Was sagt die presse?
„Den Deutschen Reichstay hat nun doch nach einer Lebensdauer von zwei Jahren heute mittag fein Schicksal vorzeitig ereilt. Sogen wir ruhig: E s warredlich verdient!" — Wit diesen Worten leitet die „G e r m a n i a" (Zentrum) ihre Besprechung der Vorgänge im Reichstag ein und fährt dann fort: In der stunde der größten Not und der dringendsten Verpflichtung zum Handeln hot der Reichstag in gefahrdrohenderWeife ver- sagt und der Reichsregierung das Notoerordnungs- gcfetz geradezu in die Hand gezwungen. Der Reichs- tag schuf heute den Gipfelpunkt seiner Berhand- lungs- und Verantwortungslosigkeit, indem sich eine Mehrheit fand, die die von der Regierung erlassenen Verordnungen wieder aufhob. In dieser Situation gab es nur die eine Möglichkeit, von der der Reichspräsident heute Gebrauch machte, daß er diesen Reichstag nach Haufe schickte. Das Werk der finanziellen und wirtschaftlichen Sanierung, das die Regierung energisch in Angriff genommen hat, steht jedenfalls in der parlameatloscn Zeit nicht still. Was in dieser Hinsicht getan werden muß aus oe» antwortlicher Verpflichtung gegenüber Staat und Volk, das wird auch geschehen. — Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" (Volkspartei) schreiot: In diesem Reichstag geschah das Unglaubliche, daß der parlamentarische Fraktionsgei st über d i e Unterschrift des Reichspräsidenten triumphieren durste, ja es geschah das Beschämende: Die Sozialdemokratie konnte einen Erfolg gegen Hindenburg nur erringen durch d i e 1 5 Stimmen der Deutschnationalen, die unter Führung des Geheimrats Hugenberg stehen. Wir werden also ein neues Parlament wählen müssen, obwohl gerade nach den Erfahrungen dieser Wochen in weiten Kreisen des Volkes bie lieber- zeugung gewachsen ist, daß das deutsche Volk ohne Reichstag sachkundiger und richtiger regiert werden könne. — Die „23 off. Z t g." (Dem.) wendet sich an die deutschen Wähler, von denen das Blatt verlangt, einen Reichstag zu wäh- len, der es dem Reichspräsidenten und der Reichsregierung ermöglicht, eine einheitliche Poli- t i k nach innen und außen zu treiben, ohne einen Zwang zu schädlichen Krompromissen und bedenk- liehen Notlösungen. Die Parteien und Gruppen, die später die Verantwortung übernehmen wollen, müssen sich jetzt schon zusammenfinden, um zu ver- meiden, daß der Wahlkampf sich auflöft in kleine Auseinandersetzungen über begangene Fehler, in einem Krieg aller gegen alle. — Die „Tägliche Rundschau" äußert die Befürchtung, daß der nächste Reichstag in ähnlicher Weise arbeitsunfähig sein werde. Sollte der nächste Reichstag die Voraussetzungen für eine Politik der nationalen Vernunft nicht mitbringen, so werde es die Sache echter Führer sein, sich von diesem Ziel nicht abbringen zu lassen. Die Selbstbesinnung eines weiteren Teiles der Deutschnationalen sei ein erfreulicher Zug in dem unerfreulichen Geschehen. Hätten noch mehr deutschnationale Abgeordnete dieses Verantwor- tungsbewußtsein geteilt, so wäre die Reichstagsauflösung vermieden worden und damit eine schwere Beunruhigung in dieser ruhelosen Zeit ausgeblieben. — Der „L o k a I - A n z e i g e r" (Hugenberg) bezeichnet das Ausscheiden eines Drittels der jetzigen Reichstagsfraktion als einen überaus schmerzlichen Verlust. Dieses Ausscheiden, betont das Blatt, ist die Folge davon, daß die Führung der Deutsch- nationalen Volkspartei mit dem Programm der Partei und dem inneren Sinn der nationalen Bewegung wirklich (E r n ft gemacht hat. Wenn also der Verlust von Männern, wie Graf Westarp, darauf zurückgeht, daß sie innerlich Gesan- ficnc des & |tems, an dem wir leiden, sind, o wird und muß dieser Verlust überwunden werden. Aus der fast zwei Jahre andauernden Gene ungskrkise tritt die Partei jetzt endlich in