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Mittwoch, 17. Dezember 1950

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhefsen)

Nr. 295 Drittes Blatt

Bücher unter dem Weihnachtsbaum.

Deutsche Erzähler.

Alfred Dock: Der Kuppelhof. Vo­rnan. Dr.tte Auflage. 227 Seilen S°. Bro ch. 3 40, geb. 5.25 Mark. Hermann E.chblatt Ber.ag, Leip­zig 1932. (597) 3n dcr von Pro.elfor Dr. Karl Plenzat in Elbing herausgegebenen Sammlung Domäne der deutschen Heimat" erschien als Band 1D.r Kuppelhof" von Alfred Dock:will- iommener Anlaß, erneut auf das vor nunmehr fast einem Diertcljahrhundert entstandene Werl hinzuweiten: eS ist ein itartet und gesunder 2io- man auf hessischem Boden gewachsen, zum De- sten gehörig, wa« Alfred Dock geschaffen hat. Mit knappen, festen S.richen wirb daS LiebeS- und Ehcsch.cksal eine- Bauernmädchen- geschil­dert: alle Gestalten und a~e Szenen sind, wie man gleich bei den ersten Sätzen spüren wird, unverfälscht aus dem wirklichen Leben gegriffen und fügen sich zusammen zu einem runden, mit kräftigen Lokalsarben getönten Dilde.

ArturDrausewetter. Die Sterne lü­gen nicht. Ganzleinen 4 Mk. Verlag Otto Janke, Leipzig CL38. (641.) - Der Dichter läßt die Schicksale sich nach Horoskopen entwickeln, die, von einer seherisch begabten Frau gestellt, viele tra­gische und auch lebensbejahende Momente zei­tigen, in denen sie selbst eine bedeutende Dolle spielt, denn cs ist ihr nur eine- vergönnt: ent­weder zu lieben oder zu prophezeien. Llngewollt treibt diese Seherin eine Reihe Menschen in ein Chaos seelischer Kampfe, darunter auch ihren Ju­gendfreund. er lebt von niemand erkannt ein zweite- Leben. Dicht minder ergreifend gestaltet sich daS Schicksal des SohneS seines verstorbenen GönnerS, der, im Zwiespalt d«S HerzenS, zwischen zwei heroischen Mädchen alle Höhen und Tie­fen der Liebe zu durchkosten hat.

Otto Ehrhart-Dachau: DaS ster­bende M o o r 150 Seiten 8°. Drei-Masken- Verlag 21.-®., München. (604.) Hier wird ge­schildert das Leben einer herrlichen Moorland-' schäft, zugleich ihr hereinbrechender Untergang der aussichtslose Kampf der alten belebten Ra- tur gegen die nüchterne Wirtschaftlichkeit der Kul­tur. Im Mittelpunkt stehen die Erlebnisse zweier Grvstfische: eines uralten und eines

Karpfens in aufregenden Begegnungen mit einem Schwarzsischer und Wilderer, mit Jägern und Tieren, alles lebendig, anschaulich und span­nend beschrieben und dargestellt. Der Autor ist übrigens unseren Lesern mit einer Deihe von Beiträgen im Feuilleton bereit- vorgestcllt worden.

- Ern st Sander. Die späte Wie­derkehr. Dovelle. 132 Seiten 8*. Gebrüder Enoch Verlag, Hamburg. (392) Sander hat sich al- kultivierter Erzähler, als Lyriker und als Ueberseher aus der jungen Generation der deutschen Autoren bereits einen guten Damen gemacht. In dieser, zweifellos mit literarischen Ansprüchen geschriebenen Srzäh'ung, versucht er eine Art von Abrechnung oder Rechenschaftsbe­richt eincS gereiften Menschen zu formulieren, ein Thema also, dessen Gestaltung man eher von einem Dovellisten der älteren Generation hätte erwarten dürfen. Das gleich im ersten Sah an­geschlagene Grundmotiv ein SHriftste7l?r k.hrt. um dem Fcsttrubel zu seinem 50. Geburtstage zu entgehen, in seine seit drei Jahrzehnten ge­miedene Heimatstadt zurück scheint freilich nicht allenthalben für eine so umfänglich an­gelegte Dovelle auszureichen: die nicht sehr trag­fähige Handlung wird durch allerlei umständ­liche Schilderungen und Reflexionen retardiert und verbrämt. Wir glauben, daß eine gewisse sachliche und vor allem auch stilistische Konzen­tration der künstlerischen Dundung dies 'S (übri­gens sehr gediegen aud gestatteten) Buches durch­aus zustatten gekommen wäre.

