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Nr. 202 Erstes Blatt IL>
180. Jahrgang
Samstag, 50. August 1950
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JerneueSandetsvertWmitIinnllinbnnterzeichnel Beseitigung der Zollbindungen für Molkereiprodukte. — Ein Erfolg Gchieles.
----1 g in der Wirtschaft und 3 p o 111 i f. Was die Reichsregierung Öicformprogramm, dos für Wirtschaft
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Aus dem Sommuniqud geht hervor, bafj es sich bei den Vereinbarungen nur um eine bedingte Kündigung handelt, die nur dann wirksam werden und einen vertragslosen Zustand her- beiführen würde, wenn das neue Abkommen innerhalb der dreimonatigen Kündigungsfrist dcS alten Vertrages nicht ratifiziert würde. Dieser Fall wird in unterrichteten Kreisen für sehr unwahrs.cheinlich gehalten, vielmehr rechnet man damit, daß beide Parlamente sich hinter das neue Abkommen stellen. Dann werden also der alte Vertrag und das Zusatzabkommen einfach automatisch fallen. Die Mission dcS deutschen älnterhändlers Dr. Ritter hat demnach den Erfolg gehabt, bah das Handclsvcrtragsver- hällniS zwischen Deut chlanb und Finnland durch eine freundschaftliche Vereinbarung geändert wird. Die Krittk Wetter Kreise der deutschen Oesfentlichkeit an dem alten Abkommen richtete sich einmal gegen bie langeDauer, die fünf Jahre unb für eine einzelne wichtig« Position, nämlich für Butter, sogar sieben Jahre betrug unb bagegen, bah bie Zollsätze für Butter unb Käse auf diese lange Zeit hinaus nicht ge* ändert werden konnten. Diese langfristige Bindung ist beseitigt und für die Zollkontvngente gilt der autonome Satz. 3n politischen Kreisen wird diese Regelung ouherordentlich begrübt, zumal sie ohne eine Trübung unseres freundschaftlichen Verhältnisses zu Finnland erreicht wurde. Die von Reichsernährungsminister Schiele im Kabinett vertretene Handelspolitik hat zweifellos einen groben Erfolg erzielt, die der deutschen Landwirtschaft zugute kommen wird. Es h<tt sich gezeigt, dah die Politik deS HineingehenS in bie Verantwortung erhebliche Früchte tragen kann, wenn sie mit zäher Energie verfolgt wirb. i
nach jroel Jahren sechs Monaten nicht gekundigH wirb. Jür käse ist ein GefamtkonUngent von 2500 Tonnen gewährt worben zu den in bem früheren vertrag vereinbarten Zollsätzen. Daneben sind drei Zollermählgungen gewährt worben, bie sich auf Waren von begrenztem Interesse beziehen, nämlich für Renntierfleifd), für rohe Spulen sLrmähigung von 6 auf 5 Warf) unb für Sperrholz au» Birkenholz (Ermäßigung von 8 auf 7,50 Warf).
