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Schaffung von Reuanlagen durchgeführt find. Selbst- verständlich ist, daß die Erzeugung sich den Bedürf­nissen des Marktes anpaßt, daß die Qualität der Waren, ebenso die Aufnahme und die Art der Lie­ferung des Auslandes nicht nur gleichkommt, son­dern diese übertreffen muß. Will der deutsche Er­zeuger dem Auslande gegenüber konkurrenzfähig bleiben, dann muh er mit allem Nachdruck die Standardisierung seiner Erzeugnisse fortführen, die Zahl der Sorten im Obst, und Gemüsebau aus die marktgängigen beschränken und schärfste Sortierung der Waren durchführen. Der Absatz der Erzeugnisse ist in planmäßiger Weise zu organisieren Der Ber­kaus durch viele Berkäuser auf den Großmärkten liegt nicht im Interesse einer günstigen Verwertung der Erzeugnisse. Der Zusammenschluß der Kleinerzeuger zu Genossenschaften, um den gemeinsamen Absatz zu pflegen, ist erforderlich.

Oberfinanzrat Prof. Dr. Hillringhaus -Der. lin sprach als nächster Redner über

Genossenschaftliche Kreditpolitik.

Er zeigte, welche großen Aufgaben die Genosien- schäften im Verein mit den Genpssenschaftszentralen und der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse in Berlin zu erfüllen haben. Er legte sodann dar, wie in den Jahren nach der Stabilisierung vielfach nicht die richtige Kreditpolitik seitens der Genossenschaften getrieben worden sei und betonte, daß wichtiger als Mittel die- Menschen seien, denen der Kredit ge­geben werden könnte. Weiter wurden an Hand von zahlreichen Beispielen aus der Praxis die Not­wendigkeit und die Bedeutung von Liquidität, Soli­dität und Rentabilität bei den Genossenschaften er­läutert, wobei Liquidität stets vor Rentabilität gehen müsse. Die Genossenschaften sollen Entschul- dungs. und nicht Derschuldungsinstitute für die Landwirtschaft feilt. Auch mit der Frage der Bau- sparkasien, deren Wettbewerb die Kreditgenossen­schaften vielfach zu spüren haben, befaßte sich der Redner und warnte die Genossenschaften, sich auf dieses Gebiet zu begeben, vor allem erst die gesetz­liche Regelung abzuwarten.

Den Vorträgen schloß sich eine lebhafte Aus­sprache an.

Der Abschluß der Tagung.

Am Schluß der Tagung dankte Dekan Vogel- Bruchenbrücken namens der beteiligten Genossen- fchaftsoerbände der Hessischen Landesunioersität, dem Landwirtschaftlichen Institut und seinen Lehrern, wie auch allen Referenten, die sich in den Dienst dieses Lehrgangs gestellt hatten. Er gab der Der- sicherung Ausdruck, daß dieser Kursus allen Teil­nehmern wertvolle Anregungen für ihre unter den heutigen Verhältnissen besonders schwere Arbeit ge­geben habe, und sprach die Hoffnung aus, daß auch tm kommenden JcHr Gelegenheit geboten fein möge, den praktischen Genossenschaftern dera-tige Dortrage aus berufenem Munde wieder zu b'eten.

Oer Oppenheimer Kommunalkonfliki.

Dereitschaftspollzel in einer Kreisstadt.

