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Aufwendungen für Porto gekürzt worden. Dar­über hinaus wurden 1000 Mk., die bisher für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung des Finanz­ausschusses standen, gestrichen, weiter wurden die zur Verfügung des Oberbürgermeisters für re­präsentative und Hilsszwecke bereitgestellten Mit­tel von bisher 6000 Mk. auf 4000 Mk. herabge­setzt. An den sachlichen Ausgaben bei öffentlichen Feierlichkeiten, die sich bisher auf 1000 Mk. vor- anschlagsmähig bezifferten, wurden 500 Mk. ge­strichen.

Für die Benutzung der Straßenbahn durch die Mitglieder des Stadtrats war bisher ein Be­trag von 3000 Mk. vorgesehen, der auf 2000 Mk. ermäßigt wurde, für Straßenbahnfahrten von städtischen Beamten standen bislang 1500 Mk. zur Verfügung, im neuen Haushalt ist diese Summe auf 500 Mk. beschränkt worden. Ein Betrag von 600 Mk., der bisher für Unterrichtskurse für städtische Beamte und Anwärter vorgesehen war, ist im neuen Haushalt völlig verschwunden.

Ein sehr empfindlicher Abstrich besteht darin, daß der bare Beitrag der Stadt an den Verkehrsverein von 1500 Mark auf 1400 Mark gesenkt wurde, gleichzeitig aber auch die Mittel für Verkehrswer­bung durch das städtische Verkehrsamt eine Be­schränkung um 2800 Mark, nämlich von 9000 Mark im Vorjahre auf 6200 Mark im neuen Haushalt, erfuhren. Hoffentlich wird sich diese Streichung nicht zum Schaden der Stadt auswirken, denn an sich ist die Kürzung der Verkehrswerbemittel gerade in den Zeiten der wirtschaftlichen Bedrängnis einerseits und des stark gesteigerten Wettbewerbs benachbarter Städte anderseits mit dieser Sachlage müssen wir gegenwärtig in Gießen rechnen das denkbar un­geeignetste Sparobjekt. Die Garantiesumme für die Kraftpostlinie GießenKleebachtal wurde von 200 Mark auf 100 Mark herabgesetzt, für die bauliche Unterhaltung der Autohalle in Krofdorf wurden statt der bisherigen 300 Mark nur 200 Mark vor­gesehen, der Streckenzuschuß an die Luftverkehr- AG. Oberhessen-Lahngau wurde von bisher 20 000 Mark auf 17 000 Mark ermäßigt.

Beim Wohnungsamt fallen die bisher vorgesehe­nen Prämien von jährlich 500 Mark für das Frei­machen von Wohnungen künftig fort, an den Bei­tragen zu den sozialen Versicherungen sind 1000 Mk. bei der Kranken- und Invalidenversicherung weni­ger vorgesehen (bisher 6000 Mk., künftig 5000 Mk.), ferner ist der Zuschuß zur Beamtenkrankenkasse in Höhe von 520 Mark gestrichen worden.

Polizeiverwallung.

In diesem Kapitel treten nur einige Ersparnisse an Besoldungen und sachlichen Ausgaben bei der Feldpolizei und der Baupolizei in Erscheinung, da­gegen hat sich der städtische Beitrag zu den Kosten der staatlichen Polizei um 1200 Mark (eine Polizei- ftelle) erhöht.

Grundbesitz. Land- und Forstwirtschaft

In diesem Teile des Haushaltsplans sind an ben Kosten der baulichen Unterhaltung der Gebäude einschl. der Reinigung der Feuerungsanlagen und der Kanalbenutzungsgebühren insgesamt 4938 Mk. weniger, als im Vorjahre vorgesehen. Durch die Fertigstellung weiterer Wohnungen ist das Auf­kommen an Miete' usw. um rund 48 2Ö0 Mark ge­stiegen. Dieser Betrag wird bestimmungsgemäß dem Wohnungsbaukänto zur Erfüllung von Zinsver­pflichtungen zugeführt, so daß sich hieraus das Mehr von 48 200 Mark unter .Linsoerpflichtungen aus dem Wohnungsbaukonto"' erklärt. Ferner erscheinen erstmals Aufwendungen für Zinsen usw. im Ge­samtbeträge von rund 9708 Mark für die Klein­wohnungsbauten in der Schottstraße.

