greuag, 2. Gilovei 195|
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderhesjei.
Nr. 250 Zweites Blatt
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Helft den Mietenden im kommenden Winter!
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betrieb Beteiligten die ihnen dadurch auferlegten materiellen Opfer (Gehaltsabbau und Spielzeitverkürzung) auf sich nahmen.
Sollen diese Anstrengungen urid Opfer umsonst gewesen sein?!
Sie sind umsonst, wenn auf der Einnahmeseite die Beträge nicht erreicht werden, die eine au- mindest gleich große Abonnentenzahl wie in der abgelaufenen Spielzeit erbringen mühte, um unser Theater über diese Krisenzeit hinwegzubringen, wenn es an dieser Entschluhkraft und Einsicht in den Kreisen unserer Besucher und Freunde
dea 4, Oktober.
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Es geht um Sein oder Nichtsein seres Gießener Stadttheaters!
„Bürgerlichem Gemeinsinn" verdankt es Bestehen — diesen bürgerlichen Gemeinsinn ich heute auf zu seiner Erhaltung!
Es geht um das Letzte, ums Ganze!
Mm Entweder — Oder!
Es gilt zu zeigen, dah auch die heutige Generation ihren Bätern an Opferfreudigkeit und Idealismus in nichts nachsteht, oder, dah alles nur „ein schönes Umsonst" war!
Wir stehen an der Schwelle eines Goethe- feieriahres, des gröhten Sohnes unserer Nachbarstadt Frankfurt, des erhabensten Geistes unserer Nation. Nicht weil er nun seit hundert Jahren tot ist, gilt es ihn zu feiern, sondern weil er uns nottut, weil wir uns in seinem Namen und Wirken besinnen wollen auf die grohen und überzeitlichen Güter, die allem uns Befreiung bringen können aus der grimmigen, geistigen wie leiblichen Not unserer Tage.
Könnten wir das, wenn aus mangelnder Ent- schluhkrast und Deeeisterungsunfähigkeit unsere Bühne gerade in d.Zem Winter, so schwer und brüdenb er auch immer werden mag, zum Er-
etoa, weil sie übers Jahr auf ihr 25- jähriges Bestehen zurückblicken kann, nein und tausendmal nein, sondern weil damit ein Ver- mächtnis unserer Väter preisgegeben wurde, eine Stätte, die edelste und subtilste Nährstoffe dem Gemeinschaftsleben der Nation zuführt.
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Unser Programm, das, „was wir bringen" ist in zahllosen Prospekten hinausgegangen an alle Kreise unserer Besucher und Freunde, unser erster „Spielplan" spricht von allen Anschlagtafeln der Stadt zu jedem Vorubergehen- ^Bruckners „Elisabeth von England", das jüngste Standard-Werk unserer neuesten Dra-
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) London, Ende September 1931.
England hat den Goldstandard oerlassen; das englische Pfund — einst der feste Felsen im wogenden Meere schwankender Währungen — ist zum Gegenstand der internationalen Spekulation geworden; Regierung und Banken warten ab, auf welchernatürlichenBasisessich einspielen wird. Die Stellung Londons als Finanzzentrum der Welt hat einen schweren Stoß erlitten, dessen Auswirkungen noch nicht abzusehen sind, auch wenn die englische Presse ihren Lesern vorgaukelt, das goldene Zeitalter des wirtschaftlichen Wiederaufschwungs habe begonnen.
Aeußerlich ist in England alles ruhig geblieben. Das Publikum, das nie die Schrecken einer Inflation kannte, ist sich der Bedeutung der Vorgänge noch nicht voll bewußt geworden; die K l e i n h a n d e l s - preise sind noch so geblieben, wie sie waren; bei den Kassen ist das Vertrauen in die englische Währung noch nicht erschüttert^ so daß auch von einem 21 n ft u r m auf b i e Banken keine Rede ist; das Volk weiß noch nicht, was ihm bevorsteht. An der Börse jedoch machen sich die Rückwirkungen bereits voll bemerkbar; die internationalen Aktien steigen, die Kriegsanleihen machen die Hausse nicht mit, sondern verlieren an Wert. Für uns Deutsche, die wir auf reichliche Erfahrungen zurückblicken können, ist dies alles nichts Neues, wohl aber für die Engländer.
