Nr. 43 Zweites Blatt
Aus Oer provinzialhauptsiaOt
Gießen, den 20. Februar 1930.
Der Kropf.
Don Dr. med. Gurt Kayser.
Unter Kropf versteht man eine Vergrößerung der zu beiden Seiten und zum Teil unterhalv des Kehlkopfes gelegenen Schilddrüse, erkennbar an einer an dieser Stelle auftretenden Der- gröherung des Halsumfanges. Das Vorhandensein eines Kropfes läßt sich im Zweiselsfalle auch vom Laien leicht feststellen, wenn man die Vctvegungen der vermeintlichen Halsgeschwulst beim Trinken eines Schlucks Wasser beobachtet. Bewegt sich die Halsanlchwellung beim Schluckakt mit dem Kehlkops mit, so handelt es sich zweifellos um Kropf. Man hat vielfach den Kropf lediglich als einen Schönheitsfeh.er betrautet. Das ist falsch. Denn abgesehen von den verschiedenen Fernwirkungen auf Herz und Nervensystem kann der Kropf schon rein mechanisch infolge seiner Gröhe durch Druck auf die Nach- barorgane ein ernstes, in schweren Fällen sogar lebensbedrohliches Leiden Hervorrufen. Die Wissenschaft steht heute sogar auf dem Standpunkte, daß der Kropf überhaupt kein selbständiges Leiden ist, sondern vielmehr eine Teilerscheinung einer allgemeinen Stoffwech^elstörung, deren erste Zeichen in krankhaften Veränderungen des Nervensystems bestehen. Es ist das umso wahrscheinlicher, als ja die Schilddrüse zu jenen immer noch recht geheimnisvollen Drüsen mit innerer Absonderung gehört, die einen für die Lebens- lätigkeit des Körpers wichtigen Wirkstoff (Hormon) erzeugen und in die Dlutbahn ab ged en. Die Baustoffe hierzu werden der Schilddrüse vom Körper geliefert. Geschieht dies in unzureichendem Mähe oder Ueberfluh — jedesmal ist die Folge eine Funktionsstörung der Schilddrüse. Diese Funktionsstörung kann nach verschiedenen Nichtungen gehen. Sje kann einerseits zu verminderter Tätigkeit, zu verminderter Wirkstoffabscheidung und schließlich zum Schwund der Schilddrüse führen, andererseits eine vermehrte Tätigkeit, eine vermehrte Absonderung und ein vermehrtes Wachstum der Schilddrüse zur Folge haben. Verminderte Tätigkeit resp. Schwund der Schilddrüse ruft das schwere Krankheitsbild des Kretinismus und schliehlich der völligen gei- stigen Verblödung hervor. Vermehrte Saftabschei- düng erzeugt das schwere, unter lern Namen Basedowsche Krankheit bekannte Leiden. Zwischen beiden nimmt der Kropf eine Mittelstellung ein. Das für den Kropf charakteristische, abnorme Wachstum der Schilddrüse stellt eine Abwehr- mahnohme der Natur dar, die bestrebt ist, der Schllddrüse durch Gröhenzunahme eine vermehrte Speicherung und damit eine Erleichterung der Wirkstoffbereitung zu ermöglichen, wenn der Körber Baustoffe in ungenügender Menge liefert. Der in der Schilddrüse gebildete Wirkstoff ist der Wissenschaft bekannt. Er führt den Namen Thyroxin, kommt in einer Menge von wenigen tausendstel Grammen in der Schilddrüse vor und ist charakterisiert durch seinen Gehalt an Jod. Man könnte meinen, dah damit das ganze Kropfproblem gelöst wäre und man nur nötig hätte, Thyrolln oder Jod in grohen Mengen zu sich zu nehmen. Allein, weit gefehlt! Die künstliche Zufuhr großer Mengen Jod z. B. führt, wie aus den obigen Darlegungen verständlich ist, zum sogenannten Jod-Basedow, d. h. zu der durch Glotzauge, Herzerkrankunq. Hände'ittcrn usw. gekennzeichneten schweren Erk ar Ung Darum hüte sich jeder, der an Kropf leit et, vor planlosem Jod-Gebrauch. auch hinsichtlich äußerlicher Jod-Anwendung. Es ist indessen der wissen-
Iie blonde Sklavin.
