Samstag, 22. März 1950
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen)
Nr. 69 viertes Blatt
Für den Büchertisch
Oeusche Erzähler.
— Fritz Reuter: Hanne Hüte. Aus dem umfangreichen Werk des großen plattdeutschen Romanciers ist außerhalb des niederdeutschen Sprachgebiets Hanne Rute, diese köstliche, von feinem, stillem Humor durchsetzte „Dagel un Minschengeschicht" zu Anrecht wenig bekannt. Es wäre zu wünschen, wenn dem die buchtechnlsch wertvolle Ausgabe des Verlages Walter Hae- decke in Stuttgart, die Hermann Quistorf besorgte, abhülfe. Der sehr schöne Danzlederband in Dünndruck kostet 15 Mk. (744.)
— Das Weiberdorf. Roman aus der Eifel von Clara Die big. (Derlag Allstein, Berlin). (360). - Eine außerordentlich fesselnde Erzählung, in der die Verfasserin ihre Leser« gemeinde mit dem kunterbunten Leben und Treiben in dem Weiberdorfe in der Eifel bekannt« macht. Die Schilderung der Personen und der Derhältnisse in diesem während der größten Jahreszeit von den Männern entblößten Dorfe, in dem nur die Weiber und das „Pittchen", der einzige daheimbleibcnde junge Mann, Hausen, ist lebendig und fein gezeichnet. Der Roman verrät aufs neue das tiefe Eindringen dieser „Erzählerin der Eifel" in die Psyche der Eifel« bauern, die auf kargem Boden ein ebenso karges Leben führen und sich mit ihren handfesten, derben Belustigungen über die Misere ihres Daseins hinwegyelsen. Der Roman ist «ine unterhaltsame Lektüre für reife Menschen.
-- Herbert Eulenberg: Menschen an der Grenze. Roman. Engelhorns Romanbibliothek. Stuttgart. Leinen 3,50 Mk. (95) Die Menschen dieses Romans wohnen an der Grenze zwischen Deutschland und Luxemburg und viele von ihnen schmuggeln hinüber und herüber. Sie wohnen auch an der Grenze zwischen Recht und Derbrechen, zwischen Dernunft und Irrsinn, — oder wohnen wir alle dort? In diesem Buch wird jedenfalls offenbar, wie schmal diese Grenze ist und wie leicht sich ihre Spur ver- wischt. Eine bunte Fülle echt Eulenbergischer Gestalten tritt uns entgegen, in der Mitte die abenteuerliche Figur des zügellos genießenden Gutsherrn, der des Mordes an seiner dritten Frau beichuldigt wird. Die Aufdeckung des geheimnisvollen Derbrechens — zuerst durch das Gericht, dann durch den Detter des Gutsherrn betrieben — ist der Kern der vielfältig verschlungenen Handlung, in der sich wieder eine Welt des Skurilen, des Mystischen, des Dämonenhaften offenbart, wie nur Eulenberg sie schaffen kann.
- Heinrich Manns „Professor Anrat" (Allstein, Berlin). 31. Die tragikomische Erzählung von dem Schulprofessor, für den der Kampf mit seinen Schülern sich zu einem immer leidenschaftlicheren und blindwütiger geführten Kampf gegen die ganze Stadt, die ganze bü^ gerliche Gesellschaft auswächst, erschüttert auch heute noch durch die starke Fülle scharf beobachteten Lebens.