Für die Unterhaltung der städtischen Wiesen im neuen Haushaltsjahr sind 7000 Mark vorgesehen, denen 8000 Mark im Vorjahre gegenüberstehen. An Grundsteuern und Straßenreinigungsgebühren erscheinen 1100 Mark weniger, an der Unterhaltung des Flugplatzes, für die bisher 1500 Mark auf- gewandt wurden, hat man 500 Mark abgestrichen, so daß jetzt für diesen Zweck nur noch 1000 Mark verfügbar sind.

NasSchiÄta«

spricht das

Roman von I. Schnei de r-Foer st l.

Urheber-Rechtschptz durch Verlag Oskar Meister. Werdau i. Sa.

9. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

And darin hatte Alla recht. Die Setterholm vergaßen nie und nichts, weder von heut aus morgen, noch über Jahr und Tag. Die wußten noch von fünfzig Jahren hrr, daß eine Ham­burger Firma ihnen einmal zwischen fünfhundert Säcken Kaffee-Martinique einen einzigen Hava- vierten gemengt hatte. Man war sich darüber in die Haare gekommen, hatte sich in Hamburg gewehrt und in Wien den Wahrheitsbeweis er­bracht. Die Firma ließ sich viel taufenbmal ent­schuldigen. Es war ein Versehen des Lageristen gewesen. Der Mann war sogar entlassen worden: der Kaffee umgetauscht. Das war alles gut und recht! Aber die Setterholms fauften seith-.-r nicht mehr um fünf Pfennig Kümmel bei der Reederei. Zweimal im Jahre kam der Derttter des Ham­burger Hauses, überbrachte die Empfehlungen seines Chefs, die Preisliste, die Voranschläge. And zweimal im Jahre ging er unverrichteter Dinge die teppichbelegte Treppe vom Bureau Lutz Setterholms nach dem Portierzimmer hinab. Die Firma Setterholm war eingedeckt und be­nötigte nichts!

Gegen eine chinesische Mauer konnte man nicht anrennen.

Ulla Setterholm sah gegen den Gobelin zu- rückgelehnt und streichelte noch immer Evelins Häickre. Das Mädchen weinte leise vor sich hin. Also, wirklich, Kind, die Sache mit dem Lipp­stadter braucht dir gar nicht so zu Herzen zu gehen. Das ist ja direkt lachhaft. Man möchte schon meinen, deine Mutter hätte ein Kapital­verbrechen begangen, weil sie sich noch einmal troff n hat mit dem Grafen Egon, ehe sie an­derentags meinem Bruder das 3a vor dem Altar gegeben hat. 3ch möcht wiss'n, was schon dabei ist!"

Lütz' Vater und Lippstadt follen sich duelliert haben!"

Ra ja freilich! Die Männer sind halt so, daß meinen, dann hat's Kirrd einen anderen Ramen, wenn sie eine Kugel hin und her verpulvert haben, so eine blöde Ansicht, wie das ist. Aber da hört ja keiner, wann man was dagegen sagt. 3s nur ein Glück gewesen, daß die G'schichte so gut ausgegangen ist. Deine Mutter is halb tot vor Angst g'wes'n. And dann hat die Sach noch allweil kein End g'habt. Wie der Lutz kommen ist, zum Unglück eine Frühgeburt das war

Bei den Waldungen sind die Werbungskosten der Holzfällung von 38 700 Mark im Vorjahr auf 25 200 Mark für das neue Wirtschaftsjahr herab- gesetzt worden. Uebrigens ist hierbei bemerkenswert, daß mit Rücksicht auf die katastrophale Lage auf dem Holzmarkt, entsprechend dem Vorgehen des Hessischen Staates, auch von der Stadt nur 80 v. H. des normalen Holzeinschlags vorgenommen werden sollen, wodurch sich der veranschlagte Erlös aus der Holzfällung von 150 000 Mark im Vorjahr auf 108 000 Mark für das neue Jahr ermäßigt. Für Kulturarbeiten im Walde sollen statt der bisherigen 13 080 Mark künftig nur 10 000 Mark verwandt werden. Die bisher übliche alljährliche Rücklage zum Forstbetriebsstock in Höhe von 5 v. H. des Brutto­erlöses aus den Holzverkäufen, die im vorigen Jahre noch mit 8000 Mark vermerkt war, soll in diesem Haushaltsjahre nicht vorgenommen werden, so daß also die Rücklagenschaffung für den Wald diesmal eine Unterbrechung erfährt. Dagegen sollen aus dem Forstbetriebsstock 27 000 Mark entnommen werden, um den Einnahmeausfall auszugleichen, der durch den geringeren Holzeinschlag entsteht.