Dennoch wäre es falsch, untere Inflation mit dem gegenwärtigen Zustand in England über einen Kamm scheren zu wollen. Bei uns arbeitete die Notenpresse einst Tag und Nacht um die Locher zu stopfen, die durch die Mißwirtschaft im Haushalt entstanden waren. In England ist das Budget im allgemeinen saniert die Position der Banken ist fast durchweg gesund, der Notenumlauf hat sich noch nicht vermehrt. Es handelt sich mehr um eine Vertrauenskrise, die ursprünglich durch das während der Herrschaft der Arbeiterregierung entstandene Defizit im Staatshaushalt, durch die ungünstige Handelsbilanz verursacht war. Die Festlegung englischer Guthaben in Deutschland durch das Stillhalteabkommen und die Unbotmäßigkeiten in der Flotte verschärften die Lage, amerikanische Guthaben wurden wegen innerer Schwierigkeiten in Amerika selbst zurückgezogen, Frankreich und vor allem Arne- rika weigerten sich, weitere Kredite herzugeben. Der Mangel an Vertrauen wuchs lawinenartig, und plötzlich war die Krise da, die nach Ansicht der Regierungsstellen England zwang, den Goldstandard aufzugeben. Das 21 u s l a n d , so wird behauptet, war schuld daran.
Ob diese These ganz zutreffend ist, mag dahin- gestellt bleiben Sicherlich ist der e..glischen Regie- run" ihre weittragende Entscheidung leichter gefallen, als sie sÄbst zugeben will. Die Gewerkschaften fetzten bisher allen Bestrebungen, die Löhne an die gesunkenen Preise und die allgemeine Wirtschaftslage anzu- nassen Widerstand entgegen, obwohl das Kabinett schon -3« Anfang des Jahres keinen Zweifel über die tatsächliche Lage gelassen hatte. Das Abgehen vom Goldstandard bot die Gelegenheit, entsprechend dem Fall des Pfundes die Löhne automatisch herabzu- setzen Der Industrie war diese Entwicklung will- kommen. Sie macht sich Hoffnungen auf eine 23 e- lebung öes Exportgeschäfts, die sicherlich nicht unberechti.gt sind. Die Regierung versprach sich von einer vermehrten Tätigkeit der Industrie eine Verminderung der Arbeitslosigkeit und eine günstigere Gestaltung der Handelsbilanz. Ob dieses letztgenannte Ziel tatsächlich erreicht wird, wird an vielen Stellen bezweifelt , diese fordern daher als ergänzende Maßnahn.e auch den a l l g em e i • nen Schutzzoll für Industrie un d L a n d- wirtschaft. Die (Erörterungen hierüber sind wieder in vollem Gange; die Gegner verweisen auf die besondere Stellung Englands als Exportland, die Anhänger betreiben eine ungeheure Propaganda; überall an den verkehrsreichen Punkten Londons haben Lord Beaverbrook und seine Anhänger einer
dod)fd)ulnacbrid)ten.
Amtlich wird die Versetzung des ordentlichen Pro- fessors Dr. Heinz H e i m s o e t h von der Universität Königsberg in gleicher Eigenschaft nach Köln bestätigt; ihm wurde der durch die Berufung von Professor N Hartmann in Köln erledigte Lehrstuhl der Philosophie übertragen.
Der Ordinarius der deutschen Sprache und Literatur an der Universität Königsberg Dr. Josef Nadler scheidet auf feinen Antrag aus dem preußischen Staatsdienst aus. Professor Nadler folgt einem Ruse nach Wien.
Napoleon als Leutnant.
