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Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Montag, 2. Hebruar 1951

Ar. 27 Zweiter Blatt

Schwarzes Elfenbein." - Aus den Vinlelagen des Sklavenhandels.

Von Or. Anton Mayer.

Der Vertreter der Siegerrepublik Liberia beim Völkerbund, der sich soeben der gewiß nicht leichten Aufgabe in Genf unterziehen muh, die dunkeln Methoden seines Landes in etwas helle­rem Licht erscheinen zu lassen, könnte mit gutem Recht das Argument ins Treffen führen, daß dieser Aegerstaat keineswegs das ein­zige zum Völkerbund gehörende politische Ge­bilde ist, in dessen Grenzen die Menschen noch Verkaufswert besitzen und Gegenstände persön­lichen Besitzes bilden. Auch das Kaiserreich Abessinien, dessen Herrscher sich kürzlich mit großem Pomp krönen ließ, kennt die alten Me­thoden desEbenholz-HandelS", mit welchem eu­phemistischen Ramcn der Sklavenmarkt bezeichnet wurde, noch sehr genau, wie denn bei den un­zivilisierten Aegerstämmen Innerafrikas die Sklaverei, teilweise Wohl sogar in der kras­sesten fc-orrn der völligen Entrechtung, in vollster Blüte steht. Die Einrichtung selbst, die Vernei­nung der Persönlichkeit, welche den Sachwert an deren Stelle seht, ist so alt, wie die bekannte Geschichte der Menschheit selber; der Schauder indessen, den das Wort Sklaverei den meisten Menschen einzuflößen scheint, findet seine Er­klärung in den vielen, zum Teil übertriebenen Beschreibungen der nordamerikanischen und west­indischen Sklaverei, die bekannteste ist immer noch Deechcr Stowes »Onkel Toms Hütte".

Das Problem, welches die Sklaverei darbietet, ist nicht rein gefühlsmäßig zu lösen, wie es viele Menschen sehr gern tun. Ganz gewiß: es sind entsetzliche Grausamkeiten vvrgekommen, aber eigentlich, wenn ich mich so ausdrücken darf, seeoncl-ßanct-Grausamkeiten: denn die Einführung der Reger in den amerikanischen Kontinent oder besser in das spanische Antillenreich Westindiens war nur die Folge der aus Goldgier und gewöhn­licher Mordlust ' (»Tropenkoller", auch in den Kolonien anderer Rationen nicht ganz unbekannt), erfolgten Abschlachtung und Ausrot­tung der Ureinwohner, derIndios". Die Spanier bemerkten plötzlich, daß ihnen die Arbeitskräfte zu mangeln begannen; da die Portugiesen ihnen mit gutem Beispiel vor- angegangen waren und sich billige Arbeiter aus Afrika geholt, d. h. geraubt hatten, so zögerten die Spanier nicht lange, sich das unerschöpfliche Menschenreservoir des riesigen Erdteils eben­falls zu erschließen. Es dauerte nicht lange, bis die Engländer das gute Geschäft witterten, das mit den Schwarzen in der Reuen Welt zu machen war; also beteiligten auch sie sich an dem Unternehmen, zumal sie sehr bald anfingen, sich politisch und wirtschaftlich für die Entdeckungen des Columhus und seiner Gefährten zu inter­essieren, für das Wunderland, in dem es nicht nur Gold, sondern alle Herrlichkeiten an Ge­würzen und Früchten geben sollte, nach denen die europäische Menschheit Verlangen trug. Da nun die Engländer, wenn sie einmal etwas unter­nehmen, dieses sehr gründlich vorzubereiten und mit ebensoviel Zähigkeit wie Geschick durchzu­führen pflegen, so standen sie bald an der Spitze aller Sklavenhändler und freu­ten sich des ungewöhnlich gutenbusiness, das sich ihnen an der afrikanischen Küste eröffnet hatte. Der Einsatz war nicht all zu hoch, ein paar Schiffe, die nicht viel, und ein paar Menschen, die gar nichts kosteten. Diese muhte man aller­dings daran wenden, denn die Reger der Gold- küste, die mit Vorliebe heimgesucht wurde, setzten

