Einzelbild herunterladen

tigung bei deutschen Handlungs - freiheit über die notwendigste Frist für die voraussichtlich einzige in diesem Iahre mögliche große Anleihetransaktion hinaus erstreckt wird. Zugleich ist erreicht worden, daß die Gefahr einer Beeinträchtigung der deutschen 2lnleihe° bedürfnisse durch die Auflegung der MobMsie- rungsanleihe nicht eintreten kann.

Oie Liquidationsabkommen.

Keine Teile des Haager Vertrages.

' Haag, 17. Ian. (WTB.) Die heutige Vor- mittagssihung der sechs einladenden Mächte, die der lleberprüfung der juristischen Formulierung für den Abschluß der ganzen Haager Arbeiten dient, beschäftigt sich mit der Frage der Svrm für den Gesamtrahmen des Abkom­mens. Voraussichtlich wird dafür nicht die­jenige eines Protokolls, sondern ein Der t r a g - kicher Akt gewählt werden, um dennicht an allen Teilen des Abkommens mitwirkenden Mach­ten, also der Schweiz und Amerika, die Teilnahme zu ermöglichen.

Die Frage der Liquidation der -Ler- gangenheit ist in befriedigender ^eifc ge­regelt worden. Der vorgesehene Verzicht Deutschlands auf die Staatsforderungen und auf die Liquidationsüberschüsse, der bei Be­handlung des Artikels 3 in Frage kam, ist hin­fällig geworden und es ist auf die in dem Vorentwurs enthaltene dahingehende Erklärung von den Dertragsgegnern verzichtet worden, nachdem die sämtlichen Einzelabkommen in der Liquidationsfrage perfekt gewor­den sind. Bezüglich des deutsch-polnischen Li­quidationsabkommens war durch die Hinter­legung des hierauf bezüglichen Teils des deutsch-polnischen Abkommens im Haag der Wunsch bekundet worden, es zu einem Teil des Haager Vertragswerks zu machen. Polen hat auf diesen Wunsch heute verzich­tet. Das zunächst sehr zweifelhafte Abkom­men mit Neuseeland ist gestern, dasjenige mit Italien heute vormittag in einer Be­sprechung zwischen Reichsminister Dr. Curtius und den italienischen Delegierten Mosconi und Pirelli zu einem Abschluß gekommen. Don italienischer Seite wird noch ein kleiner Heber» schuß (5 Millionen Lire) ausgezahlt wer­den. Der Wegfall der besonderen Derzichts- klausel hat zwar keine große materielle Bedeu­tung, ist aber für die Liquidationsgeschädigten selbst wertvoll, deren Wunsch nach Aufrechterhal­tung der Möglichkeiten damit erfüllt wird, die ihnen durch einen Generalverzicht abgeschnitten worden wären.

Zur Technik des Verfahrens ist zu bemerken, daß die verschiedenen Liquidationsabkommen mit Belgien, Italien, Polen, Australien, Neuseeland usw. an geeigneter Stelle des Schluhprotokolls lediglich historisch erwähnt werden, nicht aber den Charakter von Vertragsteilen an­nehmen. Eie werden, ebenso wie das Abkommen von der ersten Haager Konferenz über die commission de conciliation dem Schlußprotokoll angefügt, sind aber getrennt zu ratifi­zieren, kommen also einzeln und beson­ders vor den Reichstag, ohne das davon die Ratifikation des Haager Abkommens selbst irgendwie abhängig würde.

Oie Ostreparationen.

Keine Einigung mit Ungarn. Die Ver­handlungen werden fortgesetzt.

