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Dießen, den 22. September 1930.

Geheimrat Prof. Dr. pasch t-

3n Homburg, wo er zur Erholung weilte, starb am Freitag der Geh. Hosrat Dr. phil., Dr. phil. nat. h. c., ordentlicher Univ.-Professor i. 2t. 2H o 11 0 Pasch im 87. Lebensjahre

Pasch stammte auS einer Kaufmannssamjlie in Breslau. die in bescheidenen Verhältnissen lebte. Geboren in Breslau am 8. November 1843 erhielt er seine Dorbildung am dortigen Slisa- beth-Ghmnaslum und bezog im Herbst 1860 die Llniversität seiner Vaterstadt, an der er haupt­sächlich Mathematik studierte und am 21. August 1865 den philosophischen Doktorgrad erwarb. Die beiden folgenden Semester verbrachte er an der Universität in Berlin und widmete sich dann wieder in Breslau wissenschaftlicher Arbeit bis zu seiner Aeberliedelung nach Gießen am 24. Oktober 1870, wo er am 29. November des­selben Jahres als Privatdozent sür Mathe­matik in den Lehrkörper der Hessischen LandeS- universität ausgenommen wurde. An dieser wurde er am 18. August 1873 außer­ordentlicher und am 21. August 1875 ordent­licher Professor. Am 15. September lß75 schloß er in BreSlau den Ehebund mit Laura geb. Neichenbach aus Breslau. Ostern 1877 wurde Pasch Mitglied der mit der Uni- versität eng verbundenen Prüfungskommission für daS Höhere Lehramt. Am 15.2lpril 1891 wurde ihm der Vorsitz in dieser Kommission anvertraut. Für das Jahr 1886 war er Dekan der philosophischen Fakultät, für das Jahr vom 1. Oktober 1893 bis 1. Oktober 1894 Rektor der Universität. Die Lehrtätigkeit und die Derwal- tungsaeschäste nahmen Pasch in immer steigen­dem Maste in Anspruch. Um sich für den Rest seines Lebens ungestörter der wissenschaftlichen Arbeit widmen zu können, erbat er sich Ende 1910 die Versetzung in den Ruhestand, die ihm mit Wirkung vom 1. April 1911 gewährt wurde. Den Wohnsitz in Diesten behielt er bei und blieb nach Möglichkeit in Fühlung mit Universität und Stadt. Gin zunehmendes Augenleiden, ein damit verbundener Kräfteversall und vor allem der Tod seiner beide»» Töchter und zweier Enkel be­einträchtigten seinen Schaffensdrang außerordent­lich. Seine geistige Regsamkeit blieb jedoch un­erschüttert bis in die letzten Tage seines Lebens.

Der Verewigte war in den Kreisen der Mathe­matiker der ganzen Welt allgemein bekannt. Die wissenschaftlichen Leistungen, die ihm diesen Ruf erworben haben, können hier nur kurz angedeutet werden. Durch sein« 1882 erschienenen .Vorlesun­gen über neuere Geometrie" hat Pasch eine ganz neue Art der Betrachtung der Grundlagen der Geometrie entwickelt und ist so Dorläuser, ja Vorbild der großen Zahl derer geworden, die sich in den letzten Jahrzehnten mit den Fragen nach den Grundlagen de^ Geometrie beschäftigt hoben. Die große Rolle, die die Axiomatik in neuerer Zeit auf allen Gebieten der Mathematik gespielt hat und noch immer spielt, ist letzten Endes auf den Anstoß zurückzuführen, den er gegeben hat. Wenn sein Werk längere Zeit nur bei wenigen die Beachtung fand, die es verdiente, so wurde eS dafür nachher um so allgemeiner anerkannt. Man sah ein, daß er für derartige Untersuchun­gen die Bahn gebrochen hatte. Der Nam«Vater der Affiomatik", den man ihm wohl scherzweise gegeben hat, wird ihm vielleicht im Ernste ver­bleiben. Hat er doch selbst noch die Grundlagen der AnalysiS in ähnlicher Weise behandelt, wie die der Geometrie, und durch eine Reihe kleiner, scharfsinniger Abhandlungen die einfachsten Be­standteile alles mathematischen Denkens heraus­zuschälen versucht. So ist ihm auch bei den zahl­reichen Jubiläen, di« er hat feiern dürfen, bei seinem 70. und 80. Geburtstage, bei seinem 50jäh- rigen Doktorjubiläum usw. die allgemeine und uneingeschränkte Anerkennung seiner Fachgenossen zuteil geworden Zum Beispiel haben ihn im Jahre 1923 die Universitäten Freiburg t. B. und Frankfurt a. M. gleichzeitig ehrenhalber zum Dok­tor der Naturwissenschaften ernannt.

