2 bis 100 Prozent vom GestehungSpreiS teS um* geänderten Apparates. Er führt als Beispiel den Fall eines Fleischers an, der auf die Klage eines Hörers vom Gericht zur Umänderung feines Elektromotors verurteilt wurde, und zwar legte man ihm auf, für die notwendige Entstö- rungsvorrichtung bis zu 200 Mark zu bezahlen, daS sind schätzungsweise 50 Prozent dessen, was ihm der ganze Motor gekostet hatte. Auf diese Weise, erklären die Vertreter des Starkstroms, würde die Volkswirtschaft ganz übermäßig und dazu noch unproduktiv belastet, wozu noch komme, daß man für die Unschädlichkeit der bisher üblichen, mit Kondensatoren arbeitenden Entstö- rungsvorrichtungen nicht garantieren könne. Es gäbe daher nur eine Möglichkeit: der Rundfunk müsse, wozu er bisher leider nicht die geringste Neigung gezeigt habe, von sich aus dem Liebel steuern: durch entsprechende Verbesserung seiner Sendeanlagen und Empfangsapparate. Dr. Passavant hat in seinem erwähnten Vortrag über die praktische Durchführbarkeit dieses Gedankens interessante Angaben gemacht. Er führt etwa aus: Aach einem physikalischen Grundgesetz sichere man irgendeine Kraft gegen Störung durch eine andere am besten, indem man sie so weit verstärkt, Latz die Störung auf einen Prozentsatz herabsinkt, der praktisch nicht mehr in Betracht kommt. Im Falle Rundfunk ergäbe sich daraus folgendes: Die nutzbare Kraft der verteilten Wellen werde bestimmt von der Stärke des elektrischen Feldes am Ort des Empfanges, diese hänge aber ab von der Leistung der Sendestation. Sei diese gering, so müßten notwendig die Wellen am Ort des Empfangs so schwach werden, daß sie fremden Wellen gegenüber nicht aufkommen könnten. Da aber die Leistung der meisten deutschen Sender nicht genüge, um die unbedingt notwendige Empfangsfeldstarke zu halten, seien die dauernden Störungen unvermeidlich. Gr kommt also zu dem Schluß: das Störungsübel könne nur befriedigend beseitigt werden, wenn man die Leistung der deutschen Sender und damit die Stärke der Rundfunkwellen am Gmpfangsort erhöhe. Sache der Techniker sei es dann, herauszufinden, welches die wirtschaftlich und sendetechnisch günstigste Leistungsstärke sei. Diese Lösung der Störungsfrage sei jedenfalls wirtschaftlich tragbarer und technisch einwandfreier als die auf dem bisherigen Wege versuchte. Dazu muß freilich gesagt werden, daß damit Störungen beim Fernempfang nicht beseitigt werden könnten, aber Dr. Passavant steht auf dem Standpunkt, daß man vor allem einmal den deutschen und europäischen Empfang sichersbellen müsse.
In den Kreisen des Rundfunks steht man diesen Gedanken anscheinend nicht unbedingt bejahend gegenüber. Jedenfalls werden die bisherigen Methoden, durch die dem Störungsübel gesteuert werden soll, fortgesetzt: Beratung der Hörer durch die Sendehilfen, Llebernahme von Prozessen gegen .böswillige" Inhaber von störenden Anlagen und Versuche, die Einführung von Vorrichtungen zum Störungsschuh zu beschleunigen. Erst neulich hat der Rundfunkkom- missar Dr. Bredow auf der Weltkraftkonferenz entsprechende Anträge gestellt. Im gleichen Sinae arbeiten, wie es scheint, der von der Reichsrundfunkgesellschaft eingesetzte St-örungsaus- schuh und die neugegründete Störungskommission des Verbandes deutscher Elektrotechniker, über deren bisheriges Ergebnis noch nichts bekannt ist. Immerhin aber vertritt ein so führender Fachmann, wie Graf Arco, auch auf der Rundfunkseite den Gebauten, daß das beste Mittel gegen Störungen ein starker Sender und damit eine genügende Empfangsfeldstärke sei. Lind die Entwicklung des deutschen Sendebetriebs scheint, wenn auch vorerst aus internationalen Konkurrenzgründen, diesen Gedanken in Wirklichkeit umzusehen. Schon sind mehrere deutsche „Großsender" von 75 bis 150 kW Sendestärke im Dau — Mühlacker, Heilsberg,
Der Dreizehnte.