.Haag, 17. Jan. (TU.-Funkspruch.) Die fünf großen Gläubigermächte setzten am Freitagnachinit- tag mit den Vertretern der kleinen Entente die Be­ratungen über die Ostreparationsfrage fort. Die ungarische Abordnung erklärte am Freitag früh, Ungarn sei bereit, ein Kompromiß in der Agrarfrage abzuschließen, es sei ihm aber materiell unmöglich, eine Regelung über die Forderung der Erzherzöge, der katholischen Kirche, die Verwaltungs- und andere Entschädigungsforde­rungen ungarischer Untertanen zu treffen. Die Ver­treter der fünf Gläubigermächte richteten in der Freitagsitzung an die Vertreter der kleinen En- tonte die Frage, ob sie bereit seien, d i e Ver­handlungen mit Ungarn nach der Kon­ferenz fortzusetzen. Die Vertreter der klei­nen Entente erklärten sich hiermit einverstan­den und bereit, das Schlußprotokoll der Haager Konferenz auch ohne eine endgültige R e - gelang mit Ungarn zu unterzeichnen, falls sie von den fünf Gläubigerinächten die Garantie erhielten, daß im Falle eines Mißlingens der spä­teren Verhandlungen mit Ungarn der Betrag der Forderungen der kleinen Entente durch den Be­trag der Gegenforderungen Ungarns nicht übertroffen würde. Im Falle einer sol­chen Garantie wäre die kleine Entente bereit, dem Ständigen Internationalen Gerichts­hof die juristische Auslegung des Artikels 250 des Vertrages von Trianon über die Optanten und die gemischten Schiedsgerichtshöfe zu überlassen.

Die Bemühungen, noch in letzter Stunde eine Einigung mit -Ungarn herbeizuführen, haben zu keinem Ergebnis geführt. Die Verhandlungen sollen, wie von ungarischer Seite mitgeteilt wird, nunmehr zu einem späteren Zeitpunkt in Genf oder Paris fortgesetzt werden. Man wird nun m dem Schlußprotokoll der Haager Ab­machungen den gegenwärtigen Stand der Dinge festlegen, wodurch eine Weiter- fuhrung der Ostrcparationsfrage zu einem späte­ren Zeitpunkt ermöglicht wird.

Oie Aenderungen im Reichsbankstatut.

Haag, 17.Jan. (WB.) In den das neue Reichs- bantftatut betreffenden Fragen ist außer beim §21 (gesetzliche Mitwirkung d e r Reichs­bank an den Arbeiten der B.J. Z.) noch eme weitere Aenderung auf deutschen Antrag zu­stande gekommen, die den Zweck verfolgt, die deutsche Staatsautorität mehr zur Gel- tung zu bringen. Es handelt sich dabei um den An- trag, der bereits bei den Verhandlungen des Orga­nisationsausschusses für die B. I. Z. in Baden- Baden von den beiden deutschen Mitgliedern dieses Komitees, Staatssekretär Schäffer und Geheim­rat V o ck e , gestellt worden war und der dahin geht das diejenigen Bestimmungen des Reichsbantstatut^' die international gebunden find, bei einer deutschen Aenderung auf einem verkürzten Jnstan. jenroeg revidiert werden können. In Zukunft wird also die Reichsregierung einen Aenderungsan- trag beim Reichstag einbringen können, es fei denn, daß die Bank für internationalen Zahlungsausgleich das Schiedsgericht des Youngplanes anruft.

Kann jeder einzelne Gläubiger zu Sanktionen schreiten?

Wirths Standpunkt.

Haag. 17. Ian. (Sil.) Die deutsche Ab- Dränung gibt amtlich folgende Mitteilung her­aus:

Vor Beginn der heutigen Freitagnachmittag­konferenz gab Reichsminister Dr. Wirth im Einvernehmen mit der englischen Delegation fol­gende Erklärung ab: Durch die deutsche Presse liefen Äußerungen über angebliche Ausführun­gen des englischen Pressechefs Stewart über De- merkungen, die Reichsminister Dr. Wirth anläß­lich der Besprechung der Sanktionsfrage im Kreise der sechs einladenden Mächte getan haben soll. Diese Aeußerungen, wie sie zum Teil in der deutschen Presse wiedergegeben sind, sind nicht gefallen und auch der englische Presse­chef hat sie, so wie behauptet wird, nicht weiter­gegeben. Bei der damaligen Besprechung handelte es sich um die Beantwortung der vom Schatz­kanzler Snowden gestellten Frage, ob bei einer etwaigen Diskriminierung einer einzelnen Nation durch Deutschland auch diese einzelne Na­tiv n in dem gegebenen Falle vor dem Ständigen internationalen Schiedsgericht Klage erhe­ben könne. Diese Frage wurde dem Dertrags- text entsprechend heute wie damals bejaht. Im übrigen betonte heute abend Minister Dr. Wirth, daß eine solche Diskriminierung prak­tisch nicht in Frage kommen könne, da ja nicht Deutschland die einzelnen Gläubiger­mächte auszahle, sondern dieses Aufgabe der Bank für Internationale Zahlun­gen sei. Schahkanzler Snowden schloß sich der Feststellung des Ministers Dr. Wirth in der heutigen Abendsihung auf das energischste an.

