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Wessen Knd bin ich?

Vornan von Fr. Lehne.

(Urheberschutz durch C. Ackermann, Romanzentrale Stuttgart.)

18 Fortsetzung. Nachdruck verboten

Ebba wurde unbegründet rot: die Mamsell nickte vor sich hin und sprach weiter:Komtesse Inga wird es sicher leid tun, daß Sie nicht mitkommen können, Ebbachen, sie hatte sich doch so auf ihren Besuch gefreut!"

Ebba wandte den Kopf ein wenig zur Seite.

Sollte sie zur Mamsell sa^en, daß sie aus die Dresdner Reise überhaupt verzichtet hatte?

Ich habe ja an Inga geschrieben, daß ich krank bin!"

Die Mamsell streichelte über Ebbas schmale Hände, die von auffallender Schönheit waren, obwohl man ihnen ansah, dah sie arbeiteten vielleicht ist es «.xh ganz gut, wenn Sie später als der junge Herr fahren!" meinte sie in vor­sichtig sondierendem Ton.

Ach, Ebbachen, ich meine es so gut mit Ihnen gelt, Sie werden mir nicht böse sein?" Die Mamsell blickte erst vorsichtig nach der Tür, ehe sie mit gedämpfter Stimme fortfuhr, Ebbas Hand noch immer streichelndder junge Herr Gras, ich kenne ihn doch schon, wie er noch ein kleiner Bub war was ihm gefiel, das muhte er haben und Sie, Ebbachen, Sie gefielen ihm eben arg gut kein Wunder auch, wenn man Sie anschaut"

Was?" Ebba richtete sich auf, stützte sich auf- die Ellenbogen und blickte erschrocken in der Spre­cherin Gesicht was würde sie zu hören be­kommen? Wuhte die Mamsell auch schon etwas? älnwillÄirlich ängstigte sie sich und seufzte tief auf.

So gern ich unseren jungen Herrn habe ich muh ihn aber tadeln, wenn er Ihnen aller­hand vorgeredet haben sollte"

Erreot umklammerte Ebba den rundlichen Arm der quren Mamsell und drehte ihr glühendes Gesicht dagegen.Ja, der Hanno! Seine Mutter, die Fra^i Gräfin, wünscht, dah er die Baronesse Armgard Westernhagen heiratet er hatte immer widersprochen, jetzt kann ich mir den Grund denken! Aber eine junge Frau muh doch her auf Reins­hagen, imö die Baronesse soll recht hübsch und recht reich sein"

Ein Wehlaut entrang sich den Lippen Ebbas.

Das ist doch nicht wahr so schlecht kann Hanno nicht sein! Er hat doch gesagt, ich sei

seine Braut" Hier stockte sie: hatte sie nicht soeben eine Unwahrheit ausgesprochen? Das hatte er nie gesagt: sie hatte sich alles nur eingebildet, weil er sie geherzt und geküßt aber das Lieb­chen küßte man ja auch!

Sie drückte ihr Gesicht in die Kissen, um nicht laut aufzuweinen.

Ebbachen, ich sage Ihnen das alles, damit Sie sich danach richten können weil die Leute doch so allerhand reden und munkeln, was gar nicht wahr ist dazu kenne ich Sie doch zu gut"

Also doch!

Ebba stöhnte tief auf. Was sie befürchtet, war nun eingetroffen! Und wenn die Eltern es er­fuhren und Inga? Ach, sie sah jetzt ihre heimliche Liebe in einem anderen Lichte. So häßlich und entwürdigend für sie war das alles!

Wer spricht, Mamsell? Und was wird ge­sprochen?" fragte sie tonlos.

Ach, alle, Ebbachen, Sie wissen doch, wie die Leute sind! Da weih einer mehr als der andere, und da wird das Blaue vom Himmel herunter- geschwäht! Ich wünsche nicht, dah Ihre Eltern von dem Gerede erfahren! Es ist mir richtig ein Stein vom Herzen, dah der junge Herr morgen allein fährt! So weinen Sie doch nicht, Kindchen. Still, still, wenn die Mutter hereinkommt Liebevoll tupfte die Massell die Tränen von Ebbas Gesicht.

Mamsell, es ist ja alles nicht so! Hanno sagte mir, dah er mich liebe, es solle aber vorläufig noch geheim bleiben: diplomatisch müsse man vor­gehen oh, wie bin ich unglücklich!"

Die Mamsell nickte energisch.

So machen es die Mannsbilder immer das kennt man! Ich werde aber den Leuten schon die Mäuler stopfen, da verlassen Sie sich darauf, Ebbachen! Run lachen Sie, die Mutter darf keine Tränen sehen machen Sie ein heiteres Gesicht es ist alles nicht so schlimm, Kindel!"

Der Hanno! wer weiß, was er der unerfah­renen Ebba alles vorgeredet recht war es nicht von ihm sie wollte es ihm schon sagen, wollte kein Blatt vor den Mund nehmen!

Das Mädel, die Ebba, war böse ins Gerede gekommen weiß der Kuckuck, wer es aufge­bracht! Wie der Fuchs um den Hühnerstall, so war der Hanno ja immer um die Ebba herum­gestrichen sie hatte es wohl bemerkt! Aber daß die Ebba so naiv war, zu denken, sie sei nun verlobt! So einfach war das doch nicht!

Rach einigen Tagen kam ein Brief von Inga, in dem sie die Unpäßlichkeit der Freundin sehr bedauerte und die Hoffnung aussprach, Ebba ganz bestimmt bei sich zu sehen, sobald sie nur einigermaßen reisefähig sei. DerRing" würde

in nächster Woche gespielt--denke, Ebba-

lein, dieWalküre" undGötterdämmerung" dazu mußt Du unbedingt gesund sein!"

