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vom Sparen spricht und man tut es sehr viel und sehr ernsthaft in der Oeffentlickkeit, wie unter privaten Wirtschaftern dann denkt man an äußerste Einschränkung des Verbrauchs, um zunächst einmal die durch Prciskatastrophen, Steuerbelastung und Vertrauenskrise erschütterte Grundlage des ge­samten Wirtschaftslebens wiederherzustellen, um dar­auf eine neue, nach oben führende Entwicklung auf­bauen zu können

Die ybee des Sparens zieht sich also durch das gesamte Wirtschaftsleben hindurch und nimmt je nach der Forderring des Augenblicks verschiedene

Gestalt an. Allen Einzelfällen gemeinsam ist die zwingende Erkenntnis der Notwcndigkeit, wirtschaft- lich verantwortungsbewußt zu handeln, über den Augenblick hinaus für die Zukunft zu sorgen und so einen Fortschritt der Gesamtheit zu ermöglichen. Der Weltspartag, in diesem Sinne gesehen, gewinnt für uns Deutsche gerade in der gegen­wärtigen Lage eine besondere Bedeutung, denn er ist ein Symool für diejenige Kraft, die allein im­stande sein wird, uns aus demfinsteren Tal" der wirtschaftlichen Not und Abhängigkeit wieder auf eine neue Höhe hinaufzuführen.

S.jfXfporf

Iußball'Großlampf auf dem Waldsportplah.

VfB. VfB. Kurhessen Marburg.

2lm Sonntag stehen sich aus dem Waldsportplatz die Ligamannschaften der DfD. Kurhessen Mar­burg und des DfD. Gießen im Kampfs um die Punkte gegenüber. Beide Gegner gehören zur Spitzengruppe. Die Marburger DfDer haben bis jetzt fünf Spiele ausgetragen, von denen sie vier gewinnen konnten und nur eines verloren. Die Gießener haben sich als Neuling in der obersten Spielklasse bis jetzt sehr gut geschlagen. In den Gesellschaftsspielen der letzten Jahre unterlag Gießen seinem Marburger Namensvetter stets nur knapp. Die Gäste des kommenden Sonntags verstehen shstemvoll und rationell Fußball zu spielen. Ihr bester Mannschaststeil ist der Sturm mit den bekannten Torschützen Winkler. Döttaer und Fischer. Daß diesem die Läuferreihe und die Hintermannschaft kaum nachsteht, beweist allein schon der Sieg über .Borussia" Fulda. Die Platz­mannschaft steht vor einer schweren Aufgabe, der sie aber aller Voraussicht nach in stärkster Auf­stellung entgegentritt. Wenn man den Hiesigen auch nur geringe Chancen zusprechen kann, das Treffen für sich zu entscheiden, so erwartet man doch, daß sie die kaum vermeidliche Niederlage nicht allzu hoch werden läßt. Bei etwas Glück sollte ihr vielleicht ein Unentschieden gelingen.

Die Ligareserve hat im Verbandsspiel den Vor­teil des eigenen Platzes. Der Gegner ist die erste Mannschaft Lollars.

Die dritte Mannschaft ist spielfrei.

Ebenfalls auf dem Waldsportplah steht die ^2-Iugend der Al-Jugend Steinbach im Pflicht- spiel gegenüber. Die übrigen Iugendmannschaften sind spielfrei.

Spielvereinigung 1900 Gießen.

Die Ligamannfchaft ist am Sonntag spielfrei. Die Reserven müssen dem spielstarksten Gegner in dieser Runde, der ersten Elf der .Teutonia" Steinberg, entgegentreten. Das Spiel findet auf dem Platze in Steinberg statt. Gelingt den Blau- weißen auch in dieser Begegnung ein Sieg, so dürfte deren Spitzenstellung in dieser Gruppe

Hie Hertha hie BSC.

Hertha-Berliner SC. haben sich endgültig getrennt. Die zweite Vollversammlung am Don­nerstag beschloß fast einstimmig die Loslösung der Fußball-Abteilung Hertha vom Hauptverein. Der deutsche Fußballmeister führt weiter den Namen Hertha-BSC. Die Selbständigkeit kostet Hertha 73 500 Mark, die in fünf Jahren abzu­tragen sind. Die Trennung erfolgte in bestem gegenseitigen Einvernehmen.