Grete von lllrbanitzky, Sekretä­rin Dera. Doman. Ganzleinen 4,80 Mk. Adolf Sponholtz Verlag, Hannover (626). Wie ein junges Mädchen aus einer verarmten Mittel- stands'amilie sich fach ich mit be.i re ante !en Ver­hältnissen absindet, mit Tapferkeit jeder Situa­tion standhält und sich klug und überlegt eine eigene Existenz und ihr persönliches Glück zimmert, das wird in diesem Buche realistisch und spannend, ohne jede Sentimentalität erzählt. DaS Milieu ist neuartig, der englische Litera°urbetrieb, amerika- nisches Maneg r u rnS die de lschr 2k lagswclt geben einen intere fa.iten Hintergrund ab.

Helen Eliat,Saba besucht Sa­lomo", mit Zeichnungen von Otto Linnekogel. Verlag Ullstein, (Berlin. Preis: Broschiert 4.50 Mart. (643.) Dies ist die reizvolle Gestaltung der alten Legende von der Königin Bilkis. die den weisen Salomo besucht, um ihn zu gewinnen und auszunutzen In den allen Stoff ist moderner Geist hineingetragen. find Anspielungen und Parallelen verflochten, die Menschen und Situ­ationen aktuell erscheinen lassen. Der graziöse Roman erscheint in reizvoller Aufm"-bun". Er ist über und über mit leichten zierlichen Feder­zeichnungen Otto Linnelogels illustrier, ute ganz un Etile der Erzählung gehalten sind. Sin klu- gcS, amüsantes Buch besonders für den Lesetisch der Dame.

Peter Murr: Hinter den roten Mauern von Lichterfelde. Erl bnssse in der Kadettenanstalt. 282 Seiten 8°. Gch 4 2HL, Leinen 6 Mk. Amallhca-Bcr.ag Zürich, Leipzig. Wien (650) Eine zweifellos aus genauer Kenntnis der Derhältni>fe entstandene Schilde­rung, die den Leser in die verschollene Welt der Lichterselder Kaiettenansta t zurückführt, jener Hochburg preußischer Milit-rtrad tten. wo eine große Anzahl von Offizieren der alten Armee Die erste Vorbildung für den späteren Beruf erhielt. Ein unterhaltsam und nicht ohne Humor geschriebenes, in vieler Hinsicht recht aufschluß­reiches Buch.

Otto Ghsae: Die Bilanz der Ter­borgs. Roman In Halbleder gebunden 3,70 Mark. Dolksverband der Dücherfreu.de. Weg­weiser-Verlag G. m. b. H., Derl.n-Charlot.en- burg 2. (570.) In einem in Meber ee beginnen­den Geselljchaftsrvman, stellt der Verfasser der älteren Generation, d:e mit ihren Gefühlen nicht zurechtkommt, weil sie in veral eien Konventionen hängt, die tapfere Detrach.ungsweise der heutigen Jugend gegenüber, die nach reinerer Luft und eigener Verantwortung strebt. Er hat seine tief­gehende Psychologie mit der atemlosen Spannung einer Kriminalgeschichte verbunden. Verwirrung

der Gefühle wird zur Verwirrung von Schicksalen, die erst langsam vor dem Le er enthüllt werden

- Geld regiert die Wett. Roman von Harr- D a t o n c k. (Paul Zsolnay Verlag, Berlin. Geb. 7 Mk. 401.) Man tut in diesem Buch einen Blick in die Ideenwelt und das Seelen­leben eines gut bürger.ichen Revolutionärs, der im Reichtum auf den Höhen des Lebens wan­delt und von dort nach vielfachem Ringen den Weg zu den Anschauungen der sozialen Reu- ordnung findet. Das Buch ist fesselnd g schrieben, vom Zeitgeist erfüllt und interessant in der Milieuschilderung.