Vornan von Hermann Deick.
11 Fortsetzung Nachdruck verboten
In ihren Augen war jeder Glanz erloschen, als sie stockend sortfuhr:
..Bald werde ich dir alles sagen .... damit du mein Leben tennenlemst ..."
Sie wußte, dah sie die Worte, die in ihm die Liebe zu ihr töten muhten, niemals sprechen würde.
In Schulhofs schwemmte die heiße, jauchzende Siebe alle grüblerischen Gedanken, die in ihm aufgestiegen waren, hinweg.
„Wenn du mich nur liebst, Eva!" sagte er, trunken vor Wonne. „Alles andere ist ja nebensächlich!"
.Sie fühlte, wie die Schwere von chr glitt. Das Glück dieser Stunde berauschte sie aufs neue.
Mit einer wilden, verzehrenden Leidenschaft preßte sie sich an ihn.
„Küsse mich!" stammelte sie selbstvergessen.
Wie ein wundersamer Traum war ihnen die Heimfahrt durch die warme Sommernacht. Eng aneinander gelehnt, saßen sie im Wagen.
„Kommst du morgen wieder zu mir, Eva?" fragte Schulhoff.
„Ja...“
Ja, morgen würde sie zu dem Geliebten kommen, und übermorgen.... diese Tage der Freiheit, des unbegreifckchen Glückes, würde sie bis zur Neige auskosten..., sich ganz einhüllen lassen von seiner Liebe, vergessen die grausame Not ihres Lebens ...
Alles in chr war ausgefülll von dem Gedanken an Felix Schuchoff. Immer wieder sprach sie, während sie dann allein heimwärts fuhr, seinen Namen leise vor sich hin. Leuchtend stand sein Bi.d vor ihr. Sie hörte seine weiche, gütige Stimme, die sie so sehr liebte...
Aus ihren seligen Gedanken gerissen, fuhr sie auf, als plötzlich das Auto hielt.
Nasch ging Eva Witte die paar Schritte bis zu ihrem Hause.
Cs lag im Dunkel.
Wahnsinniger Schmerz preßte Eva die Brust zusammen.
Nun mußte sie wieder zurück in ihr Gefängnis ..dem sie niemals entrinnen würde...
"Dicht daran denken!
Morgen war sie noch frei.... und übermorgen ...
Morgen würde sie Felix Wiedersehen!
Sie wollte das Tor aufschließen, da hörte sie hinter sich ein Geräusch. Es jagte sie herum.
Eine große, wuchtige Männergestalt stand vor ihr.
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, 20. Zebruar 1930
schaftlichen Forschung gelungen, dasjenige minimale Jod-Quantum zu ermitteln, das gerade hinreicht, um der Schilddrüse eine normale Funktion zu ermöglichen. Die Behandlung mit kleinsten, nur Bruchtelle von Milligrammen betragenden Jod-Mengen muh natürlich ausschließlich dem erfahrenen Arzt Vorbehalten bleiben. Sie wird in vielen Fällen dann recht beachlliche Erfolge erzielen. Damit ist aber durchaus noch nicht alles getan. Gilt es doch, nicht nur den Kropf zu behandeln, sondern vor allem auch chn zu verhüten.