Seine zahlreichen Schüler werden nie vergessen, wie erquickend seine große Herzensgüte war. be­sonders gegen die jüngeren aufstrebenden Ge­lehrten. die er in ihren Studien mit liebens­würdiger Bereitwilligkeit unterstützte und för­derte. Glicht wie der Größere mit den» Geringeren, sondern wie mit Gleich st redenden verkehrte er mit ihnen. Er war ihnen der treueste und beste Freund.

Daten für Dienstag, 23. September.

1783. der Maler Peter von Cornelius in Düsseldorf geboren. 1791: Theodor Körner in Dresden geboren: 1885: der Maler Karl Spitzweg In München gestorben.

Bornotizcn.

Tageskalcnder für Montag. Licht­spielhaus:Es gibt eine Frau, die dich niemals vergißt." Astoria-Lichtspiele:Das Land ohne Recht" undRibo, der Racher".

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AuS dem Manöver zurück. Am gestrigen Sonntagmittag 12.38 Uhr tras unser Bataillon, aus dem Manöver in Südthüringen kommend, hier wieder ein. Nachdem die Fahr­zeuge der Truppe aus dem Transportzug ent­laden waren, erfolgte gegen 13.30 Uhr der Ein­marsch in die Stadt. Eine große Menschen­menge bereitete unfern 15ern. wie immer, auch gestern wieder einen herzlichen Empfang, der Zeugnis oblegte für die guten Beziehungen, die erfreulicherweise zwischen unserer Garnison und der Bürgerschaft bestehen.

*' Werbetag des Gießener Stadt- l h e a t e r s. Man schreibt uns: Dem Ernst der Zeit eintsprechcnd, wird das Sladttheater Gießen am 2 8. September einen besonderen Werbetag für die Erhaltung der hiesigen Bühne veranstalten. Die Theaterkrisis im allgemeinen und die Not der Städte ve.unlassen Ne städtischen Behörden und die In­tendanz^ des Stodttheaters, in einer dafür ange- fefjten etunbe für die hiesige Bühne zu werben. Aus dem Munde der in erster Linie dazu Berufenen wird in Borlragen, die musikalisch umrahmt sein werden, nochmals auf den Ernst' der Lage hingewiesen, und man wird vor allem die hiesige Bevölkerung darauf aufmerksam machen, daß es sich darum handelt, das einzige theatralische Stunftinftilut Oberhesiens zu er­holten. Da auf allen Plätzen nur ein Eintritt von 30 Pf. erhoben wird, rechnet man bei dieser Sym- pothiekundgebung für das Theater auf zahlreiche Beteiligung der Gießener Bürgerschaft.

Zur U i ch t i g st e l l u n g. In unserer Bor­notiz am Samstag zu dem Wohltätigkeitskonzert zu­gunsten des Gießener neuen Studentenhauses muß

es richtig heißen, daß das Konzert von Wilhelm S ch ä t t l er s Schule für höhere» Violinspiel (nid)t Klaoierfpiels veranstaltet wird.

