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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhessen)

Nr. 49 Drittes Blatt

Oberheffen.

Die pflanzengeographische Erforschung Hessens.

Friedberg, 22. Febr. Die geographisch- naturkundliche Abteilung der heimatkund­lichen Arbeitsgemeinschaft des Kreises Friedberg hielt unter dem Vorsitz von Studienrat Dr. K n i e r i e m (Bad-Rauheim) eine Sitzung ab, an der Lehrer der verschieden­sten Schulgattungen teilnahmen.

AlS Hauptpunkt stand ein Vortrag über i e pslanzengeograpsche Erforschung der Heimat" auf der Tagesordnung, r^hrer Oh Wald (Vad-Aauheim) hatte das Referat dazu übernommen, das in gründlicher, anregender Weise in die Aufgaben der neuzeitlichen Pflan­zengeographie einführte. Einleitend gab der Red­ner einen geschichtlichen Mederfelick über die nach­eiszeitliche Entwicklung unserer P lanzenwelt, und stellte auch die interessanten Beziehungen der Pflanzengeographie zur D rgcschichte llar heraus. Der wiederholte Klimawechsel der Racheiszeit, der durch eingehende Moorstudien nachgewiesen werden konnte (neuerdings auch am Hochmoor der Vreungeshainer Heide und am Köhlermoor bei Großcnmror, unweit Schlitz), hatte zur Folge, dah zu der großen Gruppe der den Grundstock unserer Flora bildenden mitteleuropäischen und europäischen Pflanzen sich fremde Pflanzenöle- mente auf dem Wege der Einwanderung zuge­sellten. Es sind vor a.lem kontinentale (pontische), mediterrane und atlantische Einstrahlungen', die dem mitteleuropäischen P,lan-enkleide besondere Züge verleihen, und die das Studium des heimi­schen Pflanzenteppichs so genußreich und anzie- bend gestalten und dem Heimatforscher eine Fülle interessanter Probleme auf ge Len. An der Hand von Skizzen zeigte Lehrer O h w a l d Einwande­rungswege und Verbreitung Zgebiete der verschie­denen Pflanzentypen, von denen vor allem die von Südosten aus den Steppen Rußlands und Ungarns zu uns gekommenen kontinentalen Arten auf denpolitischen" Hügeln der Wetterau und bei Gießen Veachtung und Schuh verdienen. Der Redner schilderte dann Zweck und Aufgabe der geplanten pflanzengeographischen Durchforschung Hessens und erläuterte eingehend die dazu von Professor Dr. W. M e i - gen (Gießen) unZ> Professor Dr. Spilger (Darmstadt) ergangene Aufforderung. Aur ein möglichst großer Kreis von Mitarbeitern in allen Teilen des Landes, vor allem aus den Kreisen der Lehrerschaft und der Forstbeamten, könne die Durchführung des verdienstlichen Wer­kes gewährleisten. Die Arbeitsgemeinschaft des Kreises Friedberg sagte bereitwilligst ihre Mit­arbeit zu. Votanische Exkursionen im Sommer sollen weitere Anregung und Anleitung ver­mitteln.

3n der Aussprache, an dH sich vorwie­gend Studienrat Dr. Plank (Vad-Aauheim), Oberstudiendirektor Dr. Faber (Friedberg), Lehrer P o r t h (Vad-Aauheim) und der Redner beteiligten, wurde auch auf Fragen des A a t u r - sch utz es nähere eingegangen und eine Eingabe an das Kreisamt und das Innenministerium be­schlossen. Darin wird der gesetzliche Schuh u. a. gefordert für die folgenden Aaturdenkmäler des Arbeitsgebiets: Münzenberger Moor, Wissels­heimer Salzwiese, Trvltius-Wiese bei Ockstadt und einigepontische" Hügel.

Studienrat Dr. K n i e r i e m erstattete dann kurz Bericht über den vor einigen Wochen in Vad-Aauheim stattgehabten geographisch- heimatkundlichen Einführungskur- s us. Auch hieran schloß sich eine rege Aus­sprache, die sich grundsätzlich mit der Kursus- fragc beschäftigte und zum Ausdruck brachte, dah die L»il«ahme an den Kursen des Kultus­ministeriums auch zur intensiven Mitarbeit in der Leitung der heimatkundlichen Arbeits­gemeinschaften verpflichte. Angestrcbt wird die Schaffung einer Heimatkarte des Kreises durch Vergrößerung des Meßtisch- blattes. In einer Eingabe an die Geologische Landesanstalt soll um baldmöglichste Ql e u 6 e ar- fee 11 u n g des Vlattes Friedberg der geologischen Karte gebeten werden, weil

Herbst in Apulien.

