daher noch einmal zu neuen Opfern. Steuern und Auflagen greifen. Die geht aber Zug um Zug an energische Sparmaßnahmen im Reich durch starke Kürzung des Etats, an Sanierung und Reform der großen öffentlichen Verwaltungen, insbesondere der sozialen Gesetzgebung, und an dis ReuordnungdesVerhältnisseszwi- schen Reich und Ländern. Sie bot gleichzeitig der Wirtschaft weitreichende Hilfe.
Für geordneten parlamentarischen Kampf müssen auf feiten der bürgerlichen Parteien größere taktische Einheiten eingesetzt werden als bisher. Richt für alle, aber für viele Schäden der Vergangenheit, zumindest für die Verdrossenheit weiter Kreise ist die Zersplitterung des Bürgertums verantwortlich. Der Gedanke der Sammlung wird hinfort nicht wieder zurückzudrängen sein. Hat auch ein erster Anlauf zur Sammlung in Berlin zunächst nur Teilerfolge gezeitigt, das Ringen darum wird weitergeprn. Wir in Baden und Württemberg waren in der glücklichen Lage, vermöge der besonderen politischen Lagerung der hiesigen Ver- häl nisse einen energischeren Schritt zur Sammlung zu tun. Wir sind überzeugt, daß die Einheitsliste der Dolisparrtei und Staatspartei in Baden und in Württemberg ihre Anziehungskraft auf die weitesten Kreise des Bürgertums nicht verfehlen und alle die um sich scharen wird, die in der Vergangenheit wegen der Zersplitterung unentschieden und verärgert beiseitestanden. Für die Ueberwindung der wirtschaftlichen Krise steht ein in der ersten Wiederaufbauperiode gestählter und erweiterter Wirl- schaftsapparat zur Verfügung. 3n den großen nationalen Fragen unterstützt die überwältigende . Mehrheit des Dolles eine zielbewußte nationale Besreiungspolitik, d.e in organischer Fortentwick- lung der bisherigen Methoden zugleich der Verständigungsidee dient, eine Politik, die überall die deutschen Ledensnotwendigkeit zur Geltung bringt, aber auch den Mut zur Geduld besitzt. Alles das bietet Gewähr für die Möglichkeit, auch die gegenwärtige Krise in Wirtschaft und Reich zu überwinden, wenn wir nur wollen.
Akademiker und Arbeitslosigkeit.
Da amtliche Erhebungen über den akademischen Arbeitsmarkt nicht vorliegen, haben es die „Aerztlichen Mitteilungen" unternommen, die Berufsaussichten in den akademischen Berufen zu erforschen und die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit auf die Akademikerberufe aufzuzeigen. Als arbeitslos werden dabei unter den Aerzten 3500 angegeben. Der Arbeitsmarkt der Philologen scheint durch Angleichung von Angebot und Rachfrage einigermaßen ausgeglichen zu sein. Auf dem Gebiet der technisch-wissenschaftlichen Berufe sind rund 4 0 0 0 Personen arbeitslos. 3n der juristischen Laufbahn dürfen rund 9000 Personen als stel- lungslos angesehen werden. Die Stellenlosigkeit der Chemiker wird mit 1 000 Personen geschätzt. Wenig rosig sehen auch die Berufsaussichten bei den Zahnärzten, Tierärzten, Diplomlandwirtcn und Forstbeamten aus. insgesamt werden schätzungsweise 16 000 [teilen- lose Akademiker errechnet.
Oer Aufmarsch zu den Landtagswahlen in Braunschweig.
B e r l i n, 26. Llug. (CNB.) Die für die Landtagswahlen angekllndigte bürgerliche Einheits- liste von der Staatspartei bis zu den Deutschnationalen ist im letzten Augenblick gescheitert. Es haben Listen eingereicht: die S t a a t s p a r t e i, die Volksrechtpartei, die Nationalsozialisten, die Sozialdemokraten, die Kommunisten. Ferner ist eine Liste „Nationale Mitte" und eine „Einheits- l i st e" eingereicht worden. An letzterer sind Christlich-Nationale Bauern, Deutschnationale, Stahlhelm und Zentrum offiziell beteiligt.