— Meta Schneider - Weckerling: Cornelia Goethe. Roman in Tagebuchblättern. 301 Seiten 8° mit 12 Tafeln. Erstes bis drittes Tausend. Geh. 6.—. Eugen Diederichs Derlag, Jena 1930. (736) — Cs ist eine bemerkenswerte Tatsache, daß die Biographie bedeutender Menschen vielfach auch Leben, Taten und Meinungen von Zeitgenossen der Rachwelt überliefert, die minder beachtet oder längst vergessen wären, wenn^ie nicht eben bei Lebzeiten irgend einmal vom Lichtkreis des Genies gestreift und so in dessen Geschichte mit ausgenommen worden wären: seltener ist der umgekehrte Fall: daß einer zu Anrecht übersehen wurde. Immerhin scheint uns das Derdienst dieses Buches über Cornelia weniger darin zu liegen, daß es der kaum beachteten Schwester des Dichters ein Denkmal seht, als darin, daß in der Gestalt der Heldin die größere Persönlichkeit ihres gebebten Bruders sich spiegelt und so von einer nahen, menschlich-vertrauten Umgebung her angcschaut wird: weniger auch darin, daß hier die Lebens-, Liebes- und Leidensgeschichte eines Mädchens geschildert wird, welches vom Schicksal zum Geschwister eines großen Menschen bestimmt wurde —: als darin, daß in diesen Aufzeichnungen, in denen Phantasie. Einfühlungsgabe und durch Quellen belegte Historie sich glücklich verbinden, zugleich ein anschauliches und kulturgeschichtlich interessantes Bild jener Zeit gezeichnet wird. Hiermit ist übrigens wohl auch die stellenweise Breite und Ausführlichkeit des Romans am ehesten zu rechtfertigen. Die Ver» fässerin gibt in einer Rachschrift einen Aeberblick über das Quellenmaterial: vor allem eine Anzahl Briefe der Cornelia, Aeuherungen Goethes und etlicher Zeitgenossen, Derse von Lenz. Merck, Goethe und einiges andere. 3m ganzen stellt der Roman eine schätzenswerte Bereicherung der rie« sigen Goethe-Literatur dar.
- Paul (Buffon: Ditus Dcnloo. Die Geschichte einer Jugend. 25) Seiten 8'*. F. G. Spcidelsche Verlagsbuchhandlung, Wien und Leipzig. (76.) — Buffon hat bereits mehrere vortreffliche Bücher geschrieben: „Die Wiedergeburt des Melchior Dronte", Roman einer Seelenwanderung, „Die Ferterbuhe' aus der Zeit der Tiroler Freiheitslampfe von 1809, und „Sylvester", eine Sommcrgeschichte: trotzdem scheint ec uns nicht hinreichend bekannt zu fein, und wir benutzen gern den willkommenen Anlaß, mit einer Anzeige des vorliegenden Werkes ausdrücklich auf diesen Erzähler hinzuweisen. Die Kindheitserzählung „Ditus Denloo" ist ein stilles, vornehmes, durch und durch dichterisches Buch, fern aller Sensation und Aktualität des Tages, aber auf jeder Seite gespeist vom lebendigen Blutstrom eigensten Erlebnisses. Hier ist die Schilderung einer Knabenzeit, in der gewiß jeder besinnliche Leser etwas Verwandtes finden wird, — einer 3ugend mit aller Zartheit, allem Geheimnis, allem Glück und Leid der ersten Begegnung mit dem Leben und den noch unbegriffenen Wundern der Welt. Wir möch« len den Roman neben die schöne Erzählung „Untenn Rad" von Hermann Hesse stellen, und wir wünschen, daß sie bald ebenso bekannt werde wie jene.
