Samstag, 29. März 1930
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)
Nr. 75 Drittes Blatt
Aus dem Reiche der Frau.
hat be- auf
Kochkunst — ein Stück Kulturgeschichte.
Don S. Obei deck.
entschieden abgeraten werden. Gleichviel, ob eS sich um fettigen oder um trockenen Teint handelt.
Zur Reinigung des TeintS hingegen fei von Zeit zu Zeit das heiße Wasser empfohlen. Jedoch muh die Haut dann besonders vorbereitet werden: Ein etwa daumengroßes Quantum Fettcreme wird sanft, ohne zu reiben und ohne zu, zerren, über die GclichtShaut verteilt und darauf gelassen. Run kommt ein Umschlag mit heißem Wasser auf das Gesicht. Zu diesem Zweck wird ein Frottiertuch in heißes Wasser getaucht, aus- gewunden, ausgeschlagen, so daß der Dampf entweicht, und über das Gesicht gebreitet. Die eine Hand hält das Tuch fest, die andere klopfe über dem Tuch Wangen und Stirn mit leichten Schlägen. Run wird das Tuch heruntergenommen, die Fettcreme mit einem Wattebausch lose abgewischt, wobei Schmutz, Staub und die überflüssigen Haut- partikelchen entfernt werden. Das Blut strömt rasch in das Gesicht, die Wangen färben sich rosig, die Haut ist sauber und klar und hat einen matten Schimmer bekommen. Diese Qlrt der Reinigung darf nicht öfter al« alle vier Wochen vorqenommen werden. 21m besten ist es. wenn man sie des Abends ausführt und nach der Behandlung das Gesicht mit einer guten Fettcreme nochmals einfettet. Runzeln und Falten lassen sich auf diese Weise gleichfalls vertreiben. Ferner empfiehlt sich für die Schönheitspflege eine Kompresse um den Hals, natürlich wieder mit heißem Wasser, die etwa alle vierzehn Tage wiederholt werden soll. Da bekanntlich die Haut des Halses oft schon in jüngeren Jahren zum Welkwerden neigt, kann durch die Behandlung mit dem heißen Wasser dieser Alterserscheinung ein Ziel gesetzt werden.
dieser „magenftänbigen“ Auffassung— allerdings meist nur in der poetischen Theorie — abwenden. Das altrömische Kochbuch des Avicius fand seit dem Beginn des 13. Jahrhunderts in Deutschland viele Rachfolger. Das älteste deutsche Kochbuch, das uns bekannt ist. soll so um 1340 entstanden sein und trägt den Titel „CB u ch von der guten Speise". Es ist im Jahre 1844 vom Stuttgarter Literarischen Verein veröffentlicht und gewürdigt worden. Edward Schroder hat im Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde (1900) nachgewiesen. daß der Verfasser der „Äönig vom Odenwalde", ein Koch war, der im Dienst eines geistlichen Herrn zu Würzburg stand. Dieser ..König" im Reiche der Küche zeichnete nicht nur Rezepte für die feinere Küche auf, für Geflügel und Fische. Ragouts, Pfeffer und Sülzen, Soßen und Brühen, Kompotts, süße Speisen, Fladen, Pasteten und son- stige Rachgerichte, sondern wählte für seine lukullischen Mitteilungen nach alter Sitte auch die poetische Form. Es ist schwer zu entscheiden, ob er mehr Dichter-Koch oder Koch-Dichter ge- toefen war: er zählt jedenfalls in seinen Gedichten etwa 20 Arten auf, wie Eier zu bereiten sind, wie man Spanferkel füllt und anrichtet, wie man Kraftbrühe von Hühnern herstellt und Teile der Kuh, des Kalbes, des Schafes, des Schweines und der Gans zu verwenden hat. Der poetische Küchenmeister, der stark gewürzte Speisen liebte, garnierte seine nahrhaften Belehrungen auch mit der Würze des Humors. Seine Vorschrift für .ein gut lecker köstelin" enthält eine Speise, die zusammengesetzt ist aus Stichlingsmagen, Mückenfühen, Dompsaffenzungen und Mousbeinen, fürwahr ein .lecker" Mahl, dem er hinzufügt Jo mach tu (magst du) lange on sorgen leben".