Ergebnislose Verhandlungen über den Lohnabbau im Bergbau.
Essen, 25. Äug. (TU.) In den Verhandlungen zwischen dem Zechenoerband und den Bergarbeiterverbänden über den Lohnabbau, der eine Preisermäßigung der R u h r k o h l e ermöglichen soll, forderte und begründete der Zechenverband eine Lohnsenkung um 10 v. H. Die Gewerkschaften lehnten die Forderung ab und verlangten demgegenüber eine Lohnerhöhung von 50 Pf. auf den tariflichen Schichtlohn. Eine Einigung zwischen den Parteien war nicht zu erzielen. Im Anschluß daran eröffnete der Schlichter die Einigungsverhandlungen. Mit Rücksicht darauf, daß beide Parteien noch weiteres statistisches Material vorbereiten wollen, wird der Schlichter zur Fortsetzung der Verhandlungen auf den 4. September einladen.
Kriiische Lage in Indien.
Bombenanschlag auf den Polizeichef von Kalkutta.
London, 25. Aug. (Sil.) Gegen das Auto des britischen Polizeichefs in Kalkutta, Sir Charles Tagart, wurden im Europäerviertel zwei Bornben geworfen. Sir Charles Tagart blieb unverletzt, sein Chauffeur wurde durch einen Bombensplitter leicht verletzt. Rachdem die erste Bombe geworfen war, sprang der Polizeichef aus dem Auto heraus und feuerte auf einen de r beiden Attentäter, der auf der Stelle getötet wurde. Der zweite Attentäter ist anscheinend durch frühzeitige Explosion einer der beiden Bomben verletzt worden, er wurde von der Polizei verhaftet. Er trug einen Revolver und eine Bombe bei sich und gab an, Student der Rechte zu sein. Ein dritter an dem Attentat beteiligter Mann ist entkommen. Geheimpolizei und indische Soldaten nahmen im Laufe des Tages eine Anzahl Haussuchungen vor. ilm Mitternacht wurden in einer Studentenherberge fünf Studenten und zwei andere Personen verhaftet. In einem der durchsuchten Häuser soll eine Liste mit den Ramen der Mitglieder einer terroristischen Organisation gefunden worden fein, die Attentate in Kalkutta und Bengalen planten.
Am Montag kam es in S a h a p u r im Bezirk Detul zu einem Zusammenstoß zwischen Po- lizei und einer großen Menschenmenge, als die Polizei den Führer einer Bande verhaften wollte, die die Waldgesehe verletzt hatte. Mehrere Polizisten wurden bei dem Zusammenstoß schwer verletzt. Gin Polizist wird vermißt. Auf Seiten bet Menge ist die Zahl der Verletzten ziemlich groß. Die Lage in Sahapur ist gespannt.
Nankreichs hoffnungsloser Kamps um die Saar.
Oie gestoppten Saarverhandlungen. — Kommt man in Paris zur Vernunft?
Ursprünglich war beabsichtigt, im Oktober die zum Stillstand gekommenen Saarverhandlungen wieder fortzusehen. Wir gaben aber schon im Frühsommer der Ansicht Ausdruck, daß wohl kaum ernsthgft mit neuen ersprießlichen Verhandlungen gerechnet werden dürfte, weil die Franzosen nicht daran denken, von ihren überspitzten Forderungen abzugehen. Tatsächlich wird es auch vorläufig zu neuen Saarkonfe- renzen nicht mehr kommen, das Saarproblem wird aber nach wie vor Gegenstand von Betrachtungen und Erörterungen in der deutschen und in der französischen Presse bleiben. Lind da berührt es doch angenehm, wenn man von Zeit zu Zeit in französischen Zeitungen und Zeitschriften Anschauungen findet, die sich auch ein klein wenig mit denen politischer Führer decken dürften, die es nur zu gerne sehen würden, wenn die unterbrochenen Saarbesprechungen möglichst bald wieder fortgesetzt werden würden.
