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>u geben. Lediglich einige

des Vollständigen z kleinere Bauplätze li

regen noch brach, für die

Aue der Provinzialhauptstadt

Sieben, den 17. Rovember 1930.

Provinzialausschuß Sitzung.

r^J Künstliche Augen fertigen n.<j. Natur u. passen ein RAd. Müller Söhne Wiesoaden Ib Gießen: Universitäts-Augenklinik, Friedrichstraße, vom 20. bis zum 22. November 1930. TG6V

3n der am Samstag im RegierungSgebäude zu Stehen unter dem Vorsitz des Provmzialdirek- torS G r a e f stattgehabten öffentlichen P r o - vinzlalausschuhsitzung handelt

wurde Der*

Bornotizerr.

lagcsfalenbcr f ü r Montag Stabt- Iheatcr:itabalc und Liebe". 15.45 bis 18.30 Uhr. Deutsche Bolkspartei: Vortrag überDie Viehhof- frage", 20.15 Uhr, imHindenburg". Lichtspiel­haus, Bahnhofstraße:Die Lindenwirtin" (mit Käthe Dorsch). Astoria-Lichtspiele:Das wilde Blut" undMascottchen".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Da bei der letzten Ope­rettenvorstellung ,.DaS Land des Lächelns" eine ganze Reihe Besucher abgewiesen werden muhte, hat die Intendanz sich entschlossen, durch daS Bochum-Hamborner Operettentheater nochmals die bekannte SchlageroperetteDaS Land des Lächelns" von Franz Lehar zur Ausführung zu bringen. Es ist die letzte Wiederholung Int Abonnement.

Volkshochschule. Man schreibt uns: Der KursStaatsbürgerkunde" muh wegen Ver­hinderung von Oberregierungsrat Ritzel für die Zeit vor Weihnachten auSfallen und kann demnach erst nach Reujahr fortgesetzt werden. Siehe heutige Anzeige.

Der Deutsche Sprachverein ner- anstaltet am Mittwoch einen Vortragsabend. Prof. Dr. Alfred Götze spricht überDie deut­schen Familiennamen". RähereS siehe Anzeige in der SamStagnummer.

Steinpaläste in USA-, Jo wird man ohne biet Mühe fest stellen können, daß der deutsche Architekt seinen Kollegen über dem groben Teich in man­cher Hinsicht ein Bedeutendes voraus ist.

Sem städtischen Hochbauamt, insbesondere Etadtbaurat Grav « rt, gebührt für die Be­mühung um diese Ausstellung die Anerkennung aller, bie für neue Architektur Interesse erübrigen können.

jedoch bereits Bebauungspläne vorliegen. Emp­fehlenswert erscheint es aber, diese Bauplätze, die wesentlich tiefer liegen als die Straße, zur Vermeidung von Anglücksfällen mit Bauzäunen abzuschlieben.

** Wochenmarktverlegung. Wegen der Jnstallationsarbeiten für Gas-, Wasser- und Elektrizi- tätsanschlüsse des neuen Marktlaubengeländes wird der Dienstagswochenmarkt, der bisher in der Markt­laubenstraße abgehalten wurde, nach dem Lindenplatz verlegt. Der Verkauf in den Marktlauben selbst wird davon nicht berührt.

** Fahrlässige Körperverletzu ng. Gestern abend rempelten sich zwei junge Leute von hier, die sich von der Fortbildungsschule her kennen, in anscheinend zunächst scherzhafter Weise, bann aber doch in ernsterer Form an. 3m Verlause der Auseinandersetzung zog plötz­lich der eine junge Mann eine sog. Scheintod- Pistole und gab daraus einen Schuß lBetäu­bungsschub) ab, der den anderen Jüngling im Gesicht traf. Der bedauernswerte junge Mensch wurde dadurch an den Augen erheblich verletzt und muhte sich in ärztliche Behandlung be­geben. Die Personalien des Täters sind der Polizei bekannt.

** Straßensperre. Das Polizeiamt teilt mit: Wegen Erneuerung der Fahrbahn in der Markt- tauben ft raße wird diese von Montag, 17. No­vember, ab auf drei Wochen für den Verkehr mit Fahrzeugen aller Art gesperrt.

" Kreisamtspersonalie. Der Derwal- tungsoberlnspektor Johannes Hach beim Kreis- amt Alsfeld wird ab 1. Dezember wegen Er­reichens der Altersgrenze in den Ruhestand versetzt.

