Ur. 126 Erstes Blatt
181. Zahrgang
Dienstag, 2. Zum 1931
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Beilagen: the Illustriert« Vietzrnrr FamllienbläNei Heimat im Bild Die Scholle !Ronat$>Be$ng$preti: 2-20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Läger» lohn, auch bei ^d)ter- scheinen einzelnerRummem Infolge höherer Gewalt, Sern|pred)anl4lüfle enter5ammelnumm<r2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Olehen. pollschecktonto:
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General-Anzeiger für Oberheffen
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.
Oesterreichische Tragödie.
Mit Ach und Krach ist die akute Krise des österreichischen Kabinetts vermieden worden: Herr Schürff, der 3ustizminister, geht zwar, der Vizekanzler und Außenminister Dr. Schober aber bleibt im Amt, da die Grohdeut- schen dem Bundeskanzler ihre Tlnterstühung „bis auf weiteres " zugesichert haben. Freilich, die iln- terstühung soll nur so lange gelten, als Dr. Ender dem Parlament nicht mit der geplanten Beamtengehaltskürzung kommt, ohne die wiederum der ganze Sanierungsplan für die Finanzen Oesterreichs ins Wasser fällt. Wenn man sich erinnert, mit welchen außerordentlichen Hoffnungen Oesterreich nach der zweiten Haager Konferenz, von der Schober praktisch die Streichung der Tributzahlungen mit nach Hause brachte, der Zukunft entgegensah, dann wird man über den völligen Wandel der Dinge einigermaßen erschüttert sein. Damals glaubte man in Wien, Oesterreich sei aus allen akuten Sorgen und Böten heraus und könne sich auf lange Sicht dem wirtschaftlichen Wiederaufbau und der politischen Konsolidierung widmen. Seit Fahr und Tag aber spitzt sich die Situation auch in unserem deutschen Druderland wieder bedrohlich zu: der Zusammenbruch der Oesterreichischen Creditanstalt hat auch die Letzten sehend gemacht. Aun steht noch immer nicht ganz fest, ob dieser Krach in der einzigen österreichischen Großbank wirklich kommen mußte. Jedenfalls wäre es denkbar gewesen, daß er nicht ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt erfolgte.
Der Verdacht drängt sich von selber auf, daß die fraßen ausländischen Kapitalien, daß namentlich die ranzösischcn Gelder, die in der Kreditanstalt operierten, politisch dirigiert wurden und daß sie diesen Zusammenbruch zu dem Zeitpunkt provozierten, den Briand zur Durchkreuzung der österreichischdeutschen Zollunionsabsichten brauchte. Die ersten Besprechungen in Genf find dann zwar für Herrn Schober noch einigermaßen glimpflich verlaufen. Er konnte das von Briand vorgeschlagene „Comitö d’Autriche“ des Völkerbundes verhindern, was auf nichts anderes hinausgelaufen wäre, als daß Oesterreich auch den letzten Rest seiner staatlichen Souveränität verloren hätte. Die Verhandlungen hinter den Kulissen freilich haben dann zu eirtcr Lösung geführt, die für Oesterreich nicht weniger unerwünscht ist: die 2l e r a Zimmermann, die Zeit, in der Oesterreich unmittelbar nach dem Vertrage von Trianon unter der Finanzdiktatur des Völkerbundes stand, ist wieder zurückgekehrt. Die Form, in der das geschehen ist, scheint noch sehr viel gefährlicher für die politische Selbständigkeit Oesterreichs. Ursprünglich war geplant, daß nur die österreichische Nationalbank einen ausländischen Finanz- bcrater erhalten sollte, als den das Kabinett Ender selbst einen befreundeten Holländer in Aussicht genommen hatte. Die internationalen Sanierungsverhandlungen aber, die längst nicht nur mehr der Kreditanstalt galten, sondern zu einer sehr direkten Stützungsaktion für die österreichische Währung ausgeweitet werden mußten, haben dann dazu geführt, daß neben den Finanzberater für die Nationalbank — der zwar auch Holländer, aber nicht der Vertrauensmann der österreichischen Regierung ist —, noch ein zweiter Ausländer seinen Einzug in die österreichische Hauptstadt gehalten hat, nämlich der Franzose R i st, der dem österreichischen Kabinett mit seinem „Rat" unmittelbar zur Verfügung stehen soll.