erfenmmg weltanschaulicher Unterschiede unb Grenzen Brücken zu schlagen zu der groben staatsbürgerlichen Front aller derer, die ehr-
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Chefredakteur
Dr. Frredr. Wilh. Lang«. Derantwonlich für Doluifc Dr. Fr. Wilh. Canae; für Feuilleton Dr H.Thyriot; für ben Übrigen Teil Ernst Blumschein unb für ben Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Bietzen
helsingf ors. 29. Aug. (MTV.) 3n ben beutfch-sinnischen hanbelvoerlragsoerhanblungen ist eine (Einigung m l l ber finnifdjen Regierung zustande gefommen. Das neue han - belsabfommen würbe heute nacht unterzeichnet. Das politisch Wichtige unb für bie canbwirtschast Wesentliche ist. bas, b i e 3 o 11 b I n - düngen für Butter, ftäfe unb Oleo- Wargarine beseitigt werben fonnlen, ohne dah es barüber zu einem Bruch mit Jinnlanb gefommen ist. Es ist jetzt sichergestellt, bah spätesten» am 29. November 1930 bie Vutterzollbinbung wegfällt. b. h. bah ber autonome B u He t) o l ( von 50 Warf in Kraft tritt. Fall» bie neuen Vereinbarungen schon früher ratifiziert werben, tritt ber 50-Warf-Zoll schon früher in Kraft. Ebenso wie bei Butter erhält Deutschlonb auch bezüglich be» Zolles für Oleo-Wargarine freie Hand, ba auch dieser Zoll nur gegenüber Jinnlanb gebunden war. Bei käse dagegen liegen befannllidj noch Zollbin- düngen in Verträgen mit anderen Ländern vor, so dah sich am Käsezoll durch ben Wegfall ber Binbung gegenüber Jinnlanb unmittelbar nicht» änbert
Die neue Vereinbarung bebarf ber Ratifizierung. Um bas Inkrafttreten bes Butterzolls von 50 Warf unter allen Umflänben sicherzustellen, hat die beutsche Regierung im Rahmen ber mit Jinn- lanb getroffenen Vereinbarungen bie bebingte Kündigung bei Handelsabkommens von 1926 ausgesprochen. Die Kündigungsfrist läuft bis zum 29. November 1930. Die Kündigung wird unwirksam, wenn das neue Abkommen vorher ratifiziert wird. Das neue Abkommen ist nach zwei Jahren unb sechs Wonaten mit sechs Wonafen Frist fünbbar.
Die wesentliche Gegenleistung für ben Verzicht Finnlands auf bie genannten Zolldinbungen besteht in ber Gewährung eine» Butterkontingents von 5000 Tonnen zu dem gegenwärtigen autonomen Zollsatz von 50 Warf. Dieser Zollsatz würbe sich für das Kontingent später auf 40 Warf ermäßigen, wenn bas neue Wommen
pen staatsbürgerlichen Front aller derer, die ehr- I unb des Aufbaus begonnen, das, wenn auch im lich mit arbeiten wollen im Staat und am Staat. 1 einzelnen gewiß noch lückenhaft und ergänzungs-
bebürftig, doch die entschlossene Abkehr von den bisherigen Methoben einer uferlosen Ausgabenwirt. schäft unb des Versackenlassens aller notwendigen verfassungsrechtlichen, verwallungs- unb sozialpolitischen Reformen bedeutet. Das Kabinett ist nicht bei 'Versprechungen unb programmatischen Erklärungen tehengeblieben. Es hat in hartnäckiger, zäher Arbeit ich an die Bewältigung der durch bie schwere Wirt- chaslskrisis verdoppelten Schwierigkeiten gemacht, die seinem Reformwerk entgegenstehen. Für dessen Weiterführung bedarf es aber der Mitarbeit eines hierzu willigen und fähigen Reichstags. Sollte es der durch ihre Stimmabgabe am 14. oeptember zur Mitwirkung aufgeforberten Jugend nicht lohnender erscheinen. Hand in Hand mit bem Kabinett ber Frontgeneration Hindenburgs Rettungspro- gramm zur Durchführung zu verhelfen, als durch Stärkung ber rabikalen Flügel bem Reichspräsidenten unb seinem Kabinett bas mühsam begonnene Werk aus ber Hanb zu schlagen unb ben Staat in neue schwere Wirren zu stürzen, ben Staat, der auch i h r Staat, ihre Zukunft ist?
Richt sobald wieder wird sich der Jugend eine so günstige politische Konstellation bieten, den Staat zu erobern unb im politischen Leben ben Einfluß Zu gewinnen, ben wir ber jungen Generation im Interesse bes Dolksganzen wünschen. 2lber bas kann ber Iugenb nur gelingen, wenn sie ihre ganze Kraft ber aufbauenben ftaatsbürger- l,ichen Arbeit zur Verfügung stellt, statt in einem bei aller Anerkennung bes in ihm wirkenden Idealismus doch zur politischen Unfruchtbarkeit Der- urteilten Radikalismus steckenzubleiben ober gleichgültig abseitszustehen. Don bem gesunden, allem Echten und Fruchttragenden aufgeschlossenen Sinn unserer deutschen Jugend wird man erwarten dürren, daß sie am 14. September bie rechte Ent- scheidung trifft
und Finanzen durchführbar fei unb auf eine Reihe von Jahren gesetzgeberisch veran- tert werden müsse. Der Kanzler betonte zum Schluß seiner mit starkem Beifall aufgenommenen Rede, die Planmäßigkeit in die Gesamtpolitik zu bringen, fei das Ziel, für das bie Reichsregierung im neuen Reichstag kämpfen werbe.
