>u geben. Lediglich einige
des Vollständigen z kleinere Bauplätze li
regen noch brach, für die
Aue der Provinzialhauptstadt
Sieben, den 17. Rovember 1930.
Provinzialausschuß Sitzung.
r^J Künstliche Augen fertigen n.<j. Natur u. passen ein RAd. Müller Söhne Wiesoaden Ib Gießen: Universitäts-Augenklinik, Friedrichstraße, vom 20. bis zum 22. November 1930. TG6V
3n der am Samstag im RegierungSgebäude zu Stehen unter dem Vorsitz des Provmzialdirek- torS G r a e f stattgehabten öffentlichen P r o - vinzlalausschuhsitzung handelt
wurde Der*
Bornotizerr.
— lagcsfalenbcr f ü r Montag Stabt- Iheatcr: „itabalc und Liebe". 15.45 bis 18.30 Uhr. — Deutsche Bolkspartei: Vortrag über „Die Viehhof- frage", 20.15 Uhr, im „Hindenburg". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Lindenwirtin" (mit Käthe Dorsch). — Astoria-Lichtspiele: „Das wilde Blut" und „Mascottchen".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Da bei der letzten Operettenvorstellung ,.DaS Land des Lächelns" eine ganze Reihe Besucher abgewiesen werden muhte, hat die Intendanz sich entschlossen, durch daS Bochum-Hamborner Operettentheater nochmals die bekannte Schlageroperette „DaS Land des Lächelns" von Franz Lehar zur Ausführung zu bringen. Es ist die letzte Wiederholung Int Abonnement.
— Volkshochschule. Man schreibt uns: Der Kurs „Staatsbürgerkunde" muh wegen Verhinderung von Oberregierungsrat Ritzel für die Zeit vor Weihnachten auSfallen und kann demnach erst nach Reujahr fortgesetzt werden. Siehe heutige Anzeige.
— Der Deutsche Sprachverein ner- anstaltet am Mittwoch einen Vortragsabend. Prof. Dr. Alfred Götze spricht über „Die deutschen Familiennamen". RähereS siehe Anzeige in der SamStagnummer.
Steinpaläste in USA-, Jo wird man ohne biet Mühe fest stellen können, daß der deutsche Architekt seinen Kollegen über dem groben Teich in mancher Hinsicht ein Bedeutendes voraus ist.
Sem städtischen Hochbauamt, insbesondere Etadtbaurat Grav « rt, gebührt für die Bemühung um diese Ausstellung die Anerkennung aller, bie für neue Architektur Interesse erübrigen können.
jedoch bereits Bebauungspläne vorliegen. Empfehlenswert erscheint es aber, diese Bauplätze, die wesentlich tiefer liegen als die Straße, zur Vermeidung von Anglücksfällen mit Bauzäunen abzuschlieben.
** Wochenmarktverlegung. Wegen der Jnstallationsarbeiten für Gas-, Wasser- und Elektrizi- tätsanschlüsse des neuen Marktlaubengeländes wird der Dienstagswochenmarkt, der bisher in der Marktlaubenstraße abgehalten wurde, nach dem Lindenplatz verlegt. Der Verkauf in den Marktlauben selbst wird davon nicht berührt.
** Fahrlässige Körperverletzu ng. Gestern abend rempelten sich zwei junge Leute von hier, die sich von der Fortbildungsschule her kennen, in anscheinend zunächst scherzhafter Weise, bann aber doch in ernsterer Form an. 3m Verlause der Auseinandersetzung zog plötzlich der eine junge Mann eine sog. Scheintod- Pistole und gab daraus einen Schuß lBetäubungsschub) ab, der den anderen Jüngling im Gesicht traf. Der bedauernswerte junge Mensch wurde dadurch an den Augen erheblich verletzt und muhte sich in ärztliche Behandlung begeben. Die Personalien des Täters sind der Polizei bekannt.
** Straßensperre. Das Polizeiamt teilt mit: Wegen Erneuerung der Fahrbahn in der Markt- tauben ft raße wird diese von Montag, 17. November, ab auf drei Wochen für den Verkehr mit Fahrzeugen aller Art gesperrt.
" Kreisamtspersonalie. Der Derwal- tungsoberlnspektor Johannes Hach beim Kreis- amt Alsfeld wird ab 1. Dezember wegen Erreichens der Altersgrenze in den Ruhestand versetzt.