die Genc ung ein, gemindert in der Zahl, aber stark und gc und im Kern. — Die „B ö r s e n z e i t u n g" (Volkskons.) stellt fest, daß in dem Augenblick in dem die Sozialdemokratie ihren Antrag auf Aus- Hebung der Notverordnungen eingebracht habe, es für Deutschland und die beteiligten Parlamentarier um mehr ging als um das Steuerprogramm. Die Führer des Marxismus witterten die Gelegenheit, die verhaßte bürgerliche Regierung aus dem Sattel zu heben und den Boden für eine Linksregierung vorzubereiten, die nach den bevorstehenden Wahlen um so stabiler sein dürfte, je hoffnungsloser die Zersplitterung der nationalen Rechten sei. Wie bei den letzten Wahlen in Sachsen werde der Marxismus im nächsten Reichstag die einzig wirklich breite und tief gegliederte Masse sein. Der rechte Flügel der Deutschnationalen werde es dann zu verantworten haben, wenn eine sozialdemokratisch geführte Regierung die Osthilfe ablehnt, wenn sie die Landwirtschaftshilfe verwässert und die Wirtschaft aufs Neue bedrückt.
Pressestimmen aus dem Gleich
Der „Hannoversche Kurier" (Volkspartei) schreibt, wir hätten einen Rücktritt der Regierung und einen neuen Versuch mit einem neuen Kabinett auf Grund eines neuen Dcckungspro- gramms vorgezogen. Vielleicht hätte man doch einen großen Teil der Deutschnationalen hierfür gewinnen können. Selbst die Hugenberg-Gruppe war ja fast schon bereit, unter bestimmten Bedingungen diese Dcdungsoorlagen zuzulassen. Aber das Kabinett Brüning hat es dann doch nicht verstanden, eine Mehrheit zu sich zu kehren. Unbestreitbar hätte das fein eigentlicher Erfolg sein müssen. Wir glauben, daß nun, wo die Würfel gefallen sind nichts so erforderlich ist, als sofort den Block zu schaffen, der die Finanzresorm auf seine Fahnen schreibt. Um dieses aktive Ziel muß sich jetzt die Mitte (am- mein, wenn sie nicht zerrissen werden will. — Die „Königsberger Allgemeine Zeitung" erklärt, Deutschland stehe diesmal wirklich vor einem Wendepunkt von geschichtlicher Bedeu- tung. Das Gebot der Stunde hätte gefordert, daß Deutschnationale bis Demokraten sich endlich zusammengefunden hätten. So aber seien das Schicksal der deutschen Landwirtschaft, ja der gesamten Wirtschaft und die Hilfe für den Osten in Frage gestellt. Das Blatt wünscht eine gerne infame Linie der Staatspolitik für einen Beginn wirklicher (Erneuerung des Parlamentarismus von unten her. — Die „Hamburger Nachrichten" (deutschntl.) erklären, cs sei gut, daß es so gekommen sei, da der im Mai 1928 gewählte Reichstag eigentlich nur von der Krise gelebt hat. Die Wahl werde den radikalen Parteien zum Siege verhelfen. (Eine Regierungsbildung würde dann wahrscheinlich unmöglich sein. Das seien bie Aussichten, die Folgen einer in der Anlage und in der Durchführung verfehlten Politik. — Das „Hamburger Fremdenblatt" (dem.) schreibt u. a.: Das Beispiel des Reichspräsidenten
habe nicht vermocht, diejenigen, die einst in ihm allein das Schicksal Deutschlands erblickten, auf dem Wege der Vernunft zuruckzuführen und ebenso verhängnisvoll habe sich die Sozialdemokratie gezeigt, die, demagogischen Wallungen folgend, die 93er- orbnungen zu Fall gebracht habe. Deutschlanb sei kein Versuchsobjekt für in Dogmen verrannte Parteien. — Die „Leipziger Neuesten Nachrichten" (nationalliberal) beschäftigen sich mit bem Verhalten der Deutschnationalen. Das Blatt sagt u. a.: Wir haben Verständnis dafür, bah bie Sozialdemokratie gegen die Notverordnungen anrennt, denn sie rennt damit zugleich gegen Hindenburg an, baß aber eine Partei, wie die Deutsch- nationalen bas Gleiche tat, wird in den Kreisen derer, bie bie geschichtliche Aufgabe der Deutschnatio- nalen Volkspartei im Sinne einer Umformung zu einer wirklichen konservativen Staatspartei sehen, nicht verstanden.