Rudolf Geck:ck. erzählt zum zweitenmal von Frauen, Kindern und Käuzen. 192 Seiten 8°. Preis broseu. 3 Mk. Eo:ieläts-Verlag, Frank, urt a. M 1932. (646) Das früher hier angezeigte Buch ck. erzählt von Tieren, Kindern und Begegnungen" hat so viele Freunde gefunden, daß der Ver­fasser den Wünschen um eine Fortsetzung ent­

sprochen hat. Zum zweitenmal erzähltck. von Frauen, Kindern und Käuzen. Wieder schöpft er aus dem Alltag, formt Beobachte es und Erlebtes, schildert heiter oder ernst, was ihm begegnet. Er betrachtet ein verzwistetes Liebespaar, den Schimmel, der geschlachtet werden soll, späht durch das Fernglas, er ist zu Gast in einer alpinen Wo^enstube, berichtet, wie ihn der Zu­fall für eine Stunde zum Polizeipräsidenten machte, er zeichnet Freuen ab. erzählt von seiner Grippe, von Gesprächen mit Kindern, vom Dackel, der in einer Sitzung erschien, von fröhlichen und unfröblichen Ausflügen, von der Zähmung cincs Gewalttätig'n, vom Leben einet! Schweine- hirten, von sonderbaren Käuzen, die er trat Ein weise Gewordener, den Erfahrungen nicht ver­bittert haben, verklärt das Leben mit wärmendem Humor. Di- hellen wie die dunkcln Blätter werden durch ihre menschliche Haltung den Leser für sich gewinnen.

Neue deutsche Lyrik.

Werner Dock: Das ewige Dn Ge­dichte. 41 Seiten 8°. Erich Lichtenstein Verlag, Weimar. (594.) Es scheint uns kaum ein Zufall, vielmehr von finngebender und wegwei» fenber Bedeutung zu sein, daß dieser schmale Ly- rik-Dand gerade in Weimar erschienen ist. Wer biete aus Hunder.en ausgewählten dreiunddrei­ßig Gedichte mit der heute schon selten gewordenen inneren Sammlung und Hingegebenheit auf sich toit.cn läßt, die das icinftc und persönlichste Kunst­werk des lyrischen Dichters vom Leser oder Hörer bedingungslos fordert, der wird die angedeutete Vermutung gewiß bestätigt finden,... noch ehe er an das leidenschaftliche Bekenntnis in der Apo­strophierung Goethes gelangt: diese Lyrik ent­wuchs durchaus der von unserer Gegenwart grundlegend geschiedenen geistigen Welt der Dor- lr cgsgenera.ion. Hier wurzeln die innere Haltung des Buches, seine ganz unaktuelle, sensations­ferne. geistige Form, sein Weltbild und seine von der Antike und der deutschen Klassik bestimmten, festen und unvcräußerlichen Wertmaßstäbe unb Formgesehe. In so klaren, von einer reinen und starken Melobie getragenen Dersbilbungen an deren die Stilwandlungen vom Expressionismus bis zur jüngsten Sachlichkeit spurlos üorüberge­gangen sind äußert sich eine Lyrik im streng­sten und gültigsten Sinne. Hier strömt alles, Wort und Bild, Jubel unb Klage, Anrufung unb Trauer, Liebe unb zärtliches Glück, aus bem Ich, aus bem Blut, aus dem Herzpunkt und Lebens- xentrum einer gereiften Persönlichkeit. Der oft so peinlich gequälten und »erbitterten Aussage einer hoffnungslos mißverstandenen Zeit-Litera­tur steht hier, in entschiedener und bewußter 2Tb- kehr. d.e ganz au*s Gefühl bezogene, aus Rausch und Traum leidenschaftlich und dennoch in ed­lem Gleichmaß beherrscht hinströmende DerS- Dichtung. Lind die auch guten Gedichten manch­mal eigene, völlig in sich gekehrte Monolog-Form

ist hier überwunden von einem Lebensgefühl, bas gerade in ben schönsten unb reifsten Strophen ber Lieberschrift des Ganzen gemäß immer wieder Drücken zu bauen weiß vorn eigenen Ich zu einem geliebten, erträumten, verlorenen ober angebeteten Wesen der Welt, es sei nun ein Mensch ober ein großes Gefühl, eine Musik, ein Stück Architektur, ein atmender Daum, eine wehende Wolke ober ein tröstliches Gestirn. Wem heute noch ein Gedichtband geheime Freude und schöpferische Erfüllung bedeuten kann, dem sei dieses schöne (vornehm gedruckte und aus- geftattete) Buch eindringlich empfohlen. y