sich bald sehr energisch zur Wehr, wenn die .weißen Räuber erschienen, so daß kleine und größere Gefechte an denEinkaufstagen" der Sklavenhändler die Regel bildeten. Ratürlich waren die Reger den gut bewaffneten Europäern nie gewachsen, hatten vor den Gewehren und kleinen Kanonen der Fremden eine ebenso be­greifliche wie berechtigte Angst und formten also nichts ausrichten, als daß sie ein paar der ver­haßten Eindringlinge mit Pfeil oder Speer zur Strecke brachten.

Die noch dem Kampf zusammengetriebenen Ge­fangenen wurden dann im wörtlichsten Sinne in die Schiffeverfrachtet", indem einfach so viele hineingezwängt wurden, wie hinen«gingen. Diese Fahrten in den kleinen Schiffen, die bei der ge­ringsten See heftig schwankten, bei schwerer aber buchstäblich Kopf standen oder aus der Seite lagen - - wer einmal eilten Fischdampfer auf dem Ozcan bei schwerer See gesehen bat, kann sich eine Vorstellung davon machen, müssen allerdings für die Sklaven das Fürchterlichste gewesen sein, was sich unsere Phantasie ausmalen kann. Wenn die Schwarzen nicht so ungeheuer widerstands­fähig wären, hätte kaum ein Bruchteil das Grauen der Eingepferchtheit im dunklen Schiffsinnern, bei ganz unzureichender Rahrung überstehen können, auch so starb jedesmal eine Anzahl aber sie hatten ja nichts gekostet, was tat es also?

Diese Zeit, vom Raub bis zum Verkauf, war wohl für die Schwarzen die schlimmste, da zu den körperlichen auch die seelische Qual des Heim­wehs und der Gram über die verlorene Freiheit kam. Hatten sie erst einen Herrn gefunden, der eine Summe Geldes für sie angelegt, ging es ihnen gewöhnlich etwas besser, schon aus dem Grunde, weil sie jetzt etwas wert waren, und die Menschen im allgemeinen ihr Eige:' '.m nicht mutwillig zerstören. .Allerdings mußten sie schwer arbeiten; wir dürfen aber nicht vergeben, daß sie an tropisches Klima gewöhnt waren, und von den meisten Plantagenbesihern jedenfalls ordent­lich gehalten und versorgt wurden, schon weil diesen sich das investierte Kapital durch die Ar­beitskraft der Reger verzinsen mußte. Daß aber ein gut genährter und gepflegter Arbeiter mehr leistet als ein hungriger und verwahrloster, war den Plantagenbesihern auch damals schon klar. Ratürlich gab es, wie überall, schlechte und ge­meine Besitzer, die ihre Leibeigenen grausam be­handelten und quälten.

Run waren gewiß diese frisch aus Afrika importierten Sklaven nicht leicht zu behandeln es warenWilde" im wahrsten Sinne des Wortes, die sich nur einer sehr straff durch­geführten Disziplin fügten aber sie fügten sich, und ihre Kinder und Kindeskinder fügten sich immer weiter, bis im 18. Jahrhundert die Welte der freiheitlichen Bewegung, die endlich in der französischen Revolution gipfelte, auch nach Westindien Übergriff. Vorher schon hatten sich entflohene Sklaven, in denen das seit Gene­rationen unterdrückte Freiheitsgefühl wieder mächtig geworden war, oder auch solche, die kürz­lich erst aus dem Mutterland gekommen waren, in den Wäldern, hauptsächlich Jamaicas, zu- sammengerottet, dort ein wildes Räuberteoen geführt, Plantagen und Ortschaften überfallen und geplündert und sich so für alles ihnen An­getane gründlich und mit ausgesuchter Bestialität gerächt. Die Taten der ,.M a r o o n s" waren

Die kleine Molelle.