Reben dieses älteste Handbuch sind in den späteren Jahrhunderten eine lange Reihe ähnlicher Kochbücher getreten. So das vom .meister Hannsen des von Wirtenberg koch" im 15. Jahrhundert und im 16. Jahrhundert das .Künstliche und nützliche Kochbuch" von Balthasar S t a i n d l von Dillingen, die .Koch- und Kellermeister ei", gedruckt zu Frankfurt a. M. durch Weigand Han in Der Echnurgassen. Dem kurmainzischen Mundloch Marx Rumpolt blieb es oorbe- halten, em rechtes Meisterwerk mit feinem .Rew Kochbuch" vorn Jahre 1587 zu liefern. Es stellt eine Art Lexikon der Kochkunst dar und betreibt eine unendliche Fülle von Gerichten, wie sie auf deutsche, ungarische, bispanische, Italienische und französische Weise hergestellt wer-
Mit der geistigen Entwicklung eines Volkes und entsprechend seinem Rationalcharakter ml dete sich auch die Kochkunst aus, d. h. die Fertig» keit das Eßbare durch Sieden, Braten usw. schmackhafter und leichter verdaulich zu machen. Sieht man vom Dielesser oder, wie per Volks- mund sagt, .Vielfraß" ab, der allerdings auch eine gute Zunge haben kann, so muß sowohl der Feinschmecker wie der Asket das Augenmerk auf die Beschaffenheit und Wirkung der Rah- rungsstosse richten: der eine, um feinen Gaumen zu befriedigen, der andere, um sein Geben zu erhalten. Das haben schon in alter Zeit, besonders bei den Griechen, Aerzte und Ratur» forscher getan. In der homerischen Zeit herrschte Einfachheit im Essen. Man begnügte sich mit gebratenem Fleisch von Rindern, Schweine^ Schafen, wilden Ziegen und Hirschen, aß Brot und trank Wein mit Wasser gemischt dazu. Mit zunehmendem Reichtum wurden später in Athen die Mahlzeiten üppiger, und die großen Festmähler wurden schon von Kochen hergerichtet. die ehrgeizig genug waren ihre Kunst schriftlich zu verbreiten. Rach dem Sammelwut der .gelehrten Tischgesellschaft" des ägyptisch- griechischen Grammatiker- Athen al o11 (um22« nach Christus), das teilweise erhalten geblieben
den können. Wir erfahren hier, daß man vom Ochsen 83 verschiedene Speisen bereiten kann, vom Kalbe 49, vom Hammel 45, vom Lamm 28, von einer jungen Geiß 34, vom Spanferkel 32, vom Hirschen 37, vom Schwein 43. Außer dem noch heute üblichen Wildbret werden uns Braten und Ragouts angeboten vom Murmeltier. Seehund, Biber, Stachelschwein, Igel und Eichhorn. Unzählige Kochanweisungen werden für Geflügel gegeben, darunter fallen auch Stare. Rachtigallen, Schwalben, Spatzen, Zaunkönige. Krähen, Adler, Schwan und Pfau. An die Fische schließen sich die Frösche, Meergrillen, Schildkröten, Muscheln und viele andere Seetiere. Das Buch enthält ferner 225 Rezepte für Gemüsezubereitung und stellt zur Auswahl 50 Salatarten, 25 Soßen zum Braten und 63 Suppen. Auch Backwerk, Kuchen und Torten, Fleisch- und Fischpasteten, Eingemachtes und Gattoergen sind in schier überwältigender Fülle beschrieben. Daß allerlei Getränke dazu gehören, wußte Meister Rumpolt sehr genau. Er gibt auch ausführliche Anweisungen, wie gewöhnliche Gastereien und ausgedehnte Festschmäuse in fürstlichen, adligen, bürgerlichen und bäuerlichen Häusern zu bestellen sind und sorgte dafür, daß in den Fastenzeiten die Leute nicht hungerten: eine Hungertortur konnte er als Meisterkoch feinen lieben Mitmenschen nicht auferlegen.
