Nr. 255 Drittes Blatt
Zreitag, 51. Oktober MO
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
SreiiiralW-etoiro
Vornan von Hans Friedrich.
Urhober-RechtSsä utz durch Verlag Oskar Meister, Werdau t Sa.
19 Fortsetzung. Nachdruck verboten
„Heut is er net zu fehlen. Hauptsache: Zeit nehmen I Langsam von unten herauffahren — und wenn--“ Er brach plötzlich mitten in seinem
Gedankengong ab.
Don der Älm herüber klang ein Juchzer.
Der Edle verhoffte. Als aber alles still blreb. setzte er die unterbrochene Aesung fort. Er stand noch etwas weit ab. Trotzdem hatte Schwaihofer den Schuh gewagt, wenn es erforderlich gewesen wäre.
Ter ©meiner Sepp betete inzwischen ein Vaterunser. das mehr an St. Hubertus, als an den Himmelsvater gerichtet war. Heute oder nie würde der Kapitale zur Strecke gebracht werden. Hoffentlich bewahrte der Herr ruhig Blut!
3a, er bewahrte es, trotz der Aufregung: denn als dec Hirsch mit einmal Witterung von den beiden Lauernden bekam, warf er das mächtige Haupt auf und machte einen Satz vorwärts. Mitten im Sprung erreichte ihn das tödliche Vlei aus Schwaihofers Büchse. Er brach im Feuer zusammen und verendete.
Der glückliche Schütze stand ganz blaß und konnte es last nicht begreifen, dah die Pirsch nun so schnell zu Ende war. Komisch: Erft kriegte er den Hirsch nicht, und Dann lief er ihm ohne alle Sensation ins Feuer, als ob er die Kugel gesucht habe!
Sepp eilte schon mit seinen langen Beinen hinüber zu dem Verendeten.
„Wünsch Glück, Herr Schwaihofer. War dös a Schuh! Wie gezirkelt aufS Blatt!"
Als Dann der 3agdherr das Geweih sah, die starken Stangen mit den wundervollen Rosen- stocken. trotz der frühen Zeit schon gefegt, da kam die stolze Freude des Weidmanns über ihn. Hnb für diese Stunde des Triumphes war sogar das „Dcandl" drunten in der „Post" vergessen.
Don Trude keine Aachricht!
Gutenberg konnte das Verhalten seiner Frau nicht begreifen. Er hatte chr geschrieben und schätzte sie längst im Besitze seines Briefes. Liebe, Sehnen und Mitteilsamkeit hatten ihm die Feder in die Hand gedrückt. Und sie?
Er glaubte sie doch zu kennen. Gewiß, ihr Versprechen, ihn nicht einmal durch ihre Briefe in seiner Abgeschiedenheit zu stören, hielt sie. Aber insgeheim hatte er gehofft, Trude würde sich, gleich ihm, vom Trennungsschmerz überwältigt, einsach über alle hemmenden Grundsätze hinwegsctzen.
Warum antwortete die geliebte Frau nicht? War sie erkrankt?
Dein, über solche 2lköglichkeiten brauchte er sich keine Sorgen zu machen: denn für unvorhergesehene Fälle war Dr. Berger oder die Direktion der „Abendpost" als Vermittler gedacht. Dort kannte man seine jeweilige Adresse und hätte ihn sofort benachrichtigt, wenn er daheim gebraucht worden wäre.
Ohne rechtes Ziel schlug Gutenberg, immer noch in Gedanken versunken und ohne besondere Aufmerksamkeit für die Landschastsceize, den Weg nach Fiegls Gasthaus ein.