Von Albert H. tausch.

XI.

Otranto Galakina.

Ich war mir lange nicht darüber schlüssig, ob wir in den südlichsten Teil Apuliens den Ab­satz des Stiefels fahren würden oder nicht. Die herbstliche Witterung hielt an, schwere Stürme, die im südwestlichen Mittelmeer und an der Aordküste Äfrikas toben mußten, sandten die Vorboten ihres Anmarsches über das flache Land herauf nach Lecce, der Wind seufzte und heulte des Rachts um die Fenster, oft scheuchte nieder­gehendes Regengeprassel aus dem Schlaf. '216er um Sonnenaufgang lichtete sich der Himmel, ein Spiel von fortjagenden Wolken und verfolgenden Qlubinfeuern begann über den Dächern und gegen die neunte Stunde war das Firmament beruhigt. Ohne Strahlung zwar aber manch­mal dem Staub entrückenden Lichtsilbers die Durchsickerung gestattend. So beschlossen wir, auf die geplante Fahrt nicht zu verzichten, sie aber auf Otranto und Galatina zu beschränken.

Wir fuhren in südöstlicher Richtung, bei hef­tigem Winde, gerade auf Otranto zu. Fahler Himmel, ödes Land, endlose, schnurgerade Straße, die ausgebessert wurde. Schweres, ermüdendes Fahren, Mnablässiges Qlusweichen vor den Stein­haufen. Die Landschaft war von quälender Melancholie. Ein einziges ist groß an ihr und doppelt groß an diesem zugeschlossenen Morgen: die Weite. Die beklemmende Weite einer Steppe, bis in noch weitere Horizonte hinüber, bis in noch weiteres, uferloses Meer hinunter, das dort drüben beginnen mußte, wo Luft und Erde inein- anderflossen, wo sich, im raschen Anfahren an ihr Unbestimmtes, diese immer gleiche graue Änie immer gleich und grau von neuem schloß, lind hier sah ich den Blust des Mandelfrühlings? Hier wogte Flur und Rain von Margeriten-, Veilchenblüte? Hier stockte der Atem im kaum zu ertragenden Duft? Ich fühlte es w.eder: ich muß in einem frühen Frühling wiederkommen in diese füdapulische Süße, ich muh diese Ge- marfen zu Fuß durchwandern, in diesen rosen­roten Dörfern, durch die wir hinfliegen, rasten, auf den schmalen Treppen die Dächer dieser

eine neuzeitliche geologische Kartierung der Ge­gend nicht vorliegt und damit ein wesentliches Hilfsmittel für die Heimatforschung fehlt.

Kreis Büdingen.

* Dorsdorf. 24. Febr. Gestern wurde hier der Bezirkstag der Kriegervereine des Bezirks Aidda im Gasthaus von I. Tiwi unter Leitung des Bezirksvorstehers Iustizoberinspektor i. R. Geiger aus Aidda abgeholten. Die Qkrtrctcr und Mitglieder der Dezirksvereine waren zahlreich erschienen. Ober« amtsrichter Krug von Aidda hielt zuerst einen interessanten Vortrag über dos Kriegsfürsorgc- wesen. Dersicherungsinspeltor Schrimpf von Vad-Aauheim sprach alsdann über die Vorteile, die den Mitgliedern desKriegerverbandsHasjia" bei Versicherungen gegen Feuer, Unfall, Haft­pflicht usw. gewährt werden. Zum Schlüsse wur­den die Mitglieder August Koch aus Wallern- hausen, der Veteran von 1870 71 ist, sowie Bür­germeister K r o m m und Friedrich Lehmer. beide aus Kohden, das Ehrenkreuz derHassia" für Verdienste um das Kriegerve.einswesen mit entsprechender Ansprache des Vorsitzenden über­reicht. Der hiesige Männergesangverein füllte die Pausen durch den Vortrag einiger passender Lieder in würdiger Weise aus.