"DuttergebackeneS. DaS Polizeiamt teilt mit: Unter der Bezeichnung „Duttergebäck" darf nur solches Gebäck in den Verkehr gebracht werden, welch.s nicht unter Verwendung von Margarine, Schweineschmalz ober sonstigem Richt- bulterfett hergestellt ist.
** Di e Wilhelm st raße nahezu auS- gebaut. Die Wilhelmstraße hat durch die Bautätigkeit der Wohnungsbaugesellschaften eine wesentliche Vervollständigung erfahren. So wurde an der Ecke Wilhelmstraße und Aulweg von der Wohnungsbaugenossenschaft ein Wohnhaus mit drei Stockwerken von je sechs Zimmern fertig- gestellt, das zum Teil schon bezogen ist. Außerdem konnte das durch die Siedlungsgesellschaft der Post- und Eisenbahnbeamten vor Jahresfrist begonnene Mehrfamilienwohnhaus kürzlich ebenfalls bezogen werden. Weiter hat die Baugenossenschaft 1894 an einer kleinen Seitenstraße zwischen der Wilhelmstraße und dem Gelände der ehemaligen Aktienbrauerei ein Doppelwohnhaus errichtet, das seiner Vollendung entgegengeht. Die Reubauten, die sich sehr gut den bereits bestehenden Wohnungsbauten anpassen, tragen dazu bei, der Wilhelmstrabe den Charakter
Ängdkuische Siaalsgedanken und Ziele
Eine 2Rebc des Hochmeisters Mahraun in Gießen.
Der Iungdeutfche Orden und di« V o l k s n a t i o n a l« R e i ch s v e r e i n i g u n g im Wahlkreis Hesten veranstalteten gestern nachmittag in der Turnhalle am OSwaldsgarten ein« öffentliche Kundgebung, die von Mitbürgern aller Schichten in Stadt und Land überfüllt war. Rach dem feierlichen Einbringen zahlreicher jungdeutscher Banner von Bruderschaften aus allen Teilen OberhessenS und kurzen Einführungsworten des Grvßkomturs der Grob" Dallei Hessen-Rassau und Waldeck, Hauptmann a. D. S tötzner. Arolsen, der u. a. auf die feste Stellung des 3ungdeutschen OrdenS in Hessen hinwies, sprach
Artur Mahraun,
der Hochmeister des Iungdeutschen Ordens und Reichsführer der Dolksnationalen Reichsvereinigung, von der großen Versammlung mit lebhaftem Beifall begrüßt. Er wieS zunächst auf die große Arbeitslosigkeit und die schlimme WirtschastSnot hin, bedauerte die schwere seelische Rot, unter der heute infolge der sorgenvollen Zeit viele zu leiden haben und erklärte mit diesen Erscheinungen, aber auch mit den Zahlreichen Bet rugS- und K o r- ruptionSsällen das politische Ergebnis vom 14. September, den Schrei zum Kampf gegen das System, den Schrei nach Erneuerung. Der Redner wandte sich dann gegen daS Treiben land- sremder Elemente in dem letzten 3ahrzehnt, erinnerte hieraus u. a. an di« Zelt der Revolution mit ihrer Diktatur und an daS Entstehen der neuen Front zur Abwehr der Wogen des Bolschewismus. Idealismus war damals das erste Streben der neuen Front, alles galt dem Kampf gegen den Marxismus, gegen die Hetzer mitten im Volke. Aber Fehler auf Fehler seien bann gemacht worden, man habe den Idealismus immer stärker in den Hintergrund gedrängt, und heute befinde sich
der Idealismus als Grundlage der innerpoli- tischen willensdildung in einer schweren Krise.
Mit Entschiedenheit wandte sich der Redner dann gegen den Terror, der heute im politischen Kampfe vielfach ausgeübt werde, ebenso nachdrücklich lehnte er eine politische Betätigung ab, die nur auf Agitation eingestellt sei um die Macht zu erlangen. Er rief energisch zum Kampf gegen den Bolschewismus auf, der jetzt mit dem Mittel der Anterwühlung der abendländischen Staaten arbeite und nur die brutale Gewalt, die Ausschaltung von Recht und Gesetz als oberstes Ideal kenne. Diesen negativen Bestrebungen stellte er den Grundsatz des Frei- Herrn vom Stein von der Zusammen- gehörigkeitvonVolkundStaat gegenüber. Ein Voll, das seinen Staat nicht liebe, könne niemals die Freiheit wiedergewinnen. Eine solche nationale Einheit lasse sich aber nur auf Ideen gründen, nicht auf Beschlüsse. Der Redner legte dann die Wege und das Wollen der jungdeutschen Bewegung bar.
