Einzelbild herunterladen

Rr. 218 Zweites Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Donnerstag, 27. November (930

Was geschieht mit der Zigarremndustne?

Oie katastrophalen Folgen der neuen Tabaksteuervorlage.

Die deutsche Grönlandexpedition verschollen

am 1. Januar 1931 erst einmal

Routenkarte der bisherigen Grönlandexpeditionen.

kollektion aufnimmt.

lange dieser hängt neue

werden brotlos, bis ein werden Handel

also Wie Teil kann, die

die älebergangszeit dauert, Arbeiter wieder eingestellt davon ab, wie schnell der stark verteuerte Zigarren- und infolge der Nachfrage

^lebergangsmahnahme die Arbeit k e i t zunächst eine weit stärkere sein

Worten noch! l es nur kennen.

selbst ;t für

daß er sich die Kleidungsstücke und daS Fahrrad auf strafbare Weise verschafft hat. Das LandeS- kriminalpolizeiamt Darinstadt ist mit der Unter­suchung beschäftigt.

soll, die Frankreich immer, ja immer ein erschöpftes Land nennen, weil sie aus schlechten und verlogenen Romanen (Schluß folgt.)

Bon links nach rechts: Dr. Sorge, Professor Wegener, Dr. Georgi und Dr. Löw e.

Oer entwichene Spion wieder verhaftet.

WSN. Darmstadt, 26. Aov. Der 30jährige Schreiner Poth aus Berlin, der im Landes­zuchthaus Marienschloh wegen Spionage Strafe verbüßte, entwich am 5. November und konnte jetzt beim lleberfchreiten der deutsch-französischen Grenze bei Zwei­brücken fest genommen werden. Poth, der bei seiner Flucht in Gefangenenkleidung war, trug bei seiner Festnahme Zivilkleidung und hatte ein Herrenfahrrad bei sich. Da Poth bei feiner Festnahme mehrere Dietriche, eine Stahlblech­zange und eine Flickschere besaß, ist anzunehmen,

kommenden Betrieben nur einen Bruchteil ihrer Znventarien ersetzen würden.

Alles in allem werden von den erhofften 81 Millionen Druttomchreinnahme aus der Zigarren» mehrbelastung nach menschlicher Voraussicht in einem Jahr so gut wie nichts übrig­bleiben, da wegen der bereits geschilderten

t9* so

weder aus sich heraus, noch mangels materieller Sicherheiten durch Kredite auf bringen können. Damit wird in einer Industrie, die zu den weni­gen noch mittel st ändlerisch gegliederten gehört, der Mittelstand vernichtet. Wie

daß 35 Millionen nicht annähernd ausveichen werden. Man kann sogar mit einiger Sicherheit annehmen, daß letzten Endes aus der geplanten Mehrbelastung der Zigarrenindustrie ein Minus sür die Ncichssinanzen im ganzen herauskommt. Die Erfahrung, die mit der überhöhten Brannt­weinsteuer gemacht worden sind, sollte eigentlich auch für die Regierung ein warnendes Beispiel sein. Dec voraussichtlich rein fiskalisch-finanzielle Fehlschlag wird aber weit übertroffen durch die in einer Zeit, wie die heutige, besonders schwer­wiegenden Folgen auf dem sozialen und damit schließlich auch auf innerpolitischem Gebiet.

125 Sprachen in Europa.

Dach einer vom Internationalen Linguisti­schen Amt in Genf herausgegebenen Zusammen­stellung über die in Europa bestehenden Sprachen geht hervor, daß nicht weniger als 125 selb­ständige Sprachen in Europa gesprochen werden. Es ist ebenso interessant, daß an der Spitze der europäischen Sprachen die deutsche mar­schiert, die von 81 Millionen Personen gesprochen wird. An zweiter Stelle steht die russische mit über 70 Millionen, an dritter die englische mit 47, an vierter die italienische mit 41 und erst an fünfter die französische mit 39 Millionen Perso­nen. An letzter Stelle erscheint die nordwinische Sprache, die von einem kaum einige Tausend um­fassenden Stamm in Nordruhland gesprochen wird. Ferner stehen mit an letzter die bretonische Sprache in Frankreich, die basische in Spanien und die keltische in Schottland.

Hauch von Paris.

Von Albert H. tausch.

XL Gare du Nord (Nordbahnhof).

