Nr. 47 Erstes Blatt
180. Jahrgang
Dienstag, 25. Hebruar 1930
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Dr Fnedr Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.
praktische Konjunkturforschung!
Von Professor Dr. Hermann Levy, Berlin.
Die Konjunkturforschung — ein neuer Zweig der Wirtschaftswissenschaft und der Wirtschaftsstatistik — ist amerikanischen Ursprungs. Aber es ist charakteristisch, daß die Bezeichnung in den Bereinigten Staaten von Amerika eine andere ist als bei uns. Man spricht dort von dem „busmess forecasting“, also der Geschäfts- voraussage, und deutet damit sogleich das praktische Ziel an, aus welches die Sammlung und Sichtung des wirtschaftlichen Materials gerichtet ist: Krisenvorausbestimmung, Warnung an die Geschäftsleute oder Aufmunterung derselben usw. Bei uns hat dieser wirtschastswi sen- schaftliche Zweig, dessen Hauptsörderer heute der Präsident des statistischen Reich'amts, Professor W a g e m a n n ist, einen etwas allgemeineren Ramen gefunden, der fast einen rein theoretischen Eindruck macht: Konjunkturforschung oder auch Marktbeobachtung. Es wäre leichtfertig, zu meinen, dah diese Forschung gewisser- mahen nur im luftleeren Raume arbeite, lediglich sich die Aufgabe stecke, dem tiefverzweigten Probleme der Wirtschaftskrisen, den sogenannten zyklischen Schwankungen des Konjunkturablauses. näherzukommen. D e Konjunkturforschung bat be- g nnen, sich sehr r raktishen und aktuellen Einze> aujgaben zu widmen, wobei sie von der ganz richtigen Becbachtungausgeht, dah die Verworrenheit der Marktlage und der Absa h v e r h ä l t n i s s e vieler Einzeige- biete der Wirtschaft hierfür den geeigneten Ausgangspunkt bietet. Gelingt es bann darüber hinaus, für die gesamte Wirtschaft mit der Zeit gewissermaßen „Richtlinien" des Konjunkturablauses zu finden, so wird das nicht minder freudig begrüßt werden. Man darf aber nicht meinen, daß die Erforschung der Marktverhältnisse mit dem Ziele, den periodischen Schwankungen näher zu kommen, etwa im besten Falle den Dienst des Thermometers leiste, welches wohl die Höhe der Temperatur angebe, diese aber selbst nicht beeinflussen könne. Die Erkenntnis der wirtschaftlichen Gesetze, welche die anscheinend verworrenen Verhältnisse der Märkte beherrschen, kann sehr wohl dazu führen, dah das Verhalten der Geschäftswelt von bestimmten Erkenntnissen so stark mitbeeinfluht wird, uef; die anarchischen und chaotischen Störungen, lu: die zunächst der Wirtschastthermometer nur das „Schaubild" abgibt, in der Tat eine wesentliche Begrenzung erfahren können. Jedes Mittel aber, welches dem krisenhaften Charakter des Wirtschaftslebens vcroeugt, muh heute ganz besonders auf das ernsthafteste geprüft und beherzigt werden.
Die Amerikaner haben es mit der Marktbeobachtung und Marktanalyse besser als wir. Ihre Wirtschaft ist sowohl auf dem Gebiete der Fabrikation wie des Handels, bis hinunter zum Detail- Handel, konzentrierter organisiert als bei uns, daher einheitlicher und übersichtlicher. Wenn man zum Beispiel bedenkt, dah die beiden großen Automobiljabriken Amerikas, die Ford- Gesellschaft einerseits und die General Motors Corporation andererseits, an der Versorgung des Landes mit Kraftwagen mit jeüber40v. H. beteiligt sind, so begreift man, daß hier eine planmäßige Beobachtung der Marktvorgänge im Automobilgeschäft viel leichter ist als bei der stark zersplitterten Erzeugung Deutschlands mit seinen zahlreichen Automobilfabriken. Der Heberblid über die Statistik der Absatz-, Lager- und Auftragsentwicklung ist natürlich in so konzentrativ aufgebauten Wirtschastszweigen relativ leicht und man wundert sich nicht, wenn z. B. die General Motors Corporation in der Lage ist. sich von zehn zu zehn Tagen einen Heberblid über diese Entwidlung durch chre Händlerorganisation au schaffen Ebenso sind auch die landwirtschaftlichenBerhäl.nisse i.i dem itanbe extensiver Agrarturtuc viel leichter überblickbar als etwa bei unserer europäischen intensiven Wirtschaftsweise mit starker Betriebs» Zersplitterung. Und schließlich: bei der großen Einheitlichkeit der Erzeugung in Amerika, der Typisierung und Standardisierung der Produktion, lassen sich die Anregungen die sich aus den Ergebnisen der Konjunkturforschung und Marktbeobachtung ergeben, viel rascher und genereller verwirklichen als bei uns.