Das große Fronterlebnis im Kriege fei die Grundlage des jungdeulschen handelns. Die echte und treue Frontkameradfchafl solle als hohes Ethos In den neuen Staat hineingetragen werden. Auf dem Ethos der bündlfchen Idee, auf der Grundlage der Brüderschaft, die nur der Gesamtheit dienen und sich über alle Unterschiede hinweg die Hand reichen wolle, sei der neue
Staat auszugestalten.
Mahraun forderte dann volle staatsbürgerliche Pflichterfüllung und erllärte, bah damit dem Volke mehr genützt werde, als mit vielen lauten und negativen Reden. Cr wandte sich in diesem Zusammenhänge gegen die Demagogie, mit der nur politische Geschäfte gemacht würden, und verurteilte entschieden die Lüge und Ehrabschneiderei im heutigen politischen Kampfe. Er forderte ein Gesetz
Spiclplan der Frankfurter Theater.
Opernhaus. Dienstag, 18. Rov., 19.30 bis nach 22 Ahr: Der Barbier von Sevilla. Mittwoch, 19., 18 bis nach 22.30: Lohengrin. Donnerstag, 20., 19.30 bis nach 22: Turandot. Freitag, 21., 19.30 bis 22.30: Die Fledermaus. Samstag, 22., 19.30 bis nach 22.30: Zar und Zimmermann. Sonntag, 23., 14.30 bis nach 17: Geschlossene Vorstellung für Erwerbslose: Der Freischütz. 19 bis gegen 22.30 Aida. Montag, 24., 19.30 bis nach 22: Das Land des Lächelns.
Schauspielhaus. Dienstag, 18., 20 bis 22.30 Uhr: Uriel Acosta. Mittwoch, 19., 20 bis nach 22: Der Mann, den sein Gewissen trieb. Donnerstag, 20., 20 bis nach 22.30: Wie werde ich reich und glücklich. Freitag, 21., 19.30 bis gegen 23: Geschichte Gottfrieden- von Derlichin- gen mit der eisernen Hand. Samstag, 22., 20 bis 22; Sturm im Wasserglas. Sonntag, 23.. 16 bis gegen 18: Wiederaufnahme beantragt 20 bis nach 22: Der Mann, den fein Gewissen trieb. Montag, 24., 20 bis 22: Sturm im Wasserglas.
Dieser Protest der Studentenschaft findet leider seine Begründung in zahlreichen Zusammenstöhen, die sich in letzter Zeit nächtlicherweile in zunehmendem Mähe bemerkbar gemacht haben. Ohne für irgendeine Seite hier Partei ergreifen zu wollen, muh doch feftgeftcllt werden, daß der Anlaß zu den bisherigen Schlägereien meist von solchen jungen Leuten ausging, die nicht zur Studentenschaft gehören, sondern sich anscheinend einen Sport daraus machen, meist nachts, aber auch am Tage, Studierende und andere junge Leute anzupöbeln und bann, wenn diese sich die Belästigung verbitten, mit Brachialgewalt übet sie herzufallen. So ereignete sich erst in der Rächt zum gestrigen Sonntag wieder ein derartiger Borfall in der Walltorstrahe. wo einige junge Studenten und Ruderer, die harmlos und friedlich nach Hause gingen, von Rowdies angefallen und mißhandelt wurden, wobei ein junger Ruderer sogar stark blutende Wunden erlitt. Auch in der Rähe von Gastwirtschaften und Kaffee- Häusern sind derartige Vorfälle in der letzten Zeit mehrfach zu verzeichnen gewesen. Ferner ist uns zur Kenntnis gekommen, daß junge Leute sich begründetermahen von anderen jugendlichen Elementen verfolgt fühlen, ein derartiger Fall ist sogar der Polizei offiziell zur Anzeige gebracht worden. Es wäre zu begrüßen, wenn alle älteren und ruhig denkenden Leute die radikale und über- schaumende Jugend zur Vernunft und Ordnung anhalten würden, darüber hinaus aber öle Polizeibehörde ihren Außendienst namentlich in den Nachtstunden verstärken und die nach der bisherigen Erfahrung bekannten Brennpunkte solcher Zusammenstöße ausreichend mit Beamten besehen würde. Die Wahrung des guten Rufes unserer Stadt als eines friedlichen Gemeinwesens muh schon eine besondere moralische Anstrengung aller vernünfti- gen Bürger und umfassende behördliche Maßnahmen wert sein.