WSR. Oppenheim, 15. Dez. In frrr wei­teren Entwicklung deS Oppenheimer Äom» munalkonfliktS sind neue Spannungen eingetreten. In einer dringenden Stadtratssihung wurde bekannt, daß Bürgermeister Dr. Rhumb- l e r erkrankt ist. Gleichzeitig wurde mitgetcilt, daß auch Beigeordneter Rechnungsrat Rüffer ans Gesundheitsrücksichten die Versammlung nicht leiten könne. Gs war diesmal also umgekehrt als in der vorigen Sitzung. Damals fehlten die Mit­glieder des Stadtrats, um Beschlüsse fassen zu können, diesmal fehlten die Männer, die zur Leitung der Versammlung befugt sind. Die Ver­sammlung konstituierte sich auf Grund des Ar­tikels 118 der Städteordnung neu und wählte EtadtratSmitglied Sie ff an zum Vorsitzenden. Die Winterbeihilfe wurde aus 15 Mk. für einen ledigen Erwerbslosen, 20 Mk. für Verheiratete und Ledige als Haushaltsvorstände, 22 Mk. für Verheiratete mit bis zwei Kindern, 25 Mk. für Verheiratete mit mehr als zwei Kin­dern festgesetzt. Die Bürger st euer wurde abgelehnt. Um die öffentliche Ruhe und Sicherheit zu garantieren, hatte d?r Bürgermeister veranlaßt, daß während der Sitzung 18 Beamte des Bereitschaftsdienstes mit einem Kriminalbeamten unter Führung eines Polizei­offiziers in Oppenheim- anwesend waren. Das Kommando hatte aber keinen Grund zum Ein­schreiten. Bürgermeister Dr. R h u m b l c r wird

einige Wochen in Urlaub gehen. Die bürger­lichen Ltadtratsmitglieder haben wegen der gegen sie verhängten Ordnungsstrafe von 100 Mk. beim ProvinzialauSschuh Beschwerde eingelegt.

Nationalsozialistische Ausschreitungen in Frankfurt.

Bisher 51 Verhaftungen.

WSN. Frankfurt a. M., 15. Dez. Trotz des Verbots des Polizeipräsidenten versuchten die Ra­tio n a l s o z i a l i st e n am Montagabend eine von ihnen angekündigte Versammlung im Zoologi­schen Garten abzuhalten. Die Polizei schritt ein, um die Abhaltung der Versammlung zu unterbinden. Darauf versuchte ein Teil der Nationalsozialisten trotz des polizeilichen Verbots einen Demonftra- tionszug zu bilden. Sie zogen über die Zeil nach der Konstabler, und der Hauptwache. Die Polizei griff mit einem starken Aufgebot ein und zerstreute wiederholt die Demonstranten, die immer wieder einen Zug zu bilden versuchten. Bis 22.30 Uhr waren 51 Personen fc st genommen wor­den. Davon sind 4 5 in das Polizeigefäng- n i 9 eingeliefert worden. Sechs Personen sind nach Feststellung ihrer Personalien wieder entlassen worden. Zwei Verhaftete, die auf der Wache epilep­tische Anfälle erlitten, mußten durch die Rettungs- wache ins Krankenhaus gebracht werden. Infolge der Unruhen mußte der Straßenverkehr im Stadt- innern zum Teil umgeleitet werden.

Schwerer Straßenbahnzusammenstoß.

WSR. Frankfurt a. M., 15. Dez. Heute morgen stießen im Stadtteil Ginnheim zwei Züge der Straßenbahn zusammen, da der eine Zug vom Straßenbahnführer nicht rechtzeitig zum Stehen gebracht werden konnte. Die Leiden Straßenbahnzüge wurden schwer be­schädigt. Der Wagenführer des einen Zuges er­

litt eine Gehirnerschütterung, zwei Insassen tru­gen llnterschenkeloruch. Quetschung des rechten Knies, EelichtSverlctzungen durch Classpluter und Hautabschürfungen davon. Alle drei Verletzten mußten dem Krankenhaus zugeführt werden

Schwierigkeiten des frankfurter Schumanntheaters.