Sawall als Segelflieger.

Walter Sawall, Exweltmeister der Dauerfahrer und noch heute einer der besten Steher, widmet sich seit einiger Zeit in seinen Freistunden der Segelfliegerei und hält sich bereits längere Zeit in der Rhön auf, wo er auch bereits einige Starts hinter sich hat.

Oer Sächsische Schwimmkreis in Konkurs.

Der Schwimmkreis Sachsen hat jetzt den Konkurs doch nicht abwenden können. Nachdem alle Ver­suche zur Behebung der vorhandenen Schwierig­keiten fehlgeschlagen waren, wurden die Ver­gleichsvorschläge zurückgezogen und das Konkurs­verfahren geht seinen Gang. Die Gejamtschulden betragen 600 000 Mark, von denen nur ein ge­ringer Teil gedeckt ist. Bekanntlich ist die schwere Lage des Kreises Sachsen auf Veruntreuungen des früheren Kreisvorsihenden Dr. Dünner zurückzu­führen.

Oer Turnplatz des MTB.

Im Südosten der Stadt erstreckt sich, dem Klingel­bach entlang, unweit des Schiffenberger Weges ein größerer Wiesenplan, der, mit Ausnahme kleiner Parzellen dem Gießener Männerturnoerein zu eigen ist. Im Lause der Zeit hat der Verein insgesamt ungefähr 16 000 Quadratmeter Wiesenland erworben und seinen Zwecken nutzbar gemacht.

Eine wettergebräunte Hütte steht dort, die als Auskleideraum und als Geräteschuppen seit langen Jahren dient, im Hintergründe fällt ein großangeleg­tes Denkmal auf, das an die im Weltkrieg gefallenen Mitglieder erinnert. Die Namen der Gefallenen sind

In die Seltenmauern eingegraben. Die Sportplatz­anlage wird zum Teil von Hecken umsäumt.

Der Platz, der von den Mto.-Mitgliedern unter Einsatz finanzieller Opfer, sowie geistiger und körper­licher Arbeitskraft in spielfähigen Zustand versetzt wurde, befindet sich zur Zeit in einer Verfassung, die eine gründliche Ueberholung angebracht erscheinen läßt. Wege wären nachzuziehen, die Laufbahn von Gras und Unkraut zu reinigen, an anderer Stelle Gras neu anzusäen, Hecken wären zu beschneiden, die Sprungbahnen aufzuarbeiten, der Platz an den harmonisch eingefügten Ruhebänken, die im hinteren Teil des Turnplatzes zum Sitzen einluden, in Ord­nung zu bringen und noch manches andere mehr. Das Denkmal für die Gefallenen, das ebenfalls unter großen persönlichen Opfern geschaffen wurde, be­dürfte einer durchgreifenden Reinigung, denn schmutzige Bälle, von unbeaufsichtigter Jugend an­scheinend allzuoft gegen das Mauerwerk geworfen, hat es unansehnlich werden lassen.

Die diesjährige Turnsaison ist zu Ende; es hätte kaum viel Zweck, in gärtnerischer Hinsicht vor Ein- bruch des Winters an der Anlage zu arbeiten. Um o mehr wird man die Hoffnung hegen dürfen, daß ich im Frühjahr des nächsten Jahres fleißige Hände inben werden, die dem Platz wieder (ein freundliches llussehen geben.

Erwähnenswert ist übrigens die Tatsache, daß der Verein erwogen hat, auf dem Grundstück, das äugen- blicklich noch außerhalb der Umzäunung liegt, eine Turnhalle zu errichten. Es bedarf kaum beson­derer Betonung, daß der wohlmeinende Gedanke während der nächsten Zeit kaum Wirklichkeit werden wird. Eine vorausschauende Grundstückspolitik hat aber für dieses Projekt bereits die Grundlage ge­schaffen. Einer besseren Zeit dürfte es Vorbehalten fein, Turnhalle und Turnplatz zu einer idealen Ein­heit werden zu lassen.

Bom Büchertisch des Sports.