Ein Pariser Blatt setzt nun seinen Lesern sehr nüchtern auseinander, daß die Situation für Frankreich denkbar einfach fei. Eine Abstimmung der Saarbevölkerung werde gegen Frankreich ausfallen. Es bliebe also nichts weiter übrig, als die Saargruben an Deutschland zurückzuverkaufen, wie das im Versailler Vertrag vorgeschrieben sei. Käme über den Kaufpreis eine
Einigung nicht zustande, bann würde ein Schiedsgericht diese Angelegenheit regeln. Diese Möglichkeit könne aber zur Festsetzung eines recht niedrigen Preises führen. Es wäre unter diesen Umständen das beste, sich schleunigst mit Deutschland zu verständigen und nicht erst das Jahr 1935 abzuwarten.
Das Blatt schreibt: Man führt die öffentliche Meinung mit dem dauernden Hinweis auf die sogenannten Rechte Frankreichs im Saargebiet irre. Diese Rechte beschränken sich auf die Möglichkeit für Frankreich, so vorteilhaft wie möglich, und zwar vor 1935, über das Eigentum der Saargruben zu verhandeln. Der Versailler Vertrag ist in dieser Hinsicht vollkommen klar. Wenn man schreibt, daß die Saarbevölkerung Deutschland feindselig gesinnt sei, so heißt das, sich einer törichten Illusion hingeben und sich auf ein peinliches Erw a chen vorbereiten. Die Würfel sind bereits gefallen; Vernunft und Umsicht gebieten, dem bereits jetzt Rechnung zu tragen. — Diese Verständigung haben wir immer angestrebt, aber in Paris keine Gegenliebe gefunden. Wir fönnen warten, Frankreich nicht, die Franzosen werden also über kurz oder lang doch wieder mit neuen Angeboten an uns herantreten, um nicht eines Tages gänzlich leer auszugehen.
Flamenaufmhr in Oixmuiden.
Zwischenfälle bei der Einweihung des flämischen Gefallenendenkmals.
Brüssel, 24. Aug. (TU.) Am Sonntag wurde in Anwesenheit einer riesigen Menschenmenge das große Denkmal für die an der QJfer gefallenen flämischen Soldaten eingeweiht. 32 Son- derzüge sowie mehrere tausend Automobile hatten die Teilnehmer aus allen Teilen Flanderns zu dieser Feier auf dem alten Schlachtfeld heran* gebracht. Auf den deutschen, französischen, englischen, irischen und amerikanischen Gräbern wurden Blumen niebergclegt. Die Feierlichkeiten begannen mit einer Messe im Freien. Hierauf wurde ein Zug gebildet, dessen Vorbeimarsch mehr als zwei Stunden dauerte. Vor dem Denkmal fang die Menge die flämische Rational h y m n e. Dr. de Pillecyn, der Vertreter des Verbandes der flämischen Frontkämpfer, und Professor Dr. Daels hielten Ansprachen. Von den deutschen, englischen, französischen, ungarischen, irischen und amerikanischen Frontkämpfer-Vereinigungen wurden Kränze am Denkmal niedergelegt. Die ganze Feier erfolgte in größter Ruhe und großer Andacht, wie sie seit elf Jahren den flämischen Pilgerfahrten zu den Gräbern an der QJfcr eigentümlich ist.
Plötzlich erschien ein von einem Flamengegner gelenktes Flugzeug, das in großen Schleifen das Denkmal umkreiste und zahlreiche Flugblätter und Flaggen in den belgischen Landesfarben abwarf.