„Die Sendung des Landvolks".
Eine programmatische Rede Gcreked.
Pritzwalk, 29. Aug. (TL1.) Auf einer großen Landvolkkundgebung eröffnete der stellvertretende Vorsitzende der Landvolkpartei Dr. ®e- reke den Wahlkampf mit einer für die Partei programmatischen Rede, in der er u. a. auS- führte:
Die Sammlung des Landvolks mußte angesichts der Zersetzung der alten Parteien auf berufsständischer Grundlage erfolgen, weil die Rot aus dem Lande immer höher stieg und die Abneigung gegen die vorhandenen Parteien Formen annahm, die befürchten liehen, daß das Landvolk überhaupt nicht mehr au politischer Arbeit gebracht werden könnte. Erst als die Landwirtschaft sich vor dem Zusammenbruch befand, ist versucht worden, das Regierungssteuer herumzuwerfen. Der Regierung Brüning-
nalen Rot, die sich nur verschieden auswirkt. Es ist keine Frage, daß wir au« dem Zeit es de« hemmungslosen Kapitalismus herau-mui'en. Auch der freie Bauer kämpft ihm gegenüber auf seiner Scholle für bie Freiheit unb bic Anerkennung ber produktiven Kräfte, die aus sittlicher Verpflichtung tätig sind. Der Bauer ist deshalb, well er um eine gerechte Entlohnung seiner Arbeit kämpfen muß. der natürliche Bundesgenosse aller produktiv schaffenden Kräfte in Deutschland. Ohne ein geeintes Landvolk, ohne eine akttonsfähige Rech.e kann bet innere Wiederaufbau nicht erfolgen. Ohne geordnete Verhältnisse im Innern kann auch fein erfolgreicher Kampf gegen das Versailler Diktat unb die Tributlasten geführt werben.
Reichskanzler Or. Brüning in München.
Staatsbesuch bei der bayrischen Regierung. — Eine Wahlrede des Reichskanzlers
über die Senkung der Preise in die Wege geleitet worden. Don besonderer Wichtigkeit seien bie Arbeiten über bie endgültige Finanz- r e f o r m. Mit aller Tatkraft werbe die Reichsregierung auch in Zukunft an ber Ausstellung eine» 2Irbeltsbe|d)affungsprogramm6 fest- halten. Alles müsse jetzt auf bas Ziel eingestellt werben: Orbnun
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Zugend im Wahlkampf.