— Hubert E. Gilbert: Landsknechte. Roman. 404 Seiten 8°. Leinen 7,80 Mk. Adolf Sponholtz, Verlag, G. m. b. H., Hannover. (65.) — Auf dem Umschlag steht: das Buch des deut
schen Offiziers nach dem Kriege: eine Bezeichnung, die sich nach der Lektüre als reichlich anspruchsvoll erweist: es wäre bescheidener gewesen, vom Schicksal eines deutschen Offiziers zu sprechen, welches hier geschildert wird, aber keineswegs typisch zu nennen ist. Es wird dar- gestellt das Leben eines Fronthauptmanns, der aus dem Kriege nicht mehr in den Frieden und ins bürgerliche Leben zurncksinden kann und aus seinem Landsknechttum heraus ein Abenteuer auf eigene Art wird. Er ist ein Fanatiker der starken Faust, der Gewalt und der Waffe: er sucht dem Lande auf seine — primitive — Art , zu dienen, guten Willens, aber mit unmöglichen |
— Wachsende Schwierigkeiten. Vergebliches Ringen vor Compiegne, Villers-Cottc- rets und Reims. Band 33 der vom Reichsarchiv herausgegebenen Schriftenfolge „Schlachten des Weltkrieges". Bearbeiter. Major a. D. Thilo v. Bose. Druck und Derlag von Gerhard Stal- ling, Oldenburg i. O. Preis in Halbleinen 5,50 Mk. (32) Als Fortsetzung des Bandes 32 schildert der vorliegende Band den Ausgang der großen Soissons-Offensive im Frühjahr 1918 und ihren allmählichen Ausllang im Stellungskrieg. Am Schluß des vorigen Bandes war der Höhepunkt des Angriffes geschildert, die Hoffnung auf das Erreichen des großen Zieles schon in greifbare Rähe gerückt. Wieder standen deutsche Truppen nach stürmischem Siegesläufe an der Marne. Doch wiederum sollte es ihnen nicht beschieden sein, den Erfolg zum entscheidenden Siege zu gestalten. Der eine Zweck der Overation war erreicht.' von allen Seiten waren die Reserven der Derbündeten herangezogen, in den Kampf geworfen und in feinem wilden Strudel verschlungen worden: noch fehlte aber zum endgültigen Erreichen des Zieles eine zur Abwehr geeignete Front. Diesem Zwecke waren die Kämpfe der ersten Tage des 3uni gewidmet: Die Linie Crepy - en - Dolois — Chateau-Thierry — Marne bei Cpernay sollte erreicht werden. Aber bereits die nächsten Kampftage ließen erkennen, daß die französische Abwehr soweit erstarkt war, daß mit den vorhandenen Mitteln dieses Ziel nicht mehr zu erreichen war. Ein Schicksal voll tiefer, innerer Tragik. 3n heldenmütigem Ringen erschöpft sich Vie Kraft der Truppe. Sie schlägt den Feind und wirft ihn weit nach Süden bis hinter die Marne zurück und kann doch das Endziel nicht erreichen, den Weg für die Entscheidung zu öffnen.
— Was w i r vom Weltkrieg nicht wissen. 3m Auftrage der Weltkriegsbücherei herausgegeben von Friedrich Felger. Wilhelm Andermann, Verlag, Berlin W15. 3n Ganzleinen 38 Mk. (734.) — Groß ist dos Versprechen, das dieses Werk all den Kreisen macht, die ihm wissens- und erlebnishungrig entgegen- sehen. Soeben erst ist eine große Sturmwelle von Weltkriegsliteratur über uns hinweggebraust. Man hat den Krieg gedreht und gewendet, ein Teilchen dort, ein Teilchen hier davon sich her- ausgepslückt. 3m wesentlichen drehten sich alle Erörterungen um dasselbe. Man mußte sehr suchen, um irgendwo doch etwas Reues zu finden.
— Mein Leben als Entdecker. Von Roald Am un d s en. (Derlag C. P. Tal & Co., Wien VII. G«bd. 8 Mk. — 671.) — Roald Amundfen. der gr.ße Forscher, erzählt hier schlicht und einfach seinen Leoensgcmg. Man kann dem Dersafser von seiner 3ugendzeit aus folgen und alle seine Expeditionen von der Rordwestpafsage über die Eroberung des Südpols bis zur Heber« fliegung des Rordpols mitmachen. Auch über den italienischen Gernegroß General Robile ersährt man in diesem Buche allerlei interessante, aus eigenem Erleben Amundsens gegebene Ausschlüsse, die für den italienischen Prahlhans recht wenig schmeichelhaft sind. Diese Autobiographie des begeisterten Forschers und großen Menschen, der 1928 fein Leben wieder einsehte und es verlor, als er in edler Menschlichkeit zur Rettung des ihm vorher so übel mitspielenden Robile herbeieilte, ist von tiefem Eindruck auf den Leser. Die lebendige und oft temperamentvolle Schilderung, in fein geschliffener Sprache geschrieben, fesselt vom Anfang bis zum Ende in höchstem Maße. Ein Rachwort des Prager Professors Dr. Dehounek, eines Gefährten Robiles auf dessen tragischem Rordpolflug, beschließt das wertvolle Buch, dem ein bevorzugter Platz im guten Bücherschrank gebührt.