Reue Lyrik: Anthologie 29 jun­ger Autoren. Zweite Veröffentlichung des Selbstverlags junger Autoren im Joachim-Gold» stein-Derlag, Berlin 1930. (549.) linier den zahlreichen Bemühungen, die Arbeiten junger unb noch unbekannter Autoren an bie Oejfentlichkeit zu bringen, ist biefc Anthologie wegen ihrer Ar­beitsmethode bemerkenswert, die im Vorwort er­läutert wirb. Dur Sammelbände erscheinen: die Druckkosten werden zu gleichen Teilen auf die Autoren um gelegt Verkaufspreis pro Band nicht über 2 50 Mk. Das Autorenhonorar ist für alle Mitarbeiter gleich. Einen Teil ber Auflage läßt man aber honorarfret um qualitätvollen Arbei­ten unbemittelter Autoren bie Aufnahme zu er­möglichen. Die Bände erscheinen in zwangloser Folge: als erster Band der Veröffentlichungen des Selbstverlages kam ein Band .Reue Prosa" mit 9 Dovellen junger Autoren heraus. Die vor­liegende Veröffentlichung will ausdrücklich als Versuch gewertet werden: man muß die Entwick­lung biefer jungen Leute abwarten: von den hier gebrückten Gedichten ist kaum eines so reif oder über dem Durchschnitt stehend, daß man diesen ober jenen Autor durch D amens nennung hervor- heben könnte.

Politik und Geschichte

Einen der großen Dolkstribunen der französi­schen Oteooluiion greift Hermann Wendel heraus für seine Biographie .Danton" (23er- lag Ernst Rohwolt, Berlin W 50 550). Danton ist gewiß einer der menfchiich sympathischsten und politisch weitblickendsten QHänner ber großen Re­volution gewesen. Man hätte deshalb auch seiner Bedeutung voll gerecht werden können, oh..e poli­tische Tendenzen der Gegenwart überall zwischen den Zeilen durchblicken z^ lassen Dieser Gesich.s- winkel des 23er, affer8 be.intruchtigt den Wert des Buches und den Genuß seiner Lektüre, nicht minder der Stil, der gelcgcnUid) wie eine fch.echte Heber- setzung a.imutct. Ausgezeichnet ist die Schilderung des letzten Aktes ber LeoenStragödie Danlvns, des Prozesses, den Robespierre sei. e.n Feinde unb Konkurrenten um bie Dolksgunst bereitete. Diese letzten außerordentlich fpan.enden und plastisch gesehenen Kapitel erinnern an daS, waS wir so­eben selbst in Rußland erleben.