"DuttergebackeneS. DaS Polizeiamt teilt mit: Unter der BezeichnungDuttergebäck" darf nur solches Gebäck in den Verkehr gebracht werden, welch.s nicht unter Verwendung von Margarine, Schweineschmalz ober sonstigem Richt- bulterfett hergestellt ist.

** Di e Wilhelm st raße nahezu auS- gebaut. Die Wilhelmstraße hat durch die Bau­tätigkeit der Wohnungsbaugesellschaften eine wesentliche Vervollständigung erfahren. So wurde an der Ecke Wilhelmstraße und Aulweg von der Wohnungsbaugenossenschaft ein Wohnhaus mit drei Stockwerken von je sechs Zimmern fertig- gestellt, das zum Teil schon bezogen ist. Außerdem konnte das durch die Siedlungsgesellschaft der Post- und Eisenbahnbeamten vor Jahresfrist begonnene Mehrfamilienwohnhaus kürzlich eben­falls bezogen werden. Weiter hat die Bauge­nossenschaft 1894 an einer kleinen Seitenstraße zwischen der Wilhelmstraße und dem Gelände der ehemaligen Aktienbrauerei ein Doppelwohn­haus errichtet, das seiner Vollendung entgegen­geht. Die Reubauten, die sich sehr gut den be­reits bestehenden Wohnungsbauten anpassen, tra­gen dazu bei, der Wilhelmstrabe den Charakter

Ängdkuische Siaalsgedanken und Ziele

Eine 2Rebc des Hochmeisters Mahraun in Gießen.

Der Iungdeutfche Orden und di« V o l k s n a t i o n a l« R e i ch s v e r e i n i g u n g im Wahlkreis Hesten veranstalteten gestern nach­mittag in der Turnhalle am OSwaldsgarten ein« öffentliche Kundgebung, die von Mit­bürgern aller Schichten in Stadt und Land über­füllt war. Rach dem feierlichen Einbringen zahl­reicher jungdeutscher Banner von Bruderschaften aus allen Teilen OberhessenS und kurzen Ein­führungsworten des Grvßkomturs der Grob" Dallei Hessen-Rassau und Waldeck, Hauptmann a. D. S tötzner. Arolsen, der u. a. auf die feste Stellung des 3ungdeutschen OrdenS in Hessen hinwies, sprach

Artur Mahraun,

der Hochmeister des Iungdeutschen Ordens und Reichsführer der Dolksnationalen Reichsvereini­gung, von der großen Versammlung mit lebhaf­tem Beifall begrüßt. Er wieS zunächst auf die große Arbeitslosigkeit und die schlimme WirtschastSnot hin, bedauerte die schwere seelische Rot, unter der heute infolge der sorgenvollen Zeit viele zu leiden ha­ben und erklärte mit diesen Erscheinungen, aber auch mit den Zahlreichen Bet rugS- und K o r- ruptionSsällen das politische Ergebnis vom 14. September, den Schrei zum Kampf gegen das System, den Schrei nach Erneuerung. Der Red­ner wandte sich dann gegen daS Treiben land- sremder Elemente in dem letzten 3ahrzehnt, er­innerte hieraus u. a. an di« Zelt der Revolution mit ihrer Diktatur und an daS Entstehen der neuen Front zur Abwehr der Wogen des Bol­schewismus. Idealismus war damals das erste Streben der neuen Front, alles galt dem Kampf gegen den Marxismus, gegen die Hetzer mitten im Volke. Aber Fehler auf Fehler seien bann gemacht worden, man habe den Idealismus immer stärker in den Hintergrund gedrängt, und heute befinde sich

der Idealismus als Grundlage der innerpoli- tischen willensdildung in einer schweren Krise.

Mit Entschiedenheit wandte sich der Redner dann gegen den Terror, der heute im politischen Kampfe vielfach ausgeübt werde, ebenso nach­drücklich lehnte er eine politische Betätigung ab, die nur auf Agitation eingestellt sei um die Macht zu erlangen. Er rief energisch zum Kampf gegen den Bolschewismus auf, der jetzt mit dem Mittel der Anterwühlung der abendländischen Staaten arbeite und nur die brutale Gewalt, die Ausschaltung von Recht und Gesetz als oberstes Ideal kenne. Diesen negativen Bestrebungen stellte er den Grundsatz des Frei- Herrn vom Stein von der Zusammen- gehörigkeitvonVolkundStaat gegen­über. Ein Voll, das seinen Staat nicht liebe, könne niemals die Freiheit wiedergewinnen. Eine solche nationale Einheit lasse sich aber nur auf Ideen gründen, nicht auf Beschlüsse. Der Red­ner legte dann die Wege und das Wollen der jungdeutschen Bewegung bar.