— 11 m b e r t o Robile : 3m Luftschiff zum R o r d p o l. Die Fahrten der „3ta(ia“. 383 Seiten 8" mit 43 Abbildungen und 2 Kartenskizzen. Ganzleinen 9 Marl. - Union, Deutsche Verlagsgesellschaft, Zweigniederlassung Berlin SW 29, Abteilung Lustfahrt-Verlag. — (45) - Dies ist Robiles Verteidigungsschrift, seine Rechtfertigung gegen die .seinerzeit, nach der verunglückten Expedition, in aller Welt gegen ihn erhobenen, schweren Anklagen: zugleich ein ausführlicher Bericht über den Zweck und den gesamten Verlaus des Flugs in die Arktis, der anschaulich geschrieben und fesselnd zu lesen ist. Das Buch ist eine bemerkenswerte Ergänzung zu dem etwas früher erschienenen (und von uns bereits besprochenen) Bericht des Prager Professors Behounek: aus der Lektüre beider Werke wird sich jeder Leser sein Urteil über die Expedition, ihren Führer und die übrigen Teilnehmer, selbst bilden müssen.
— 3ndianerland. Bilder aus dem Gran Chaco. Bon Professor Dr. Hans Krieg. 140 Seiten 8". Mit 26 Tafelbildern nach Photos, 73 Zeichnungen des- Verfassers und einer Karte. Geh. 4.50, Leinen 6,80 Mk. Verlag Strecker und Schröder, Stuttgart. (38) — Der Verfasser dieses Buches, Direktor der Zoologischen Staatssammlung in München, war der Führer der erfolgreichen Expedition, die 1925 z27 den Gran Chaco durchquerte. Dieses weite Gebiet zwischen Argentinien, Bolivien und Paraguay ist 3ndianrr»
Mitteln. Er wird Freikorpsführer im Osten, gerät in den Kapp-Putsch hinein, muß nach Polen fliehen, wird ausgewiesen, tritt nach abermaliger, abenteuerlicher Flucht in die Rote Armee ein und kämpft auf dieser Seite gegen die Polen. Der Roman ist spannend zu lesen und sicherlich aus eigenem Erleben gespeist. Allerdings darf nicht verschwiegen werden, daß der Stoss heute nicht mehr viel 3nteresse beanspruchen kann, und daß einem der recht rüde Lands- lncchtston, dessen sich die Schilderung vielfach mit Behagen befleißigt, auf die Dauer doch erheblich auf die Rerven fällt.
Run kommt dieses reich Uluftrierte Buch, das man wie eine von einer einzigen Feder geschriebene Erzählung liest, obwohl 36 verschiedene Begutachter und Zeugen des Weltkrieges hier ihr besonderes Willen um die Dinge niederlegen. Das Außergewöhnliche tritt ein. 3edes Kapitel dieser „Kriegsgeschichte in einem Band" steigert die Spannung, weil immer von neuem wieder ein Schleier von dem fällt, was uns bisher noch von dem Kriegserlebnis verborgen war. So spinnt sich nun schon 3ahre lang um eine deutsche Frau im 3n- und Ausland Sage um Sage. Es ist „Mademoiselle Docteur“, die deutsche Meisterspionin, „die Königin der Spionage", wie die Franzosen sie nennen. 3n diesem Buch tritt sie zum erstenmal selbst an die Öffentlichkeit. Mit Stolz werden die deutschen Frauen lesen, was sie über ihr Wirken an verantwortlicher Stelle berichten kann, mit hoher Anerkennung auch die Frontsoldaten, die hier endlich erfahren, was Sage und was Wahrheit ist. Das ist eine der „Sensationen" des Krieges und — dieses Buches. Dann das Parisgeschüh, die Technik der Flammenwerfer, die Probleme der Tankschlacht, Luftschifskrieg und Flugzeug-Schlachten, ^-Deutschland und Scapa Flow. Bis zu den kleinsten Einzelheiten erfahren wir das Wissenswerte über diese Themen. Darüber hinaus werden die großen Fragen des Krieges von ersten Sachkennern behandelt. Männer wie Generalleutnant a. D. Kabisch, General d. 3nf. a. D. von Eisenhart-Dothe, Oberstleutnant a. D. Garcke, Generalmajor a. D. von Borries, Oberst a. D. Ricolai, Major a.D. von Roeder, Konteradmiral Geyer u. a. beleuchten das Spiel und Widerspiel der hohen Kriegsführung. Der Weg unseres Schicksals wird rückwärts Etappe um Etappe auf- gedeckt. 