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Der titeb, den die Regierung jetzt gegen die heimwehr geführt habe, habe sie ungeeignet gemocht.

Die Regierung wolle den liberalen Poltteistaat aufrichten. Der Redner betonte zum Schluß, jede große Bewegung habe ihre Opfer. Liefe Opfer geben jeder großen Bewegung neuen Schwung und neue Starte. Die Heimwehrcn wurden daraus neue Kraft schöpfen, sie würden einträchtig arbeiten oom Bur. aenland bis zum Bodensee und einig auch den Kampf beginnen.

Der zweite Vinidessührer der heimwehren, Dr. Pfriemer, wies darauf hin^ daß Bundeskanzler Schober nach der Verabschiedung der Dersassungs- reform der Bundesführunci der heimwehren gesagt habe:Wir wollen auch weiterhin kameradschaftlich zusammenarbeiten und wir werden jeden Schritt, der getan werden foll, gemeinsam beraten. Aber der Bundeskanzler habe in der E n t w a f s n u n a s - frage nicht mit der heimwehrsiihrung besprochen. Sept habe der Versuch eingesetzt, die Heimwehr­bewegung von innen heraus zu zerstören.

Run müsse aber das große Reinemachen kommen und Ordnung geschaffen werden.

Pu»Ü 1 der Verfassung:Alles Recht geht oom Volke aus", müsse Wirklichkeit werden.

Aus aller Welt.

General Dawes Diktator Chicagos?

London, 16.3uni (WTB. Funkspruch.) Daily Herald" veröffentlicht eine drahtlose tele­phonische Unterredung mit dem gegenwärtig in Reuyork befindlichen amerikanischen Botschafter in London. General DaweS, der, wie das Blatt behauptet, vielleicht seinen augenblick­lichen Posten aufgeben werde, um die gefährliche und schwierige Aufgabe der Säuberung Chicagos von Ve r b r e ch e r e I e m e n t en zu übernehmen. Dem Blatt zufolge soll General DaweS ersucht werden. derDiktatorChica- aoS zu werden. Der Botschafter erklärte, er sei bereit, eine solche Aufforderung zu erwägen. Der Herausgeber derChicago Tribüne" er­klärte zu dieser Meldung, Dawes sei der rechte Mann für die Säuberung Chicagos, das 10 0 0 0 bekannte Verbrecher beherberge.

Schwere C^plosionskatastrophc m China. 100 rote, 500 Verletzte.

Reuyork 16. 3uni. (WTB. Funkspruch.) Associated Preß berichtet aus Schanghai auf Grund verspäteter chinesischer Pressemeldungen über eine Explosion des Munitions­lagers in CH echow (Provinz Hunan) am 10. 3uni: Bei der Katastrophe fanden l 0 0Per- fon en den Tod. 300 wurden verletzt, der Sachschaden ist bedeutend.

Großfeuer in einer osipreußifchen Kleinstadt.

Wartenberg (Ostpc.), 16.3uni. (WTB. Funkspruch.) 3n dem auf bem Marktplatz gele­genen HotelDeutsches Haus brach gestern nachmittag ein Feuer aus, daS sich mit gro­ßer Schnelligkeit ausbreitete und in wenigen Augenblicken die drei Gebäude des HotclS in Flammen setzte. Wahrscheinlich infolge von Flugfeuer kam in einem Gebäude auf dem Marktplatz ein zweiter Brand aus. der sich ungehindert ausbreitete und auch ein wei­teres Nebengebäude erfaßte. Durch das Eingrei­fen der zur Hilfeleistung herbeigerufenen OHlen- ffeinet Feuerwehr konnte ein weiteres Umsich­greifen des FeuerS verhindert werden. Dem Brande sind die Hotelgebäude und Zwei weitere Häuser zum Opfer gefallen. Der Schaden wird auf etwa 200 000 Mark geschätzt.