Allein. Er vermutete, die Malerin würde heute, nach der anstrengenden Hochpartie von gestern, einen Ruhetag einschalten wollen. 3hn aber trieben persönlich Sorgen hinaus in die urwüchsige Alpenwelt. Es genügte völlig, wenn e r sich die Laune verdarb. Mute, das arme Kind, trug ja selber nicht leicht an ihrem Schicksal. Sie hatte ihm erzählt, dah sie mit gelindem Grauen an die Heimfahrt denke. Der Empfang durch ihre Stiefmutter würde nicht besonders herzlich auefallen. Un& da war der Einsame mit feinen abschweifenden Gedanken wieder bei ihr. dem liebenswerten Mädel. 3n ihrem Künstlertöpschen gärte und schwelte es von Plänen und Projekten. Wie sonst nur ein Mann dachte sie an Studienreisen, künstlerische Reife, Ausstellungen und Kritik. Die kleine Streberin!
3a, wer wie Mute so zielbewuht und entschlossen seinen eigenen Weg ging, der muhte wohl Erfolg haben.
Erfolg...
Heber dieses Wort wäre Heinz Gutenberg beinahe gestolpert. Glühende Röte fuhr ihm jäh ins Gesicht. Herrgott, da war er mit seinen hoch- fliegenden Schaffensplänen bis in Die wildwüchsige Gebirgseinsamkeit geflüchtet, um Studien für ein Werk zu sammeln, das Den Erfolg an sich fetten sollte.
UnD was war bis jetzt geschehen?
Wenn er ehrlich sein wollte: Fast nichts! Vielleicht war das ganze Projekt von Anfang an verfehlt. „Sie müssen Das Leben an Der Quelle auf» suchen und einfangen“, hatte Dr. Berger gesagt. Gutenberg muhte an das Feuer denken, mit dem ihn dieser Plan verzehrte. Wie ein Amokläufer die Waffe, so hatte er diese 3dee aufgegriffen und sich bis zur Entpersönlichung in ihre Dienste gestellt. r o
ilnb heute — nach kaum drei Wochen?
Wie weit war das Feuer niedergebrannt! 3hm grauste vor dem Rest, toeim das letzte Fünkchen Begeisterung in dec Asche ersticken würde. Das Leben — Die Quelle des Lebens — war das nicht in jedem Menschen selbst? Konnte man das Leben außerhalb seiner selbst suchen?
Dr. Berger hatte ihm einmal geraten, an eine Der großen Schiffahrtsgesellschaften zu schreiben.
Handball im Sau Hessen (O. T.)
Iv. Dich Jugend — To. Wetzlar Jugend 1:0.
Am vergangenen Sonntag trafen sich die 3u- gendmannschaften Der beiden Vereine in Wetzlar. Der Ausgang des Spieles war für den Tabellenersten Wetzlar etwas überraschend, Denn Die in Der DorrunDe an letzter Stelle stehende Mannschaft Der Licher konnte als Sieger Den Platz verlassen. Die erste Mannschaft spielte gegen Die erste Mannschaft des Tv. Treis 0:2.
To. Heuchelheim — 2Nlo. Gieheu.
Die HanDbaUmannschaft Des Tv. Heuchelheim kämpft am Sonntag in Gießen im VerbanDsspiel gegen Die zweite Mannschaft Des Mtv. Bei Der jetzigen Spielstärke Dürfte man den Heuchel- Heimern einige Siegesaussichten zusprechen. — Die Äugend Heuchelheims fährt nach Wetzlar und trägt ein Spiel gegen Die 3ugenD des Dortigen Turnvereins aus. Der Ausgang ist offen.
Io. Großen-Vuseck — Tv. Vad-Rauhelm.
Die erste Mannschaft des Turnvereins Grvhen- Buseck hat am «Sonntag einen schweren Gang vor sich. Der Gegner ist DaD-Rauheim in Bad-Rau- heim. Die Mannschaft wird das Spiel nicht aus Die leichte Schulter nehmen Dürfen. Die zweite Mannschaft von Grohen-Buseck empfängt die erste des Tv. Treis. Ob es Den Gästen gelingt, ebenso wie im Vorspiel Den Sieg an sich zu reihen, Dürfte fraglich lein.
Io. (Brofeen-Cinben I — Io. Münchholzhausen I.