Mehr als eine Million Jungwähler rücken am 14. September in die Reihen der Wahl- berechtigten Da wird es begreiflich, dah Schlagworte vom „Recht ber jungen Generation" oder Forderungen Die Jugend an die Front" in Wahlversammlungen und Wahlaufrufen aller Parteien zum belicbtelten Rüstzeug im Werbe- feldzug um die Stimme des Wählers wurden, auch im Munde mancher, die bis dato jeden Ginbruch der jüngeren Generation in die dreimal geheiligten Gefilde der Politik energisch abzuwehrcn gesucht haben. Aber nun gibt eS niemanden, der nicht gerne die Reihen seiner Partei auS dem großen Stimmreservoir der Jungwähler aufgefullt hätte und ihnen nicht willig alte Zusagen wiederholt und neue Versprechungen macht. „Wenn ihr uns stark macht, wenn ihr unsere Partei an die Macht bringt, dann wird alle- ganz ander-." Hat die Jugend diese Lockruse nicht schon zu oft gehört und ist sie nicht zu oft schon bitter enttäuscht worden. alS daß man ihr daS mißtrauische Zu- warten verübeln könnte? Sv wuchs der Wall von Mißtrauen und Argwohn zwischen der Jugend und den politischen Parteien, seitdem die Frontgeneration, die Jugend des Weltkrieges, sich mit wenigen Ausnahmen von der Politik abgewandt hatte, enttäuscht über die Verzettelung der staat-politischen Kräfte, angewidert von dem kleinlichen Parteiaezänk, ohne Verständnis für die Rauferei um die Futterkrippe, für Klüngel- wirtschatt und Interessentenkampf. Die Front- gencration, an deren Sclbstentäuherung und Pslichtbewußtfein, Verantwortungsgefühl und idealer Hingabe für das Ganze im Schützengraben, in Flugzeug und U-Boot die höchsten An- forderungen gestellt worden waren, suchte nach einem großen Ziel für ihre Mitarbeit am neuen Staate. Der Ziele waren genug: die Befreiung unb Sicherung nach außen, der Aufbau und Ausbau im Innern, Ausgaben, die bie Kraft einer Generation zu überschreiten drohten. Aber in dem furchtbaren Daseinskampf der Infla- tionSjahre, in den schweren und blutigen Auseinandersetzungen um die Macht im Staate, um die Gestaltung diese- Staates, ist auch viel junge Kraft unnütz vertan, ist manch wertvoller junger Mensch, irregeleitet und mißbraucht, ber großen Aufbauarbeit verlorengegangen. Mühsam und reich an persönlichen Entbehrungen, an Verzicht auf große, sichtbare Erfolge, am Zurückstellen alter, heißgeliebter Ideale war der Weg auS dem Dornengestrüpp dieser Zeit biS zu einem ersten Ausblick auf daS Dämmern einer freieren Zukunft. ES mag begreiflich erscheinen, daß dem ungeduldigen Temperament, dem vorwärtsdrängenden AktivismuS der Jugend, die Zeit zu lang wurde, daß sie bei hochgespannten Erwartungen und weitgesteckten Zielen, die Mühsal des Weges nicht sah, den zermürbenden Kleinkrieg um die Erhaltung des Reiches, um die Wiedergewinnung unserer Freiheit nach außen — der ja noch heute keineswegs abgeschlossen ist — allzu gering achtete, das in harter Zähigkeit und unter großem, persönlichem Mut Erreichte unterschätzte.
Vielleicht ist es die Tragik dieser Zeit, daß die Srontgeneralion, bic hier hätte Mittler sein können und Führer der Jüngeren zur Mitarbeit an den großen politischen Aufgaben der Gegenwart, sich ihrerseits mit wenigen Ausnahmen als unbequem und allzu romantisch verstiegen im politischen Leben, beiscitegefchoben und übergangen fühlte. Häufig zwang sie auch der Ausbau einer neuen Eristenz, ber Kampf um die nackte Selbstbehauptung unter den tausendfältig schwierigeren Wirtschaftsverhältnissen ber ersten RachkricgSjahre. aus die Mitarbeit an idealen Aufgaben polittscher Erziehung zu vernichten. Gs sind gewiß nicht die Schlechtesten, die in diesen Jahren geschwiegen haben, oft auch aus dem ©ebanlen heraus, dah ihre Stunde erst gekommen sein werde, wenn der neue Staat sich konsolidiert, das Ehaos sich entwirrt habe. Aber die politische Entwicklung brachte eine wachsende Hinwendung der Jugend zu radikalen Strömungen rechts und links, und dazwischen einen Wirrwarr von in doktrinärem Formalismus und bureaukratischer Enge erstarrter Parteien, die mehr alS einmal im Lause des letzten Jahrzehnts mit Hilfe eines falschverstandenen und umgebogenen parlamentarischen System- den Staatsapparat lahmzulcgen und eine fruchttragende Arbeit der Regierung zu hindern drohten. Starke Persönlichkeiten wie Luther und Strclc- maim haben ihre besten Kräfte daransehen müssen, um diese Schwierigkeiten unter unsäglicher Mühe zu überwinden, damit sie ihre eigentliche Aufgabe bewältigen konnten. Aber nur den wenigsten ist dies gelungen, unb am Ende dieses Verkalkungsprozesses mußte der Rcichssinanzmi- nister Dietrich die leider nur allzu bercch- tigte Frage stellen, ob ba£ deutsche Volk sich zu einem Staatsvoll durchorbeiten wolle oder m Interessentenhaufen ouseinanderfalle.