A Kohden, 24. Febr. Die hiesige Ortsgruppe des Obst- und Gartenbouvereins für den Kreis Büdingen hielt in der Gast­wirtschaft von Heinrich Uhl ihre erste dies­jährige Versammlung ob, die von den Mitglie­dern und sonstigen Obstzüchtern von hier recht gut besucht war. Aachdem der Vertrauensmann un­serer Ortsgruppe, Bürgermeister Kromm, die Erschienenen unj besonders den Referenten des Qlbends, Obstbauinspektor Metternich von Büdingen, begrüßt hatte, hielt Herr Metternich einen lehrreichen Vortrag über die Schäden, welche der vorige kalte Winter und seine Vorgänger an den Obstbäumen unserer Gegend verursacht haben und die erst jetzt völlig zur Auswirkung kommen. Er gab beherzigenswerte Ratschläge zur Heilung der Schäden und Milderung der Ver­luste an Obstbaumen. Für den beifällig auf­genommenen Vortrag sprach Bürgermeister Kromm dem Redner den Dank der Zuhörer aus. Zum Schlüsse fand eine Gratisverlosung von jungen Obstbäumchen bewährter Sorten, die sich besonders zum Anbau in unserer Gemarkung eignen, statt.

]:[ Binds ochsen, 24. Febr. Am letzten Samstagabend veranstalteten der hiesige Ge­sangvereinS ä n g e r l u st" sowie der Ge­mischte Chor, der dem Gesangverein an- gegliedert ist, den diesjährigen Mnterhaftungs- abend. Aach demSängergruß" und einem Liede wurde Kaffee und Kuchen dargeboten. Reben den gut gelungenen Chören fand auch ein Theaterstückchen großen Beifall. ®ie_ Chöre beider Vereine wurden von Lehrer Hüner- g a r t h geleitet. Allen Mitwirkenden wurde rei­cher Beifall gezollt. Bei weiteren fröhlichen Darbietungen und Tanz bot man den Teil­nehmern recht vergnügte Stunden.

Kreis Schotten.

Groß-Eichen, 26. Febr. Am vergangenen Sonntag hielt der hiesige Männergesang­verein im Saale von Gastwirt Rahn seinen diesjährigen Mnterhaftungsabend ab. Im Mittel­punkt des Abends stand die Aufführung des Meineidsbauern" von Anzengruber. Das Stück wurde flott gespielt, die Aufführung fand all­gemeinen Beifall.

-t- Ulfa, 23. Febr. Ein eigenartiger Hochzeitsbrauch, der in gleicher Form in weiter Umgebung nicht bekannt ist, ist hier noch gang und gäbe. Unmittelbar nach der Trau­ung nimmt baä Brautpaar im Hochzeitshaus die Glückwünsche der geladenen Gäste und die Hochzeitsgeschenke entgegen. Mit Körben und Körbchen, Kartons und Kistchen rücken die Gäste an, ihr Geschenk vor dem Brautpaar aus, upack.m. Wer Geld verehrt, findet zwei Teller auf dem Tische, in die er seine Geldscheine und -stücke einlcgt. Es ist verpönt, sich zum Hochzeits­schmaus zu sehen, ohne das Brautpaar vorher beschenkt zu haben. Das Hochzeitsmahl ist im allgemeinen sehr reichlich, und die Gäste geben

arabischen Häuser besteigen und das unermeß­liche Blühen an mich nehmen wie nun die dürren, braunen Grasflächen, in denen nur die harte blaue Minze blühte und herben Ruches im W'nde duftete. Ich weiß nicht mehr, wie alle die rt- schaften heißen, durch die wir kamen. Ich weih nur, daß sie sich zum Verwechseln gleichen. Alle ihre Häuser sind an die Erde geduckt, ihre Straße kommt aus einer flachen Mnendlichkeit und läuft in eine andere hinüber ... von Oliven zu Oliven, von Mandeln zu Mandeln, von Trauben zu Trauben. Eine leichte Höhe: links plötzlich das Meer, schiefergrau von dem Silber der Lüfte an­gespiegelt, eine Senkung der Straße zwischen Pinien und Steineichen, mehrere Kehren und schließlich Otranto.

