der drahtlos und schließlich von Reuhork nach Washington (rund 350 Kilometer) wieder über Fernkabel. Es handelt sich bei dem Gespräch um die läng st e Fernverbindung, die bis jetzt hergeftellt worden ist.
Ueberschwemmungen in Mexiko.
Infolge der heftigen Regengüsse, die in der ersten Hälfte dieser Woche im Territorium Rayarit niedergingen, sind die Flüsse dort über die Ufer getreten. Das Hochwasser überschwemmte die Stadt Tufpan, in der 25 Per - sonen ertrunken sind, und die Städte Bahona. San Felipe und Eerrobola. Mehrere tausend Etüct Vieh sind in den Flüssen ertrunken. Die Vrnte ist auf weite Strecken vernichtet.
Internationale vriefmarkensälscher.
Die Pariser Polizei verhaftete ein polnisch-griechisches Paar, das bei einem Markenhändler gefälschte deutsche Briefmarken im Werte von 15 0 0 0 Franken verkaufte. Die junge Polin hatte dem Briefmarkenhändler erhört, daß sie aus wirtschaftlicher Notlage eine wert- voll«' Briefmarkensammli.ng verkaufen müsse. Die Briefmarken waren so täuschend ähnlich nachgcahmt, daß der Händler bei ihrem Ankauf nicht an ihrer Echtheit zweifelt«. Erst nachdem er gewohnheitsmäßig die Marken zur nochmaligen Prüfung nach Berlin u.nd Rom gesandt hatte, kamen sie mit dem Vermerk zu- rück, daß es sich um Fälschungen handele. Der Grieche gab an, daß er diese für 10 000 Franken in Rom gekauft habe, wo sich auch die Fälscher- zentrale befinden soll. In seinem Besitz fand man noch weitere gefälscht« Marken in Riesenmengen vor, bei deren Verkauf der Betrüger mit einem Gewinn von einer halben Million Franken rechnen konnte.
Au« Der Provinzialhauptstadl.
Gießen, den 24. Oktober IWO.
Butiergebackenes.
Line interessante Gerichtsentscheidung.
In der Sitzung des Amtsgerichts vom 21. Oktober gelangte ein Fall zur Entscheidung, der rricht nur für die einschlägigen Fachkreise (Bäckereien u. dgl.), sondern auch für das konsumierende Publikum von Wichtigkeit Ift Gs handelte sich um die Frage, ob der Käufer von Dutter- gebackenem auf Grund des Rahrungsmittel- aesetzes verlangen kann, daß bei Herstellung des Gebäck- auch tatsächlich reine Butter in entsprechender Menge verwendet worden ist. und ob her Verkäufer, der die Ware als Butter- gebackenes verkauft, obwohl nur Margarine verwendet worden ist, und es unterläßt, das kaufende Publikum in irgendeiner Weise hierauf aufmerksam zu machen, auf Grund des angezogenen Gesetzes wegen irreführender Bezeichnung der verkauften Waren strafbar ist oder nicht. Von besonderer Bedeutung war in der Verhandlung das Gutachten zweier Vertreterinnen der Gießener Hau-frauenberatung-stelle, die dem Verbände des Deutschen Hausfrauenvercins angegliedert ist. Diese hatten sich mit etwa 30 bis 40 Hausfrauen aller Schichten der Bevölkerung vor Abgabe des Gutachtens in- Benehmen gesetzt. Dieses ging dahin, daß beim Einkauf von Dutteraebackenem unter allen Umständen erwartet werden müsse, daß zu dem Gebäck auch reine Butter und nicht nur Margarine verwendet werde, selbst dann, wenn — wie im Fragefall — der Preis des Buttcrgebackenen auf nur 1,60 Mark für das Pfund gesetzt sei, daß auch recht wohl die Möglichkeit bestehe, daß Hausfrauen in nicht geringer Zahl durch die Bezeichnung ^Duttergebackenes" sich irre führen ließen, die von ihnen gehörten Hausfrauen hätten sich sämtlich mit ihnen solidarisch crflart; zudem sei auch zu bedenken, daß ..Buttergebackenes" vorwiegend für Kinder bestimmt sei. Das Gericht schloß sich dieser Auffassung an, nachdem es noch festgestellt hatte, daß in zwei Landstädtchen Oberhessens Butterge- backcnes, bei der nur reine Butter zur Verwendung kam, für 1,60 Mk. und für noch einen geringeren Preis verkauft werde. Der Angeklagte hat daher nach Ansicht des Gerichts gegen § 4 des Lebensmittelgesetzes vom 5. Juli 1927 verstoßen. Es erfolgte trotzdem Freisprechung des Angeklagten, eines Bäckers aus einem Rachbarorte, der nur Margarine verwendet hatte, aber ausschließlich aus subjektiven Gründen. Die Freisprechung gründete sich lediglich darauf, daß der Angeklagte, wie aus einer Reihe von Umständen zu schließen war. sich offensichtlich der Rechtswidrigkeit seiner Handlung nicht bewußt gewesen ist, namentlich nicht in der Richtung, daß er durch die Bezeichnung „‘Sutter- gcbackenes" das kaufende Publikum irre führe. Fährt der Angeklagte bei Herstellung desselben in der seitherigen Weise fort, so kann ihm angeblicher guter Glauben allerdings nichts mehr nützen.