DerSchiedsrichter" vonS.Rosenber- berger und A. Hofschneider. (Preis 4 Mark; 410.) 3m Verlag Dieck & Co. erschien unter bem Titel ..Der Schiedsrichter" ein Buch, das die Spielregeln des Deutschen Fuß» ballbundes mit ausführlichem Text und Erläute­rungen, alles Wissenswerte für Schiedsrichter, für den Spieler und für das Publikum vermittelt. Der wesentliche Vorteil jenes Buches ist der, daß all das behandelt ist, was mit den neuen Regeln, den den internationalen Regeln ange­paßten Bestimmungen des Deutschen Fußball­bundes überhaupt in Verbindung zu bringen ist. In sehr übersichtlicher Form sind die einzelnen Paragraphen zugleich in den verschiedenen Mög­lichkeiten ihrer Auslegung behandelt. Die Ka­pitel,Hnbeabsichtigtcs und beabsichtigtes Hand­spiel",Strafstoß",Freistoß",Rempeln" usw.» insbesondere aber die Abseitsregel sind zu besserem Verständnis mit bildlichen Darstellungen erläutert. Die Verfasser haben zugleich auf Grenz­fälle des Möglichen Bezug genommen. Das Buch stellt für alle, die mit Fußball direkt oder in­direkt verbunden sind, einen unentbehrlichen Ratgeber dar.

gesichert sein.

Die dritte und vierte Mannschaft sind einer Epielklasse (2. Gauklasse) und auch einer Spiel­gruppe (1) zugeteilt, so daß beide in Vor- und Rückrunde aufeinandertreffen. Das erste dieser Vereins derb y steigt am Sonntagvormittag. Man farm keiner Mannschaft Vorschußlorbeeren er­teilen, denn das bessere Können der Dritten wird die Vierte durch größeren Ehrgeiz ausgleichen. Den Schiedsrichter stellt Lollar.

Die erste Jugend ist ohne Spiel.

Die zweite Jugend empfängt auf dem Sport­platz an der Liebigshöhe Butzbachs erste Jugend. Die dritte Jugend spielt gegen Niederweisels erste Jugend.

Die erste Schülerelf hat zu Hause Nauborns Schüler zu Gast.

Handball der Sp.-Bg. 1900.

Am Sonntag tragt die erste Handballmannschaft der Sp.-Vg. 1900 auf eigenem Platz ein Spiel aus. Gegner zu diesem Freundschaftstreffen ist die Hnterosfizier-Mannschaft des hiesigen Bataillons. Die Gäste verfügen über eine gut durchgebildete Mannschaft mit verschiedenen hervorragenden Ein- zelkörmern. Für 1900s Elf wird das kommende Spiel als Vorbereitung für die Verbandsspiele, die in aller Kürze beginnen, wertvoll sein. Die Frage nach dem Sieger muh offen bleiben.

Oie Spesenfrage kommt nicht zurRuhe.

Einen bemerkenswerten Beschluß faßt« auf feinet General-Versammlung der 1895 gegrün­dete Sport-Club Erfurt zu der auf dem Dresdner Bundestag beschlossenen Spesenregelung und den vor kurzem vom Mitteldeutschen Verband getrof­fenen Ausführungsbestimmungen:

..Der SC. Erfurt ist mit der bisherigen Be­handlung der Berufsspieler und Amateur-Frage nicht einverstanden und beauftragt seine Leitung, beim Gau, Verband und DFD. darauf hinzuwirken, daß die reinliche Scheidung zwischen Berufsspielern und Amateuren durchgeführt und in der Spesenfrage keine unterschiedliche Rege­lung, weder in den einzelnen Verbänden, noch in den Vereinen, vorgenommen wird. Die vom DMBV. verfügte Regelung der Spesenfrage wird abgelehnt und verlangt, daß den Verhält­nissen der mittleren und kleineren Vereine Rechnung getragen wird."

Aun auch $eröl Swatosch ...

Be i dem am kommenden Sonntag in Gelsen­kirchen stattfindenden Rückspiel zwischen dem Meister des Westens" (Schalke 04) und dem i. FC. Wuppertal (SSV. Elberfeld) wird bei den Wuppertalern auch Ferdl Swatosch, der vom Rheinbezirk kaltgestellte Sturmführer der Sp. Vg. Köln-Sülz mitwirken.