Sieht man es an einem wolkenlosen Frühlings­oder Sommertag, so ist es weih wie Monopoli, lodernd weih über lodernd blauem Wasser, hin- gestrichen auf das enge Rund seines heute kleinen Hafens. Kaum ein grüner Wipfel unterbricht das Ineinander und Aebeneinander der Häuser, die hinüberdrängen nach der griechisch-albanischen Küste oder nach Afrika. Uralte hellenische Sied­lung, großer römischer Hafen (Hydruntum), dessen Bedeutung im Mittelalter noch wuchs, als der Handel mit der Levante in seine höchste Blüte trat, ist Otranto heute ein halbvergessener, welt­entrückter Ort, dem der Aufschwung Baris jede Zukunft verschlossen hat. Und es käme wohl kaum jemals ein Fremder, wenn es hier nicht ein Kunstwerk gäbe, das nirgends auf der Welt ein zweites Mal zu finden ist: das Fußbodenmosaik des Domes, das von einem Priester, Pantaleone mit Qlamen, um 1160 also zur Zeit des Ror- mannenkönigs Wilhelm I. entworfen und aus­geführt worden ist. Es stellt die gesamte Tier­welt, die Monate, die Arbeiten der einzelnen Iah.eszeften, Heldenlegenden, Begebnisse der Hei­ligen Schrift und das jüngste Gericht dar. Alles dies in einer seltsamen Verschlingung und Anord­nung zwischen dem Geäst eines Baumes, das sich, am Hauptportal beginnend, durch die gesamte Kirche weiterzieht. Die Farben sind matt, viel graugrün, blahbraun, taubengrau, rostrot. Alles Ausfällige ist gemieden, die Vornehmheit des Bildes durch diese Zurückhaltung gesteigert. Stundenlang kann man, ohne zu ermüden, Me Einzelheiten dieses Steingefüges entziffern, stun­denlang sich freuen an der Frische des Empfin-

sich Mühe, auf ihre Kosten zu kommen. Die Ein­heimischen bringen ihr Eßbesteck von Hause mit

Schöffengericht Gießen.

Gießen, 26. Febr. Ein 30jährigerKauf­mann" von Giehen hatte im vorigen Jahr ein Mädchen zu veranlaßen gewußt, ihm fein Spar­kassenbuch auszuhändigen und eine Bescheini­gung auszust eilen. auf Grund deren er 30 Mk. auf der Kosie abheben konnte. Er begnügte sich aber nicht mit diesem Betrag, sondern fälschte eine weitere Vollmacht, lieh sich den Rest der Ercharnilse des Mädchens mit etwa 70 Mk. auszahlen und verbrauchte das Geld. In einer Wirtschaft in Bad-Aauheim machte er eine Zeche von einigen Mark und verschwand, ohne zu bezahlen-, öhirl.ch machte er es in dem nahen Rödgen. Wegen Mrkundenfälfchung und Rückfallbetrugs erhielt er 1 Jahr Gefängnis.

Am 8. Dezember 1929 waren 25 junge Leute aus Eichenzell auf einem Lastwagen einer Ful­daer Firma nach Witzenrod zu einem Fuß - ballwettsviel gefahren. Auf der Rückfahrt ereignete sich ein furchtbares Mnglück. Der Chaufserrr wollte den Kilometerzähler einstel­len und bückte sich etwas darnach: als ihm das nicht gelang, versuchte es ein neben ihm sitzender Mitfahrer. Der Chauffeur sah dem zu und unter­ließ es infolange, fein Augenmerk auf die Straße zu r'chten. Das Auto kam von der gepflasterten Fahrbahn ab, geriet auf das aufgcweichte Ban­kett und fuhr mit heftigem Anprall gegen einen Baum, so dah es wider einen anderen Baum flog und die In­sassen größtenteils herausgeschleudert wurden. Zwei von ihnen starben in kurzer Zeit: andere zehn wurden mehr oder weniger schwer verletzt. Wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung erhielt ter Führer 3 Monate Gefängnis, wobei insbeson­dere seine bisherige Mnbestraftheit mildernd in Betracht gezogen wurde.

Kirche und Schule.

Oekanaisiag in Schotten.