Charles R i st ist der interessierten Oesfentlich- feit nicht nur als ausgezeichneter Geldtheoretiker, sondern auch als kluger französischer Finanzpolitiker von seiner Tätigkeit in Rumänien her bekannt. Er hat cs dort meisterhaft verstanden, fast allen rumänischen Kabinetten auf dem Wege über die weitgehenden finanziellen Bindungen, die unter seinem Einfluß mit Frankreich eingegangen wurden, die politische Handlungsfreiheit sehr gründlich zu nehmen. Und cs ist sicher, daß er sich auch in Wien nicht etwa als Anwalt Oesterreichs, sondern in erster Linie als der Vorkämpfer der wirtschaftlichen und politischen Hegemonialbestrebungen seines Vaterlandes fühlen wird. Mit welchen Instruktionen der Quai d'Orsay Herrn Rist vor seiner Abreise nach Wien ausgcstattet hat, wissen wir nicht. Er wird über einfach als Franzose von dem weitgehenden wirtschaftlichen und finanziellen Einfluß, den er in Wien als Finanzberatcr der österreichischen Regierung automatisch besitzt, jeden Gebrauch machen, der ihm zur Durchkreuzung der österreichisch-deutschen Zollgemeinschaf tsab- sichten geeignet erscheint.
Die österreichische Tragödie ist die Tragödie eines Landes ohne politische Souveränität und ohne wirtschaftliche Lebenskraft. Wer das heute noch leugnet, tut es aus Unwissenheit oder aus politischem Uebelwollen. Die Zollgemeinschaft mit Deutschland hätte das, was der Vertrag von Trianon dem kleinen Oesterreich an politischer Selbständigkeit und staatlicher Souveränität überhaupt gelassen hat, nicht genommen. Sie würde ihm aber wenigstens die innere Lebenskraft von der wirtschaftlichen Seite her geben, ganz abgesehen von der Stärkung des Bewußtseins, daß es dadurch auch stärker mit dem deutschen Gesamtschicksal verknüpft wird, wie es nur natürlich und vernünftig erscheint. Wer sich dieser praktisch allein möglichen Lösung entgegenstemmt, verlängert nur die Leiden des Landes, dessen Entwicklung schaurige Parallelen zur Entwicklung Deutschlands aufweist. Und er schafft in ganz Mitteleuropa einen Raum, dessen politischer Erregungszustand über kurz oder lang zu einer sozialen und politischen Gefahr für ganz Europa werden muh.
Parlament und Notverordnung.
Forderungen der OBP. — Wie stellt sich die Sozialdemokratie?
Kabinettsberatungen zu Ende.
Berlin, 1. 3uni. (ERB.) Wie wir erfahren, hat das Reichskabinett in seiner heutigen Sitzung, die von Mittag bis über Mitternacht dauerte, die Aussprache über die geplanten F i - nanzsanierungsmahnahmen zum Abschluß gebracht. Die Redaktion der Tlotverord- nung wird morgen erfolgen. Ihre endgültige Verabsch iedung durch das Kabinett ist für Mittwoch vorgesehen.
Beratungen der OVP.
Berlin, 1. Juni (DDZ.) Die Reichstags- f r a f t i o n der D D P. ist heule nachmittag im Reichstatzsgebäude unter dem Vorsitz des Abgeordneten Dingeldey zu einer stark besuchten F r a k- tionsfißung zufammengetreten. Auf der Tagesordnung steht die (Erörterung der politischen Lage, sowie die Besprechung der Mitteilungen die bis heute über die bevorstehende Notverordnung der Öffentlichkeit bekannt geworden sind.
Revision der Tribute. — Starke Bedenken gegen die neuen Lasten.
Berlin, 1. Juni. (TU.) lieber die Sitzung der K e i d) 5 l a g 5 - 5 r a f t i o n der Deutschen Boltspartei am Montag, die bis in die späten Abendstunden dauerte und an der zeitweise auch Rcichsauhenminister Dr. Lurtius teilnahm, gibt die Fraktion folgenden Bericht aus:
„Die Reichstagsfraktion der Deutschen Boltspartei hat sich mit der gesamten politischen Lage befaßt. Sie wird nach der Veröffentlichung der von der Reichsregierung geplanten Verordnung und nach der Rückkehr des Reichskanzlers und des Reichsaußenministers aus England erneut zur B efchluh- faffung über öle innen- und außen- politische Lage zusammentreten. Schon jetzt aber wurde auf Grund der Pressemeldungen über die geplante Verordnung entschiedener Widerspruch gegen eine Reihe wesentlicher Punkte angemeldet. Die Fraktion bestätigte dabei erneut die Saarbrückener Beschlüsse, wonach weitere Opfer breitester deutscher Volkskreise nur tragbar seien, wenn die gleiche Regierung, die sie verlange, gleichzeitig aus eigenem Lnt- schluh öie Revisionsverhandlungen In der Tributfrage in Gang bringt."