Vornan von Paul Hain

34. Fortsetzung Nachdruck verboten

Sie hatte seine Abrechnung im Rotizbuch mit heißen Augen verfolgt. Ja -- Hollmann hatte schon recht. Es war eine hübsche Entschädigung, die ihr da geboten wurdeI Kein Zweifel! Aber dennoch! So leicht wollte sie es ihm doch nicht machen und einfach Ja und Amen sagen! Ein Lachen spielte lautlos um ihre Lippen.

Schön und gut, Direktor! Der Vorschlag ist nicht so übel! Aber

Aber? Hören Sie mal: EinAber" gibt's hier nicht."

Ruhig lächelnd fuhr sie fort:Aber stehe ich mich denn schlechter, wenn ich mich nicht scheiden lasse?"

Ah Sie scherzen?"

Richt dwch. Ich denke nur ganz klar

Aber Frau Rorrna so geht Ihre Ehe doch nicht weiter! Sie wollen doch auch, Hand aufs Herz, frei sein."

Wer sagt Ihnen denn das?"

Mein Gefühl, Verehrteste! Mein scheußlich heller Blick! Entweder ober! Entweder Sie greifen zu und haben es wirklich nicht zu be­reuen oder Sie machen doch eine Dummheit, die sie nachher bereuen. Sie sind doch keine Prie­sterin!"

Das zielte auf Barnowsky. Ihr enges Freund­schaftsverhältnis zu ihm war ja Niles andere als unbekannt.

Pah was Sie sagen!"

Also Hand darauf, daß Sie einverstanden sind? Morgen machen wir alles schriftlich."

Sie zögerte. Und kurz sagte sie bann:

Rein! Roch nicht!"

Frau Rorrna!"

Roch nicht! Ich muß mir bas eine Weile über­legen, Hollmann. Es ist nicht so einfach, wie Sie wohl bcnlen"

»Es ist sehr einfach. Aber bet Himmel weih, was Sie noch zu überlegen haben."

-Seien Sie sricblich! Ich verspreche Ihnen zu- mindest ganz sachlich zu überlegen. Das ist doch auch schon was, nicht wahr? Und nun. Sie kennen mich kein Wort mehr davon. Ich muß übrigens nun auch gehen, es ist Zeit."

In Gottes Damen also

Rein, bleiben Sie nur hier. Ich fahre allein. Jetzt kann ich Sie nicht mehr gebrauchen. Also ich teile Ihnen meine Entscheidung noch mit. War­ten Eie ab."

Ich warte, Frau Storno. Aber zögern Sie nicht zu lange. Sie wissen warum!"

Ich hab' keine Angst, Hollmann."

Sie reichte ihm die Hand, die er an die Lippen zog. Ging wie eine Königin davon. Er sah ihr nach und schob die Daumen in den Westenaus­schnitt.

..Wird schon wird schon", brummte er.So wie ich die Rorrna kenne"

Er ließ sich eine neue Flasche bringen und blickte in den Raum, der sich nun stärker gefüllt hatte. Die Luft hier begann dichter zu werden von Rauch und Weindunst und verhaltener Lust. Das mon­däne Berlin verlangte nach prickelnder Unter­haltung.

Die Musik spielte die letzten Operettenschlager.

Das Kabarett begann. Die erste Künstlerin, eine bekannte Soubrette, betrat die Bühne. Diskretes Klatschen erfüllte den Raum.

Rorrna fuhr im Auto zu Hiller, wo Barnowsky wartete. Sie hatte in ihrer jetzigen Stimmung keine große Lust mehr, mit ihm noch länger zusammen zu fein, denn die Eröffnungen Hollmanns wirkten doch in ihr nach.