(D Schotten, 24. Febr. Im hiesigen Rathaus­saale wurde unter der Leitung von Dekan Wid­mann (Gedern) b:r diesjährige Dekanatstag des evangelischen Dekanats Schotten abgehalten. Rach alter Sitte wurde die Tagung durch einen Gottesdienst in der Stadtkirche einge­leitet, wobei Pfarrer Trapp (Ulrichstein) predigte. Dekan Widmann konnte bei den Verhandlungen im Rathaussaale feststellen, daß di» Abgeordneten fast vollzählig erschienen waren, ferner konnte er den Superintendenten der Provinz Oberhessen, Oberkir­chenrat Wagner (Gießen), begrüßen.

Den Jahresbericht des Dekanatsausschusses über den religiös-sittlichen Zustand der Dekanatsgemein­den im Jahre 1929 erstattete der Dekanftellvertreter Pfarrer Römer (Schotten). Hierauf folgten die Einzelberichte über die kirchlichen Vereine, wie De- kanats-Erziehungsoerein, Dekanats-Missionsverein, Zweigverein Schotten der Gustav-Adolf-Stisttmg und Evangelischer Bund. Einer Anregung in der Aussprache Folge leistend, wurde beschlossen, auf den künftigen Dekanatstagen auch über die Gemeinde- blatt-Arbeit zu berichten.

Zur Wahl von vier weltlichen Mit­gliedern des Dekanatsausschusses und ihrer Stellvertreter lag nur e i n Wahlvorschlag vor, nach welchem ohne weiteres gewählt sind als Ab­geordnete Altbürgermeister V i e h l (Rainrod), Chri­stian O b e r h e i m IX. (Gedern), Bürgermeister Rühl (Ober-Scibertenrod), Oberreallehrer i. R. Gerhard (Laubach), als Stellvertreter die Abge­ordneten: Rechner Doll (Ulfa), Heinrich Bach VIII. (Ober-Seemen), Altbürqermeister Rühl (Ulrich­stein), Lehrer D e b u s (Ruppertsburg).

Pfarrer Romer (Schotten) hielt dann einen sehr lehrreichen Bortrag überDer evangelische Kreiswohlfahrtsdien ft", der eine lebhafte Aussprache zur Folge hatte. Einstimmig angenom­men wurde ein Antrag des Abgeordneten Lehrer D e b u 5 (Ruppertsburg), in den Kirchenvoranschlä­gen von jetzt ab statt des Beitrags für den nicht

dens, das den Schöpfer beseelte, und dem natür­lichen Sinn für Form, das ihn den überreichen Stoff in solcher Klarheit gliedern ließ.

Die schonen Kapitelle der Dom-Krypta und die kleine byzantinische Kirche S. Pietro viesen uns die Jahrhunderte wach, in denen Ostrom hier herrschte, ehe die Sarazenen im neunten und die Normannen im elften Jahrhundert die Macht an sich rissen. Roch ein kurzer Spaziergang auf der Mauerstrahe am Meer, da es schien, die Sonne wolle die fahle Wolkendecke durchbrechen und wir traten die Fahrt nach Galatina über Maglie und Cutrofiano an. Wieder dieselben schlechten Straßen, diese.be eintönige Ebene, derselbe bleierne Himmel. Rur der Wind hatte sich gelegt, der Regen konnte jeden Augenblick fallen. Breit in die Ebene hingegossen lag Galatina vor uns, als wir zuerst von einer leichten Anhöhe aus erblickten. Weißgrau auf braunem Hintergrund, seltsam belebt gegen die stumpfen Töne der Luft und des Bodens. Man hatte uns ein kleines Gasthaus empfohlen, das leicht gefunden war. Als der Wagen vor der Türe hiät, winkte uns aus dem oberen Stockwerk mit leutseliger Geste ein schwarzer Mann: der Wirt. Das Speise­zimmer war eine Treppe hoch. Wir wurden wie alte Freunde empfangen, obwohl wir niemals in diesem Haus gewesen waren. Man bereitete uns vorzügliche Broccoli und eine Pastasciuta, deren wir noch lange gedachten. Dazu gab es fast schwarzen Rotwein, vino della casa. Die gesamte Familie stand um uns herum, als wir aßen, die jüngere Tochter, ein Mädchen mit un» faßlich schönem Kopfe, bediente uns mit viel Lächeln und viel Würde. Die Mutter strahlte. Auch sie mußte in ihrer frühen Jugend sehr schön gewesen sein. In ihren Augen war die Glut byzantinischer Mosaikgesichter. Ihr Mund war voll, gütig und sehnsüchtig. Ob sie jemals Rom oder Reapel gesehen hatte? Ob sie ahnte, was das Leben dieser Städte war? Wir sahen nach Tisch die berühmten Fresken der Kirche Santa Caterina. Rirgends in ganz Apulien gibt es Aehnliches. Man führt sie auf Maler zurück, welche Maria von Cnghien in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts nach Galatina berief. Die Kirche selbst ist von einem Grasen Balzo er­richtet worden, um 1400. Ihr Hauptportal und die beiden Tore zu seinen Seiten sind den Por­talen der romanischen Vorbilder aus dem 12. und