Roman von Anny von panhuys.
Copyright 1929 by Verlag Vechthold, Braunschweig.
7. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Montserrat, gütiger Himmel, Montserrat, komm doch zu dir! Du bist überreizt, du bist krank, ich bitte dich, besinne dich doch!"
Gr machte einen halben Schritt auf sie zu. Sie schrie laut auf und stürzte an ihm vorbei, hängte sich an die Portera.
„Retten Sie mich, bitte, beschützen Sie mich vor dem Vatermörder!"
Ihre Hände krallten sich in das schwarze Kleid der kleinen Frau.
Primo Duero verharrte starr und regungslos. Ihm war unbeschreiblich zumute. Richt einmal klar zu denken vermochte er. So entsetzlich, so grausam wehetuend traf ihn das Wort höchster Schmach und Schande. Montserrats Erregung von gestern hätte er vergeben und vergessen können, was sie ihm aber eben angetan, niemals.
Die Portera murmelte erschreckt: „Sennorita, Sie dürfen das nicht sagen, die Polizei hat Sennor Duero doch freigegeben und man hat doch auch schon oft bei so schweren Verbrechen gehört, daß zuerst Llnschuldige verdächtigt wurden."
Montserrat ließ die Frau los und ihre Augen hefteten sich auf das Gesicht des Verwandten, der sich von Kind an ihrer in liebevollster Weise angenommen und aus dessen brüderlicher Liebe allmählich eine andere gekeimt.
Sie sagte mit kühler Zurückhaltung: „Ich Wunsche dir Glück zu deinem Freisein, Primo."
Der Mann lachte kurz und bitter auf.
„Dein Glückwunsch klingt befangen, klingt, als Ware jede Silbe in Mißtrauen getaucht." Er zog die Brauen finster zusammen. „Ich hatte auf em bißchen Freude von dir gehofft, Montserrat, dies Wiedersehen nach den furchtbarsten Stunden meines Lebens hatte ich mir anders gedacht. Aber lassen wir das. Die Wohnung ist auch von der Polizei wieder freigegeben und es gibt wohl allerlei zwischen uns zu besprechen." Er wandte sich an die Portera: „Würden Sie mir hier in Ihrem Zimmer eine Unterredung mit der Sennorita gestatten?"
Die Portera nickte eifrig. Sie hatte jetzt bas Gefühl, viel an Primo Duero gutmachen zu müssen. Denn sie trug wohl allein die Schuld an seiner Verhaftung.
„Natürlich, besprechen Sie sich nur mit der Sennorita." Sie wollte sich sofort entfernen. Doch Montserrat hastete ihr nach. „Ich möchte
Königswusterhausen und Langenberg — und andere werden folgen. Man kann also hoffen^ daß man bald überall in Deutschland mit billigeren und einfacheren Apparaten, die ja auch weniger empfindlich sind, einen guten Empfang auch von ferneren Sendern her erhält. Und schließlich: die Technik schreitet immer weiter. Bereits wird von der Reichspost in Berlin der von Dr. E s a u (Jena) eingeführte U l t r a k u r z- wcllensender ausprobiert, der mit störungs
freien Wellen arbeiten soll. Auch die Liebhaber des Fernempfangs haben die leise Hoffnung, daß sich die Idee des Erfinders Manfred von Ar den ne, die übrigens auch auf dem System einer Verstärkung des Cmpfangsfeldes beruht, vielleicht doch leichter und schneller durchsetzen könne, als die kritischen Fachleute und Autoritäten zugeben möchten. Man sieht: alle Welt arbeitet fieberhaft am billigen und störungsfreien Empfang! Funk Heil!
