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Nr. 72 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Mittwoch. 26. März 1930

Berge nicht zu überhören, auf die Gefahr hin. daß Sie. liebe and verehrte gnädige Frau, den Kopf schütteln oder lächeln, allzusehr. aber vielleicht irre ich nicht? Lassen Sie mich also er­zählen es dauert nicht lange

Ich war in einem Jagdschloß zu Gast. Meine Beziehung zur Herrschaft schien ledoch den Übri­gens zahlreichen Angestellten, den Dienern. Zo­fen Jägern, nicht genau bekannt, wenigstens begegneten sie mir mit einer seltsamen Ver­traulichkeit. Ich selbst wiederum wunderte mich darüber nicht besonders und ließ miH treiben innerlich unbeteiligt zunächst, wie so oft im Traum, und so trieb ich auch auf einem Jagd- zug mit an dem die Herrschaft anscheinend nicht teilnahm. So ging es denn ein wenig wild und ausgelassen zu. etwa so, wie wir es aus alten vlämischen Bildern kennen, and plötzlich war ein vor Jahrzehnten verstorbener Onkel von mir unter den lärmenden Gästen, die kaum vom Jagdgefolgc zu unterscheiden waren, ein wohl­beleibter zu mancherlei Derbheit und Neckerei neigender Herr der sich wie zu Lebzeiten damit vergnügte mir zuzufetzen Insbesondere hatte er es auf einen Ring abgesehen, den ich trug, ein mir wertvolles Andenken an einen Freund und wollte ihn mir durchaus vom Finger ziehen Je mehr er drängte, um so mehr widerstrebte ich, und so wandelte sich Scherz in Ernst, daß ich zuletzt von den anderen der Svahverderberei be­zichtigt keinen Ausweg sah, bis mir unvermutet einfiel hier könne und werde my die Frau des Hauses Ordnung schaffen.

Bun wissen Sie ia. daß es im Traum keine zeitlichen und räumlichen Entfernungen gibt. Ich riß mich los rannte, mitten im Wald, ohne weiteres davon und war, von meinem Wunsch getragen, sofort im Schloß Da lief ich suchend durch Zimmer und Korridore und stürmte schließ­lich in einem kleinen, von warmer Dämmerung erfüllten Saal der Dame des Hauses, die dort in einem Sessel am Kamin sah, zu Füßen, ein Hilfeslehender, und barg meinen Kops in ihrem Schoß Zugleich sah ich - und fand nichts dabei mit geschloffenen Augen zu sehen, daß Sie diese Dame waren Ich sah Ihre blonde Stirn sich über mich neigen, daß einige Locken nach vorn fielen, sah Ihre immer ein wenig ange­strengten Augen gnadenreich aufleuchten, fühlte Ihre kleinen kühlen Hände begütigend über meinem Haar und sehen Sie, in diesem Augen­blick fiel von meinem Herzen etwas ab wie die Last eines langen Lebens Was galt da noch ein Ring, als ein unbeschreibliches Gefühl der

Erlösung, des vollendeten Glücks mich durch­strömte. Mein Selbstgefühl schwebte auf den Wolken einer aromatischen Süße empor, es brei­tete sich um mich her eine Stimmung von solch erdenferner, ja beinahe hei'iger Erhabenheit, daß ich in Tränen ausbrach, in Tränen jener Art, wie sie aus unseren Augen treten, wenn uns ein Werk der Kunst erschüttert oder die edle Tat eines Menschen unseren verschütteten Glau­ben an das Gute wieder ins Licht hebt. In dieser ungemeinen Bewegung schwanden mir die Sinne und - der Traum war vorüber Ich wachte aus Es war noch lange Zeit bis zum Morgen.