Dennoch haben auch wir in Deutschland schon heute ein erhebliches Fortschreiten auch der praktischen Marktbeobachtung zu verzeichnen Erst unlängst konnte in einem interessanten Aufsatz der Zeitschrift „Weltwirt.chaft" Iber beutschen weltwirtschastlichen Gesellschaft in Berlin), Dr. Fritz Baabe einen Beweis hierfür erbringen. Die Konjunkturforschung hat z. D in den letzten Zähren bie Preisbildung und Marktgestaltung auf dem für bie Landwirtschaft so überaus wichtigen Gebiete der Schweinehaltung untersucht, und zwar mit so gutem Erfolg, dah wir heute im Stande sind, der Landwirtschaft zur Mschwächung des spekulativen Risikos, bas in biesem Probuktionszweige steckt, wertvolle Anregungen zu geben Es hat sich herausgestellt, daß bie Lanbwirte mit erstaunlicher Regelmäßigkeit alle eineinhalb bis zwei Jahre dieSchweine- produktion übermäßig ausbehnen unb sie dann in einem gleichen 3eüraum wieder übermäßig einschränken. Auch die Gründe für dieses, der Rentabilität der Schweinemast höchst unvorteilhaftes Verhalten sind jetzt aufgeklärt: sie bestehen darin, daß die Landwirte bei hohen Preisen viel zu rasch zu einer Mehr- « r z e u g u n g s ch r e i t e n, die dann nach einem gewissen Zeitraum zu einer Heberlafiung des Marktes führen muh. So entsteht hier ein
Einigung über -en Handelsvertrag mit Oesterreich.
Oer materielle Erfolg der Berliner Reise des österreichischen Bundeskanzlers. — Schober von seinem Berliner Aufenthalt hochbefriedigt.
GünstigerVerlausderlvirtschastS- polittschen Besprechungen.
Berlin, 24.Jebr. (WTV.) Die politischen Be- sprechungen zwischen dem österreichischen Bundeskanzler Dr. Schober und der deutschen Reichsregle- tung wurden heule vormittag in der Reichskanzlei 3 u Ende geführt. An den Besprechungen, die unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Müller slattfanden, nahm der gleiche kreis von Teilnehmern wie am vergangenen Samstag teil. Der heutigen Sitzung waren am Sonntag Einzelbespre- chungen wirtschaftspolitischer Art vorangegangen. Auf dieser Grundlage körnte in der heutigen Aussprache über den geplanten Handelsvertrag zwischen Oesterreich und Deutschland eine Einigung über die wichti gsten bisher noch offenen Fragen erzielt werden. Ls kann danach mit Bestimmtheit erwartete werden, dah der deutsch-österreich'sche Handelsvertrag binnen kurzem zum Abschluß gelangen wird. Die noch zu bereinigenden Linzelsragen werden sofort nach Beendigung der Genfer Zollfriedenskonferenz durch die beiden Delegationen erledigt werden.
Rückreise nach Wien.
Berlin, 24. Febr. (WTB.) Der österreichische Bundeskanzler Dr. Schober verlieh heute abend 18.48 Hfjr mit den Herren seiner Begleitung Berlin, um sich nach Wien zurüdzu- begeben. Reben dem hiesigen österreichischen Gesandten Dr. Frank und den Mitgliedern der österreichischen Gesandtschaft hatte sich Reichs- auhenminister Dr. C u r t i u s zum Abschied auf dem Bahnsteig eingefunden. Der Reichskanzler, der zu seinem Bedauern durch Verhandlungen im Reichstag verhindert war, persönlich zu erscheinen, ließ sich durch Staatssekretär Dr. P ü n b e r vertreten. Ferner waren Staatssekretär von Schubert unb weitere Herren des Auswärtigen Amts, Polizeipräsident Zörgiebel, und zahlreiche Mitglieder der hiesigen österreichischen Kolonie erschienen, die bei der Abfahrt des Zuges auf den Bundeskanzler begeisterte Hochrufe ausbrachten. Der Reichspräsident hat dem Bundeskanzler Dr. Schober zur Erinnerung an seinen Berliner Aufenthalt sein Bild in silbernem Rahmen überreicht.