Sie wußte ja selbst: Auf die Dauer konnte dieses gespannte Verhältnis zwischen ihr und Hubert keinen Bestand haben. Cs mußte irgendwann ein­mal zur letzten vollkommenen Trennung kommen, das war klar. Aber daß gerade die Initiative wieder von Hubert ausging, daZ wurmte sie. Die Vorschläge an sich o ja, sie waren annehmbar! Sie ersah daraus, wie dringend Hubert die Schei­dung wünschte!

Und sie selbst? Ja sie war keine Priesterin, Hollmann hatte recht. Und Barnowsky!

Ah wenn er doch den großen, durchschlagen­den Erfolg hätte! Dann bann! Sie lachte auf und schmiegte sich wohlig in die Polster.

Dann ade, Hubert Wördehoff! Dann hing wie­der ein Mann in ihren Retzen, auf den Rorrna Relson stolz fein konnte! Den einzufangen es sich wohl gelohnt hatte! Dann konnte der Dich­ter Hubert Wördehoff in Gottes Ramen abtrctenl

22.

Eine Woche später brachte die Presse die Mit­teilung, daß dem jungen Maler Rolf Barnowsky von der Jury der neuen Kunstausstellung die goldene Medaille zugesprochen worden wäre. Es folgten längere Artikel, in denen seine künstlerische Arbeit kritisch beleuchtet wurde. Man kam über­einstimmend zu dem Schluß, daß hier ein Künstler von überaus reichen Gaben, dessen Entwicklung schon seit Jahren aufmerksam verfolgt worden fei, nunmehr die Höhe seines Schaffens erklommen habe, und daß die Kunftwelt um eine starke Persönlichkeit bereichert worden fei. Die Jugend des Walers taffe eine Fülle von Meisterwerken erhoffen.

Am gleichen Tage telephonierte Rorrna Relson an Hollmann, daß sie auf Wördehosss Vorschläge eingehe. Er solle sich mit ihrem Anwalt in Ver­bindung sehen.

berüchtigt; es war nötig, reguläre Kriege gegen fie zu führen, da sie in den unzugänglichen Schlupfwinkeln der Urwälder und Gebirge, die sie außerdem noch gut befestigt hatten, vorzügliche Stützpunkte besaßen, und mit äußerster Tapfer­keit känrpften: sie wußten, daß ihnen bei Ge­fangennahme der Foltertod in Aussicht stand. Sie haben den Engländern viel zu schassen ge­macht.

Im 18. Jahrhundert aber brachen Reger- a u f ft ä n b e von verschieden großer Bedeutuirg aus, bic sich bis ins 19. Jahrhundert, bis zur Aufhebung der Sklaverei um die Mitte des Iahr- yrmderts, fortgesetzt haben. Auch sie wurden mit Waffengewalt auf das blutigste unterdrückt; aus ihnen gingen die beiden heute noch be- ftetjenben Siegerrepubliken der Insel Haiti, Haiti und Santo Domingo, hervor, bei deren Entstehung einer der merkwürdigsten Far­bigen eine heroische, tragikomische und wirklich tragische Rolle gespielt hat: der Sieger Soul- faint L'O uverture, General und Präsident, siegreich, bejubelt, gestürzt, verhöhnt, schließlich von Rapoleon nach Europa verschleppt; er starb im Gefängnis auch er ein Abkömmling von Sklaven, und doch persönlicher Gegner des erften Konsuls, Bonapartes, dem er eine Menge Sol­daten, (Selb, Material und Schisse gekostet hat.

Die Bevölkerung Westindiens besteht jetzt noch, außer auf Kuba und mit Ausnahme der eingewanderten weißen Familien, aus Siegern; in manchen Dingen, in manchen geheimnisvollen magisch-religiösen Gebräuchen und Kulten haben sie ihre uralte afrikanische Vergangenheit durch ihr Sklavenlos hindurch in die Freiheit hinüber- gerettet. In den Vereinigten Staaten wurden die Sklaven durch den Bürgerkrieg der Jahre 1861 bis 1835 zwischen den Slorb- und Südstaaten befreit; diese Befreiung hat für die USA. ein schwieriges Problem geschaffen, das vorläufig in keiner Weise gelöst zu sein scheint. In den Siebern und Gesängen des ehemaligen Sklavenvolkes aber tönt noch immer eine selt­same Sehnsucht, eine sanfte Melancholie: das alte Heimweh, das ihre Vorfahren über das Meer begleitet hat.