In den Flugblättern werden die früheren flämischen Frontkämpfer Deserteure und Verräter genannt, obwohl die belgische Armee an der Pser sich zu mehr als 80 v. H. aus flämischen Soldaten iusammensetzte. Ein anderer Zwischenfall ereignete sich einige Stunden vorher an der holländisch- belgischen Grenze, wo die belgische Kriminalpolizei dem Gesandtschaftsrat an der südafrikanischen Gesandtschaft im Haag, Dr. B o s m a n,
den Uebertritt über die Grenze verwehrte. Dr. Bos- man wollte den in Dixmuiden versammelten Flamen ein in vier Sprachen verfaßtes Schreiben Südafrikas überreichen. Der holländische Vertreter, Leo Simons, Direktor der Weltbibliothek in Amsterdam, konnte aus dem gleichen Grunde nicht nach Dixmuiden kommen.
lieber diese Zwischenfälle und insbesondere über den Abwurf der Flugblätter geriet die IHenge In große Erregung und zerriß auf dem Rückweg von der Feier die belgische Fahne.
die über den früheren deutschen Stellungen gehißt war. Tausende von Kundgebern zogen dann auf den Marktplatz, wo neben zahlreichen flämischen Fahnen auch zwei belgische Flaggen gehißt waren, die eine am Rathaus, die andere an einem Dankgebäude. Vor dem Dankgebäude kam es zu Tumulten. Plötzlich erschienen zwei Schwadronen Gendarmerie und gingen mit gezogenem Säbel gegen die Menge vor Mehrere Personen wurden schwer verletzt, vier Verhaftungen wurden vorgenommen. Die Polizei mußte erneut vorgehen, als aus einem Cafe Stühle und Tische gegen die Deril- tenen geworfen wurden. Als die Lage immer ernster wurde, erschienen flämische Abgeordnete und veranlaßten den Kommandanten der Gendarmerie, mit seinen Leuten abzurücken und die Verhafteten wieder in Freiheit zu sehen. Dr. Dorms und Ward Hermans und andere Führer forderten die Menge zur Ruhe auf. Eine Vereinigung von Frontkämpfern aus West-Flandern beschloß, wegen dieser Vorkommnisse chre Vereinsfahne, die die belgischen Farben trug, durch die Fahne mit dem flämischen Löwen zu ersetzen. Mitten auf dem Marktplatz wurde die alte Fahne verbrannt, ohne daß die Polizei einschritt. Dann zerstreute sich die Menge langsam nach der Stadt.
Frankreichs Rüstungspolitik.
Nun kommt der Ausbau der Kriegsmarine an die Reihe.
Paris, 25. Aug. (WTB.) Der französische Marineminister D u m e s n i l erklärte zur Frage des Ausbaues und der Modernisierung der Kriegsmarine, daß die Ergebnisse der Londoner Flottenkonferenz am französischen Flottenbauprogramm nichts änderten. Er bezeichnete als Kardinalfrage die Modernisierung der Marine. Die Marine sei eine große Dame, aber sie sei gestern noch eine alte Dame gewesen. Man habe sie modernisieren und die Methoden von A bis Z ändern müssen. Es genüge nicht nur, die Flottenein- heiten zu modernisieren, sondern man müsse auch die Häfen und die Marinearsenale völlig neuge ft alten und sie den Bedürfnissen der Kriegszeiten anpassen. Ein entsprechendes Programm sei gegenwärtig in der Ausführung bearif- en. Man müsse die wertvollen Traditionen der Marine bewahren, aber diese zu einem jungen Organ umge st alten, das den gegenwärtigen Verhältnissen angepaßt sei und unter B e - Nutzung aller Fortschritte der modernen Technik arbeite. Nur um diesen Preis werde man eine aktive, lebendige Marine haben und über eifrige und begeisterte Seeleute verfügen.
Sorffefcung des Streiks in Nordfrankreich.