Für die Vertilgung von schädlichen Tieren und Schnaken, die bisher mit einem Kostenaufwand von 1500 Mark vorgesehen war, sollen künftig nur noch 1000 Mark zur Ausgabe gelangen.

Bauverwalkung.

3m Haushalt des Hochbauamts sind die Kosten für die Aufstellung von Ortsbauplanen einschl. Stadtplänen usw. von 16 000 Mark im Vorjahr auf 8000 Mark im neuen Wirtschafts­jahre herabgesetzt worden, und zwar wurden hier die persönlichen Kosten von 8000 Mark auf 6000 Mark und die sachlichen Kosten von 8000" Mark auf 2000 Mark gesenkt.

Beim Tiefbauamt wurde an der Position Beitrag zur Hasraba" (Verein zur Vorbereitung der Autostraße HamburgFrankfurtBasel) der Beitrag unserer Stadt von 500 Mark im Vor­jahre auf 250 Mark herabgesetzt.

Beim Vermessungsamt ist der Ansatz für Tage­lohnarbeiten (für Meßgehilfen usw.) von 5000 Mark auf 4000 Mark gefürxt worden.

Bei der Sttaßenunterhattung hat man den Ansatz für Straßenunterhaltungsarbeiten und Fuhrlöhne von 146 500 Mark im Vorjahre auf 142 000 Mark gekürzt, die Aufwendungen für die Instandhaltung der Feldwege und das Auf­räumen von Flutgräben wurden von 8000 Mark im Vorjahre auf 7000 Mark herabgesetzt, für bauliche Unterhaltung der Drücken, Stege und Geländer sind statt 2200 Mark nur noch 1000 Mark vorgesehen: ein Betrag von 1500 Mark, der im vorigen 3ab re für die außerordentliche Instandsetzung des Brückenstegs zwischen Bahn­hofstraße und Hammstrahe in den Haushalt ein­gestellt war, erscheint diesmal nicht mehr.

Für die Straßenbeleuchtung, die im Rechnungs­jahre 1929 mit 90 00) Mark unt> im vorigen Jahre mit 70 000 Mark eingestellt war, sind diesmal einschl. der Unterhaltung der Lampen 80 000 Mark vorgesehen. Die Erhöhung um 10 000 Mark gegenüber dem Vorjahre erscheint gerechtfertigt, ttxrnn man bedenkt, daß gerade in der letzten Zeit wieder auf dem Gebiete der Straßenbeleuchtung mancherlei Verbesserungen vorgenommen wurden, und wenn man sich ferner vor Augen hält, daß der erhebliche Abstrich von 1929 auf 1930 nur mit mancherlei Rachteilen in der Beleuchtung unseres Straßennetzes möglich zu machen war. Erfreulicherweise bleibt aber auch der neue Ansatz noch um 10 000 Mark hinter der Aufwendung von 1929 zurück.

Für die Unterhaltung der Denkmäler sollen tm neuen Haushaltsjahre 700 Mark weniger als im Vorjahre, nämlich nur 1200 Mark gegen 1900 Mark im Jahre 1930, ausgegeben werden. Hoffentlich geschieht diese Ersparnis nicht zum allzu starken Rachteil für die Pflege unserer Denkmäler.

Einen sehr empfindlichen Abstrich hat man auch bei der Unterhaltung der öffentlichen An- vorauszusehen bet dieser etoign Aufregung da hat mein Bruder Zeter und Mordio g'schlag'n unb seine Frau verdächtigt. Aus den Tod is da- mckls g'wes'n, deine Mutter! Da bin ich aber dreing'fahr'n. Wann ich mich auch nie in sonst was g'mischt hab, da hab ich nimmer still sein können. Mein Bruder hat's dann auch eingseh'n und Abbitt g'leistet. Aber weck eine Liab auf, wann's einmal tot is. Verschüchtert , is deine Mutter von der Zeit an immer g'wes'n. Soviel hat's mich erbarmt. Und hat doch immer lustig sein müss'n und in G'sellschast gehn und tanz'n und eine glückliche Frau spiel'n. Und wär so gern bei ihrem Kind geblieb'n. Das ßebn ist halt einmal so. Einen Kratzer hängt's jedem an, bloß daß dem einen nut die Haut ritzt und dem an­dern bis ins Herz hineinstöht!"