28 Kinder bei einem Kinobrand umgckommen.

Charkow, 15. Juni. (WTB.) Auf Veranlassung be. Charkower Sowjets ist eine besondere Kom­mission mit der Untersuchung ber furchtbaren Brandkatastrophe betraut worben, ber ge­stern während einer Schüleroorstellung in einem hiesigen Kino 28 Kinder zum Opfer fielen. Rach den bisherigen Feststellungen ist das Unglück dadurch entstanden, daß bas F i l m b a n b während der Vorführung Feuer fing. Unter den 500 Zu- schauern, Eltern und Kindern, brach eine Panik aus. Trotz der Bemühungen einzelner Besonnener stürmte alles den Ausgängen zu. Die meisten der 28 Todesopfer wurden bei, dem Gedränge erdrückt. Sechs Kinder wurden schwer und fünf Kinder leicht verletzt. Den betroffenen Familien ist von den Behörden jede Unterstützung in Aussicht gestellt worden. Einige verantwortliche Beamte der Kom­mission für Volksaufklärung, die die Vorstellung veranstaltet hatten, sind ihre- Postens enthoben worden.

Unfall eines Marineauto».

Berlin, 15.3uni. (WTB.) Am 14. Juni ist zwischen Gotha und Ohrdruf auf dem Koste r- ftaebter Grundweg ein Lastkraftwagen ber 2. Kompanie der 5. Marine-Artillerieabteilung, die sich zur Zeit auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf befindet, infolge Materialversaaens rückwärts ins Rollen geraten. Der Hetzer-Gefreite Hoff­mann wurde bei dem Berfud), sich durch Ab- springen in Sicherheit zu bringen, über fahren. Er erlitt einen Schädelbruch, an desien Folgen er inzwischen gestorben ist. Der Oberheizer Wen- drien zog sich einen Beckenbruch ju; für ihn be­steht keine Lebensgefahr. Drei weitere Ange­hörige ber 2. Kompanie wurden leicht ver­letzt.

Wettervoraussage.

Das ausgedehnte nördliche Hochdruckgebiet mit dem Kern über Südschweden und Dänemark er­streckt seinen südlichen TeU mit über Deutschland. 3nfolgedesfen herrscht nordöstliche bis östliche Luftzufuhr, welche eine leichte Abkühlung brachte, die noch durch Wolkenschleier begünstigt tourbe. 'Der der kontinentalen Luftzufuhr wird die Be- lvölkung wieder abnehmen und erneut meist hei­teres Wetter herrschen. Die Temperaturen stei­gen dann durch die ungehinderte Sonnenstrahlung wieder an.

Aussichten für Dienstag Meist hei- teres Wetter, trocken, tagsüber wieder langsamer Temperaturanstieg.

Aussichten für Mittwoch: Wenig Aen- derung der Wetterlage.

Retfewetterdievst.

Westerland auf Sylt: 16 Grad, gestern warmer Tag, Ostwind, heiter, gestern meist heiter.

Baden-Baden: 19 Grad, gestern heißer Tag, Oftwind, wolkig, gestern teils heiter, teils wolkig.

Berchtesgaden: 16 Grad, gestern heißer Tag, Nordwind, Witterung heiter, gestern meist heiter.

Aus der provinzialhaupifiadi.

Gießen, den 16. 3uni 1930.

Vor Tagesanbruch.

Geh' einmal mit den Hühnern schlafen und steh' ganz früh, noch vor Tagesanbruch, auf. Wenn eben der Glanz der Sterne langsam vor dem ersten fahlen Schimmer im Rordosten ver­geht. so daß sie nicht mehr wie lebende Lichter ?sichern, aber doch dem Auge noch gut sichtbar ind, dann ist die rechte Stunde. Laß keine Last dein Schreiten hemmen, kleide dich so, daß du die Frische der vergehenden Rächt verspürst.