Zum fälligen VerbanDsspiel treffen sich Die erste Mannschaft des Tv. Münchholzhausen und die erste Elf Des Tv. Grohen-Linden in Münchholzhausen.
Handball im Lahn-Oünsberg Gau.
Id. Staufenberg 1 — Tv. Daubringeu I 7: 5.
Das Spiel war ein harter Kampf um Den Sieg, welcher nur durch Die Schuhsicherheit Der Staufenberger Stürmerreihe entschieden wurde.
TV. Lollar l — Tv. OHlenborf II 7:1.
Lollar war während des ganzen Spieles mehr oder weniger überlegen und siegte sicher.
Tv. Beuern l — Tv. Albach l 0:2.
Das Spiel wurde von schlechten Bodenverhältnissen beeinflußt. Die erste Spielhälfte verlies torlos. Rach der Pause spielt Der Gast leicht überlegen und kann durch zwei Tore den Sieg sicherstellen.
TV. Hausen Jugend — Tv. Dorlar Jugend 1:1.
Während Hausen vor Der Pause etwas mehr vom Spiel hatte unD in Führung ging, konnte Der Gast in Der zweiten Hälfte durch besseres Spiel Den Ausgleich herbeiführen.
Der kommende Sonntag bringt folgende Paarungen^ 3m ersten Bezirk hat Tv. Launsbach Tv. Ahbach zum Gegner und müßte auf eigenem Platze Sieger bleiben. Die Mannschaft des Tv. Dorlar spielt gegen Tv. Erda in Erda und müßte als sicherer Sieger heimkehren. 3m zweiten Bezirk treffen sich Die ersten Mannschaften des Tv. Londorf und Tvgg. Ruttershausen sowie Tv. Allendorf und Tv. Staufenberg unter jeweiligen Stegesaussichten Der Plahbesiher. Allendorfs H. spielt gegen Londorfs II. bei offenen Aussichten. 3m dritten Bezirk stehen sich Tv. Hausen und Tv. Beuern gegenüber.
3ugendspiele: Tv. Kinzenbach — Tv. Dorlar: Tv. Garbenteich — Tv. Hausen: Tv.
Allendorf — Tv. Lollar, Tv. Kesselbach — Tv. Staufenberg.
Spiele der „Deutschen Zugendkrafi^.
Bezirk wetterau.
Rachdem der Dritte Sonntag spielfrei war. setzte am vierten Sonntag des Oktober der ©tnelbetrieb wieder ein. 3n Der A-Stlalfc fanD nur ein Spiel statt, unD zwar empfing Heldenbergen Die D3K. Wetzlar. Rach ziemlich ausgeglichenem Spiel trennten sich Die beiDen mit Dem Resultat 2:2.
3n Der ll-Klasse stiegen Dagegen Drei Treffen. FrieDberg hatte Gießen zu Gast. FrieDberg rang seinem Gast eine hohe Riederlage ab und siegte mit 7:1. Das zweite Treffen fand in Heldenbergen gegen Ober-Mörlen statt. Mit 2:1 für Ober- Mörlen endete dieses Treffen. Das Spiel Rieder- Mörlen gegen Ober-Wöllstadt endete 3:3.
Die Tabelle Der A-Klasse sieht Die Mannschaften nunmehr in folgender Ordnung: Vilbel, Heldenbergen, Wetzlar, Ober-Wöllstadt, 3lbcn* ftabt 3n Der ll-Klasse: Friedberg, Gießen, Ober-Mörlen. Heldenbergen, Ober-Wöllstadt, Rieder-Mörlen, Rockenberg.
Arbeiter Turn- und Sportbund.
Am kommenden Sonntag hat Gießen Ib die erste Mannschaft Lollars auf dem Trieb zum Gegner. In diesem Spiele darf man den Gästen einen sicheren Sieg zusprechen.
Vorher spielt die zweite Mannschaft des Platzvereins gegen Die erste Hachborn., Auch in diesem Spiele Dürften Die Gäste die besseren sein.
Vormittags steht die Iugendmannschaft Gießens der Jugend von Wetzlar gegenüber.