Taten für Dienstag, 18. November.
Sonnenaufgang: 7.21 Uhr, Sonnenuntergang: 16.03 Ahr. — Mondaufgang: 4.47 Ahr, Monduntergang: 15.04 Ahr.
1836: der Mediziner Cesare Lombroso in Verona geboren. — 1863: der Dichter Richard Dehmel in Wendisch-Hermsdorf geboren.
Baukunst Ausstellung: Fritz Höger.
Reben Professor Hans Poelzig ist un- zweiselhaft der Hamburger Architekt Fritz Höger der maßgeblichste Exponent der modernen deutschen Daukultur. Den Beweis seiner außerordentlichen Ste.--.ng tritt die Ausstellung an, die augenblicklich durch die Vermittlung des städtischen Hochbauamtes im „Einhorn" gezeigt wird.
In Form von Modellen, Modellphotographien, Aufnahmen der erstellten Bauten, Schauzeich- nungen, Grund- und Aufrihplänen gewinnen wir einen tiefen Einblick in sein schaffen. Was dabei dem Beschauer zuerst auffällt, ist eine universell Vielfalt der Formen: stets verschiedene, aber doch jeweils in sich harmonische Proportionen, kennzeichnen die einzelnen Bauten. Zugleich überrascht allenthalben die Kühnheit der Gestaltung, die zum Teil visionär aus den Zeichnungen spricht, andererseits, besonders in den Plänen für die Charlottenburger Kirche, mystischen Charakter trägt. Das schließt nicht aus, daß der Künstler in den Industriebauten eine sehr glückliche Mitte zwischen äußerer Schönheit und zweckentsprechender Grundform findet. Typische Beispiele dafür sind das Chile-Haus, der Sprinkenhof, das Scherckhaus, das Hochhaus des Hannoverschen Anzeigers, Bauten, denen die architektonische Vollkommenheit kaum abzusprechen ist. Das Verwaltungsgebäude der 3.-G.»Farben, in Frankfurt a. M., das nach den Plänen des glücklicheren großen Kollegen Prof. P o e l - z i g erbaut wurde, wurde auch von Hoger entworfen. Das Modell und die Zeichnungen, die die Ausstellung davon bringt, klingen in Einzelheiten überraschend an Poelzigs Entwurf an und unterscheiden sich andrerseits wesentlich dadurch, daß Höger einen Teil des Verwaltungsgebäudes als Hochhaus projektiert, der den übrigen Kom
plex dominierend überragt. Das Ganze aber ist eine nicht weniger reife Arbeit, als die des Berliner Architekten.
Ebenso dankbar wie die Betrachtung der großen Form ist das Sich-vertiefen in Einzelheiten. Es ist außerordentlich interessant, schon allein die Bearbeitung der Fassaden zu studieren. Dabei fällt in erster Linie auf, daß keinerlei Verputz, sondern stets der Backstein, und zwar der inzwischen sehr bekanntgewordene und auch von anderen Architekten viel verwandte Klinkerbackstein zugleich mit Werkmaterial auch Fassadenmaterial darstellt. Durch Aeber-Eck-Stellung. durch Verdrehung des Steines in wohlberechneter Wechselseitigkeit erreicht der Baumeister eine ornamentale und dekorative Wirkung von geradezu sinnverwirrender Pracht, ohne dabei 'jedoch die Gesamtwirkung aus dem Auge zu verlieren, die durch starke vertikale Gliederung immer wieder zur Klarheit geführt wird. Die Individualität und die eigenpersönliche Rote festzustellen, HA man Gelegenheit in den völlig aus Backsteinen hergestellten Tierplastiken (die Löwen am Rüstrin- ger Rathaus, der Bär am Haupteingang des Berliner Zoos, der Elefant inModettphotograPhie wiedergegeben): weiter in dem Spiel dynamischer Kräfte einiger Treppenhäuser, in der großen Linie, die die Entwürfe einiger Interieurs wieder- spiegeln.