Srauenftirnen, eine AotwendiM.

Die Stellung der deutschen Frau im öffentlichen Leben ist in der Kriegs- und Nachkriegszeit eine wesentlich andere geworden, als sie früher war. Die Frau ist selbständig in den Kampf um das tägliche Brot eingetreten und damit Mitbewer­berin des Mannes auf allen Gebieten geworden. Ihr neuer Aufgabenkreis verpflichtet sie auch zu gau3 anderen körperlichen und Nervenleistun- gen als früher. Kein Wunder, daß unter solchen neuen Voraussetzungen auch die Leibesübungen der Frau ganz anders in Erscheinung treten konnten und mußten, als dies früher der Fall gewesen ist. Heute tummeln sich Hunderttausende von Frauen aller Altersstufen, von der Greisin bis zur Iungturnerin, dazu aber auch viele Kinder, in den deutschen Turnvereinen, um sich hier Kräfte und Gesundheit und Gewandtheit und Lebensfrische zu erwerben und erhalten.

Diese Entwicklung ist eigenartig dadurch ge­staltet worden, daß sie nicht nur an die Frauen herangetragen, sondern von diesen selbst aus­genommen und weiter gefördert wurde. Die ersten Anfänge des Frauenturnens in Deutschland mußten sich an das Männerturnen anlehnen, da Vorbilder und Erfahrungen fehl­ten. Seitdem aber in immer verstärktem Maße die deutsche Frau selbst in die Führerstellen ihrer ureigenen Leibesübungen eingetreten ist, formt sie sich ihren Hebungsbetrieb selbst ent­sprechend ihren Neigungen und aus ihrer inneren fraulichen Einstellung heraus.

Das bedeutet aber nicht, daß Gutes, Altes, Bewährtes aufgegeben wird, im Gegenteil, heute haben wir noch viele tausend Frauen und Mäd- chen, die sich freudig und gern an den Geräten tummeln, um sich zu kräftigen, oder aber, um im Wettkampf ihre Leistungsfähigkeit zu erproben. Daneben aber hat die Frau auch die Körver- schule für sich dienstbar gemacht, und vor allem in besonderen, eigenartigen Formen, d i e dem weiblichen Wesen besonders entspre­chen. So ist z. B. das weite Gebiet der rhyth­mischen Gymnastik für die körperliche Erziehung des weiblichen Geschlechts in Deutschland auch in den Turnvereinen ausgewertet worden. Tur­nerische Musterschulen ha6en den Grundstock ge­legt für die Hebungsauswahl und die Lehrweise.

Der Hnterschted des gymnastischen Betriebes in den Turnvereinen gegenüber bem in besonderen Gymnastikschulen ist ber, bah dieser wertvolle Teil des gesamten Turnens nicht der einzige ist, der gepflegt wird, sondern nur ein Teil. Damit ist all denen, die nicht für rhythmische Betätigung geeignet sind, und es sind viel

mehr, als man gemeinhin anzunehmen geneigt ist die Möglichkeit gegeben, sich ihrem Können und ihren Neigungen entsprechend zu tummeln. Es ist eine ganz falsche Auffassung, wenn man meint, jede Frau fei auch rhythmisch veranlagt und müßte deshalb auch alle rhythmischen Hebun­gen gut ausführen können.

Endlich ist es auch Geschmacksache, ob und wie weit jeder die eine oder andere Hebungsart be­treiben will. Im deutschen Turnen ist neben dem Hallenturnen, neben der Körperschule und ber rhythmischen Gymnastik auch bas weite Gebiet bes Sprungs, Laufs und Wurfs für die Frau er­schlossen. Sie kann sich hier betätigen und, wenn sie zu Wettkampfzielen strebt, ihr Können unter Beweis stellen. Auch das Tum- und Sportspiel findet in ber DT. eine gute Pflegstätte, und Tennis, Faustball, Hockey, Schlagball, Trommel­ball, Handball bereiten vielen Turnern und Tur­nerinnen große Freude. Aber auch das Schwim­men und Wasserspringen wird betrieben, ebenso das Florettfechten.