. Run endlich dämmert auch den Parteien die Erkenntnis, daß höchste Gefahr im Verzüge ist, daß eine Staatskrisis droht, wenn nicht der bisherigen Entwicklung entschlossen Einhalt geboten wird, ilnb die Blicke richten kich, gewiß heute noch oft nur widerwillig und zögernd aus die Jugend, die in allen Parteien, sehr . unmißverständlich und nun nicht mehr länger zu überhören, an die Pforten klopft. Diesmal laßt sie sich nicht mit leeren Versprechungen und Wechseln auf die Zukunst abspeiken Sie hat gelernt aus den Erfahrungen der letzten Jahve. Sie fordert Mitbestimmungsrecht unb
Der Reichsinnenminister Dr. Wirth hat in seiner großen Rede am Bersassungstage einen eindrucksvollen Appell an die Jugend gerichtet. Er sagte: „Ihr jungen deutschen Männer und Frauen, stellt euch nicht abseits, macht ben kommenden Reichstag nicht arbeitsunfähig mit Eurem Haß, mit eurem Radikalismus. Ihr selbst würdet keinen Gewinn davon haben, noch weniger das deutsche Volk. Das Gebäude der deutschen Demokratie ist für alle da, alle haben Raum, die guten Willens sind. Unb wo bie Eingangstore noch verschlossen scheinen ober allzu schwer beweglich sinb, wo man sie öffnen möchte, ba ist nach,uhelsen. Aber s e i b babei, benn wir müssen endlich ein Volk, ein politisches Volk werben." — Die beutsche Republik hat in früheren Zeiten nicht immer so kluge unb warmherzige Worte für bie Jugend gefunden. Gewiß neigt die Jugend zu Extremen, aber man bat sich nicht gerade in Duldsamkeit und politischer Klugheit überboten, die Jugend für den neuen Staat zu gewinnen. Allzuoft sahen die Eingangstore ber jungen Republik einem kaubinischen Joch verteufelt ähnlich. Ist es so unbegreiflich, daß sich die Jugend, die bei Regierungen unb Parteien kein Verständnis für ihre eigensten Sorgen und Röte fand, sich dem Radikalismus in die Arme warf, der ihren überschüssigen Kräften Betätigung versprach? Liebe läßt sich nun einmal nicht zwingen, auch bie Liebe-zum Staate nicht, bas hat man auch einzusehen gelernt unb manches scheint bester zu werden.