Während indessen die meisten Träume rasch verwehen oder doch nur ein paar kärgliche, rein bildhafte Spuren zurücklassen, hat dieser sich meinem Gedächtnis eingeprägt wie eine taghelle Begebenheit Ich denke manchmal, daß die Er­lebnisse des Träumenden denen des Wachenden mindestens gleichwertig sind und gar nicht unter­schätzt werden dürfen, denn im Schlaf sind wir doch eigentlich mehr bei uns selbst als im Wachen, wo unser Bewußtsein von einer Vielheit von Eindrücken zersetzt wird Einen Traum zumal wie diesen, dessen Spiegelungen offenbar zum festen Bestand meines Angedenkens gehören glaube ich nicht ernst genug nehmen zu können Ich weih nicht, wie Sie darüber denken, ob Sie lächeln oder ob Sie den Kopf schütteln aber Ihre Erscheinung im Traum stimmte so vollkommen mit Ihrer wirklichen Erscheinung überein, sie war. wenn Sie den Ausdruck er­lauben mögen, so wenig traumhaft und in ihrer Wirkung fo mächtig über den Traum hinaus, daß mich nichts hindern kann, an eine geheim­nisvolle, wahrscheinlich nie ganz ergrünöbare Beziehung zwischen beiden zu glauben Und eben aus diesem Glauben schien mir die Pflicht zu erwachsen, Ihnen diese Geschichte zu erzählen, darin Sie mir begegnet sind als ein Wunsch­bild jener jenseitigen Weiblichkeit, die uns ewig hinanzieht, oder als gestalteter Widerschein der Ausstrahlungen aller gütigen Weiblichkeit, die meinen Weg hienieden je gekreuzt hat. Was Sie aber auch von dieser Mitteilung halten mögen, und wäre es - nichts nehmen Sie sie. das Ungewohnte darin mit der Ihnen eigenen Milde vergebend, als eine Kundgebung des Dankes, der Dankbarkeit für ein innerstes Erleb­nis von unvergeßlicher Lieblichkeit und von un- versieglichem Trost - für die wundertätige Be­rührung mit einem jener Geheimnisse, von denen wir alle umgeben sind, mitten in unserem Leben.

Uraufführung in Frankfurt.

Gestern abend fand im Frankfurter Schauspielhaus die Uraufsührung der dreiaktigen TragikomödieSchwingen über Europa" von Robert Nichols und Maurice Browne statt.

Bei dem anscheinend chronischen Mangel an guten deutschen Stücken ist das Ueberhandnehmen fremder Dramatik auf unseren Bühnen kaum verwunderlich Besonders englisch« Stücke tau­chen neuerdings überraschend zahlreich auf. Diese Tragikomödie ist in Reuyork fast anderthalb Jahre lang gespielt worden. Trotzdem ist sie ein gutes Stück.

Cs handelt sich um eine Zukunstsphantasie aus dem Jahre 1940, übet die man lächeln konnte als über einen Theaterscherz, wenn nicht eine sehr ernste Idee dahinter stünde. Das Thema an lich ist sehr alt Kamps zwischen Materie und Geist Kampf des wegweisenden Propheten gegen die ungläubige und schwunglose Menge der andern.

Die Ausführung - unter der guten Regie Sakheims, mit tüchtigen Darstellern wie Derboeven. Taube Engels und andern war ein star'er Erfolg Es wird noch einiges über das Stück zu tagen fein. hth.

Oer Absatz als Lebensretter.

Jetzt erst wird in Verbindung nut dem letzten großen Bombenattentat in Chicago, dem das Haus eines Juweliers zum Opfer fiel, eine Episode bekannt, die, wenn sie nicht erfunden ist, uns wieder einmal mit Staunen über die Wege der Vorsehung erfüllt. In dieses Haus war zur Zeit des Attentats mit fingierter Un­terschrift ein Mr. Leewson zwecks Abschlusses eines großen Geschäftes bestellt worden, in Wirk­lichkeit war es natürlich auf fein Leben abge­sehen Nichtsahnend machte Mr. Leewson sich zu Fuß auf den Weg nach dem nicht sehr weit entfernt liegenden Hause und verlor unterwegs den Absatz des linken Stiefels. Aergerlich über diesen Zwischenfall suchte er sofort die nächste Schnellbefohlerei auf. um sich den Stiefel re­parieren zu lassen. Da er nicht der einzige Kunde war, dauerte die Angelegenheit für ihn fast eine halbe Stunde, - und dieser Aufenthalt rettete ihn In derselben Minute fast, in der er die Reparatur bezahlte, ging das Haus, in dem er sonst schon längst eingetroffen wäre, in die Luft.