Atte hessische Feuerspritzen.

In Sir. 22, 2. Blatt desGießener Anzeigers" vom 27. Januar 1931 steht ein interessanter Be­richt von der Uebersührung der alten Feuer­spritze der Gemeinde Horchheim ins Wormser Museum; die Ueberschrift des Artikels bezeichnet sie als die älteste hessische Feuer­spritze. Es ist ja nun richtig, daß 117 Jahre auch für eine Spritze ein recht ehrwürdiges Alter bedeuten, immerhin stimmt der Inhalt der Ueberschrift nicht; denn wir haben i m Gießener Museum ein noch 35 Jahre älteres Exemplar. Auf dem Hofe des Alten Schlosses steht wohlgeschüht eine präch­tige Feuerspritze aus Grüningen, die wir für die Gailschcn Sammlungen durch Vermittlung von Kreisscuerwehrinspektor Sl. Dickore seiner­zeit erworben haben. Sie ist noch sehr gut er­halten und zeichnet sich durch eine hübsche Be­malung mit SB a Herpf langen aus; auch das kunst­volle Schmiedeeisen und das Schnitzwrrk am Holz ist beachtenswert. Am wichtigsten aber ist der Inhalt der Aufschrift an der Rückseite des Sprihenkastens, die folgendermaßen lautet:

Durch Fleiß und Arbeit stehe ich Ioh: Philipp Bach von Hun- gen verfertigte mich vor die Stadt Grüningen Ao. 1778.

Von einer anderen Spritze besitzt das Museum ein Kastenbrett mit der Aufschrift:

älnb an Rolf Darnowfktz ging ein Brief ab: «Ich erwarte dich morgen abend bei mir." Slorma Steifen hatte sich entschieden!

Wie ein Schmuckkasten war der kleine Salon, in den Barnowsky von dem Mädchen geführt wurde. Er hatte ihn vordem noch nie betreten. Seine Leidenschaft machte ihn fast trunken. Er war am Ziel!

Ein ganzer Erfolg gab ihm Ruhm und die Frau, die er in feiner blinden Leidenschaft be­gehrte und die Teil an seinem Ruhme hatte.

Ihr Brief er konnte nur bedeuten: Ich werde jetzt frei für dich! Er blickte um sich.

Bei aller Eleganz der Rokokomöbel, der echten Teppiche und Gobelins und der ganzen kultiviert- vornehmen Ausschmückung des Raumes, wirkte dieser doch behaglich und schmeichlerisch-intim. Cs war schon reichlich dämmrig.

Die dunklen Seidengardinen vor den Fenstern dämpften das matte Licht noch mehr und ließen die bunten, orientalisch-satten Farben der Decken, Teppiche, Kissen, der Seidenbespannung der Wände wie zu einer sanften Melodie harmonisch zusammenkiingen. Barnowsky ging P.if und ab.

Er fühlte sich ganz umfangen von dem ver­wirrenden Duft dieses Zimmers, das etwas von dem aufregenden SBefcn Storm in sich hatte.

Er wartete. Wartete voll Ungeduld und Fieber. Starrte nach der Tür.

Die gnädige Frau würde gleich kommen, hatte das Mädchen zu ihm gesagt und dabei> biß­chen vertraulich mit den Augen geblinzelt.

Ja ja sie würde gleich kommen, die große Künstlerin, seine Muse, und man würde hier allein sitzen. Die Vorhänge würden sich vor die Fenster schließen, die matten Glasscha'cn an der Decke würden gedämpftes Licht ausgießen und er würde endlich, endlich allein mit der Frau fein, der er fein Leben schenken wollte. Die ihn be­geisterte und fesselte, unentrinnbar, mit der Launenhaftigkeit ihres Wesens, der königlichen Schönheit ihrer Person.

