kühl. And spät ist eS auch schon —"
Wördehoff bot ihr den Arm. Sie legte die Hand hinein. Darnowsky ging schweigend an der anderen Seite.
„Du hättest das Cape für die Fahrt auf dem Wasser mitnehmen sollen, Dorma. Komm, wir wollen etwas schneller gehen."
Sie beeilten sich, um in das HauS zu kommen. Als sie auf der Terrasse standen, reichte Wördehoff dem Maler die Hand. Wieder geschah es ganz überraschend.
„Also — nochmals meinen besten Dank, Herr Darnowsky. Sie werden wohl noch ein Weilchen bleiben, nicht wahr? Die tanzlusttge Damenwelt wird Sie nicht weglassen —‘
Darnowsky konnte gar nichts erwidern. And Dorma blieb nichts anders übrig, als sich gleichfalls von ihm zu verabschieden.
Er zog ihre Hand an die Lippen. Aber er drückte nur einen flüchtigen Kuß darauf.
„Kommen Sie doch gelegentlich mal in eine Teestunde. Es ist immer unterhaltsam bei uns. Dicht wahr, Hubert?"
„Gewiß."
Dochmals ein kurzes Zunicken, und Wördehoff und Dorma schritten Arm in Arn, in das nächste Zimmer.
Darnowsky blickte wie erstarrt nach.
Was war das für ein seltsamer Mensch — dieser Wördehoff! Gentleman? Oder ein Darr? And — Dorma?
Aber sein Herz schlug wild. — —
Wördehoff holte das Cape aus der Garderobe und legte es Dorma um die Schultern. Vor der Villa stand die lange Reihe der Autos wartend in der dunklen Straße.
Der Kommissionsrat brachte die beiden persönlich an das Kupee und verabschiedete sich mit einigen herzlichen Worten von ihnen.
Das Auto fuhr los.
Eine Weile herrschte Schweigen zwischen ihnen.
Dann sagte Dorma leise:
„Hubert, du bist mir böse?"
„ Aber warum?"
„Hubert, du hörtest, waS Banwwsky —“
„Aber Dorma, ich bin doch kein „Lauscher an der Wand!" Er ist doch nicht der einzige, der in dich verliebt ist —"
Es zuckte um seinen Mund.
Da — er hatte gehört. Aber — es blieb kühl in ihm.
Dorma atmete tief auf.
Also gut — er wollte nicht davon sprechen! Gut! War das Komödie von ihm?
Etwas wie Haß stieg in ihr auf.
And wieder packte sie der Gedanke: „Wie — wenn ich Darnowsky wirklich nachgegeben hätte?
Was bann? ü — wie er nach meinem Mund brannte!"
Die lehnte sich in die Ecke und schloß die Augen.
Wördehoff sah zum Fenster hinaus in die dunklen Straßen. And er dachte:
„Wie hasse ich diese Welt des Leichtsinn- und der Lust! Darnowsky — Sie sind ein Esel! DaS Glück liegt nicht in dieser Welt! Ich dachte eS auch einmal! Seien Sie froh, daß Dorma nicht mehr frei ist."
Das Auto hielt mit einem Ruck vor ihrem Hause.
6.
Dennoch wirkte dieser Abend in Wördehoff nach, ilnb Dorma sorgte dafür, daß feine Gedanken sich immer wieder mit ihr beschäftigen mußten. Für sie galt es, ihn mit aller Gewalt aus feiner Reserviertheit aufzurütteln, die ihren Stolz mehr verletzte, als cs offener Widerstand ober offene Abneigung vermocht hätten.
Ia, Wörbehoff dachte viel über fein Verhältnis zu Dorma und bet ganzen Amwelt, in ber er lebte, nach und immer häufiger ertappte er sich bei bem Gedanken, den er lange Zeit nicht hatte aufkommen lassen: Eine Trennung wäre das beste!
Trennung! Das hieß — Scheidung!
Er war nicht sorglos genug, um diesen Gedanken leicht zu nehmen. Aber er war innerlich viel zu ehrlich und aufrecht, um ihn nicht als die beste Lösung eines Verhältnisses zu empfinden, das beide Teile schon lange nicht mehr befriedigte und all seine künstlerischen Kräfte lähmte.
Cs war kurz vor dem Schluß der Saison an Hollmanns Dühne, als er diesem Gedanken endlich Dorma gegenüber Ausdruck verlieh.
„Dorma — ich habe viel über uns nachgedacht. Unfere Wege führen nicht mehr nebeneinander. Ich möchte glauben, daß du selbst den Wunsch hast, wieder frei zu sein! Du bist ja in deinem Wesen wohl nur für die Freiheit geboren —“
Dorma sah ihn groß an. Dlinzelte ein wenig, ihrer Gewohnheit gemäß, mit einem Auge, und sagte bann:
„Du bietest mit — die Scheidung an?“
Er nickte.
„Ich würbe selbstverständlich für eine angemessene Unterstützung sorgen, Dorma, du kennst mich ja, denke ich —"
Et zögerte abtoartenb.
Dorma wippte mit bem Fuß.
Wie oft wat ber Gedanke schon durch ifa Hirn geflattert! Wieder frei fein!
Aber — war sie nicht auch so frei genug? Sie hatte wohl nie eheliche Fesseln gesühlt. Hätte sich schön bedankt dafür!
And Hubert Wördehoff — war kein An- bekannter! (Fortsetzung folgt.) ,