Von alledem habe ich nichts gewußt. Und jetzt begreife ich auch, warum Mama so scheu ist, wenn sie mit Lutz spricht. Aber Tante" der ge­sunde Egoismus iprer achtzehn Jahre brach sich bereits wieder Bahnich sehe nicht ein, warum auch ich noch dafür büßen soll."

Da hast recht, Kind! Das ist verrückt. 3a..." Sie wollte sagen: Da ist Lutz dahinter. Aber daS konnte unter Umständen äußerst gefährlich fein. Es war nicht gut, den einen Teil gegen den an­deren aufzureizen, wo es sich um Stiefgeschwister handelte, deren Vermögen überdies zu gleichen Hälften im Geschäft steckte. Es wäre möglich, daß man eine Katastrophe heraufbeschwor, deren Aus­gang nicht abzusehen war. Man mußte die Klippe schon umgehen und Lutz aus dem Spiele lassen. Vielleicht gab sich Gelegenheit, daß man einmal unter vier Augen mit ihm sprach. Dann wollte sie aber mit ihrer Meinung nicht zurückhalten.

Vorläufig blieb als einziges, daß man Eve ver­tröstete und seine Vermittlung in Aussicht stellte. Und das tat Ulla denn auch, und während sie den blonden Kopf zärtlich an ihre Brust nahm, sagte sie vertrauensvoll:Wirst sehen, Kind, das wird noch alles recht! Das Liebespaar möcht ich wissen, bei dem das Hochzeitmachen ganz glatt geht. Da kommen noch ganz andere Sachen vor. Da ist deine Sorge noch g*ar nix. Und wann zwei noch so einig sind und wann die ganze Verwandt­schaft 3a und Amen sagt, dann gibt's dafür hundert andere, die sich freu'n, wann sie einen Keil dazwischen treiben können. 3s ja eh gar net wert, das bffferl ßebn, daß man sich so hinunter- wurstlt. Und die Lieb erst! Kinder!, was die alles anrichtet! Und Was kriegst dafür? Rix!" Sie sah die erschrockenen Augen der Richte und strich lächelnd über deren Lider hin:3ch sag nix mehr, Everl! Wär ja doch umsonst! Es glaubt8 ja keiner! Mit zwanzig nicht! Mit dreißig noch weniger, beim oa is ma womöglich noch viel dümmer. Und wann man vierzig is toartn tut man doch und wann du einen fragst, der ein halbes Jahrhundert auf dem Buckl tragt oder

lagen gemacht, wo die Aufwendungen für die Anlagenpflege von 35 200 Mark auf 30 200 Mark herabgesetzt wurden. Wer nicht verkeimt, daß in unseren Anlagen sehr vieles zu verbessern ist und daß unsere Grünflächen um die Strecke von Oswaldsgarlen her über die Westanlage ver­längert worden sind, wird Zweifel hegen müssen, daß es wirklich möglich sein wird, nach dieser erheblichen Kürzung um 5000 Mark den dringend­sten Erfordernissen einer guten Anlagepflege ge­recht zu werden. Wenn diese Ersparnis wirklich sdurchgeseht werden soll, wird man erwarten müssen, daß sie in ihren Auswirkungen wenigstens nicht allzu sichtbar in Erscheinung tritt, sondern vor allem möglichst im Betriebe des Pflanz- g artend, ungesehen von der Oesfentlichkeit, ange­wandt wird.

Bei dem Betrieb der Kanäle fällt zunächst eine Ermäßigung der Ausgaben für die Kläranlage von 27 500 Mk. auf 20 000 Mk. auf. Ein wei­terer starker Abstrich ist an der Rücklage für den Crneuerungsstock der Kanäle vorgenommen wor­den: hierfür sind im neuen Haushaltsplan 20 000 Mk., gegen 54 000 Mk. im Vorjahre, vor­gesehen. Diese Minderung um 34'000 Mk. ließ sich ermöglichen angesichts der Tatsache, daß die Erneuerungsrücklage für Kanäle bis Ende des Rechnungsjahres 1930 die Höhe von rund 383 000 Mark erreicht hat und bei diesem Stande zunächst etwas langsamer als bisher aufgefüllt werden soll. 3m Hinblick auf diese Höhe der Rücklagen

