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bings erst nach Zähren in vollem Umfange fühlbar machen. Aus diesem Grunde lieh sich nicht vermeiden, dah Hessen seine im vergleich zu ande­ren Ländern unverhältnismäßig niedrigen Gebäu­desteuern denen der Nachbarländer annähert. Es wird damit immer noch unter denen Preußens Zu­rückbleiben, wie überhaupt die ganze Sparaktion schon aus wirtschaftlichen Gründen die gröhte Rück­sicht daraus nimmt, die hessischen Verhältnisse in keinem Falle gegenüber "denen der anderen Länder zu verschlechtern.

Leuschners Boykottrede.

Der hessische Innenminister antwortet ans rvorstellungen des Einzelhandels.

WSR. Darmstadt, 26.OioD. Am 16 No­vember fand in Darmstadt eine Demonstration der Sozialdemokratischen Partei statt, bei der Minister Leuschner die von uns in unserem Ar­tikelGegen das Faustrecht" am Samstag glos­sierten Ausführungen machte, gegen die der Ein­zelhandel protestierte. Der Minister veröffentlicht jetzt eine Antwort, in der es u. a. heißt: Es kann von einer Doykottaufforderung nicht die Rede sein. Meine Rede hatte den Zweck, die an der Demonstration Beteiligten mit Rachdruck vor der faschistischen Gefahr zu warnen und sie zu entschlossenem Kampf gegen die Gewalt- Methoden der Anhänger jener Bewegung auf­zurufen. Ich habe es dabei auch für notwendig gehalten, auf die ja wohl auch Ihnen nicht unbekannte Tatsache einzugehcn, dah ein Teil der Darmstädter Geschäftswelt sich offen zu der Nationalsozialistischen Partei bekennt, ein Hinweis, der mit da­durch veranlaßt war, daß gerade in jenen Tagen ein Rationalsozialist, der in einer hiesigen Zei­tung alsehrsamer Schlossermeister" bezeichnet worden ist, einem Polizeibeamten in D i e n st mit einer bajonettartig hergerichteten Waffe hinterrücks eine schwere Körperver­letzung beigebracht hatte. Dah die sozia­listisch gesinnten Teile der Bürgerschaft in dem mit solchen Methoden speziell auch gegen sie ge­führten Kampf sich mit allen legalen Mitteln zur Wehr sehen, ist selbstverständlich. Sie werden mir auch darin beipflichten müssen, dah es für auf­rechte Anhänger unseres demokratischen Staates geradezu ein Gebot der Selbstachtung ist, in keiner Weise Anhänger einer Bewegung zu unter­stützen, die nicht nur eindeutig auf den gewalt­samen Umsturz des heutigen Staats hinarbeitet, sondern auch sie wnd ihre Führer mit den Me­thoden übelster Verleumdung und schwerster Be­drohung verfolgt. Wenn meine Rede hierüber auch in den Kreisen nationalsozialistischer Ge­schäftsleute Klarheit geschaffen hat, so nehme ich die Mißdeutungen und Entstellungen, die sie in der Öffentlichkeit erfahren hat, gern in Kauf.

Keine allgemeine Tarifsenkung der Reichsbahn.

Die Reichsbahn entschuldigt sich mit ihrer schlechten Finanzlage.

Berlin, 26. Rov. (WTB.) Der Derwal- tungsrat der Deutschen Reichsbahngesellschaft er­örtert« die Frage, wie weit und in welcher Weise die Reichsbahn bei dem Preisabbauprvgramm der Reichsregierung durch Senkung de rTa- r i f e helfen kann. Eine allgemeine Tarif- ermähigung zur Zeit zu genehmigen, sieht sich der Derwaltungsrat nicht in der Lage, da die damit verbundenen Mindereinnahmen da­zu zwingen würden, so scharfe Drosselun­gen bei der notwendigen Beschaf­fung von Schienen und Wagen sowie bei der Ausführung von Bauten vorzunehmen, wie sie weder vom Standpunkt der Betriebs­sicherheit, noch von dem der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit tragbar wären. Die Senkung von einzelnen Tarifen wird schon bisher, soweit es die Finanzlage irgend gestattet, durch Aus­nahmetarife vorgenvnimen, um Produktion und Arbeitsmarkt zu befruchten. In diesem Sinne gab der Derwaltungsrat die Genehmigung, den Kohlentarif für die Ausfuhr und nach Wettbewerbsgebieten zum 1. Dezember wesent­lich herabzusehen. Im übrigen prüft die Haupt­verwaltung zur Zeit die Möglichkeit von Fracht-

Oie Geächteten.