Bornotizen.
— Tageskalender für Freitag. Stadt- theater: „Sektion Rahnstetten", 20 bis 22.15 Uhr. — Allgemeine Ortskrankenkasse Gießen-Stadt: Ausschußsitzung, 20.30 Uhr. im Gewerkschaftshaus. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Liebesparade". — Astoria Lichtspiele- „Messalina".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am morgigen Samstag Nndet das mit großer Spannung erwartete Gastspiel der Ludwig-Thoma-Bühne statt. Carl Zuck- mayers Verdienst ist es, uns diesen Genuß verschafft zu haben. Er hat die Truppe in Tegernsee spielen sehen und nicht eher geruht, als bis Berlin diesen Dauern begeisterte Ovationen bar* gebracht hat. Aus dem Bureau der Thoma- bühne teilt man uns mit, daß die Prager Landesbehörde ein weiteres Gastspiel verboten hat. »eil die Ludwig-Thoma-Bühne ein ausländisches (lies: deutsches) Unternehmen sei. Die Thoma- Bühne hat sofort die Tschechoslowakei verlassen. — Heute abend 20 Uhr „Sektion Rahnstetten".
— Von der Volkshochschule wird un6 geschrieben: Die Dortragsfolge für den Volks- kunstabend des Kammerorchesters der Dollshoch- schule, der als Eröffnungsfeier des Winterhalbjahrs am morgigen Samstagabend im Großen Hörsaal der Universität stattfindet. ist diesmal insofern bemerkenswert, als das Orchester zum ersten Male Solo-Gesang, und zwar zwei Arien aus G. F. Händels Oratorium ..Der Messias" begleitet. Als Solistin ist Frau Minna Wolff, Gießen. (Sopran) gewonnen worden, die außer diesen beiden Arien noch eine Arie aus Bachs ..Kafseekantate" mit Begleitung von Klavier (Frau Elfriede Fischer) und Flöte (Herr Hel» muth Eger) singen wird. In rein instrumentaler Beziehung kommen außer der Einleitung des
„Wessias" noch eine Suite von Georg PH. Telemann (1681 bis 1767), 3oh. Seb. Dachs gefeiertem Zeitgenossen, die nach einer Lollyschen Ouvertüre eine Anzahl alter Tanzformen aneinanderreiht, sowie ein Kirchenkonzert von E. F. d'all Abaco (1675 bis 1742) zu Gehör. Dor dem musikalischen Teil wird der Leiter des Orchesters. Musiklehrer Franz Dauer jr.. ganz kurz die Ziele und den Zweck des Kammerorchesters, das nicht den Konzertbetrieb vermehren, sondern pädagogische Arbeit leisten will, erläutern. (Siehe Anzeige vom Mittwoch.)
— (Eine Filmvorführung über „M a ■ f u r e n , das Land der tausend Seen", veranstaltet die Ortsgruppe Gießen des Deutschnationalen .Handlungsgehilfenverbandes am morgigen Samstagabend im DHV.-Heim in der Lonyftraße. (Siehe heutige Anzeige.)