Abnahme der Arbeüsmöglichkeüen
Das Arbeitsamt Gießen berichtet über die Arbeitsmarktlage im Oktober.
Die Lage des oberhessischen Arbeitsmarktes verschlechtert sich mit zunehmender winterlicher Arbeitslosigkeit immer mehr. Die Metallindustrie, Industrie der Steine und Erden, das Holzgewerbe und das Baugewerbe wurden stärker belastet. Aus dem Gastwirtschaftsbetrieb nahm die Arbeitsuchendcnzahl durch Entlassungen hauptsächlich aus den Kurbetrieben zu. Die Aufnahmefähigkeit der Landwirtschaft blieb in diesem Jahre hinter der der früheren Jahre zurück. Die
ständige Zunahme
von kurzfristigen Beschäftigungsverhällnissen ruft naturgemäß beim Arbeitsamt eine große Fluktuatton, mithin eine große Mehrarbeit hervor.
Aus den Mitteln der Rcichsanstalt wurden im Berichtsmonat 5423 männliche und 340 weibliche, zusammen 5 7 6 3 Personen unter st ützt, gegenüber 5180 des Vormonats und 2246 des Vorjahres: mithin liegt die Zahl der Haupt- unterstühungsempfänger in der Arbeitslosenunterstützung um rund 15 6 Prozent höher a l s im Vorjahre. Krisenunterstützung erhielten 1486 männliche und 41 weibliche, zusammen 1 5 2 7 Personen, gegenüber 1065 des Vormonats und 14 8 des Vorjahres. Die Zahl der Krisenunterstühungsempfänger liegt um rund 9 3 0 Prozent höher als im Vorjahre. 37 Unterstützungsempfänger wurden bei Rvt- standsarbeiten beschäfttgt.
Im Oktober konnten wir 947 männliche und 197 weibliche, insgesamt 114 4 Arbeitsuchende in Arbeit vermitteln, gegenüber 812 des Vormonats und 1250 des Vorjahres. 4043 männliche und 488 weibliche, insgesamt 4531 Arbeitsuchende meldeten sich erneut arbeitslos, 2091 Arbeitsuchende fanden ohne Mitwirkung des Arbeitsamts Arbeit.
An Arbeitsuchenden standen am Ende der Be- richtszeit 8606 Personen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung, gegenüber 7310 des Vormonats und 4019 des Vorjahres. Die Arbeitsmarktlage hat sich mithin gegenüber des Vorjahres um rund 114 v. £). verschlechtert.
Das bedeutet, daß die ArbeitsmarVtlage gegenüber dem Vorjahre um nahezu zwei Monate voraus ist.
Aus den einzelnen Berufsgruppen ist wie folgt zu berichten:
Landwirtschaft.
Die Marktlage in der Landwirtschaft hat sich weiterhin verschlechtert. Die Nachfrage nach De- schäftigungsmöglichkeiten aus den Reihen des Durchgangsverkehrs hat infolge des schlechten Wetters nachgelassen. In der Berichtszeit wurde die Kartoffelernte zur Beendigung gebracht. Es waren in dieser Zeit verhältnismäßig wenig Leute an g-ef örtert worden. Wanderer, Nachbarshilfe, Ausgesteuerte und Familienangehörige waren harchtsächlich an ter Bergung der Kartoffeln beteiligt. Im allgemeinen wurde mit Rücksicht auf die Verhältnisse am Kartoffelmarkt, sowie Anwendung von Maschinen am Einsatz von Arbeitskräften gespart. Als große Hemmung für die Arbeiten stellte sich das dauernde Regenwetter
heraus. Die Zuckerrübenernte dürste in fast allen Betrieben zur Hälfte erledigt sein. Auch hierfür wurden von einigen wenigen Betrieben Kräfte angefordert. Don besonderer Bedeutung waren die Verhandlungen mit den Forstämtern zum Zwecke bevorzugter Einstellung von Arbeitslosen beim Holzeinschlag. Soweit der Staat selbst als Arbeitgeber in Frage kommt, wurde dolle Liebereinstimmung und Bereitwilligkeit zur Einstellung der wirtschaftlich Schwächeren erzielt. Dasselbe war der Fall bei größeren Privatbetrieben. Am Ende der Derichtszeit zählten wir in dieser Berufsgruppe 234 Personen gegenüber 150 des Vormonats und 70 des Vorjahres.