Wenn du die Stadt verlassen hast und Häuser und Mauern hinter dir versunken sind, suche den Wald auf, streife durch Dusch und Tann, folge dem Lauf eines Baches, und wenn du Wut fassen kannst, springe auch einmal darüber hin. Sei aber jeden Augenblick bereit, stille zu stehen und zu lauschen. Denn viel ist jetzt zu sehen, was du sonst niemals erfahren würdest: mehr als zu irgend einer anderen Stunde. Erst vermagst du die Laute noch nicht zu unterscheiden, hörst es rings leise rauschen und wispern, und dann und wann klingt unbestimmt der Auf eine- Tieres heraus. Aber wenn du aufmerkst, wird dir be­wußt, daß auf den Blättern Tau liegt Und plötzlich können deine Augen daS Sinzelnc sehen: den Tropfen, der schwer an einer Blattspitze hängt, sie dann fallend freigibt, so daß sich das Blatt befreit hebt. Du hörst ein leichtes Knacken, und wenn du aufschaust, flüchtet ein Reh in großen Sprüngen und birgt sich vor dir in einer Dickung deS Gebüschs. Roch schlägt hier und da die Aachttgall, gedehnter, schwermütiger als beim Anbruch der Rächt. Und ihr letzter klagender Ton verhallt, wenn eben die Sonne aufgeht. Die gefiederten Tagesboten waren auch schon längst zu hören. 3hre ersten Lieder hast du ver­säumt, tote du überhaupt die Hebergängc nicht toahrnehmen konntest. Aber plötzlich ist die Luft um dich mit lautem Schall erfüllt, und du nimmst wahr, daß es Tag geworden ist.

Kühl weht es durch den Wald, über die Wiesen, aber langsam, fast feierlich streicht die fiuft durch den Raum der erwachenden Aatuc. Und so herb und würzig ist dieser Waldesodem, gesättigt vpm Besten, was die Srde zu geben vermag. Blüten und Früchte, Scholle und Wasser geben ihren reinen Atem ab, erfrischen dich, tote du noch nie erfrischt warst.

Du gehst beim. So froh und heiter warst du lange nicht, und wenn die Stadt dich wieder aufnimmt mit hohen Häusern und ragenden Mauern, mit ihrem bescheidenen Stückchen Him­mel, wenn die ersten Fensterladen rasselnd hoch- gezogen werden, hinter denen verschlafene Ge­sichter erscheinen, fühlst du den einzigen Genuß des Morgen- vor Tagesanbruch. Am Tische fragen dich dann die Deinen, wo du warst und was dir wohl Schönes begegnet fei. Verrate nichts und sage ganz obenhin, so nebenbei: nur ein wenig vor Tagesanbruch spazieren! Gr.

Graf Zeppelin"" über Gießen.

Gestern, Sonntagabend, kurz nach 22.30 älhr, wurde die Bevölkeruna unserer Stadt durch ein starkes Motorengeräusch in der Lust auf die bereits angekündigte ile be r f l i e gu n g ®ie« ßens durch das LuftschiffGraf Zeppelin" aufmerksam gemacht. Das Luft­schiff erschien, auf dem Rückfluge von Münster nach Friedrichshafen, aus ber Richtung Mar­burg kommend und der Bahnlinie folgend, über­flog die Stadt von Rorden her und verschwand allmählich in südlicher Richtung. Da das ßuft- schiff verhältnismäßig niedrig flog, waren die Um­risse schwach, die hell erleuchteten Gondeln gut er- kennbar. 3mmerhin wird ein beträchtlicher Teil der Einwohnerschaft das Luftschiff auf der Nacht­fahrt nur teilweise, ober gar nicht bemerkt ha­ben. Cs wäre dringend zu wünschen, daß daS Luftschiff auch einmal bei Tage unsere Stadt überfliegt, wie es bei anderen Städten ja zum Tell bereits mehrfach der Fall gewesen ist, wäh­rend Gießen bisher ausnahmslos nur zur Racht- zeit berührt wurde.

Vorrrotize».

Tageskalender für Montag. FGF.: 3. Hauptübung, 20.30 Uhr. Lichtspiel­haus Bahnhofstraße:Lagliostro" (Leben und Liebe eines großen Abenteurers) undRaketen- Omnibus" (mit Pat und Patachon).

Stadttheater Gießen. Man schreibt unS: Am Dienstag bringt das Stadttheater als ztoerte Vorstellung im Sommerabonnement Ar­nold RidlehS DetektivftückDer Geisterzug". Den großen Beifall, den dieses spannende und zugleich komische Werk bei den - aus technischen Gründen nur wenigen Ausführungen in der Winterspielzeit errungen hat, veranlaßten die 3ntendanz zu einer einmaligen Wiederholung. Der 3nhalt des aufregenden Stückes ist echt ame­rikanisch. Die Spielleltung liegt in den Händen von Peter F a s s o 11. der mit modernsten techni­schen Mitteln die große Aktualttät des Stückes, dessen aufregende Handlung sich auf einer kleinen Grenzstation zwischen den 11. S. 2L und Kanada abspielt, sicher akzentuiert. Die Vorstellung be­ginnt um 20 Uhr.