Es mag Meister Rumpolt nicht leicht gewesen sein, daneben auch noch die zuträglichen oder schädlichen Folgen der Speisen zu berücksichtigen. Aber er tat es, weil auch in den andern Kochbüchern jener Zeit die hygienischen Zwecke der Speisen stark hervorgehoben wurden und sogar angesehene Aerzte, die für .ein gründliches, gesundes Regiment des Lebens" sorgen wollten, der Kochkunst scharfe Vorschriften machten. So schrieb auch der .wohlerfahrene Johann Stocker, Doktor der Arznei zu Ulm" für einen württembergischen Herzog ein hygienisches Kochbuch. Es fehlen uns jedoch Angaben, ob die ärztlichen Vorschriften eingehalten wurden. Die Menschen haben sich im Laufe der Zeiten wenig geändert, und die Diätvorschriften der Aerzte werden sowohl damals wie heute gern umgangen, nach dem alten Grundsatz .Gut gelebt und selig gestorben, ist dem Teufel die Rechnung verdorben". Es gab aber immer wieder einmal Zeiten, da nicht Meister Rumpolt, sondern Schmalhans Küchenmeister war und Diät zwangsweise eingehalten werden mußte. Davon können wir Gegenwärtigen ein Lied fingen.
Heißes Wasser als Heilmittel
Don Robert Felgens.
.Haben Sie schon einen Platz gefunden?"
„Zu was?" fragt er.
„Nun, zum Bridge..."
,,9d) spiele nicht Bridge", sagte der Graf.
„Ach so. Aber Sie können auch Whist spielen oder Ecarte"...
,Hch spiele weder Whist noch Ecarts", sagt der Graf.
Der Hofinarschall verläßt ihn. denn er hat Wichtigeres zu tun. Die Gäste nehmen an den Tischen Platz, und das Spiel beginnt.
Die Herzogin rauscht auf den einsamen Grafen zu. der sich ins Rauchzimmer zurückgezogen hat. „Mein lieber Graf. Sie haben keinen Platz mehr gesunden?"
..Nein. Hoheit, ich spiele nicht."
„Wie, Sie spielen nicht?"
„Nein, Hoheit, nie gespielt... bebau re unendlich ... in meinem ganzen Geben hab ich keine Karte ungerührt."
Die Herzogin ist starr. „Aber", fragt sie erstaunt, „mit was beschäftigen Sie sich denn, mein lieber Graf?"...
Der Philosoph D r 111 a t - © a D a r i n hat schon vor hundert fahren in seinem rühmten Buch .Physiologie des Geschmacks die Tatsache hingewiesen, daß das Rahrungs- wesen von jeher eine große Rolle un Kulturleben aller Volker spielt. Der Uebergang von ter Rohkost zum Genuß gekochter Speisen gehört zu den Anfängen aller Kultur Und wenn heute die Bewegung der Rohköstler sich in weiten Kreisen durchsetzt, so könnte man das vielleicht als eine Reaktion gegen unsere m vielen Be- ziebungen überspitzte und überfeiner e Zivil - fatlon Berten. Dos Dürfte wohl -mch i-> b-Ich-,. denern Umfange zutrefsen, denn die Erkenntnis ist wach geworden, daß gewisse Erscheinungen unserer Zivilisation aus die Dauer kulturzer- störend wirken müssen. In d« Hauptsache ist aber die Rohkostbcwegung aus die Forschungs- ergebnisse der Rahrungsmittelchemie zuruckzu- führen, die allerdings noch heiß umstritten
wo Mozart oorfpielte auf dem Claoestin. man opferte sogar die Jagd, um Brelan zu spielen, man schmückte und schminkte sich, kleidete sich festlich an, um am Spieltisch die Stunden zu verbringen, oft di? ganze Nacht. In den geistvollen Salons einer Julie de Lespinasse, einer Madame Genlis, einer Marquise du Dessand wurde nie oder nur ausnahmsweise gejeut. Das Spiel brauchten diese geistreichen Frauen nicht... In kritischen politischen Zeiten hat das Spiel meist eine große Rolle gespielt, wie die Wahrsagerinnen, die Horoskope und die Chiromantie. Jetzt beherrscht das Bridge unsere heutigen Salons, es ist aufgekommen in den letzten fünf Jahren, aber es hat in einer erstaunlichen Weise zugenommen. Es ist Mode geworden, viele behaupten, eine Krankheit...