Bergbau.
Die Lage im Bergbau hat sich nicht gebessert. Durch Entlassungen im Kalibergbau war ein Zugang von Arbeitskräften zu verzeichnen, der durch Abgang von Arbeitsuchenden in die Forstwirtschaft ausgeglichen wurde. Es wurden 101 Arbeitsuchende gegenüber 85 des Vorjahres gezählt.
Industrie der Steine und Erden.
Die Beschäftigungsverhältnisse verschlechtern sich anhaltend. Verschiedentlich fanden Steinbrucharbeiter kurzftistige Beschäftigungen durch Strahenerneuerungen. Einige oberheffische Stein- brüche entliehen wegen Absatzmangels Arbeitskräfte. Die oberhessischen Ziegeleien klagen ebenfalls über Absatzstockungen. Auch hier wurden Arbeitskräfte abgestößen. Ein Kristall-Glasschleif- werk hat nach vorausgegangener Kurzarbeit seinen Betrieb wegen Auftragsmangels geschlossen und die Arbeitskräfte zur Entlastung gebracht. Am Ente der Berichtszeit standen 1084 Arbeitsuchende dem Arbeitsmarkt zur Verfügung gegenüber 986 des Vormonats und 591 des Vorjahres.
Metallindustrie.
Der Beschäftigungsgrad hat sich auch im De- richtsmonat weiterhin verschlechtert. Der größte Teil der Betriebe, sowohl Industrie als auch Handwerksbetriebe, leiten weiter an Auftragsmangel. Mit einer Besserung der Marktlage dieser Derufsgruppe dürfte vorab nicht zu rechnen sein. Die Arbeitsuchendenzahl betrug 1829 gegenüber 1676 des Vormonats und gegenüber 415 des Vorjahres.
Spinnstoffgewerbe.
Die Marktlage des oberhessischen Spinnstofs- gewerbes ist im Verhältnis zur Gesamtmarktlage noch als gut zu bezeichnen. In der Derichtszeit wurden 34 Arbeitsuchende gezählt gegenüber 24 des Dormonats und 19 des Dorjahres.
Papierindustrie.
Die Arbeitsmarktlage ist als uneinheitlich zu bezeichnen. Zum Teil wird in der oberhessischen Papierindustrie kurz gearbeitet. 20 Arbeitsuchende standen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung, gegenüber 19 des Vormonats und 15 des Vorjahres.
Holzgewerbe.
Die Beschäftigung im Holzgewerbe flaut Weiter ab. Die oberhessischen Sägewerksbetriebe haben
nicht mit ihm allein bleiben." Sie schüttelte sich. „Mir graut vor ihm!"
Primo Dueros Stolz bäumte sich auf.
„Wahre deine Zunge, Montserrat, ich lasse mich nicht so unerhört von dir beleidigen. Du gehst zu weit."
Sie wurde flammend rot und strich mit der Rechten über ihre Sttrn. LInaufhörlich hin und her, als versuche sie durch das Streichen einen Schmerz fortzudrängen.
„Du hast recht, Primo, ganz recht, ich benehme mich häßlich. Ich muh mich ja erst daran gewöhnen, daß all das Schreckliche Wahrheit ist." Sie winkte der Portera. „Gehen Sie nur, ich will mit meinem Vetter sprechen, und vergessen Sie bitte, was Sie gehört haben."
Die Frau ging langsam, fast zögernd. Sie sann, die Beiten sollte sie vielleicht nicht allein lassen, denn der Blick Primo Dueros war voll Zorn.