wurde bekanntlich auch die Ermäßigung 6« Kanalgebühren vorgenommen, die sich auf eine Minderung um 3 Prozent pro 100 Mk. Steuer­wert zugunsten des Hausbesitzes auswirkt und im neuen Haushaltsplan mit einem Ertrag von 133 000 Mk. gegen 166 000 Mk. im Vorjahre einen sehr beachtenswerten Abklang barstellt. Als neue Ausgabe bei diesem Betriebsabschnitt tzst ein Betrag von 40 000 Mk. zu vermerken, der die achtprozentige Verzinsung von dem für Kanalbauten seit Stabilisierung der Währung neu investierten Kapital in Höhe von rund 500 000 Mk. für das Rechnungsjahr 1931 darstellt. Diesen 40 000 Mk. stehen auf der Einnahmeseite 30 600 Mk. als achtprozentige Zinsen von der Erneuerungsrücklage in Höhe von 383 000 Mark gegenüber.

Bei den Gemarkungs-, Flur- und Gewann- grenzen tritt eine Minderung der Kosten für die Wiederherstellung von trigonometrischen und geometrischen Punkten um 500 Mk., nämlich statt 1000 Mk. nur 500 Mk. in Zukunft, in Erschei­nung, daneben ist noch eine Ermäßigung der Tagegelder für die Feldgeschworenen von 1000 Mark auf 700 Mk. zu vermerken.

Bei den Beittägen zu den sozialen Versiche­rungen tritt die Minderung der Beitragssätze zu der Unfall- und zu den Krankenkassenver­sicherungen durch Abschläge von inZAsamt 8500 Mark zutage.

Rundfunkprogramm.

Sonnlag, 3. Mai.

7 Uhr: Von Hamburg: Hafenkonzert. 8.15: Se­minarkirche Mainz: Katholische Morgenfeier. 10.20: Stunde des Chorgesangs. 11: Aus dem unveröffentlichten 111. Band derKulturge­schichte" von Egon Friedell. 11.30: Von Leipzig: Reichssendung: Kantate zum Sonntag Kantate. 12: Schallplattenkonzert: Szenen aus dem 1. und 11. Aufzug: Tristan und Isolde. 14: Stunde des Landes. 15: Stunde der Jugend: Der Talisman. Märchenoper für Kinder in zwei Akten. 16: Kon­zert. 18: Frauen-Friedenskirche: Frauenkundge- bung für den Friedensgedanken. 19.15 (Karls- ruh-): Blasmusik. 20.30: Kleine Stücke für Kla­vier und Violine. 21.15 (Karlsruhe):Der Mann, den sein Gewissen trieb. Ein Schauspiel. 28' Tanzmusik.

Montag, 4. Mai.

7.15 bis 8.15 Uhr: Bad Ems: Frühkonzert des Kurorchesters. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.50: Ein rheinischer Weberjunge erzählt. 16.30: Kon­zert. 18.15:Die internationale Hochschule in Da­vos". Dorttag von Dr. Georg Schmitt. 18.45:Die Stellung der Frau im bürgerlichen Recht", Ge­spräch zwischen Rechtsanwältin Dr. Hegemann- Springer und Katharina von Kardorff. 19.15: Englischer Sprachunterricht. 19.45: Vorttags- stunde von Ricarda Huch. 20.15 bis 21.45: Der unbekannte Mozart. 21.45: Auf der Kommando­brücke. Reportage. 22: Von Berlin: Zeitbericht. Wie schafft man Arbeit? 23 bis 24: Tanzmusik.

Dienstag, 5. Mai.

7.15 bis 8.15: Bad Ems: Frühkonzert des Kur- vrchesters. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20 bis 15.50: Hausfrauennachmittag. 16.30: Rachmittags­konzert des Rundfunkorchesters. 18.15:Psycho­logie des Witzes". Vortrag von Dr. Fink. 18.45: Deutsche Arbeit auf den Kanarischen Inseln", Vortrag von Elise von Hopssgatten, Berttn. 19.45: Unterhaltungskonzert des Rundfunkorchesters. 20.30:Mieter Schulze gegen Alle." Hörspiel von Auditor. 22.20 bis 23.30: Tanzmusik.

Mittwoch, 6..