Rebenbei sei bemerkt, daß die Bauten auf das denkbar geschickteste photographiert und die Mo- delle auf das sorgfältigste ausgeführt worden sind. Das Porträt des Architekten sei der besonderen Aufmerksamkeit empfohlen.
Die Ausstellung in ihrer Gesamtheit ist der Spiegel eine« bewußt künstlerischen Schaffens, zugleich ein Vorbote für hoffnungsvolle Entwicklung und — vielleicht ein Ansatz für den Stil des 20. Jahrhunderts, der sich zweifellos nur in der Verbindung von formaler Schönheit und zweckbetonter Gestaltung vollenden kann. Erinnert man sich angesichts dieser Schöpfungen der Wol- kenkratzer Amerikas, der vielen, nur konstruierten
Schöne weiße Zähne: Chlorodont Ä
zum Schuhe der persönlichen Ehr«, das alle biejenigen, die im politischen Kampfe mit dem Mittel Der Lüge und Verleumdung arbeiten, streng bestrafe. Mit der Beseitigung der Lüge im ösfentlichen Leben müsse die Erneuerung unseres Volkstums begonnen werden. Die jungdeutsche und volksnationale Bewegung kämpfe auf der Grundlage des Jung- deutschen Manifestes für eine Systemänderung im Aufbau des ganzen Staates. Im Sinne des Frhr. vom Stein forderten sie:
Volk und Slaaf müssen eine seins
Ein Staat könne nur leben, wenn er von der ganzen Lieb« seiner Jugend getragen werde. Den heutigen Regierungen, besonders aber der preußischen Regierung, sage er: Ihr werdet niemals diese Opposition unterdrücken, wenn ihr euch nicht klar darüber seid, daß die ganze Ration sich nach etwas Reuem sehnt. Sie sehnt sich nicht nach Radau, sondern danach, ihre idealistische Kraft zum Besten des Dolksganzen sich aus wirken zu lassen. DaS ist nur möglich bei einer völligen staatlichen Erneuerung. Rach einer kurzen Polemik gegen den Radikalismus der Rationalsozialisten hoo der Redner hervor, daß seine Bewegung eine lebendige Staatsbürgerorganisation auf der Grundlage des positiven AktivrSmus aller Kräfte erstrebe und die Deutsche Republik zu einem wahren Volksstaat fortentwickeln wolle, um dadurch ein Chaos zu vermeiden, das nur im Bolschewismus enden könne. Rachdem man den Iungdeutschen und Volksnationalen in der Deutschen Staatspartei nicht die Möglichkeit gegeben habe, eine lebendige Staatsbürgerbewegung zu schaffen, hätten sie die Partei betlaffen.
Sie seien bereit, jeder Partei und Parteikonstellation im Kampfe zu Helsen, wenn diese gewährleiste, daß sich im Lande ein freies Slaatsbürgerlum organisiere und in lebendiger Selbstverwaltung den Unterbau dieser Staats- bürgerberoegung bilde.
Dann würden die Schäden des heutigen Partei- wesenS unmöglich werden. Der Redner lehnte weiter alle Bestrebungen a b, d'.e die deutsche Frage durch die Diktatur lösen wollten. D i e Diktatur fei keine Staatsform für uns Deutsche. Er forderte auf zu entschiedener Propaganda für die Schaffung einer wahrhaft nationalen Selbstverwaltung, verbunden mit verantwortungsbewußtem und starkem Führergedanken. Weiter wies der Redner in kurzer Zusammenfassung die Vorwürfe anderer Bünde gegen den Iungdeutschen Orden zurück, insbesondere die vom Stahlhelm, dessen Auszeichnung Mussolinis durch die Heber» reichung des Stahlhelm-Abzeichens er kritisierte, und in diesem Zusammenhänge lehnte er ein deutsch-italienisches Bündnis entschieden ab. Eine solche Dummheit wie vor dem Kriege dürften wir nicht noch einmal machen! Sodann polemisierte der Redner kurz gegen H i t- l e r, wobei er gewisse Widersprüche in der Stellungnahme Hitlers zur Iudensrage und gegenüber Frankreich beleuchtete.
Lr forderte bann eine gründliche Revision des Diktats von Versailles und die Wiederherstellung der deutschen politischen Macht und der deutschen
Wehrmacht durch diese Revision.