Auf dem Wiesecker Sportplätze kämpft Wieseck I gegen Burkhardsfelden I, ein Spiel, das Die Einheimischen für sich entscheiden müßten. Vorher messen Wieseck Ib und Heuchelheim in Wieseck die Kräfte. Den Gästen ist ein kleines Plus zuzuschreiben. Vormittags hat Die erste Jugend von Wieseck die Jugend von Rodheim zu Gast.
Oppenrod und Daubringen werden sich in Oppenrod ein gleichwertiges Spiel liefern.
Naunheim Ib und Rodheim I stehen sich in Naunheim bei gleichverteilten Siegesausfichten gegenüber.
Weitere Spiele der II. B e z i r k s k l a s s e : Wetzlar II — Klein-Linden I in Wetzlar; Watzenborn I — Grünberg I in Watzenborn; Fronhausen I gegen Annerod ! in Fronhausen; Sichertshausen I gegen Marburg II in Sichertshausen.
In der Jugendklasse stehen sich Naunheim gegen Wieseck III; Treis — Rödgen; Beuern — Lollar; Staufenberg — Hachborn, jeweils auf dem Platze des zuerstgenannten Vereins gegenüber.
Die Handballschiedsrichter treffen sich zu einem Lehrkursus am Samstag und Sonntag in Gießen. Am Sonntag findet außerdem in Gießen (Turnhalle der Stadtknabenschule) die Herbst- übungs stu nde für Die Dereins-Männerturn- warte statt. Zu gleicher Zeit tagen auch die Gerätekampfrichter, um zu den kommenden Serien» wettkämpfen Stellung zu nehmen.
DFB. unterstützt Bergwerksopfer.
Der Deutsche Fußball-Bund beschloß in seiner Dorstandssitzung in Berlin, auch seinerseits zur Linderung der Rot Der Hinterbliebenen Des großen Grubenunglücks bei Alsdorf beizutragen unD stellte eine Spende in Höhe von 1000 Mark zur
Sp.-Bgg. Fürth in Italien.
Die Fürther Spielvereinigung hat aus Turin eine Einladung erhalten, an einem Weihnachtsturnier, das in Den Tagen vom 25. bis 28. Dezember von FE. Turin und 3uventus Turin veranstaltet wird, teilzunehmen. Aus Der Tschechoslowakei toirD Slama Prag kommen, weitere Verhandlungen schweben mit Adrnira Wien, Dikl. Zjzbw und Hangaria Budapest.
Czepan und Kuzorra gehen nicht nach Wien.
Rach längeren Verhandlungen haben Die beiden Fußball-Internationalen Czepan und Ku» zorra jetzt ihr^n Vertrag mit der Wiener Vienna wieder gelöst und bleiben demzufolge jetzt in Deutschland. Bekanntlich hatte Der DFB. den beiden bereits Spielerlaubnis für Vienna erteilt, die allerdings jetzt gegenstandslos geworden ist.
„Hellas" in Hannover.
Hellas und Wa srrsreunde. die deutschen Spitzenmannschaften im Wasserballspiel, haben ein Zusammentreffen am 11. Januar in Hannover verabredet. Hellas Magdeburg hat alle weiteren Einladungen abschlägig besch'.eden, um alle Kräfte für Förderung des Rachwuchses einsetzen zu können.
Neue deuffche DT.-Schwimmeekorde.
Die am Sonntag in Köln aus getragen en kreisoffenen Schwimmwettkämpfe der Turner wiesen einen recht guten Besuch auf und brachten auch sportlich wertvolle Leistungen. Der Kölner SC. 06 tonnte allein drei neue DT.-Höchstleistungen erzielen. 3n Der Damen-Lagenstaffel über viermal 100 Meter schufen Die Kölner mit 6:17,6 einen neuen RekorD unD blieben Damit beDeutenD unter dem bisherigen von 6:37. Auch in der Herren- Lagenstaffel viermal 100 Meter stellten Die Kölner Die Bestleistung auf 5:09,7 (bisher 5:14,4). Ebenfalls stark verbessert wurde der viermal- 100-Meter- Freistilrekord mit 4:40,8 (bisher 4:51).