Als die Portera die Tür hinter sich geschlossen, sagte der Mann gequält: „Alles, was ich dich fragen und mit dir besprechen wollte, ist nun hinfällig. Lind wenn deine Nerven auch ganz kaputt wären, durftest du mir das nicht antun, was du mir angetan hast. Die Polizei gestattet mir also wieder den Eintritt in die Wohnung und ich möchte nun wissen, wie du es zu halten gedenkst. Denn nach dem von vorhin, werten wir doch kaum noch zusammen unter einem Dache leben können."
Sie lieh sich wieder in dem Armstuhl aus Llrgrohväterzeiten nieder.
„Es tut mir leid, was ich gesagt, ich wiederhole es, trage es mir nicht zu sehr nach, Primo." Sie rang die Hände. „Aber ter gestrige Abend zerrüttete mich zu sehr. Lind dann heule die vielen Fragen des Kommissars. Lind ich weih doch nichts, gar nichts. Vor allem aber der Tod des Onkels, so ein Tod!"
Primo fiel ihr ins Wort: „Mag das alles sein, wie es will, wenn du mich auch nur ein Kitzchen kennen würdest, hättest du niemals an mir gezweifelt. Wollen von der Zukunft reden. Wie denkst du dir deine?"
Sie zuckte lässig die Schultern, und ihr hübsches Gesicht mit dem glatten glänzenden Haar verdunkelte sich.
„Was brauche ich viel über meine Zukunft nachzudenken. Es wird wohl bei ter Zukunft bleiben, die ich zu deinem Vater schon erwähnte, als er mich letzthin in eine Ehe drängen wollte e™em mir gleichgültigen und nicht einmal wohlhabenden Manne. Ich werde mir eine Stellung als Gesellschafterin suchen. Für solche Posten sind ja die armen Mädchen da, die über keine besonderen Talente verfügen." Die schloß: „Bei dir bleiben kann ich so wie so nicht. Wir sind keine Geschwister und man würde darüber klatschen."
Er neigte den Kopf.
„Vielleicht wartest du mit deinen Entschließungen noch etwas, bis alles geordnet ist."
Sie fuhr sich mit dem Tuch über die breiten Lider.
„Ich werde wohl warten müssen. Erst will ich vor allem an den Messen für Les Onkels Seelenheil teilnehmen und dann wisfen, wo er zur Ruhe gebracht wird, um dort für ihn zu beten. Vielleicht verlangt auch die Polizei noch allerlei Fragen beantwortet. Ein bihchen Geld habe ich mir ja im Laufe der Jahre zusammengespart, das wird reichen, bis ich eine Stellung antrete. Ich kann hier so lange bei der Portera wohnen bleiben."
Sie hatte das Tuch schon wieder vor den Augen und er sah, wie heftig ihre Schultern beim leisen Weinen bebten. Aber in ihm war kein Mitgefühl mehr.
Zu hart war das Wiedersehen heute mit ihr gewesen.
i „Also weiß ich, wo ich dich treffen kann, wenn ich dir etwas mitzuteilen habe."
Er grützte kurz und ging.
An der Tür wandte er sich noch einmal flüchtig um, und fein Blick umfaßte die Weinende. Ihm war es, als hätte er Montserrat sehr, sehr lieb gehabt, viel lieber wie er es selbst gewußt. Als sei er sich jetzt, in dieser traurigen Stunde, darüber klar geworden. In dieser Stunde, da er wußte, nun konnte Montserrat niemals feine Frau werden, wie er es sich zuweilen aus- gemalt.
5.
Primo Duero schlief kaum in den nächsten Tagen, so sehr war er in Anspruch genommen. Das Begräbnis seines Vaters erfolgte in aller Stille, nur die Angestellten ter Firma, Primo und Montserrat, sowie der Anwalt des Toten waren dabei, als man Jose Dueros ©arg in das Nischengrab schob, auf dem schön gelegenen Frieds Hof, hoch über dem blauen Mittelländischen Meer.