7.15 bis 8.15 Uhr: Bad Bertrich: Fruhkonzett des Kurorchesters. 10.20 bis 10.50: Schulfunk

Robinson, ein Freund der Kinder", von Fried Stern 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20: Stunde der Jugend. 16.30: Konzert für die Jugend. 18.15: Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und deren Be­hebung", Vortrag von Ludwig Meyer, Mainz. 18.45: Esperantounterricht von Dr. Vogt. 19.45: Volksliederduette aus Europa, gesungen vom Leipziger Kammerduett. 20: Komödie des Wil­lens. Vier Bilder von Alice Fliege!. 21.15: Alte Tanzmusik. 22.15 bis 23: Stunde der Kammer­musik.

Donnerstag, 7. Mal.

7.15 bis 8.15 Uhr: Bad Bertrich: Frühkonzert des Kurorchesters. 9 bis 9.30: Schulfunk 3n der Reichskanzlei. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20: Stunde der Jugend. 16.30: Freiburg: Rach- mittagskonZert des Freiburger Konzertorchesters. 17.40: Sechs Schubert-Lieder. 18.15: Zeitfragen. 18.45:Georg Forster", Dorttag von Privatdo­zent Dr. Kurt Rheindorf, Frankfurt a. M. 19.45: Heitere Schallplatten. 20.15: Kammeropem: Der befreite Theseus. 21.45: Medi-Zynisches. Eine heitere Programmfolge von Erna Feld. 23 bis 24: Tanzmusik.

Freitag, 8. Mai.

7.15 bis 8.15 Uhr: Bad Reuenahr: Frühkonzert des Kurorchesters. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20: Pädagogischer Rundfunk: Die Landschafts-- schule im Kreise Saarburg, von Schulrat Kroh- mann, (Saarburg. 16.30: Unterhaltungskonzert des Rundfunkorchesters. 18.05: Stunde des Buches: Alter und neue Photographien". 18.30: Eine Viertelstunde Deutsch. 18.45:Die Wahrheit über die Bluttransfusion." 19.15: Karlsruhe: Reue Tanzmusik. 20:Das Theater und die junge Ge­neration", 11. Vortrag von Bernhard Blume. 20.30: Karlsruhe: Zitherkonzert. 21: Festsaal der Liederhalle Stuttgart Konzert des Philharmoni­schen Orchesters. 22.20: Kompositionsstunde: Egon Kornauth, Wien. 22.50 bis 24: Cafe Wilhelms- bau: Unterhaltungsmusik der Kapelle ©lernens Spindler. 0.30 bis 1.30: Rachtkonzert.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bi? 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.

zehn Jahre mehr, er sagt ja, wann die Lieb an­klopft! Ich hab's ja auch erfahr'n!"

Die fragenden Augen des jungen Mädchens erhielten keine Antwott, denn ein amerikanischer Kunsthändler, der sich durch Uschi absolut nicht hatte abweisen lassen, drang ins Atelier und be­grüßte die Professorin mit polternder Stimme.

Eve empfahl sich mit einer Hast, die Ulla ein Lächeln abnötigte. Sie begleitete die Richte bis an die Türe des Korridors und küßte sie noch einmal auf die Wange.Also Mut, Kinderl, ja? Ich Helf dir schon! Und deinen Viktor schickst du mir. Es ist doch besser, ihr trefft euch bei mir heroben, als wo anders."

Tante, wie gut du bist!" Ulla« Hänktz wurden mit Küssen betecEt.

Ein Zuwinken noch, dann verhallten Evelins Schritte die Treppe hinab. Sie hatten einen Klang, als hüpfe Freude und Hoffen mit ihnen in den sonnigen Vormittag.

Als Lutz (Setterholm die Treppe des ©ranb- Hotels in Hamburg herab kam, sah erSie" stehen. Sie trug ein Kleid aus lichtgrünem Crepe de Chine mit Aermeln, die in zitronenfarbenen Chiffon leuchteten. Vom Gesicht erblickte er nur das Profil. Aber das genügte. Dem Dronzetone nach war sie eine Javanerin. Aber als sie sich dann herumwandte, stand er verblüfft.

Sie bemerkte es, ohne irgendwelche Rotiz da­von zu nehmen. Weder lächelte sie, noch zeigte sich Unwillen auf ihren Zügen. Sie schien beriet gewohnt zu fein.