Win man wissen, was eine Weltstadt ist, so muß man ihre Bahnhöfe sehen. Die länder- und völkerverbindenden Eisenbahnzüge kommen aus Bahnhöfen, landen in Bahnhöfen, deren Anblick allein genügt, um darzutun, wie sich gerade in der Nuance die ganze ^Interschiedlichkeit von Stäm­men und Rassen dartut. Läßt sich Charing-Croß in London mit dem Hauptbahnhof in Frankfurt vergleichen? Hat der Zentralbahnhof in Basel etwas mit Friedrichstraße in Berlin zu tun? Ter­mini in Rom etwas mit Perrache in Lyon? Cor- navin in Genf etwas mit der Dahnhofssestung in Stuttgart?

Don allen unter sich so verschiedenen Bahnhöfen in Paris hat mich immer der Nord- bahrchos am meisten angezogen.Lyon" ist ge­räumig und luftig, die Züge verlieren sich in seiner Weite. BeiEst" wird es in kurzer Zeit ebenso sein, sobald einmal die Umbauten fertig- gestellt sind.Orsay" wirkt in seiner ^Interirdisch- keit wie ein Gefängnis, aus dem die Züge gegen glücklichere Gefilde losgelassen werden,Lazare" hat trotz seiner Größe provinzialen Cha­rakter. wie es ja auch bei vorherrschendem Nah­verkehr nicht gut anders sein kann.Montpar- nasse" trägt den Stempel der Entlegenheit. Ent­rücktheit.

Nord" dagegen ist von fast drohender Gegen­wärtigkeit.Nord" sagt:

Mir kann keiner entrinnen. Was ist Paris ohne mich? Die Hälfte dessen, was es ist. Ich bin das Aussalltor gegen die Industriegebiete Frankreichs. Englands, Belgiens, Deutschlands. Ich bin die Triumphpforte der unterirdischen Ar­beit. deren Früchte nach Paris einströmen. Ich bin die Kohle: ich bin euer Licht, die Flamme eures Herdes, die Nacht eurer Vergnügungen. Wehe euch, wenn ich nur zwei Tage meine Tore schließe! Ich bringe euch auch die größte Zahl der Fremden, welche ihr Gold in Frankreich lassen. Ich bringe euch Amerika, die liebe rfee. Könnte man die Dollarnoten zählen, die nur in Brief­taschen von Vankees durch meine Bahnsteigsperren in das Weichbild der Stadt getragen würden: es kämen unwahrscheinliche Summen heraus. Könnte

der Konsum nachbestellen kann. In Fachkreisen wird damit gerechnet, daß das nicht einige Wochen, sondern einige Monate dauert, denn am 1. Februar 1931 wirkt sich der Gehalts­abbau für die Beamten, die für die Zigarre ein großes Abnehmerkontingent darstellen, aus und ebenso Lohnherabsetzungen, die entweder schon entschieden sind, oder über die zur Zeit noch ver­handelt wird.

Der Rückschlag für die Zigarrenindustrie wird aber nicht nur in der Uebergangszeit bestehen, sondern zum großen Teil auf die Dauer bleiben. Die Regierung rechnet in der Begrün­dung ihrer Vorlage damit, daß der Zigarren­konsum, der vor dem Kriege 8,3 Milliarden Stück betrug, jetzt nur noch 7 Milliarden Stück, auf die Dauer auf 6,2 Milliarden zurückgehen wird. Diese Annahme ist viel zu optimistisch. Der Durch­schnittspreis wird sich in Zukunft nicht mehr um 13 Pf. herumbewegen, sondern um 17 Pf. (genau 16,7 Pf.) Dividiert man diese unangreifbare Zahl in den sicherlich nicht steigenden Konsum von 900 Millionen, so erhält man nicht, wie die Vor­lage sagt, 6,2 Milliarden Stück, sondern nur 5.3 Milliarden Stück. Dabei ist die Abwanderung zur Zigarette noch nicht einmal berücksichtigt. Das bedeutet, daß rund 35000 Arbei ter auf die Dauer brotlos werden, das bedeutet verhängnisvollste Rückwirkungen auf Hessen, Baden, Westfalen und das Eichsfeld, wo ganze Gebiete von der Zigarrenindustrie ab­hängig sind.

Die Rückwirkungen bestehen aber nicht nur für die Arbeiterschaft, sondern ebenso für die Arbeit­geber. Es ist klar, daß bei dem zu erwartenden icheren Rückgang des Absatzes ein sehr schar- er Konkurrenzkampf einsehen wird. Die- en werden die wenigsten bestehen, da etwa 5000 Mittel- und Kleinbetriebe vorhanden sind. Es muß damit gerechnet werden, daß sie zum größten Teil zum Erliegen kommen, auch schon deswegen, weil sie das notwendige Mehrkapital

Aus der provmzialbauptstadt.