WSR. Frankfurt a. M, 15. Dez. Die Schumanntheater-G.m. b.H., die Päch­terin des großen Theaterbaues am Hauptbahn­hof, hat vor einigen Tagen ihre Zahlungen eingestellt. Dcr Darietebetrieb. der bis zum vergangenen Sonntag noch von einer Arbeits­gemeinschaft der gastierenden Künstler aufrecht- crhalten wurde, wird bis zum 24. Dezember ge­schlossen und vom 1. Weihnachtsfcicrtag bis 31. Dezember von dieser Arbeitsgemeinschaft des Personals fortgeführt werden. Zu diesem Zeit­punkt läuft auch der Pachtvertrag der Betriebs« gesellschaft mit der Hauseigentümerin, der Zir­kus- und Thcaterbau-A.-G., ab.

Eine Diebes- und Wildererbande festgenommen.

WSR. Bad Wildungen, 15. Dez Der hiesigen Polizei ist es im Verein mit der Land- jägcrei gelungen, eine Diebes- und Wil-> dererbande von vier jungen Leuten fe st zunehmen. Die Bande hat in Wildungen zahlreiche Einbrüche und Diebstähle vorgcnom- men und dem Wildbestand dcr Wälder um Wil- dungen größeren Schaden zugefügt. Das Trei­ben der vier jungen Leute hatte schon vor eini­ger Zeit Verdacht erregt. Runmehr verdichtete sich das Deweismaterial so, daß zu der Ver­haftung geschritten werden konnte. Die Verhafteten sind zum Teil bereits mehrfach vorbestraft.

Bevölkerungsbewegung und Sterblichkeit in Gießen imZahre1929.

Von Medizinal'Nai Dr. Dinsack, Kreisgesundheilsamt Gießen.

Die Einwohnerzahl Gießens hat in den letzten Jahren nur unwesent.iche Schwankungen gezeigt, sie ist auf etwa 33 000 stehen geblieben. Infolgedessen lassen sich die für 1929 errechneten Werte direkt mit den vorjährigen vergleichen; diese sind, soweit er­forderlich, in Klammern beigefügt. Zunächst

die Geburten.

Geboren wurden in Gießen und in den Gießener Krankenanstalten im ganzen 946 (1021),

darunter von ortsfremden Müttern 495 (470),

so daß auf Gießen entfallen 451 (551),

also genau 100 Kinder weniger als im Vor­jahre!

Auf 1000 Einwohner kommen demnach nur 13,7 Geburten, während sich für 1928 noch 16,7 errechnen ließen: die für das Berichtsjahr gefundene Zahl ist die n i e d e r st e f e i t 1 9 1 8, wo sie mit 10,5 unter­boten wird. Daß es sich hier um traurige Aus­wirkungen der schlechten wirtschaftlichen Lage handelt, braucht nicht besonders erwähnt zu werden.

Von diesen 451 Gießener Kindern waren ehelich 379 (487), unehelich 72 (64), das Prozentoerhältnis der unehelichen Geburten ist demnach von etwa 13 auf 19 gestiegen. Von den 16 (18) Totgeburten Gießener Mütter waren 2 (1) unehelich.

Die Zahl der

Eheschließungen

bewegt sich seit 1924 ziemlich gleichmäßig auf­wärts: 1929 wurden 304 (293) Ehen geschlossen.

Gehen wir nun zu den

Todesfällen

über. Im Berichtsjahre starben in Gießen im ganzen 813 Menschen: hiervon sind 413 Ortsfremde abzusetzen, die in den hiesigen Krankenanstalten starben, so daß 4 0 0 Gießener Todesfälle übrigbleiben. Aus 1000 Einwohner berechnet, beträgt die Sberblichkeitsziffer 12 v. H. Sie ist etwas höher als der Durchschnitt der letzten Jahre mit etwa 11 v. H., muß aber als Ausnahme gelten, da sie durch die grimmige Kälte im Februar und

März bedingt ist, bei der Grippe und Lungenent­zündung unter den älteren Leuten zahlreiche Opfer forderten.