Der Direktor, mit dem sie sprach, hörte ihr auf­merksam zu. Obwohl sie englisch auf ihn ein­redete, verstand Lux jedes Wort.Ich möchte ein anderes Appartement haben. Es ist mir zu laut. Ich kann nicht schlafen, wenn ich Lärm von der Sttaße her habe. Zudem ist nachts immer die Störung mit dem Wasserhahn. Er tropft

Roch immer, Gnädigste?"

Roch immer, ja!" Sie stampfte leicht mit dem brokatbeschuhdsn Fuße auf.

Der Direktor wagte eine Entgegnung auszu­sprechen.Das kann aber unmöglich bis in das Schlafzimmer der Gnädigsten zu hören sein."

Doch, es ist zu Horen!" Roch einmal stampfte die dünne Sohle des fabelhaft flehten Schuhes auf den Teppich. Lutz sah deutlich das ungedul­dige Schillern in den meergrünen Augen.Es tropft! Basta! Und ich höre es! Und noch einmal basta!" war deutlich in dem schönen Gesicht zu lefen.

Hinter sich hörte er einen Schritt und trat einige Zentimeter zur Seite, um den Herrn vor- überzulassen, der eben die Treppe passierte. Diese Serie Mann konnte nur zu dieser Gattung Frau gehören. Auf beiden Gesichtern lag dieser feine Dronzetvn, der wie Patina wirkte.

In der Tat trat er zu der fremden Schönheit und redete in einer Sprache zu ihr, die Lutz (Setterholm nicht verstand. Sie rief etwas, das wie ein Ausdruck großer Freude klang, reichte dem Direktor mit einem versöhnenden Lächeln die Fingerspitzen und schlüpfte in den Lift, dessen Türe der grüngekleidete Boy zurückhielt.

Lutz sprang die Treppe hinaus, sah den Fahr­stuhl vorüberschweben, hetzte in die zweite Etage und mußte die niederschmetternde Tatsache kon­statieren, daß der Fahrstuhl soeben wieder ab­wärts glitt. Als er dort ankam, rollte der Boy die Gitter wieder vor die leere Kabine, um nach dem Souterrain, zu entschweben.

Fatal! Sie hatte also gemerkt, daß er auSkund- schaften wollte, welches Appartement sie bewohnte. Verärgert ging er nach feinen Zimmern und warf sich auf den Diwan.

Jagd auf Frauen zu machen, war sonst nicht feine Art. Aber um diese eine lohnte es sich wohl. Allerdings verspürte er eigentlich mehr Rea­gier als sonst ein Gefühl für die schöne Fremde. Trotzdem hätte er gerne gewußt, in welchem Ver­hältnis die beiden Bronzegesichter zueinander standen. Vater und Tochter? Kaum. Er hatte zu devot zu ihr gesprochen. Onkel und Richte schon eher! Mann und Frau? Ausgeschlossen! Es fraß sich etwas wie Eifersucht in sein Herz.

Und wie sie ihn angesehen hatte! Rühr mich nicht an, du! Deinesgleichen sind mir schon dutzend­weise über den Weg gelaufen. So, genau so war der Ausdruck ihres Gesichtes gewesen.

Dicht nebenan hörte er nun eine Stimme. Es mochte wohl nur ber große Schrank vor einer Verbindungstüre stehen. Dann klopfte jemanb gegen ein Rohr. Der Dialekt eines Arbeiters klang auf.Ru tropp er nimmer!"

Sein, daß die Wände so dünn waren. Wasser ergoß sich, von oben in eine Wanne und zischelte, als ob es ein Platzregen wäre. Lutz lachte, bog das Ohr gegen die Tapete und lauschte wieder. Es ttopfte nicht mehr.

Demnach war also das da drüben das Bade­zimmer. das zu ihrem Appartement gehörte. Roch enynal hämmerte jemand, dann war Ruhe. Aber die Stimme des Herrn, die er auch in der Halle vernommen hatte, klang nun auf:Immer hat es tik tik tik gemacht. Es war sehr störend!"

Eine Tür schnappte leise ein.

Dann nichts mehr.

Zufrieden, als ob es sich um den gelungene« Abschluß eines Engros-Einkaufes handle, streckte sich Lutz aus und setzte eine Zigarette in Brand. Evelins Bild tauchte zwischen den Wolken des blauen Rauches auf und zitterte darin, als ob es von Tränen überrieselt wäre. Er hatte eigent­lich noch gestern telephonieren und die Mutter fragen wollen, wie sie die Abweisung des Grafen ausgenommen hatte.

(Fortsetzung folgt)