Schober ist befriedigt.
Großer Eindruck von der Persönlichkeit Hindenburgs.
Berlin, 24. Febr. (WTB.) Bundeskanzler Schober gab nach Abschluß seines Berliner Aufenthaltes dem Berliner Vertreter bet Wiener Amtlichen Nachrichtenstelle einige Erklärungen über bie Ergebnisse unb Eindrücke seines Berliner Besuches ab, in denen es u. a. heißt: Ich möchte es nicht unterlassen, darauf hinzu- taeiien, daß auf mich bie ehrwürbige Persönlichkeit des deutschen Reichspräsidenten den stärksten Eindruck ausgeübt hat, und daß ich mit Bewunderung erfüllt war, zu sehen, mit welchem lebendigen Interesse der höchste Repräsentant des Deutschen Reiches alle Fragen verfolgt, die das Schicksal des Reiches, aber darüber hinaus auch die Zukunft aller Angehörigen der deutschen Ration sowie die internationale Befriedung betreffen. Der freundschaftliche Verkehr zwischen den Politikern auf beiden Seiten war von einer Herzlichkeit, die durchaus nichts Äonbcntionelle8 an sich hatte unb bie der sichtbare Ausbruck bes Gefühls würbe, baß es Brüder sind, die hier zusammenkamen, die sich zu einer nationalen Familie zählen. Es klingt vielleicht selbstverständlich, wenn ich weiter erkläre, daß bie umfangreiche Aussprache, die wir mit den verantwortlichen Leitern der deutschen Politik in diesen Tagen halten konnten, bewiesen hat, wie einig
wir uns in allen Grundfragen sind, die das Schicksal des deutschen Volkes angehen. Es ist bekannt, daß wir aber bei dem Berliner Besuch auch konkrete wirtschaftliche Ziele verfolgt haben. Die vielfach gleichartige Struktur der Wirtschaft in Oesterreich und Deutschland hat gerade in der letzten Zeit durchaus verständliche Interessengegensätze aufgezeigt, deren Heber» Windung allerdings nur von höheren Gesichtspunkten aus möglich ist. Ich freue mich ganz besonders, feststellen zu können, daß die Verhandlungen, welche auf diesem Gebiete in Berlin geführt wurden, der Abschluß des Handelsvertrages unzweifelhaft in kürzester Frist fertiggestellt sein wird. So kehre ich hochbefriedigt nach Oesterreich zurück, um in erster Linie den wirtschaftlichen Problemen meine ganze Arbeitskraft zu widmen.
Haag-Rom-Berlin.
Ocsterreichischc Blätter über Schobers dritten Erfolg.
Wien, 25. Febr. (WTB. Funkspruch.) Die Blätter heben mit größter Befriedigung die Einigung über den deutsch-österreichischen Handels-
Viel Zeit hat der Deutsche Reichstag nicht, um jetzt außenpolitische und innenpolitische Entscheidungen von größter Tragweite zu treffen. Aber es scheint zum Wesen unseres parlamentarischen Getriebes zu gehören, daß immer bis zum letzten Augenblick alles unklar bleibt und daß dann erst der Mut zum Umfallen gewonnen wird. Gerade die schwerstwiegenden Entschlüsse sind immer fünf Minuten vor 12 gefaßt worden. Warum sollte es diesmal anders fein?
Jede der Parteien hofft vorläufig noch, dah der allgemeine Steuerlanierungsplan nicht gerade an dem Punkt scheitern werde, an dem der eigene Widerspruch einfetzt. Man möchte sich also einstweilen nicht allzusehr festlegen, weil es unbequem ist, in der Öffentlichkeit für das etwaige Scheitern der Verhandlungen verantwortlich gemacht zu werden. Rachdem der Kaffee- und Teezoll durch Beschluß der Reichsregierung heraufgeseht worden ist, bleibt schließlich dem Reichstage außer der Bier st euerer- Höhung jetzt kaum etwas zu tun übrig. Sie bildet also das Kernstück des Moldenhauerschen Programmes.