Gießen, den 27. November 1930.

Höri, ihr Herrn ...!

Wir fuhren im Auto durch nachtstille Dörfer. Es war schon nach Mitternacht. Das rich.ige No­vemberwetteri Dec Sturm heulte, und der Regen schlug an die Scheiben unseres Wagens. Wie dunkle Schatten standen die Häuser, hier und da noch ein einzelnes Licht, sonst Finsternis überall. Die Scheinwerfer beleuchteten grell die engen Straßen. Nirgends ein Lebewesen. Doch war da nicht ein Mann aus dem Kreuzungspunkt der Straßen? Er stand da. in einen dicken Mantel gehüllt, ein Hund neben ihm. Mißtrauisch schau­ten beide uns nach.Gin Nachtwächter", sagte mein Begleiter.

Wir fuhren und fuhren, sausten über die glatten Landstraßen dahin, kamen durch andere Dörfer, aber immer noch stand das Bild von dem ein­samen Mann vor meinen Augen: Wie er in Sturm und Wetter, begleitet von seinem treuen Hunde, Wache hält im kleinen Dorf.

Unb meine Gedanken schweiften zurück in die Vergangenheit. Ich sah mich als Kind, von der Mutterhand geführt, heimkehren in der späten Nacht. Auf der Straße war es stichdunkel. Meine Mutter trug eine kleine Leuchte. Da begegnet« er uns zum erstenmal. der Nachtwächter. Ich weiß noch, wie ich mich ängstlich an den Rock der Mutter schmiegte: denn die große dunkle Gestalt mit der Sturmlaterne und dem breiten Hute machte einen starken Eindruck auf mich. Er bot uns guten Abend, blieb bann auf der Drücke stehen und blies die Mitternachtstunde. Ich hatte das noch nie gehört und quälte meine Mutter mit vielen, vielen Fragen. Aber bald darauf muß das Blasen wohl abgeschafft worden sein: denn ich habe in meinem Heimatort den Nachtwächterruf nie wieder vernommen.

Diele Jahre später, um die Jahrhundertwende, war ich mitten im Winter In einem Dorfe deo

OieSuppenrina".

Den Ehrenspitznamen derSuppenlina" hat man Lina Morgen st ern verliehen, einer der Bahn­brecherinnen der Frauenbewegung, die auch auf dem heute so wichtigen Gebiet sozialer Fürsorge Hervorragendes geleistet hat. Dor hundert Jah­ren, am 25. November 1830, geboren, zeigte sie schon früh den Trieb, anderen zu helfen und Not zu lindern, und gründete als l 8jährige in ihrer Heimatstadt denDreslauer Psennigverein zur Ünter stühung armer Schulender." Diese hilfsbereite Organisationsgabe bewies sie ihr ganzes Leben hindurch, auch nachdem sie den aus Rußland stam­menden politischen Flüchtling Theodor Morgen­stern geheiratet, mit ihm nach Berlin gezogen und dort schwere Jahre der eigenen Not durchgemacht hatte. Eie erwarb den Unterhalt ihrer großen Familie durch Kirrderbücher und Märchen, die sie schrieb, und war nicht nur ihren Kindern eine treusorgende Mutter, sondern auch der ganzen ilmtoelt Als beim Ausbruch des Krieges von 1866 Handel und Wandel stockte, die Lebensmittel teuer wurden und Tausende von Familien in Not gerieten, da gründete sie die "Berliner Volks­küchen. Sie faßte den Plan, durch Herstellung von Nahrungsmitteln im großen und durch Aus­gabe zum Selbstkostenpreis der armen Bevölkerung eine gesunde Kost zu erschwinglichen Preisen zu­gänglich zu machen, und sie erließ einen Aufruf an die Mitbürger Berlins", der ihr soviel Unter­stützung brachte, daß sie am 9. Juni 1866 die erste Volksküche eröffnen konnte, der bald mehrere an­dere folgten. Aehnliche Einrichtungen wurden nach

oben schon gesagt, rechnet die Regierung mit einer solcher Entwicklung, denn sie ha! Hersteller, die ihren Betrieb einstellen, eine Ent- schädigung vorgesehen, allerdings mit der völlig unzureichenden Höchstgrenze von 8000 Mark, die praktisch, besonders den mittleren zum Erliegen