Der Kropf kommt bekanntlich in manchen Gegenden in gehäufter Zahl vor, so daß man von sogenannten Kropf-Ländern oder Kropf- Gegenden zu sprechen berechtigt ist. Während der Kropf in Süddeutschland, in Bayern, Baden, Württemberg usw. sehr häufig ist, weist der Norden unserer Heimat weniger Kropfträger auf, und die Meeresküste bleibt vom Kropf nahezu ganz verschont. Dieses eigenartige Vorkommen mutzte natürlich Veranlassung geben, nachzuforschen, ob die Bevölkerung der Krvpfgegenden durch Wasser, Luft oder Nahrung etwa zu wenig Jod aufnimmt. Tatsächlich konnte das in vielen Fällen nachgewiesen werden, und eine planmäßige Kropfverhütung lurch Darreichung kleinster Jod-Mengen hat z. B. in Württemberg, wie auch in Oesterreich und in der Schweiz nennenswerte Erfolge erzielt. Man geht dabei in der Weise vor, dah man, insbesondere Schulkindern und schwangeren Frauen, kleinste Jod- Mengen in Form von sogenanntem „Vollsalz", d. h. von Kochsalz, dem Jod in bestimmten kleinsten Mengen beigemischt ist, verabreicht. In neuester Zeit ist festgestellt worden, dah die Bewohner der Meeresküste deshalb frei von Kropf bleiben, weil sie sich vorwiegend von Seefischen ernähren, deren Gehalt an Jod ein verhältnismäßig beträchtlicher ist. Deshalb ist man mit Recht bemüht, einem möglichst reichlichen Verzehr von Seefischen zur Kropfverhütung, ganz besonders in den Kropfländern. Eingang zu verschaffen. Der Jodmangel ist aber natürlich, wie wir wissen, nicht die einzige Ursache, aus der es zur Kropfbildung kommt. Man hat so ziemlich alles, Sonne, Mond und Erde, Wasser, Luft uhp., für die Entstehung des Kropfes verantwortlich zu machen gesucht. Von alledem scheint allein der Sonne, insbesondere der Hochgebirgssonne und den ultravioletten Strahlen dabei tatsächlich eine gewisse ursächliche Nolle zuzukommen, während alles andere wohl sicher ins Reich der Fabel zu verweisen ist.
Das Geheimnis des Kropfes und der Schilddrüse ist also noch. keineswegs gelöst. Aber ein wesentlicher Fortschritt auf dem Gebiete der Kropfbekämpfung und Kropfverhütung ist bereits erzielt. Die internationale Zusammenarbeit, wie sie in einer vor zwei Jahren in Bern abgehaltenen Kropf-Konferenz zutage trat, wird weitere Aufklärung schaffen müssen und hoffentlich recht bald das Kropf-Problem einer allseitig befriedigenden Lösung zuführen zum Helle der leidenden Menschheit.
Gießener Wochenmarktprcise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140 bis 183, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 63 bis 143, Wirsing 15 bis 35, Weißkraut 10 bis 15. Rotkraut 10 bis 20, gelbe Rüben, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 35 bis 40, Unter-Kohlrabi 8 bis 10. Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 35 bis 43. Feldsalat 153 bis 180, Tomaten 70 bis 83, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 41/« bis 5, Aepfel 10 bis 15, Birnen 10 bis 15, Dörrobst 33 bis 35, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120, Nüsse 50 bis 83 Pf. baä Pfund:
„Kommst du jetzt endlich nach Hause?" fragte Peter Honnccker kalt.
XII.
Am Bahnhof sagte Honnecker zu seinem Chauffeur:
„Geben Sie meinen Koffer an der Gepäckstelle auf. Ich fahre erst mit einem späteren Zug."
Nach wenigen Minuten kam der Mann zurück und überreichte Honnecker den Gepäckschein.
„Wohin soll ich fahren, Herr Honnecker?"
„In mein Bureau."
Mit undurchdringllchem Gesicht sah Honnecker im Wagen. Er war ganz ruhig. Sein Plan war gefaßt.
Er würde sich Klarheit darüber verschaffen, ob Eva ihn hinterging! Er war nicht der Mann, der sich an der Nase herumführen ließ!
In der Friedrichstraße hielt das Auto vor einem großen Bureauhause.
„Wann soll ich wiederkommen?" fragte der Chauffeur, die Hand an der Mühe.
„Ich rufe Sie an, wenn ich Sie brauche! 3m übrigen bin ich abgereift, falls daheim jemand danach fragt. Verstanden!"
„Gewiß, Herr Honnecker!"