Oie große Müielmeersahrt der Reichömarine.

Was unsere blauen Jungens sehen werden: Oben links: Spanien, das Land der schonen Frauen Oben rechts: Santander, der bedeutende Hafen im Golf von Biscaya der von den Torpedoflottillen angelaufen wird Unten links Athen, das Ziel der LinienschiffeSchleswig- Holstein" undHannover". Unten rechts: Der Felsen von Gibraltar, die englische Feste am Eingang des Mittelmeers, die von dem Geschwader passiert wird.

Stalins Bremse.

Don unserem dl.-Berichterstatter. Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten I

Moskau, Ende März 1930.

Unvoreingenommen betrachtet, spielt sich gegen­wärtig in der Union der Sowjetrepubliken das gewaltigste Geschehen der Menschheitsgeschichte ab Einem zu 90 d. Sy agrarischen Staat wird von einet Minderheit eine fremde Idee aufgezwungen, wird ein Programm auferlegt, das die Industrialisierung in einem Tempo vorsieht, daß in fünf Jahrendie größten Fortschritte der anderen Industrieländer ein­geholt, ja überholt werden sollen" Das riesige russische Reich wird in eine soziale und in eine Agrarrevolution, ja in eine Revolution aller feit Jahrhunderten überkommenen Einrichtungen ge­stürzt. daß es bis in seine Grundfesten erbebt Daß eine so unerhörte Umschichtung aller Werte unter Explosionen und weithin hörbaren De­tonationen vor sich geht, ist unvermeidlich Man tut in Europa aber im ureigensten Interesse nicht gut daran, wenn man jedes Wetterleuchten der sowjetrussischen Erschütterungen, das nach dem Westen hinüberflammt, als ein Zeichen des Unterganges, alsden Anfang vom Ende" an­sieht Dieser Anfang ist, wenn man will, erfolgt, als Lenin im plombierten Wagen nach Rußland zurückkehrte Aber das Ende?. 210(6 ist der Kommunismus an der Macht Roch ist ein Rach folger für die kommunistische Konkursmasse nicht zu sehen Und noch ist Stalin am Ruder, auch wenn seine persönliche Stellung, wie man sich zuraunt, durch die neuesteSchwenkung" leicht erschüttert sein soll, durch eine Schwen­kung, die genau besehen nicht mehr und nicht

Brief an eine Dame

23on Will Scheller.

Ihre Augenbrauen, gnädige Frau, sind ein we­nig zusammengezogen, ich weiß es. vor Verwun­derung aber auch ich. warum es leugnen kann nicht umhin, etwas befremdet mir selber gleichsam über die Schulter zu blicken, auf die­ses Papier das. nicht ganz eines gewissen Zö­gerns dar. mit Schriftzeichen bedeckt wird

Sie wundern sich, daß ich Ihnen schreibe, ob wohl es doch so einfach und selbstverständlich wäre mit Ihnen zu sprechen Denn der Ge­legenheiten dazu gibt es gewiß viele und man­nigfaltige nicht nur wenn ich das Vergnügen habe Ihr und Ihres Gatten, meines Freundes. Gast zu sein oder Sie bei uns zu sehen, sondern auch, ost genug, nicht wahr im Theater, in einer Ausstellung in einem Konzert

Ich aber, ich sehe mir befremdet zu. wie ich Ihnen schreib? wie ich im Begriff bin. Ihnen etwas zu erzählen, wovon ich noch gar nicht einmal weih ob sich s überhaupt in Worten la­gen läßt ganz gleich, ob von Mund zu Mund oder auf einem Papier, bas erst auf dem Um­weg durch viele fremde Hände zu Ihnen gelangt Aber reizt nicht eben das am meisten zur Er­zählung was uns geheimnisreich, rätselhaft, ia am Ende unaussprechlich erscheint?