Paris, 25. Aug. (WTB.) Die Textil- und Metallarbeiter von Roubaix und Tourcoing haben in Generalstreikoersammlungen die F o r t s e tz u n g des Ausstandes beschlossen. Sie erklärten die Vor- chläge der Arbeitgeber für nur scheinbare, aber keine tatsächlichen Konzessionen. Der Sekretär des Zentralstreikkomitees betonte, daß der Streik biszumäußersten durchgeführt werden würde. Die organisierten Arbeiter erhielten Streikprämien, die nicht organisierten würden von den sozialistischen Gemeindeverwaltungen unter st ützt.
Aus aller Welt.
Schweres Grubenunglück in Ostoberschlerien
Ein schweres Grubenunglück ereignete sich auf dem Hildebrand-Schacht bei Antonienhütte in der Rähe von kattowih, als plötzlich mehrere Ifeiler ein stürzten. 14 Bergleute, die ge- ade dort beschäftigt waren, wurden durch die Ge- teinsmassen abgeschnllten. Es wurden sofort Rettungskolonnen eingesetzt, die fünf Mann lebend zutagebrachlen. von den anderen ver- chütteten konnten inzwischen drei al» Leichen geborgen werden, die übrigen sechs gelten als verloren, da auf ihnen gewaltige Gesielns-
massen lagern. Die Rettungsarbeilen werden indessen mit äußerster Anstrengung fortgesetzt.
Schweres Segelbootunglück auf dem Stelliner Haff.
Auf dem Stettiner Haff hat sich ein schweres Bootsunglück ereignet, bei dem der Boots- führet und sechs Marineschüler ertranken. Am Sonntagnachmittag war ein Segelboot des Marinevereins Torkelo zur Fahrt nach Ueckermünde ausgelaufen. An Bord befanden sich außer dem Führer sechs jugendliche Dereinsmitglieder im Alter von 15 bis 20 Jahren. Als draußen auf dem Haff starker Sturm einsehte, wollte man umkehren, um nach Tot- kelow zurückzufahren. Beim Wendemanöver schlug das Boot um und alle Insassen stürzten ins Wasser. Der Führer und die sechs Marineschüler unternahmen den aussichtslosen Versuch, schwimmend das Land zu erreichen. Nach mehrstündigem Kampf mit den Wellen gingen alle sieben unter. Nur einem jungen Mann, der als Gast an Bord geweilt hatte, gelang es, auf das gekenterte Boot wieder heraufzukommen. So trieb er vor Kälte und Nässe halb bewußtlos, die ganze Nacht hindurch aus dem Wasser. Am Montagmorgen bemerkte ein Fischer das treibende Boot in dek Nähe des Feuerschiffes „Rep- zin". Es gelang ihm, den Schiffbrüchigen in feinen Kutter aufzunehmen. Die Leichen der sieben Verunglückten sind bisher noch nicht geborgen worden.
Beim Baden in Westerland ertrunken.
Infolge der stürmischen Witterung am Sonntag stand auch noch am Montag am Strand von Westerland eine schwere See, so daß die Badenden ausdrücklich gewarnt wurden, sich nicht zu weit in die Brandung hinauszuwagen. Drei Herren ließen diese Warnung jedoch unbeachtet und schwammen ein ziemliches Stück in die wildbewegte See hinaus. Zuerst wurde der Berliner Rechtsanwalt Dr. Bendix von der Strömung erfaßt und abgetrieben. Oberstleutnant Elschner, der langjährige Leiter der Technischen Rothilfe in Berlin, versuchte, den Abtreibenden zu erfassen, geriet aber selbst in d ie Strömung und kam nicht wieder zum Vorschein. Dr. Dendix konnte von dem Dadewärter Hansen unter eigener Lebensgefahr gerettet werden. Der dritte Herr, der sich auch in großer Gefahr befand, konnte sich selbst in Sicherheit bringen. Die Leiche des Oberstleutnants Elschner, die nach Rorden abgetrieben wurde, konnte erst nach zweistündigem Suchen geborgen werden. Die Wiederbelebungsversuche hatten keinen Erfolg.