70

50

30

20

60

40

I II III IV V VI VII VIII IX X XI XII

Die obenstehende Tabelle zeigt die Verteilung der Todesfälle auf die einzelnen Monate: sie läßt das starke Ansteigen im Februar und März gut er­kennen. Einheimische =.....; Ortsfremde -------

Ein Alter von über 70 Jahren erreichten 148 Per­sonen, das sind 37 v. H. der Verstorbenen, genau wie im Vorjahr. Unter diesen befanden sich 20 Männer und 32 Frauen, die über 80 und ein Mann und zwei Frauen, die über 90 Jahre alt wurden.

Es starben im Jahre 1929 von den ehelich Ge- borenen 19 Kinder im ersten Lebensjahre, das würde bei 379 ehelichen Neugeborenen rund 5 v. H. be­

tragen: da» Verhältnis kann als recht gut bezeichnet werden und übertrifft noch beträchtlich das vorjährige mit 6,16 v. H. Bei den unehelichen Neugeborenen ist das Verhältnis naturgemäß'weniger günstig, cs be­trägt 8,3 v. H. und ist ebenfalls bester als im letzten

1

5 15 30 60 70 darüber

Ioyre. »0 170

160 60 INC

130

HO 110

100

90

80

70

60 SD <i0

30

20

10 -V-

Jn obenftehender Tabelle sind die Todesfälle nach sieben Altersklassen verteilt: man erkennt, wie in den mittleren Lebensjahren die auswärtigen Todes­fälle überwiegen und im höheren Lebensalter das Uebergewicht wieder nach Gießen zurückfallt. Ein- heimische = ....; Ortsfremde =------.

Betrachten wir zum Schluffe

die Todesursachen.

Es würde natürlich zu weit führen, alle Todes­ursachen hier aufzuführen, nur die wichtigsten und häufigsten seien genannt.

An erster Stelle stehen, wie auch im Vorjahre, Erkrankungen des Herzens und der Streislauforgane, die in 70 (71) Fällen genannt werden, 55 (49) mal wird Altersschwäche angegeben; ausfallend viele Opfer 54 ^31) forderten die Krebserkrankungen, die den seitherigen Jahresdurchschnitt mit etwa 35 Fällen stark überschritten haben; 27 (42) Lungenentzündun­gen und 22 (1) Grippeerkranlungen endeten tödlich, fast alle in den überaus kalten Monaten Februar und März, fast ausnahmslos betrafen sie ältere, gebrechliche und weniger widerstandsfähige Men­schen. Schlaganfälle führten in 33 (29) Fällen zum Tode; an Erkrankungen der Verdauungsorgane und des Nervensystems starben je 15 Menschen. Die Tuberkulosesterbcfälle sind von 32 auf 25 zurück­gegangen, von 9,1 auf 6 v. H. der Todesfälle. 7 (6) Menschen schieden freiwillig aus dem Leben, Un­glücksfälle forderten 6 (6) Todesopfer, ein Mann wurde erschossen aufgefunden. Die Infektionskrank­heiten, denen besonders das Kindesalter ausgesetzt ist, verliefen im allgemeinen gutckrtig der Diphtherie und dem Keuchhusten erlagen je ein Kind. Die Para­typhuserkrankungen im ganzen wurden uns 43 Fälle gemeldet verliefen alle gutartig, ebenso gingen 5 Fälle von Wochenbettfieber in Genesung über.

Als wichtigste Todesursachen bei den 413 Orts- fremden, die in Gießener Krankenanstalten starben, seien erwähnt: Herzkrankheiten in 50, Lungenent­zündung in 47 Fällen (besonders häufig im Februar, März und April); Krebs wird 45 mal, Krankheiten der Verdauungsorgane (Magen-, Darm-, Gallen­blasenoperationen) werden 41 mal genannt. In je 15 Fällen führten Wundinfektionskrankheiten, Tu­berkulose und Krankheiten der Harnorgane zum Tode; Influenza und anderweitige Lungenerkran­kungen forderten je 12 Opfer.

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