Als neue DT.-Höchstleistung wurde Die am 5. Oktober in Darmstadt aufgestellte Staffelbestzeit Der Turng emeinde DarmstaDt mit 2:06 über viermal 50 Meter Kraul anerkannt.
Reitturnier in Boston.
Die Deutschen placiert.
Am Dienstagabend nahm das große internationale Reitturnier in Boston nach einer feierlichen Eröffnung seinen Anfang. Das Erstauftretcn unserer Reileroffizicre, die sich hier mit Vertretern fünf verschiedener Nationen auseinandemusetzen haben, fiel nach der schlechten Ueberfahrt besser aus als man erwarten durfte. In einem Jagdspringen für Dienstpferdc langte es allerdings nicht ganz zum Siege, aber mit den nächsten drei Plätzen haben unsere Reiter Achtungserfolge errungen, die in der gesamten Presse gewürdigt werden; so bezeichnet u. a. „Times" die Deutschen als gefährlichste Rivalen der Amerikaner. Sieger blieb der amerikanische Hauptmann Bradford auf Suzanne vor Fridcricus und KampfgcseU unter Oblt. Momm, während Oblt. Frhr. v. Nagel auf Wotan den vier« kn Platz belegte.
Die deutschen Reiterossiziere konnten auch am zweiten Tage des Bostoner Reitturniers achtbare Plätze belegen, und es ist anzunehmen, daß ihnen im weiteren Verlaus noch dieser oder jener Sieg vergönnt ist. 3n dem schwierigen Jagdspringen, für das sich sieben Pferde für das Stechen qualifiziert hatten, ging der Amerikaner Showme unter Tancroft als Sieger vor Fridericus (Lt. Momm), Roxana (3ohn Warrick) und Derby unter Oblt. Hasse hervor, Der zwei zweite Plätze auf Clan tm Offiziers-Jagdspringen und im Willwood-Hunt- Preis buchen konnte.
DSB.-Tagung in München.
Die Deutsche Sportbehörde hielt am Wochenende in München unter Dem Vorsitz ihres Spori- warts Dr. v. Halt eine Tagung ab, bei der zunächst ein erfreulicher Aufschwung in Der deutschen Leichtathletik festgestellt wurde. Die Vereinbarung betreffs Der gemeinsamen Austragung der Deutschen Meisterschaften zwischen Turnern und Sportlern am 1. und 2. August wurde gebilligt Die Meisterschaften her Frauen wurden für Magdeburg, die Der Geher für München und endlich die im Waldlauf für Hannover beantragt Der Länderkampf gegen Frankreich findet am 30. August statt, während der Termin gegen England noch nicht feststeht
Oer Sport im Reiche.
Der Sportkalender weist zum Wochenende wieder zahlreiche Veranstaltungen auf. Schon am Freitag kommen anläßlich des Reformationsfestes in Sachsen zahlreiche Repräsentativspiele zum Austrag. Am Samstag (Allerheiligen) finden in Süd- und Westdeutschland ebenfalls einige sportliche Veranstaltungen statt und auch für den Sonntag ist noch ein reichhaltiges Programm vorgesehen. Der Jahreszeit entsprechend treten jetzt Die Mannschaftskämpfe in Den Vordergrund.