Ach Rolf Barnowsky sah mit den jungen Augen eines trunkenen Malers. eines feurigen Don Juans auch fein Erwachen mochte später kommen! Aber er war anders als Wördehoff! Da raschelte es nebenan. Ganz leicht. Die Por­tiere an der Tür glitt zur Seite.

Rorrna Relson stand da. In einem leichten rohseidenen Hauskimono. In weiten, losen Falten hing es um sie, von einer Goldschnur locker über den Hüften zusammengehalten.

Da stand fie schon vor ihm. Streckte ihm mit einem frohen, herzlichen Lächeln die Hand hin. daß der Stermel zurückfiel und den vollen, weichen Arm sehen ließ.

Ein Lächeln, wie sie es alsLiebende" auf der Dühne so vortrefflich unb hinreißend zu spielen berftanö.

»Stolf meinen innigsten Glückwunsch zu

Ich bin verfertiget worden von Johann Peter Bach in ..Hungen vor die Gemeinde Holtzheim in der SBctcrau Anno 1796.

Also auch diese ist älter als die Hvrchheimer. Trotzdem soll auch von unserer Grüninger Spritze nicht behauptet werden, daß sie die älteste hessi­sche ist. Aber vielleicht regen diese Zeilen dazu an, der Frage nach den erhaltenen alten Spritzen in KreiS und Provinz nachzugehen und herüber imGieß. Anz." zu berichten. Helmke.

Kommunistische Ausschreitungen in Worms.

SBSl. Worms, 31. Ian. Rach Schluß einer nationalsozialistischen Versammlung sammelten sich gestern abend an verschiedenen Stellen der Stadt, besonders im Bahnhofsviertel, Anhänger der Kommunistischen Partei Starke Polizei­kräfte räumten verschiedentlich die Straßen. Ge­gen Mitternacht wurden Polizeistreifen wiederholt aus der Sllenge heraus mit Stei­ne r. beworfen; mehrere Polizeibeamte wur­den verletzt Die Brunbildenstraße. die Luisen- straße und die Rathenaustraße mußten schließlich mit dem Gummiknüppel geräumt wer­den. Einzelne der Teilnahme Verdächtige wur­den aus den benachbarten Häusern, in die sie sich versteckt und in denen sie die Fensterscheiben ein­geschlagen hatten, hervorgeholt. Während dieser Vorgänge wurde ein unbeteiligter <3 t r a - ßenpassant in der Bahnhofstraße m i t einem Schlagring niedergeschlagen, ein anderer Strahenpassant erhielt auf der Brun» hildenbrücke eine Schußverlehung in den Unterleib und mußte ins Krankenhaus eingelie­fert werden. Gegen 1 Uhr war die Ruhe wieder hergestellt.

^O-Miilionen-Anleihe für Mainz?

WSR. Mainz, 1. Fcbr. Wie derM. A" berichtet, ist der Mainzer Stadtverwaltung auf dem Anleihewege ein Kapital von etwa 1 0 M i l l. M a r k zur 'Durchführung größerer Bauaufgaben zu günstigen Zinssätzen an­geboten worden. Ausländische Finanzgcsellschof- ten sind nämlich bereit, eine Aktiengesellschaft ins Leben zu rufen, die von sich aus solche Ar­beiten ausführt, für die die Stadt als General­pächterin auf treten soll. Als durchzuführende Ar­beiten kommen in Betracht: Stadtyausneubau, Hallenschwimmbad, Erweiterung des Schlacht- und Viehhofes, Schaffung von Industriegelände und Sanierung der Altstadt. Die Finanzierung wird erleichtert durch die günstigen Aufnahme­bedingungen und Zinssätze, die weit unter den Sähen liegen, die Frankfurt für seine neue 20* Millionenanleihe zu zahlen hat.

Großer Silber- und Gemäldediebstahl.