Außerdem pflegen alle deutschen Turnvereine das Wandern. Hier werden der Frau Stunden der Freude beschert, und das Wandern bringt sie ber Natur nahe. Auch sei daran erinnert, daß die DT. sich in immer steigendem Maße bem Rubem und Wasserfahren zuwendet, und um den Ausbau des Wasserfahrens besorgt ist. Endlich bleibe nicht unerwähnt, daß das Skiläufen, Schlittschuhlaufen, Rodeln, weiteste Verbreitung in der DT. gefunden haben.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ahne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

2H. TH. ®. 1. Ihr Mieter ist Staatsbeamter und nicht, wie es im Reichsmietengesetz heißt,Hnter- nehmer eines gewerblichen Betriebs". Eine Forderung auf Mieterhöhung erscheint danach als aussichtslos. 2. Für den Fall, daß eine gütliche Auflösung des Mietvertrags unmöglich ist, könnten Sie eine Klage auf Aushebung des Mietverhältnisses vielleicht auf § 4 des Mieterschutzgesehes gründen, dessen Anfang lau­tet:Der Vermieter kann auf Aushebung des Mietverhältnisses klagen, wenn für ihn aus be­sonderen Gründen ein so dringendes In­teresse an der Erlangung des Mietraumes be­steht, daß auch bei Berücksichtigung ber Ver­hältnisse des Mieters bie Dorenthaltung eine schwere Hnbilligkeit für den Vermieter barstellen würde."

Bücheriisch.

Richard Graf Dumoulin Eckart. Geschichte der deutschen Hniversi- täten. Stuttgart, Ferdinand Enke 1929 (581). Das vom Verlag hübsch ausgestattete Buch (473 S., 42 Tafeln) schlägt man mit großen Erwartungen auf, ist aber bald enttäuscht, wenn man merkt, wie ungleichmäßig die einzelnen Perioden geschildert zu werden pflegen, und wie so manches für die Entwicklung ober Charakte­ristik der betreffenden Hniberfität Wertvolles fehlt. Ein ganz besonderer Hnftem aber hat über unserer Ludoviciana gewaltet. Daß von den acht auf Gießen entfallenden Seiten sechs den ersten fünfzig Jahren gewidmet sind, ist ein arges Miß­verhältnis. Ihm ist es zu danken, wenn wir recht vieles für Gießen Bezeichnendes vergebens su­chen. Hm nur einiges zu nennen: kein Wort von der der wissenschaftlich theologischen Durch­bildung dienenden alten Stipendiatenanstalt, von den vielversprechenden Ansätzen theologischer Re­formen durch Babrdt und Schulz (schon 1773 ein Predigerseminar!), bie freilich wegen ber so wenig gefestigten Charaktere ihrer Träger keine Frucht tragen konnten, und von der modernen durch Stade inaugurierten Theologenschule mit ihrer ganz markanten Stellung in" der Wissen­schaft. Warum fehlt die Errichtung der ökonomi­schen Fakultät durch Schlettwein 1777,* die sich selbst zwar nicht halten konnte, aber die Ver­anlassung zur Pflege einer ganzen Reihe von Fächern wurde, bie sonst nicht ober nicht in dem Außmaße an Hniberfitäten vertreten waren. DaS gilt besonders von der Tierheilkunde und Forst­wissenschaft, durch deren Einbeziehung in den akademischen Hnterricht bekanntlich Gießen bis kurz vor dem Weltkriege die einzige Möglichkeit zur Erwerbung des Doktorgrades 'in diesen Fä­chern bot Eine weitere Besonderheit bildeten die 1874 aufgehobenen Professuren für Architektur und Ingemeurwissenschaft. Die katholisch-theo­logische Fakultät mußte ebenfalls mit einem Satze Erwähnung finden. Für Liebig nur ein recht farbloser Sah! Hnd die von ihm inaugu­rierte Blüte der Naturwissenschaft ist ganz über­gangen bis auf die falsche Angabe, daß sich Dunsen in Gießen entfaltet habe (Verwechselung mit Duff). Auch manches andere hätte sich bei geschickterer Stoffverteilung selbst auf acht Seiten noch einfügen lassen, wie etwa die Ertei­lung der Doktorwürde der Geburtshilfe nach regelrechter Prüfung an einige Damen schon vor hundert Jahren.