Mehrere Berliner Blätter nehmen zu diesem De­menti des Reichsministers Dr. Wirth über Bemer­kungen eingehend Stellung. DerBörfen - Cou - rier" stellt fest, daß die Erklärungen Dr. Wirths bas Dunkel, aus dem die gegen ihn gerichteten Vor­würfe stammten, nicht völlig aufhellten. Sie unter­streichen nur die Tatsache, daß in dem Meinungs­streit zwischen Tardieu und Snowden nicht der Engländer die deutsche Unterstützung gefunden habe. 'SieDeutsche Tageszeitung" weist darauf hin, daß Dr. Wirths Dementi andern Kernpunkt vorbeigehe. Es hab« sich um nichts anderes gehandelt, als um einen Versuch Snowdens, entweder nur das Gesicht zu retten ober aber Deutschland doch noch eine letzte Gele­genheit zu einem Eingreifen zu geben, bas auch im Interesse Englands gelegen hätte. Das sei allerdings zu einem Zeitpunkt, als Deutsch- lanb und Frankreich sich unter s i ch ge­einigt hätten und die Texte schon feftftanben. Man könne daher die Bedeutung dieser Aktion in diesem späten Augenblick, wenn man wolle, nicht allzu hoch veranschlagen. Sie beweise uns aber, wie die eng­lischen Interessen tatsächlich lagen und wo wir vor und während der Konferenz rechtzeitig hätten einsehen müssen. In gar keinem Fall aber lasse es sich entschuldigen, daß Herr Wirth in dieser ent­scheidenden Frage sich vorbehaltlos dem Standpunkt Tardieus anfchloß. DieD A Z." weift darauf hin, daß auch die ausländische Presse den Vorgang in der Sitzung so dargestellt habe, wie es in einem Teil der deutschen Presse dargestellt worden sei. Auch Tardieu habe nach jener Sitzung einigen französischen Journalisten unter de m Ausdruck eines gewissen Erstaunens über die Hal­tung Dr. Wirths den Zwischenfall mit der glei­chen Tendenz geschildert wie der englische Pressechef.

Nie Flottenkonferenz.

Ankunft der Amerikaner in London.

London, 17. Ian. (Sil.) Die amerikanische Abordnung für die Flottenkonferenz ist am Frei­tag kurz nach 14 ilhr in London einge­troffen. Zur Begrüßung hatten sich u. a. der Außenminister Henderson, der Erste Lord der Admiralität, Alexander, und der Sohn Macdonalds als Vertreter feines Vaters eingefunden. Der amerikanische Staatssekretär S t i m f o n erklärte:Wir sind nach England mit hohen Hoffnungen gereist und mit der Ent­schlossenheit, einen ernsten Versuch zu machen, die Konferenz zu einem Erfolg zu gestalten. Wir sind glücklich, daß der König von England von feiner Krankheit genesen und in der Lage ist, die Konferenz persönlich zu eröffnen." Eine Stunde nach der Ankunft stattete Staatssekretär Stimson dem Ministerpräsidenten Macdonald einen Besuch ab. Die Unterhaltung der beiden Staats­männer dauerte sehr lange.

MienwillsemeFlotteabschaffen.

Wenn die andern seinem Beispiel folgen.

London, 18. Ian. (WTB. Funkspruch.) »Daily Herald" berichtet, bei der Eröffnung der Fünfmächte-Konferenz werde der italienische Außenminister Grandi mitteilen, daß Italien bereit ist, seine gesamte Flotte abzu- fchaffen, wenn die anderen Natio­nen diesem Beispiel folgen würden. Mussolini geht dabei von der Erkenntnis aus, daß jeder Plan, den die Konferenz annehmen könnte, Italien zu einer endgültigen .Unter- legenfjeit verurteilen- würde. Infolgedessen habe es durch eine wirklich praktifche Ver­minderung aller Flotten nichts zu verlie­ren, aber viel zu gewinnen.

Indiens Zreiheiiskampf.