Fast noch strittiger aber ist die Frage der Arbeitslosenversicherung. Hier gibt es zwischen den Parteien der Regierungskoalition überhaupt keine Derständigungsmöglichkeit. Die sozialdemokratische Presse hat ihrerseits schon jetzt den schärfsten Widerspruch gegen den Moldenhauerschen Plan angekündigt, der der Reichs- anftalt die Beseitigung des restlichen Defizits von hundert Millionen Mark aufbürden will, obwohl es sicherlich einmal zu einer derartigen Losung kommen wird, weil auf diesem Wege allein eine verantwortungsbewußte Wirtschaft in der Arbeitslosenversicherung hergestellt werden kann.
Die taktischen AbsichtenderRegierung sind nicht ganz leicht zu erkennen. Hat der Reichsfinanzminister die Verhandlungen sich hin- schleppen lassen, um nachher im Drange ter Zeit seine Ministerkollegen und die Parteien vor ein Ultimatum §u stellen? Glaubt er auf diesem Wege Widerstande aus der Welt schaffen zu können, die auf dem Verhandlungswege nicht zurückgedrängt werden konnten? Voraussichtlich wird schon die Kabinettssihung am Dienstag ihn darüber belehren, dah er einer festgeschlossenen Front gegenübersteht, die mindestens aus den vier sozialdemokratischen Ministern und dem Reichsverkehrsminister Stegerwald besteht. Diese Front dürfte sich sicherlich nicht überstimmen lassen. Moldenhauer wird also mit ihr kämpfen
vertrag als guten Abschluß des Besuches deS Bundeskanzlers Schober in Berlin hervor. In der „Reichspost" heißt es unter der Heberschrift „Haag — Rom — D'e rlin": Cs ist eine besonders willkommene Kunde, die der Bundeskanzler bei seinem Abschied von Berlin in seine österreichische Heimat vorausschickt. Er bringt nun den dritten Erfolg heim. — Das „Wiener Reue Tagblatt" schreibt: Der Handelsvertrag mit dem stammverwandten großen deutschen Rachbarn bedeutet für Oesterreich, aber auch für Mitteleuropa, mehr als wirtschaflliche Abmachungen gleicher Art unter anderen Staaten. Das Deutsche Reich stellt heute in der Mitte des Erdteils den größten Wirtschastskor- p e r dar, der den geographischen, natürlichen Schwerpunkt für die unumcänglich notwendige zukünftige Wirtscha tsorganisation der europäischen Mitte darbietet. Für die heimische Wirtschaftsarbeit ist ein gutes Fundament gelegt, der sich der Bundeskanzler jetzt mit voller Kraft widmen wird. Auf dieser Grundlage kann r ü st i g weitergeschafft werden.
müssen, da sie nach wie vor auf dem Standpunkt steht, dah ein Teil der finanziellen Schwierigkeiten durch ein Rotopser der Besitzenden und Festbesoldeten beseitigt werden müsse.
Die Regierung hat auch bei dieser Gelegenheit wieder einmal viel von der Führerschaft oetm ssen lassen, die Volk und Parlament gerade in solchen Lagen voraussetzen müssen. Vielleicht liegt es viel weniger an mangelnder Erkenntnis als daran, daß diese Regierung selbst nur ein Spiegelbild der hinter ihr stehenden Fraktionen ist und daß die einzelnen Minister es kaum wagen werden, sich allzu weit von ihren Fraktionsmehrheiten zu entfernen. Von einer solchen Regierung kann man keine Initiative in Steuerfragen erwarten, um so mehr, als bisher noch nie steuerpolitische Gesetze zusammen von der Deutschen Volkspartei und der Sozialdemokratie verabschiedet werden konnten. Wer ein Interesse an einer wirklichen Gesundung der Reichsfinanzen hat, der wird sich darüber klar sein müssen, das große Steuerproblem, das in absehbarer Zeit zu lösen, gilt, nicht nach den Grundsätzen des geringsten parlamentarischen Widerstandes behau- dell werden kann, sondern daß es eine sachlich- konstruktive Lösung erheischt, da es schließlich darauf ankommt, der deutschen Wirtschaft die nötigen Erleichterungen zu gewähren. Das Flickwerk, das Regierung und Reichstag jetzt in Aussicht genommen haben, aber bedeutet das genaue Gegenteil einer diskutierbaren Lösung. Es wird zweifellos nicht besser dadurch, daß sich jetzt der Reichstag unter dem Druck der ersehnten Fastnachtspause darum zu bemühen hat. Man würde übrigens im deutschen Volke durchaus Verständnis dafür haben, wenn der Reichstag angesichts dringender zu erledigender Arbeiten auf diese Fastnachtspause verzichten würde. Die Aschermittwochsstimmung wird sich zweifellos auch ein- stellen, wenn die M. d. R. in diesem Jahre die Fastnachtsfeiern in der Heimat einmal ausfallen ließen.