Joseph-Plaut-Abend im Stadt- theater. Gestern abend gab der bekannte humo­ristische Dortragskünstler Joseph Plaut ein Gast- spiel im Stadtlheoter. das den leider nicht allzu Zahlreichen Besuchern zwei schöne Stunden bester Unterhaltung brachte. Plaut begann mit der Er­zählung von zwei hübschen Märchen Andersen», dann brachte er «in« niedliche Tiererzählung von Manfred Rüber, hierauf ließ er Hass« Zetlerström mit einer Dichtung zu Worte kommen, sodann re­mitierte «r Friedrich den Großen am Abend vor der Schlacht von Leulhen, ein dramatisches Ereignis zwischen Napoleon I. und einem seiner Eliteregi­menter. abschließend vor der Pause schließlich noch Fritz Reuter. Im zweiten Teile des Abends brachte er eine Anzahl schnurriger Dinge, u. o. prächtigen Humor von der Wasserkante, Dialektsachen aus Sachsen, Ostpreußen, Mitteldeutschland, Boyern und abschließend ein mimisches und- deklamatorisches Stück bayerischen Bauerntheaters, sowie gesanglich lippischen Humor in dem bekannten LiedeLippe Detmold eine wunderschöne Stadt". Sämtliche Dar­bietungen. die der Vortragende in reÜDoUfter Weise seinen Zuhörern brachte, standen auf großer Höhe rezitatorischen und mimischen Könnens, waren sprachlich hervorragend und in der Wirkung wohl- berechnet. Lebhafter Beifall dankte dem Künstler in ständig steigendem Maße für die köstliche Unter­haltung.

Sin Achtzigjähriger. Der Werkstatt- fchlosfer Wilhelm Schumann, Katharinen» gaise 15. feierte am gestrigen 21. September seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlaß wurde dem Jubilar durch die Herren Oberbaurat Zwil­ling und ReichSbahnamtmann v. d. He y d t ein Dank- und Glückwunschschreiben der Reichsbahn- gefellschoft. sowie im 2tuf trage der Reichsbahn- direktion Frankfurt ein ansehnliches Geldgeschenk überreicht. Schumann war früher als Werkstatt­schlosser bei der Oberhessischen Sisenbahngesell- schäft, dann bei der PreuHisch-Hesfischen Dahn- gemeinschaft unb der Reichsbahn beschäftigt und trat nach 49jähriger Dienstzeit im Jahre 1924 in den Ruhestand.

* Sarrafani beginnt am Freitag um 19.30 Uhr sein Gastspiel in Gießen Schon erhebt sich auf dem Bolkshalleplatz Sarrafani» mächtiges Zelt, dehnen sich fast kilometerlang die Stallungen. Im Laufe des Donnerstag werden die Autos mit den 78 Löwen, den 16 Tigern, den Seelöwen, den Eis- und Braunbären, dem Nilpferd ufw. und die Extra- züge mit den 22 indischen Elefanten, den über 200 Pferden, den Scharen von Kamelen, tibetanischen Stieren, Watussi.Rindern. Zebras, Büffeln usw. in Gießen einziehen und die Ställe auf dem Bolkshalle­platz bevölkern. Ein Schwarm von 450 exotischen Menschen aller Erdteile wird gleichzeitig in Gießen eintreffen. Es empfiehlt sich, schon zu den ersten Vorstellungen Karten zu lösen, denn das Gießener Gastspiel dauert unwiderruflich nur 4 läge. Man beachte die heutige Anzeige.

Hausweihe Der Handels- und Gewerbebank

Mit einer schlichten akademischen Feier wurde am Samstag in der Mittagstunde das in der Gocthestraße errichtete neue Bankgebäude der Handels- und Gewerbebank Gießen seiner Bestimmung übergeben. Mit diesem Dau hat unser Stadt- und Geschäftszen­trum eine gute Bereicherung erfahren.

Der stattliche Bau birgt in seinem Erdgeschoß den nach modernen Gesichtspunkten gestalteten großen Geschäftsraum der Bank, daneben un­mittelbar anschließend die Räume der Direk­tion. ein Sprechzrmmer, Aktenzimmer usw.. die allesamt durch ihre gediegene und fchlichte, in den Formen und in der Farbengebung har­monisch« Einrichtung den denkbar besten Ein­druck machen. Unter dem Hauptbankraum be­finden sich die nach dem neuesten Stande der Technik hergcrichteten Treforräume. Jm ersten Obergeschoß haben der Ortsgewerbeverein Gießen und die Handwerkskammer-Nebenstelle Gießen ihre Räume erhalten: der Ortsgewerbe­verein besitzt jetzt hier einen schönen Versamm- lungssaal, der in pietätvoller und dankbarer Erinnerung an den um daS Gießener Handwerk hochverdienten langjährigen ersten Vorsitzenden des Ortsgewerbevereins, Oberstudienrat Prof. Dr. Krausmüller die BezeichnungKraus­müller-Saal" erhielt, anschließend ein Sitzungszimmer, das durch eine Schiebetür von dem Krausmüller-Saal abgetrennt, erforderlichen­falls aber auch mit diesem vereinigt werden kann, schließlich noch einen kleineren Saal zur Vor­nahme von Lehrlings- und Gesellenprüfungen: die Handwerkskammer-Nebenstelle hat gleichfalls einen kleineren Saal für Sitzungen, ferner schönen Bureauraum erhalten. Das zweite Obergeschoß enthält zwei Wohnungen, im ausgebauten Dach­geschoß ist die Wohnung des Hausmeisters unter­gebracht.