Katholischer deutscher Frauen - bun d: Dienstag. 17.3imi, 20 ilhr. im Katho­lischen Vereins Haus: Vortrag über Obstverwer- tung. (Siehe Anzeige vom Samstag).

Gchulpersonalien. Auf Grund des AltersgrenzegeleyeS treten am 1.3uli in den Ruhestand: ber Oberftubienrat an ber Oberreal- schule in Gießen Otto Weißgerber und Lehrer Wllhelm Mink an der Volksschule zu Dlitzenrod, Kreis Lauterbach.

* Die Ausstellung von Reisepäs­sen und Leumundszeugnissen. Das Polizeiamt teilt mit: Die Ausstellung von Reife- paffen und Leumundszeugnissen erfordert eine Vorprüfung der Verhältnisse des Antragstellers, die einige Zeit in Anspruch nimmt. Um die rechtzeitige Erledigung ber Reisepaß- und Leu­mundszeugnis-Anträge gewährleisten zu tonnen, wird darauf aufmertfam gemacht, daß die An­träge auf Ausstellung von Reisepässen min- bestens vier Tage und die auf Ausstellung von Leumundszeugnissen mindestens fünf biS sechs Tage vorher bei den zuständigen Bezirken zu stellen sind. Für die Ausstellung der Reisepässe ist ein ungestempeltes, aus neuester Zeit ft am» inendes, deutlich erkennbares Lichtbild abzugeben. Die Gebühr von 3 Mk. für den Reisepaß und 1 Mk. für das Leumundszeugnis ist bei Anfrag­st ellung zu entrichten.

Vermißt wird seit gestern abenb gegen 19 Uhr der Schneider geselle Ludwig Hölscher aus Grebenau, Är. Alsfeld. Hölscher, bet sich

mit Freunden gegen 16 ißt am LaunSbacher Badeplay getroffen hatte, ist gegen 18.30 Uhr nochmals zum Baben ins Wasser gegangen und von da nicht mehr zurückgekehrt. Trotz des regen Badeverkehrs hat niemand etwas von dem jungen Mann bemerkt. Die St leibet wurden von einem Arbeitskollegen gesunden. Roch an­wesende Leute haben sich um den Verbleib des jungen Mannes bemüht, konnten aber nichts seststeklen. CS ist leider wahrscheinlich, daß er den Tod un Wasser gesunden hat. Die polizei­lichen Ermittelungen ftnb im Gange.

Die Haushaltungsschule der ßanb- Wirtschaftskammer in Michelstadt i. O. ge­währleistet ihren Schülerinnen eine planmäßige und gründliche Ausbildung auf allen Gebieten des Haus­haltes und der Hauswirtschaft, im Kochen, Backen, Flicken usw. Die Schule ist nach den neuesten Er­fahrungen eingerichtet und ausgestattet', sie fördert die praktische und theoretische Durchbildung der jun­gen Mädchen in jeder Hinsicht. Die Regelmäßigkeit des Unterrichtsbetriebe«, ein mit der Schule ver­bundener großer Park, Ausflüae und Besuch wissen- schastlicher und allgemeinbildender Einrichtungen tragen zum Wohlbefinden und der Förderung der jungen Elevinnen wesentlich bei. Interessenten seien auf die heutige Anzeige verwiesen.

Amtsgericht Gießen.