Schlange-Schöningen: Führer unb Völker. Clernenceau, Llohb George, Wilson, Dikoiai Rikolajewi.sch. bas Vermächtnis des Freiherrn vom Stein. Verlag Paul Parey, Berlin SW 11. Preis 6.50 Mk. (649.) - In kurzen historischen Durchbucken das Frankreich des toerbenben Elemenceau, das Rußland ber Romanow, Englands innere Kämpfe um Ober­haus unb Sozialgesetzgebung usw. entwickelt der Verfasser die inneren unb äußeren europäi­schen Wandlungen ber letzten VorkeiegLjahrzehnte. Männer formen bie Schicksale der Völker. 21ber Systeme formen bie Männer, die in entscheiden­den Augenblicken oft aus ben Tiefen bes Volkes steigen Systeme tragen sie an ihren Platz ober lassen sie im Dunkeln unb zerbrechen selber an der eigenen Erstarrung. So sind denn auch bie vier Kapitel über bie feinblichen Führer unb Staatsmänner Elemenceau, Lloyb George, Wilson unb Dikoiai Rikolajewi.sch nicht als End­zweck gedacht, sie steigern sich vielmehr zum deutschen Schlußkapitel, das um den Freiherrn vom Stein gruppiert bie praktischen Folge­rungen für die deutsche Politik ber Gegenwart unb Zukunft zieht: Enblich bas Versäumnis ber Zeit zwischen Freiheitskrieg unb Bismarck nach­zuholen unb auch in Deutschland) im Sinne Steins das bewußte Staatsvoll zu schassen, mag bie Staatsform babei heißen, wie sie will. Das Etaatsvoll, bem es oberstes Gesetz ist, über bie persönlichen Interessen bes einzelnen baS Inter­esse des Staates zu stellen, bie Dotwendigkeiten seiner Politik zu erkennen unb zu erfüllen, unb babei innerlich freie Männer herauszubilden, bie über alle Dogmen ber Vergangenheit unb über alle Parteischranken unb Berranntheiten ber Gegenwart hinweg nur einen Lebenskampf kennen: Rettung unb Zullmft ber Ration!

Dr. h. c. Alfreb v. Wegerer: Wie es zum Großen Kriege kam. Vorgeschichte bes Weltkrieges. Reclams Universal-Dibliothek Dr. 7101. Gebunden 80 Pf. (658) Der Leiter der Zentralstelle für Erforschung der Kriegs-

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ur'achen gibt hier das Wesentlichste aus der Ge­schichte von 18711914, soweit die Ereignisse auf die Entstehung des Weltkriegs von Einguß wa­ren. D.e Veröffentlichung gibt auch bem Un­bemittelten bie Möglichkeit, sich an Hand bet Schrift barüber zu unterrichten:Wie es zum Welteriege kam". Durch seine objektive Darstel­lung ber historischen Wahrheit erfüllt bas Büch­lein eine wichtige Mission für bas Inlanb unb für bas Auslanb.

Hitler, Eine deutsche Bewegung von E. CzechIochberg. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i. O. Preis: Leinenband 3,90 VJlt. (629.) Zn diesem Buch wird von einem Gefolgsmann Hitlers das Werben Hitlers und der nationalsozia­listischen Bewegung vomFähnlein ber sieben Aufrechten" an bis zum überschwemmenden Erfolg in ben letzten Reichstagswahlen bargestellt. Die na­tionalsozialistische Bewegung ist zu jung, um sie schon in dem objektiven Blickpunkt einer zünftigen Geschichtsauffassung zu meistern. Dies Hitlerbuch verteilt nicht sanft Lob und Tadel. Entstanden aus bem Strom der Bewegung zeigt es bas Lächeln der Liebe unb die Zähne des Haffes. Man darf es dem Verlage Gerhard Stalling, der uns im Rahmen feiner zeit- und zu unftsgefchichtlichen Werke Bü­cher wie BeumelburgsSperrfeuer um Deutsch­land" und VolkmannsRevolution über Deutsch­land" gebracht hat, Zanken, daß er sich, selbst frei von arteipolitischer Bindung, zur Herausgabe dieses neuen aktuellen Buche« entschlossen hat.

atastrophe 19 4 0 von K. L. Kossak- Ray an 23erlag G. Stalling, Oldenburg t O., Preis Leinen 6,50 2T.t (313). Als spannender Zukuns.sroman, ber b:n Leser bis zur le te.i Zeile n:ch. zur Besinnung kvnmen läßt, z ig. bas Werk, wie urch Amerikas ungeheures Ka ital uno dessen alles über pannenbes In ere se ein Keiner Funke den nächsten Weltbrand enternde!. Hierbei spiel, bie Devölkerungspolitik Japans und nicht minder das Rassenvroblem des ganzen fernen Ostens eine entscheidende Rolle. Wir sehen, wie die deutsche Kriegsentschädigungskrise, bie schon heute begonnen, sich während des nächsten Jahr­zehntes ge'ehmäßig mit all den schon jetzt akut ge­wordenen Fragen ber Innen- und Außenpolitik Weiterenttoidelt hat. Siete Krise bildet auch im alten Europa den Zündstoff für neue k iegeri'che Creignisje, bie burch bie unüberbrückbaren politi­schen Gegen ätze zwischen Frankreich und dem fa­schistischen Italien ben ersten ernsten Anstoß er­hallen Wie nun auf deutscher Seite ein neues Rußland, das inzwischen verjüngt aus der Asche des alten empvrgestiegen ist, eingreiit; welch? Rolle hierbei Polen, bte Kleine Entente und das übrige neu träte Europa spielen und wie vor al en Dingen England durch feine gärenden Kolonien zur Ohnmacht veru.teilt, Deutschland aber von einem neuen Führer, ber nicht nur Mut, sondern auch Größe besitzt, in die politische und w.r.schaft- lidte Freiheit geführt wird, das ist das fesselnde Zukunftsbild dieses Buches.