Eine Buchbesprechung.

Aus dem Kreise der akttvistischen Rattona- listen mehren sich die Berichte zur Zeit­geschichte. Sie vervollständigen das Bild einer der dunkelst-n und verworrensten Epochen in der Werdezeit eines neuen Deutschland. C rnstv. Sa­lo m v n macht den Versuch, ganz ehrlich unb ganz offen zu sein*). Er berichtet rückhaltlos, sucht nicht nach Gründen, Entschuldigungen, Bemäntelungen, vertuscht nichts, bereut nichts, aber es wird schwer, die Motive klar zu erkennen, Sinn, Zweck und Ziel, von denen sich diese Aktivisten leiten ließen, die nicht vor Attentaten, vor dem politischen Mord zurückschreckten, um nichts mehr und nichts we­niger, als eines blutigen Fanals willen. Das Volk sollte aus seiner Lethargie aufschrecken und sich einem Kurs entgegenstemmen, der ihrer Mei­nung nach verderblich und falsch war. Ihr Opfer wird ein Mann, dessen große Fähigkeiten, dessen remes Wollen, dessen persönliche Makellosigkeit seinen schlimmstes, unerbittlichsten Feinden rückhaltlose Hochachtung abringen. Aber gerade er muh fallen, weil sie in ihm das Herz jenes Sy­stems sehen, denen ihr Kampf gilt.Wir wollen die Revolution", sagt Kern in der letzten Bespre­chung der Verschwörer vor dem Attentat im Grünewald,wir sind frei von der Belastung von Plan, Methode und System. Darum ist es an den ersten Schritt zu tun, die Bresche zu ,chlagen. Wir müssen abtreten in dem Augenblick, da unsere Aufgabe erfüllt ist. Unsere Aufgabe rst der Anstoß, nicht die Herrschaft. Der Wille zur Verwandlung ... steht als Bejahung des Le­bens tn den Herzen derer, die aufbauen, und derer, die einreißen wollen. In keines Menschen Hand ist die Gestaltung gelegt. Aber jeder ein­zelne kann durch sein Tun die Richtung bestim­men. Ich bin gewohnt, von allen Möglichkeiten die entschiedenste zu ergreifen ... Ich. habe die Absicht, den Mann zu erschießen, der größer ist als alle, die um ihn stehen ... Das Blut dieses Mannes soll unversöhnlich trennen, was auf ewig

*) Ernst von Salomon:Die Geächteten". Ver­lag Ernst Rowohlt K. G. Berlin w 50. Preis geh. 5 Mark. (389).

senkungen bei Waren der unmittel­baren Lebenshaltung, um die Preis­senkungsaktion der Reichsregierung zu stützen. Der Anteil der Fracht, namentlich am Klein­handelspreis bei Waren der unmittelbaren Le­benshaltung, wird freilich immer wieder weit überschätzt.

Die Finanzlage hat sich infolge der Wirtschafts­depression und des Wettbewerbs anderer Ver­kehrsmittel dahin entwickelt, daß für das Jahr 1930 mit einer Mindereinnahme von über700MillionenMark gegenüber dem Vorjahre gerechnet werden muh. Es tritt für dieses Jahre eine Erleichterung dadurch ein, dah

das Reich auf langfristige Forderungen an die Reichsbahn verzichtet hat, und daß ein Vortrag aus den Erträgnissen früherer Jahre zur Ver­fügung steht. Eine Anpassung des gesamten Be­triebsdienstes an den gesunkenen Verkehr und die Drosselung von jetzt notwendigen Sachaus­gaben ist bereits für 1930 bis aufs äußerste durchgeführt. Daraus ergibt sich die Schwierig­keit für das Jahr 1931, in dem einmalige Hilfen wie in diesem Jahre kaum zu erwarten sein werden. Lediglich steht eine Minderaus­gabe von 19 Millionen Mark durch die Senkung des Kohlenpreises als sicher fest, eine Ersparnis, die durch die Minder­