Im Lift fuhr Honnecker zum dritten Stock hinauf. Zwei Herren saßen in dem Zimmer, das er betrat. Ein weißhaariger, etwas buckliger Wann, und ein jüngerer, der an der Schreibmaschine arbeitete.
„Guten Morgen!" sagte Honnecker und schritt, ohne den Gruß der beiden Angestellten zu beachten, in sein Arbeitszimmer.
Es war ein großer, nüchterner Raum. Rur wenige Möbel standen darin: ein mächtiger Schreibtisch, zwei Sch änke, einige Stühle.
Honnecker überflog die eingegangene Post, die auf dem Schreibtisch lag. Gleichgültig warf er die Schriftstücke beiseite.
Seine Gedanken waren von anderem in Anspruch genommen. Er erhob sich plötzlich, öffnete die Türe zum Nebenraum und rief:
„Herr Rönneberg!"
Der Gerufene trat ein; es war der Angestellte, der an der Schreibmaschine gesessen hatte.
Es war ein Mann von etwa dreißig Jahren. Sein Gesicht war finster, verschlossen. Stechende Blicke kamen aus seinen tiefliegenden Augen.
„Sie wünschen, Herr Honnecker?" fragte er devot.
Honnecker hatte sich wieder gesetzt.
„Ich habe einen Auftrag für Sie!" sagte er in feiner kurzen, beseh enden Sprechweise. „Sie kennen doch meine Nichte, die einige Wale mit mir hiergew.sen ist?"
„Gewiß. Herr Honnecker!"
„Sie nehmen ein Auto und fahren sofort nach Grünewald hinaus! In der Nähe meiner Villa warten Sie unauffällig, bis meine Nichte das HauS verläßt. Auch wenn Sie stundenlang war-
Tauben (Stück) 70 bis 80, Eier 13 bis 14, Blumenkohl 50 bis 100, Salat 33 bis 35, Endivien 40 bis 60, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 40 Pf. daS Stück. Kartoffeln der 3entncr 3,80 bis 4 Mk., Wirsing 12 bis 15, Weißkraut 7 bis 8, Rotkraut 10 b's 12, Aepfel 10 bis 12. Dirnen 8 bis 10 Mk.
Auslösung des 3. polizeibezirkö.
Der 3. Polizeibezirk Kirchstratze Nr. 11 wird — wie das Polizeiamt un3 mit» teilt — mit Wirkung vom 25. Februar aufgelöst.
Das Stadtgebiet hat nunmehr nur noch den 1. Polizeibezirk, Londgraf-Phllipp-Platz Nr. 1, und den 2. Polizeibezirk, Liebigstratze Nr. 18.
Zum ersten Polizeirevier gehört der Stadtteil rechts der Lahn (sog. Sachsenhausen). Diesseits der Lahn verläuft die Grenze zwischen dem ersten und dem zweiten Polizeirevier von der W e ft a n l a g e durch die Mühl st raße, Löwengasse, Goethe st raße, Schis- fenberger Weg. Diese S.raßen und die südlich und südöstlich davon gelegenen Straßenzüge einschließlich Schiffenberg gehören zum zweiten Polizeirevier, alle übrigen Straßen nördlich und nordöstlich der obengenannten Grenze zählen zum ersten Polizeirevier.
Laien für Freitag 21 Februar.
1677: der Philosoph Baruch Spinoza im Haag gestorben (geboren 1632); — 1779: der Rechtslehrer Karl v. Savigny in Frankfurt ä. M. geboren (gestorben 1861); — 1866: der Mediziner August v. Wassermann in Mamberg geboren (gestorben 1925).
Bornotizen.