Der Kampf um das Mopser.
Berlin, 25. Febr. (CRB.) Die fozialdrrno» kratifche Forderung, zur Sanierung der Reichs- finanzen ein „Rotopfer" von den Gehaltsempfängern zu erheben, die nicht unter die Arveit slose nu nter- st ü tz u n g fallen, ist in der gestrigen Sitzung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion erneut angemekdet worden. In den übrigen in der Regierung vertretenen Parteien ist dieser sozialdemokratische Plan bei seinem Auftauchen auf den größten Wi
Kein Aorlschrilt in den Llatsbesprechungen
regelmäßiger Zyklus von Heber- und Hntererzeu- gung, der geschäftlich äußerst verhängnisvoll wirken muß. Während aber die Lanowirte über eines der wichtigsten Momente ihrer Erzeugung keine Macht haben — nämlich die Witterungsverhältnisse — ist hier eine Tatsache gegeben, die sehr wohl eine Einwirkung auf Grund richtiger wirtschclltswissenscha.tiicher Erkenntnis möglich macht. Sie bezieht sich aber nicht allein aus die Schweinezucht als solche, sondern auch auf eine Fülle anderer Zweige der agrarischen Erzeugung, so daß ein Vor- und Eindringen der Erkenntnisse, welche die Marktbeobachtung liefert, in der Tat dahin wirken kann, die gefährlichen konjunkturalcn Schwankungen in der Landwirtschaft abzuschwächen. Eine zentrale Preis- und Produktionsberatung muh hier das Ziel werden.
Ein anderer Fall für die praktische Bedeutung der Konjunkturforschung und Marktbeobachtung liegt auf dem Gebiete der deutschen A u t o mobil i n d u st r i e. Hier hat es sich das Institut für Konjunkturforschung zur Ausgabe gemacht, zu untersuchen, worin sich die Struktur des deutschen
Marktes von derjenigen des amerikanischen Automobilgeschäfts unterscheidet. Sie ist dabei ebenfalls zu dem Resultat gekommen, daß die Hn° Übersichtlichkeit des Marktes, des Absatzes und des kommenden Bedarfs, sowie des auf diesem Gebiete so wesentlichen Tausches (neuer gegen alte Wagen) ein sehr erhebliches Schädigungsmoment für die deutsche Automobilindustrie bildet. In einer hierüber von Dr. R. Rimptsch verfaßten Arbeit „Marktbeobachtung und Wirtschastsführung in der Kraftfahrzeugindustrie" werden positive Vorschläge zur Behebung dieser Mängel gemacht, Vorschläge, welche erfreulicherweise in der Automobilindustrie einen recht lebhaften Widerhall gefunden haben. Dor allem soll die Z u l a s s u n g s st a t i st i k dazu verwandt werden, weitgehendere Aufschlüsse übet die Art und die Entwicklung des deutschen Automob. lab'atzes zu geben. Kennen wir genauer als bisher, wie sich die Erzeugung und der Bedarf an Automobilen nach den verschiedenen Typen — z. D. kleine Wagen oder Acht-Zhlinder-Thp usw. — von Jahr zu Jahr, vielleicht von Monat zu Monat gestaltet, so werden wir ganz an
ders disponieren können als bei Huflar» heit über diese Tatsachen und der Schaffung von Produktionsprogrammen, die sich nicht an die statistische Wirklichkeit, sondern nur an geschäftliche Schätzungen und Meinungen halten. Ebenso wird eine statistische Aufgliederung nach alten und neuen Wagen zur Berechnung des „Ab st erbe" - Verhältnisses neuer Wagen gefordert und eine Statistik, welche über die Art der Käuferschichten Aufschlüsse gibt.
Damit beschreitet die Konjunkturforschung allenthalben den Weg der praktischen Arbeit. Sie will längst nicht mehr wie früher eine der vielen „Krisentheorien" um eine oder einige weitere bereichern. Sie geht an den Markt der Einzelgebiete heran unb versucht, durch Klarlegung der zunächst verworrenen Zustände von Angebot und Rachfrage dieses Verhältnis zu rationalisieren. Eine solche Arbeit ist gerade be"‘e, wo sich jede Vergeudung und Planlosigkeit in Produktion und Handel empfindlich rächt, wichtiger als je.