Zur Literaturgeschichte.

Die Soziologie ber literarischen Geschmacksbildung. Von Pros. Dr. L. L. E ch ü ck i n g. 2., erweiterte 21uflagc. (IV und 119 Ö.) Geb. 5,60 Mark. Verlag von D. G. Teubner in Leipzig unb Berlin, 1931. (657) Die Geschichte ber Literatur, bie Geschichte der Kunst überhaupt, hat bisher fast ausschließlich ihre Ausgabe in ber Beschäftigung mit bem Kunstwerk unb bem Künstler gesehen Die Frage ber Entwicklung des KunstgeichmackS beim Pu­blikum, fein2Bie unb .Warum" ist noch kaum emft gestreift worden. Daher ist das vorliegende Buch, das in neuer unb anregender Weise diese Probleme erörtert, von besonderem Interesse für jeden ßitcraturfreunb. Das Material, an dem die typischen soziolog sll.en Erscheinungen aufgc- toicsen werden, erstreckt sich über bie ganze neuere Literaturgeschichte bs in bie Gegenwart hinein.

Herbert Jhering: Die getarnte Reaktion. 45 Seiten 8°. Kart. 1,80 Mk. Ernst Rowohlt 23erlag, Berlin (542.) Die fultur- politischr Broschüre Jhcrings, ber zu den einfluß­reich sten 25erlincr Theaterkrillkern gehört, ver­einigt eine Anzahl von knappen und entschieden lesenswerten Auseinandersetzungen mit a.tucHen Problemen des geistigen Lebens unserer Gegen­wart: wir nennen besonders die Kapitel »Pole­mik". .Bruckner", .Die Rotterwelt" .Hermann Kesten",25 Reinhardtsahre" undDie neue Illusion".

Von Kairo nach Bagdad und Stambul, von Professor Dr. Konrad G u e n t h e r (Karl May, Verlag, Radebeul b. Dresden, mit 32 Bildern 655). Karl May ist zu Unrecht viel verspottet unb gelästert worden. Seine Bedeutung als Volks- unb Jugendschriftsteller, dessen große Erzählergabe unb dessen geographi­sches Wissen noch nach Jahrzehnten allen deut­schen Jungen zum ersten Male bie fremde Welt des Orients ober Amerikas erschließen wirb, ist heute längst unumstritten So wird auch dies Bändchen Reiseskizzen das lebhafte Interesse der großen Karl-May-Gemeinde finden. Skizzen die ber Freiburger Llniversitätsprofefsor Winter auf ben Spuren Karl Mays im Orient gesammelt und mit interessanten Bildern illustriert hat. 23on Wanderungen auf Karl Mays Spuren durch Dordamerika berichtet auch Franz Kandols In einem ebenfalls im Karl-May-Verlag erschiene­nen Büchlein:Die finsteren und bluti­gen Gründe ein st und jetz t." Es sind Briefe an den Derlagsteiter, spannend und inter­essant unb sehr hübsch illustriert. Schließlich sei eine Biographie Karl MayS angeführt, bie Otto Forft-Dattaglia (im 2lmal* thea-Verlag Wien IV. Preis gebunden 5 Mk. 648) herausgegeben hat. Er gibt die tragische Le- benSaeschichte des Dichters unb eine Kritik seine- Werkes, bie dem fo viel Angefeinbeten vollauf gerecht wird.