einnahmen aus der erwähnten Kohlentarifermä- ßigung und aus der vermehrten Abwanderung der Kohle auf die Wasserstraßen aufgebraucht wird. Weitere Ersparnisse sind aus der vom Reich beabsichtigten Herabsetzung der Be- amtengehülter zu erwarten, der sich di« Reichsbahn bezüglich ihrer Beamtenschaft an­passen wird. Die Mitglieder des V o r st a n d e s haben dem Verwaltungsrat gegenüber a u f 20 Prozent ihrer gesamten Bezüge verzichtet. Der Verwaltungsrat hat beschlossen, alle Dienstaufwan^sentschädigungen vom 1. Januar 1931 ab um 20 Prozent herab­zusehen.

Der Prozeß gegen die konterrevolutionäre in Moskau.

Das Bekenntnis Ramsins. - Die Znierventtonspläne der Westmächte. - Annexionswünsche der Randstaaten. - Oie Absichten -er Oetindustrie.

Moskau, 26. Rov. (Telegraphenagentur der Sowjet-Anion.) Der Angeklagte Professor Ram­sin erklärte: In Paris im Oktober 1928 begeg­neten ich und Laritscheff in einem Restaurant Denissoff, Robel, Gukassoff, Meschtscherski und Tretjakoff. Denissoff sagte, die Interven­tion würde diesmal gut organisiert sein. Die Hauptstreitkräfte würden P o l e n, R u - mänien und die baltischen Länder lie­fern, außerdem werde man die hunderttausend Mitglieder der ehemaligen Wrangel-Armee heranziehen. Man glaube, dah bei guter Belie­ferung der Armee und rascher Schlagkraft 600- bis 800 000 Mann genügen würden. Die für die In­tervention notwendigen Mittel würden die französische und die englische Re-

Prosessor Wyschinski, ehemals Rektor der Moskauer Universität, führt den Vorsitz im Prozeß gegen die sog. Industrie-Saboteure".

gterung stellen, sodann die Kreise der Oel- industriellen, besonders De terding.

Am nächsten Tage erfolgte meine Zusammen­kunft mit General L u k m o s k i und dem Obersten des französischen Generalstabes I o i n v i l l e. Denissoff teilte mit, daß die eingeleiteten Ver­handlungen mit den an der Verbreitung der Interventton tellnehmenden Ländern auf Hinder­nisse stießen angesichts der Gelüste einzelner Staaten, insbesondere Polens, das das ge­samte ukrainische Gebiet auf dem linken Dnjeprufer verlangte. Der Haupt- organisator der Interventton sei Frankreich, an der Interventionsvorbereitung werde auch England teilnehmen, besonders interessant seien die Gruppe Deterding, die Gruppe Urquhart, Konservative und insbesondere Churchill.

Während sich 1927 England an der Orgamsie- rung und Intervention beteiligte, hat das Inter­esse Englands für die Interventton nach dem englischen Regierungswechsel merklich nachge­lassen. Mitte 1929 kamen aus Frankreich dringlichere Weisungen, eine militärische Organisation zu schaffen, es erfolgte all­mählich die Umwandlung der Industrie- partei in eine Agentur des fran­

zösischen General st abes. Die Industrie­partei und ausländische Kreise rechneten mit großer Sicherheit auf Aufstände und Anruhen unter den Bauern und in der Roten Armee und auf die Möglichkeit, Arbeiterstreiks zu pro­vozieren. Das Jahr 1930 hatten wir u. a. des­halb ausersehen, weil bei den großen Auf­wendungen für den Industrieausbau der Sowjet­union die Ausgaben für die Landesverteidi­gung 1930 geringer waren, als für die folgenden Jahre in Aussicht genommen war.

May wies uns an, alle Maßnahmen ;n treffen, um den Bau der Mililärindustriebetriebe der Sowjetunion auszuhalten und gab dabei an, welche Bauten aufgehalten werden muhten. Unsere Tätigkeit sollte sich in erster Linie im Bereiche der firaftroirtfd)aft abwickeln; denn auf diese weise konnte man gleich eine grohe Anzahl Unternehmen auher Betrieb sehen, ohne ihnen grohe Beschädigungen zuzufügen, so dah sic später wieder rasch in Betrieb gesetzt werden konnten. Zn Aussicht genommen wurde die Zer­störung der Ueberlandzentralen von Moskau, Leningrad und des Donezbeckens.