auf erdungewohnten Füßen... dasteht und nicht recht begreifen kann, daß das Rasen zu Ende ist: so faßt uns bewundernder Schrecken vor der Ge­walt der Maschine, welche doch nur die metallene Formgebung ungeheurer menschlicher Energien ist. Wer nicht recht weih, was Frankreich ist, gehe an den Nordbahnhof sehe die neuen eisernen Wa­gen der Compagnie du Nord für die Expreß» züge... diese langen, in den Flanken etwas ge­wölbten Wagen erster, zweiter und dritter Klasse (auch diese ist gepolstert! mit den ovalen großen Fenstern: und frage sich, was er den Narren ant-

man die Zahl der Abendtoiletten zählen, die in amerikanischen Koffern in meine Gepäckwagen wandern: man könnte ganze Städte mit ihnen ein- kleiden... Laßt mich wie ich bin. Aendert mich nicht, vergrößert mich nicht, wenn es auch manch­mal toll auf meinen Geleisen zugeht: denn ich vor allen anderen ich mache gerade in meiner Gedrängtheit dem gesättigten Volk begreiflich, daß es die Peripherie braucht, was immer man ihm auch von seiner Selbstgenügsamkeit erzähle. Frank­reich kann sich heute nicht mehr isolieren, auch Paris ist nur eine unter den großen europäischen Städten, und keine mehr, welche der Welt ein Gepräge aufbrüdt. Daß sie ihr eigenes bewahre, nichts ist verständlicher. Daß sie bie Fremden, welche ich ihr bringe, in ihren Zauber banne: wird ihr nur gebankt werben. Aber sie barf nicht ver­gessen, daß der Penbelschlag der Uhren in anberen Ländern bewegter geht... sie barf nicht über­sehen, wasbraußen" geschieht unb sie zur An­teilnahme einlädt. Ich weiß es. meine Schienen wissen es. meine Lokomotiven, meine Gepäck­wagen. meine Züge, welche bie Länber burchrasen."

So spricht ber Norbbahnhof. So hat er viele Male zu mir gesprochen, wenn ich auf seinem Querbahnsteig spazieren ging, bie Ankunft eines Zuges erwartenb... Denn man darf hier nicht auf bie Bahnsteige ber einfahrenden Züge gehen: sie sind au eng. Sie sind gefährlich eng unb düster. Diesem Bahnhof fehlt das Licht. Ich habe nie be­griffen. warum man ihn so unerträglich dunkel läßt. Fürchtet man, daß bei helleren Lampen seine Derbrauchtheit noch sichtbarer wird? Wie ver­braucht. wie abgearbeitet, wie schmutzig er ist ... Warum werden die Papiersehen nicht fortgekehrt? Warum wird ec nicht alle Stunde gesprengt? Er ist und bleibt das große Arbeitstier des Verkehrs, er kennt niemals ein Sonntagskleid und die armen Blumen, die man da und dort um einen eisernen Träger pflanzt, erhöhen nur den Ein­druck der Verwahrlosung... Sie welken rasch in der verrußten Luft auch die schrecklichen Schreie der rangierenden Lokomotiven müssen ihnen weh- tun... Aber einige dieser Riesenungetüme sind von unerhörter Schönheit. Wenn das Fabeltier, das den englischen Luxuszug. dieFleche dor (dengoldenen Pfeil"), ohne Aufenthalt von Ca­lais nach Paris führt, sich endlich vor dem Prell- bock beruhigt, zitternd den Dampf auspufft und den Atem glühenden Oeles verhaucht, auf seinen gewaltigen Rädern dasteht wie ein Schwimmvogel

diesem Muster in vielen anderen Städten ge­schaffen, und in den Kriegsjahren 1870 71 erwei­terte Frau Morgenstern ihr Werk durch die Schaf­fung von Dahnhofsküchen zur Speifung der durch­ziehenden Truppen und Verwundeten. Dieser Ge­danke ist dann im Weltkrieg noch weiter aus­baut worden. Es war für die Frauenbewegung von großer Bedeutung, daß hier eine Frau eine volkswirtschaftliche Einrichtung schuf, die von Frauen selbständig geleitet wurde, und auch das Gefühl der Verpflichtung gegen die Allgemeinheit wurde in ber bürgerlichen Frauenwelt gestärkt. Im Anschluß baran rief sie 1873 ben Haus­frauenverein ins Leben, toibmctc sich ber Kindergarienbewegung, ber Säuglingsfürsorge, ber Erziehung ber weiblichen Iugenb für die Hauswirtschaft unb verfaßte zahlreiche Schriften zur Verbesserung ber Volkeernährung, barunter ihr berühmt geworbenes Kochbuch (Verlag Heinrich Kittinger in Nordhausen). So schuf sie für die berufstätigen Frauen einen Mittelpunkt und arbeitete auch für den internationalen Zu­sammenschluß ber Frauenwelt. Der erste inter­nationale Frauenkongreß in Berlin 1896 wurde von ihr angeregt und geleitet. Als sie am 16. De­zember 1909 starb, stand die von ihr begonnene Arbeit in reicher Blüte, und ihr Wirken lebt heute luxf) fort auf allen den vielfältigen Gebieten sozialer Frauenfürsorge.