Das große Fronterlebnis im Kriege fei die Grundlage des jungdeulschen handelns. Die echte und treue Frontkameradfchafl solle als hohes Ethos In den neuen Staat hineingetragen werden. Auf dem Ethos der bündlfchen Idee, auf der Grundlage der Brüderschaft, die nur der Gesamtheit dienen und sich über alle Unterschiede hinweg die Hand reichen wolle, sei der neue

Staat auszugestalten.

Mahraun forderte dann volle staatsbür­gerliche Pflichterfüllung und erllärte, bah damit dem Volke mehr genützt werde, als mit vielen lauten und negativen Reden. Cr wandte sich in diesem Zusammenhänge gegen die Demagogie, mit der nur politische Ge­schäfte gemacht würden, und verurteilte ent­schieden die Lüge und Ehrabschneiderei im heu­tigen politischen Kampfe. Er forderte ein Gesetz

Spiclplan der Frankfurter Theater.

Opernhaus. Dienstag, 18. Rov., 19.30 bis nach 22 Ahr: Der Barbier von Sevilla. Mitt­woch, 19., 18 bis nach 22.30: Lohengrin. Donners­tag, 20., 19.30 bis nach 22: Turandot. Freitag, 21., 19.30 bis 22.30: Die Fledermaus. Samstag, 22., 19.30 bis nach 22.30: Zar und Zimmermann. Sonntag, 23., 14.30 bis nach 17: Geschlossene Vor­stellung für Erwerbslose: Der Freischütz. 19 bis gegen 22.30 Aida. Montag, 24., 19.30 bis nach 22: Das Land des Lächelns.

Schauspielhaus. Dienstag, 18., 20 bis 22.30 Uhr: Uriel Acosta. Mittwoch, 19., 20 bis nach 22: Der Mann, den sein Gewissen trieb. Donnerstag, 20., 20 bis nach 22.30: Wie werde ich reich und glücklich. Freitag, 21., 19.30 bis gegen 23: Geschichte Gottfrieden- von Derlichin- gen mit der eisernen Hand. Samstag, 22., 20 bis 22; Sturm im Wasserglas. Sonntag, 23.. 16 bis gegen 18: Wiederaufnahme beantragt 20 bis nach 22: Der Mann, den fein Gewissen trieb. Montag, 24., 20 bis 22: Sturm im Wasser­glas.

Dieser Protest der Studentenschaft findet leider seine Begründung in zahlreichen Zusammenstöhen, die sich in letzter Zeit nächtlicherweile in zu­nehmendem Mähe bemerkbar gemacht haben. Ohne für irgendeine Seite hier Partei ergreifen zu wollen, muh doch feftgeftcllt werden, daß der Anlaß zu den bisherigen Schlägereien meist von solchen jungen Leuten ausging, die nicht zur Studentenschaft gehören, sondern sich anscheinend einen Sport daraus machen, meist nachts, aber auch am Tage, Studierende und andere junge Leute anzupöbeln und bann, wenn diese sich die Belästigung verbitten, mit Brachialgewalt übet sie herzufallen. So ereignete sich erst in der Rächt zum gestrigen Sonntag wieder ein derartiger Borfall in der Walltorstrahe. wo einige junge Studenten und Ruderer, die harmlos und fried­lich nach Hause gingen, von Rowdies angefallen und mißhandelt wurden, wobei ein junger Rude­rer sogar stark blutende Wunden erlitt. Auch in der Rähe von Gastwirtschaften und Kaffee- Häusern sind derartige Vorfälle in der letzten Zeit mehrfach zu verzeichnen gewesen. Ferner ist uns zur Kenntnis gekommen, daß junge Leute sich begründetermahen von anderen jugendlichen Elementen verfolgt fühlen, ein derartiger Fall ist sogar der Polizei offiziell zur Anzeige gebracht worden. Es wäre zu begrüßen, wenn alle älteren und ruhig denkenden Leute die radikale und über- schaumende Jugend zur Vernunft und Ord­nung anhalten würden, darüber hinaus aber öle Polizeibehörde ihren Außendienst namentlich in den Nachtstunden verstärken und die nach der bisherigen Erfahrung bekannten Brennpunkte solcher Zusammenstöße ausreichend mit Beamten besehen würde. Die Wahrung des guten Rufes unserer Stadt als eines friedlichen Gemeinwesens muh schon eine besondere moralische Anstrengung aller vernünfti- gen Bürger und umfassende behördliche Maß­nahmen wert sein.