Das mag indessen sein, wie es wolle ich habe erschrecken Sie bitte nicht, lächeln Sie. bitte, auch nicht allzu sehr - ich habe von Ihnen ge­träumt

Nichts was das Licht scheuen müßte, o nein es ist schon sehr viel Licht dabei. Es ist etwas das Empfindungen von einer Seltenheit, fast mochte ich sagen Erlesenheit, wachgerufen hat. deren Nachhall mich nun schon tagelang ge­radezu verfolgt wie eine Mahnung Wenn ich sie diese Erinnerung, recht verstehe, zielt sie darauf hin. daß ich. sagen wir. kein Geheimnis vor Ihnen machen soll aus dem, was ich von Ihnen geträumt habe.

Vielleicht irrt mein Gefühl. Ich weiß es nicht Aber wir wissen ja gerade dann am wenigsten wenn unsere tiefsten Erlebnisse laut zu werden suchen Wir sind tote iene Märchenfiguren, die. in eine Zaubertoelt geraten, das Beste zu ver- gelten pflegen, wenn sie wieder in die soge­nannte Wirklichkeit zarückkehren. Ich möchte ein­mal versuchen, das Beste nicht zu vergessen, die Mahnung der Fee oder des Königs im

weniger als die Rückkehr zum Fünf- j a h r e s p 1 a n ist.

WaS ist geschehen? Der Fünfjahresplan, der 1928 geschaffen wurde, ist, wie betont, in der Hauptsache ein Jndustrieprogramm und teilt, soweit aktive Reformtätigkeit in Frage kommt, der Landwirtschaft nur einen bescheidenen Platz zu Wan kannte den bäuerlichen Wider­stand gegen den Konmunismus als Idee, als Religion, wie man ujn neuerdings predigt Aber ein Exempel sollte an dem widerspenstigen Bauern statuiert werden. Und man glaubte in Moskau, zwei Fliegen mit einem Schlag zu bekommen, wenn man in Erkenntnis der Not­wendigkeit einer Hebung der landwirtschaftlichen Produktion Riesengüter auf der Grund­lage der kollektiven Landbewirt- l ch a f t u n g schuf, die in ihrer Anzahl etwa 25 v H sämtlicher Bauernwirtschaften ausmachen sollten Stalin ging also dakan, das Programm Trotzkis, seines verhaßten Feindes, in die Tat umzusehen Aus der Einnahmenseite des Fünf- jahrcsplanes spielte der Bauer nach wie vor eine hervorragende Rolle Er hatte die enormen Steuern aufzubringen, feine Wirtschaftsmethoden zu rationalliieren, seine Anbauflächen zu er­weitern und für Ekportgetreide zu sorgen, also für das Hereinkommen der edlen Valuta, die man zur Industrialisierung brauchte Aber der Bauer streikte Er lehnte es ab. mit seinem Schweiß das Defizit zu decken, das die sozia­listische Industrie, der Staats- und Genossen­schaftshandel und der enorme Lerwaltungsappa- vat alljährlich aufwiesen Er hatte das billige Brot durch über zehn Jahre für sündhaft teure, größtenteils untaugliche Ware in Tausch geben müssen Seine Geduld war zu Ende. Und Stalin sein ganzes riesenhaftes Industrialisierungs-

LinienschiffSchleswig-Holstein", das Flaggschiff des Dize-Admirals Oldekopp (Porträt links), der die große Mittelmeerfahrt letten wird, zu der am 2. April die LinienschiffeSchleswig-Holstein".Schlesien", Hannover".Hessen", der KreuzerKönigsberg" und mehrere Tor- pedobootslottillen auslaufen werden.