— Der Obst- und Gartenbauverein vermittelt seinen Mitgliedern am Sonntag einen Vortrag von Garteninspektor R e h n e l t (Näheres siehe Anzeige.)
* • 3ustizpcrsonalie. Dureaudirektor Peter Sattler bei der Staatsanwaltschaft Gießen wurde mit Wirkung vom l.Rovember 1930 zum Dureaudirektor bei dem Generalstaatsanwalt in Darmstadt ernannt.
• • Die Stundung der Pachtpreise für staatliche Grundstücke fordert die Fraktion des Hessischen Landbundes vom Hessischen Landtag. Der Antrag lautet: „Die Martini 1930 fällige Iahrespacht für staatliche Parzellengrundstücke wird zinslos bis 1. Avchl 1931 gestundet. sofern ein begründeter Antrag seitens deS Pächters gestellt wird. Bei der Prüfung der D^undungsgrsuche soll nicht engherzig verfahren werden." — Die Fraktion fordert außerdem die Senkung der Pachtpreise für landwirtschaftlich genutzte Grundstücke in folgender Form: „Wir beantragen, die Pachtverträge für fiskalisches Gelände einer Revision zu unterziehen, mit dem Ziel Senkung der Pachtpreise, entsprechend den katastrophal gesunkenen Preisen für landwirtschaftliche Erzeugnisse."
• • Füchse als Hühnerdiebe. 3n der Rächt zum Donnerstag verschwanden auS dem Grundstück eines Einwohners in Londorf 17 Hühner. Die im Laufe des gestrigen Vormittags von der Landeskriminalpolizeistelle Gießen mit Hilfe des Polizeihundes „Carmen" angestellten Rachforschungen brachten das überraschende Ergebnis. daß der Diebstahl nicht von Menschen, sondern allen Anzeichen nach von einer ganzen
Familie von Füchsen auSaeführt worden ist. Dank der Spurverfolgung durch den Polizeihund sand man nämlich im freien Felde an ganz verschiedenen, stellenweise mehrere hundert Meter voneinander entfernt liegenden Stellen totgebissene und zum Teil schon verzehrte Hühner, die an den Federresten als das Eigentum des bestohlenen Londorfer Bürgers erkannt wurden.
• • (Ein Einbruch wurde in der letzten Nacht in die Wohnung des Freiherrn vonBerlepschin Büdingen verübt. Die Landeskriminalpolizeistelle Gießen wurde heute früh von der Tat in Kenntnis gesetzt und hat sofort die Nachforschungen aufgenommen. Bis zur Stunde ist Näheres über den Einbruch hier noch nicht bekannt.
• • A u f der Weide geschlachtet und g e st o h l e n. Gestern nachmittag wurde auf einem Weideplatz des Gutes Nonnenhof im Kreise Friedberg ein Stück Großvieh geschlachtet und das Fleisch gestohlen. Die Nachforschungen nach den Tätern wur. den von der Landeskriminalpolizeistelle Gießen und den örtlichen Sicherheitsbehörden sofort ausgenommen.
Erweitertes Vezirksschöffengericht Gießen.