Gin61 u ben t e n u I f, der nach Ansicht der Anklagebehörbe namentlich mit Rücksicht auf den Ort, an dem er ftattfanb, und die näheren Umstände, ingroben Unfug auSgeartet und deshalb strafbar sei, stand dieser Zage zur Verhandlung. (Sin Student beabsichtigte angeb­lich eine gegen ihn wegen Uneinbringlichkeit ber Geldstrafe erkannte Haftstrafe in dem hie­sigen LandgerichtSgesängni s abzusitzen. Deine Kommilitonen wollten es sich wegen der Selten­heit des Falles nicht nehmen lassen, ihn zu be­gleiten und an dem Gefängnistor Abschied von ihm zu nehmen: dies sollte aber nicht ohne stu­dentischen Mit geschehen. Der Student wurde deshalb auf einen zweispänniaen Rollwagen ge­setzt und neben ihn ein Bundesb ruber, der den Henker barstellte, beide in der Situation ent­sprechenden Maskeraden. Auf dem Wagen hatte noch eine Reche von Studenten Platz ge­nommen: andereLeidtragende" gingen hinter ihm her u. bgL m. (Sine Pauke fehlte auch nicht auf dem Wagen. Der Zug bewegte sich unbe­helligt durch einige Straßen, zeitweise wohl auch unter den Augen der Polizei, die aber offen­sichtlich dem Mmstand Rechnung trug, daß es sich um einen Studentenulk handle, ber keine Be­lästigung des Publikums barst eile, auch solche Scherze wohl ober übel in einer Universitäts- ftabt geduldet und dem Studentenleben derartige Konzessionen gemacht werden müßten, solange die Scherze nicht ausarteten. Der Zug endete vor dem Gefängnistor, an dem sich eine größere neugierige Menge angesammelt hatte. Den Ein­laß begehrenden Studenten wurde ber Gintritt selbstverständlich verweigert. Das Gericht schien sich der Auffassung, daß es sich in der Haupt­sache nur um einen Studentenulk handele, wie sie in anderen Mniversitätsstädten gang und gäbe sind, nicht zu verschließen, gelangte aber doch zu einer verurteilenden Erkenntnis wegen groben Unfugs bzw. Störung der öffentlichen Ordnung, insbesondere mit Rücksicht auf ben Schlußakt ber Veranstaltung. Dieser spielte sich unmittelbar vor ber GefänguiStur ab, deren Be­nutzung zeitweise infolge ber Veranstaltung aus­geschlossen war. Auch erklärten, im Gegensatz zu anderen Zuschauern, Gesängnisbsamte, sie Mitten mit Rücksicht auf ihren Dienst Anstoß an dem Verhalten der Studenten genommen und es als eine Belästigung empfunden, zumal Gefangene unruhig geworden seien. Die Studenten erhiel­ten geringe Geldstrafen.

Oberheffen.

Schweres Llnweiier über Alsfeld.

Alsfeld, 14. Juni. Ain Freitagnachmittag gegen 4 Uhr entlud sich ein schweres Un­wetter über unserer Stadt. Es setzte ein wol­kenbruchartiger Regen ein, so daß an ben tiefer gelegenen Stellen der Stadt alsbald alles über­schwemmt war und die Wassermassen in die Keller eindrangen. Der mit dem Unwetter ver­bundene Hagelschlag richtete erheblichen Schaden an, insbesondere in den Gärten am Obste und den Pflanzungen (Einem Hühner be- fitzer wurde sein Bestand von 2 7 Kücken durch den Hagel getötet. Da die Kanäle die gewaltigen Wassermassen nicht aufzunehmen vermochten, waren nach dem Untoetter umfang­reiche Aufräumungs- und Reinigungsarbeiten notwendig. 3n der Lutherstrahe, die gegenwärtig kanalisiert wird, hatten die hereinströmenden Wassermassen große Zerstörungen angerichtet und einen Teil der Straße zum (Sinbrudj ge­bracht.

Landkreis Gießen.

# AuS der QÖctterau, 14. 3unL Die Heuernte ist beendet. Der Ertrag ist sowohl hinsichtlich der Menge, wie auch ber Güte als sehr gut zu bezeichnen, und man muß schon viele 3ahre zurückdenken, um eine gleich gute Ernte feststellen zu können. Da große 'Mengen Kleeheu aufbereitet wurden, ist Der Bauersmann mit seinen Rauhsuttervorräten sehr zufrieden. Ein wahresU.ngezieserjahr ist das heurige. 3n ben Gärten richten Drahtwürmer und Engerlinge an ben ausgelaufenen Bohnen­pflanzen großen Schaden an, daß ganze Büsche absterben. Daneben machen sich Crdrauven und Schnecken, denen das feuchte Aprilwetter in ihrer Entwicklung sehr dienlich war. an Erd­beeren und Kohl recht unangenehm bemerkbar. Die Obstbäume kümmern fast unter ber Schäd- ttngSplage. Blattläuse in noch nicht bage- wejener Zahl lassen die 3ungtriebe zusammen­rollen, und an Stamm und Zweigen haben sich massenhaft BlutlauSkvlonien gebildet. Steinobst- bäuine. besonders Zwetschen und Mirabellen, werden durch massenhaft auftretenbe Schild- l ä u f e in ihrer Entwicklung gehemmt. Wie wich- ttg die Winierspritzung mit Oostbaumkarbolineum ist, erhellt daraus, daß behandelte Bäume sich gegenüber unbespritzten durch dunkle Laub- färbung auszeichnen, schöne 3ungtriebe bilden und keinerlei Schädlingsbefall auftoeifen.