WSN. Frankfurt a. M., 31. Ian. In her ver­gangenen Nacht wurde von unbekannten Tätern in die unmittelbar am Main gelegene Villa des Gene­raldirektors Dr. Caspar im Stadtteil Sindlingen e i n g e b r o ch e n. Neben erheblichen Mengen von Silberbestecken im Werte von mehreren Tausend Marl wurden mehrere Originalölgemälde gestohlen. Darunter befinden fich ein TcniersDio Versuchung des hl. Antonius", Wert 15 000 Mark, em Original-SpitzwegWachtposten mit Strick­strumpf", Wert 15 000 Mark, zwei Original Prof. KronbergerRauchender alter Bauer", undAlte Bauersfrau", Wert zusammen 5000 Mark, ein Ori­ginal BertzickDamenbildnis", Wert 7000 Mark, ein Originalölgemälde auf HolzSeppel", Wert 2500 Mark. Sämtliche Gemälde sind aus den Rah­men herausgeschnitten. Die Täter sind gestört wor­den, so daß weitere wertvolle Delgemälbe nicht mehr gestohlen werden konnten.

deinem Erfolg! Riemand kann sich mehr darüber freuen als ich. Wie stolz bin ich auf dich!"

Slorma du

Er riß ihre Hand an die Lippen. Küßte ihren Arm. Und mit der Haltung einer schenkenden Siegerin ließ sic es geschehen, währcmd sie mit der anderen Hand leicht über sein Haar strich. Dann aber mahnte sie:

Run ist cs genug, Rolf komm' machen wir es uns gemütlich. Das Mädchen wird gleich den Tee bringen.

Er preßte ihre Hand an sich.

Slorma du hast mir geschrieben

Daß ich mit dir allein am Teetisch plaudern möchte, ja", sagte sie lächelnd.Wir werden uns gewiß manches zu sagen haben. Und du wünschest ja immer, eine Stunde lang allein mit mir zu sein. Das ist nun die Belohnung für diesen Erfolg."

Slorma nichts weiter?"

Pst! Immer nod> so ungeduldig? Hübsch ruhig bleiben, Stoff. Sonst - erzähl' ich dir nichts."

Was willst du erzählen, Slorma? Sprich doch sprich. Ich hörte"

Du kannst noch nichts gehört haben. Denn erst gestern - aber still. Ditte da nimm Platz, in dem Sessel. Und nun rühr' dich nicht"

O ja, sie verstand, kokett, reizend, liebenswürdig zu sein, wenn sie es für gut hielt.

Run zog sie die Vorhänge vor die Fenster. Drehte das elektrische Licht an. Drückte auf den Klingclknops.

Das Mädchen erschien und schob den Teewagen herein.

Und bann saßen sie beide an dem kleinen runden Tisch einander gegenüber, jedes in die schwellende Weichheit eines Sessels gedrückt, imb Slorma goß den Tee in die Schalen.

Die feinen Tassen klirrten ein wenig.

Rolf wie war dir zumute, als die Jury dir das Urteil mitteilte?"

..3ch ich dachte: Run wird Slorma Relson mir gehören."

Sie lachte auf.Das war dein erster (Sebanfe? ilnb flüchtiges Erinnern huschte burch ihren Sinn. War es nicht auch so ähnlich bei Hubert ge­wesen, als mit ihrer Hilfe sein zweites Stück mit fo großem Erfolg aus der Taufe gehoben wurde? Da hatte auch er ausgerufen:Slorma du mußt bei mir bleiben!" Schon in seinem Werk war ihr SBesen gewesen und es hatte ihn nicht losgelassen. Und Rolfs Bild, bas ihm den Ruhm brachte auch ihr Bild war es. Sie hatte ihren Anteil daran.

Und bann Rolf?"

Darm? Dann kam bein Brief. Der machte mich noch glücklicher."

Warum, Rolf?"

Er blickte fie fast zwingend an.

(Fortsetzung folgt.)