London, 16. Ian. (Sil.) Zwischen maßgeben­den moslemitischen Führern Indiens sind nach Meldungen aus Lahore Bestrebungen für die Herstellung einer Einheitsfront im Gange. Als Ziel der Moslems wird die Her­stellung des Dominion st atus bezeichnet. Die Kritik gegen den Vizekönig, Lord I r D i n, dauert an, und das Mißtrauen gegen die Ab­sichten Großbritanniens ist überall im Wachsest begriffen. Die Folge ist, daß sich die Mei­li u ngsverfchiedenheiten zwischen den ra­dikalen, unabhängigen und den gemäßigten indi­schen Gruppen in letzter Zeit beträchtlich Der- mindert haben. Der Boykott britischer Waren und europäischer Kleider nimmt auch unter den gebildeten Kreisen schnell zu. Die britische Ver­waltung hat eine Konferenz der maßgebenden Polizeiofsiziere der Derschiedenen ProDinzen ein» berufen, um über Vorsichtsmaßnahmen für den Fall Don ilnruhen zu beraten.

Prozeß gegen russische Monarchisten.

Moskau, 17. Ian. (WTB.) Wie die Tele­graphenagentur der Sowjetunion mitteilt, hat das Militärkollegiurn heute in Leningrad die Verhandlung im Prozeß gegen fünf Monarchisten eröffnet, die der Spionage und des Ver- triebs gefälschter Tscherwonzen an» geklagt sind. Es handelt sich um ehemalige Zarenoffiziere. Als Leiter der Organifa- hon wird ein gewisser Schiller bezeichnet, der in engster Verbindung mit dem aus Danzig ausgewiesenen Führer einer monarchistischen Or­ganisation, dem ehemaligen General Glase- gestanden haben soll. Schiller wird in der Anklageschrift u. a. beschuldigt, falsches Geld aus dem Auslande nach der Sowjet- unionbefördert zu haben.

Oas Dereinsgeseh.

der Gesetzgcbnngsmaschine stecken« geblieben.

eJ- {* n *18. Jan. (Prio.-Tel.) Das Reichsinnen, mmifterium hat einen Entwurf zur Aenderung des noch aus dem vorigen Jahrhundert flammenden ^eremsgefetzes ausgearbeitet, der zwar schon den Jxcid)stag im Fruhsommer des letzten Jahres er- reichte, aber seitdem in der Versenk ung verschwunden bleibt Dies ist zwar nicht das einzige Gesetz des Reichsinnenministeriums, das im lefeten Jahr vom Parlament nicht mehr erledigt wer- äen konnte, aber hier liegen die Gründe, wie wir

aus gut unterrichteten parlamentarischen Kreisen Horen, nicht so sehr an der Arbeitsüberlastung des Reichstags mit dringenderen Aufgaben, sondern vor allem in politischen Motiven. Obwohl der Entwurf zur Aenderung von dem sozialdemokra­tischen Reichsinnenminister Severing eingebracht und auch vom Kabinett verabschiedet worden ist, hat nunmehr in weiten Kreisen der Sozialdemokratie die Anschauung Oberhand gewonnen, daß die sehr viel strafferen Bestimmungen der neuen Vorlage für die Partei nicht ganz unbedenk- l i ch find. Man zeigt daher wenig Interesse an der weiteren Erledigung des Entwurfes und so scheint es, als ob das Plenum des Reichstages sich nicht allzu bald mit dieser heiklen Frage beschäftigen wird. Die Aenderung des Vereinsgesetzes steht zwar nicht in einem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Republikschutzgesetz, aber es ergänzt diese Vorlage, indem «s ebenso wie das Republik­schutzgesetz in das politische Leben der Gesamtheit eingreift und gleichsam gewisse Spielregeln für die politischen Kämpfe auffteöt.

, Oie Rationalisierung des Luftverkehrs.