Aber, wenn nun wenigstens das Geboten« frei von Hnrichtigkeiten untf Druckfehlern wäre. Auch nach dieser Seite wird bem Leser auf ben paar Seiten ungewöhnlich viel zugernutet. Daß z. B. in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts an Professuren für germanische Philologie und Päbagogik nicht zu denken war, weiß jeder auch nur ganz oberflächlich mit der Geschichte des Hn- terrichtes Bekannte. Gemeint sind ber Vertreter des Griechischen und ber Gymnasialbirektor, ber den Titel Pädagogiarch führte, ©onbetbar mutet an, wie der Ausbau der städtischen Verwaltung zu Beginn des 19. Jahrhunderts, ber obenbrein für die Hniversität kaum von erheblicher Bedeu­tung war, mit dem berühmten Archäologen Friedrich Gottlieb Weicker, der recht wenig ge­schickt mitein junger Mann namens Weicker" eingeführt wird, in einen sich ergänzenden Ge­gensatz gebracht wird. Die bekannte burschenschaft- liche Vereinigung ber Gießener Schwarzen nennt ber Verfasser Bund ber schwarzen Brüder, was obendrein Anlaß zu Konfusion mit den Orden geben kann, Die beiden folgenden Sähe über die studentischen Verbindungen der Zeit um 1818 geben kein rechtes Bild der Entwicklung dieser Verhältnisse. Versehen wieGotho Predus" statt Gothofrebus",Vvltäus" stattVulteius", Amalie Eleonore statt Amalie Elisabeth (die be­kannte Kasseler ßanbgräfin) durften nicht stehen- bleiben. Leider ließ sich diese Liste noch lange fortsehen. So ist vor bem Kapitel Gießen nur zu warnen. Es kann Weber als Quelle ber Be­lehrung noch als Hilfsmittel ber Forschung dienen.

Dr. Max Ape 1: Die Weltanschau­ungen der großen Denker. Reclams Uni» versal-Bibliothek Nr. 7053/54. Geh. 80 Pf., geb. 1.20 Mark. (142.) Die vorliegende Darstellung zeigt auch dem Laien einen Weg, wie er zu dem Lebenswerk ber großen Denker von Plato bis Scho­penhauer ein inneres Verhältnis finden kann. In anregender und leichtoerständlicher Weise zeichnet das Werk knapp und erschöpfend die großen Welt­bilder, die das Denken der Menschheit beherrschten. Der Verfasser versteht aus jahrelanger Praxis als Vortragender die Kunst, solid fundierte Wissenschaft für einen größeren Leserkreis fruchtbar zu machen.

Hanns Johst: So gehen sie hin. Ein Roman vom sterbenden Adel. Umschlag- und Ein­bandzeichnung von Prof. Dr. W. Tiemann. Leinen 8,50 Mark. Verlag von Albert Langen, München. (366.) Wurzellos Gewordene, Ziellose, Fürsten ohne Fürstentum, Prinzen ohne Herrschaft, Aristo­kraten eben, die alles verloren haben, nur die Hal­tung nicht. Sitzen vorerst noch um das Ufer eines großen deutschen Sees, gute Freunde und Nachbarn: Herren und Damen, die von Geburt her auf den Brettern standen, die die Welt bedeuten, und denen man diese Bretter unter den Füßen weggezogen hat. Sie geben keine feierlichen Diners und keine fröhlichen Jagdfrühstücke mehr, sie haben die Diener­schaft, bis auf karge Reste, entlassen, Gras wuchert zwischen den Steinen an den Auffahrten ihrer Schlösser, aber man kommt doch noch zum Tee zu­sammen, und die jungen Frauen ihrer Gesellschaft erhellen immer noch den Tag dieser Männer, wie Blumensträuße ein dunkles Zimmer, machen namen­lose Prinzen zu Märchenprinzen und Dichter zu Landfahrern der Sehnsucht.

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