Montserrat trug einen großen schwarzen Schleier, der den schmalen hübschen Knabenkopf bedeckte und bis über den Saum des düsteren Mantels fiel, der sie völlig einhüllte wie in ein Nonnengewand. Aus mattem Marmor gemeißelt schien das reizvolle Gesicht, und Eva mußite mehrmals zu ter schlanken Gestalt Monserrats hinüberschauen.
Die Kollegin, Paquita Casanovas, hatte ihr erzählt, Primo Duero liebe seine Kusine, aber vor dem Vater hätten beide nicht den Mut aufgebracht, das zuzugeben; nun er tot wäre, würden sie bald genüg heiraten.
Eva dachte, was kümmerte es sie, wenn di« zwei ein Paar wurden. Aber ihr war es dabei, als ob ganz feine, doch unendlich schmerzhafte Sttche Lurch ihr Herz gingen. Sie fand Monl-
wegen Auftragsmangels Arbeitskräfte zur Eni- lassung gebracht. Durch die vorgeschrittene Jahreszeit wird mit einer wesentlichen Besserung ter Marktlage dieser Derufsgruppe nicht zu rechnen sein. An Arbeitsuchenden zählten wir 564 gegenüber 493 des Dormonats und 183 des Dorjahres.
Bekleidungsgewerbe.
Die erhoffte saisonmäßige Belebung ist nicht eingetreten. Die Marktlage ist weiterhin uneinheitlich. Hauptsächlich wurden Schneider und Schneiderinnen zur Entlassung gebracht. In ter Schuhindustrie hat sich die Lage leicht gebessert. Die Arbeitsuchentenzahl betrug 215 gegenüber 217 des Dormonats und 110 des Dorjahres.
Gesundheils- und Körperpflege.
In der Marktlage dieser Berufsgruppe ist in ter Berichtszeit eine Verschlechterung eingetreten, die hauptsächlich auf Entlassung von Badepersonal und Arbeiterinnen von Wasch- und Plättanstalten in den vberhessischen Kurorten zurückzuführen ist. Es wurden 79 Arbeitsuchende gegenüber 24 des Vormonats und 28 des Dorjahres gezählt.
Baugewerbe. ~
-Die Beschäftigung ging entsprechend ter vorgerückten Jahreszeit stärker zurück. Verschiedentlich konnten Bauarbeiter bei ten Gemeinden und im Holzwald Arbeit finden. Dem Arbeitsmarkt standen am Ende der Derichtszeit 1627'Arbeitfuchente gegenüber 1161 des Dormonats und 761 tes Dorjahres zur Derfügung.
Musik.
Die Beschäftigungsmöglichkeiten für Musiker toaren im Berichtsmonat gut, doch ist mit einer Verschlechterung zu rechnen, die auf die bald beginnende Adventszeit zurückzuführen ist. Es konnten 363 Vermittlungen getätigt werden.
(Baff- und Schankwirlschaflsgewerbe.
Durch Beendigung der Kursaison hat sich gerate die Arheitsmarktlage dieser Berufsgruppe wesentlich verschlechtert. Zahlenmäßig wirkt sich die Belastung auf den vberhessischen Arbeitsmarkt nicht im vollen Llmfange aus, da ein großer Teil in ihre Heimat zurückgekehrt ist und den dortigen Arbeitsmarkt belastet. Die Arbeitsuchendenzahl betrug 86 gegenüber 39 tes Vormonats und 61 des Vorjahres.
Verkehrsgewerbe.
Die Beschäftigungsverhältnisse im VerkehrSge- werbe haben sich weiterhin verschlechtert. Während die Entlassungen von Zeitkräften bei tert Reichsbahn nachgelassen haben, hat neuerdings die Reichspost ebenfalls Hilfspersonal entlassen. In den Kurorten wurden durch Beendigung ter Kursaison Kraftwagenführer und Droschkenkutscher arbeitslos. Wir zählten 298 Arbeitsuchente gegenüber 62 tes Vormonats und 94 des Dor- zahreS.
häusliche Dienste.