Taten für Dienstag, 18. November.

Sonnenaufgang: 7.21 Uhr, Sonnenuntergang: 16.03 Ahr. Mondaufgang: 4.47 Ahr, Mond­untergang: 15.04 Ahr.

1836: der Mediziner Cesare Lombroso in Verona geboren. 1863: der Dichter Richard Dehmel in Wendisch-Hermsdorf geboren.

Baukunst Ausstellung: Fritz Höger.

Reben Professor Hans Poelzig ist un- zweiselhaft der Hamburger Architekt Fritz Hö­ger der maßgeblichste Exponent der modernen deutschen Daukultur. Den Beweis seiner außer­ordentlichen Ste.--.ng tritt die Ausstellung an, die augenblicklich durch die Vermittlung des städtischen Hochbauamtes imEinhorn" gezeigt wird.

In Form von Modellen, Modellphotographien, Aufnahmen der erstellten Bauten, Schauzeich- nungen, Grund- und Aufrihplänen gewinnen wir einen tiefen Einblick in sein schaffen. Was dabei dem Beschauer zuerst auffällt, ist eine universell Vielfalt der Formen: stets verschiedene, aber doch jeweils in sich harmonische Proportionen, kennzeichnen die einzelnen Bauten. Zugleich über­rascht allenthalben die Kühnheit der Gestaltung, die zum Teil visionär aus den Zeichnungen spricht, andererseits, besonders in den Plänen für die Charlottenburger Kirche, mystischen Charakter trägt. Das schließt nicht aus, daß der Künstler in den Industriebauten eine sehr glückliche Mitte zwischen äußerer Schönheit und zweckentsprechen­der Grundform findet. Typische Beispiele dafür sind das Chile-Haus, der Sprinkenhof, das Scherckhaus, das Hochhaus des Hannover­schen Anzeigers, Bauten, denen die architek­tonische Vollkommenheit kaum abzusprechen ist. Das Verwaltungsgebäude der 3.-G.»Farben, in Frankfurt a. M., das nach den Plänen des glücklicheren großen Kollegen Prof. P o e l - z i g erbaut wurde, wurde auch von Hoger ent­worfen. Das Modell und die Zeichnungen, die die Ausstellung davon bringt, klingen in Einzel­heiten überraschend an Poelzigs Entwurf an und unterscheiden sich andrerseits wesentlich dadurch, daß Höger einen Teil des Verwaltungsgebäudes als Hochhaus projektiert, der den übrigen Kom­

plex dominierend überragt. Das Ganze aber ist eine nicht weniger reife Arbeit, als die des Berliner Architekten.

Ebenso dankbar wie die Betrachtung der großen Form ist das Sich-vertiefen in Einzelheiten. Es ist außerordentlich interessant, schon allein die Bearbeitung der Fassaden zu studieren. Dabei fällt in erster Linie auf, daß keinerlei Verputz, sondern stets der Backstein, und zwar der in­zwischen sehr bekanntgewordene und auch von anderen Architekten viel verwandte Klinkerback­stein zugleich mit Werkmaterial auch Fassaden­material darstellt. Durch Aeber-Eck-Stellung. durch Verdrehung des Steines in wohlberechneter Wechselseitigkeit erreicht der Baumeister eine or­namentale und dekorative Wirkung von geradezu sinnverwirrender Pracht, ohne dabei 'jedoch die Gesamtwirkung aus dem Auge zu verlieren, die durch starke vertikale Gliederung immer wieder zur Klarheit geführt wird. Die Individualität und die eigenpersönliche Rote festzustellen, HA man Gelegenheit in den völlig aus Backsteinen hergestellten Tierplastiken (die Löwen am Rüstrin- ger Rathaus, der Bär am Haupteingang des Berliner Zoos, der Elefant inModettphotograPhie wiedergegeben): weiter in dem Spiel dynami­scher Kräfte einiger Treppenhäuser, in der großen Linie, die die Entwürfe einiger Interieurs wieder- spiegeln.