Die vom Reichspräsidenten von Hin- benburg zur Durchführung feines großen Reformprogramms berufene Reichsregierung firmiert mit Recht als baser ft e KabinettderFront- generativ n. Reichskanzler Dr. Brüning hat mit seinen Mitarbeitern ein Werk ber Sanierung
Mitarbeit am Ausbau des Staates, der einmal ihre Zukunft werden soll. Unb sie wird nur der Partei ihre Stimme geben und dem Führer folgen, die ihr ein Ziel zu zeigen vermögen, das ihren Idealen entspricht. Richt zuletzt ist es dieses Dorwärtsdrangen, dieser Ansturm ber Jugend, der schon im ersten Anlauf die erfreuliche Auflockerung unseres Parteiwesens zeitigte. Don rechts her bis weit hinein in das linke bürgerliche Lager sahen wir den Zerfall aller Parteien, die Entstehung neuer Gebilde auf weltanschaulicher Grundlage, die Zusammenfassung berufsständischer Gruppen und über allen die starke, namentlich von der Jugend vorge- tragcnc Bewegung zur Sammlung der staatsbürgerlichen Kräfte. In ungeahntem Tempo drängt die Entwicklung zu einer Umgruppierung unseres Parteiwesens und gleich- fleitig zu einer Auslockerung und Verjüngung innerhalb der Parteien nach neuen Gesichtspunkten. Und wenn es der Jugend ttotzdem nicht schnell genug geht, wenn sie sich wiederum enttäuscht über manches Mißlingen, über manchen Rückfall, über nur scheinbar unterbrochene Entwicklungen, die in der kurzen Zeitspanne noch nicht zum vollen Erfolg ausreifen konnten, abzuwenden droht, fo begeht sie den gleichen, gewiß verzeihlichen, aber verhängnisvollen Fehler, dem sie schon einmal zum Opfer fiel. Derrn in der Gestaltung des Reuen, das im Werden ist, fällt der Jugend nicht zuletzt die schwierige, aber auch dankbare Rolle zu, überlebte Vorurteile überwinden zu Helsen, mit aus der Vergangenheit mühsam m eine neue Zeit herüber geretteten Dogmen aufzuräumen und bei selbstverständlicher An-
München, 29. Aug. (WTD.) Reichskanzler Dr. Brüning traf in Begleitung deS Staatssekretärs in der Reichskanzlei Dr. P ü n - der in München ein. Zu seinem Empfang hatten sich Vertreter der bayerischen Staatsregierung, der Rcichsregierung, der Bayerischen Volkspartei eingesunden. Der Reichskanzler stattete in Begleitung von Staatssekretär Pünder dem päpstlichen Runtius Dasallo di Torre grossa und Kardinalerzbischof Dr. von Faulhaber Besuche ab und begab sich daraus zum bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held, um bei feiner ersten amtlichen Anwesenheit in München der bayerischen Staatiregie- tung einen offiziellen Besuch abzustatten.
Arn Abend sprach der Reichskanzler in einer Wahlversammlung der Bayerischen Volks- Partei über den Sinn der Wahlen. Er erklärte u. o., in diesem Wahlkamps müsse dem deutschen Volke re st los Klarheit und Wahrheit ge- schassen werden. Der neue Reichstag stehe vor der Aufgabe, die Verantwortung zu übernehmen auch bann, wenn es gelte, unpopuläre Maß- nahmen zu treffen. Von weltanschaulichen Ge- sichtspunkten aus müsse im Parlament Politik ge- macht werben. Rotwenbig seien jetzt Reformen, bie ohne außenpolitische Verhandlungen van uns selbst durchgeführt werden konnten. Das Kabinett habe sich nach der Reichstagsauflösung nicht als ein geschastssührendes Kabinett betrachtet, sondern als ein Kabinett, bas unentwegt meiterarbel- ten wolle. So habe es die Frage der Reform des Reichstogswahlrechts in Angriff genommen, ferner feien aussichtsreiche Verhandlungen
bei ber Bayrischen Volkspariei
Schiele - TreviranuS ist eS trotz der radikalen Gegenströmungen gelungen, einen Damm a u f z u r i ch t e n . die bie nationale Wirtschaft vor dem Schlimmsten bewahrte. Jeder objektiv Denkende muß zugeben, daß durch d a s L i n g re i f e n H i n de n b u r g e f ü r die L a n d w irtschaft unb den deutschen Osten und die Maßnahmen der Reichsregierung die Preiskatastrophe für Agrarprodukte auf dem Weltmarkt der deutschen Landwirtschaft fern- gehalten wurde.
Wir kämpfen gegen den MarriSmus nicht deshalb. weil ein großer Teil der Arbeiterschaft sich politisch $u ihm bekannt, fonbern deshalb, weil er staatspolttisch völlig versagt und weil er auhen- und innenpolitisch in die Irre führt. Bauer und Arbeiter leiden gemeinsam unter der nativ-
Sietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhessen
vnick und Verlag: vrühl'fche Univerftlüls-Vuch und Slelnörnderei 8. Lange in Gießen. Schriftleitnng und Seschäftrftelle: Schulfttatze r.