Im Jahre 1929 wurde der Jndustriepartei wieder- holt mitgeteilt, daß die Organisierung der Interven­tion für 1930 unmöglich sei, und daß sie auf 1931 verletzt werde. Das fernöstliche Abenteuer wurde als Prüfung der Bereitschaft der Sowjetunion zu militärischen Aktionen gewertet. Der Jnteroentions- otan blieb auch für 1931 unverändert und wurde jetzt schon ohne Hoffnungen auf irgendwelche Einzel- aufstände in der Ukraine und im Don-Gebiet weiter- versolgt. Für 1931 wurde mit erheblich geringerer Aktivität Englands, hingegen mit stärkerer Ak­tivität Frankreichs gerechnet, und schließlich sollte 1931 vor der Intervention die Wirtschafts­blockade gegen die Sowjetunion durch­geführt werden. Das Handelsindustriekomitee er­klärte, daß es fest für die U n t e i l b a r k e i t Ruh­la n d s eintrete und daß die Intervention dem Lande nicht irgendwie teuer zu stehen kommen werde. Jedoch frühere Nachrichten von großen Gelüsten Polens und Rumäniens und von Streitigkeiten über die Verteilung der territo­rialen Annexionen hatten auch während der Aus­landsreisen anderer Mitglieder der Jndustriepartei Bestätigung gefunden. Bei dem zweit«n Objekt der Intervention, die kaukasischen Oel- selber, auf die es die Deterding-Gruppe und später Frankreich abgesehen hatten, handelt es sich lediglich um Konzessionen, die frei­lich einer Annexion gleichkämen. Man beabsich­tigte auch, separatistische Tendenzen in der Ukraine und in Georgien aus­zuspielen.

wir erkannten, daß die Zndusiriepartei territo­riale Annexionen nicht werde verhüten können. Deshalb muh ich trotz der Schwere dieses Be­kenntnisses sagen, dah wir. indem wir uns zur Intervention verstanden, auch auf die Auf­teilung des Landes eingingen.

Ramsin schilderte dann ausführlich alle Me­thoden der von den Mitgliedern seiner Organi- sat.on betriebene Schädlingstätigkeit AmSchluise seiner sechsstündigen Aussage sagt^ Ramsin: Ich gebe zu, dah die gesamte Last der Ver-

Generalstaatsanwalt K r y l e n k o vertritt die Anklage gegen die Ingenieurgruppe Ramsin. ]

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antwortung für die verbrecherisch« Tätigkeit der Industriepartei ihrem Zenttalkomitee und vor allem mir als ideo­logischen Leiter der Jndustriepartei und akttvsten Mitarbeiter bei der Vorbereitung der Intervention zufallen muß.

Rach Ramsin legte der angeklagte Ingenieur Laritscheff ein Schuldbekenntnis ab. In einer dreistündigen Rede schilderte Laritscheff die Ent­stehungsgeschichte der Anfang 1926 gegründeten Ingenieur- und Technikerzentrale, die später 1928 in die Industriepartei um­gewandelt wurde. Laritscheff bestätigte alle von Ramsin mitgeteilten Einzelheiten über die Verbindung zwischen dem Handels- und In- dustriekomitce und Agenten der Interventions­mächte. und führte die ursprüngliche Festsetzung der Intervention auf das Jahr 1928 darauf zurück, daß man annahm, der Bruch zwi­schen England und der Sowjetunion werde zur Bildung eines rasch handelnden, festen Antisowjetblocks führen. Die Finanzie­rung der Jndustriepartei wurde nach Laritscheff durch französische Agenten in Moskau in Höhe von etwa einer Million Rubel jährlich vorgenommen. Während seines Aufenthaltes in London im Jahre 1928 überzeugte sich Laritscheff in einer Anterredung mit Oberst Lawrence davon, dah sich englische Industriekreise und die da­malige konservative Regierung der Interventton zu stimmend verhielten.

Ein Siaatskommissar für Erfurt.