Mit einem entsagenden Lächeln legte sie den Brief beiseite. Ach, sie würde niemals nach Dres­den kommen!

Obwohl Ebba die leichte Krankheit bald über­standen, fehlte ihr doch die frühere Frische. Blaß und müde ging sie umher: wurde sie angeredet, schreckte sie nervös zusammen.

Und dann war das Gefürchtete doch einge­treten die Eltern hatten von den Gerüchten, die über sie umliefen, natürlich mit den nötigen älebcrtreibungen, gehört! Beide waren außer sich ihre vergötterte Ebba ein Liebesverhältnis mit dem jungen Grafen!

Ebba, wie konntest du wie ist das nur möglich!"

Ebba hätte vor Scham in den Erdboden sinken mögen ihre Liebe war besudelt was sie Heiliges hineingelegt, in den Schmutz gezogen wie stand sie da vor den kalten, neugierigen, schadenfrohen Augen der Leute unaussprechlich litt ihre keusche mimosenhafte Seele. Die vor­wurfsvollen Fragen der Mutter waren nicht mehr zu ertragen.

was wird Christel dazu sagen, wenn er es erfährt? Seine Stellung ist ihm dadurch un­möglich gemacht, Ebba! Hast du denn gar nicht an ihn und uns gedacht?"

Christel weiß bereits darum! Fragt ihn, er wird euch alles sagen es ist ja alles ganz anders. Wenn ihr mich nicht zur Verzweiflung bringen wollt, dann schweigt! Seht ihr nicht, wie ich leide?"

Der junge Pfarrer suchte die Eltern zu be­ruhigen. Für die Reinheit der Schwester würde er die Hand ins Feuer legen. Ihre Vertrauens­seligkeit, mit der sie sich als heimliche Braut Hannos von Reinshagen betrachtet habe, müsse sie nun schwer büßen, und darum bitte er, nichts mehr zu ihr zu sagen.

Das Christel Ebba nicht verdammte, war für Frau Lenz eine große Beruhigung, obgleich sie gar nicht darüber hinwegkommen konnte, daß Die Tochter so im Gerede stand. Jetzt wurden ihr auch manche ihr unverständliche Anspielungen, die ihr die Rachbarn im Laufe von Gesprächen gemacht, endlich klar.

Ging sie mit Ebba über die Dorfstraße, fühlte sie förmlich die neugierigen spähenden Blicke der Leute, von einigen auch ein hämisches, schaden­frohes Lächeln, obwohl man ihr im Dorfe im großen ganzen gut gesinnt war! Doch eingedenk der Ditte, die der Sohn ausgesprochen, sagte sie nichts mehr zu Ebba, der aber Vorwürfe beinahe

noch erträglicher gewesen wären als dieses sie demütigende Schweigen der Mutter. Die Mamsell ließ sich auch wieder einmal sehen, beladen mit einem großen Kuchenpaket, um den Sonntagnach­mittag im Lehrerhause gemütlich zu verbringen.

Run, Ebbachen, wann fahren Sie denn nach Dresden?"

Gar nicht, Mamsell!" kam Ebbas leise Ant­wort.

Das ist Unsinn! Komtesse Inga würde Ihnen das schwer übclnehmen! Sie wartet mit ilngeöuID auf Sie! And für Sie ist es auch gut, wenn Sie mal hier herauskommen

Das möchte ich auch, Mamsell! Darum will ich mir eine Stellung suchen! Ich kann einen Haushalt gut besorgen' bei Ihnen habe ich die feine Küche erlernt, und Sprachen, Literatur, Kunstgeschichte find mir auch nicht fremd immer kann ich doch nicht zu Hause bleiben!"

Ebba vermied, die Mutter anzusehen. Frau Lenz wurde blaß: das Kind dachte daran, sie zu verlassen? Rimmermehr gab sie das zu!

Die Mamsell verstand in der Seele der schmerz­lich überraschten Frau zu lesen: sie wußte, wie abgöttisch Frau Lenz an Ebba hing. Rein, nein, das Mädelchen durfte jetzt nicht s o nicht aus dem Hause! Sie mußte davon abgebracht werden!

Aber, Ebbachen, was fällt Ihnen denn ein? Vorläufig müssen Sie doch noch bei den Eltern bleiben! Was sollten die ohne Sie anfangen?" .

Ich habe ja keine richtigen Eltern! Ich bin ja doch nur ein Findelkind" sagte sie in ver­bissenem Trotz, konnte aber nicht verhindern, daß zwei helle Tränen über ihre Wangen rollten.

Ebba!" riefen die beiden Frauen vorwurfs­voll und schmerzerfüllt wie aus einem Munde.

Das durften Sie nicht sagen, Kind, und Ihrer Mutter damit so wehe tun!" tadelte die Mamsell, Sie, der Sonnenschein des Hauses! Hat ntan Sie das je fühlen lassen?"

Die Leute

Ach was das besteht nur in Ihrer Ein­bildung! Kein Mensch denkt mehr daran! Ich sehe aber, daß Sie sich in allerlei dummen Grübeleien verlieren, und daß es gut ist, Sie kommen einmal für eine Weile heraus! Darum werde ich morgen an Komtesse schreiben, daß ich Sie heute ganz gesund gefunden habe und Sie sehr wohl reifen können! In Dresden werden Ihnen dann alle dummen Gedanken vergehen!" bestimmte nun die gute Mamsell energisch.

Kein Widerspruch von Ebba nützte. Die Mam­sell schrieb, worauf umgehend ein Brief von Inga eintraf, in dem sie bestimmt auf Ebbas sofortigem Kommen bestand, wenn sie Ebba nicht ihre Ingas Freundschaft verlieren wolle!

lFortsetzung folgt.)

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