Berlin, 18. Iau. (Priv.-Sel.) Die durch die angekündigten Sparmaßnahmen des Reichsver- kehrsministeriums bezüglich der Subventionen für die Luftfahrtindustrie notwendig gewordenen Streichungen im Luftfahrtetat wer­den, wie wir hören, in Zukunft auch noch durch Kige Sparm abnahmen im Luftver- ;anzt. Die regionalen Luftverkehrsgesell­schaften, die neben der Lufthansa Flugverkehr betreiben, haben dem Reichsverkehrsministerium Richtlinien für eine Rationalisie­rung desStreckennehes unterbreitet, das voraussichtlich in aller Kürze angenommen wer­den wird. Nach diesen Richtlinien soll in Zukunft eine Punktwertung für die sogenannten Hüpflinien eintreten, und zwar sieht diese Punkt­wertung für die Ausnützung mit Nutzlast 3 Punkte vor, für das Verhältnis der Fluggeschwindigkeit zur Bahnzeit 2 Punkte und für die S treckenlänge einen Punkt. Als Mindestmaß sind 4 Punkte vorge­sehen. Im Durchschnitt schreiben die Richtlinien 250 Kilometer als Mindestlänge einer Flugver­bindung vor, und 125 Kilometer, sofern es sich um eine Verbindung ohne Zwischenlandung han­delt. Die Zeitersparnis zwischen zwei Punkten muß gegenüber der Bahnzeit mindestens 45 v. H. erbringen. Cs ist anzunehmen, daß mit der Ver­wirklichung dieser Vorschläge zu Beginn des Sommerluftverkehrs eine große Zahl in­nerdeutscher Flugverbindungenein­gestellt wird. Welche Linien für die Ein­stellung in Frage kommen, hängt noch von Ver­handlungen und Besprechungen ab, die zwischen den regionalen Luftverkehrsgesellschaften unter­einander gegenwärtig geführt werden.

Aus aller Welt.

Shurmanns Abschied von Sfrefemann.

Der amerikanische Botschafter Shurman, der in der kommenden Woche seinen Posten verlassen und nach Amerika zurückkehren wird, legte am Grabe des Außenministers Dr. S t r e s e m a n n einen Kranz nieder. Der Kranz ist mit einer Rosette in den amerikanischen Far­ben und einer Schleife geschmückt, die folgende Widmung trägt: Iacob Gould Shurman seinem verstorbenen Freunde. Im Anschluß besuchte der Botschafter das Geburtshaus Stresemanns. Der Senat der Deutschen Akademie hat Botschafter Shurman in Anerkennung seiner die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika fordernde Tätigkeit zum Senator ernannt.

Großer Destechungsprozeß in Koblenz.

In Koblenz begann vor dem Erweiterten Schöffengericht der Prozeß, dem umfangreiche Be­trügereien an der Reichsbahn durch eine Anzahl Reichsbahnbeamte infolge passiver Bestechung durch die Kaufleute Dunkel und Kuhnen zugrunde liegen. Es wurde mit fälschlich hoher ausgeschrie­benen Rechnungen, als die wirklichen Lieferun­gen auSmachten, gearbeitet. Der Mehrerlös hier­aus wurde jedesmal unter die Angeklagten ver­teilt. Im ganzen soll die Firma Dunkel für eine halbe Million Mark Lieferungen erhalten haben Die erschwindelten Beträge belaufen sich aus etwa

60 000 Mk. Als erster Angeklagter gab Detrlebs- ingenicur Schneider Auskunft über das Ver­fahren der fingierten Rechnungen. Die Höhe der erschwindelten Beträge wird von ihm auf 3000 Mark angegeben. Er leugnet irgendwelche Ver­abredungen der Angestellten unter sich. Reichs­bahninspektor Dierks erklärt, wie die fingier­ten Rechnungen bei der Kasse behandelt wurden. Er gibt seinerseits zu, von Dunkel Gelder und Waren für seine Person empfangen zu haben. Auch der Angeklagte Fröhlich gibt zu, Gelder bis zu 800 Mark für die Instandsetzung feiner Wohnung in Form quittierter Rechnungen bekom­men zu haben. Von Kuhnen habe er etwa 250 Mark erhalten. Reichsbahnoberrat Frey, der Leiter des Koblenzer Maschinenamts, gesteht ein, Geld von Dunkel erhalten zu haben; Arbeits­zuweisungen habe die Firma durch ihn nicht er­halten. Der Angeklagte Rein k in g gibt zu, kleine Geldbeträge und Geschenke von Dunkel er­halten zu haben. Betriebsleiter Linden hat bei Dunkel gekauft und später bezahlt.

Kältewelle in Amerika.

Die mittelwestlichen Staaten sind von einer neuen Kältewelle und von einem schweren Schn e e - sturm heimgesucht worden. In Kansas City beträgt die Temperatur 21 Grad Celsius unter Null. Bei Colby im westlichen Kansas wurden 30 Grad unter Null gemeldet.

Neue Lesen kehren gut.

Der neue Intendant der Staatlichen Schau­spiele in Berlin, Legal, hat am Tage seines Amtsantritts den Schauspieler Veit Harlan fristlos entlassen, weil Harlan am Donnerstag zur Vorstellung von So und so, so weht der Wind" im Schiller­theater nicht erschienen war.