Auf Antrag be£ Magistrats hat der Regierungs­präsident in Erfurt auf Grund des § 191 des All­gemeinen Landrechts den Oeberregierungsrat von Loewenstein zum Staatskommissar ernannt. Der Kommissar hat an Stelle der versagenden Stadtver­ordnetenversammlung die Einführung der Bürger ft euer in der Stadt Erfurt für das Rechnungsjahr 1930 beschlossen, da die Finanzlage

getrennt werden muh." In diesen Sätzen Kerns I liegt die politische Weltanschauung der Aktivisten umschlossen. Es ist die Propaganda der Tat, der blinde Fanatismus der Anarchisten und Nihilisten.

Es war nur ein kleiner Kreis von jungen Leuten, der sich um den ehemaligen Kapitänleut­nant Kern sammelte. Unb sie alle kommen aus denselben materiellen und geistigen Röten. Lands­knechte des großen Krieges, heimatlos, ruhelos. Es ist unmöglich für sie, sich in bürgerliche Be­rufe zu finden, irgendwo als Banklehrling, Kauf­mann oder sonst etwas unterzutauchen in der gro­ßen anonymen Masse. Sie können die Waffen nicht niederlegen, kämpfen in Berlin gegen die Spartakisten Liebknechts, schützen im Landjäger­korps Märker die Weimarer Rationalversamm­lung gegen die rote Flut, schlagen sich im Balti­kum mit Bolschewiken, Letten und Engländern herum, stehen im März 1920 den Männern des Kapp-Putfches zur Verfügung (grauenvoll ist die bestialische Ermordung des Hauptmanns Bert­hold, der in Harburg ein Opfer der entmenschten roten Meute wird) und ziehen wieder aus, als es in Oberschlesien gegen die polnischen Auf­ständischen geht. Dann werden aus den Ver­sprengten die Verschwörer, die das unter der französischen Tyrannei leidende Rheinland mit einem Reh von Vertrauensleuten überziehen, durch Sabotageakte die Franzosen nicht zur Ruhe kommen lassen Aus ihnen sondern sich die we­nigen aus, die Kern in sein Vertrauen zieht. Es folgt das Attentat im Grünewald, die Flucht der Mörder durch ganz Deutschland, auf Burg Saaleck vollendet fiep iyre Tragödie. Sa­lomon wird bald darauf in seiner Heimatstadt Frankfurt verhaftet, und nun kommen lange Zucht­bausjahre der Besinnung. Die Schilderung die­ses letzten Kapitels, in das auch dre Episode des Falls Weigelt in Bad-Rauheim und der in Gie­ßen verhandelte Prozeß gegen Salomon hinein- Ipielt, ist das Unerfreulichste an dem Buche. Hebet- heblichkeit, Selbstgerechtigkeit und geistiger Dün­kel sind aus dem Schicksal des Derfassers viel­leicht begreiflich, beeinträchtigen aber die Bedeu­tung seines Buches als ein aufschlußreiches Doku­ment zur Erkenntnis der letzten politischen Ver­gangenheit und ihrer unterirdischen Strömungen.

Wie die Alien sungen . . .