Donnerstag, 27.5edruar 1950

mehr finanziell selbständigen Dekanats-Erziehungs» verein einen solchen für den evangelischen Kreis» wohlfahrtsdienst einzustellen.

Weiter fand einstimmige Annahme ein Antrag von Dekan Widmann (Gedern), an die Kreis- und Dekanatsbevölkerung einen Aufnif zu richten, in dem gebeten werden soll, Vcreinsveranstaftungen nicht auf den Samstagabend zu legen, da nachge- wiesenermaßen hierdurch das gottesdienstliche Leben stark beeinträchtigt würde. Oberkirchenrat Wag­ner regte dazu noch an, außerdem noch mit den Vereinen direkt Fühlung zu nehmen. Zur Formulie­rung des Ausrufs wurde eine Kommission gewähll, die aus den 2ll>geordneten Dekan a. D. Bolp (Lau­bach), Pfarrer Wolf (Wingershausen), Lehrer D e ° bus (Ruppertsburg) und Oberreallchrer i. R. G e r- hard (Laubach) besteht.

Schließlich erfolgte noch die Prüfung der Rech­nung des Dekanatsmissionsvereins durch die Abg. Pfarrer Fritsch (Herchenhain) und Rechner D ö l l (Ulfa): da nichts beanstandet wurde, konnte dem Rechner Entlastung erteilt werden.

Nachdem Pfarrer Trapp (Ulrichstein) noch Mit­teilungen über den Dckanats-Erziehungsverein ge­macht' hatte, richtete der Versammlungsleiter herz­liche Abschiedsworte an die demnächst tsns Dekanat verlassenden Abgeordneten Pfarrer Fritsch (Her­chenhain) und Lehrer Westrupp (Ober Scemen) und dankte ihnen für ihre treue Mitarbeit im De­kanatsverband.

Mit Schlußgebet durch Pfarrer Fritsch (Her» chenhain) wurden die Verhandlungen geschlossen.

Oberhe.sische

Oorfsirchenvorsiehertaoung.

)( Ortenberg. 25. Febr. Gestern fand in unserem reich mit Fahnen geschmückten Städtchen der erste der diesjährigen Dorfkirchenvor- stehertage statt.

Für unsere Gemeinde wurde er bereits am Sonntag durch einen feierlichen und sehr stark besuchten Festgottesdienst eingeleitet, in dem der langjährige frühere Geistliche der Gemeinde, Sliftsdechant Kahn, Lich, über Cvgl. Johannes Kap- 6, Vers 63 predigte, und der Gesangverein Frohsinn" durch den Vortrag von zwei Chören mitwirkte. Abends fand sich die Gemeinde zu einem gut besuchten Gemeindeabend im Gasthaus Zur Post" zusammen. Im Mittelpunkt des Qlbends stand ein Vortrag von Dekan S c r i b a, Ridda, dem verdienstvollen Förderer der Dorf­kirchensache in Oberhessen, welcher auf Grund von Römer Kap. 12, Vers 16 über die Frage sprach:Wie kommen wir zu lebendigen Gemein­den?" Um die gesangliche und musikalische Aus- stattung des Qlbends machten sich der Gesang­vereinFrohsinn" unter der bewährten Leitung von Lehrer Carl durch Vortrag von schönen Volksliedern und Forstassessor Bähringer sehr verdient, der unter Begleitung von Frau Dr. Löffler mehrere Cellovorträge bot. Der Ortsgeistliche, Pfarrer L e h i n g , begrüßte und dankte.