3n der Aussprache in der Fraktionssitzung wurden, wie die „lelegraptjen-Union“ erfährt, Beben r e n in der Hauptsache gegen die Krisen- steuer und die Kürzung der Beamten- gehä11er geltend gemacht, da man hierin einen grundsätzlichen Druck in der politischen Linienführung des Kabinetts Brüning erblicke. Auch die in Aussicht genommene Ermächtigung an das Reichskabinett, allgemein Arbeitszeitverkürzungen im Verordnungswege vorzunehmen, hat lebhaften Widerspruch ausgelöst, da sie zu einer Verteuerung und Erschwerung der Produktion führen mühten, weiter wurden die Gegenvorschläge der DVP. zum Sanierungsprogramm erörtert.
Der Parteiführer Dingeldey wird den Reichskanzler im Laufe des Dienstags über die Auffassung der volksparteitichen Reichstagsfraktion und ihre Bedenken unterrichten.
Gegenvorschläge der ODP.
Berlin, 1.3uni. (ERB.) wie wir erfahren, dürfte die Reichstagsfraktion der Deutschen
Boltspartei dem Reichskanzler ein eigenes Programm vorlegen, in dessen Mittelpunkt gewisse Monopolvorschläge stehen, die nach Auffassung führender volksparteilicher Kreise geeignet sind, dem Reich in absehbarer Zeit erhebliche Mittet zuzusühren. Darüber hinaus tritt die Deutsche Boltspartei für Steuerherabsetzungen ein, da sie glaubt, daß eine Belebung der wirtschaft und damit eine Bermehrung der Reichseinnahmen angesichts der augenblicklichen „S t e u e r b ü r r e“ am besten auf diesem Wege erzielt werden tann. Daneben verlangt die Deutsche Boltspartei äuherste Sparfamteit bei den Gemeinden, z.B. durch Abbau der Ausgaben und Abbau der Berroat- tung, gewisse Einsparungen auf personellem Gebiete ufro.
OieKommunisten fordern Einberufung des Reichstages.
Berlin, 1. Juni. (Ddz.) Die kommuni st i s ch e Reichstagsfraktion hat ein Schreiben an den Präsidenten des Reichstags S" htet, in dem die von der Reichsregierung sichtigte Rotverordnung aufs fchärfste kritisiert und daran die Forderung nach Einberufung des Reichstags knüpft. Ferner haben die kommunistischen Mitglieder des Aeltestenrats die sofortige Einberufung des Aeltest e n r a t s verlangt für den Fall, daß der Reichstagspräsident die Einberufung des Reichstags von sich aus ablehnt.
Beamtenvertreter beim Reichskanzler.
Berlin, 1. Juni. (WTB.) Der Reichskanz - l e r empfing im Laufe des heutigen Vormittags in
Leipzig, 1. Juni. (WTB.) Die Arbeiten des Sozialdemokratischen Parteitages haben heute begonnen. Der erste Tag ist den Wirtschaftsfragen gewidmet. Rcichstags- abgcordnctcr Tarnow sprach über das Thema „Kapitalistische Wirtschastsanarchi-e und Arbeiterklasse". 3m Anschluß an sein Referat fand eine längere Aussprache statt, in der auch die Opposition ihren Standpunkt vertrat. Darauf wurde eine von Tarnow vorgelegte Entschließung angenommen, in der es u. a. heißt:
„Eine gewaltige Steigerung der produktiven Leistungsfähigkeit in allen Wirtschaftszweigen und in aller Welt ist die unmittelbare Ursache der Massenverelendung, die sich in allen kapitalistischen Ländern ausgebreitet hat. Den überquerenden Reichtum an Lebensmitteln, Rohstoffen und verarbeitenden Kräften verwandelt die kapitalistische Oekonomie in unerhörte Vermehrung der Armut. Aus diesen Widersprächen der geltenden Wirtschaftsordnung kann die Menschheit nur durch die Ueberwindung des kapitalistischen Systems und die Verwiicklichung des Sozialismus befreit werden. Diesen Befreiungskampf zu führen und dafür die Arbeiterklasse zu organisieren, ist die Ausgabe der Sozialdemokratischen Partei und der mit ihr verbundenen Gewerkschaften. Dabei ist sich der Parteitag bewußt, daß der Sturz des Kapitalismus nicht ein einmaliger kurzer Akt sein kann. Er vollzieht sich als ein Umwandlungsprozeß im steten Kampf zwischen der organisierten Arbeiterklasse und den großkapitalistischen Wirtschaftsmächten. Der Kampf für den Sozialismus kann nicht geführt werden, ohne gleichzeitig den Kamps um die Verbesserung der Arbeiterlage in der Gegenwart zu führen.