Unerläßliche Vorbedingung für eine erfolgreiche Außenpolitik in diesem Sinne sei aber die innere Erstarkung. Diese komme aber nicht durch eine Diktatur, sondern nur durch die höchste Entfaltung aller nationalen Kräfte im positiven Aktivismus. Zu dieser Mitarbeit rufe er alle Deutschen auf. And jeder echte deutsche Mann solle dabei Freund und Bruder heißen! (Langanhaltender stürmischer Beifall.)
Mit dem Gesang des jungdeutschen Ordensliedes fand bie Versammlung ihren Abschluß.
die Beschwerde des Willi Winkler in Friedberg gegen den Beschluß des KreisamtS Friedberg vom 20. März 1930, wegen Heranziehung zu den Mitgliedsbeiträgen der Schlosser- und Lchmiede-ZwangSinnung des Kreises Friedberg. Der Beschwerdeführer, der in Friedberg eine Kraftfahrzeugschule betreibt und außerdem die Ausführung von Reparaturen jeglicher Art, Verkäufe von Kraftfahrzeugen, Maschinen, Betriebsstoffen usw. übernimmt, begründete seine Beschwerde damit, daß der Reparaturbetrieb als ein unselbständiger Hilfsbetrieb deS Fahrschulbetriebs und des Automobilgeschäfts anzusehen sei. Die Automobilreparatur sei eine reine Montagearbeit: die Arbeiten der Reparaturwerkstätte seien nur Anbringungsarbeiten hinsichtlich der im Handelsbetrieb verkauften Ersatzteile. Aus diesem Grunde bestehe für Ibn keine Innungspflicht. Das Kreisamt Friedberg^ dagegen entschied durch Beschluß, daß gemäß" § 4 der Innungssatzung in Verbindung mit § 100 der Reichsgewerbeordnung der Beschwerdeführer als Inhaber einer Reparatur- Werkstätte der Schlosser- und Schmledezwangs- innung angehören müsse. Der Betrieb einer Autoreparaturwerkstätte sei als handwerks- mähiaer Betrieb anzusprechen, da aud> die Auto- schlosserei eine fachmännische Ausbildung als Autoschlosser vorauSsetze, obwohl eS sich auch nur um daS Einsetzen fabrikmäßig hergestellter Ersatzteile handele. Der Provinzialausschuß erkannte nach vorausgegangener mündlicher Verhandlung, in der der Vertreter deS Beschwerdeführers, sowie der Obmann der Schlosser- und SchmiedezwangSinnung gehört wurden, zu Recht, die Beschwerde als unbegründet zurückzuweisen und die Kosten des Verfahrens dem Beschwerdeführer zur Last zu setzen. Streitwert 500 Mk.
AIS weitere Punkte der Tagesordnung wurden verhandelt:
1. Die Klage des Bezirksfürsorgeverbandes der Stadt Offenbach a. M. gegen den Dezirksfürsorgeverband des Kreises Friedberg auf Ersatz von Anterstühungs- kosten für Karl Hirschhäuser aus Windecken.
2. Die Klage des Bezirksfürsorgeverbandes der Stadt Dortmund gegen den Bezirksfürsorgeverband des Kreises Lauteroach wegen Erstattung von Anterstühungskosten für Kaspar Füllgraf, früher wohnhaft in Lauterbach.
Der Provinzialausschuß erkannte durch Arteile zu Recht,
zu 1. der Klage stattzugeben unb den Beklagten zu verurteilen, an den Kläger 63,40 Mk. nebst 7 Prozent Zinsen seit 13. Mal 1930 zu zahlen. Die Kosten des Verfahrens wurden dem Beklagten zur Last gesetzt:
zu 2. der Klage insoweit stattzugeben, als der Beklagte verurteilt wird, an den Kläger die für die Zeit vom 9. bis 26. Mai 1928 aufgewendeten Kosten im Betrage von 26 Mk. zu zahlen. Die Kosten deS Verfahrens wurden dem Beklagten auferlegt.
Studentischer Protest an die Polizei.
Der Allgemeine Studentenausschuß der Universität Gießen teilt uns mit: In der letzten Kammersitzung der Gießener Studentenschaft wurde e t n st i m m i g der nachstehende Antrag angenommen:
„Die Studentenschaft der Universität Gießen erhebt schärf st en Protest gegen die in letzter Zeit sich mehrenden, fast täglichen UeberfälleaufKom- m i H t o n e n und ersucht die zuständige Polizeibehörde dringend um A d st e l l u n g des angeführten Mißstandes."