s. Utphe, 15. 3uni. Gestern sand die Ver­steigerung des Heugrases auf dem ®e- meinbetoiefengetänbe statt, zu der sich auch Land- Wirte der Rachbardörfer etngefunben hatten. Die Preise lagen wesentlich unter der Höhe bet im vorigen Jahre erzielten. Die billigsten Mor­gen beliefen sich auf 10 bis 20 Mark, ba sie hinsichtlich der Menge und Güte des Grases

minderwertig find. Die Moraen mittlerer Düte kamen auf etliche 30 Mati, während gute Qualität mit starkem Graswuchs sich auf 40 bis 50 Mark je Morgen stellte. Die gleichen Par­zellen hatten un Vorjahve 90 und 100 Mark erzielt. Die nichtigeren Preise erklären sich auS dem Umstand, daß infolge der günstigen Witte­rung Klee in reichem Maße vorhanden ist und deshalb Wiesengras nicht zur Grünfütterung Verwendung zu finden braucht.

KreiS Büdingen.

ow. Ober-Widder Shei m, 14. 3unl. Zur Zeit ist hier die Heuernte in vollem Gang: die Wiesen liefern einen sehr reichlichen Ertrag, ber bei dem günstigen Wetter auch fefr gut ein» gebracht wird. Leider ereignete sich babei gestern ein schwerer Unfall. Der Landwirt und Gastwirt Karl Siserl. von hier, dem im 3abre 1926 bei einem Unfall auf der 3agb die rechts Hand durchschossen wurde, fuhr einen bochbelave- nen Hcuwagen nach Hause Dabei versagte an abschüssiger Stelle die Hemmvorrichtung Eiser kam zu Fall und der Wagen ging über ihn weg. Der bedauernswerte Mann erlitt rechtsseitig einen Ober- und llnterschen- kelbruch und am linken Oberschenkel eine be­deutende Fleischwunde. Rach Anle­gung eineS Rotverbandes mußte er in die chirurgische Klinik nach Gießen verbracht werden.

Kreis Alsfeld.

k Alsfeld, 14. Juni. Rafsinierte Ein­brecher waren in der Rächt vom Freitag auf Samstag in der Stadt wieder einmal am Werke. Die Diebe hatten es anscheinend auf Waffen und Munition abgesehen. In der Eisenwarenhandlung von (Bebauer brachen sie ein Pult auf und öffne­ten mit dem darin liegenden Schlüssel auch den Kassenschrank, wobei ihnen etwa 200 Mark Bar­geld in die Hande fielen. Außerdem brachen sie einen Schrank auf und entwendeten daraus ver- giebene Arten van Munition, sowie aus der an- ßenden Küche das Fahrrad des Dienstmädchens, ie die hinterlassenen Fußabdrücke beweisen, haben die Täter barfuß gearbeitet. Auch der Waffenhand- lung von P. Hilgert statteten sie einen Besuch ab und suchten durch Eindrücken eines Gefaches in den Laden zu gelangen, wobei sie aber anscheinend gestört worden sind. Vermutlicy hat man es mit raffinierten Einbrechern zu tun, was man aus der Tatsache schließen kann, daß die Täter die Türen zu ben Zimmern mit Stricken zugebunden und vor das Schlafzimmer des Ladeninhabers Hilgert eine schwere Sandsteinplatte gelegt hatten, um ein Hinzu- kommen der Bewohner zu verhindern. Die sofort unter Zuziehung der LandeskriminalstcUe Gießen eingeleiteten polizeilichen Ermittlungen haben bis jetzt noch zu keinem Ergebnis hinsichtlich ber Täter geführt.