Gegenwart der Reichsminister Dietrich, Wirth, Sch ätzet und v. Gu 6 rard Vertreter des Deut- schen Beamtenbundes, des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes und des Reichsbundes der höheren Beamten zu einer vertraulichen Aussprache über die Frage der weiteren, zwischen 4 bis 8 o. H. g e • ftaffeltcn Gehaltskürzung der Beom - t e n. Der Reichskanzler legte den Standpunkt der Reichsregierung dar und nahm die Auffassung der Vertreter der Beamtenschaft entgegen.
Einspruch des Gewerkschastsbundes der Angestellten.
Berlin, 1. 3unl (ERB.) Der Gewerkschaf tsbund der Angestellten hat heute an Reichskanzler Dr. Brüning ein Telegramm gerichtet, in dem er sich vor der endgültigen Beschlußfassung der Reichsregierung gegen alle Pläne einer „Behebung der Finanznot durch unsoziale Sparmaßnahmen" wendet. 3m besonderen wird die Krisen st euer für die Angestellten als unannehmbar bezeichnet; die Angestellten seien, so wird ausgeführt, durch Kürzung des Tarifgehaltes, Abbau übertariflicher Zulagen, Gehaltskürzung infolge Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit in ihrer Lebenshaltung tiefer herabgedrückt worden als andere Berufstveise. Weiter wird gegen den etwaigen Plan einer Beseitigung der Lohnsteuerrückerstattung Stellung genommen, die um so ungerechter sei, als die Rückerstattung für andere Einkommen- steuerpflichtige aufrechterhalten werden solle. Der Arbeitslosenschuh dürfte nicht gedrosselt werden. Die Angestellten müßten aus Gründen sozialer Gerechtigkeit fordern, daß in erster Linie die tragfähigen Schultern zur Tkeberwindung der Krise herangezogen werden.
Die furchtbaren sozialen Auswirkungen der Krise legen der Partei insbesondere die Pflicht auf, sich mit aller Kraft für die TI eb er Windung dieser Röte einzusehen. Die deutsche Wirtschaft ist aufs engste verflochten mit der Weltwirtschaft, die durch den Krieg, die Friedens- und Reparationsverträge, den Rüstungswahnsinn, den wirtschast- schaftlichen Protektionismus und die mangelnde Bereitwilligkeit zu friedlicher Zusammenarbeit der Völker politisch desorganisiert ist.
Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer Politik für die Sicherung des Friedens, die internationale Abrüstung, Streichung der internationalen Kriegsschulden und Reparationen, Beseitigung aller Hemmnisse des internationalen Güteraustausches, Abbau der Zollmauern, Abschluß langfristiger Handelsverträge, internationale Regelung des Kapitalstroms und Maßnahmen gegen die Kapital- und Steuerflucht.
Für die innere Wirtschaftspolitik sind vordringliche Ausgaben: scharfe Kontrolle des Monopolkapitalismus, Herabsetzung der Zölle, systematische Konjunktur- und Arbeitsbeschasfungspolitik, planmäßige Auftragsregelung durch die öffentliche Hand, Verstärkung des öffentlichen Einflusses auf die Banken und Kreditinstitute, Regelung des Kapitalverkehrs zur Verhinderung von Fehlanlagen, Ausbau der öffentlichen Wirtschaft und Abwehr der Privatisierungsbestrebungen, Heranziehung von Auslandkrediten zur Förderung des Wohnungsbaues und gemeinnütziger Arbeitsbeschaffungspläne. Der Parteitag fordert die gesetzliche Verkürzung der zulässigen Arbeitszeit auf 40 Stunden in der
Wirischastsforderungen der SPD.
Deutscher Flottenbesuch in Lettland.