3n anderen Kapiteln rollt sich der Krieg in der Heimat auf. Sabotage, Kriegszensur, unbekannte Materialnot, Kriegswirtschaft und Rüstungsindustrie, kein Problem des Heimatskampfes bleibt unberührt. Ausgezeichnete Aufschlüsse über die Zermürbung der Heimatfront bringen Archivrat Do'kmann und Dr. Alexander Graf Brockdorff. Selbstverständlich fehlen in diesem gründlichen Werk auch nicht Kapitel wie „Aerzte und Sanitäter an der Front", „Dom unbekannten Heldentum deutscher Gefangener", I„Vom unbekannten Kolonialkrieg" und „Die Parteien im Weltkrieg". Reben 267 interessanten Originalphotographien wird eine große Fülle statistischen Materials geboten.
land und wird von den Resten der freien Stämme bewohnt, die durch Salzsümpfe und Urwald vor der Zivilisation geschützt, sich ihre alten Sitten und Gebräuche und ihren Rassenstolz noch bewahrt haben. Krieg hat ihre Dörfer und Hütten besucht und schildert nun in seinem Buche unter Verzicht auf tagebuchmäßige Berichte ihr Leben und Treiben in so ansprechender Form, daß jeder Leser davon gefesselt sein muß. 3ndianer, Weiße, Tiere und der Zauber der tropischen Landschaft fügen sich wie die Szenen eines Films zu einem reizvollen Gesamtbild. Der Verfasser ist ein scharfer Beobachter. Er schreibt einen knappen, lebendigen Stil, bei dem oft ein prächtiger Humor durchklingt, und schmückt sein Buch mit zahlreichen künstlerischen Zeichnungen und einer Anzahl Photos nach eigenen Ausnahmen und denen seiner Begleiter.
— Rund um Südamerik a." Don Phil. Bockenheimer. (Derlag F. A. Brockhaus, Leipzig. Gebunden 3,50 Mark.) (393) — 3n diesem Buche, das im Rahmen der guten Brock- hausschen Sammlung „Reisen und Abenteuer" als Band 46 erschienen ist, führt der Dersafser seine Leser durch neue und alte Städte der süd- amerikanischen Staaten, dieses gegensatzreiche Rebeneinander von Glanz und Armut, Zivilisation und Ursprünglichkeit, Fruchtbarkeit und Wüste. Der Autor berichtet dabei über Vergangenheit und Gegenwart jener Länder in sehr interessanter und aufschlußreicher Weise. Das Buch verdient eine gute Empfehlung.
— 3n Menschenspuren um dieWelt. Ein Buch der Sehnsucht und der Erfüllung von E. Scheuermann (Brunnen-Verlag, Karl Winckler, Berlin. Gebunden 7 Mark). (474), — Ueberdrüssig der europäischen Zivilisation macht sich ein deutscher Künstler auf, den Menschen zu entdecken. Er reift zusammen mit Auswanderern in der dritten Klasse, und er hat das Herz unö den Blick für die Schicksale von Enterbten. lieber Australien kommt er nach Samoa. Er kennt die Südsee bereits, und beim Wiedersehen vertieft sich ihm der Eindruck: hier liegt das Paradies der Menschheit. 3n den Frieden seines Malerdaseins fällt der Krieg. Scheuermann kommt nach Amerika, wirkt hier als Wanderredner für die deutsche Sache, bis sich die Staaten zu unseren Feinden schlagen und er, zusammen mit feiner mutigen Frau, nach lieber« Windung schwerster Widerwärtigkeiten zurückkeh- ren darf und in der Heimat die Welt, die doch im Grunde die seine ist, findet. Ein Buch, gefüllt mit wunderlichen Menschen und abenteuerlichen Erlebnissen, ein Buch, in dem sich Liebe zur Fremde und Treue zum Vaterland aufs innigste vereinigen.