(Eine interessante (Erinnerung an die Jugend Napoleons I. bildet die Marmortafel, die jetzt an den Artilleriebaracken von Auxonne von den Offizieren und Mannschaften des 1. französischen Artillerie-Re- giments angebracht wurde. Die Inschrift besagt, daß Napoleon Bonaparte, Leutnant der Bombardiere, an diesem Orte von 1788 bis 1791 gewohnt hat. Der spätere Kaiser war erst 17 Jahre alt, als er Unterleutnant bei dem Regiment wurde. Hier, in den Baracken von Auxonne, verfaßte er einen Bericht über die Verwendung der Artillerie, der zum erstenmal die Aufmerksamkeit auf seine strategische Begabung lenkte. Sein 13jühriger Bruder Louis schlief in dem Korridor vor dem kleinen Raume, den er innehatte. Napoleon hatte diesen jüngeren Bruder mit nach Frankreich genommen, um dadurch seine Familie in Korsika etwas zu entlasten. Seine Löhnung betrug 1120 Franken jährlich, und diese Summe mußte aus- reichen, um ihn selbst und seinen Bruder zu erhalten. Als man ihn später einmal fragte, wie es ihm m >g- lich gewesen sei, sich mit einem solchen kleinen Einkommen durcyzuschlagen, sagte er: „Um meinen Kameraden meine schlechte Lage zu verbergen lebte ich wie ein Bär, stets mit meinen Büchern allein, und ich mußte furchtbar sparen, um mir diese Bücher kaufen zu können, die meine einzigen Freunde waren. Ich ging niemals aus, aß trocken Brot und reinigte meine Kleider selbst."
matik, bas bisher in Gießen noch nicht erlebte Anforderungen in barstellerischer wie in technischer Hinsicht stellt, bilbet ben Auftakt, unb es folgen unmittelbar Bruno Franks „Sturm im Wasserglas". Alsbergs unb Hesses „Bor- Untersuchung", unb als Calberon-Gebenk- feier „D a s Salzburger große Welt- t h e a t e r".
Zeigt bieser Spielzeitbeginn schon deutlich bas Streben nach größter Bielseitigkeit unb Abwechslung unb bilbet so ben Austakt dieses Goethefeierjahres durch Förderung zeitgenössischer Meister, so ist dieser Gedanke auch bei der weiteren Ausstellung des Spielplans maßgebend gewesen. Neben den Klassikern Shakespeare. Schiller und — in diesem Jahre natürlich an betonter Stelle — Goethe („Faust", „Stella". „Jph.gerne") wird sowohl die Linie der Historie auf dem modernen Theater (Grasss Sand-Stück .Die einsame Tat") wie auch die des Zeit- theaters (mit Menzels „Bork") fortgesetzt werden. Neben den .jungem" Jubilaren (Gerhart Hauptmann, Shaw. Fulda, Schnitzler und Stefan Zweig) wird Sudermann mit feinem nachgelassenen Werk „Gesetz der Zeit" erscheinen, und besonders interessante Merkpunkte versprechen die Inszenierungen von Zeiz' „Erna Serafin", Friedrich Försters „Der Graue und Zuckmayers „DerHauptmannvonKope- nick" zu werden. Der Kampf um lebendige Neuheiten wird gestritten nicht weniger als vier Uraufführungen („Mary und Lisa' von Graff, „Liebe oder Film" von Croisset, „Berstehen wir uns?" von Preradovic und „Julietta kauft sich ein Kind" von Maura und Sierra) konnten wir unserer Bühne sichern. Cnsemble- gastspiele (Konrad Dreher, Eugen Klöpfer, Carola Neher u. a. m.) vervollständigen das Pro-
Li nd nicht genug damit: um allen Kreisen der Bevölkerung den Besuch unserer Borstellungen zu einem Preise zu ermöglichen, der ihre heutige finanzielle Möglichkeit nicht übersteigt, wurden vornehmlich die Abonnementspreise oft bis zu 50 Prozent gegenüber ben Kassenpreisen gesenkt unb auch sonst wesentliche Vorteile unseren Abonnenten eingeräumt.