— Tageskalender für Donnerstag. Akademische Kurse für Kaufleute und Cewerbe- treibende: Rechtsw s.enschaftl eher Kurins Thema: Die für den Kaufmann und D^wcrbet e benden w ch.lgen T le des 0. ürgenich n Ccf<.tzo. chs, Vor- tragenßer: Univ.-Prof. Dr. Rosenberg), 20.15 Uhr, Großer Hörsaal des Dorlesungsgebäudes. — Lich.spiclhaus, Bahnhofstraße: „Balalaika- Nächte" (mit Darbietungen der Don-Kosaken- Grnppe). — Astoria-Lichtspicle: „Der große Dia- mantendiebstahl" und „Schatten der Nacht".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am Freitag, 21. Februar, findet die erste Wiederholung des Shakespeare- schen Lustspiels „Wie cs Euch gefällt" statt. Beginn 19.30 Uhr. — Sonntag, 23. Februar, 18.30 Uhr, Fremdenvorstellung „Die andere Seite". — Dienstag, 25. Februar, zum letztenmal „Musik" Dort Frank Wedekind. — Mittwoch, 26. Februar, zum letztenmal im Abonnement „Wie es Euch gefällt". — Die entzückende Operette „Drei alte Schachteln" von Walter Kollo wird Freitag, 28. Februar, zum letztenmal gegeben. — Als nächste Faschingspremiere wird einer der größten Schlager der deutschen Schwankliteratur, „Weekend im Paradies" von Arnold und Bach, gegeben. Ernst Bach, der Direktor des Volks- Ljeaterd in München war, ist vor einigen Tagen gestorben. Dieser Schwank wird als letztes Werk der beiden Autoren von ganz besonderem Interesse sein.
— Vom Gießener Konzertverein wird uns mitgeteilt, daß das Mozart-Requiem in seiner ursprünglichen Form und nicht nach der Beardei- tur.g von Keußler aufgeführt werden wird. — In diescm Zusammenhang sei berichtigend bemerkt, daß cs in der gestrigen Vornotiz selbstverständlich heißen muß, daß die M twirkenden als <5 o l i ft e n , und nicht als „Sozialisten", wie infolge eines Setzfehlers zu lesen war, gewonnen wurden.
— Deutschnationaler chandlungsge- hilfenverband. Nächsten Samstagabend im
Kaufm. Vereinshaus öffentlicher Lichtbilder-Dortrag. (Siehe heutige Anzeige.)
— GesellschaftLiebigmufeum. Nächsten Sonntagvormittag im Physiologischen Institut öffentliche Vorträge. Näheres in der heutigen Anzeige.
*
•• Militärischer Besuch in Gießen. Am Freitag und Samstag weilen der Befehlshaber im Wehrkreis V Generalleutnant Freiherr Seutter von Löhen und der Kommandeur des 15. Jnf.-Regts. Oberst vonSchick- suß und Neudorfs zur Besichtigung des Bataillons und der Standortanlagen in Gießen.
L. U. Von der Landes-Universität Giehen. Der ordentl. Professor für Veterinär- anatomic Dr. Wilhelm Schauder hat den an ihn ergangenen Ruf an die Tierärztliche Hochschule Berlin abgelehnt.
** Sitzung des P r o v i n z i a l a u s s ch u s - s e s. Am kommenden Samstag, 22. Februar, vor- mittags 8.30 Uhr beginnend, findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Provindalausschusses der Provinz Oberhessen statt mit folgender Tagesordnung: 1 Antrag des K re i samts Friedberg auf Entziehung der Erlaubnis des Adolf Worel in Rödgen zum Betriebe einer Schankwirtschaft; 2. Klage des Wilhelm Tischer in Gießen gegen das Kreisamt Gießen wegen Versagung eines Wandergewerbescheins für 1930; Berufung der Gemeinde Usenborn gegen das Urteil des Kreisausschusses des Kreises Büdingen vom 10. Dezember 1929 betr. Entschädigungsanspruch der Gemeinde Usenborn gegen die Gemeinde Hirzenhain für Wcgeherstel- lungstoften aus Anlaß der Abtrennung des Gs- marfungsteils Margaretenthal von der Gemarkung Usenborn und Zuteilung zur Gemarkung Hirzen- Hain.
** Arzdorf geht nach Frankfurt. Franz Arzdorf, Mitglied des Gießener Stadtcheaters, wurde von Direktor Arthur Helmer, Neues Theater, Frankfurt a. M., von der nächsten Spielzeit ab mit einem dreijährigen Vertrag verpflichtet.