Neue Knegsbücher.
Reisen und Abenteuer.
Aus fremden Literaturen.
— 3ackLondon: .Die glücklichen 3n- fein." 272 Seiten 8J. Brosch. 3 Mk.. Leinen 4 80 Mk. Universitas Deutsche Verlags A. G., Berlin W 50. (77.) — Dieser Band unterscheidet sich von der gesamten übrigen Produktion 3ack Londons durch den Schauplatz seiner Erzählungen: die Hawai-3nseln. London schilderte in den bisher erschienenen Bänden Südseeinseln, in denen eine mörderische Hitze und eine wilde Kannibalenbevölkerung dem Weißen das Leben fast unmöglich machen. Hier zum ersten Mal führt er uns in ein Land, ba5_ unserer sehnsüchtigen Vorstellung von der Südsee wirklich entspricht, in ein Paradies auf Erden, mit dem herrlichsten Klima, der lieblichsten Landschaft und mit Menschen, die durch ihre ungewöhnliche Schönheit und durch die Verbindung von alter Kultur und moderner Zivilisation einen ganz eigentümlichen Reiz ausüben. Der harte Realismus 3ack Londons verbirgt zwar auch hier die Schatten nicht, im wesentlichen aber sind diese Erzählungen ein Loblied auf das herrlichste Land der Erde, das 3ad London in den letzten 3ahren seines Lebens auch am liebsten zu seinem Aufenthalt erkoren hat.
— 3ohannes V. 3 e n I e n : 3 ö r g i n c. Eine Erzählung aus alter Zeit. 3ns Deutsche übertragen und mit einem Rachwort versehen von 3ulia Koppel. Reclams Universal-Diblio- thek Rr. 7050. Geheftet 40 Pf., gebunden 80 Pf. (59.) — Der dänische Dichter erzählt ein Frauen- schicksal aus dem Himmerland, dem Rordwesten 3ütlands, wo ein altes, genügsames Bauerngeschlecht den dürftigen Heideboden bebaut. 3ör- gine ist ein Sonnenkind, das überall Frohsinn verbreitet und die Umwelt beglückt, aber nach ihrem eigenen Fall doch von allen verlassen wird. Rur einer nimmt sich ihrer an: der wortkarge Gryhknecht Han'en. Mit ihm erzwingt sie sich in harter Arbeit Wohlstand und Ansehen. Die kleine Erzählung ist eine lesenswerte Darstellung nordischer Menschen und nordischer Landschaft.
— Sergei Minhloff: Das Theater des Herrn Pentaurow. Roman. Aus dem Russischen von Oskar v. R i e s e in a n n. Stuttgart 1930, Engelhorns Romanbibliothek. Band 1034'35. Broschiert 2 Mk., Leinen 3,50 Mk. (94.) — Der reiche Pentaurow baut ein Theater, um feine dilettantischen Stücke durch Leibeigene zur Aufführung zu bringen. Die überaus luftige, von prächtiger Charakterkomik getragene Handlung spitzt sich plötzlich dramatisch zu, als der gutmütige Pentaurow stirbt. Rach Ueberwindung zahlreicher Abenteuer von immer größerer Spannung findet die Handlung in einer Doppelhochzeit ihr glückliches Ende. Ein interessantes und amüsantes Sittenbild aus dem alten Rußland.
Kunst- und Kulturgeschichte.