3m Fußb all überragt der fünfte Länderkampf Deutschland gegen Norwegen in Breslau alle weiteren Spiele des Tages. Die Riederlage gegen Dänemark und Rorwegens Sieg über unseren letzten nordischen Gegner hat Die öffentliche Meinung stark beeinflußt. Trotzdem wagen wir einen fünften Erfolg, wenn auch mit einem sehr knappen Ergebnis, vorauszusagen. 3n Zürich treten sich zur gleichen Zeit die Schweiz unD Holland im Länderkampf gegenüber. — 3m Handball beginnt mit drei Spielen Die Vor- runDe um Den DSB.-Pokal. Es stehen sich Die Auswahlmannschaften von West- und Rord- deutschland in Mülheim (Ruhr), Brandenburg unD Süddeutschland in Berlin, Mittel- und Süd- ostdeutschland in Dresden gegenüber. Die Paarun
gen sind sehr ausgeglichen und daher Spielverlängerungen zu erwarten. — 3m Hockey wird mit zwei Spielen die Silberschild-Dorrunde beendet. Berlin, her Verteidiger Der wertvollen Trophäe, tritt in Dresden gegen Mitteldeutschland an, während Rord- und Süddeutschland ihr Spiel in Hannover austragen. — Bei den Turnern sind von den Veranstaltungen des Sonntags das sechste reichsoffene Stettiner Kunstturnen und Die Schwimmfeste in Barmen, Halle und Der Turnerjugend in Charlottenburg hervor- zuheben. — 3m Schwimmen interessieren von den DSV.-Deranstaltungen Die nationalen Wettkämpfe von Delphin Berlin unD Die Wasserballturniere in MagDeburg und in Mühlhausen (Els.)
3m RaDsport kommen im Rahmen der Sportvertreter-Tagung des Bundes Deutscher Radfahrer in Leipzig die Weltmeisterschaften im Zweier-Radballspiel und Die Europa-Meisterschaften im Einer-Kunstfahren zur Durchführung. Bahnrennen veranstaltet am Sonntag nur die Dortmunder Westfalenhalle. Am Samstag kommt im Berliner Sportpalast ein Dreistunden-Mann- schaftsfahren zum Austrag, während in Brüssel ein 25-Stundenrennen gestartet wird. — Weltmeister Möller geht ebenfalls am Samstag in Paris an den Ablauf.
Für eine Gratisüberfahrt nach Amerika sollte er in einem seiner Romane ein wenig Reklame für Die Dampfer Dieser Linie machen. Dieser an sich gute Gedanke scheiterte daran, daß es schon genug Prominente gab, Die ihn sich nutzbar machten. Cs waren schon so viele Autoren unterwegs, die auf Auslandfahrten ihr Erbteil oder das Geld ihrer Frauen „verreisten".
Rechts, tief unten, rauschte die Windach, schäumte in ewiger 3ugend von Stein zu ©tein. Vielleicht mußte man's ihr nachmachen: Unbe- kümmert um den hemmenden Ballast von Grundsätzen und sogenannten Zielen seine Straße ziehen?
Rach dreistündiger Wanderung machte der innerlich Ratlose im eintausendneunhundertfünfundachtzig Meter hoch auf Der Windachalm gelegenen Fiegls Gasthaus Rast. Bei einem Viertel goldhellen Muskateller ließ er seinen Blick durchs Fenster in die Weite schweifen. Rechts wuchsen die bewaldeten Hänge des Brunnenkogels steil aus dem Windachtal empor, links ging es über grüne Matten zum Rebelkogel hinaus, ilnb das Herrlichste bot sich nach Osten im offenen Dreieck des Taleinschnitts: Die Schnee-und Felsenhäupter des Pfaff und Der Schaufelspihe.
„Man müßte noch bis zur Hildesheimer Hütte gehen!" dachte Gutenberg, dessen Eigenart oder Schwäche es war, sich bei seinen Märschen immer etwas zu übernehmen.
Aber Dann machte eins Der überraschenden Talgewitter diesem Gedanken ein Ende. Cs setzte Regen ein, und die fernen Berge hüllten sich hinter graublaue Rebelschleier. Gutenberg fühlte sich in dem blitzsauberen Gastzimmer wie zu Hause, so heimisch und geborgen. Der Gulasch mundete ausgezeichnet, und Der Muskateller erwies sich als richtiger Sorgenbrecher.