Jm Krausmüller-Saal fand In Gegenwart zahlreicher Ehrengäste, Mitglieder des Orts- gewcrbevereins, der am Dau beteiligten Hand­werker und Gewerbetreibenden, sowie des ge­samten Vorstandes und Aussichtsrates der Han­dels- und Gewerbebank

die Hausweihe

statt. Als Dehördenvertreter waren zugegen Oberbürgermeister Dr Keller, Se. Magni- sizenz der Rektor der Landesuniversität Prof. Dr. Eger, Landgerichtspräsident Neuen- Hagen , Obersinanzrat Krug vom Finanzamt Gießen ferner u. a. Reichsbankdirektor Klip- stein, Kaufmann Wilh. Horn für die Indu­strie- und Handelskammer Gießen, die führenden Vertreter der anderen hiesigen Geldinstitute, her­vorragende Männer des Genosfenschastswesens, Stadtbaurat G r a v e r t und Regierungsbaurat Kuhlmann als Bauberater, usw. Die Pro­vinzial- und die Kreisverwaltung waren durch wichtige Sitzungen des Provinzial- und des Kreisausschusses am Erscheinen verhindert. Nach einer musikalischen Einleitung entbot Kommerzienrat Noll, der 4. Vorsitzende

des Aussichisrais,

der Festversammlung den herzlichen Willkommen- gruß des Aufsichtsrats und Vorstandes der Dank, wobei er betonte, daß man sich im Hinblick auf die ernsten Zeitverhältnisse absichtlich nur zu einer schlichten, akademischen Feier als Haus­weihe entschlossen habe, zum anderen aber doch den für die Handels- und Gewerbebank bedeu­tungsvollen Tag nicht ganz in Stille hätte vorübergehen lassen wollen. Nachdem der Redner einer Reihe von Ehrengästen noch besonderen Willkommen und Dank für ihr Erscheinen aus­gesprochen hatte, gab er einen kurzen Heber- blick über das Werden des Bankunternehmens, das im wesentlichen in dem Artikel in unserer vorigen Samstag-Ausgab« der Oeffentlichkeit schon mitgeteilt wurde. 2eber den Neubau sagte der Redner zum Schluß u. a.:

Der Plan, ein Geschäftshaus in mehr zentraler Lage zu erwerben, wurde schon vor dem Kriege erörtert und nicht wieder aufgegeben. Die Ver­wirklichung wurde durch bert Ausbruch des Krieges, die Unsicherheit dec Inflationsperiode und fchliehlich die Ungewißheit unserer wirt­schaftlichen Entwicklung in den Jahren nach der Inflation lange hinaus geschoben Es gelang uns vor drei Jahren, den Bauplatz in der Goethe- strahe zu erwerben, auf dem Sie unser neues Bankgebäude, das auch zu gleicher Zeit Raum bietet für den Gewerbeverein, errichtet sehen. Der Aufsichtsrat beschloß zunächst, einen Wett­bewerb unter den hiesigen Architekten zu ver­anstalten. Die eingehenden Projekte wurden der Begutachtung eines Preisgerichts unterbreitet, dem außer Mitgliedern des Aufsichtsrats die Herren Beigeordneter Dr. Hamm, Stadtbaurat Gravert und Gewerbeschulrat Direktor Dr. B ü n n i n g s angehörten. Dieses Preisgericht entschied sich einstimmig für das Projekt des Herrn Architekten Schmidt, das auch von der Verwaltung genehmigt wurde. Wir haben uns entschieden für einen einfach gehaltenen,