Rebenbei sei bemerkt, daß die Bauten auf das denkbar geschickteste photographiert und die Mo- delle auf das sorgfältigste ausgeführt worden sind. Das Porträt des Architekten sei der be­sonderen Aufmerksamkeit empfohlen.

Die Ausstellung in ihrer Gesamtheit ist der Spiegel eine« bewußt künstlerischen Schaffens, zugleich ein Vorbote für hoffnungsvolle Ent­wicklung und vielleicht ein Ansatz für den Stil des 20. Jahrhunderts, der sich zweifellos nur in der Verbindung von formaler Schönheit und zweckbetonter Gestaltung vollenden kann. Erinnert man sich angesichts dieser Schöpfungen der Wol- kenkratzer Amerikas, der vielen, nur konstruierten

Schöne weiße Zähne: Chlorodont Ä

zum Schuhe der persönlichen Ehr«, das alle biejenigen, die im politischen Kampfe mit dem Mittel Der Lüge und Verleumdung ar­beiten, streng bestrafe. Mit der Beseitigung der Lüge im ösfentlichen Leben müsse die Erneuerung unseres Volkstums begonnen werden. Die jungdeutsche und volksnationale Be­wegung kämpfe auf der Grundlage des Jung- deutschen Manifestes für eine Systemänderung im Aufbau des ganzen Staates. Im Sinne des Frhr. vom Stein forderten sie:

Volk und Slaaf müssen eine seins

Ein Staat könne nur leben, wenn er von der ganzen Lieb« seiner Jugend getragen werde. Den heutigen Regierungen, besonders aber der preußischen Regierung, sage er: Ihr werdet niemals diese Opposition unterdrücken, wenn ihr euch nicht klar darüber seid, daß die ganze Ra­tion sich nach etwas Reuem sehnt. Sie sehnt sich nicht nach Radau, sondern danach, ihre idealistische Kraft zum Besten des Dolksganzen sich aus wirken zu las­sen. DaS ist nur möglich bei einer völligen staat­lichen Erneuerung. Rach einer kurzen Polemik gegen den Radikalismus der Rationalsozialisten hoo der Redner hervor, daß seine Bewegung eine lebendige Staatsbürgerorganisation auf der Grundlage des positiven AktivrSmus aller Kräfte erstrebe und die Deutsche Republik zu einem wahren Volksstaat fortentwickeln wolle, um dadurch ein Chaos zu vermeiden, das nur im Bolschewismus enden könne. Rachdem man den Iungdeutschen und Volksnationalen in der Deutschen Staatspartei nicht die Möglichkeit gegeben habe, eine lebendige Staatsbürgerbewegung zu schaffen, hätten sie die Partei betlaffen.

Sie seien bereit, jeder Partei und Parteikon­stellation im Kampfe zu Helsen, wenn diese gewährleiste, daß sich im Lande ein freies Slaatsbürgerlum organisiere und in lebendiger Selbstverwaltung den Unterbau dieser Staats- bürgerberoegung bilde.

Dann würden die Schäden des heutigen Partei- wesenS unmöglich werden. Der Redner lehnte weiter alle Bestrebungen a b, d'.e die deutsche Frage durch die Diktatur lösen wollten. D i e Diktatur fei keine Staatsform für uns Deutsche. Er forderte auf zu entschie­dener Propaganda für die Schaffung einer wahrhaft nationalen Selbstverwal­tung, verbunden mit verantwortungsbewußtem und starkem Führergedanken. Weiter wies der Redner in kurzer Zusammenfassung die Vorwürfe anderer Bünde gegen den Iungdeutschen Orden zurück, insbesondere die vom Stahlhelm, dessen Auszeichnung Mussolinis durch die Heber» reichung des Stahlhelm-Abzeichens er kritisierte, und in diesem Zusammenhänge lehnte er ein deutsch-italienisches Bündnis ent­schieden ab. Eine solche Dummheit wie vor dem Kriege dürften wir nicht noch einmal machen! Sodann polemisierte der Redner kurz gegen H i t- l e r, wobei er gewisse Widersprüche in der Stellungnahme Hitlers zur Iudensrage und gegenüber Frankreich beleuchtete.

Lr forderte bann eine gründliche Revision des Diktats von Versailles und die Wiederherstellung der deutschen politischen Macht und der deutschen

Wehrmacht durch diese Revision.