Rach zwei Stunden schien die Sonne wieder durchs Fenster auf eine Anzahl fröhlicher hier untergefchlüpster Dergmenschen. ilnb Der junge Dichter war schon so weit in eine tief innerliche, sanfte Heiterkeit hineingeglitten, daß er bei jedem Schluck aus dem Glase Den Kuß Erdmutes auf dem Felsgrate am „Hohen Oed" erneut spürte. Es war der seltsame, heimlich erregende Kuh einer Freundschaft zwischen Mann und Frau, einer Freundschaft, die allen Derdächttgungen zum Trotz über den Geschlechtern stand.
17.
Durch den Wald am Söldener Abhang des Brunnenkogels ging ein Drechen und Knacken von Zweigen unb Aeften, als ob ein Hirsch in wilder Flucht dahinstürmte. 2lber es war kein Hochwild, sondern ein Mensch. Er nahm seinen Weg nicht nach dem markierten Touriftenpsad. Rein, Der Zickzack war ihm zu lang. Senkrecht durch das Holz kam er schneller hinab ins Tal.
3m Dahinhasten mutzte er Trümmerblöck: überspringen, gestürzte Stämme überflcttem. ilnb
mehr als einmal schlugen ihm die Aefte der Zirbelkiefern mit tausend spitzen Radeln ins Gesicht. Was tat es? Der Mann hatte es eilig und kümmerte sich nicht um Die paar Schrammen auf Der Haut.
Weiter unten, dort, too er an Der ersten von Der Windach abgeleiteten Bewässerungsrinne wieder auf den steinigen Pfad stietz, traf er auf eine Dirn, die war so lang wie der 3ohannistag und so Dürr wie eine Wetterfichte.
„Grüh Gott, Herr Schwaihofer", sagte sie. Hnb im Weitersteigen einhaltend: „Da hoam S' mir aber oan Schreck einijagt!"
Der, für den diese Worte bestimmt waren, ließ sich nicht aufhalten. Er war schon einige Meter weiter, als seine Antwort kam: „Mach, daß d' auffi kommst, Sakradeandl! Der Falkner wart' schon aufs Fleisch, das d' ihm bringen sollst, ilnb her Sepp is lang beim Dritten Viertel „Spezial"!"
Da stieg die Miedl kopfschüttelnd weiter.
„3eslas, pressierts bei dem!" Gar zu gern hätte sie mit dem jungen, hübschen Schwaihofer ein Gespräch angefangen. Der gestandene Bursche mit dem verliebten Geschau gefiel ihr. Vielleicht mochte sie der Sepp nicht leiden?
Cie seufzte schwer, lieber den rauhen Weg und über den noch unzugänglicheren Schwaihofer. Und schließlich siegte Die Vernunft in Miedls unkompliziertem Kopf, lieber solchene Sache soll mer sich not giften.
„Verliabte Dirn!" schalt sie sich. „Glabst am End gar. der Schwaihofer is für dich g'wachsen?! Sei du froh, daß dich Der Sepp, her 3agertuifl» her malefizische, mag!"
Cs würde wohl immer so bleiben in her Welt: Abler gesellt sich zu Abler, Krvpper zu Kropper. — —
* ♦ ♦
Als Ludwig Schwaihofer kurz vor Mittag im Gasthof eintraf, lief ihm Hansi, das flinke S:r- vtermädchen, in den Weg. Es gab sehr viel zu tun. Weit über hundert Mittagsgäste wollten beköstigt sein. Aus der Küche Drang Bratenhust, klang bas Klirren von Geschirr, das Zischen von heitzer Butter, das Sttmmengewirr des mit Arbeit überlasteten Personals.
„3st Fräulein Hansen schon unten?“ fragte der Münchner.
Der blonde, immer etwas struppige Dubenkopf Hansis, für den in Der Hochsaison keine Zeit zur Pflege blieb, schüttelte ein Rein.
„Dem Fräulein ist's net gut. Es liegt Droben .im Kammerle."
Ehe Schwaihofer eine weitere Frage stellen konnte, war Hansi schon mit einem hohen Stotz übereinandergeschichteier Teller im Speisesaal verschwunden.
(Fortsetzung folgt.)