doch schönen und vor alley Dingen unseren Zwecken entsprechenden Dau. Wir müssen uns dabei wie jeder Bauherr der Kritik der Oeffent­lichkeit aussetzen, denn es ist wohl niemand in der Lage, allen Wünschen und Geschmacksrich­tungen voll und ganz zu entsprechen. Daß der Bau so bald fertig wurde, verdanken wir un­seren Bauleitern, den tüchtigen Handwerks­meistern und deren fleißigen Gesellen und Ge­hilfen, und so möchte ich allen diesen Herren an dieser Stelle unseren besten Dank abstatten für das für uns Geleistete und Erreicht«. Möge Gottes Segen auf diesem Hause ruhen und auf allen, die in dem Hause tätig sind und sein werden, und mögen alle Geschäfte ebenfalls unter dem­selben Schuhe stehen, damit die Bank wie seit­her, trotz der schwierigen Verhältnisse, einen weiteren Ausschwung nehmen kann, zum Segen von Handel und Gewerbe unserer Vaterstadt.

Architekt Emst Schmidt-Gießen, der nach seinem Entwurf den imponierenden Dau errichtete, übergab den Schlüssel des neuen Heims an Direktor Arnold als Zeichen der Fertigstellung des Bauwerks. Aus der von dem Redner vorgetragenen Daugeschichte sei folgendes entnommen: Die Ausschachtungsarbeiten wurden am 11. September 1929 begonnen und die Ar­beiten dank der günstigen Witterung so gefördert, daß bereits am 23. Dezember die letzte Decke be­toniert werden konnte. Der dann eintretenbe Frost verhinderte, daß noch im alten Jahre der Dachstuhl aufgesetzt wurde. Doch schon am 22. Ja­nuar 1930 konnte das Richtfest gefeiert werden. Auch weiterhin blieb uns der Wettergott günstig gefirmt, so daß der umfangreiche Innenausbau rechtzeitig fertiggestellt werden tonnte. Da ein großer Teil der Mitglieder der Handels- und Gewerbebank dem Handwerkerstande angehört, war es selbstverständlich, daß diese bei den zu vergebenden Arbeiten nach Möglichkeit zu be­rücksichtigen waren. Die einzelnen Firmen hier namentlich zu nennen, dürfte zu weit führen, da sie die Zahl 100 überschreiten. Beispielsweise find an den Schreinerarbeiten 17 Firmen, Schlos­ser arbeiten 9 Firmen, Weißbinderarbeiten 13 Fir­men, Glaserarbeiten 7 Firmen, Tapezier ar bei ten 7 Firmen, Spenglerarbeiten 4 Firmen, Installa­tionsarbeiten 6 Firmen usw. beteiligt. Die Vin- bauten im Erdgeschoß sind von sechs Schreiner- meistern ausgesührt worden, wobei die Schwierig­keit, eine einheitliche Ausführung zu erhalten, mit Glück überwunden wurde. Die Detailpläne wurden gemeinsam mit Architekt Philipp Nico­laus bearbeitet, die örtliche Daufühimng durch meinen Bauführer Edelmann durchgeführt. Die statische Berechnung stellte Herr Ingenieur R i e ck h o f (Darmstadt) auf. Die Ausgestaltung des Raumes, in welchem wir uns zur Zeit be­finden, (Krausmüller-Saal), erfolgte unter Mit­arbeit der Herren Dr. D ü n n i n g s und Gewerbe­lehrer Walter. Der im Haupteingang ange­brachte plastische Schmuck bringt Darstellungen aus dem Handwerk und Handel, nach dem Ent­wurf des Kunstbildhauers Güngerich. Die Modelle sind von den Herren K ö d d i n g und Güngerich, die Steinhauerarbeiten durchHerrn Seelbach ausgeführt. Alles in allem ist auch bei diesem anspruchsvolleren Bau gezeigt worden, daß derartige Bauaufgaben sehr wohl durch ein­heimische Kräfte zu bewältigen sind.