Sine neue Niederlage Thüringens
Ter Antrag auf Wcitergcwästrung der Polizeizufchüife vom Staatsgerichtshof abgewiesen.
Leipzia, 18.3ulL (WTB) 3n der vom EtaatSgerichtshof für das Deutsche Reich verhandelten verfassungsrechtlichen Streitsache deS Landes Thüringen gegen das Deutsche Reich über den Erlaß einer einstweiligen Verfügung auf Weiterge.währung der vom Reich an Thüringen au leistenden Polizei- zuschüsse wurde heute der Antrag Thüringens abgewiesen.
Aus aller Wett.
Geheimrat Planck
Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschast.
Die Kaiser-Wilhelrn-Gesellfchaft hat an Stelle ihres verstorbenen bisherigen Präsidenten Exzellenz v. Harnack den berühmten Physiker Geheimrat Planck zum Präsidenten gewählt. Staatsminister a. D. Professor Dr. Decker wurde zum dritten Dizepräsidenten und Professor Dr. Konen, Bonn, zum zweiten Schriftführer gewählt.
Deutsche Schulkinder in Birmingham.
Eine Gruppe deutscher Schulkinder, die gegen- roärtig in Birmingham weilen, besuchten die Hauptfeuerwache der Stabt, wo bie Feuer- wehrkapelle sie mit der deutschen Nationalhymne begrüßte, während bie deutsche Flagge gehißt wurde. Die jungen Besucher waren sehr begeistert von einer Feuerlöschoorführung, bie ihnen zu Ehren veranstaltet wurde. Sie sind als Gäste bei Familien in Birmingham untergebracht und werden bei ihrer Rückkehr die Kinder ihrer Gastgeber als Gäste nach Deutschland mitnehmen.
Der rettende Sprung in den Rathausbrunnen.
Ein schweres Motorrabunglück ereignete sich in Seeheim a. b. B. Zwei Darmstädter Studenten, die sich auf der Heimfahrt befanden, wurden von einem angeblich unbeleuchteten Fuhrwerk angefahren. Durch Benzinexplosion fing das Motorrad Feuer. Während der eine Student eine schwere Verletzung am Unterkiefer davontrug, stand der Sozius- fahrer sofort in Flammen. Nur ein Sprung in den nahen Rathausbrunnen verhinderte ein größeres Unglück. Die beiden Verunglückten mußten in das Krankenhaus gebracht werden.
Aus der Proviuzialhaupistadi.
Dießen, den 19. Juli 1930.
(Sommerferien!
Mappen und Ranzen fliegen in die Eckel Vier Wochen Ruhe! Ferien I Das ist ein Wort mit Inhalt, ein Zauberwort für unsere Iugenb, aber auch für uns Erwachsene. Wie verschieden die Menschen veranlagt sind! Gibt es doch selbst solche, die nur mit Schrecken an die Urlaube« zeit denken, die viel lieber „in gleichem Schritt und Tritt" der Tagesarbeit bleiben, die bann am Ende der Ferientage sagen: Gott sei Dank, daß das wieder überstanden ist! 3a, solche Ausnahmen gibt es, ebenso wie es Menschen geben soll, die keinen Zwetschenkuchen essen können.