Jntenbanz unb Verwaltung haben mit aller Kraft aus eine Verminberung des Zuschußbedarfs hingearbeitet, sie sind dabei bis an die äußerste Grenze der vertretbaren Einsparungen gegangen, indem zugleich auch alle am Theater
punkt verliert', ganz zu schweigen von dem großen Prestigeverlust, den Gießen als Sitz der Hessischen Landesuniversität und als Hauptstadt Oberhessens bei Schließung seiner Kunststätte in Deutschland wie im Ausland erleiden würde. Es werden Kirchen und
An sich ist durch die neue Finanzpolitik der Regierung und der Bank von England eine Klärung der Lage eingetreten, auch wenn man im Augenblicke noch nicht weiß, auf welcher Höhe das Pfund seine natürliche Basis finden wird. Dennoch i t die Nervosität über die weitere Entwicklung nicht gewichen, da die innerpolitische Lage noch völlig im Dunkeln liegt. Sie wird von den beiden Fragen beherrscht, ob Zolltarife eingesührt werden sollen ober nicht, und ob die Regierung zu Neuwahlen schreiten wird. Beide Probleme stehen im engen inneren Zusammenhänge. Wenn entschieden märe, daß Zolltarife für England schädlich und daher nicht wünschenswert sind, jo wären allgemeine Neuwahlen nicht notwendig; das Kabinett könnte seinem Programm nachgehen, ohne an eine Rekonstruktion zu denken. Tatsächlich schien es in den ersten Tagen nach der Preisgabe des Goldstandards, als ob hierdurch Neuwahlen überflüssig geworden wären. Bald aber erhoben öie Konservativen wieder ihre alten Forderungen nach Zolltarifen und Neuwahlen mit vermehrter Heftigkeit, die das Kabinett auf die Dauer nicht außer acht lassen kann, weil es sich in der Haupt jache auf diese Partei stützt. Auch Sir John Simon und seine Anhänger unter den Liberalen ließen keinen Zweifel über die Vorteile eines richtig — ober wie er sich ausbrückte, „wissenschaftlich" — an= geroanbten Zolltarifs zur Verbesserung ber Hanbels- bilanz unb es scheint, baß seine Theorie täglich mehr Anhänger unter ben Liberalen finbet. Dennoch ist bie Bewegung in bieser Partei noch nicht so stark baß Macbonalb bei Einführung von Zolltarifen auf eine unbebingte Mehrheit rechnen könnte, Snowben unb einige liberale Minister, wie Sir Herbert S a - m u e l u. a., würben eine Zollpolitik auch nicht mit- machen. Die innere Lage ist also voller Schwierigkeiten unb burchaus unsicher, was natürlich auf bie Bewegung bes Pfunbes unb das Vertrauen des Auslandes zurückwirken muß Heute sprechen alle An- zeichen für eine Neuwahl, morgen hat sich die Lage schon wieder verändert, und übermorgen ruft die Presse laut, daß Neuwahlen unmittelbar bevorstehen und vergißt alle Warnungen der City. Was geschehen
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Reichs-Zollunion Tische aufschlagen lassen, wo Listen aufliegen, in die man nur seinen Namen einzutragen braucht, um sich als Anhänger von Schutzzöllen zu bekennen. Dort stehen die Menschen in Reihen an; eine Zo11psychose hat das englische Volk e r - griffen. Die Handelskammer von Manchester, einst ein Vorkämpfer für den Freihandel, ist umgefallen. Umfragen anderer Handelskammern bei ihren Mitgliedern zeigen, daß fast jedermann für den Schutzzoll ist.
Snowden dürfte aber wohl noch einen anderen, bisher ängstlich verschwiegenen Gesichtspunkt im Sinne gehavt haben, als er den Goldstandard preis- gab. Er war stets ein Gegner der Stabilisierung des Pfundes zum vollen Goldwert und hat deswegen immer und immer wieder Churchill heftig angegriffen. Nach seiner Ansicht war ein derartiger Schritt erst zulässig, nachdem eine großzügige Konvertierung ber Kriegsanleihen ftattgefunben hatte. In seinen Augen sind die Besitzer von Kriegsanleihen Kriegsgewinnler, die einst die Anleihen mitentwertetenPfun- b e n in Kriegszeiten kauften unb sich bann nach Stabilisierung bes Pfunbes eines erhöhten K a - pitalbesitzes unb einer vermehrten Kaufkraft ihres Zinsverbienftes erfreuten. Diese innere Schul benlaft bie jährlich an Amortisation unb Zinsenbienst runb 7,5 Milliarben im Staatshaushalt verschlingt, war ihm stets ein Dorn im Auge, unb gelegentlich ber letzten Bubgetrevision brachte er auch ein Gesetz ein, um eine Konvertierung ber Kriegsanleihen einleiten zu können. Dieses ganze Problem wirb burch den Sturz des Pfundes voraussichtlich wesentlich einfacher gestaltet. DieKriegsanleihen sinken zusammen mit dem Pfunde und haben jetzt schon etwa 25 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Diese Ueberlegung hat ihm sicherlich den Entschluß erleichtert, vom Golbstandard abzugehen.