Bankdirektor Arnold

übernahm als Vertreter der Handels- und Ge­werbebank den Neubau mit Worten des Dankes an die bauleitenden Architekten und an alle, die bei dem Bau mitwirkten. Er gab sodann einen Rückblick auf die Geschichte der Bank, die zu den ältesten genossenschaftlichen Gründungen in Deutschland gehört, und beleuchtete dabei ein wesentliches Stück der Entwicklung des deutschen Genossenschaftswesens. Bei seinem Bericht über die Geschichte der Bank fügte er der Veröffent­lichung vom Samstag noch einige Details des Gründungsvorgangs und der späteren Entwick­lung an, er gedachte dabei u. a. mit herzlichen Dankesworten der Manner, die in der Leitung der Dank an hervorragender Stelle mitwirkten, und sagte dann u. a. weiter:

»Es würde über den Rahmen dieser Dar­legungen hinausgehen, über die Erfolge der Genossenschaft im einzelnen zu berichten. Ich darf aber wohl zur Illustration einige Zahlen in Ab­schnitten von 10 zu 10 Jahren nennen. Es be­trugen:

1868: die Mitglieder 449, die Umsätze 1 667 548 Mk.

1878: 778, 4 535 268

1888: 1052, 5 765 615

1898: 1343, 10 919 038

1908: 1710, 59 567 032

1918. 1403, 109 272 500

Die schöne Entwicklung der Dank wurde jäh unterbrochen durch die Auswirkungen der Infla­tion. Die Papiermarkbilanz am 31. Dezember 1923 mit ihren Dillionensummen ergab in Goldmark umgerechnet ein Gesamtgeschästskapital von 143 910 Goldmark, 1763 Gvldmark Geschäftsgut­haben der Mitglieder und eine gesetzliche Rück­

lage von 50 000 Goldmark. Di« Inflation hatte, wie bei allen Kreditinstituten, verheerend gewirkt. Denn die Ware der Dank, di« Papiermark, war die verderblichste von allen. Aber das, waS di« Inflation nicht vernichten konnte, war unsere, auf di« Grundpfeiler genossenschaftlichen Lebens: Selbsthilfe und Selbstverwaltung, tm Laufe der Jahrzehnt« feftgefügte Organisation. Die lebendige Quelle unseres LebenS konnte nicht verschüttet werden. Das Vertrauen. daS die Genossenschaft in jahrzehntelanger Arbeit sich in allen Kreisen unserer Stadt und in der nächsten Umgebung erworben hatte, und daS Vertrauen auf di« eigene Kraft blieb ihr erhalten.

Der vertrauensvollen Mitarbeit unserer Ge­nossen und der treuen Mitarbeit unserer Be­amten ist eS zu danken, daß der Wiederaufbau der Genossenschaft erfolgreich war. Konnten wir doch Ende 1929 wieder eine Bilanzsumme von über 3 Millionen ausweifen, darunter 568 000 Mark Geschäftsguthaben unserer Mitglieder und 200 000 Mk. offene Reserve bei einem Umsatz von 130 Millionen und einem Bestand von 1470 Mit­gliedern. Die Spareinlagen waren auf über eine Million gewachsen. Hier machte sich die frei­willige Aufwertung der alten Geschäftsanteile und Spareinlagen vorteilhaft bemerkbar. Den Erfolg verdanken wir aber auch unserer Zuge­hörigkeit zum Deutschen Genosfenschastsverband, zu dem Unterverband Hessischer Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften in Kassel, dem wir feit feiner Verschmelzung mit dem Verband« der Oberhessischen Vorschuß- und Kreditkassen im Jahre 1882 angehören, und zu dem besreundeten Verbände der Erwerbs- und WirtschastSge- nosfenschaften im Dolksstaate Hessen in Darm- stadt sowie unseren Zentralkasfen, insbesondere der Dresdner Dank Genossenschaftsabteilung Frankfurt a. M."