Wie die Alten sungen, so zwitschern schon die Jungen. Die amerikanische Jugend ist von dem Rekordwahnsinn der Erwachsenen unheilbar an- gesteckt, und in diesem Sommer ist eine wahre Seuche unter den Kindern ausgebrochen, die ihre Ferien nicht besser anwenden zu können glauben, als mit dem Erringen vonAus­dauer-Rekorde n". Ueberall im Lande sitzen Jungens und Mädels auf Bäumen, auf Fahnen­stangen und auf Laternenpfählen stunden- und tagelang, um Ruhm und auch klingenden Lohn zu erhalten. Andere treten die Pedale ihrer Räder im endlosen Rundlauf, noch andere zeigen ihre Dauerkünste im Schaukeln und Wippen, im Drachensteigen und Holzfällen, im Tonnenrollen, ja sogar im Austernösfnen und Kuchenessen. Es ist, tote wenn die durch die wirtschaftlichen Rück­schläge der letzten Zeit bekümmerten Gemüter sich aus diese Weise eine Ablenkung verschaffen wollten. Die Seuche begann vor einigen Wochen, als ein Junge sich plötzlich auf einem Daumast häuslich einrichtete und erklärte, er werde picht mehr herunterkommen. Er hielt auch fast zwei Tage aus, und sein Beispiel fand rasche Rach- ahmung. Im Staate Rew Jersey verbringen jetzt allein 48 Schuljungen ihre Ferien in Baum- Wipfeln, um einen Preis zu gewinnen, den eine Firma für Patentnahrung gestiftet hat. Zu Har- risburg in Pennsylvanien verbrachte ein ^jähri­ger Junge bereits 88 Stunden auf einem Daum und will ein Fahrrad erobern, das ihm bei hundertstündigem Aufenthalt wirkt. Er wird von Gruppen anderer Jungens mit Rahrung versorgt, die in regelmäßigen Abständen zu ihm herausklettern. Der Wechsel von einem Baum zum andern ist bei diesen Sitzrekorden verboten. In einem Fall sägte eine wütende Mutter die ihren Jungen nicht herunterbringen konnte, den Daum um, so dah er herunterfiel. Die Mädchen zeichnen sich besonders im Rekord-Wippen aus, und zwei Mädels, eine 12 und eine 14 Jahre alt, wippten in Chicago sieben Stunden lang, bis die Polizei einschritt. In manchen Fällen schlagen die Eltern aus diesen Leistungen der Kinder Kapital und erheben von Bewunderern ein Zuschauergeld. Jedenfalls ist die Sache so weit gediehen, daß dieReuyorker Evening-Post"

die Seuche als einennationalen Skandal" be­zeichnet und fordert, die Eltern sollten lieber an diesen hoffnungsvollen Sprößlingen einenPrü­gelrekord" vollziehen.

Oie unheimliche Kammerjungfer.

In einer Londoner Dorstadt haben die Okkulttsteu wieder ein neues Phänomen entdeckt. Rur mit dem einen Unterschied, daß sonst die entdeckten Phäno­mene sehr stolz über ihre Entdeckung waten, während dieses hier tief betrübt ist. Denn es befürchtet, man werde so viel von ihm sprechen, daß es seine Stellung verlieren könne. Das Phänomen ist nämlich eine Kammerjungfer, an der man eine höchst aparte Eigen­schaft entdeckte: sie ist nicht etwa außergewöhnlich pünktlich oder nicht neugierig, was ja auch schon erwähnenswert wäre, sondern wenn sie in ein Zim­mer tritt, dann stehen alle Uhren still. Und sie ticken auch nachher nicht mehr weiter, sondern man muß sie neuanstohen" ober aufziehen. Nachdem die Okkul­tisten den Fall genugsam für sich ausgewertet haben, kommen nun die englischen Psychologen und unter­suchen gründlichst das Kammermädchen, das beinahe schon gar keine Zeit mehr hat, Kammermädchen zu fein - vor lauter Untersuchung und vor lauter Zim­mern, die es betteten muh und wo bann, wie immer bisher, alle Uhren stehen bleiben.

Gin bekannter englischer Psychologe glaubt im Laufe der langen Prüfungen und Beobachtungen die Lösung für das Phänomen gefunden zu haben. Es gibt, nach feiner Behauptung, einige Menschen auf dieser Welt, beten Hastl eine ganz besondere Ausstrahlung aufweist, eine unbekannte Strahlen- art, die jedoch geeignet ist, nicht nur Metall zu ver­ändern, sondern auch organische Stoffe. Diese Ver­änderung gilt natürlich nur für die Zeit, in der die Menschen mit diesen seltsamen Hautstrahlen in un­mittelbarer Nähe sind. Das würde also bedeuten, daß eine Strahlenart eine vorübergehende chemische Veränderung hervortust. Freilich stimmen nicht alle Gelehrten dieser Theorie zu, sondern andere meinen, dah die Wirkung der Kammerzofe elekttisch sei... Das Rätsel ist noch nicht gelöst. Es dürfte nur einen geben, der diese seltsame Eigenschaft der Kammerzofe freudig begrübt: der Bräutigam dieser merkwürdigen Jungfer. Denn wenn er bei ihr weilt, schlägt ihm, dem Glücklichen, wirklich keine Stund«.

Und sonst: da dürften nur Sonnen- oder Sand­uhren helfen. H.

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