Warum nur, so fragen wir uns, wissen manche Leute nichts mit den Ferien anzufangen? Sie sagen wohl: Zu einer Reise langt das Geld nicht, und das ewige Faulenzen wird man schnell müde. „Faulenzen?" Das ist ein häßliches Wort. Schon wenn wir das Wort „Sich erholen" hier einsehen, hat es einen freundlicheren Klang. And ein bißchen Erholung hat doch wohl jeder nötig, besonders wenn er tüchtig arbeiten muh. Das ist auch ein großer 3rttum, wenn man glaubt, man konnte sich nur in einem schonen Badeort, an der Dee oder in den Bergen erholen.
3eder Wanderer, der ab und zu seinen freien Sonntag dazu benutzt, auszufliegen in die nähere oder weitere Umgebung, weih, wie reich er heimkehrt und freut sich auf die Ferien, wo er saft Tag für Tag zu seiner Verfügung hat. Er weih eben, daß man auch seine Ferien ein teil en kann. Will man allerdings seinen Urlaub mit viel Schlafen, etwas Spazierengehen und wie- der mit Schlafen verbringen, dann können wir verstehen, daß ein solcher Urlaub langweilig wird. Wir müssen uns wohl überlegen, was wir in den paar Ferienwochen treiben wollen. Genau so, wie ich mir für eine längere Wanderung einen Plan mache, ebenso stelle ich einen „Voranschlag" für die Ferien auf. Die Zerr muß wirklich ausgenuht werden. Und genau so wie bei Wanderungen nicht alles nach dem Plan geht, so wird es auch in den Ferien sein.
Aber trotz alledem! Schon die Vorfreude auf die herrlichen Tage, die nun vor uns liegen, ist etwas wert. Kommt bann Regenwetter oder sonst ein Hindernis, dann werden wir noch lange nicht mißmutig: denn auch sogenannte stille Tage, Tage für ein gutes Buch oder für eine kleine Hausarbeit werden vorgemerkt. Und wie wir nach jedem arbeitsreichen Tage am Abend zufrieden zurückblicken können, so werden wir auch nach Fcrienschluh beglückt feststellen, daß wir uns erholt haben, daß es schöne Tage waren. Hauptbedingung für Den Ferienplan ist allerdings, daß man versucht, seine Alltagsarbeit vollständig zu vergessen. Durch eine neue Einstellung für die Ferientage wird erst die Grundlage zur Erholung geschaffen. Spaziergänge und längere Ausflüge helfen dazu.
Man wird bald merken, daß der Wunsch, , recht lange schlafen zu können, in den Ferientagen gar bald zurücktritt. Wir werden auf einmal Aühaufsteher und lernen die herrlichen Sommcrmorgen genießen. So nach und nach fühlen toir er ft, wie schön solche Urlaubstage sind, und bie Freude daran wächst.
Wenn wir Kinder haben, lassen wir sie teilhaben an dieser Freude. Wie gern greifen unsere 3ungens und Mädels zum Rucksack, wenn die Eltern mitmarschieren. Und wie freuen sie sich, wenn sie in der Mittagspause draußen im Wald einmal ihre Kochkunst zeigen dürfen oder wenn die Erbsensuppe selbst von der Mutter gelobt wird. Die Schulbücher freilich sollte man in den Ferien einschließen. Körperliche Erholung. körperliche Hebungen sind viel nötiger und helfen, daß nach den Ferienwochen wieder angesammelte Kraft vorhanden ist.
Am schönsten freilich haben es die Kinder, die, wenn nicht mit den Eltern, so doch mit Kameraden und Freunden eine lange Wanderung unternehmen oder einig* Wochen an der See oder im Gebirge verbringen dürfen. Solche Ferien werden noch lange zu den schönsten Erinnerungen gehören.