Schwere Feuersbrunst im Dorf.
In Elben (Kreis Wolfhagen) kam in dem Betrieb des Landwirtes Weinrich, wo man mit dem Ausdrusch von Getreide beschäftigt war, ein Feuer zum Ausbruch, das sich infolge der eng zusammenstehenden Gebäude so schnell ausbreitete, daß sieben Wohnhäuser mit Wirt
schaftsgebäuden und Stallungen trotz angestrengter Bemühungen der herbeigerufenen Wehren niederbrannten. Das Vieh und das Inventar konnte großenteils gerettet werden, während große Ernteoorrate und Maschi- n en dem verheerenden Feuer zum Opfer fielen. Die Feuerwehren mußten sich auf den Schutz der anderen Dorfteile beschränken. Wie festgestellt wurde, hat der die Dreschmaschine bedienende Heizer die Maschine einen Augenblick ohne Aufsicht gelassen. Als er zurückkehrte, stand ein neben der Maschine liegender Strohhaufen b reits in Helle n Flammen. — Die obdachlos gewordenen Familien sind bei anderen Dorfeinwohnern untergebracht worden.
Schwerer Aulozufammenstoh.
In Wannsee wurde ein Lastkraftwagen von einem unbekannt gebliebenen Privatkraftwagen seitlich angefahren. Durch den Anprall wurden eine auf dem Lastkraftwagen mitfah- rende Frau und ihre achtjährige Tochter vom Wagen geschleudert. Sie erlitten beide so schwere Verletzungen, daß sie bald nach der (Einlieferung in das Krankenhaus ver starben.
Die Minderheilenpolilik bet JL 3. E.
Der Brüsseler Kongreß des Jnternakwnalen Studentenbundes hat in seiner letzten Sitzung die Auf. nahmgeseuche des kroatischen Universitätsver- bandes und der mazedonischen Studentenvereine endgültig abgelebt und das Bestehen der nationalen Vereinigung der südslawischen Studenten amtlich anerkannt, die allein berechtigt ist, die Studenten Südslawiens bei dem Bunde zu vertreten. Der Kongreß billigte einstimmig die Haltung des Vollzugsausschusses und der ersten Kommission in der deutschen Frage, wie sie von der Deutschen Studentenschaft gestellt worden war, lehnte also die Vertretung Danzigs und der Sudetendeutschen durch die Deutsche Stu- dentenschaft ab.
Versicherungsgelder für Kasernen — in Polnisch-Oberschlesien.
Die Invalidenversicherungsabteilung der L a n d e s v e r sich e r u n g s an * st a l t in Königshütte hat auf einen Antrag der Woiwodschaft sieben Millionen Zloty zum Bau einer Garnison in Königshütte und in Kattowih sowie zu einem Kasernenanbau in Bielitz bewilligt. Die polnischen wie auch die deutschen Gewerkschaften werden gegen diese mißbräuchliche Dewilliguntz P r o t e st erheben.
„Fahri deutsche Fahrzeuge!"
Wie wir erfahren, wirkt sich die Arbeit der „V e r- brauchergemeinschaft deutscher Kraft- sahrzeuge (VdK.)", die von dem Herzog von Koburg zum Schutz der heimischen Automobilindustrie ins Leben gerufen worden ist, langsam aus. Nachdem als erster vor Jahresfrist der Nationale Deutsche Automobilklub durch eine entsprechende Satzungsformulierung in seinen Mitgliederkreisen die Haltung ausländischer Fahrzeuge gedrosselt hat, veröffentlicht nunmehr auch der Präsident des AvD. unter dem Kennwort „Fahrt deutsche Fahrzeuge!" einen längeren Aufruf an alle angeschlossenen Lokal- flubs und Mitglieder.