Projekt in nichts zerfallen, wenn der Bauer weiter bei seinem Widerstand beharrte.Der Dauer will nicht? Als Arbeiter wird er wollen müssen, wenn er Hunger haben wirdl" Und gleichzeitig mit der Veröffentlichung des Programms für die verstaatlichte Industrie wurde die Soziali­sierung von 25 d. Sy der Bauernhöfe verkündet, die schrittweise, langsame Sozialisierung, die gleichfalls in fünf Jahren, also 1933, abgeschlossen sein sollte.

Man weiß, wie sich die weitere Entwicklung vollzogen hat. In dem Kulaken, dem Groß­bauern, erblickte man einen Gegner, einen grund­sätzlichen Gegner jeder, auch der schrittweisen Kollektivierung Und ihm erklärte man den Kampf bis aufs Weiser, bis zurphysischen Vernich- tung" Daneben ging das Anziehen der Steuer­schraube gegenüber den freien Wirtschaften (weil man Geld für die Industrie brauchte) sowie die Propaganda für denfreiwilligen" Beitritt zu den Neu zu gründenden Kollektivwirtschaften, denen man Steuererleichterungen. Klassenvor­rechte und andere Privilegien gewährte. Der bäuerliche Widerstand verdoppelte sich und damit der behördliche Gegendruck Jungkommu­nistische Stoßbrigaden wurden auf das wehrlose Land losgelassen. Widerspenstige wurden zu Tausenden alsKlassenfeinde" behandelt und hingemordet, und wehe dem, der sich bolsche­wistischer Gewalt widersetzte! Sämtliche Faktoren wirkten in ihrer maßlosen Ueberspihung zu­sammen Der Bauer ob zu dem Eintritt in die zu gründenden Kollektivbetriebe auf gefordert ober unter die Steuerpresse gesetzt sah sich am kürzeren Hebel, sah das Hungerge­spenst mit Riesenschritten auf sich zukommen Er unterschied nicht die Finessen des Fünfjahres- Plans für ihn handelte es sich nicht um den

Sieg einer Idee, sondern um die Rettung des nackten Lebens. Und vor die Alternative gestellt: verhungern oder (wie er es auffahte) in der Kollektivwirtschaft versorgt, staatlich versorgt zu fein, wählte er das letztere.

Diese Entwicklung hat sich der Kreml selbst zuzuschreiben. Als die Dauern in den Gemein- Ichaftsbetrieben ihre Rettung zu erblicken be­gannen und die Kollektivwoge über seinem Kopf zusammenzuschlagen drohte, kam der Artikel Sta­lins und sodann der Beschluß des Politbureaus. Laut und vernehmlich wurde da Halt! gerufen. Denn der Fünfjahresplan, das ganze grandiose Projekt der Industrialisierung Rußlands, war in Gefahr. Man sah, daß die Landwirtschaft nicht nur das zur Investierung in die Industrie nötige Kapital nicht würde zur Verfügung stellen kön­nen, ja, daß sie selbst auf absehbare Zeit Zu­schußbetrieb zu werden drohte. Denn von allen bestehenden Kollektivwirtschaften hat bis­her nur eine einzige Ueberschuh abgeworfen. Und nicht dieSchwenkung" Stalins ist _ das wesentliche an der Bremse, die er der ungestümen Kollektivierung angelegt hat, sondern die aller­dings bange Frage, die sich heute Moskau vor­legt, ob es zur Umkehr, zur Besinnung auf den Plan noch nicht zu spät ist. DerFort­schritt" der Kollektivierung hat sich im Sinne des Fünfjahresplans so unzweideutig als Rück­schritt. ja als Bedrohung des ganzen Planes erwiesen, daß auf den Taumel der hundertprozen­tigen Sozialisierung eine böse Ernüchterung ge­folgt ist.

Was wird jetzt werden? Die Dekrete jagen einander. Und in der Sowjetunion ist heute der seltene Zustand eingetreten, daß man das Urteils­vermögen und das Augenmaß für die Vorgänge zu verlieren droht weil die Ereignisse tich in