Vor Jahren, als es noch .Höfe" gab, war ein bekannter Gutsbesitzer einmal zur Treibjagd Im Winter beim Herzog von B. geladen. Nach der Jagd versammelte man sich im Schloß zum Abendessen, nachher, im Salon beim Kassee sieht der Gras, daß in den Nebensälen Tische ausgestellt werden. Er wird von dem Hosmarschall gefragt:
Bridge.
Don Liesbet Dill.
Spielen Sie Bridge? ist die erste Frage, die in Enoland an mich gerichtet wird... Bedaure. ich K nicht Bridge... lind ich falle wie in einen und, man interessiert sich nicht mehr für mich...
In einem Hotel in Paris setzten sich Abend für Abend die Gäste nach dem Essen zum Bndae im Salon zusammen. Es war das wundervollste Früh- lingsnxtter, sternenfunkelnder Himmel, die Parks In Blute, dustende Deilchenkorbe an allen Ecken, leuchtende Mimosen, Rioierablumen, Nelken, Reseden und Rosen, die Straßen waren davon bunt. Die Kinos lockten, die Theater waren geöffnet, die Engländerinnen. Amerikaner und Holländer sahen nichts von allem, sie saßen am Spieltisch in dem Dumpfen Salon nach dem Hof. wo der Garton die leeren Austernschalen hinschmiß und in dem die Autos parken, und wenn man aus dem Theater kam, spielten sie immer noch Bridge... Nichts konnte sie von ihrer Beschäftigung ablenken, die sie so ernst nahmen ... Ueberall spielt man jetzt Bridge...
Es gibt Ehepaare, die nur zu diesem Zwecke auf der Welt zu fein scheinen, sie könnens gar nicht ab- warten, bis man den Nachmittagstee getrunken hat, sobald das Teegeschirr fortgeräumt ist, kommen die Karten. Es gibt Bridgetees. Dridgeabende. Bridge- salons Bridgefamilien. Im Nebenzimmer sitzen sie schweigsam, stumm, in ihre Karten vertieft, mit roten Kopsen ost... man kann beim Bridge viel verlieren, so viel, daß man Schulden und Anleihen machen muß, das Spiel hat also seinen Reiz und das Risiko des Verlustes. Es wäre verständlich, daß man In kleinen Städten oder auf dem Land, wo man Zeit hat, sich abends etwas vorzulesen und dem Lautsprecher zuzuhören. Bridge spielt... Aber das ist nicht der Fall. In den großen Städten ist s im Schwung. Alle anderen Zerstreuungen fallen bei einem echten Bridgespieler fort... Ich spiele mit einem Mörder, wenn er gut spielt, hat einmal ein berühmter Tennisspieler gesagt, als man ihn fragte, mit was für einem Abenteurer er denn gestern gelingen habe... Das Sondieren, woher kommt der Gegenspieler, hat er eine gute Kinderstube, einen Namen, ist er berühmt, bekannt, geachtet, beliebt? fällt weg, sobald man sich an den Bridgetisch setzt... Das Spiel ist eine Leidenschaft geworden, eine Beschäftigung, ein Bedürfnis...