• Gießen, 22.Olt. Wegen zweier Sin- bruchsdiebstähle im wiederholten Rückfall wurde der trotz seiner 25 Jahre schwer vorbestrafte Arbeiter Heinrich K i z i n n a auS Bochum zu drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Gr hat tm Frühjahr nach Verbüßung einer dreijährigen Freiheitsstrafe das Gefängnis verlassen und alsbald die Derbrecherlaufbayn wieder betreten. 3m Juni wurden in Stockhausen und in Zahmen im Abstand von wenigen Tagen Einbruchsdiebstähle verübt und wertvolle Gegenstände gestohlen, darunter ein Jagdgewehr mit Zielfernrohr und ein fast neues Fahrrad. Bald danach wurde der Angeklagte in Rudlos verhaftet, wo er in einer Scheune genächtigt hatte: in dieser Scheune waren die gestohlenen machen versteckt. Der Angellagte wollte von nicht- wissen und behauptete der Wahrheit zuwider, er habe die Scheune eben erst betreten. Den ihn verhaftenden Gendarmen erhärte er, er wisse, daß er vier 3ahre Zuchthaus bekomme, es falle ihm aber nicht ein. zu gestehen. Durch umfangreiche Beweisaufnahme wurde fest- gestellt, daß er zur Zeit der Diebstähle an den betreffenden Orten gewesen war: auf dem frisch gestrichenen Zimmerboden in einem der Häuser, aus denen gestohlen worden war, fand stch ein
seinen Schuhen entsprechender Gummisohlenab- druck. Danach konnte trotz einer schwungvollen Schlußrede deS Angeklagten an seiner Schuld kein Zweifel fein. Da es sich um einen gewerbsmäßigen Verbrecher handelt, wurden mildernde Umstände nicht angenommen.
Zwei weitere Fälle wurden vor dem Bc- zirkSschöfsengericht (ohne Zuziehung eines zweiten Richter-) verhandelt. Wegen eines in Münzenberg begangenen schweren Rückfalldiebstahls, der ihm außer einigen hundert Zigaretten siebzig Mark eingebracht hatte, erhielt ein 24 Jahre alter Arbeiter ein 3 ahr Gefängnis. Ferner erhielten zwei untergeordnete Angestellte einer Klinik wegen Diebstahls die eine b rei Monate drei Wochen Gefängnis, die andere an Stelle einer Gefängnisstrafe von zwei Wochen eine Geldstrafe von fünfzig Mark.
Bekenntnis einer Fran.
„Ich finde keine Worte, um die Vorzüge bc» ,Neo- Kruschen-Salz' genügend rühmen zu können. Nur diejenigen, die .Krufchen' kennen und verwenden, glauben an die vielen Bestätigungen und Anerkennungsschreiben. Schon jahrelang empfehle ich dasselbe. Ich habe .Neo-Kruschen-Salz' eigentlich hier eingeführt, nachdem ich auf eine ganz kleine Anzeige hin in irgendeiner Zeitung unbewußtes Vertrauen hatte. Es wäre zu weitschweifend, anzuführen, welchen Erfolg ich schon nach dem ersten Glas Nco-Kruschen- Salz hatte. Ich werde Neo-Kruschen-Salz verwenden, solange ich lebe.
gez. Frau Luise Eberhard, Walldürn in Baden."
Neo-Kruschen-Salz ist ein in allen Ländern der Erde hervorragend eingeführtes Erzeugnis, in jeder Beziehung völlig unschädlich und aufgebaut auf den Erfahrungen und Beobachtungen der großen Mine- ral-Quellbäder, in die alljährlich unzählige Menschen reifen, um sich neue Kräfte, gesteigerte (Energie und bessere Gesundheit zu verschaffen, d. h. um sich auf- zusrischen und zu verjüngen. Sie können leider in heutiger wirtschaftlich schwerer Zeit nicht alle in die Bäder reisen, aber Sie können in die nächste Apotheke oder Drogerie gehen, um sich zum Preise von Mark 3,— ein Originalglas Neo-Kruschen-Salz zu kaufen, dessen Inhalt für 100 Tage ausreicht und Ihnen ähnliche Dienste erweist wie das Brunnen- trinken an der Quelle, nur mit dem Unterschied, daß die tägliche Kur mit Neo-Kruschen-Salz für Sie 3 Pfennige kostet. 3723V
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Wie wichtig so ein Schnurrbart doch war: gar- } nicht genug Pomade konnte es geben, um ihn } immer „in Form“ zu halten. Und der Magen! ) So leicht gab man ihm keine Ruhe. Denn das j war die Zeit der Übertreibungen m großen und }
kleinen Dingen. Überflüssiges fand man schön •.. und so entstand das Mundstück der Cigarette. Seitdem sind 30 Jahre vergangen. Unsachliches, überflüssiges ist unmodern geworden. Und — man raucht die Cigarette ohne Mundstück.
|»T IK4H 6,
selbstverständlich ohne Mundstück 1