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Schulen zur Erhebung und Bildung der Menschen gebaut. Ist nicht das Theater auch eine Stätte der Bildung unb Erhebung'? Unb steht es nicht turmhoch über ben seichten Dingen, bie an allen Straßenecken ber Bevölkerung für ihre Mußestunben angeboten werben?"
Diese Worte bes Mannheimer Oberbürgermeisters Dr. Heinrich, bie ich hier zitiere, hatten bie Sicher- stellung ber Mannheimer Bühne für brei Jahre zur Folge. Mögen sie mit bem, was ich allen Freunben ber Gießener Bühne heute mit allem Nachbruck unb Ernst vor ihr Gewissen führe, dazu beitragen, dem einzigen bodenständigen Theater Oberhessens die Besucher- und vor allem die Abonnenten- zahl zu sichern, die für feine Erhaltung lebensnotwendig ift, soll es nicht zum (Erliegen kommen.
Noch viele fehlen heute an dieser Zähl, die bisher ihrer Bühne die Treue hielten. Lassen Sie meinen Rus nicht ungehört verhallen! Die Mitglieder des Gießener Stadttheaters werden in den kam- wenden Tagen und Wochen selbst bei Ihnen vor- sprechen, um Sie, wenn mein heutiger Appell es noch nicht vermochte, zu bewegen, unser unsterbliches
fehlt.
Was aber, wenn solche Bequemlichkeit oder Gleichgültigkeit die Schließung im Gefolge hat?
„Es ist ohne weiteres klar, daß die unmittelbare unb mittelbare Schäbigung, bie hieraus erwüchse, weit über ben Personenkreis ber unmittelbar (Engagierten hinausreicht, ba es auch sonst allerlei Kreise gibt, bie in ihrer Existenz vom Theaterbetrieb beeinflußt finb unb eine wesentliche wirtjchaftlick)e Schäbigung ber Stabt insbesondere auch daraus erwächst, daß sie für Fremde aus der näheren und weiteren Umgebung ihren wesentlichsten Anziehungs ganz zu schweigen von dem großen den Gießen als Sitz der Hessischen
Englands Weg znm Schutzzoll
Von unserem (^.-Berichterstatter.
Reichspräsident und Reichsregierung haben einen gemeinsamen Ausruf erlassen, um für Winterh Ife zu werben. Ein Winter von unendlicher Not steht bevor. Alle staatlichen unb privaten Organe müssen zusammenwirken, um bas Elend zu linbern.
Wachet auf!
$ur neuen Winterfpieizeit.
Von Or. Notf prafd), 3nfenbant des Gießener Stadftheaters.
„Soll das Theater fallen? Es mühte ja doch wieder auf geb aut werden! Also nicht fallen lassen!" Leo Ble ch.
endlich Klarheit zu schaffen.
Mittionenwerie verfaulen!
In beinahe letzter Stunde hat die Reichsbahn noch die Frachtrate für Frischobst ein wenig herabgesetzt, um so dazu beizutragen, bah nicht im armen Deutschland Riesenmengen vom schwer erarbeiteten Segen der Erde verfaulen müssen. Trotzdem bleibt die Gefahr für eine Derartig unzeitgemäße und unangebrachte Verschwendung noch immer groß. Ganz besonders in Sud- Westdeutschland muhte beobachtet werden, dah erhebliche Mengen von Obst, Tomaten und anderen Früchten nicht ihrem natürlichen Zwecke zugeführt werden, weil die Märkte die deutsche Warenicht aufnehmen wollen und können. Dom Ausland aber drückt ein Riesen- angeb o t durchaus nicht immer besserer Früchte den Preis, so dah die deutschen Erzeuger für ihre Produkte nicht einmal die Selbstkosten hereinbringen können. Lind das führt dann zu jenem beklagenswerten und sinnwidrigen Zustand, dah deutsches Erntegut auf dem Felde verfaulen muh, während ein erheblicher -Leit der Volksgenossen zu gleicher Zeit mit sehr wenigem sein Auskommen zu finden hat. Würden bem deutschen Landwirt gewisse Garantien für Den regelrechten Absatz seiner Erzeugnisse gegeben, etwa DaDurch, Dah man die Einfuhr aus Dem AuslanD auf das Durchaus NotwenDige beschränkt, so wäre ihm geholfen unD Dem Verbraucher auch. Lins allen aber würbe Damit Das schreckliche Bild von Den Augen genommen, Dah in einem verarmten Lande erhebliche Werte umkommen.