Berlin, 1. 3unL (WTB.) Einer Einladung der Regierung von Lettland folgend, werden der Kreuzer „Königsberg" und die v ierte Torpedobootshalbflottille in dcr Zeit vom 10. bis 12. 3uni Libau zu einem offiziellen Besuch anläßlich der Feier des zehnjährigen Bestehens der lettländischen Marine aufsuchen.
Oie Radikaldemokraten in Hessen.
Frankfurt a. M., 1. Juni. (WSN.) Gestern fand hier die konstituierende Versammlung des L a n= desverbandes H es s e n der Radikal- demokratischen Partei statt. Zum 1. Vorsitzenden wurde Landtagsabg. Reiber einstimmig gewählt. Der Vorsitzende der Reichspartei, Braubach, hielt ein Referat, in dem er die Stellung der Partei zur Kultur- und Außenpolitik behandelte. Die Politik der Regierung Brüning fand scharfe Kritik. Mit ganz besonderer Schärfe trat er der Agrarpolitik Schieles entgegen. Auch der hessische Landtagsabg. Bürgermeister Eberle erklärte den Beitritt zur Partei.
Keine Kursänderung in polen.
Warschau, 1. 3uni. (WTB) Dcr neue Ministerpräsident Oberst Prystor hielt vor den versammelten Abgeordneten des Regierungsblocks eine Rede, indererdiePolitikseinesVor- gängers, des Obersten Slavek, fortzu
sehen versprach Seine besondere Aufmerksamkeit werde er der Finanzlage des Staates und der Bekämpfung der Wirtschaftskrise widmen. Der Ministerpräsident versicherte zum Schluß, daß der polnische Wirtschattsorgonismus bei der gegenwärtigen Wirtschaftskrise eine starke Widerstandskraft gezeigt habe.
Dann sprach der frühere Ministerpräsident Oberst Slavek, der nun wieder die Geschäfte eines Obmannes des Regierungsblocks übernommen hat. Er versicherte, daß der Regierungsblock im Herbst die Arbeit an der Derfassungsreform wieder aufnehmen wolle.
Zusammenstöße im Wilnagebiei.
Kownv, 1. 3uni. (WTB.) Wie die Litauische Tclegraphenagentur meldet, kam es in der Ort-1 schast Walkininkai im Wi!nagebiet anläßlich eines Bischofsbesuches aus Wilna zu schweren Zusammenstößen zwischen polnischem Militär und Ortsansässigen litauischer Rationalität, in deren Verlaus mehrere Litauer durch Bajonettstiche verletzt und zum Teil schwer verwundet wurden.
Kammer-Wahlen in Rumänien.
Bukarest, 1. 3uni (WTB.) Die Kammerwahlen sind im ganzen Land in voller Ruhe und ohne nennenswerten Zwischenfall vor sich gegangen. Die Wahlbeteiligung war sehr groh. Der allgemeine Eindruck ist, daß die Regierung eine bedeutende Mehrheit erhalten hat. Der interimistische 3nnemninister
Argetoianu hat dem König über die Lage Bericht erstattet. Die endgültigen Ergebnisse werden erst Montagabend bekannt werden, da das Wahlsystem eine Zusammenzählung der im ganzen Lande für jede Partei abgegebenen Stimmen erfordert.
Gemeinderats - Ersatzwahlen in Spanien.
Madrid, 2.3uni. (Täl. Funkspruch.) Rach Beendigung des Ministerrates am Montag gab der 3nnenminister die Ergebnisse der am Sonntag abgehaltenen Gemeinderats-Ersah- wahlen bekannt. Demnach verteilen sich die 3655 strittig gewesenen Gemeindevertreter, deren Mehrheit bei den ursprünglichen Wahlen am 12. April monarchisch war, nunmehr auf folgende politische Richtungen: 957 Sozialisten und Radikale Sozialisten, 757 liberale Rechtsrepuölikaner (die vom Ministerpräsidenten gegründete Partei), 461 republikanische Autonomisten (die die Autonomie der spanischen Levante erstreben), 354 keiner Partei zugehörige, 208 radikale Republikaner (Partei des Außenministers Lerroux), 201 Monarchisten, 699 kleine und kleinste politische örtliche Gruppierungen. Dieses Wahlergebnis läßt keine Schlüsse auf_ die kommenden allgemeinen Wahlen zu, da örtliche 3nteressen dabei die Haupttolle spielten, die Rechtspropaganda fast völlig unterbunden war und nur in einem verhältnismäßig kleinen Teil des Landes Wahlen stattfanden.