Der gestrige Haupttag versammelte über 200 Kirchenvorsteher mit vielen Gemeindegliedern in der schön geschmückten Kirche, von deren Turm die neue Kirchenflagge wehte. Der Superintendent Oberhessens, Oberkirchenrat Wagner, Gießen, hielt im Anschluß an Iesaia Kap. 62, Vers 6 und 7 die Predigt über dasWächteramt der Kirchenvorsteher". Der Gottesdienst wurde we­sentlich verschönt durch die gesanglichen Dar­bietungen von Frau Pfarrer Adam, Büdin­gen, und einen Schülerchor. Während ter Mit­tagspause waren die auswärtigen Teilnehmer Gäste in den Familien Ortenbergs. Mm V»2 Mhr begann im GasthausZur Post" unter Leitung von Dekan Scriba eine Rachversammlung, in der Prälat D. Dr. Diehl, Darmstadt, auf Grund feiner reichen geschichtlichen Kenntnisse und Forschungen über das Thema sprach:Wie kam es im 16. Jahrhundert zu lebendigen Ce- meinden und was können wir in der Gegenwart daraus lernen?" Der Vortrag fand reichen Bei­fall und weckte eine lebhafte Aussprache, an der sich besonders die Richtpfarrer beteiligten. Mm Vo5 konnte der Vorsitzende die außerordentlich stärk besuchte Versammlung mit Worte des Dankes an alle schließen.

11. Jahrhundert nachgebildet und weisen denselben Reichtum der Verzierungen auf. Ein Kaplan, den einige junge Leute Schüler einer priester­lichen Laienfchule begleiteten, begrüßte uns. Er hatte offenbar die Absicht gerade bei un­serem Eintritt in die Kirche den jungen Men­schen dies oder jenes zu erflären. Cs war viel­leicht besser, daß es nun dazu nicht kam. Denn mir schien, daß dieser Jugend alles andere wich­tig war, nur nicht der Bildertraum der Wände. Ihr war wichtig vor allem der Mmstand, daß da plötzlich Fremde waren, Menschen eines an­deren Landes, anderer Sitten, anderer Sprachen. Menschen, die die Weite liebten und aufsuchten, Menschen, die vielleicht viel erzählen konnten. Ja, ja, Jugend von Galatina: wäre mir Zeit geblieben an diesem sich neigenden Tag: ich hätte euch alle mitgenommen, euch und euren Lehrer, in das kleine Cafe, oben an der breiten Piazza und wir hätten viele Stunden lang zusammen geplaudert von allem, was euch am Herzen lag. Vielleicht ein anderes Mal. Seid nicht so un­geduldig, beklagt nicht, wie es einer von euch tat, euer Los, an diese heimatliche Scholle ge­bunden zu sein. Rur wer wurzelt, kann tarn Grenzenlosen standhaften. Rur wer wurzelt, tonn seines Lebens Schöpfer und Gestalter fein. Seid dankbar eurer Erde! Sie ist reich, sie ist schön. Dah sie ein wenig einsam ist, was bedeutet es? Ihre Einsamkeit bewahrt euch vor vielem, das euch nicht glücklich machen würde. Mächtiger als je ist in diesen aufgestörten Zeiten die Seele der Erde. ... ____________

Lochschulnachrichten.

Die Bremer Wissenschaftliche Ge­sellschaft, in der alle wissenschaftlichen Ver­eine Bremens zusammengeschlossen sind, ernannte gelegentlich ihrer satzungsmäßigen Frühjahrs­tagung, die zu Ehren des großen Bremer Arztes und Astronomen Olbers-Sihung heißt, eine Reihe ihr seit Jahren nahestehender Herren zu korre­spondierenden Mitgliedern. Cs sind: Geheimrat B r a n d i in Göttingen, Geheimrat Hermann Schumacher in Berlin, Oberbaudirek or Schu­macher in Hamburg, Prof. Hermann W ä t} e n in Münster, Geheimrat Hermann Oncken in Berlin, Geheimrat Gustav Krüger in Gie­ßen, Prof. Korff in Leipzig und Prof. K o f - fei in Kiel. K.N.