Schweres Kraftwagenunglück.

Am Donnerstag ereignete sich zwischen Am- brock und Dahl bei Paderborn (Wests.) ein schweres Kraftwagenunglück. Ein rasender Personen­kraftwagen überfuhr ein auf der rechten Straßen­seite gehendes 20jähriges Mädchen, das schwere Ver­letzungen am Kopf und Rücken erhielt. Der Führer, der sah, was er angerichtet hatte, fuhr mit ver­größerter Geschwindigkeit weiter, ohne sich um die Verletzte zu kümmern. Kaum 500 Meter weiter verlor er die Gewalt über den Wagen, der gegen einen Bordftein raste und dann in den Straßengraben stürzte, wo er zertrümmert liegen blieb. Der Führer, der Besitzer und ein wei­terer Insasse wurden schwer verletzt.

Der Prozeß gegen die ungarischen Giftmischerinnen.

In Szolnok begann die dritte Gruppe des Giftmischerinnenprozesses. Es stehen zwei wohl­habende Frauen aus der Ortschaft Nagyröv vor Gericht. Frau Foldvary ist angefiagt, ihren Mann undihren Geliebten mit Arsen vergiftet zu haben, während Frau Kardos der Vergiftung ihres Mannes und ihres aus der ersten Heirat stammenden Sohnes beschul­digt wird. Frau Foldvary erklärte, sie habe die ihr zur Last gelegten Verbrechen nicht be­gangen.

Oie Wetterlage.

freitaa,

Bta

17. Januar. 1930,7" aDds.

Wz

w.

Geri

~La CoAina

M

_Kii

isdLnränKt f

<

-0Q 3£=j

w.. _/_&

X -Sei

G wolkenlos. Q netter Q nait> Gedeckt. ® wolkig. ® Gedeckt Regen

* Sehnet a Graupeln e Nebel Kliewn/r.©windstille. O-. sehr leichter Ost massiger Südsüdwest q stürmische» nordwest die Piene fliegen mit dem winde. Pie neiden Stationen stenenden Zah­len geben die Temperatur an. Pie Limen verbinden Orte m>t.gleichet* ul Meeresniveau umaerechneten Luftdruck

Wettervoraussage.

Das zentraleuropäische Hoch wird durch die Aus­läufer der nördlichen Störung weiter ostwärts ver­drängt. Im westlichen Deutschland macht sich der Vorschub warmer Luft bei den Morgentemperaturen bereits bemerkbar. Da eine abermalige Warmluft­welle von Westen heranrückt, so wird sich der Um­schlag zu milderem Wetter weiter vollziehen. Gleich, zeitig wird dabei der Witterungscharakter mehr un- beständig, und mit dem Auftreten ist zu Beginn der kommenden Woche zu rechnen.

Wettervoraussage für Sonntag. Langsame, von den Bergen abwärts einsetzende Mil­derung, nebeliges und wolkiges Wetter, später Nei- guna zu Niederschlägen.

Witterungsausfichten für Montag, wechselhaftes Wetter, mild, vereinzelte Nie­derschlage wahrscheinlich.

5rufttemperaturen am 17. Ianuar: mittags 1^0 Grad Celsius, abends1,9 Grad; am 1i8-3anuar: morgens 0,6 Grad. Maximum ~r 1,0 Grad, Minimum3,8 Grad. Erdtempe- raturen m 10 cm Tiefe am 17. Ianuar: abends ~ 2.1 Grad, am 18. Ianuar: morgens -s-0,4 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 6>z Stunden.

Amtliche Dinterfportnachrichten.

Schwarzwald. Feld berg: klar, 3 Grad, 30 Zentimeter Schnee, gekörnt, Ski- und Rodel­möglichkeit gut. Hornisgrinde: klar, mi­nus 1 Grad, 15 Zentimeter Schnee, Rauhreif, Sportmöglichkeit nur stellenweise vorhanden.

Alpen. Berchtesgaden: klar, minus zwei Grad, 13 Zentimeter Schnee, verharscht, Sport­möglichkeit stellenweise vorhanden.

Harz. Schierke: klar, 1 Grad, durchbrochene t Schneedecke, verharscht, Ski- und Rodelmöglich» reit nur stellenweise vorhanden. -