Vom Hilfsbund für die Elsaß-Lothringer im Reich.
Der Hilfsbund für die Elsaß-Lothringer im Reich e. V., der in den Tagen schwerster Not des Reichs und rücksichtsloser Ausweisung Deutscher aus El- saß-Lothringen gegründet wurde, veranstaltet in den Tagen vom 19. bis 21. September d. I. seinen elften Vertretertag in Koblenz. Gegenstand der Beratung werden alle die Fragen sein, welche die Linderung der Not der Verdrängten, ihre dauernde Seßhaftmachung in der neuen Heimat und ihre Wiedereingliederung in das deutsche bürgerliche und wirtschaftliche Leben betreffen.
Sprengstoffattentat auf einen Hamburger Kaufmann.
Auf dem in Großensee bei Hamburg gelegenen Besitztum des Kaufmanns Schliemann wurde fest- gestellt, daß die Telephonleitung durchschnitten war. Bei einer Revision fand man unter dem Schlafzimmer Schliemanns einen von außen angebrachten Sprengkörper; die daran befindliche Zündschnur war erloschen. Außerhalb des Hauses waren weitere Sprengkörper gelegt. Als Frau Schliemann auf einen solchen Sprengkörper trat, explodierte dieser und zerriß ihr die rechte Hand. Sie mußte schleunigst nach Hamburg ins Krankenhaus gebracht werden. Schliemann hat vor einiger Zeit einen Erpresserbrief erhalten, in den, 25 000 Mark gefordert wurden. Schliemann sollte seine Bereitwilligkeit durch eine Zeitungsanzeige mit dem Stichwort „Ich komme" zu erkennen geben. Die Anzeige ist auch erschienen, jedoch ohne, daß es gelang, den Erpresser zu finden.
Kunst und Wissenschaft.
Eine Riehsche-Gedenkfeier.
In Weimar fand im Rietzsche-Archiv an dem Vorabend zu Riehsches 40. Todestag eine stimmungsvolle Gedenkfeier statt. Die Schwester Rietzsches, Dr. h. c. @ 11 f a b e t h Förster- Rietzsche empfing eine Reihe von Gelehrten und Freunoen des Hauses. Der kürzlich an die Universität Jena berufene Professor Leise- gang gab eine Darstellung der geistigen Werte Friedrich Riehsches, der in seinem Drang nach Wahrheit über seine Freunde und seine Zeit hinaus wuchs und als Einsamer in Zarathustra das Bekenntnis vom Uebermenschen uns zur ewigen Wiederkunft schul. Joseph P e m b a u r spielte Chopin und Beethoven als Anfang und Beschluß dieser Feier, der sich am Montag im engsten Freundeskreis eine weitere Feier a n Riehsches Grab in Röcken anschliehen wird.
10. Internationaler Kongreß für Strafrecht und Gefängniswesen.
In Prag wurde in Anwesenheit von vier tschechoslowakischen Ministern, Vertretern der Te- hörden und zahlreichen Abgeordneten sowie Ehrengästen der 10. Internationale Kongreß für Strafrecht und Gefängniswesen eröffnet. Auf dem Kongreß sind 34 europäische und überseeische Staaten mit 600 Teilnehmern vertreten, desgleichen auch die Internationale Kommission für Strafrecht und Gesängniswesen. Zu Vizepräsidenten des Kongresses wurden u. a. der Ehemalige deutsche Oberreichsanwalt Dr. Ebermayer und Jean Roux, Universitätsprofessor aus Straßburg, gewählt. Die Arbeiten des Kongresses werden je nach dem Fachgebiet in vier Sektionen behandelt. Zum Vorsitzenden der ersten Sektion wurde Reichsgerichtspräsident Dr. Bum ko (Leipzig) gewählt.