•• D i e kirchenmufikalrichen Abendfeiern, die seither hier stattgefunden haben, fanden in den Kreisen der evangelischen Kirchen- gemeinde großen Anklang. Am nächsten Sonntag, 20 Uhr, wird der Gemeindeverein der Lukasge meinde in Verbindung mit dem Verein für christliche Musik eine Feier dieser Art in der Johanneskirche veranstalten. Die Oratorien- und Konzertsängerin Frk. Emmy Schaum aus Frankfurt a. M., die wiederholt hier unter großem Beifall gesungen hat, wird zusammen mit dem Organisten Lehrer Habicht und dem Verein für christliche Musik hierbei mitwirken. Dieser Verein, der im vorigen Jahre begründet worden ist, hat seither schon bewiesen, daß er befähigt ist, Kirchenmusikalisches in schöner Form darzubieten. Der Reinertrag soll der Schwe- sternstation der Lukas- und Petrusgemeinde, die seit dem 15. Januar besteht, zugute kommen. Man beachte die heutige Anzeige.
*• Vier Wochen ;u früh. Gestern vormittag ritt ein Landwirt aus einem entlegeneren Ort der Umgebung Gießens die Grünberger Straße herunter, neben sich einen Prachtgaul mit neuem Halfter führend. Aus die Frage eines Vorübergehenden nach dem Woher und Wohin antwortetete der Reiter, „ei uff de Gäuls- mährd." „Ra, da kommt Ihr aber noch früh genung, dcr Gäulsmährd is erscht in väer Woche, aich hunn e Lus, do schtieht druff am 19. Mär;." „Gewirrer noch eninn, do hun aich mich abber arg verguckt, aich mahnt, es wär am 19. Februar. Na, da bleibt mer weiter naut über, als Widder Haarn ze reite.“ Und mit einem eleganten Kehrt marsch! ritt der Mann wieder aus dem Weichbild der Stadt hinaus.
ten müssen, bleiben Sie an Ort und Stelle! Das Auto lassen Sie so lange in der nächsten Straße hallen! Haben Sie verstanden?"
„Ja!"
„Wenn meine Nichte weggeht, folgen Sie ihr. Ich nehme an, daß sie einen Wagen nehmen wird, dann fahren Sie ihr nach. Natürlich darf sie nichts davon merken! Ihre Aufgabe besteht darin, herauszubekommen, wohin meine Nichte sich begibt!“
Honnecker machte eine kurze Pause. Seine Hände hatten sich geballt.
„Sollte meine Nichte sich mit einem Herrn treffen, fo hoben Sie in Erfahrung zu bringen, wo er wohnt. Sie werden also, wie vorher meiner Nichte, dann ihm auf den Fersen bleiben. Falls er im eigenen Wagen da ist, genügt es, wenn Sie sich seine Autonummer merken."
In Rönnebergs hagerem, undurchdringlichem Gesicht hatte sich kein Zug gerührt. Nur seine Augen hatten einige Male unmerk.ich aufgezuckt.
„Sie sind also im Bilde?" fragte Honnecker.
„Vollständig!"
„Ich rechne darauf, dah Sie die Sache zufriedenstellend besorgen!"
„Sie können sich auf mich verlassen, Herr Honnecker!"
Mit spöttischem Lächeln sah Honnecker dem Angestellten nach, der rasch aus dem Zimmer ging.
Es war doch gut, wenn man solche Kreaturen, wie diesen Rörtneberg, zur Verfügung hatte! Man konnte sie immer wieder einmal gebrauchen!
Die nächsten Stunden arbeitete Peter Honnecker fieberhaft. Hin und wieder sah er auf die Uhr.
Um die Mittagsstunde ver.ieh er das Bureau, um in einem nahegelegenen Restaurant zu speisen. Nach einer halben Stunde war er wieder zurück.
»Ist Herr Rönneberg noch nicht gekommen?" fragte er den weißhaarigen Angestelllen.