Trotz guter Vermittlungstätigkeit (127 Vermittlungen) ist ein Zugang von arbeitsuchenden Hausangestellten und Putz- und Waschfrauen zu verzeichnen. Die Praxis lehrt, daß vor Weihnachten wenig Hauspersonal neu eingestellt wird. Es wurden 94 Arbeitsuchende festgestellt gegenüber 59 des Vormonats und 32 tes Vorjahres.
Lohnarbeit wechselnder Art.
Die Marktlage dieser Derufsgruppe hat sich wiederum verschlechtert, obwohl eine Anzahl Arbeitsuchender im Holzwald Arbeit finden konnten. Auch für diese Derufsgruppe wird infolge der vorgeschrittenen Jahreszeit mit einer Besserung nicht zu rechnen sein. Die Arbeitsuchenden- zahl betrug 1229 gegenüber 1122 tes Vormonats und 1107 des Vorjahres.
Angestelltenberufe.
Der Arbeitsmarkt für die kaufmännischen und technischen Angestellten hat sich im Oktober wesentlich verschlechtert. Besonders aus ter Metall-
ferrat schön und erschien sich selbst unbeteuten® und nichtssagend gegenüber Montserrat, deren herrliche schwarze Augen jetzt starr ins Weite schauten, und um deren wundervoll gezeichneten Mund es ab und zu nervös zuckte. I
Am Nachmittag dieses Tages war die Testa-, mentseröffnung. Primo war der alleinige Erbe von Haus und Geschäft, feiner Richte hatte Ios6 Duero nichts hinterlassen. 3m Testament stand:
„ Frauen brauchen kein eigenes Geld, wenn sie nicht alleinstehen in der Welt. Primo wird weiter für Montserrat sorgen, wie ich es getan, darauf verlasse ich mich. *2tenn sie heiratet, ist sie ja sowieso versorgt. Dann soll ihr Primo das Geld zu einer anständigen Aussteuer geben. Wenn sie nicht heiratet, wird sie wahrscheinlich bei Primo bleiben, ihm das Haus führen. Selbst wenn er heiratet. Sollte sie dann zuviel im Haushalt sein neben der grau, mag ihr Primo zehntausend Peseten auszahlen, damit sie sich weiterhelfen kann."
So las der Anwalt vor. :
Er sah an seinem mächtigen Schreibtisch und rechts von ihm saßen die beiten, die wie Geschwister ausgewachsen. Links von ihm sah ein Schreiber als Zeuge.
Primo sah Montserrat an, die regungslos verharrte, als ginge sie das Vorlesen Les Testaments nichts an. Lind doch mußte sie sehr darunter leiden, in welcher kalten Weise sein Vater über jede Zukunftssicherheit von ihr wegglitt.
Jetzt aber hob sich Montserrats Blick, doch kein Wort kam über ihre Lippen. Sie zuckte nur ein wenig mit den Schultern, das war alles.
Der Anwalt sagte: „Ich bin vollkommen über die Vermögensverhältnisse Ihres Vaters unterrichtet, Don Primo, und stehe mit jeder gewünschten Auskunft zur Verfügung."
Primo dachte an die blauen Brillanten und erwiderte, er würde dem Marques de Palma wohl die kostbaren Steine ersehen müssen.
Der Anwalt wiegte, wie in leisem Bedauern, den Kopf.
„Ein Teil des Geldes ist vielleicht Lurch die Versicherung hereinzuholen. Aber sehr einfach dürfte sich das nicht ordnen lassen, da ausgerechnet nur dieser Schmuck geraubt wurde, der durch seinen ungewöhnlichen Wert eigentlich extra hätte versichert werden müssen. Aber ich will selbst annehmen, Sie ersetzen dem Marques ten vollen Wert und auch die fünsundsiebzig- tausend Peseten, die in bar gestohlen wurden, wären endgültig verloren, so bleibt Ihnen doch noch das fast unbelastete Haus und ein Vermögen von annähernd einer halben Million Peseten."
(Fortsetzung folgt.)