— Altgermanische Kunst. Don Professor Dr. Friedrich B e h n, Kustos am römisch-germanischen Zentralmuseum in Mainz. Mit 100 Abbildungen auf 48 Tafeln und einer Einführung. 2. Auflage. Kart. 4 Mk. 3. F. Lehmanns Verlag, München. (78.) — Die Kulturbewegung der Renaissance, die das klassische Altertum in seiner ganzen s innverwirren^en Schönheit wieder erweckte, hatte gleichzeitig die Erinnerung an eine reiche, blühende nordische Kunstentwicklung überdeckt. Roch vor gar nicht allzulanger Zeit verband sich bei den meisten Deutschen die Vorstellung von ihren Ahnen mit den Leuten, die am liebsten auf den Bärenhäuten lagen und zu beiden Ufern des Rheins immer noch eins tränten. Eine Kultur wurde den alten Germanen nicht zugebilligt. Erst allmählich besann sich unsere Zeit auf den hohen Wert des eigenen Volkstums. Dank gebührt hier besonders unserem geschätzten Mitarbeiter Professor Dr. Friedrich Behn, der mit seinem soeben in zweiter erweiterter Auflage erschienenen Buch „Altgermanische Kunst" die lange verschütteten Quellen germanischen Kunstschaffens neu zum Fliehen gebracht hat. Der prachtvolle Schmuck der späteren Wickinoerzeit reicht an die schönsten Kunstwerke des klassischen Altertums wohl heran und die Urnen und Gefäße der germanischen Stein- und Bronzezeit brauchen sich vor den Vasen der hellenistischen Epoche nicht zu verstecken. Eine kurze, alles Wesentliche besprechende Einführung von Professor Behn geht den Bildtafeln voraus. Das Buch vermag ’e- dem Deutschen viel Freude zu vermitteln, besonders die Lehrer sollten es sich zunu!-: machen.
3 a c o b Burckhardt, Kulturgeschichtliche Vorträge. Mit einem Rachwort herausgegeben von Rudolf Marx und 20 Abbildungen. (Kröners Taschenausgabe Bd. 53.) Gcschenkausgabe (Dünndruck) 5 Ml. Alfred Krö« ner Verlag, Leipzig. (36) Burckhardt beschäftigten in seiner zweiten Lebnshälste 3ahrz«hnte hindurch allein Vorlesungen und die Vorträge, deren großartige Viclse.t gleit und Tiefe sich in diesem Bande dem ergriffenen Leser offenbart. Das Buch enthält nicht nur die berühmten Vorträge über Rapoleon. Rembrandt, Schiller, Van Dyck, die niederländische Genremal:r.i und das Porträt, sondern sämtliche bisher veröffentlichte, auch die zur Kunstgeschichte. Weg blieben nur einige, die in die „Griechische Kulturgeschichte" eingingen. Zwanzig Abbildungen von We k:n Rembrandts und Dan Dycks wurden beigegeben.
— Dr. Viktor Engelhardt: Sie geistige Kultur der Antike. Dritter Teil der Geschichte der geistigen Kultur. Reclams Uni» versal-Biblioihek Rr. 7035 -37. Geh. 1,20, Ganzleinen 2 Mk. (738) — Der Verfasser gibt hier ein groß angelegtes Gesamtbild der antiken Religion, Philosophie und Kunst. Dem Leser wird das Erlebnis eines Kulturkreises vermittelt, der die Grundlage unseres modernen Denkens und Wissens bildet: wir fühlen überall den Lebensrhythmus, der uns noch heute durchpulst. Das Buch leitet mit zahlreichen Literaturangaben zur genauen Betrachtung der Einzelheiten. Dem Schüler gibt das Buch eine willkommene Ergänzung zu dem im Unterricht Gehörten. Vorzügliche Ausstattung bei billigstem Preis erlauben jedem den Kauf. I
— OB. 3.(Bonn: Die Kultur der Vereinigten Staaten von Amerika. (Dolks- verband der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G. m. b. H.. Berlin-Charlottenburg 2.) 86. — 68