Zur Zeit Marie Antoinettes war das Spiel bei Hofe so beliebt, daß die Königin oft die Nächte durch am Spieltisch saß. Der Salon der Prinzessin Guenen6e und der berühmten Diane de Po- (ignac, der die Königin einen großen Teil ihrer Un- beliebtheit verdankte, wäre nicht so anziehend für die Gesellschaft gewesen, wenn man nicht allabendlich gejeut hätte. Ein Spiel, bei dem man Ellbogen an Ellbogen mit der buntgemischtesten Gesellschaft zu- fammensaß. die zweifelhaftesten Elemente der Pariser Gesellschaft hielten oft die Dank... Maria Theresia war sehr unglücklich über diese Leidenschaft ihrer Tochter und daß sogar bei Hofe öffentlich gespielt wurde. Herzog von O r 1 6 a n s , der Gatte der Pfälzerin Liselotte, ein leidenschaft- lidier Spieler, verbot seiner Gattin, sich ihm beim Spiel zu nähern, sonst verlor er... Vermögen wur- den oft an einem Abend verspielt, es galt für „chic , sein Vermögen beim Spiel zu verlieren, was der galante Herzog L a u z u n auch ehrlich tat. Don dem Salon Louis XV. sagt Gonco urt: „Es gab keine Paare mehr, nur Gruppen am Spieltisch . Am ve- liebtesten war das Tric-trac, oder Hazardspiele^ wie Brelan für das schon unter Karl IX. Spielhauser eingerichtet wurden, die sogenannten .-Drelans" wo jedermann mitfpielen konnte. Eme Gesellschaft ift lein Vergnügen mehr „Encore le societe, mais ce n'est le plaisir..Das Spiel ersetzt die Unterhaltung, den Esprit, das Vergnügen, den Flirt, die Tees ä l'anglaise kamen auf, beim Prinzen Eon 11,
Ihr Mann wird Ihnen dankbar sein!
Don Liselotte Hennoch.
Als ein englischer Schriftsteller behauptete, man könne Dem Reicheren eines Mannes ablesen, ob er glücklich verheiratet sei, hatte er bestimmt allerlei Kleinigkeiten im Auge, die das beweisen. Cs sind in der Tat oft unbedeutende Dinge, doch die Ursachen liegen tiefer. Die Hausfrau, die bemüht ist, ihrem Manne das Leben angenehm zu machen, wird es nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch versuchen.
Sie kann damit beginnen, seinen Anzug auf Tadellosigkeit hin zu betrachten. Cheviot wird leicht glänzend, und der Anzug hat dann an Ansehen verloren. Um ihn wieder in einen vorzüglichen Zustand zu versehen, behandele man Die glänzenden Stellen folgendermaßen: Ein Stück von dem gleichen Stoff oder von reinem Seinen wird in kaltem Wasser gut naßgemacht, ausgedrückt und auf die glänzenden Stellen gelegt. Run führe man ein heißes Bügeleisen darüber, wobei das nasse Tuch etwas hochgenommen wird, um den Dampf entweichen zu lassen. Das Tuch darf nicht trocken gebügelt werden, da sonst der Glanz sich nicht verliert.
Der fettige Rockkragen wird durch eine Losung von zehn Teilen Wasser und einem Teil Salmiakgeist gereinigt. Eine saubere Dürste wird in diese Mischung getaucht und der Rockkragen so lange leicht überbürstet, bis das Fett gelost ist. Man darf jedoch nicht sehr reiben, weil sonst die Haare des Gewebes brüchig werden.
Es kommt vor, daß der Mann zu irgendeiner Gelegenheit feinen Zylinderhut braucht, der bereits lange Zeit im Schrank gestanden hat. Obgleich er gut verwahrt schien, ist er rauh geworden, wahrscheinlich hatte er Regentropfen bekommen. Um dem Zylinderhut ein tadelloses
Halsschmerzen sind gleichfalls bis zur Anlunft des Arztes durch heiße Kompressen zu lindern. Heber das feuchte und warme Tuch müssen Billroth- und Flanellbinde gelegt, und der Kranke vor jeder Zugluft geschützt werden. Oft verlieren sich die Halsschmerzen vollkommen.