Aus Kreisen der Zigarrenindustrie wird uns geschrieben:

Erhöhung von Verbrauchssteuern in Zeiten schlechter oder absinkender Konjunktur, ist an sich schon volkswirtschaftlich falsch und bedeutet zumeist einen Schlag ins Wasser. Die gerade jetzt, wo die wirtschaftlichen Nöte sich von Tag zu Tag steigern, auf dem Papier ausgeklügelten Äettomehreinnahmen von 168 Millionen Mark aus dem Tabakverbrauch in Deutschland, ist ein Musterbeispiel dafür, wie man steuertechnisch nicht verfahren barf. Das brutsche Volk ver­braucht heute für runb 2800 Millionen Mark Tabak, davon 1600 Millionen (57 Prozent) Zi­garetten, 900 Millionen (32 Prozent) Zigarren unb 300 Millionen (11 Prozent) Rauch-, Kau- unb Schnupftabak. Selbst ber größte Optimist wirb nicht glauben, baß dieser Konsum sich in der nächsten Zeit irgendwie steigern wird. Besten­falls wird für die kommenden Jahre mit dem­selben Geldaufwand fettend der Konsu­menten gerechnet werden können. Aber auch das ist schon recht fraglich. Gerade in den letzten Monaten ist bereits, soweit die Zigarre in Frage kommt, eine rückläufige Bewe­gung ganz offensichtlich zii beobachten. Der bisherige Durchschnittspreis von 13 Pf. pro Stück ist bereits auf 12,7 Pfennig zurückge­gangen. Nun wird durch die in Aussicht genommene Zollerhöhung von 80 auf 20 0 Mark für den Doppelzentner Tabak, deren Auswirkung noch durch eine Banderolen­erhöhung um 3 Prozent wesentlich ver­stärkt wird, gerade die schon an sich notleidende Zigarrenindustrie am ft ä r k st e n getroffen. Sollten die Reichsratsbeschlüsse in die Tat um* gesetzt werden, so bedeutet das für die Zigarren- industrie eine radikale Umstellung, da­mit verbunden eine vorübergehende vollständige Stillegung und eine dauernde starke Ein - schränkung der Fabrikation. Welche Aus­wirkungen dadurch nicht nur in finanzieller, sondern auch in sozialer Hinsicht zwangsläufig eintreten, liegt auf der Hand. Die Regierung erwartet aus der Erhöhung für die Zigarren­belastung einen Druttomehrertrag von 81 Mil­lionen Mark. Sie ist sich aber, wie aus der Vorlage hervorgeht, selbst vottkommen darüber im klaren, daß diese 81 Mil­lionen Mark zum weitaus größten Teile seitens des Reiches wieder an anderer Stelle für Ar­beiter-Unterstützungen und Entschä­digungen für stillgelegte Betriebe verausgabt werden müssen. Für die gesamte Tabakindustrie bringt sie dafür 33 Millionen Mark in Ansatz.

Die geplante Erhöhung bedeutet für die Zi­garrenpreise rein rechnerisch, daß sie im Durch­schnitt um 2 8,3 Prozent gesteigert wer­den müssen, ohne die geringste Qualitätsver­besserung. Die 15-Pfennig-Zigarre z. B. müßte auf 19,25 Ps. pro Stück heraufgeseht werden. Da eine solche Preislage praktisch unmöglich ist, würde der Zigarrenpreis bei geringer Quali­tätsverbesserung auf 20 Pfennig erhöht werden müssen. Tatsächlich müssen völlig neue Sorten eingeführt werden. Da atte bisher im Zigarrenhandel befindlichen Zigarren- forten infolgedessen für die Fabrikation am 1. Januar 1931 nicht mehr in Frage kommen, bleibt kein anderer Ausweg, als die gesamten Zigarrenherstellungsbetriebe für den genannten Zeitpunkt still zu legen unb nur soviel Mustermacher zu beschäftigen, wie zur Herstel­lung der neuen Kollektionen notwenbig sind. Etwa 130 000 Arbeiter ber Zigarrenindustrie

§

Dfi

____

Wegener 1923

++ Expeditionsplan 1930/31 o Geplante Winterstationen

^'GRÖN- 4, 0 I , £»+ + + 44 LAND

M -fl'

^7 Sund