Frieda Schanz erzählt von einem singenden Eisenbahnzug mit fröhlichen Kindern:
3ch sah heut etwas, das war luftig genug!
Ich ging am Waldrand die Schienen entlang, da kam ein langer Eisenbahnzug, der fang.
Der fang so selig, der sang so lautl
Blasse Kinder hab ich am Fenster gesehn.
„Wer nur dem lieben Gott vertraut", könnt ich verstehn.
Das klang durch die Stille, ich weih nicht wie! Fröhlich verhallte der letzte Ton.
Es sei eine Ferienkolonie, sagten die Leute auf der Station.
An die blaue See ging s wie jedes Iahr, durch Wälder und Felder im raschen Flug. Den ganzen Tag dacht ich immerdar an den singenden Eisenbahnzug.
Bornotizen.
— Tageskalender für Samstag: Monatsversammlung des Geflügel- und Vogelzuchtvereins bei Gastwirt Henkel, 21 Uhr. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Mutterliebe" und „Sieg des Herzens", 20.30 Uhr. — Zirkus Barum: Vorstellung 20 Uhr.
— Tageskalender für Sonntag: Zirkus Darum: Vorstellung 15 Uhr und 20 Uhr. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: 11.15 Uhr Sondervorstellung: Ufa Kultur, und Lehrfilm „Das Motor- radrennen rund um Schotten". „Mutterliebe" und „Sieg- bes Herzens", 20.30 Uhr. — IX. Nationale leichtathletische Jubiläums-Wettkämpfe ber Spiel- Vereinigung 1900 e. V., Vorkämpfe 10.15 Uhr, Ent- scheibungen 15 Uhr auf dem Sportplatz 1900.
— ßtabttpeater Gießen. Man schreibt uns: Am nächsten Dienstag bringt das Stadttheater eine Posse von Iohann R e st r o y (Musik von Adolf Müller). „Einen Iux will er sich machen" ist ähnlich wie „In der Iohannisnacht" keine rein schauspielerische Aufführung, sondern eine Posse mit Gesang. Es wird dadurch dem modernen Geschmack entsprochen, der auch beim Schauspiel musikalische Begleitung bevorzugt. Die ausgelassene Lustfpielsttmmung wird dadurch stark gefördert. Restroy war felbft Darsteller seiner Hauptfiguren. Es wird von besonderem Interesse sein, in einem Sommerspielplan ein Lustspiel zu sehen, das nicht nur unterhaltenden, sondern auch literarischen Wert besitzt. Spielleitung hat Heinrich Hub. Beginn um 20 Uhr.
— Motorfportfilm i m Lichtspielhaus. Die hiesige Motorrabspezialfirma Willy Appel, Kaiserallee 45, läßt am morgigen Sonntag- vormittag 11.15 Uhr im Lichtspielhaus Bahnhof- ftraße zwei Motorrabsilme zur Vorführung bringen. In bem von ber Ufa hergestellten Kulturfilm „Das Motorrad unb roir sieht man in einer mobernen Motorradfabrik bie Entstehung bes Motorrabes vom Rohmaterial bis zur gebrauchsfertigen Maschine. Bilder über bie Behanblungs- unb Wirkungsweise ber Motoren, sinb für den Laien, wie für ben Fach- mann unb Motorsportler gleich lehrreich. Der zweite Film „Das Motorradrennen rund um Schotten" wirb, da sich bie Hanblung in unserem heimatlichen Gebiet abspielt, seine Zugkraft nicht verfehlen. Man beachte bie heutige Anzeige.
** Unioerfitätsperfonalfc. (Ernannt wurden ber außerplanmäßige außerordentliche Professor Dr. Peter Pitzen von ber Universität München mit Wirkung vom 1. April 1930 ab zum planmäßigen außerordentlichen Professor für Orthopädie an der Landesuniversität Gießen.