Daß heißes Wasser aber auch ein Schönheitsmittel ist, wissen die wenigsten. Die Engländerinnen verdanken dem täglichen heißen Bad ihren blühenden Teint. Wird es nicht zu lange ausgedehnt, so wirkt es erfrischend und nicht, wie man häufig annimmt, etwa schwächend.
Die klare Gesichtshaut ohne Pusteln und ohne Mitesser ist das Zeichen einer guten Blutzirkulation und einer regelmäßigen Verdauung. Der Genuß des heißen Wassers — unmittelbar nach den Mahlzeiten — trägt dazu außerordentlich viel bei. Eine Tasse mit heißem Wasser ohne jeden Zusatz ist das beste Medikament, das es auf diesem Gebiete gibt.
Fettansaham Leib und an den Hüften wird durch einen Umschlag mit heißem Wasser auf das erfolgreichste bekämpft. An diesem Schönheitsfehler leiden Frauen und Männer gleichmäßig, und alle Opfer an Zeit und Enthaltsamkeit haben meist nicht den gewünschten Erfolg. Eine Heißwasserkur hingegen wird schon nach einigen Wochen ununterbrochener Anwendung verblüffende Folgen zeitigen. Ein Handtuch, am besten ein Gerstenkorn- oder Frottiertuch, wird mit heißem Wasser übergossen, an den beiden Enden angefaßt (die bleiben trocken) und gründlich ausgewunden. Run wird es um den betreffenden Körperteil gelegt mit einem Billroth und mit einer breiten Flanellbinde, die man fertig kaufen kann, bedeckt. Der Umschlag bleibt über Rächt gut befestigt unter dem Nachthemd oder unter dem Pyjama. Der Schlaf ist ausgezeichnet, und durch die vermehrte Transpiration kann man nach vier bis sechs Wochen bereits eine Abnahme von fünf bis sechs Zentimeter an Umfang feststellen. Dieses Mittel ist der Gesundheit in keiner Weise abträglich. Man hat auch nicht mehr nötig, durch Hungern und Dursten eine ungeheure Energieverschwendung zur Körpergewichtsabnahme aufzuwenden.
2m allgemeinen ist heißes Wasser der Gesichtshaut nicht zuträglich, und von einem täglichen Waschen des Gesichtes mit heißem Wasser soll
Das heiße Bad ist seit hunderten von Jahren den Japanern als Heilmittel gegen plötzlich auf- tretende Schmerzen wohlbekannt. Es wird von ihnen vorbeugend gegen Erkältungen angewandt, sie benützen es als Heilmittel gegen Rheumatis« mus und krampfartige Schmerzerscheinungen. Auch bei uns ist man sich in ärztlichen Kreisen über die gesundheitliche Wirkung des heißen Bades längst im klaren. Diele Aerzte, die ihren Patienten — infolge der wirtschaftlichen Notlage — das Heilbad, die heiße Thermalquelle nicht verordnen können, nehmen zu den regelmäßigen heißen Dädern ihre Zuflucht.
Die Hausfrau wird das heiße Wasser oft lindernd reichen und gute Erfolge erzielen, wenn andere Heilmittel versagen, oder aber, wenn sie schmerzstillende Medikamente nicht bei der Hand hat. ,
Del Kopfschmerzen hilft ein heißes Fußbad, das eine Dauer von etwa fünf Minuten haben soll. Reben die Wanne wird eine Kanne mit kochendem Wasser gestellt, damit die Temperatur des Fußbades durch langsames Hinzu- fügen des heißen Wassers gleichbleiben soll. Unmittelbar danach erfolge ein kräftiges Frottieren der Füße und möglichst eine halbstündige Ruhepause. Auch ein Umschlag auf den Racken erweist sich als wundertätig, wenn ein Frottiertuch in heißes Wasser getaucht und auf den Racken gelegt wird.