Unerläßliche Vorbedingung für eine erfolgreiche Außenpolitik in diesem Sinne sei aber die innere Erstarkung. Diese komme aber nicht durch eine Diktatur, sondern nur durch die höchste Entfaltung aller nationalen Kräfte im positiven Aktivismus. Zu dieser Mit­arbeit rufe er alle Deutschen auf. And jeder echte deutsche Mann solle dabei Freund und Bruder heißen! (Langanhaltender stürmischer Beifall.)

Mit dem Gesang des jungdeutschen Ordens­liedes fand bie Versammlung ihren Abschluß.

die Beschwerde des Willi Winkler in Friedberg gegen den Beschluß des KreisamtS Friedberg vom 20. März 1930, wegen Heran­ziehung zu den Mitgliedsbeiträgen der Schlosser- und Lchmiede-ZwangSinnung des Kreises Fried­berg. Der Beschwerdeführer, der in Friedberg eine Kraftfahrzeugschule betreibt und außerdem die Ausführung von Reparaturen jeg­licher Art, Verkäufe von Kraftfahrzeugen, Ma­schinen, Betriebsstoffen usw. übernimmt, be­gründete seine Beschwerde damit, daß der Repa­raturbetrieb als ein unselbständiger Hilfsbetrieb deS Fahrschulbetriebs und des Automobilgeschäfts anzusehen sei. Die Automobilreparatur sei eine reine Montagearbeit: die Arbeiten der Repara­turwerkstätte seien nur Anbringungsarbeiten hin­sichtlich der im Handelsbetrieb verkauften Ersatz­teile. Aus diesem Grunde bestehe für Ibn keine Innungspflicht. Das Kreisamt Fried­berg^ dagegen entschied durch Beschluß, daß gemäß" § 4 der Innungssatzung in Verbindung mit § 100 der Reichsgewerbeordnung der Be­schwerdeführer als Inhaber einer Reparatur- Werkstätte der Schlosser- und Schmledezwangs- innung angehören müsse. Der Betrieb einer Autoreparaturwerkstätte sei als handwerks- mähiaer Betrieb anzusprechen, da aud> die Auto- schlosserei eine fachmännische Ausbildung als Autoschlosser vorauSsetze, obwohl eS sich auch nur um daS Einsetzen fabrikmäßig hergestellter Ersatzteile handele. Der Provinzialaus­schuß erkannte nach vorausgegangener münd­licher Verhandlung, in der der Vertreter deS Beschwerdeführers, sowie der Obmann der Schlosser- und SchmiedezwangSinnung gehört wurden, zu Recht, die Beschwerde als un­begründet zurückzuweisen und die Kosten des Verfahrens dem Beschwerdeführer zur Last zu setzen. Streitwert 500 Mk.

AIS weitere Punkte der Tagesordnung wurden verhandelt:

1. Die Klage des Bezirksfürsorgever­bandes der Stadt Offenbach a. M. gegen den Dezirksfürsorgeverband des Kreises Friedberg auf Ersatz von Anterstühungs- kosten für Karl Hirschhäuser aus Windecken.

2. Die Klage des Bezirksfürsorgeverbandes der Stadt Dortmund gegen den Bezirksfürsorge­verband des Kreises Lauteroach wegen Erstattung von Anterstühungskosten für Kaspar Füllgraf, früher wohnhaft in Lauterbach.

Der Provinzialausschuß erkannte durch Arteile zu Recht,

zu 1. der Klage stattzugeben unb den Be­klagten zu verurteilen, an den Kläger 63,40 Mk. nebst 7 Prozent Zinsen seit 13. Mal 1930 zu zahlen. Die Kosten des Verfahrens wurden dem Beklagten zur Last gesetzt:

zu 2. der Klage insoweit stattzugeben, als der Beklagte verurteilt wird, an den Kläger die für die Zeit vom 9. bis 26. Mai 1928 aufgewendeten Kosten im Betrage von 26 Mk. zu zahlen. Die Kosten deS Verfahrens wurden dem Beklagten auferlegt.

Studentischer Protest an die Polizei.

Der Allgemeine Studentenausschuß der Universität Gießen teilt uns mit: In der letzten Kammersitzung der Gießener Studentenschaft wurde e t n st i m m i g der nachstehende Antrag angenom­men:

Die Studentenschaft der Universität Gießen erhebt schärf st en Protest gegen die in letzter Zeit sich mehrenden, fast täglichen UeberfälleaufKom- m i H t o n e n und ersucht die zuständige Polizei­behörde dringend um A d st e l l u n g des angeführ­ten Mißstandes."