** Die Museen sind am Sonntag, 20.Juli, bei Meinen Preisen geöffnet.
** Diebstahl unb Schwindel. Der Polizeibericht meldet: Festgenommen wurde am Mittwoch ein in Grohen-Duleck wohnender Bergmann. Er hatte einer bei ihm im Hause wohnhaften Witwe das in einer Schublade eingeschlossene Sparkassenbuch entwendet und mit Hilfe zweier Komplizen aus unserer Stadt zwei größere Beträge bei einer hiesigen Kasse abheben lassen. Die Quittungen hatte er vorher auf falsche Ramen ausgestellt. Ferner prellte er einen hiesigen Mooelhändler um den Betrag von dreißig Mark, indem er einen größeren Möbelkauf, allerdings unter falschem Ramen, abschloß und den Geschädigten unter allerlei Vorwänden zur Hergabe des Geldes zu bewegen verstand. Bei seiner Festnahme am hiesigen Bahnhof hatte er nur noch einen ganz geringen Betrag im Besitz, das übrige Geld hotte er in Frankfurt untergebracht. Die Tat ist um so verwerflicher, als es sich bei der Geschädigten um sauer verdientes Geld handelt, das sie sich am Munde abgespart hat, um es demnächst zu Bauzwecken zu verwenden. Der Dieb und ein Komplize befinden sich in Llntersuchungshaft.
•• Erfolgreiche Drieftaubenflüge. Bekanntlich finden um diese Zeit die großen Brieftaubenflüge statt. So war an einem der letzten Sonntage ein Flug von Et. Pölten bei Wien, an dem auch der Gießener Verein teil» nahm. Dabei erzielte eine Taube des Mnmerfi» tätstierzuchtinstituts Oberer' Hardthof mit einer Durchschnittsfluggeschwindigkeit von 1023 Meter pro Minute den 1. Preis in der Reisevereinigung von Gießen und Umgebung. Die Gesamtflugzeit betrug 9 Stunden 14 Minuten für die Entfernung von 566 Kilometer. Am Samstag, dem 26., bzw. Sonntag, dem 27. Iuli, wird der letzte diesjährige Wettflug für Alttauben stattfinden, und zwar von Budapest, dessen Entfernung von Gießen in der Luftlinie rund 820 Kilometer beträgt.
(Welkere Lokalnachrichten im 3. Blatt)
Turnen, Sport unb Spiel.
Namhafte Leichtathleten in (Ziehen.
Von der Spielvereinigung 1900 wird uns noch mitgeteilt: Die beiden crftflafligcn deutschen Sprinter Ionharth und Borgmeycr vom Deutschen Sport-Club 78 Hannover werden bei den nationalen Iubiläumswettkämpsen der Spielvereinigung 19<X) am morgigen Sonntag am Stark ein, ebenso der bekannte Mittelstreckler HoduS vom gleichen Verein.
Erweitertes
Schöffengericht Gießen.
'Gießen, 16. Iuli. Sin ehemaliger Feldwebel war wegen Mihbrauchs der Dienstge» walt angeklagt, weil er feine dienstliche Stellung En Untergebene zu Zumutungen mißbraucht n sollte, die in keiner Beziehung zum Dienste >en. Weiter war er wegen eines nach seiner Entlassung aus dem Militärdienste an einem schulpflichtigen Kinde begangenen Sittlichkeitsverbrechens angeklagt. Wegen Gefährdung der Sittlichkeit fand die Verhandlung unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt. Wegen des Sittlichkeitsverbrechens wurde der Angeklagte freigesprochen, weil ihm die Kenntnis von beut Alter deS Kindes nicht ausreichend nachzuweisen war. In bem anderen Fall nahm das Gericht eine tätliche Beleidigung für erwiesen an unb verurteilte ben Angeklagten zu einem Monat Stubenarrest.