Schmerzende Füße, die sich sehr unangenehm bemerkbar machen und den Körper völlig ermüden lassen, können durch eine Behandlung mit heißem Wasser geheilt werden. 3n eine Wanne mit heißem Wasser kommt ein Viertel Liter Essig. Die Lösung wird gut verrührt, die Füße baden des Abends und des Morgens etwa zwei Minuten lang darin, und das Brennen, sowie die Müdigkeitserscheinungen hören auf.
Zahnschmerzen machen, wenn sie sich des Abends plötzlich einstellen, Schlafen unmöglich. Da man den Zahnarzt zur späten Stunde leider nur selten auf suchen kann, muß ein schmerzstillendes Mittel gefunden werden: Eine Serviette wird mehrfach zusammengelegt, in heißes Wasser getaucht und ausgedrückt. So heiß wie möglich wird die feuchte Wärme auf die Wange gelegt. Schon nach kurzer Zeit beruhigen sich die bohrenden und ziehenden Schmerzen, und der Schlaf stellt sich ein.__
ist. muh in den ersten christlichen Jahrhunderten die Kochliteratur der Griechen sehr umfangreich gewesen sein. Unsere heutige fast unübersehbare diätetische Literatur steht also nicht einzig Da. Lassen wir den arg strapazierten Den Akiba ruhig schlafen und stellen einfach fest: die Aerzte der alten Griechen stellten diätetische Vorschrif- ten auf und belehrende Untersuchungen an über die Schädlichkeit oder Rützlichkeit einzelner Nah- rungsmittel, andere schrieben über die Kunst der zweckmäßigen Zubereitung und des wohlfeilen Einkaufs, und die Kochkünstler gaben in Ders und Prosa Anleitungen zur Herstellung kulinarischer Gerichte. Als der berühmteste von ihnen wird Archestratos aus Gela mSudsizilien angesprochen, der um 350 vor Christus lebte und eigens zur Erforschung von Eßsitten und Kochkünsten Reisen in alle damals bekannten Teile der Erde machte. Seine Kenntnisse legte er in dem Gedicht „Wohlbehagen" in Hexametern nieder.
Auch die Römer begannen sehr bescheiden und einfach, entwickelten sich aber zu grandiosen Schlemmern, die den Satirikern reichlichen Stoff zu boshaften Schilderungen gaben. Der Satiriker Petronius schuf in Trimalchio den Typus eines Lebenskünstlers mit großem Magen und weitem Schlunde. Der Kaiser Vitellins soll ein Erzschlemmer gewesen sein, für Rabelais und Fischart war er das Urbild des Freß- riesen Gargantua. Ein im 3. Jahrhundert nach Christus verfaßtes Kochbuch, das griechische und römische Kochkunst zusammenfahte, kann als das Kochbuch aller Kochbücher betrachtet werden, denn aus diesem „Vom Kochen" betitelten Werke haben viele Jahrhunderte hindurch Franzosen. Italiener und Deutsche geschöpft.
2n Deutschland fand man etwas später Geschmack an der feineren Küche. ES wurde hier aber alles Versäumte schnell nachgeholt. Fehlte auch der Sinn für Schlemmereien, so war man doch eifrig bestrebt, neue Rezepte SU erfinden. Nicht nur die Hausfrauen in den wohlhabenden Kreisen sammelten bewährte Kochrezepte, auch Fürstinnen mit ihren Hofdamen beteiligten sich daran und kümmerten sich um die Küche. Die Maaenfrage war ein beliebtes Unterhaltungschema, an dem sich auch gern die Manner beteiligten, Denen man ja schon in alten Zeiten nachsagte, daß bei ihnen die Aebe durch den Magen gehe. Ihre Sorgen um die Küche hatten daher einen ganz vernünftigen Beweggrund, der von den Frauen viel mehr anerkannt wurde und wird als von den Dichtern, die sich von