Daten für Freitag, 2 Oktober.
1839: ber Maler Hans Thoma in Bernau im Schwarzwald geboren; — 1847: Reichspräsibent von Hinbenburg in Posen geboren; — 1869: ber inbijche Politiker Ganbhi in Porbandar geboren; — 1927: ber Physiker unb Chemiker Svante Arrhenius m Stockholm gestorben.
Theater nicht ber Not des Augenblickes aufzuopfern, fonbern es hinburch zu bringen burch die Niederungen einer Zeit tiefster Resignation und wirtschaftlicher wie geistiger 23erarmung, bie es zu über- roinben und siegreich zu bestehen gilt.
Videant consules! Videant civesl
Zu deutsch: Wachet auf!
| wird, läßt sich im Augenblick nicht sagen. Man kann höchstens auf einige Mvglichceiten Hinweisen.
Die eine bestehl darin, baß bas Kabinett unter bem Drucke ber Konservativen, bie ihre Zeit für gekommen halten, sich an bie W ä h l e r wenben unb sie barüber ent|d)eiben lassen wirb, ob sich (Eng- lanb einer allgemeinen Schutzpolitik zuwenben soll ober nicht. (Eine anbere Mvgucyceit, Zolltarife hucch» zusühren, wenn sie wirklich als notroenbig erkannt finb, konnte fein, baß das Kabinett sich um- b i l b e t unb bann Mittel und Wege zur Einführung von Zöllen findet. Diese Wendung würde zunächst bas Ausjcheiben Snowbens aus bem Kabinett zur Foige haben, ber als Lorb ins Oberhaus gehen würbe, unb einen Austausch ber freitjänb- lerischen Minister burch anbere ber Richtung Sir John Simons. (Es bleibt bann noch bie Frage offen, ob eine neugebilbete Regierung unter Macdonald sich nur auf bie Konservativen unb einen Teil ber Liberalen stützen soll, was ben Nachteil hätte, daß bie parlamentarische Mehrheit sehr fraglich wird, ober ob sie auch Mitglieber der gegenwärtigen Opposition in sich aufnehmen soll. Diese Möglichkeit ist keineswegs von ber Hanb zu weisen. Ein etwaiger (Eintritt Henbersons in bas Kabinett würbe ben Teil ber Arbeiterabgeordneten auf bie Seite der Regierung führen, die im Sinne ber Gewerkschaften für Zolltarife finb. Ihre Zahl ift nicht gering. Ein berartig umtonftruiertes Kabinett könnte entroeber vor bas Parlament Eintreten unb in einer freien Abstimmung bas Unterhaus um seine Meinung wegen einer Zollpolitik befragen, ober aber es hätte bie Möglichkeit dmch Notverorbnungen auf Grunb des „Safeguarding ot Industries“=@efefoes wenigstens für die Eisen- und Stahlindustrie unb anbere Zweige Schutzzölle einzu- führen. Bisher aber hat bie Regierung noch keine Entscheidungen gefällt, und bis dies nicht in diesem oder jenem Sinne geschehen ist, bleibt bie allgemeine Unsicherheit bestehen. Die Spannung wächst täglich unb nimmt so zu, baß Macbonald wohl kaum brumherumkommen wirb, eines Tages die Ziele seiner Politik unb bie Aufgaben seines nationalen Kabinetts beutlich zu formulieren, um
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