Gelegentlich des Anschießens eines Maschinen- gewehrs zog sich ein zu diesem Dienst kommandierter Reichswehrsoldat eine nicht unerhebliche Verletzung an der rechten Hand zu. Der Unteroffizier, dem damals die Oberaufsicht übertragen war, unb ein Obergefreiter, der seinerzeit als Gewehrführer eingeteilt war, hatten such jetzt wegen Vernachlässigung ihrer Aufsichtspflicht zu verantworten. Da das Gericht nicht einwandfrei fcftftellcn konnte, auf welche Weise der Schuh Äingen war, und daher einen ausreichenden beweis nicht für geführt sah, wurden beide Angeklagten mangels ausreichenden Beweises f r ei g e s p r o che n.
Im Oktober v. 3. wurden in ein und derselben Rächt in Deckenbach und RuddingS- hausen mehrere Einbruchsdieb stähle begangen. Die Täter, die es auf Geld abgesehen hatten, suchten sich in allen Fällen Gewerbetreibende aus. Durch ein offenstehendes Fenster stiegen sie jedeSmal ein und erbeuteten außer ©efbbeträgen auch noch sonstige Sachen. Die Täter wurden in der Person von drei Hand- werksburschen ermittelt, die sämtlich wegen Diebstahls schon erheblich vorbestraft sind. Während gegen zwei von diesen wegen dieser Einbrüche schon vor einiger Zeit auf erhebliche Gefängnisstrafen erkannt worden ist, mußte sich jetzt der Dritte, der sich längere Zeit verborgen gehalten hatte, verantworten. Er bestritt zwar jegliche Beteiligung an den Diebstählen, doch wurde auch er durch die Zeugen einwandfrei überführt und zu zwei 3ahren Gefängnis verurteilt.
Oie Wetterlage.
Mrtn
43-
14
17
11
mc*SPrankf.
35-
ZZRost
11.^1
.Nordoygi
® -
I I f '
■Hi
©wontenloiO neuer on<n> oeoenrt ® worxig. • oeaeai «nege< * Schnee c» Graupein ■ nc0a X Cicwilter.@Win<ßtdie.-O-» ich» leichter Ost *n»s5ioer Süösoowejt q stürmischer «orgwej» Die Pfeile fliegen mit dem winde Oie oeioen Stationen stenenden Zahlen geoen die Temperatur an. Pie Limen reromdeo Ort« mit gleiche® euf neerunitieau umgerechneten Luftdruck
Wettervoraussage.
Endlich ist die seit letzten Mittwoch über den britischen 3nseln und der Rordsee feftgelegene Störung zum Abzug gekommen. Heute morgen lag ihr Kern, der sich wieder etwas vertieft hat, über dem nordöstlichen Deutschland und der Ostsee. Der Dorüberzug hatte stellenweise erhebliche Riederschläge zur Folge. So fielen während der vergangenen Rächt in Berlin 50 mm, in Swinemünde 33 mm und in Dresden 31 mm Regen. Die Wetterlage gelangt jetzt in den Bereich der Rückseite der Störung, d. h. kühle Lust flieht unserem Gebiet zu, welche Temperaturenanstieg verursacht. Sie läßt zwar das Wetter zunächst noch wechselhaft erscheinen und führt zu leichteren, mehr vereinzelten Schauem, aber trotzdem wird die Wolkendecke zeitweise durchbrochen, so daß Aufheiterung eintritt. Der weiter zunehmende Luftdruck stellt mit Beginn der nächsten Woche ruhigeres und besseres Wetter in Aussicht.
Aussichten für Sonntag: Wolkia mit Aufheiterung, mäßig warm, nur vereinzelt geringe Schauer.
Reifewetterdienst.
Garmisch-Partenkirchen. 10 Grad, Westwind, Regen.
Westerland auf Sylt. 16 Grad, Westwind, wolkig.
Blondes Haar: PIXAVON als Shampoon Deutel 30 Ä