„Bis jetzt nicht, Herr Honnecker."
Honnecker ging in feinem Zimmer hin und her.
Sollte er sich getäuscht haben?... Hatte Eva gar nicht die Absicht gehabt, seine Pariser Reise zu benützen, um auf verbotenen Wegen zu gehen?... War sein Verdacht unbegründet gewesen? ...
Er verwarf diese Zweifel. Er konnte sich auf feine Augen verlassen! Das veränderte Wesen, das Eva seit einiger Zeit zur Schau trug, kam nicht von ungefähr. Da steckte ein Geheimnis dahinter ..., und dieses Geheimnis war, das sagte ihm sein untrügllcher Instinkt, ein Mann!
Gegen 3 Uhr erschien endlich Rönneberg.
„Nun?..." fragte Honnecker ruhig, aber der andere hörte die fieberhafte Spannung aus dem einen Wort heraus.
„Um 2 Uhr hat Ihre Nichte das Haus verlassen, An der nächsten Autohaltestelle hat sie
einen Wagen genommen. Ich bin ihr, wie Sie befohlen haben, unauffällig nachgefahren."
„Wohin ist sie gefahren?"
„Zunächst durch die Hubertus-Allee, sodann über den Kurfürstendamm. Mein Wagen blieb immer dicht hinter dem anderen. Ich sah neben dem Chauffeur, den ich entsprechend verständigt halte, und ließ das Auto Ihrer Nichte nicht aus den Augen."
Er machte eine kurze Pause. Ein stechender Bllck kaum aus den etwas zusammengekniffenen Augen.
„Leider ist sie mir dann doch entwischt", sagte er und zuckte verlegen mit den Schultern.
Honnecker sprang auf.
„Was sagen Sie? ... Entwischt?..."
„An der Kreuzung der Uhlandstraße war, als wir hinkamen, gerade Verkehrswechsel. Der Wagen Ihrer Nichte wurde noch durchgelassen, unserer aber mußte stehen bleiben. Wir sind zwar, als dann die Fahrt wieder frei war, wie der Teufel losgcsaust, aber den anderen Wagen haben wir leider nicht mehr eingeholt. Er war uns aus den Augen gekommen. Wir hoben die ganze Gegend um den Zoologischen Garten und die ®e- dächtniskirche abgcsucht...“
Honnecker warf den Löscher, den er ergriffen hatte, auf den Schreibtisch, daß es krachte.
„Sparen Sie sich weitere Worte!" schrie er Rönneberg an. „Sie sind ein Idiot! Zu nichts kann man Sie brauchen I"
Des anderen Gesicht wurde fahl.
„Herr Honnecker!" begehrte er auf.
„Halten Sie das Maul! Da plagt man sich mit Leuten eures Schlages jahrelang herum, und wenn man euch einmal braucht, verdummt ihr alles! Ich habe gute Lust, Sie heute noch an die Luft zu sehen!"
In den D.icken des anderen schwelte abgrundtiefer Haß.
„Dazu haben Sie kein Recht, Herr Honnecker!" antwortete er, ohne die Stimme zu erheben. „Ich habe getan, was in meinen Kräften stand..."
Honnecker trat ganz nahe auf Rönneberg zu. Die Adern auf seiner Stirne waren geschwollen. Sein breites, häßliches Gesicht war von dunkler Röte überfloffen.
Maßloser Zorn, dah Eva seinen Nachforschungen entgangen war, dah er nun nicht wußte, mit wem sie sich getroffen hatte, kochte in ihm.
„Ich habe kein Recht dazu, meinen Sie?..." fuhr er den anderen an; seine Stimme klang nun wieder ganz kalt: „Zerbrechen kann ich Sie, wie man ein verfaultes Holz zerbricht! Vergessen Sie nicht, daß ich S-e in der Hand habe und daß, wenn ich will, S e morgen schon hinter Schloß und Riegel sitzen:"
Er wandte sich ab und setzte sich an seinen Schreibtisch.
(Fortsetzung folgt.)