Philosophie, Theologie, ZNediztn.

Philosophisches Wörterbuch. Don Studienrat Dr. P. Thormcyer. 4., Derb, unb erw. Auflage. Gebunden 6 Mark. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. (619.) Die 4. Auslage biefes Buches ist ein Beweis für feine Brauchbarkeit als Hilfsmittel bei ber Einführung in bie Philosophie unb beim Lesen philosophischer Schriften. Es ent­hält nicht nur fachliche, sprachliche unb geschichtliche Erklärung aller wichtigen philosophischen Fachaus- brücke, sondern auch eine Darstellung ber Haupt» lehren von mehr als hunbert Philosophen.

RomainRolland: 23 io e I ana nba IL Ramakrishnas unb Vivekananbas universale- Evangelium. 6,40 Mk. Rotapsel-Verlag, Leipzig. (613.) Während 2tollanb in ben ersten zwei Bänden dieser Reihe die beiden ungewöhnlichen Lebensläufe des Ramakrishna und des Dive- fananba erzählt, erläutert er int letzten Bande sein Evangelium, jenes Gebäude religiösen, philo­sophischen, ethischen unb sozialen Denkens, bai, in fernen Jahrhunderten indischer Vorzeit be­gründet, sich nun der Menschheit von heute auftut In einem Anhänge geht er ber WesenS- verwandtschaft nach, bie zwischen dieser orienta­lischen Mystik und jener anderen besteht, auf bet unsere ganze abendländische Religiosität ruht, besonders in den ersten christlichen Jahrhunderten, im Werke jenes Pseudo-Dionysius, ber Aero- pagiten. Endlich zeigt sein Buch, wie Dive- kanandas Geist zum Erwachen deS indischen Rationalbewußtseins beigetragen Hal und zur älnabhängigkeitsbetoegung, bereit neueste Rich­tung durch Gandhi bestimmt ist.

Adolf von Harnack: AuS der Werkstatt des Vollendeten. 2lls 2£b- schluß ferner Reden unb Aufsätze. raue;gegeben von Axel v. Harnack. Mit zwei Dilbniffen Geh. 8,50, geb. 11 Mart Alfreb Töpelmann 23erlag, Gießen. (556) Als Denker, Forscher unb Leh­rer, als The'löge unb Prebiger, als Organisator ber Wissenschaft unb als Kämpfer für sozialen: Fortschritt tritt Adolf v. Harnack in dem vorlie­genden Bande2ie&en unb Aussätze" der großen Schar seiner Freunde unb Verehrer entgegen. 41 Stücke hat sein jüngerer Sohn aus seinen, für bie gebildete Allgemeinheit bestimmten Heineren Arbeiten namentlich ber letzten sieben Jahre aus- gewählt und damit ben 6 bisher erschienenen Dän- ben einen Abschluß hinzugesügt. Reben Altem fin- bet ber Leser ilngebrudteä. Da Harnack Feine Lebenserinnerungen hinterlassen hat, gewinnen bie hier ge'am mellen Arbeiten bef^nbere Be­deutung. Ein systematisches Inhaltsverzeichnis der sieben 23änbe ermöglicht einen umfassenden Lieberblick über Harnacks literarische Produktion. Dem Gewicht seines Wortes und dem 2keiz seines Stils wird sich kein Leser entziehen tonnen, und manchen wird es locken, auch nach ben älteren Bänden zu greifen. Zwei Bildnisse aus verschie- benen Lebensepochen erhöhen ben Wert des sorg­fältig ausgestatteten Werkes.

Das Wunder in der Heilkunde. Bon Dr. mea. Erwin Liek, Danzig. Preis geh. 3.60 Mk., Lwd. 5 Mk. 2. F. Lehmanns 23erlag, München (618.) Von ben Wunderheilungen der Bibel über bie Priester unb Medizinmänner aller Zeiten bis zu den modernen Wundermän- nem und Wunderärzten, finden wir immer wie­der Heilungen, bie sich mechanisch nicht erklären lassen. Diesen Heilungen geht Dr. Envin Stet