600-Zahrfeier Darmstadt«.

Glückwunsch der hessischen Negierung.

WSR. Darmstadt, 14.3unL Staatspräsi­dent Ade lung hat an ben Oberbürger­meister der Stadt Darmstadt zu dem 600jährigen Stadtjubiläum der Lan­deshauptstadt folgendes Glückwunschschrei­ben gerichtet:3m Flamen der hessischen Staats- regienmg entbiete ich der hessischen Landeshaupt­stadt zum 600jährigen Stadtjubiläum herz­lichste Glückwünsche. Ein Rückblick auf die Geschichte ber Stadt Darmstadt in ben vergan­genen 3ahrhunderten läßt, wie wohl überall, Glück und llnglüd, Stillstand, Fortschritt und auch rückläufige Bewegung erkennen: ein Auf und Ab in stetem Wechsel. 3m ganzen abec zeigt sich doch eine gesunde Aufwärts­entwicklung ber Stadt. Eine solche Fest­stellung ist wertvoll in schwierigen Zeilläusteir. Sie lehrt, baß man letzten Endes an den Fort­schritt glauben und sich nicht durch Rückschläge und augenblickliche Röte irre machen lassen soll. Da rm stabt möge mit Vertrauen in die Zukunft blicken. Wohl sind die wirt­schaftlichen Grundlagen der Stadt nicht übermäßig breit, ober doch fest und sicher. 3fyren kulturellen und wirtschaftlichen Rang wird sich die Stadt zu bewahren wissen. Allen großen Schwierig­keiten zum Trotz und als eine bet schönsten Wohn­stätten Deutschlands hat sie von jeher ihre An­ziehungskraft ausaeübt. Die hessische Staats- regierung wird sich ber befonberen Verhältnisse Darmstadts bewußt bleiben und für d i e Stadt fürderhin tun, was zu tun irgend möglich i st Die Stadtverwaltung aber möge auf die Kraft, die jedem gesunden Gemeinwesen innewohnt, auf den Burgersinn, auf eine in gemeinsamem Willen starke Bevöl­kerung Der trauen. So wird einer glücklichen Wei­terentwicklung Darmstadts ber Weg geebnet werden.

Mit vorprglicher Hochachtung bin ich 3hr er­gebener Adelung.

Der Minister des 3nnern hat der Lan­deshauptstadt mit folgendem Schreiben herzlichste Glückwünsche ausgesprochen:Der für die Stadt und ihre Bewohner so bedeutungsvolle Tag fällt in eine Zeit schwerster wirtschaftlicher Röte und Sorgen. Darmstadt Hot die unglücklichen Rachwirkungen des Krieges in besonderem Aus­maße erfahren. Aber ich kann mit Befriedigung feststellen, baß Stadtverwaltung und Bevölke­rung sich dadurch nicht haben entmutigen lassen und nach neuen Wegen gefugt haben, um die Stadt wieder besseren Zeiten ent­gegen^ führen. 3ch wünsche diesem Bemühen vollen Erfolg und kann Eie, hochverehrter Herr Oberbürgermeister, versichern, daß ich Sie und die Stadt in diesem Bestreben gerne unter­stützen werde. Leuschner."

Zwei Personen vom Blitz erschlagen.

WSR. Gelnhausen, 15. 3uni. Bei dem am Freitagnachmittag in ber hiesigen Gegend nieber- aegangenen Gewitter wurden in Kempfen­brunn eine 54 3ahre alte Frau Anna Am end und ein 12jähriger 3un ge vom Dliy getroffen und auf ber Stelle ge­tötet. Die beiben befanden sich auf einer ab­gelegenen Wiese und suchten sich vor dem hef­tigen Gewitterregen durch Unterstellen unter einer Buche im nahen Walde zu schützen. Un­weit ber Stelle weidete noch eine Schafherde, von ber 26 Schafe durch den Blitzstrahl erfahtund getötet wurden. Der Hrrte und der Sohn ber getöteten Frau Amend, die un­mittelbar neben ben beiden umgekommenen Per­sonen standen, blieben wie durch ein Wunder unverletzt.