Nachdem der Redner in großen Strichen die Tätigkeit und die wirtschaflliche Bedeutung der Genossenschaftsverbände geschildert und den Ver­bänden sowie deren Leitern Dank ausgesprochen hatte für ihre Förderung der Handels- und Gewerbebank, sagte er zum Schlüsse:

Unsere Beziehungen zu den hiesigen Kredit­instituten sind die denkbar besten und sollen eS auch im neuen Heim in diesem stattlichen Ge­bäude bleiben. Wir haben es nicht errichtet, um uferlosen Plänen nachzujagen. Wir kennen sehr wohl die Grenzen, die unserem Arbeitsfeld gezogen sind und denken nicht daran, diese Gren­zen zu überschreiten. Aber das Feld, das unS Genossenschaften angewiesen ist, wollen wir emsig bestellen und unsere Arbeit leisten an sichtbarer Stelle in gefunden und zweckmäßigen Räumen. Bevor ich zum Schluß komme, möchte ich der freundfchaftlrchen Beziehungen gedenken, die unS mit dem hiesigen Gewerbeverein verbinden. Sie haben gehört, daß der Gewerbeverein der Vater der Dank ist. Und heute nach 77 Jahren können wir unserem alten Vater einen Einsitz im neuen Haus bieten, dank seiner freundlichen Unterstützung. Der Gewerbeverein hat zur Fi­nanzierung des Hauses sehr wesentlich beigetra­gen. Diese Hilfe ist nicht zuletzt feinem leider allzufrüh verstorbenen früheren ersten Vorsitzen­den, Herrn Professor Dr. Krausmüller. au verdanken. Als vor etwa zwei Jahren die Pläne zum Neubau heranreiften, war der Ge­werbeverein gerade auf der Suche nach einer neuen Heimstätte, nachdem er fein altes Heim nach dem Uebergang der Gewerbeschule auf die Stadt Gießen abgegeben hatte. Herr Professor Krausmüller hat die Anregung begeistert ausgenommen, das Handwerk, die Handwerks­kammer und die Handels- und Gewerbebank un­ter einem Dach« zu vereinigen und so die alten Beziehungen im beiderseitigen Interesse noch enger zu gestalten. Wir wollen hoffen und wün­schen, daß dem Gewerbeverein, wie auch un­sere Genossenschaft eine glückliche Zukunft im neuen Heim beschießen fein möge. Möge echter genossen­schaftlicher Geist der gute Geist dieses Hauses sein und bleiben für alle Zeiten zum Segen für Han­del und Gewerbe in unserer Stadt.

Glückwunsch-Ansprachen.

Namens des Ortsgewerbeoereins sprach nunmehr dessen 1. Vorsitzender Schreinermeifter Haubach der Handels- und Gewerbebank herz- liche Glückwünsche aus. Auf seine Aufforderung gedachte die Versammlung unter Erheben von den Sitzen auch der verstorbenen Führer des Gewerbe­vereins.

Se. Magnifizenz der Rektor der Landesuniversität Prof. Dr. Eger brachte zugleich im Namen zahl­reicher Ehrengäste herzliche Glückwünsche und die wohlverdiente Würdigung der Arbeit der Handels­und Gewerbebank zum Ausdruck. Reichsbankdirek­tor Klipstein sprach im Namen der Reichsbank und zugleich persönlich die herzlichsten Wünsche aus. Weiter sprachen noch in herzlichen Worten Direktor L e t s ch e r t - Kassel vom Verband der hessischen Erwerbs, und Wirtschaftsgenossenschaften, zugleich im Namen der anderen Genossenschaftsver­bände, und Direktor Dr. Bredenbreuker von der Genossenschastsabteilung der Dresdner Bank in Frankfurt.

Mit Dankesworten des Aufsichtsratsvorsitzenden Kommerzienrat Noll und einer musikalischen Dar­bietung fand die eindrucksvolle Feier ihren Ab­schluß.

Anschließend machten die Gäste einen Besich­tigungsrundgang durch den Geschäftsteil des Baues, wobei man häufig Worte der vollsten Anerkennung über das Werk hören konnte.

kirchliche Nachrichten.

Israelitische Gemeinden.

Israelitische Religionsgesellschaft. Dienstag, 23., und Mittwoch, 24. September: Neu­jahr s f e st. 1. Tag: Vorabend 6.10 Uhr, Pre­digt: nachmitags 4. 2. Tag: Vorabend 7.10; morgens 6; nachmittags 4; Festesausgang 7.05 Uhr. Für die tägliche Pflege

der Haut

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